• preziös

    Das bildungssprachliche Adjektiv preziös bedeutet so viel wie „geziert“, „gekünstelt“ oder „unnatürlich“.

    Alternative Schreibweise des Adjektivs ist pretiös.

    Synonyme zu preziös sind unter anderem „etepetete“, „gezwungen“, „hochgestochen“ und „manieriert“.

    Preziös ist auf das französische précieux (kostbar, wertvoll) zurückzuführen.

    Der Stil des Künstlers ist mir zu preziös, ich bevorzuge einen klaren, schlichteren Stil.

    Denn in der besseren Gastronomie erwartet der Gast Komfort und Perfektion, aber keinen preziösen Schnickschnack. Genau nach dieser Formel wird in der Küche gekocht, und zwar besser als je zuvor!
    Wolfram Siebeck, Der Adler meldet sich zurück, ZEITmagazin Nº 09/2010

    Selbst die sonst so kritischen Intellektuellen sind stumm wie die preziösen Koi-Karpfen in ihrem Becken.
    Joachim Riedl, „Was alles fehlt“, Zeit Online, 25.09.2008

  • Fremdwörter zur US-Wahl

    Die US-Wahl ist gelaufen. Die in den letzten Tagen besonders oft nachgeschlagenen Fremdwörter zeichnen ein deutliches Bild vom Grundtenor der Berichterstattung rund um die Wahl und das Wahlergebnis.

    Offenbar ist man konsterniert, dass ein Demagoge und Chauvinist wie Donald Trump, der mit Polemik und erratischem Verhalten polarisiert, Ressentiments schürt und die um sich greifende Xenophobie anfacht, tatsächlich zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt werden konnte.

    Die wichtigsten Fremdwörter zur US-Wahl 2016

    Diese Begriffe sollten Sie kennen:

    • polarisieren – „Gegensätze schaffen“, „trennen“.
    • Demagoge – „Volksaufhetzer“.
    • designieren – „(für ein noch nicht besetztes Amt) bestimmen“.
    • erratisch – „vereinzelt“ oder „verirrt“, „willkürlich“.
    • Chauvinismus – Einstellung (von Männern), Frauen als minderwertig einzustufen
    • polemisch – „aggressiv“, „überspitzt“ in Bezug auf eine Argumentation, Aussage etc.
    • Despot – „Gewaltherrscher“.
    • Ressentiment – „heimlicher Groll“.
    • konsterniert – „fassungslos“, „verblüfft“ oder „bestürzt“.
    • Xenophobie – „Fremdenangst“, „Fremdenfeindlichkeit“.

    Bild Donald Trump: Gage Skidmore [CC BY-SA 3.0] via Wikimedia Commons


    Bild von Donald Trump: Gage Skidmore [CC BY-SA 3.0] via Wikimedia Commons

  • infantil

    Das Adjektiv infantil bedeutet „kindlich“ sowie im abwertenden Sinne „kindisch“ oder „unreif“.

    Der abwertende Gebrauch ist der bei weitem häufigere. So wird eine Person als infantil bezeichnet, die sich nicht ihrem Alter entsprechend verhält. Infantil können darüber hinaus nicht nur Personen selbst sein, sondern auch deren Ideen, Vorstellungen oder Äußerungen, also alle Arten des Ausdrucks oder Verhaltens, die nicht altersgemäß sind.

    Der Begriff entstammt dem lateinischen infantilis (kindlich, noch klein).

    Donald Trumps infantile Art, mit Konflikten umzugehen, bereitet der Weltgemeinschaft immer wieder Kopfschmerzen.

