• desavouieren

    Das Verb desavouieren bezeichnet das Bloßstellen in der Öffentlichkeit oder auch das Abstreiten oder die Nichtanerkennung von Personen oder Gegebenheiten. Synonyme des bildungssprachlichen desavouieren sind „blamieren“, „vorführen“, „kompromittieren“, „zum Gespött machen“, oder auch „in Abrede stellen“.

    Aus dem Französischen entlehnt, besteht desavouier aus dem altfranzösischen Präfix dés-, welches die Aussage des Verbs aufhebt und dem Verb avouer, zu Deutsch „anerkennen“ oder „einen Fehler eingestehen“.

    Durch das Abstimmungsergebnis fühlte sich der Politiker desavouiert. 35% der eigenen Parteimitglieder hatten gegen sein Vorhaben gestimmt.

    Sie desavouierte sich vor ihrer neuen Arbeitgeberin, als sie den Stift aufhob und ihre Hosennaht platzte.

    Der Präsident ist in seiner Autorität beschädigt, die Regierung als ein Verein von Amateuren desavouiert.
    Martin Gehlen, Neue Verfassung: Mit der Scharia ist in Ägypten kein Staat mehr zu machen, Die Zeit 16.12.2012.

     

  • ratifizieren

    Das Verb ratifizieren bedeutet „als gesetzgebende Körperschaft einen völkerrechtlichen Vertrag in Kraft setzen“. Der Begriff wird in der Politik und in der politischen Berichterstattung verwendet.

    Das lateinische Verb ratificare mit der Bedeutung „genehmigen, bestätigen“ setzt sich seinerseits aus ratus (bestimmt, gültig) und facere (tun, machen) zusammen.

    Die Abgeordnetenkammer ratifizierte das Steuerabkommen mit Deutschland.

    Nachdem beide Länder den Friedensvertrag ratifiziert hatten, kam es in der kleinen Grenzstadt zum ersten Gipfeltreffen seit fünfundsiebzig Jahren.

    Das Handelsabkommen mit China wurde vom Parlament ratifiziert.

  • ostentativ

    Das Adjektiv ostentativ bedeutet „in herausfordernder oder in provozierender Weise“.

    Es gehört zur Bildungssprache und ist im Alltag oder in der Umgangssprache entsprechend selten zu hören. In der Schriftsprache findet es weit mehr Verwendung, vor allem in Nachrichten und Berichten zu politischen Themen.

    Das Adjektiv geht zurück auf das lateinische Verb ostentare, was soviel bedeutet wie „darbieten“ oder „prahlend zeigen oder herausstellen“.

    Er wendete sich ostentativ ab, um sein fehlendes Einverständnis deutlich zu machen.

    Nach den letzten verlorenen Wahlen hat die Parteispitze auf allen Pressekonferenzen ostentativ Geschlossenheit und Einigkeit demonstriert.

    Als sie ihn wegen der unbezahlten Rechnungen zur Rede stellte, schwieg er ostentativ.

  • Eskapismus

    Das Substantiv Eskapismus bezeichnet die „Realitätsflucht in eine Scheinwelt oder -wirklichkeit“, sowie in einem allgemeineren Kontext die „Sucht zu Vergnügen und Zerstreuung“.

    In den letzten Jahren hat der Begriff vor allem im medienwissenschaftlichen und medienpsychologischen Kontext an Bedeutung gewonnen.

    Die Herkunft des Wortes im Deutschen liegt in der englischen Entsprechung escapism, die wiederum dem lateinischen Verb excapere, „entkommen“, entstammt.

    Der Politiker kritisierte den zunehmenden Hang der Jugend zum Eskapismus durch Online-Rollenspiele und andere Medien.

    Eskapismus war gestern, heute holt uns die Realität auch im Superhelden-Kino ein: Iron Man macht ein Sabbatical und Batman hat eine unipolare Störung.
    – Christina Rietz (2013), Held, gönn dir mal ’ne Pause. Zeit Online.

  • volatil

    Das Adjektiv volatil bedeutet „beweglich“, „unstetig“ oder „flüchtig“ und wird in verschiedenen Zusammenhängen verwendet.

    Im Finanzwesens etwa werden sprunghafte und unbeständige Aktienkurse als volatil bezeichnet.

    Auch in der Betriebs- oder Volkswirtschaft ist es nicht unüblich, unbeständige Zustände wie Preisentwicklungen oder andere Variablen in einer Marktwirtschaft als volatil zu bezeichnen.

