• Fiasko

    Ein Fiasko ist ein totaler Misserfolg. Zunächst vorrangig in Bezug auf verpatzte Theateraufführungen gebraucht, kann der Ausdruck nun auch verwendet werden, um gescheiterte Auftritte und Veranstaltungen sowie im Reinfall endende politische und wirtschaftliche Unternehmungen oder Entwicklungen zu beschreiben.

    Ursprung des Begriffs ist das italienische fiasco, die Bezeichnung für bauchige, dünnwandige und deshalb mit Stroh umwickelte Weinflaschen. Für die Entwicklung der heutigen Bedeutung gibt es mehrere Erklärungen. Möglicherweise waren Flaschen dieser Form zunächst Misserfolge beim Versuch, andere Gefäße herzustellen. Andererseits kann sich der heutige Gebrauch auch aus der Gewohnheit ergeben haben, schlechte Theateraufführung im Italien des 17. und 18. Jahrhunderts mit dem Werfen eben dieser Flaschen auf die Bühne zu quittieren.

    Die Feier zum Firmenjubiläum endete schließlich im Fiasko, als der Betriebsratsvorsitzende betrunken in die Torte stolperte und dabei das gesamte Büffet mit sich riss.

    Seine Rede war ein vollendetes Fiasko und sorgte für einen nachhaltigen Rückgang der Wählergunst.

  • Polygamie

    Polygamie (die) bedeutet „Vielehe“, also die Ehe mit mehreren Partnern zur gleichen Zeit. Mittlerweile kann darüber hinaus auch die von der Ehe unabhängige  geschlechtliche oder emotionale Beziehung zu mehreren Partnern gleichzeitig gemeint sein.

    Ursprung des Worte ist das gleichbedeutende griechische polygamia.

    Polygamie im Sinne von Vielehe wird heute in den meisten Kulturräumen der westlichen Welt nicht mehr praktiziert und wurde etwa in den Vereinigten Staaten von Amerika bereits 1882 gesetzlich verboten.

  • Demagoge

    Ein Demagoge ist ein Volksaufhetzer, eine Person also, die mittels öffentlicher Rede eine Menschenmasse politisch oder ideologisch aufwiegelt. Zu den rhetorischen Mitteln des Demagogen gehören dabei Übertreibungen, Verzerrungen und Vereinfachungen der Wahrheit, Verallgemeinerungen und teils auch schlichte Lügen.

    Der Begriff entstammt dem griechischen demagogos (Führer des Volkes). Im alten Griechenland war er weitestgehend positiv besetzt, ein Demagoge war damals ein angesehener Redner. In dieser positiven Bedeutung wurde der Ausdruck in der deutschen Sprache bis in die Neuzeit verwandt. Parallel dazu entwickelte sich die hier beschriebene, mittlerweile ausschließlich gültige negative Besetzung des Begriffs.

    Der geschickte Demagoge hat mittlerweile eine treue Schar Anhänger hinter sich versammelt, die jede seiner hetzerischen Reden mit begeistertem Beifall feiert.

    In Marikana aber schlägt die Stunde der übelsten Demagogen. Julius Malema, ein aus der Regierungspartei verbannter Volkstribun, nutzt Wut und Trauer der Streikenden für seinen Rachefeldzug gegen den Präsidenten.
    Bartholomäus Grill (2012), Die Stunde der Demagogen, DIE ZEIT, 23.8.2012 Nr. 35.

  • integer

    Das Adjektiv integer bedeutet „unbescholten“, „unbestechlich“ oder „moralisch sauber“ und beschreibt in erster Linie Personen und deren moralische Positionierung im öffentlichen Leben, der Wirtschaft oder der Politik.

    Ursprung des Begriffs ist das lateinische integer (untadelig, unversehrt), vgl. auch das lateinische integratis (Reinheit).

    Trotz seiner bewegten Vergangenheit verhielt er sich während seiner Amtszeit als Präsident durch und durch integer. Selbst die Opposition verlor kein schlechtes Wort über ihn.

    Sie galt bis in die untersten Ebenen des Konzerns als vorbildlich integre Chefin.

  • bagatellisieren

    Das Verb bagatellisieren bedeutet „etwas als Bagatelle behandeln“ beziehungsweise „etwas als Bagatelle darstellen“, es wird also etwas verharmlost und als unbedeutend dargestellt. Oft wird der Begriff gebraucht, um Kritik an dieser Verharmlosung zu üben.

    Der Ausdruck entstand durch Verbalisierung des Substantivs Bagatelle, welches seinerseits aus dem französischen bagatelle (Kleinigkeit) entlehnt ist.

    Sexuelle Gewalt darf nicht bagatellisiert werden.

    Wer rechte Gewalt losgelöst vom politischen Kontext betrachtet, bagatellisiert das entsprechende Verbrechen.

  • konstituieren

    Das Verb konstituieren bedeutet „ins Leben rufen“, „sich grundlegend organisieren“ oder „für etwas konstitutiv (grundlegend) sein“. Somit beschreibt es den Prozess der ersten Schritte der Realisierung etwa eines Parlaments, einer Organisation, eines Bündnisses, eines Staates etc.

    Ursprung des Begriffs ist das lateinische constituere (festsetzen, aufstellen).

    Kurz nach Ende des Krieges konstituierte sich die neue Regierung.

    Die konstituierende Versammlung war mehrere Tage mit dem Entwerfen der offiziellen Vereinssatzung beschäftigt.

