• Lapsus

    Der Lapsus ist ein Fehler, ein Ausrutscher oder eine Ungeschicklichkeit. Im Lapsus schwingt auch die Peinlichkeit mit. Die Mehrzahl lautet ebenfalls Lapsus, sie wird aber so gut wie nie verwendet. Spricht ein Psychologe von einem Lapsus, meint er einen „Freud’schen Versprecher“.

    Das lateinische Substantiv lapsus (das Gleiten, das Fallen) wurde direkt in die deutsche Sprache übernommen.

    Ein Lapsus kostete den FC Strauchelingen die Tabellenführungen: Beim Torschuss stolperte Kapitän Hinke über den Ball und vergab die Chance auf den Siegestreffer.

    Nach dem Galaempfang in der japanischen Botschaft bedankte sich der Leiter der amerikanischen Handelsdelegation in lupenreinem Mandarin für den überaus gelungenen Abend. Dieser Lapsus trübte die japanisch-amerikanischen Beziehungen für einige Tage merklich.

  • separieren

    Das Verb separieren bedeutet „trennen, absondern, abspalten“. Es ist in der Alltagssprache nicht mehr sehr gebräuchlich.

    In der Fachsprache bedeutet separieren „Stoffe voneinander trennen“. Hier wird das Wort naturgemäß häufig verwendet.

    Separieren kommt vom lateinischen Verb separare und ist seit dem Spätmittelhochdeutsch in Gebrauch, nur die Schreibweise hat sich von seperieren zu separieren gewandelt. Separare bedeutet „etwas für sich gesondert zubereiten“.

    Die Infizierten wurden separiert, um die Ansteckungsgefahr zu verringern.

    Die Tradition verlangt, Männer und Frauen zu separieren. Die weiblichen Angehörigen und Gäste beobachten die Zeremonie durch ein Holzgitter.

  • süffisant

    Das Adjektiv süffisant bedeutet „herablassend“ oder „selbstgefällig“. Es beschreibt die genüssliche Demonstration der eigenen, meist intellektuellen, Überlegenheit. Dies kann sich etwa in süffisanter Sprachmelodie, Mimik oder Gestik ausdrücken.

    Ins Deutsche übernommen wurde der Begriff im 17. Jahrhundert vom gleichbedeutenden französischen sufisant.

    Er belehrte mich mal wieder über irgendein Detail, das mir schrecklich unwichtig schien. Sein süffisantes Grinsen widerte mich an.

    Inhaltlich war ihre Ansprache vor den Unterstützern des Vereins eigentlich tadellos und sie wäre auch entsprechend positiv aufgenommen worden, wäre da nicht der süffisante Ton in ihrer Stimme gewesen.

    Ich habe an der Seite meines Mannes viele wichtige Männer kennengelernt, und ich muss sagen, manche von ihnen sind so unfassbar eitel, dass mir nichts mehr eingefallen ist. Sicher gibt es auch erfolgreiche Frauen, die harsch sein können und klar wissen, was für sie wichtig ist und was nicht. Aber so eine süffisante Selbstherrlichkeit, die kenne ich bei Frauen nicht.
    Maria Furtwängler (2011), im Interview: „Im Selbstzweifel bin ich gut“, ZEITmagazin, 17.3.2011 Nr. 12.

  • eklektisch

    Das Adjektiv eklektisch besitzt eine abwertende Bedeutung und wird stellvertretend für unschöpferisch, imitierend und nachahmend eingesetzt. Mit ihm wird etwas bezeichnet, was aus dem Vorhandenen zusammengestellt worden ist. Der Begriff findet insbesondere in der Bildungssprache Anwendung.

    Das Adjektiv stammt von dem griechischen Wort eklektikós, welches mit „auslesend“ oder „auswählend“ übersetzt werden kann. Es lehnt sich an das Substantiv Eklektizismus, welches bereits in der Antike im Bereich der Philosophie verwendet worden ist.

    Seine Werke zeigten keine neuen Elemente. Sie waren eklektisch.

    Was dort unternommen worden ist, hat einen eklektischen Charakter.

