• zynisch

    Das Adjektiv zynisch bedeutet so viel wie „spöttisch“ oder „auf grausame, den Anstand beleidigende Weise“.

    Es handelt sich demnach um das zum Ausdruck bringen einer gefühl- und empathielosen, menschenverachtende Haltung, die besonders in bestimmten Situationen oder Kontexten als konträr, paradox, verachtend und verletzend empfunden wird.

    Synonyme: „bissig“, „boshaft“, „hämisch“, „verletzend“ und „sarkastisch“.

    Zynisch ist hergeleitet vom lateinischen cynicus, zu griechisch kynikós (zur Philosophenschule der Kyniker gehörend; hündisch).

    Seine zynische Denkweise wird ihm irgendwann das Genick brechen.

    Ihr zynischer Humor erzeugt vor allem bei ihr unbekannten Personen Unsicherheit, Skepsis und Distanz, so dass zwischenmenschliche Sympathien gar nicht oder nur langsam entstehen.

    Der Textil-Discounter Kik ließ seine Mitarbeiter im Jahr 2011 für eine Imagekampagne antreten, alle trugen rote T-Shirts mit verschiedenen Aufschriften. Die Kernbotschaft: „Kik – der Chancengeber.“ Die Öffentlichkeit sah dies allenfalls als zynisch an, schließlich war Kik zuvor durch flächendeckendes Lohn-Dumping und systematisches Ausspähen der Angestellten in die Schlagzeilen geraten.
    Dirk Böttcher, Die Wahrheit? Lügt man sich zurecht!, Brandeins, 02/2014

  • Trope

    Eine Trope ist in der Rhetorik ein bildlicher Ausdruck oder ein Wort, welches nicht im eigentlichen, sondern im übertragenen Sinne gebraucht wird, wie zum Beispiel Metaphern, Ironie oder Metonymie.

    Dementsprechend gelten „Bild“, „Übertragung“ oder „Verbildlichung“ als Synonyme für Trope.

    Trope ist abgeleitet vom griechischen tropḗ (Hinwendung, Richtung), zu trépein (wenden).

    Neben der griechischen Form wird im deutschen Sprachgebrauch auch häufig die lateinische Variante Tropus (Redefigur) verwendet.

    Die Verwendung von Tropen im Dialog mit Nichtmuttersprachlern kann häufig zu Missverständnissen führen.

    Sie schmückte ihre Rede mit Tropen aus, um die Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer zu gewinnen und eine Verbildlichung des Gesagten zu erzeugen.

    Die Armen der Ärmsten, die er befreien wollte, hatten nie von einem Che gehört. Sie verstanden nicht einmal die Sprache des stolzen, weißen Argentiniers. Er sprach Spanisch, hier sprachen sie nur Quechua. Was für ein Missverständnis, was für eine traurige Trope der Geschichte.
    Wolfgang Büscher, Ein Gringo sucht den Mythos Che, Die Zeit Nº 42/2005

  • Assoziieren

    Das bildungssprachliche Verb assoziieren meint das Aufstellen und Verknüpfen von Gedankenverbindungen oder Vorstellungen.

    Des Weiteren kann assoziieren aber auch bedeuten, verschiedene Parteien oder Gemeinschaften zusammenzuschließen oder zu vereinigen. In diesem Zusammenhang gelten „koalieren“, „sich verbünden“, „konföderieren“ oder „sich soziieren“ als Synonyme.

    Assoziieren ist auf das französische associer (vereinigen, verbinden), beziehungsweise auf das spätlateinische associare, zu lateinisch sociare (vereinigen, verbinden), zurückzuführen.

    Viele Menschen assoziieren mit dem Begriff „Sommerurlaub“, am Strand zu liegen, baden zu gehen und die Sonne zu genießen.

    Den Duft von Milchreis und Kirschen assoziiert er immer mit seiner Kindheit, in der das Gericht traditionellerweise an jedem Samstag auf dem Esstisch stand.

    Wenn in Deutschland ein Vorstandsvorsitzender die Bühne betritt, drohen hingegen eingeschlafene Füße. Wer das Event retten will, nimmt ihm seine Folien weg und lässt Freiwillige aus dem Publikum dazu frei assoziieren (Powerpoint-Karaoke). Es gilt die Faustregel: Je intensiver die Beteiligung der Gäste an einer Veranstaltung, desto stärker ihre Erinnerung daran.
    Jens Bergmann, Angst essen Party auf, Brandeins, 02/2011

  • Kameralismus

    Das Substantiv Kameralismus bezeichnet die Lehre von der profitabelsten Gestaltung von Staatseinkünften.

    Beim Kameralismus, welcher auch als Fürstenwohlstandslehre bezeichnet wurde, handelt es sich um eine deutsche Variante des Merkantilismus, der herrschenden Wirtschaftspolitik im Zeitalter des Absolutismus während des 16. bis 18. Jahrhunderts.

    Im Vordergrund stand dabei weniger die Förderung des Handels, sondern vielmehr die Förderung von Landwirtschaft, Infrastruktur und dem Wachstum der Bevölkerung, um auf diese Weise die Besteuerbarkeit eines Landes, beziehungsweise seiner Bevölkerung, zu erhöhen.