    Sie sind alle infantil, diese Romantiker, Männer, die zu lange oder immer Kinder geblieben sind, ohne die Kraft zur Selbstkritik, aber mit ewigen Hemmungen aus dem dumpfen Bewußtsein persönlicher Schwäche und von dem kranken Gedanken getrieben, die Gesellschaft abzuändern, die ihnen zu männlich, zu gesund, zu nüchtern ist, nicht mit dem Messer und Revolver wie in Rußland, beileibe nicht, sondern mit edlem Gerede und poetischen Theorien.
    – Oswald Spengler (1933), Jahre der Entscheidung.

    Seine infantile Reaktion auf die Vorwürfe der Aktionäre ließ gewisse Rückschlüsse auf seine Eignung als Vorstandsvorsitzender zu.

    Wir kennen es vom Kind in der Sandkiste, das auf den Bagger des Kameraden neidisch ist und ruft: „Will ich auch haben!“
    Dieser infantile Wunsch ist der Motor des Konsumismus und des Wachstums.
    Ulrich Greiner (2014), Wer braucht das schon alles?, Zeit Online.

  • polarisieren

    Das Verb polarisieren bedeutet bildungssprachlich „Gegensätze schaffen“, „trennen“.

    Es bezieht sich in erster Linie auf das Trennen von einer Gruppe (etwa der Bevölkerung eines Landes) in verschiedene Lager mit gegensätzlichen Ansichten. Ursachen für eine solche Trennung kommen zahlreiche in Frage, etwa anstehende politische oder wirtschaftliche Entscheidungen, Wahlen, Personen des öffentlichen Lebens, alle Arten von Kunst etc.

    Ursprung des Begriffs ist das griechische Substantiv pólos (Erdachse, Himmelsgewölbe).

    Trump polarisiert. Während er von seinen Anhängern frenetisch gefeiert wird, blickt der Rest der Welt den nächsten Jahren mit Unbehagen entgegen.

    Während einige Politiker eine gemäßigte Vorgehensweise vorziehen und stets den Mittelweg suchen, polarisiert er wo es nur geht, um sich die unbedingte Unterstützung des einen Teils der Bevölkerung zu sichern, selbst wenn eine Minderheit ihn dafür hasst.

    Manche Krisen polarisieren, andere vereinen ein Land, in dem die Bevölkerung ein gemeinsames Problem und damit ein gemeinsames Ziel hat.

    Ihr neues Album wirkte überraschend polarisierend und spaltete ihre Anhängerschaft in zwei Lager.

  • Hysterie

    Im Allgemeinen stellt das Substantiv Hysterie eine möglicherweise abwertend gemeinte, nervöse Aufgeregtheit, Erregtheit oder Überspanntheit dar.

    Aber auch als veralteter Fachbegriff in der Medizin und Psychologie ist Hysterie verbreitet. Hier beschreibt das Substantiv eine neurotische Störung, geprägt von übertriebener Erregbarkeit mit vielfachen physischen und psychischen Symptomen. Heutzutage wird der Begriff in diesem Zusammenhang nicht mehr verwendet, da er etymologisch mit dem weiblichen Geschlecht verbunden ist und eine negative Konnotation hat. Stattdessen werden die Begriffe dissoziative Störung oder histrionische Persönlichkeitsstörung verwendet.

    Hysterie wurde im 18. Jahrhundert vom lateinisch-griechischen Adjektiv hystericus (die Gebärmutter betreffend, von ihr herkommend) hergeleitet und liegt dem Wort hystéra (Gebärmutter) zugrunde.

    Beim Anblick der riesigen Spinne brach er in Hysterie aus.

    Da befürchtet wurde, die neusten Ermittlungsergebnisse könnten in der Bevölkerung eine Massenhysterie auslösen, wurden diese vorerst geheim gehalten.