    Zu viel ist noch ungeklärt: Wie steht es um die Demokratie in einem Megastaat? Was ist von einem europäischen Länderfinanzausgleich zu halten, wo doch schon der deutsche kein Erfolgsmodell ist? Wie ist es um das Selbstverständnis eines Staates bestellt, der sich unter dem Druck der Finanzmärkte konstituiert?
    Mark Schieritz (2012), Entweder – oder?, DIE ZEIT, 23.8.2012 Nr. 35.

  • Prokurist

    Eine Prokuristin (respektive in der männlichen Form ein Prokurist) ist Inhaberin der Prokura und somit im Namen eines Unternehmens vertretungsberechtigt, kann also – wie die Geschäftsführung – rechtskräftig handeln und so etwa Verträge mit anderen Unternehmen abschließen. Dabei ist der Umfang der Vollmacht gesetzlich festgelegt, so dass Geschäftspartner der Prokuristin auf deren Unterschrift vertrauen können, ohne ein Platzen des Geschäfts fürchten zu müssen.

    Ursprung des Begriffs ist das lateinische procurare (Sorge tragen, Geschäfte führen).

    „Wir haben damals gemerkt: Der Markt wird immer unberechenbarer. […]“, sagt die Prokuristin Cindy Habecker. Sie ist zuständig für das Innovationsmanagement des Berliner Unternehmens, das Sekundärrohstoffe wie Altglas oder -papier vermarktet.
    Katja Schönherr (2012), Der Mitarbeiter als Ideenlieferant, ZEIT ONLINE.

  • Imponderabilien

    Eine Imponderabilie ist eine „Unwägbarkeit“, d.h. ein bei einer Entscheidung nicht vorhersehbares, zu einem späteren Zeitpunkt eintreffendes Ereignis. Der Begriff wird nahezu ausschließlich im Plural gebraucht.

    Imponderabilien spielen etwa in betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen, vorrangig bei Investitionsentscheidungen, eine wichtige Rolle. Anders als bekannte und kalkulierbare Risiken können sie zum Zeitpunkt der Entscheidung nicht berücksichtigt und somit nicht quantifiziert werden. Ebenso wenig kann  eine Strategie für den Fall ihres Eintretens zurechtgelegt werden, eine Reaktion ist also nur im Nachhinein möglich und oft mit großen Kosten verbunden.

    Auch in der Rechtssprache existiert der Begriff der Imponderabilien und beschreibt dort Stoffe, die unbeherrschbar und unwägbar sind, d.h. sich nicht wiegen lassen. An ihnen kann kein rechtliches Eigentum bestehen. Hierzu zählen etwa Geräusche und Strahlungen oder auch freie Gase und Dämpfe.

    Wie genau der Begriff den Weg ins Deutsche gefunden hat ist ungewiss, jedoch kann davon ausgegangen werden, dass der Ursprung im lateinischen poderabilis (wägbar) liegt.

    Vieles lässt sich planen, Imponderabilien können aber nie ganz ausgeschlossen werden.

    Auch rechnet jedermann damit, daß es diesmal schnell gehen wird. Das Parlament will sich noch vor Weihnachten konstituieren, in Berlin. Und wenn nicht die berühmten Imponderabilien dazwischenkommen, soll auch gleich die Kanzlerwahl über die Bühne gehen – was voraussetzt, daß die künftige Ministermannschaft jedenfalls in ihren Umrissen bekannt ist.
    Carl-Christian Kaiser (1990), Lauter blaue Wunder, DIE ZEIT, 30.11.1990 Nr. 49.

  • dechiffrieren

    Das Verb dechiffrieren bedeutet „entschlüsseln“ und bezieht sich ursprünglich auf das Übertragen in Klarschrift einer verschlüsselten bzw. chiffrierten Botschaft. Daneben kann der Begriff auch im übertragenen Sinne für das Entschlüsseln komplexer, schwierig zu durchschauender Sachverhalte oder Situationen respektive Übersetzen selbiger in klare, einfach zu verstehende Worte gemeint sein.

    Ursprung des Begriffs ist das gleichbedeutende französische déchiffrer.

    Seine Aufgabe während des Krieges war in erster Linie, abgefangene Botschaften des Feindes zu dechiffrieren.

    Es gelang ihnen erst in der zweiten Halbzeit allmählich, die Angriffsmuster des Titelverteidigers zu dechiffrieren und entsprechend souverän zu reagieren.

  • mens sana in corpore sano

    Das lateinische Zitat „mensa sana in corpore sano“ stammt aus einer Satire des römischen Dichters Juvenil und bedeutet „ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“. In dieser verkürzten Form wurde es vielfach verwendet, um körperliche Ertüchtigung zu propagieren und als alte Weisheit zu präsentieren, dass ein starker Körper einen wachen Verstand mit sich bringt. So findet sich der Ausspruch etwa in Hitlers „Mein Kampf“, in den Broschüren zahlreicher Sportvereine und Fitnessstudios sowie in diversen Selbsthilfebüchern.

    Vollständig lautet das in Juvenals Satura X (Die zehnte Satire) vorkommende Zitat:

    ut tamen et poscas aliquid uoueasque sacellis
    exta et candiduli diuina tomacula porci,
    orandum est ut sit mens sana in corpore sano.

    Juvenal ermuntert also keinesfalls zu Sport und gesunder Ernährung. Die Satire zielt vielmehr auf die zahlreichen törichten Bitten ab, die die Menschen an die Götter richten, ohne dabei die Konsequenzen überschauen zu können. Juvenal meint, wem welches Schicksal im Leben zukomme, solle man den Göttern selbst überlassen und wenn überhaupt um etwas, dann für einen gesunden Geist und einen gesunden Körper beten.