    Kameralismus ist auf das mittellateinische cameralius (Kämmerer), zu camera (Schatzkammer, öffentliche Kasse, Kämmerei) zurückzuführen.

    Der Autor geht davon aus, dass Reformen möglich seien, wenn es einen mutigen Kanzler gäbe, der die Wahrheit sagt und darüber hinaus auch noch Konzepte hat. Ich halte dies für zu kurz gegriffen. Nehmen wir an, wir hätten einen mutigen Kanzler, dieser müsste sich im Dickicht des Lobbyismus, Kameralismus und Förderalismus politische Mehrheiten für sein Reformprojekt beschaffen.
    Uwe Jean Heuser, „Gang rein, Kanzler“- Düstere Bilder, Die Zeit, Nr. 48/2002

    Der Kulturbegriff erfährt seine entscheidenden Prägungen im letzten Drittel des 18. und am Beginn des 19. Jahrhunderts. Mit dem Kameralismus setzt er sich in der deutschen Sprache durch, ohne jedoch konzeptionelle Prägekraft zu erlangen. Das ändert sich mit der Aufklärung.
    Karl Heinz Götze, Die Wende gegen den Westen, Zeit Online, 30.09.1994

  • imperativ

    Als Adjektiv bedeutet der bildungssprachliche Begriff imperativ so viel wie „befehlend“, „zwingend“, „bindend“ oder (gehobener) „gebietend“.

    So wird das Adjektiv beispielsweise in Bezug auf die imperative Programmierung in der Informatik, imperativen Harndrang in der Medizin oder imperative Mandate in der Politik verwendet.

    Das Adjektiv ist nicht zu verwechseln mit der substantivierten Form „Imperativ“, welche in der Grammatik die Befehls- und Aufforderungsform darstellt, oder in der Philosophie und Soziologie ein „Gebot“ oder „Prinzip“ bezeichnet.

    Der Begriff stammt aus dem Spätlateinischen und ist über imperativus, zu lateinisch imperare (befehlen) herzuleiten.

    Mit dem Erhalt des imperativen Mandats wurde dem Politiker viel Vertrauen entgegengebracht. Sofern er sich an die inhaltlichen Vorgaben der von ihm Vertretenen hält, sollte einer erfolgreichen Amtszeit nichts im Wege stehen.

    Der mit dem Alter zunehmende, imperative Harndrang führt oftmals zu einer Veränderung der Trinkgewohnheiten.

    Philosophie des Radfahrens ist kein Schmöker. Es ist ein Buch, das man immer wieder gerne zur Hand nimmt, um ein Kapitel zu lesen. Radfahrer werden es mögen. Schon allein wegen des imperativen Charakters, der einem immer wieder Lust macht, selbst aufs Rad zu steigen.
    Andrea Reidl, Velophil: Ein Buch verführt zum Radfahren, Zeit Online, 22.04.2013

  • eklatant

    Das Adjektiv eklatant bedeutet zum einen so viel wie „auffällig“, „aufsehenerregend“ oder „ins Auge fallend“. Üblicherweise wird das Adjektiv mit einer negativen Konnotation versehen.

    Zum anderen steht eklatant für „deutlich“, „erheblich“ oder „beträchtlich“. Auch in diesem Zusammenhang ist der Begriff meist negativ konnotiert.

    Eklatant ist vom französischen éclatant entlehnt und von éclat (Splitter, Krach, Knall) abgeleitet.

    Vor allem in der einst gut besuchten Einkaufsstraße ist der Einbruch der Wirtschaft eklatant zu beobachten, so beträgt der Leerstand hier mehr als 60%.

    Mit ihrer Abendrobe sorgte sie für einen eklatanten Auftritt und viel Furore auf dem roten Teppich.

    Lass uns noch ein wenig über die Ausbildung reden: Habt ihr auch was über Ökonomie gelernt? „Nein, und das halte ich für einen eklatanten Fehler. Bildhauerei ist teuer und sehr schwer verkäuflich. Aber man wurde überhaupt nicht darüber aufgeklärt, wie man in die Berufswelt kommt. Dabei ist nach einer aktuellen Studie Künstler der Beruf mit den schlechtesten wirtschaftlichen Aussichten.
    Peter Lau, DER WILLE und DER WEG, Brandeins, 07/2003

  • Sisyphus

    Sisyphus ist eine Figur aus der griechischen Mythologie. Der Sage nach war Sisyphus dazu verurteilt, einen Felsblock einen steilen und hohen Berg hinaufzurollen. Den Gipfel erreichte er allerdings nie, denn der Felsblock entglitt ihm immer im letzten Moment und rollte zurück ins Tal.

    Oftmals wird der Begriff in Verbindung mit dem Substantiv „Arbeit“ eingesetzt. So genannte Sisyphusarbeit bezeichnet in Anlehnung an die griechische Mythologie somit eine sinnlose, vergebliche Anstrengung oder eine schwere, nie ans Ziel führende Arbeit.

