• Kaschieren

    Das Verb kaschieren bedeutet „beschönigen“, „korrigieren“, „verbergen“ oder „verschleiern“.

    Wenn man eine Sache oder einen Zustand kaschiert, so verändert man etwas oder stellt etwas so dar, dass eine positivere Wirkung erzielt wird. Das heißt, man verdeckt bestimmte Mängel, damit diese nicht mehr erkennbar sind.

    Kaschieren wird unter anderem auch in der Theaterbranche und Textilindustrie verwendet, um den Herstellungsprozess plastischer Teile der Bühnendekoration zu beschreiben oder die Verklebung zweier Textilgewebe miteinander durch die Einlagerung von Klebstoff.

    Der Begriff wurde im 17.Jahrhundert dem französischen cacher („verstecken“) entlehnt.

    Durch vorteilhafte, weite Kleidung lassen sich allerlei Problemzonen, wie zum Beispiel weihnachtlicher Bauchspeck, kaschieren.

    Um triste Buchrücken attraktiv zu gestalten, werden sie mit dekorativen Einbänden kaschiert.

    Der zweitgrößte Automobilclub der Welt war wegen Manipulationen beim Autopreis Gelber Engel in die Kritik geraten. Dabei waren die Teilnehmerzahlen für ein Voting zum beliebtesten Auto der Deutschen geschönt worden, um das geringe Interesse der ADAC-Mitglieder an der Wahl zu kaschieren.
    Zeit Online, ADAC: Grüne werfen ADAC Manipulation bei Deutschland-Rallye vor, Zeit Online, 21.01.2014.

  • unilateral

    Das Adjektiv unilateral bedeutet „einseitig“. Es wird meist verwendet, um politische Handlungen oder Ereignisse als von einem Akteur ausgehend bzw. nur einen Akteur betreffend zu beschreiben.

    Der Begriff setzt sich zusammen aus den lateinischen Worten unus (ein/e) und latus (Seite).

    Anstatt Verhandlungen mit den anderen Staatschefs abzuwarten, preschte er mit einem unilateralen Beschluss vor.

    Sie gibt sich deutlich verhandlungsbereiter als ihr häufig unilateral handelnder Vorgänger.

  • skandieren

    Das Verb skandieren bedeutet ursprünglich, mit starker Betonung der Hebungen zu lesen oder zu sprechen. Hebungen sind im Deutschen die Wörter oder Silben in Versen, die auch im natürlichen Redefluss betont werden.

    Weiterhin kann ein rhythmisches, einzelne Silben betonendes Sprechen oder Rufen gemeint sein, wie es etwa bei Sprechchören von Menschenmassen zu hören ist. Aus diesem Grund trifft man auf den Begriff insbesondere im Rahmen der Berichterstattung über Demonstrationen und Sportveranstaltungen.

    Sie versammelten sich zu Tausenden vor dem Palast und skandierten stundenlang: „Der König muss weg!“ „

    Als eine Schalker Fan-Gruppierung am Samstag beim Spiel gegen Frankfurt ein Feuer zündete, erfuhr sie sofort Ablehnung aus dem eigenen Lager. „Wir sind Schalker und ihr nicht“, skandierte eine große Menge anderer blau-weißer Anhänger.
    Oliver Fritsch (2012), Das alte, neue Nazi-Problem in den Fankurven, ZEIT ONLINE.

  • Nimbus

    Das Substantiv Nimbus (der) bedeutet „Heiligenschein“ bzw. „besonderes Ansehen/Prestige“.

    Vom Nimbus im Sinne eines Heiligenscheins hinter dem Haupt einer Person spricht man vor allem im Kontext der bildenden Kunst, wo er als Symbol des Göttlichen oder auch weltlicher Macht dient.

    Ebenfalls kann ein (eventuell sogar übersteigerter) Ruhm gemeint sein, wenn man vom Nimbus einer Sache, einer Person oder einer Gruppe von Personen spricht. Der strahlende Glanz also, der sich von rational begründbarer Bewunderung abhebt.

    Der Begriff findet seine Herkunft im lateinischen nimbus, welches wörtlich „Regenwolke“ bedeutet und im übertragenen Sinne die Nebelhülle meint, in der Götter den Menschen erscheinen.

    Er wollte um jeden Preis den Nimbus um seine Person bewahren; diesem Ziel ordnete er alles andere unter.

    Das neue Album bestätigt ihren Nimbus als eine der vielseitigsten Jazz-Sängerinnen unserer Zeit.

    Am Sonntag stehen in Venezuela Gouverneurswahlen an. Der Staatspräsident hat seinen Nimbus der Unbesiegbarkeit verloren – nun kandidieren Dissidenten gegen seinen Willen.
    Thomas Chavez (2008), Chávez gegen Chávez, Zeit Online, 23.11.2008.

    Um das haupt griechischer gottheiten erscheint auf abbildungen ein strahlenkranz und nimbus, auf indogriechischen münzen pflegt der Mithras einen kreisförmigen nimbus mit spitzen strahlen zu zeigen, andere darstellungen entbehren der strahlen.[sic!]
    – Jacob Grimm (1835), Deutsche Mythologie.

  • Charta

    Eine Charta ist eine Urkunde, die als Grundlage des Staats- und/oder Völkerrechts dient. So ist etwa die Charta der Vereinten Nationen der völkerrechtliche Gründungsvertrag der UN.

    Darüber hinaus wird der Ausdruck heute gelegentlich auch für Vereinssatzungen, Verbindungsordnungen, Selbstverpflichtungen nichtstaatlicher Organisationen und ähnliche Schriftstücke verwendet.

