• eruieren

    Das Verb eruieren bedeutet „feststellen“, „ermitteln“ oder „herausfinden“, speziell durch gründliches Untersuchen oder Nachforschen.

    Herkunft des Wortes ist das gleichbedeutende, lateinische eruere (ausgraben, zu Tage fördern).

    Bevor wir uns für ein Modell entscheiden, müssen wir zumindest das mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis eruieren.

    Oft ist nicht klar zu eruieren, mit welchem Studiengang man die besten Aussichten auf späteren Erfolg hat. Da hilft nur, sich nach Interesse und Bauchgefühl zu entscheiden.

    Und, so sagen unsere Führer, Gastfreundschaft, das wisse ja die ganze Welt, Gastfreundschaft sei den Paschtunen heilig. Das mag zutreffen, doch kann man Muslim Khan wirklich trauen? Immerhin hat er schon eigenhändig Leute enthauptet, ob sie auch seine Gäste waren, lässt sich nicht mehr eruieren.
    – Ulrich Ladurner (2009), Teufel im Paradies, DIE ZEIT, 30.04.2009 Nr. 19.

  • de facto

    Die Wortverbindung de facto bedeutet „tatsächlich“, „in der Praxis“ bzw. „den Tatsachen oder dem Verhalten entsprechend“.

    Der Begriff wird gebraucht, um den Ist-Zustand einer Sache oder eines Sachverhalts zu beschreiben. Das Gegenwort ist de jure und meint den rechtlichen Soll-Zustand.

    Der Ursprung liegt im Lateinischen, wo de facto „in Wirklichkeit“ bedeutet (vgl. factum: Tatsache, Ereignis).

    Das große Problem Taiwans ist, dass es zwar de facto ein eigenständiger Staat mit funktionierender Demokratie ist, de jure von der Weltgemeinschaft aber nicht als ein solcher anerkannt wird, sondern nach wie vor als Chinas „abtrünnige Provinz“ gilt.

    Die letzten Monate hat de facto nicht der Geschäftsführer selbst, sondern seine Frau das Unternehmen gelenkt.

    Doch das größere Problem aus Sicht der Rechteinhaber und -verwerter ist: Die technische Entwicklung läuft gegen sie. Im Netz der frei zirkulierenden Inhalte sind Urheberrechte de facto kaum noch durchsetzbar, schlicht, weil der Verstoß kaum noch jemandem zuzuordnen ist.
    Thomas Ramge (2005), Geklaut bleibt geklaut, brand eins 05/2011.

    Die Wahlmanipulationen und die jetzige Niederschlagung des Aufstandes lassen sich als schleichenden Staatsstreich beschreiben. Wenn Ahmadineschad durchkommt, wird die Islamische Republik de facto zu einem Einparteienstaat.
    Ulrich Ladurner (2009), Irans alte Garde ringt um die Zukunft, DIE ZEIT, 25.06.2009 Nr. 27.

  • probat

    Das Adjektiv probat bedeutet „bewährt“, „erprobt“ oder „geeignet“ und beschreibt in erster Linie Maßnahmen, Methoden, Mittel und Wege als (erfahrungsgemäß) tauglich und angemessen.

    Der Begriff findet seinen Ursprung im lateinischen probare (prüfen, für gut befinden).

    Eisbeutel im Nacken sind ein probates Mittel, um selbst an den heißesten Sommertagen dem Hitzschlag zu entgehen.

    Als probate Maßnahmen bei Verbrennungen durch Quallen haben sich heißes Wasser und Essig erwiesen.

    Sir Maynard Keynes […] sah im so genannten Deficit Spending in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein durchaus probates Mittel der Politik: Um der schwächelnden privaten Nachfrage auf die Sprünge zu helfen und die Wirtschaff anzukurbeln, soll der Staat laut seiner Theorie sogar in die Bresche springen, auch wenn er sich dafür verschulden muss.
    Ralf Grötker (2006), Bankrott ist machbar, brand eins 07/2006.

  • kafkaesk

    Das Adjektiv kafkaesk beschreibt ein unergründliches Gefühl der Bedrohung, der Unsicherheit oder des Ausgeliefertseins, etwa angesichts einer im Dunkeln liegenden Macht.

    Der Begriff ist kein Fremdwort im eigentlichen Sinne. Er hat seinen Ursprung nicht in einer fremden Sprache, sondern im Namen des Schriftstellers Franz Kafka.

    So sehen sich beispielsweise in Kafkas unvollendeten Werken „Das Schloss“ und „Der Prozess“ die Protagonisten einer undurchschaubaren und unerreichbaren Bürokratie ausgeliefert.