    In der Chemie wird der Ausdruck für besonders flüchtige Stoffe verwendet, d.h. solche, die schon bei geringen Temperaturen verdampfen.

    Ableiten lässt sich der Begriff aus dem lateinischen volatilis (fliegen, flüchtig).

    Wind- und Solarenergie sind volatile Energieträger, mit denen sich nur näherungsweise kalkulieren lässt.

    Und natürlich machen es sich Unternehmer, Geschäftsführer und Vorstände bei Verlustgeschäften einfach. Im Zweifelsfall trägt der volatile Markt die Schuld.

    Und im Geschäftsbereich Consumer – dazu gehören neben Nivea kleinere Hautpflege-Marken wie Eucerin oder Labello – kam man nur auf 1,6 Prozent. Zum Vergleich: Henkel wuchs in diesem Segment um 4,8 Prozent, L’Oréal sogar um 5,6 Prozent. Die Beiersdorf-Tochter Tesa steht zwar besser da, das Geschäft mit Klebstoff ist aber relativ klein und volatil.
    Patricia Döhle (2011), Blick in die Bilanz: Pflegefall, brand eins 06/2011. 

  • Authentizität

    Das bildungssprachliche Substantiv Authentizität bedeutet „Echtheit“.

    Es bezeichnet die Eigenschaft einer Sache, Person oder Organisation, authentisch zu sein, also auf Echtheit geprüft und „als Original befunden“.

    Synonyme zu Authentizität sind „Glaubwürdigkeit“, Zuverlässigkeit“, „Unverfälschtheit“ oder „Wahrheit“.

    Authentizität ist als Substantiv seit Mitte des 18.Jahrhundert in der deutschen Sprache belegt. Bei dem Wort handelt es sich um eine Ableitung des Adjektivs authentisch, welches auf das spätlateinische authenticus (original, echt, verbürgt) zurückzuführen ist.

    Die Authentizität des Vertrags wurde notariell beglaubigt.

    Das Museum zeigt die Wohnumstände in der Stadt während des 18. Jahrhunderts. Ausgewähltes, originalgetreues Mobiliar und viele Details verleihen den Wohnräumen des alten Bauernhauses Authentizität.

    Luxusmarken müssen darauf reagieren, dass ihre Kunden zunehmend aus dem asiatischen Raum kommen, andere Vorlieben haben und ein anderes Einkaufsverhalten. Sie müssen gleichzeitig der Digitalisierung von Kommunikation und Handel Rechnung tragen – eine Entwicklung, die größere Transparenz und Authentizität von einer Branche fordert, die am liebsten inszenierte Geschichten und perfekte Illusionen verkaufte.
    Markus Albers, Das Luxus-Problem, Brandeins 12/2014

  • falsifizieren

    Das bildungssprachliche Verb falsifizieren bedeutet „fälschen“,  „verfälschen“ oder „widerlegen“,„entkräften“.

    Es  wird zum Beispiel verwendet, um auszudrücken, dass wissenschaftliche Hypothesen durch empirische Studien oder logische Beweise widerlegt und somit entkräftet werden.

    Antonym (Gegenwort) zu falsifizieren ist das Verb „verifizieren“.

    Falsifizieren ist abgeleitet vom mittellateinischen falsificare, zu lateinisch falsus (falsch) und facere (machen, tun).

    Mithilfe der Langzeitstudie soll die vorherrschende Hypothese falsifiziert werden und ein neuer Durchbruch in der Forschung erreicht werden.

    Noch deutlicher wird Dannemann: „Dass alle Autoren von Lehrbüchern abschreiben ist eine unhaltbare Generalisierung, die sich angesichts der großen Anzahl von Lehrbüchern nicht verifizieren, aber schon mit einem einzigen Gegenbeispiel falsifizieren lässt.“
    Jonas Krumbein, Hat der Plagiatsjäger selbst plagiiert?, Der Tagesspiegel, 08.11.2013

    Die Schule falsifiziert eine Reihe schulorganisatorischer Mythen. So etwa die Notwendigkeit der Auslese der AHS-Schülerschaft im Alter von zehn Jahren und die Sinnhaftigkeit der achtjährigen gymnasialen Langform.
    Karl Heinz Gruber, Diese Schule dürfte es nicht geben, DIE ZEIT Nº 48/2014

  • konzedieren

    Das Wort konzedieren kommt im bildungssprachlichen Gebrauch vor und bedeutet „zugeben“, „einräumen“, „zugestehen“.

