• Theodizee

    Die Theodizee ist ein in der Alltagssprache weitgehend ungebräuchlicher Begriff. Eingeführt wurde er von Gottfried Leibniz und er bedeutet „die Rechtfertigung Gottes“. Er umfasst die Frage, warum Gott Leiden zulässt, obwohl er die Macht hätte, es zu verhindern.

    Das Wort ist eine Zusammensetzung aus den beiden altgriechischen Wörtern theos (Gott) und dike (Gerechtigkeit).

    Die Theodizee zwingt gläubige Menschen zur ernsthaften Auseinandersetzung mit dem scheinbaren Widerspruch eines liebenden Gottes und einer leidvollen Welt.

    Bereits der griechische Philosoph Epikur formulierte das Problem der Theodizee sehr klar und eindringlich.

    Christliche Theologen setzen der Theodizee den freien Willen und das Lernen durch Erfahrung entgegen.

  • virtuos

    Das Adjektiv virtuos fand über die Musik Eingang in die Alltagssprache. Es bedeutet „meisterhaft, technisch vollendet“. Heute verwendet man es nicht nur im musikalischen Bereich, sonder überall dort, wo von der perfekten Beherrschung einer Tätigkeit die Rede ist.

    Das lateinische Adjektiv virtuosus ist der Ursprung des Wortes. Es bedeutet „tugendhaft, vortrefflich“.

    Du kannst mir glauben, Larissa spielt virtuos mit deinen Gefühlen! (Hier ist virtuos ein Adverb.)

    Unglaublich, das war eine virtuose Leistung! Vier Elfmeter in einem Spiel hat vor ihm noch niemand gehalten.

    Die Wiener Philharmoniker glänzten unter Herbert von Karajan mit virtuosen Leistungen und rissen ein Millionenpublikum zu Begeisterungsstürmen hin.

  • Bagatelle

    Die Bagatelle, ein Substantiv, bezeichnet „eine kleine, unbedeutende Sache“ oder eben eine „Kleinigkeit“. Das Wort wird häufiger in Zusammensetzungen verwendet. Eine Bagatellstrafe meint eine sehr gering ausgefallene Strafe, ein Bagatelldelikt bezeichnet eine Straftat, die nicht schwer wiegt.
    Bagatelle ist auch die Bezeichnung für ein kurzes, zweiteiliges Musikstück ohne Gesang.

    Wie die Schreibweise schon erahnen lässt, wurde die Bagatelle aus dem Französischen entlehnt. Das französische Wort bagatelle wird mit „Kleinigkeit“ übersetzt. Das Ursprungswort stammt aus dem Lateinischen: baca – die Beere.

    Sie ist Spitzensportlerin, eine mehrstündige Wanderung ist für sie eine Bagatelle.

    Mach dir doch wegen dieser Bagatelle keine Gedanken!

    Ist eine Ohrfeige noch eine Bagatelle oder schon Körperverletzung?

  • assimilieren

    Das Verb assimilieren bedeutet „angleichen, anpassen“. Im allgemeinen Sprachgebrauch findet man es heute meist im Zusammenhang mit Einwanderung und kultureller Anpassung. In diesem Umfeld ändert sich seine Bedeutung meist zu „verschmelzen“. Dieser Wandel hat seinen Ursprung in der Biologie, wo assimilieren einen völlig anderen Vorgang beschreibt, nämlich „einen körperfremden Stoff aufnehmen und in eine körpereigene Substanz umwandeln“.

    Seinen Ursprung hat das Verb assimilieren im lateinischen Verb assimilare, das sehr unterschiedliche Bedeutungen hat: fälschen, nachahmen, vergleichen, gleichmachen, vortäuschen.

    Die Gruppe ist offen und freundlich; neuen Mitgliedern fällt es leicht, sich zu assimilieren.

    Gerhard fand die Regeln im Internat sehr streng. Lange konnte er sich nicht assimilieren, was sein Heimweh noch verstärkte.

  • zyklisch

    Das Adjektiv zyklisch bedeutet „kreisförmig“ oder „wiederkehrend“.