    Sisyphus ist die latinisierte Form des griechischen Eigennamens Sisyphos. Beide Versionen sind im heutigen Sprachgebrauch zu finden.

    Zu beachten ist die besondere Schreibweise des Wortes, mit einem „i“ in der ersten und einem „y“ in der zweiten Silbe.

    Es scheint, als sei das Aufgabenfeld der Praktikantin für Sisyphus konzipiert. Es ist nichts anderes, als eine demotivierende Beschäftigungstherapie- ein wirklicher Lernerfolg bleibt aus.

    Schon bald bemerkten sie, auf was für eine Plackerei sie sich eingelassen hatten: es war die reinste Sisyphusarbeit.

    Die Loipen im Dorf spurt er mangels Motorschlitten eigenfüßig, Baskal tritt auch die zwei Meter breiten Trassen für die Skater platt, auf breiten Jagdskiern, 1050 Meter Trasse an der Schule, 1200 Meter hinter dem Friedhof, „mit einer 90 Meter langen Steigung fürs Hügeltraining“. Im Winter, nach jedem Neuschnee, sieht man den wuchtigen Mann auf seinen Holzbrettern in Zeitlupe über die verschneiten Feldern ziehen. Sisyphus in Sibirien.
    Stefan Scholl, Ein Dorf für Kinder, Brandeins, 0/13

  • lynchen

    Das Verb lynchen bedeutet, jemanden für eine als Unrecht angesehene Tat, ohne rechtskräftiges Gerichtsurteil schwer zu misshandeln oder zu töten. Typische Anwendungsbeispiele und Wortzusammenhänge im Sprachalltag sind „Lynchjustiz üben“ oder „Lynchmord begehen“.

    Das Verb wird auch in der Umgangssprache genutzt und steht in diesem Zusammenhang ironisch für „sehr mit jemandem schimpfen“.

    Lynchen wurde im 19.Jahrhundert vom amerikanisch-englischen Verb „to lynch“ entlehnt. Zurückzuführen ist es auf den amerikanischen Familiennamen Lynch, genauer gesagt auf einen Farmer (womöglich William oder Charles Lynch), der als Vorsitzender eines selbst ernannten Bürgergerichts in Virginia während des 18. Jahrhunderts agierte.

    Nachdem der Verdächtige aufgrund mangelnder Beweise freigelassen wurde, beschlossen die Angehörigen des Opfers, ihn in einen Hinterhalt zu locken und zu lynchen.

    Sie drohte ihrer Mitbewohnerin, sie zu lynchen, sollte sie die Küche nochmals in solch einem desolaten Zustand vorfinden.

    Nach dem Mord an einem Kind in Emden verabredeten sich Mitglieder einer Facebook-Gruppe zum Lynchen.
    Jakob Vicari, Die Herrschaft der Trolle, Brandeins, 06/2012

  • Legislative

    Die Legislative ist die gesetzgebende Gewalt in einem Staat. In Deutschland besteht die Legislative aus Bundestag und Bundesrat (auf Bundesebene) und den Länderparlamenten (auf Landesebene).

    Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und ist zusammengesetzt aus lex, legis (Gesetz) und ferre (tragen)

    In der Bundesrepublik stellen Bundestag und Bundesrat die Legislative dar.

    Südtirol verfügt seither als Provinz Bozen in der Region Trentino-Alto Adige über eine eigenständige Legislative, Verwaltung, ein eigenes Justizsystem und Klagerecht vor dem Europäischen Gerichtshof.
    Gerhard Waldherr, Der kleine König, Brandeins, 09/2005

    Auch die Militärpolizei ist an den Unruhen beteiligt. Ihr Chef Mochtar Fernana hatte zuvor die Auflösung von Regierung und Parlament angekündigt. Eine neu gewählte Kommission werde eine Verfassung schreiben und vorübergehend die Aufgaben der Legislative übernehmen, sagte er.
    Dpa, Libyen: USA bereiten Räumung ihrer Botschaft vor, 20.05.2014

  • Laissez faire

    Laissez faire bedeutet sinngemäß übersetzt „machen lassen“ oder „laufen lassen“, womit eine Haltung der Nichteinmischung mit dem Vertrauen darauf gemeint ist, dass sich die Dinge wohl am Besten von selbst regeln. Damit kann etwa das Verhalten des Staates in Bezug auf die Wirtschaft oder der Erziehungsstil von Eltern beschrieben werden.

    Die Aussprache folgt dem Französischen, ist nicht „eingedeutscht“ und würde, direkt in die deutsche Aussprache übertragen, etwa [lässee fähr] geschrieben. Die Betonung liegt auf der letzten Silbe.

    Der Begriff wurde im 18. Jahrhundert vom französischen Politiker René Louis d’Argenson und dem Wirtschaftswissenschaftler Vincent de Gournay geprägt.

    Ihr Laissez-fair-Unterricht funktioniert nicht immer. Oft stören doch einzelne Schüler die Konzentration der ganzen Klasse. Ein Problem, das sich leider nicht von selbst regelt.

    Laissez fair ist in dieser Konstellation voraussichtlich keine dauerhafte Lösung.

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