    Aussprache: Das „Ch“ wird als „K“ gesprochen – Karta. Oder in echter Lautschrift:  [ˈkarta]

    Das Substantiv ist entlehnt vom lateinischen charta (Karte).

    Er argumentiert, Russland verstoße mit seinem Handeln in Bezug auf die Krimkrise gegen die Charta der Vereinten Nationen.

    Die aktuelle Charta des Vereins umfasst 134 Seiten.

    Urbanisierung ist ein entscheidender Faktor für Wirtschaftswachstum. Und eine Charter City ist eine Stadt vom Reißbrett, eine Großstadt, die mit einem Gründungsvertrag, einer Charta, beginnt. In der sind die rechtlichen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen festgelegt, bevor diese Stadt auf einem unbewohnten Stück Land errichtet wird.
    – Paul Romer, Der Stadt-Plan, Brandeins, Brandeins, 10/2009

  • matrimonial

    Das Adjektiv matrimonial bedeutet „zur Ehe gehörend“ oder „ehelich“. Hauptsächlich genutzt wird der Begriff in der Rechtssprache, gilt indes allerdings als veraltet.

    Als alternative Schreibweise gilt matrimoniell.

    Der Begriff ist auf das lateinische matrimonialis (ehelich) zurückzuführen.

    Nicht nur Reiche und Stars sichern vor dem Eintritt in das Eheleben ihre matrimonialen Rechte und Pflichten mit einem Ehevertrag ab.

    Jedenfalls hat Liselotte niemals romantische Vorstellungen bezüglich des matrimonialen Lebens gepflegt: die Ehe werde im Himmel beschlossen, glaubte sie schon als Mädchen.

  • intuitiv

    Das Adjektiv intuitiv bedeutet „auf einer Vermutung beruhend“, „unterbewusst“ oder umgangssprachlich „aus dem Bauch heraus“. Intuitive Entscheidungen oder Urteile werden also gefühlsmäßig getroffen.

    Der Ursprung des Wortes liegt im lateinischen intuitus (Beurteilung, Blick), welches über das französische intuitif (intuitiv) in den deutschen Sprachgebrauch gelang.

    Er konnte mir keine konkreten Argumente liefern, warum er sich der AfD anschloss. Die Entscheidung sei ganz intuitiv gefallen.

    Auf dem Weg nach Hause durch den dunklen Park wurde ihr ganz mulmig zumute. Intuitiv spürte sie eine latente Gefahr im Unterholz lauern.

    „Viele Menschen sehen, dass die Ursachen der Staatsschuldenkrise in der Breite noch nicht gelöst sind. Sie misstrauen der Geldflut der EZB intuitiv und suchen Schutz in Sachwerten“, sagte Krämer.
    Chefvolkswirt Krämer: EZB-Geldpolitik facht Häuserpreise an, Zeit Online, 12. März 2016

  • fundamentalistisch

    Das Adjektiv fundamentalistisch beschreibt Personen oder Gruppen, die unnachgiebig an ihren ideologischen oder religiösen Grundsätzen festhalten. Auf diesen Grundsätzen basiert ihr Handeln, auch im politischen Sinne, und nur danach wird es ausgerichtet.

    Im weiteren Sinne fordern fundamentalistische Gruppierungen ein Wiederaufgreifen der Wurzeln von bestimmten Ideologien oder Religionen und stellen sich damit gegen die vorherrschende Lebensweise der Moderne.

    Der Ursprung des Begriffs liegt im englischen fundamentalism (Fundamentalismus), abgeleitet von fundamental (grundlegend, wesentlich).

    Fundamentalistisch ist dabei nicht zu verwechseln mit dem Adjektiv fundamental.

    Gruppen fundamentalistischer Christen könnte man vereinfacht auch als bibeltreu bezeichnen, da sie der Bibel absolute Irrtumslosigkeit attestieren.

    In der Zeit der Globalisierung führen fundamentalistische Sichtweisen notgedrungen zu Konflikten, da sie Toleranz und interkulturellem Austausch keinen Platz lassn.

    Woher kommen dann solche Ängste? „Vor dem Fremden, das man nicht kennt, hat man eben Angst“, sagte der Grünen-Politiker. „Und leider haben es fundamentalistische Strömungen geschafft, dass öffentliche Bild des Islams zu dominieren und zu verzerren.“ – Kretschmann: Angst vor Islamisierung Deutschlands unbegründet, Zeit Online, 1. Januar 2016

  • reüssieren

    Das Verb reüssieren bedeutet „Anerkennung finden“, d.h. mit etwas die Achtung eines Publikums zu erringen und somit Erfolg zu haben.

    Der Begriff wurde aus dem französischen réussir (Erfolg haben, gelingen) entlehnt.

    Nach Jahren des Scheiterns reüssierte er endlich.

    Mit dem skandalösen Buch reüssierte sie nur bei den deutschen Lesern. Der erhoffte weltweite Erfolg blieb aus.

    Ihr neues Album reüssierte in den Charts.

  • retrospektiv

    Das Adjektiv retrospektiv bedeutet „rückblickend“ und beschreibt damit ein Bezugnahme auf vergangene Zeiten.

    Der Begriff leitet sich ab aus einer Verbindung der lateinischen Ausdrücke retro (rückwärts, zurück) und spectare (schauen, betrachten).

    Bei der retrospektiven Beurteilung des Vorgehens wurden einige Unregelmäßigkeiten festgestellt.

    Ich habe retrospektiv erkannt, was ich an ihr hatte.

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