    Zyklisch ist das Adjektiv zum Substantiv Zyklus, das seinen Ursprung im griechischen Wort kyklos für „Ring“ oder „Kreis“ hat.

    Obwohl der Monsun zyklisch wiederkehrt, trifft er die Inselbewohner oft sehr unvorbereitet.

    Der Roman weist eine zyklische Struktur auf, da er zu Ende wieder Bezug auf die Anfangskapitel nimmt.

    Die zyklische Anordnung der verwendeten Steine ist typisch für die Rituale dieses Stammes.

  • operationalisieren

    Das Verb operationalisieren bezeichnet das Präzisieren und Standardisieren von Begriffen durch Nennung der Handlung, mit der der Sachverhalt hinter dem Begriff erfasst oder verdeutlicht werden kann.

    Das Verb geht zurück auf das lateinische Substantiv operatio, was „Verrichtung“ bedeutet.

    Das Leitbild wurde auf der Firmenkonferenz operationalisiert und so den Mitarbeitern näher gebracht.

    Die Partei operationalisierte die Reform, in der Hoffnung, mit ihr auf breites Einverständnis zu stoßen.

  • Nonkonformismus

    Der Begriff Nonkonformismus bezeichnet eine individualistische Haltung gegenüber sozialen, religiösen oder weltanschaulichen Sachverhalten und Fragen, welche den herrschenden Normen widerspricht. Das Substantiv ist deckungsgleich mit Nonkonformität oder Antikonformismus.

    Es setzt sich zusammen aus dem lateinischen non- für „nicht“ und dem spätlateinischen conformis, was „gleichförmig“ bedeutet.

    Mit ihrer Kleidung drücken die Musiker den von ihnen propagierten Nonkonformismus aus.

    Nachdem die Hippiekultur früher als Ausdruck des Nonkonformismus zu verstehen war, sind zumindest Teile von ihr inzwischen längst in die gängige Popkultur eingegangen und können kaum noch überraschen oder gar schockieren.

  • martialisch

    Das Adjektiv martialisch bedeutet „kriegerisch“, „wild“ oder „grimmig“.

    Es entstammt dem lateinischen Begriff martialis, welches „zum Mars gehörend“ bedeutet, wobei sich „Mars“ auf den römischen Kriegsgott bezieht.

    In seiner martialischen Ausdrucksweise droht er dem Präsident mit Sanktionen für den Fall, dass dieser nicht endlich einlenkt.

    Sie erzählte ihrer Freundin, dass „300“ ein ganz und gar martialischer Film sei, der nicht an grausigen Details spare.

    Die vielen Piercings und die Tätowierung auf der Stirn unterstrichen sein martialisches Äußeres.

  • kompromittieren

    Das Verb kompromittieren bedeutet „jemanden bloßstellen“, „jemanden in Verlegenheit bringen“ oder „jemandes Ansehen durch ein bestimmtes Verhalten Schaden zufügen“.

    Der Begriff ist dem gleichbedeutenden französischen Verb compromettre entlehnt, das wiederum auf das lateinische Wort compromittere zurückzuführen ist, das „sich gegenseitig versprechen“ bedeutet.

    Die Zeitschrift kompromittierte den Politiker, indem sie die belastenden Fotos veröffentlichte.

    Er kompromittierte seine ehemalige Geliebte, als er der ahnungslosen Familien von der gemeinsamen Beziehung erzählte.

    Als ihm das Diebesgut aus der Tasche fiel, kompromittierte sich der Dieb selbst.

  • Interdependenz

    Das Substantiv Interdependenz bedeutet „gegenseitige Abhängigkeit“. Entsprechend ist die Dependenz ein Synonym für „Abhängigkeit“.

    Der Begriff setzt sich zusammen aus den lateinischen Begriffen inter für „zwischen“ und dependere für „abhängig sein“.

    Die Interdependenz ist eine Grundannahme menschlichen Zusammenlebens, da Menschen in sozialen Gefügen stets auf andere angewiesen sind.

    Beide Staaten stehen in Interdependenz zueinander, da sie auf die Exporte des jeweils anderen angewiesen sind.

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