    Das irritierte Bull schon während der geplanten Volkszählung 1983. Er war damals Datenschutzbeauftragter, und seine linken Parteifreunde in der SPD forderten ihn auf, sich an die Spitze des Boykotts gegen die staatlich verordnete Bürgerbefragung zu setzen. Doch Bull verstand die Ängste nicht, er hielt die Aufregung, die sich quer durch alle Gesellschaftsteile zog, für Hysterie.
    Mischa Täubner, Das große Unbehagen, Brandeins, 03/2014

  • Typus

    Das bildungssprachliche Substantiv Typus bedeutet „Typ“. Im engeren Sinne bezeichnet Typus vor allem in der Philosophie eine Urgestalt, Grundform oder ein Urbild, das ähnlichen oder verwandten Dingen oder Individuen zugrunde liegt.

    In der bildenden Kunst und Literaturwissenschaft ist ein Typus ein klassischer Vertreter einer bestimmten Kategorie von Mensch, also eine gestaltete, stark stilisierte Figur, die keine individuellen Züge aufweist.

    Synonyme zu Typus sind „Gestalt“, „Mensch“, „Natur“, „Naturell“ oder „Wesensart“.

    Es handelt sich um ein Lehnwort aus dem Lateinischen (typus), beziehungsweise dem Griechischen (týpos). Der Plural von Typus ist „Typen“.

    Er gehört zu diesem besonderen Typus Mensch, auf den man nie lange sauer sein kann und der meist mit allem durchkommt.

    Die Inszenierungen des Regisseurs ähneln sich stark. Er hat leider ein Händchen dafür, die Komplexitäten der verschiedenen Charaktere auf zwei Typen Mensch einzudämmen: Die Guten und die Bösen.

    Kolb ist ein begnadeter Selbstdarsteller, der seine Vom-Saulus-zum-Paulus-Geschichte in Vorträgen und Büchern ausschlachtet. Doch dabei trifft er offenbar einen Nerv. Er steht für einen neuen Typus, der Luxus nicht ablehnt, aber anders definiert. Für die Hersteller teurer Produkte eine Herausforderung.
    Markus Albers, das Luxus-Problem, Brandeins, 12/2014

  • fatal

    Das Adjektiv fatal wird zur Beschreibung von Umständen auf gefühlsmäßiger (A) oder auf sachbezogener (B) Ebene verwendet und bedeutet:

    • A: unangenehm, peinlich, in Verlegenheit bringend
    • B: verhängnisvoll, folgenschwer, schwerwiegend

    Der Ursprung liegt im lateinischen fatalis (vom Schicksal bestimmt, verhängnisvoll).

    Es wäre fatal, wenn die Menschheit in ihrem Streben nach Macht und Reichtum die soziale Gerechtigkeit weiter vernachlässigt, da hieraus vermehrt globale und territoriale Spannungen entstehen.

    Die Abkehr von der Atomenergie ist laut zahlreicher Kritiker unumgänglich, weil die Umweltbelastungen durch radioaktive Abfälle immens seien und Unfälle wie in Fukushima fatale Folgen für Mensch und Natur haben.

    Fatal findet die Religionspädagogin das Unterscheiden in „Wir“ und „Ihr“, Muslime und Nicht-Muslime, Deutsche und Fremde. Das trage dazu bei, dass Jugendliche sich ausgegrenzt sähen, keine gefestigte Identität hätten und Extremisten verfielen. – Terrorismus Analyse: Was tun gegen islamistische Gehirnwäsche?, Zeit Online, 22. November 2015

  • Konsolidierung

    Das bildungssprachliche Substantiv Konsolidierung (die) wird in verschiedenen Bereichen, vorwiegend aber in Wirtschaft und Medizin, verwendet:

    • Im wirtschaftlichen Zusammenhang wird das Umwandeln von kurzfristigen in langfristige Schulden als Konsolidierung bezeichnet. Häufig trifft man in der Politik auch auf den Begriff Haushaltskonsolidierung des Staates, von Gemeinden oder Städten.
      Ziel dieser Umwandlung ist meist das Verringern von Zinslasten, damit die Liquidität bestehen bleibt.
    • In der Medizin wird das Heilen bzw. das Nichtfortschreiten einer Erkrankung ebenfalls als Konsolidierung bezeichnet.
    • Darüber hinaus bedeutet Konsolidierung „die Sicherung eines Bestandes“.