    Zunächst wurde der Begriff nur im literarischen Umfeld verwendet, wo Werke, die eine ähnliche Grundstimmung und einen ähnlichen Stil wie die Werke Kafkas aufwiesen, als kafkaesk bezeichnet wurden. Im heutigen Sprachgebrauch können auch reale Situationen, Sachverhalte und Strukturen als kafkaesk beschrieben werden.

    Sie wusste nicht, wer der richtige Ansprechpartner für ihr Anliegen war oder ob es überhaupt einen gab. Sie wurde nur von Amt zu Amt, von Sachbearbeiter zu Sachbearbeiter geschickt, ohne einen Hoffnungsschimmer ihrer misslichen Lage doch noch Herr werden zu können. In dieser geradezu kafkaesken Situation verlor sie beinahe den Verstand.

    Er machte die kafkaeske Erfahrung, ohne Grundlage und ohne sich an jemanden wenden zu können, an den Pranger gestellt zu werden.

    Wirklich beunruhigend jedoch wurde es, als ich innerhalb der Behörde ein drittes Mal überprüft wurde. Mich beschlich trotz meines guten Gewissens und der eindeutigen Aktenlage dabei das kafkaeske Gefühl, Gegenstand einer anonymen Untersuchung zu sein, deren Anlass ich ebenso wenig erfuhr wie ihr Ergebnis.
    – Joachim Walther (2006), Stasi:Immer im Dienst, Die Zeit, 07.12.2006 Nr. 50.

  • Kausalität

    Das Substantiv Kausalität bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch und speziell in der Philosophie den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung. Synonym zu Kausalität ist „Ursächlichkeit“.

    Einfaches Beispiel: Weil es geregnet hat, sind die Straßen nass.

    Im Strafrecht bezeichnet Kausalität zudem den Zusammenhang zwischen der Handlung des Täters und dem Erfolgseintritt. Das Resultat wäre ohne die Handlung des Täters nicht eingetreten. (Siehe auch: Conditio-sine-qua-non)

    Kausalität wurde im 18. Jahrhundert aus dem gleichbedeutenden mittellateinischen causalitas entlehnt.

    Manche Menschen sehen in ihrem Handeln und den logischen Konsequenzen keine Kausalität. Sie begehen immer wieder die gleichen Fehler und sind sich keiner Schuld bewusst.

    „Unternehmen leben von der Differenz, davon, dass sie eben nicht so sind wie der Wettbewerb. Und dann holen sie sich Berater, die nach Mustern suchen und auch so arbeiten, die in unterschiedlichen Unternehmen die immer gleichen Kausalitäten herstellen und am Ende einen Standard empfehlen.“ Die unausbleibliche Folge: Statt Differenz als wichtigstem Betriebsmittel kehre die Norm ein.
    Wolf Lotter, Der Maßstab, Brandeins 10/2013

    Nun wird nach zehn Jahren beobachtet, dass die Probanden mit dem höchsten Bananenverzehr am längsten leben. Und wenn dann Korrelationen zu Kausalitäten umgedeutet werden, lautet die nächste Schlagzeile: „Bananen verlängern das Leben.“
    Uwe Knop, Gut und Böse, Brandeins 07/2014

     

  • kontemplativ

    Das Adjektiv kontemplativ bedeutet „beschaulich“, „untätig“ oder „besinnlich“.

    Eine kontemplative Stimmung ist dabei von ruhigem, fast meditativem Charakter geprägt und eine Zeit der Besinnung und Beschäftigung mit geistigen Inhalten.

    Der Ursprung des Wortes liegt im lateinischen contemplativus (beschaulich, betrachtend, theoretisch).

    Er ist eher kontemplativer Natur, kein extrovertierter Draufgänger, sondern in sich gekehrt und oft in Gedanken versunken.

    Für die einen ist der eigene Geburtstag stets von ausgelassenem Feiern begleitet, für die anderen ein Anlass zu kontemplativem Rückzug.

    Ein kurzer Besuch im Karstadt-Kaufhaus in Hamburgs Innenstadt macht sicher. In den oberen Etagen herrscht, wenige Tage nach Ende des Winterschlussverkaufs, eine kontemplative Stimmung. Einige wenige Kunden stehen lustlos zwischen den Angeboten herum.
    Wolf Lotter (2003), Wert-Arbeit, brand eins 02/2003.

  • salomonisch

    Das Adjektiv salomonisch bedeutet „weise“ und beschreibt etwa besonders kluge, umsichtige und durchdachte Lösungen, Urteile etc.

    Der Begriff leitet sich aus dem Namen des biblischen Königs Salomo ab, dem damaligen Herrscher über Israel. Beispielhaft für seine göttliche Weisheit gilt folgende Geschichte:

    Zwei Frauen in Begleitung eines Kindes traten vor den König Salomo und behaupteten jeweils, es sei das eigene. Salomo befahl daraufhin, das Kind zu zerschneiden und jeder Frau eine Hälfte zu geben, was die Zustimmung der einen Frau fand, die der anderen das Kind nicht gönnen wollte. Die andere bat jedoch, das Kind am Leben zu lassen und es der ersten Frau zu geben. Der König befand, die wahre Mutter müsse diejenige sein, der am Leben des Kindes mehr lag als am eigenen Gewinn.

