• peripher

    Das Adjektiv peripher bedeutet „am Rande befindlich“ oder „nicht nennenswert“.

    Bildungssprachlich bezeichnet man etwas als peripher, was an der Peripherie, d.h. an den Randgebieten liegt. Weiterhin können die äußeren Zonen des Körpers oder in der EDV an die zentrale Rechnereinheit angeschlossene Geräte als peripher bezeichnet werden.

    Der Begriff entstammt dem griechischen periphérein (umhertragen).

    Dieser Sachverhalt tangiert mich nur peripher.

    Neben den ökonomischen Strukturen bleiben politische Strukturen in den fraglichen Regionen amorph. Politische Parteien spielen eine periphere Rolle, die politische Partizipation der Bevölkerung bleibt gering.
    – Prof. Dr. Ulrich Albrecht, Peace Building after Intervention – Friedensaufbau in post-Konflikt Gesellschaften, DIE ZEIT 03/2003.

  • revidieren

    Das Verb revidieren hat zwei Bedeutungen:

    1. Etwas auf Korrektheit, die Erfüllung einer Vorgabe oder ordnungsgemäßen Zustand hin prüfen.
    2. Etwas nach einer Überprüfung oder neuen Erkenntnissen ändern.

    Von revidieren respektive einer Revision im Sinne der ersten Bedeutung spricht man vor allem dann, wenn etwas vor einer abschließenden Entscheidung kontrolliert wird. Das kann beispielsweise die letzte Kontrolle eines Drucks sein, die Kontrolle der zu verzollenden Waren vor dem Grenzübergangs oder die Kontrolle einer eingegangenen Rechnung, bevor sie zur Zahlung weitergegeben wird. Aber auch die Überprüfung laufender Prozesse kann als Revision bezeichnet werden.

    Von revidieren im Sinne der zweiten Bedeutung spricht man immer dann, wenn durch neue Erkenntnisse oder eine erneute Untersuchung eine Änderung einer Aussage oder Entscheidung nötig ist. So können zum Beispiel Gerichtsurteile oder Prognosen revidiert werden.

    Der Begriff hat seinen Ursprung im Lateinischen revidere (prüfend einsehen, wieder hinsehen), das sich zusammensetzt aus re– (wieder) und videre (sehen).

    Bitte denken Sie daran, die Zahlen noch einmal einer Revision zu unterziehen, bevor Sie sie an die Pressestelle weiterleiten.

    Die Stücke müssen unbedingt sorgfältig revidiert werden. Andernfalls können sie nicht zum Verkauf freigegeben werden.

    Es sieht so aus, als müssten die Deutschen ihr Bild von sich revidieren . Vielleicht sind wir gar nicht mehr so deutsch, wie wir glauben.
    – Ulrich Greiner, Was ist aus der German Angst geworden?, DIE ZEIT, 14.05.2009 Nr. 21.

    Die Prognose für die zweite Jahreshälfte muss deutlich nach unten revidiert werden

  • Credo

    Ein Credo ist ein Glaubensbekenntnis oder ein Leitsatz.

    Übernommen wurde es – substantiviert – vom lateinischen credo (ich glaube, zu credere = glauben), dem ersten Wort im Apostolischen Glaubensbekenntnis:

    Credo in Deum,
    Patrem omnipotentem,
    Creatorem caeli et terrae.

    In der ursprünglichen Bedeutung ist religiöses Glauben gemeint, während ein Credo heute auch in anderem Kontext für einen Leitsatz oder eine Parole stehen kann, wie die folgenden Beispiele zeigen.

    Sein Credo lautet offenbar: „Viel hilft viel“.

    Mit dem Credo, in jeder Situation das entscheidende Bisschen besser zu sein als die Konkurrenz, schafften sie es, Marktführer zu werden.

    Das Credo des Präsidenten, sich von Almosen unabhängig zu machen, steht in krassem Gegensatz zur immensen Entwicklungshilfe, die in sein Land fließt.
    Grill, Jeska (2009), Der Antreiber, DIE ZEIT, 22.01.2009 Nr. 05.

  • Matura

    Das Substantiv Matura (die) bezeichnet die Hochschulreife bzw. die für die Erlangung der Hochschulreife abzulegende Prüfung. Es wird vorrangig in Österreich und der Schweiz gebraucht, während es in Deutschland mittlerweile vom gleichbedeutenden Pendant „Abitur“ abgelöst wurde.

    Der Begriff hat seinen Ursprung im lateinischen  maturus (reif, tauglich, erwachsen). Vgl. auch das englische mature (als Verb: reifen, als Adjektiv: reif).

    Nachdem er die Matura erfolgreich nachgeholt hatte, faulenzte und feierte er eine Woche lang.

    Die Erlangung der Matura ist für viele Jugendliche ein bedeutender Meilenstein. Lange auf den Lorbeeren ausruhen darf man sich allerdings nicht, denn Universität respektive Fachhochschule warten mit ungleich anspruchsvolleren Prüfungen auf.

  • stagnieren

    Das Verb stagnieren bedeutet „stocken“ im Sinne einer Entwicklung, die ins Stocken gerät. Stagnieren können alle Arten von Trends, wie etwa die Wirtschaftsentwicklung eines Landes oder die Gewinnentwicklung eines Unternehmens.