  • Konvergenz

    Das Substantiv Konvergenz beschreibt bildungssprachlich eine „Annäherung“, seltener auch eine „Übereinstimmung“, etwa von Standpunkten, Merkmalen oder Zielvorgaben. Ursprünglich meint Konvergenz die Ausbildung ähnlicher Merkmale bei Lebewesen als Reaktion auf gleiche Anpassungszwänge.

    Übertragen auf die Politik etwa spricht man von einer Konvergenz, wenn Vertreter verschiedener politischer Richtungen in der Praxis – meist aus pragmatischen Gründen – doch die gleichen Entscheidungen treffen oder die gleichen Ziele verfolgen.

    Dementsprechend beschreibt die sozialwissenschaftliche Konvergenztheorie die Annäherung verschiedener Systeme (z.B. sozialistischer und kapitalistischer) als Folge ähnlicher wirtschaftlicher und sozialer Probleme.

    Weiterhin findet der Begriff in diversen Naturwissenschaften, Geowissenschaften, der Mathematik und den Geisteswissenschaften Verwendung.

    Eine umfangreiche Liste bietet Wikipedia: Konvergenz

    Ursprung des Wortes ist das neulateinische convergentia (Annäherung zweier Linien). Vgl. auch lat. convergere (sich hinneigen).

    Durch den bilateralen Austausch beider Staaten ist es zu einer ideologischen und wirtschaftlichen Konvergenz gekommen.

    Die Konvergenzkriterien der Europäischen Union sollen den wirtschaftlichen Zusammenhalt der Staatengemeinschaft sicherstellen.

    In den letzten Jahren haben fast alle Länder ihr gegliedertes weiterführendes Schulsystem strukturell in Richtung auf eine Zweigliedrigkeit umgebaut. Die gegenwärtigen Schulstrukturen in den Ländern sind zwar kaum noch überschaubar, aber in dieser Frage ist doch eine gewisse Konvergenz erkennbar.
    Meyer-Hesemann (2010) – Lernen von der Schweiz. DIE ZEIT, 28.01.2010 Nr. 05.

  • altruistisch

    Das Adjektiv altruistisch bedeutet „selbstlos“, „uneigennützig“ und ist damit das Antonym zu egoistisch. Jemand, der altruistisch handelt, opfert sich oder seine Mittel im Sinne reiner Menschenliebe auf, um anderen zu helfen. Substantiviert spricht man vom Altruismus.

    Das Substantiv geht zurück auf das gleichbedeutende französische altruisme, geprägt im 17. Jhd. vom Mathematiker, Philosophen und Mitbegründer der Soziologie Auguste Comte. Ursprung ist wohl das lateinische alter (der andere).

    Sie handelte nicht aus finanziellem Interesse, sondern hatte rein altruistische Motive.

    Während Darwin den Altruismus mit seiner Evolutionstheorie vereinbar sah und gar diese für eine Ausbreitung altruistischen Verhaltens verantwortlich machte, war Mandeville der Meinung, jeglichem beobachteten Altruismus lägen egoistische Triebe und Affekte zugrunde.

    In Washington favorisiert man zur Lösung des Problems mittlerweile eine Kombination aus massiven Grenzschutzmaßnahmen und einem legalen Gastarbeiterstatus für Mexikaner. Der Vorschlag, „papierlose“ Immigranten befristet anzuerkennen, ist aber keineswegs altruistisch. Man würde eine Unterkaste von Niedriglohnbeziehern legalisieren, ohne ihnen eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis oder gar die Staatsangehörigkeit zu gewähren. Wal-Mart und McDonald’s bekämen ein verlässliches Reservoir an Lohnsklaven.
    Mike Davis (2006), Die Große Mauer des Kapitals, DIE ZEIT, 12.10.2006 Nr. 42.

  • jovial

    Das Adjektiv jovial bedeutet „wohlwollend“ und beschreibt speziell die Art betont wohlwollenden Verhaltens, die man Untergebenen oder niedriger gestellten Personen gegenüber zeigt.

    Der Begriff geht zurück auf das lateinische iovialis (zu Jupiter gehörend) und die damit verbundenen heiteren Persönlichkeitsmerkmale.

    Der Vorgesetzte legte ihr gleichsam jovial wie schmierig den Arm um die Schultern, als er sie für die gute Präsentation lobte.