    Manchmal wird auch das Substantiv Konsolidation (die) gleichbedeutend gebraucht, jedoch beschreibt die Konsolidation im Grunde das Verfestigen des Bodens (beim Bergbau o.Ä.) oder im rechtlichen Bezug das Zusammenfallen von Berechtigtem und Verpflichtetem eines dinglichen Rechts in einer Person.

    Der Ursprung des Wortes liegt im lateinischen Verb solidāre (befestigen, verstärken) und dem Präfix con (zusammen).

    Eine Konsolidierung des Staatshaushaltes ist dringend erforderlich, sonst droht die Zahlungsunfähigkeit.

    Um die Konsolidierung des Waldes aufrecht zu erhalten, dürfen Bäume nur bei Einhaltung verschiedener Auflagen gefällt werden.

    Stattdessen sollen die Reichen mehr Steuern zahle und die Konsolidierung Haushaltes aufgeschoben werden. – John F. Jungclaussen, Die Therapie von David Cameron wirkt, 01.05.15, Zeit online

  • promisk

    Das bildungssprachliche Adjektiv promisk (auch „promiskuitiv“) bedeutet „sexuell freizügig“ oder „offenherzig“.

    Der Eigenschaft zufolge besteht kein Interesse an langfristigen Bindungen, sondern an „Promiskuität„, dem Geschlechtsverkehr mit relativ häufig wechselnden Partnern oder auch parallel mit mehreren Partnern.

    Im Tierreich versteht man unter promisk, dass sich Weibchen und Männchen in einer Saison mit mehr als einem Geschlechtspartner paaren.

    Das Adjektiv ist zurückzuführen auf das lateinische promiscuus (gemischt) und promiscēre (vorher mischen).

    Nach einer jahrelangen Beziehung genießt er sein neues, promiskes Leben ohne jegliche Verpflichtungen. Dass manche Leute ihn nun spöttisch als „Callboy“ oder „Gigolo“ bezeichnen, nimmt er mit Humor.

    Wir lernen, dass Graubären Allesfresser sind, sich aber im Yellowstone-Park wegen der vielen leicht zu erbeutenden Tiere überwiegend von Fleisch ernähren. Sie sind Einzelgänger und promisk, ein Wurf kann verschiedene Väter haben. Sie verschlafen den Winter und fressen sich vorher eine dicke Fettschicht an.
    Martin Klingst, Er ist wieder da, DIE ZEIT Nº 36/2014

    Früher dachte ich: Ich bin für immer promisk. Jetzt lebe ich total monogam. Ich verurteile weder das eine noch das andere. Aber ich bin froh, dass ich es in dieser Reihenfolge gemacht habe, nicht umgekehrt.
    Peter Plate, „Ich war 20 Jahre lang der Onkel von Rosenstolz“, ZEITmagazin Nº 16/2013

  • separat

    Das Adjektiv separat bedeutet „getrennt (von etwas)“, „abgesondert“ und beschreibt Personen, Sachverhalte oder Objekte, die getrennt voneinander agieren bzw. für sich stehen.

    Der Ursprung des Begriffs liegt im lateinischen separare (absondern, trennen, ausscheiden). In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts gelang der Begriff in den deutschen Sprachgebrauch.

    Das ist kein Thema für die Teambesprechung; das klären wir lieber separat.

    Statistiken und Gefühle sollte man in der politischen Debatte separat betrachten, um eine sinnvolle Diskussion führen zu können.

    Die Eier wurden in separaten Aquarien untergebracht – zum Schutz vor dem kannibalischen Appetit der Grottenolme. – Kannibalische Höhlenlurche im Harz könnten Eltern werden, Zeit Online, 23. März 2016

Seite 4 von 6412345672030»