    Ursprung des Begriffs ist das lateinische stagnare ([Wasser] zum Stehen bringen).

    Die stagnierende Wirtschaft stellte sich zu Zeiten der Olympiade lediglich als Randthema in den Medien dar.

    Die Verkäufe von Schallplatten hatten erst stagniert und waren schließlich nahezu komplett zum Erliegen gekommen, als das Zeitalter der CD anbrach.

    Die Deutschen trinken ziemlich viel und verursachen dadurch einen volkswirtschaftlichen Schaden von 26 Milliarden Euro. Schätzungsweise. […] Von Mitte der 90er Jahre bis 2008 ging der Verbrauch zurück, seitdem stagniert die Trinkfreude „auf hohem Niveau“, wie es bei der Deutschen Hauptstelle für Suchtgefahren heißt. Hohes Niveau, das sind rund zehn Liter reiner Alkohol.
    Alfons Frese (2012), Betrunkene Mitarbeiter kosten Milliarden, Tagesspiegel (via Zeit Online).

  • pittoresk

    Das Adjektiv pittoresk wird bildungssprachlich verwendet und bedeutet malerisch. Es wird oft für die Beschreibung von Landschaften und anderen Umgebungen gebraucht.

    Pittoresk hat verschiedene Wurzeln. Grundsätzlich kommt es in diversen romanischen Sprachen vor. Man kann es vom lateinischen pictor ableiten, was Maler bedeutet. Alternativ kann man es auf das französische pittoresque oder das italienische pittoresco zurückführen.

    Ich lebe wirklich in einem pittoresken Ort.

    Die ganze Gartenanlage ist pittoresk.

    Sie hatte das Fest in der Tat pittoresk dekoriert.

  • borniert

    Das Adjektiv borniert wird abwertend gebraucht und bedeutet „beschränkt, engstirnig“oder „auf seinen Vorstellungen beharrend“. Borniert ist, wer neuen Ideen oder Konzepten gegenüber verschlossen ist. Das Adjektiv wird vor allem für Geisteshaltungen und Einstellungen, etwa von Politikern oder allgemein Andersdenkenden, verwendet.

    Das Wort stammt aus dem Französischen. Der Ursprung liegt im Verb borner, was so viel bedeutet wie „mit einem Grenzstein versehen“. Das Partizip borné bezeichnet die abgeschlossene Handlung dazu, also „begrenzt“.

    Sei doch nicht so borniert! Wenn Du Dir die Vorschläge erst einmal anhörst, wirst Du feststellen, dass sie gar nicht so schlecht sind!

    Der Stadtrat bezeichnete seine Kritiker als borniert, weil sie sich den neuen Bebauungsplänen strikt widersetzten.

  • Faible

    Das Substantiv Faible bezeichnet eine Vorliebe für etwas und wird daher im Alltag meist in der Konstruktion „ein Faible haben“ genutzt.

    Das Wort wurde im 17. Jahrhundert aus dem Französischen übernommen, wo faible „die schwache Seite“ bedeutet, im Sinne von „eine Schwäche haben für“.

    Mein Sohn hat ein Faible für American Football und Eishockey.

    Die beiden Freunde teilen das Faible für chinesische Trickfilme.

    Er hatte immer schon ein Faible für schwarzhaarige Frauen.

  • Blasphemie

    Das Substantiv Blasphemie bedeutet „Gotteslästerung“, also die Beleidung einer Gottheit oder etwas Heiligem. Übertragen wird der Begriff gelegentlich auch auf andere Beleidigungen angewendet, womit deren Ziel – oft scherzhaft übersteigert – als göttlich oder heilig erklärt wird.

    Das lateinische blasphemia bedeutet „Schmähung“.

    Seine kritischen Äußerungen zum Islam werden von vielen als Blasphemie interpretiert.

    In einigen Betrieben gilt Kritik am Vorgesetzten immer noch als Blasphemie.

    Provokationen, selbst Blasphemie, dürfen sein, wenn sie aufklärerisch wirken. Sie sind aber kein Wert für sich. Wenn sie nur andere verletzen sollen, findet die Meinungsfreiheit ihre Grenze.
    Ludwig Greven, Mehr Respekt bitte!, Zeit online.

  • Lapsus

    Der Lapsus ist ein Fehler, ein Ausrutscher oder eine Ungeschicklichkeit. Im Lapsus schwingt auch die Peinlichkeit mit. Die Mehrzahl lautet ebenfalls Lapsus, sie wird aber so gut wie nie verwendet. Spricht ein Psychologe von einem Lapsus, meint er einen „Freud’schen Versprecher“.

    Das lateinische Substantiv lapsus (das Gleiten, das Fallen) wurde direkt in die deutsche Sprache übernommen.

    Ein Lapsus kostete den FC Strauchelingen die Tabellenführungen: Beim Torschuss stolperte Kapitän Hinke über den Ball und vergab die Chance auf den Siegestreffer.

    Nach dem Galaempfang in der japanischen Botschaft bedankte sich der Leiter der amerikanischen Handelsdelegation in lupenreinem Mandarin für den überaus gelungenen Abend. Dieser Lapsus trübte die japanisch-amerikanischen Beziehungen für einige Tage merklich.