    Er hat den salomonischen Weg gewählt und einen Vorteil für alle Vertragspartner herausgeholt.

    Ihre salomonische Antwort lautete: Beide haben Recht, auf ihre jeweils eigene Weise.

  • Ressentiment

    Ressentiment (das) bedeutet „heimlicher Groll“. Die Aussprache folgt dem französischen Vorbild.

    Hat jemand Ressentiments gegenüber einer Sache oder einer Person beziehungsweise Personengruppe, so verspürt er eine unterschwellige, manchmal auch unbewusste Abneigung. Diese Abneigung hat ihren Ursprung meist in Vorurteilen, Neid, Unterlegenheitsgefühlen oder Ähnlichem. Das Wort wird häufig im Plural verwendet.

    Der Begriff entstammt dem gleichbedeutenden französischen ressentiment.

    Ich habe sehr unter der Wirtschaftskrise gelitten. Man konnte ja kaum aus seinem Porsche aussteigen, ohne den Ressentiments der Passanten ausgesetzt zu sein.

    Asylbewerber treffen in Deutschland vielerorts auf Ressentiments, Misstrauen und offen zur Schau getragenen Hass.

    Die Rechnung, mit von fremdenfeindlichen Ressentiments geprägtem Wahlkampf in der Gunst der Wähler zu steigen, ging nicht auf und führte stattdessen zu einem Erdrutschsieg seines Kontrahenten.

  • diametral

    Das Adjektiv diametral bedeutet bildungssprachlich „entgegengesetzt“ und beschreibt damit Sachverhalte, Argumente, Aussagen, Positionen etc., die in ganz und gar gegensätzlichem Verhältnis zueinander stehen, d.h. völlig verschieden sind.

    Häufig gebraucht wird die Phrase „diametral entgegengesetzt“, die nicht unbedingt pleonastischen, sondern eher betonenden Charakter hat. Stilistisch ist sie ob ihres inflationären Gebrauchs dennoch von zweifelhafter Güte.

    Speziell in der Mathematik beschreibt der Ausdruck Punkte auf dem äußeren Rand einer geometrischen Figur, deren Verbindungslinie zum einen durch den Mittelpunkt der Figur geht und zum anderen den maximal möglichen Abstand zweier Punkte innerhalb der Grenzen der Figur darstellt. Das einfachste Beispiel dafür sind zwei Punkte, die sich auf dem Durchmesser eines Kreises gegenüberliegen.

    Die Herkunft des deutschen Begriffs liegt im spätlateinischen diametralis (zum Durchmesser gehörend) und geht auf das gleichbedeutende griechische diametros zurück.

    Die Arbeit der Regierungskoalition verlief bisher sehr harmonisch. Bezüglich der aktuellen Frage führen die diametralen Positionen der beiden Parteien jedoch zu langwierigen Verhandlungen, deren Ende bisher nicht in Sicht ist.

    Was Bier betrifft, haben meine süddeutschen Freunde und ich diametrale Präferenzen.

  • dekadent

    Das Adjektiv dekadent bedeutet „ausschweifend“, „verschwenderisch“ oder „im kulturellen Niedergang begriffen“. Der Ausdruck wird überwiegend abwertend gebraucht und kommt im Deutschen relativ häufig vor.

    Dekadent ist eine Gesellschaft dann, wenn vermeintliche Hochkultur und zunehmender Hang zum Hedonismus zum Verlust der Widerstands- und Durchsetzungsfähigkeit führen. Genuss- und Vergnügungssucht  lösen gesellschaftliche Tugenden ab, was zum Niedergang bzw. Verfall der Kultur führt.

    Die Herkunft des Begriffs findet sich im lateinischen Verb decadere, welches „verfallen“ oder „hinabsinken“ bedeutet.

    Wenn die führenden Schichten im Römischen Reich nicht so dekadent gewesen wären, wäre die Republik vielleicht nicht so schnell untergegangen.

    Der dekadente Lebensstil kostet ihn ein Vermögen.

    Die Feste der Könige und Kaiser waren dekadent.

    Die Prohibition brachte den „Badewannen“- Gin hervor, für den man Industriealkohol mit dubiosen Zutaten zu einem scharfen Getränk mischte. Anschließend kam die große Zeit der Partys und Martini-Dinners, die jedoch in den 1970er Jahren nur noch als dekadent empfunden wurde.
    Sonja Kastilian (2014), Gin – Der Geist in der Flasche, faz.net 02.01.2014.

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