    Stattdessen beginnt man sich zu fragen, an wen er einen erinnert. Die rheinisch-joviale Art, mögliche Einwände schon im Vorfeld zu entkräften, hat etwas von Reiner Calmund, dem größten Volksschauspieler des deutschen Fußballs.
    Thomas Groß (2012), Im Gespensterstadl brennt noch Licht, DIE ZEIT, 22.3.2012 Nr. 13.

  • Tribalisierung

    Tribalisierung bedeutet „Stammesbildung“. Gemeint ist heute vor allem das Zusammenschließen von Gruppen innerhalb eines größeren Systems (Gesellschaft, Staat etc.) bei gleichzeitiger Abgrenzung von diesem. Grundlage einer solchen Gruppe sind dabei etwa gemeinsame Interessen oder ein gemeinsamer ethnischer, religiöser oder kultureller Hintergrund.

    Ein Beispiel für Tribalisierung ist die Bildung verschiedener, voneinander abgegrenzter „Subgesellschaften“ unterschiedlichen ethnischen Hintergrunds innerhalb eines Vielvölkerstaats. Auch die Bildung von stark ausgeprägten Subkulturen wird als Tribalisierung bezeichnet. Häufig zu beobachten ist das Phänomen der Gruppenbildung mit spezifischem Musikgeschmack, Kleidungsstil und Umgangsformen in der Jugendkultur.

    Herkunft des Begriffs ist das lateinische tribus, welches zu verschiedenen Zeiten leicht unterschiedliche Bedeutungen hatte, sich aber immer auf Untergruppen des römischen Volks bezog.

    Der Schulhof ist oft das beste Beispiel, um den Begriff der Tribalisierung anschaulich zu erklären. Vorne links stehen die Metaller, ein bisschen weiter ein paar verloren wirkende Punks, an der nächsten Ecke eine ganze Gruppe Hip-Hopper in zu großen Klamotten und den unvermeidlichen Schirmmützen und ganz hinten schließlich, versteckt hinter der Turnhalle, die Raucher.

    Liebe bei der „Love-Parade“ in Berlin, Hiebe bei den „Chaos-Tagen“ in Hannover. Das Bild der deutschen Jugend und ihrer Subkulturen wirkt so widersprüchlich wie nie. Die Generation der 13- bis 25jährigen zerfällt in immer mehr Grüppchen, Cliquen und Einzelgänger. Soziologen sprechen von „Tribalisierung„.
    Verfasser unbekannt (1995), Vergeßt alle Systeme, DER SPIEGEL 33/1995.

  • erratisch

    Das Adjektiv erratisch bedeutet „vereinzelt“ oder „verirrt“. Es wird vor allem in Fachsprachen verwendet. In der Geologie bezeichnet es einen einzelnen Gesteinsbrocken, der in einer Umgebung liegt, in die er geologisch nicht gehört. Im übertragenden Sinne wird das Adjektiv als bildungssprachliches Synonym, besonders im technischen Bereich und im Börsenjargon, für „wirr, irrend, sich hin- und her bewegend“ oder „willkürlich“ verwendet.

    Das Adjektiv erratisch lässt sich auf das lateinische Adjektiv erraticus („umherirrend“) zurückführen.

    Dieser Felsen ist ein erratischer Block, der während der letzten Eiszeit mit einem Gletscher hierher gekommen ist.

    Sein erratischer Blick verriet Unsicherheit und Anspannung zugleich.

    Unsere Zusammenarbeit war lange Zeit geprägt von erratischen und auch widersprüchlichen Entscheidungen.

  • Tirade

    Eine Tirade (die) ist ein „Worterguss“, d.h. ein anhaltender, gegebenenfalls inhaltsleerer Redeschwall. Der Begriff hat in dieser Bedeutung einen leicht negativen Beiklang.

    Weiterhin bezeichnet eine Tirade in der Musik einen Lauf schnell aufeinanderfolgender Töne.

    Der Ausdruck leitet sich aus dem französischen tirage (Auflage, Abzug) ab.

    Während die Situation täglich heikler wurde, hetzte er die am Stadtrand lebenden Minderheiten mit immer neue Hasstiraden mehr und mehr auf.

    In endlosen Tiraden informierte sie mich täglich über meine Verfehlungen.