    Konzediert werden kann etwa ein eigentlich nicht erwünschtes Verhalten, wenn besondere Umstände vorliegen, die eine Ausnahme gestatten.

    Auch beim leicht widerwilligen Einräumen positiver Aussagen, etwa bezüglich Eigenschaften oder Errungenschaften anderer Personen, kann man vom Konzedieren sprechen.

    Letztlich können negative Entwicklungen oder Situationen konzediert werden, was meist ein öffentliches Zugeben selbiger meint.

    Das Wort konzedieren leitet sich aus dem lateinischen concedere ab, das ursprünglich „beiseitetreten“ heißt.

    Durch die besonderen Umstände konnte man ihre Abwesenheit konzedieren.

    Er war der Liebling der Lehrer, weshalb einige seiner Unarten stillschweigend konzediert wurden.

    Trotz des jüngsten Skandals muss man ihm seinen überragenden Intellekt konzedieren.

    Die englischen Kommentatoren sprechen einhellig von einer unglücklichen Niederlage und konzedieren, dass die Deutschen selbst in Unterzahl zumindest passabel spielten und gute Chancen herausholten.
    Krönig (2010), Um England steht es nicht gut, Zeit Online.

    Auch die EZB wird bald konzedieren müssen, dass wir es nicht mit einem normalen Konjunkturzyklus zu tun haben, sondern mit einem Prozess, der nach klassischem Muster in die Deflation führen kann.
    Wermuth (2008), Deflation wird wahrscheinlicher, Zeit Blog „Herdentrieb“.

  • Atavismus

    Das Substantiv Atavismus wird fachsprachlich genutzt, um das Wiederauftreten von anatomischen Merkmalen oder Verhaltensweisen zu beschreiben, die den unmittelbar vorhergehenden Generationen fehlen. Atavismus kann bei Pflanzen, Tieren oder Menschen auftreten.

    Im übertragenden Sinn wird Atavismus zudem verwendet, um eine Auffassung oder ein Verhalten zu beschreiben, das einem veralteten Weltbild entspricht.

    Das Substantiv ist auf das lateinische atavus (Großvater des Urgroßvaters, Urahne) zurückzuführen.

    Trotz fortgeschrittener Emanzipation kehren viele junge Familien zum Atavismus des geldverdienenden Vaters und der fürsorglichen Hausfrau zurück.

    Ich glaube nicht an die Genialität, auch nicht bei Künstlern. Ich arbeite gern im Kollektiv. Genialität, das ist eine Art Atavismus. Es geht darum, gemeinsam etwas zu erreichen.
    Chris Dercon, „Veränderung tut immer weh“, Der Tagesspiegel, 26.04.2015

    Offenbar mutieren liebende Eltern, kaum haben sie ihren eigenen Nachwuchs abgeliefert, zu Rasern, die auf den Nachwuchs anderer keine Rücksicht nehmen. Ein Atavismus zur Erhaltung der eigenen Gene?
    Mark Spörrle, Wieso gibt es vor den Hamburger Schulen keine „Kiss & Ride“-Parkplätze für Eltern?, DIE ZEIT Nº 38/2014

  • Fakturieren

    Das Verb fakturieren ist der Kaufmannssprache zuzuordnen und bezeichnet das Ausschreiben oder in Rechnung stellen von gelieferten Waren und geleisteten Diensten.

    Zudem erfolgt in gleichem Zug die entsprechende Buchung des Geschäftsvorfalls auf das betroffene Konto im externen Rechnungswesen.

    Synonyme zu fakturieren sind „abschätzen“, „ausschreiben“ oder „berechnen“.

    Das Verb ist auf das lateinisch-spanische factura (Rechnung) zurückzuführen.

    Nachdem sich die Reparaturen über Wochen hinausgezogen haben, wurde die Rechnung zu allem Erstaunen direkt im Anschluss an die Fertigstellung fakturiert.

    In diesem Monat wurden im Vergleich zum Vorjahr mehr als doppelt so viele Lieferungen fakturiert.

    Das Unternehmen liefert 85 Prozent seiner Maschinen in jeden Winkel des Auslands. Ein Viertel des Absatzes geht in die USA. Die Dollarschwäche des Sommers habe dem Maschinenbauer bislang nicht geschadet, sagt der Chef. „In Nordamerika können wir fast ausschließlich in Euro fakturieren.“ Außerdem schließe man Kurssicherungsgeschäfte ab.
    Peter Gaide und Marc-Stefan Andres, Limonade für die neuen Reichen, Zeit Online, 04.09.2008

     

Seite 18 von 64«10151617181920213040»