• Diversifikation

    Das Substantiv Diversifikation (die) bedeutet „Veränderung“, „Abwechslung“ oder „Vielfalt“ im eigentlichen Sinne wird aber meist in der Wirtschaft oder auch der Linguistik verwandt.

    In der Linguistik beschreibt die Diversifikation die Differenzierung einer ursprünglichen Form in verschiedene Formen oder unterschiedliche Ausprägungen (Diversifikationsgesetz).

    Im wirtschaftlichen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff das Vorgehen eines Unternehmens, seine Produktion auszuweiten und neue Produkte auf neuen oder alten Märkten anzubieten. Dabei unterscheidet man zwischen verschiedenen Arten der Diversifikation:

    • Horizontale Diversifikation: Erweiterung der Produkte, die der eigentlichen Produkt-Markt-Kombination ähnlich sind (Bsp.: Coca Cola -> Coke Zero).
    • Vertikale Diversifikation: Erweiterung der Produkte durch Teile der vor- oder nachgelagerten Produktionsstufe (Bsp.: Übernahme der Aufgaben der Zulieferer).
    • Laterale Diversifikation: Erweiterung durch Produkte, die für das Unternehmen in keinem bisherigen Zusammenhang stehen (Bsp.: Produktion von Bekleidung und Uhren).

    Der Ursprung des Wortes liegt im lateinischen diversificare (verteilen), welches auf diversus (verschieden) und facere (machen, tun) zurückgeht.

    Daneben wird gleichbedeutend zu Diversifikation auch manchmal der Begriff Diversifizierung verwendet.

    Um unser Wachstumsziel zu erreichen, bedarf es einer Diversifikation unserer Produktion, da der bisherige Markt gesättigt ist.

    Noch in diesem Jahr solle es demnach ein „Memorandum of Understanding“ zwischen der EU und den beiden Ex-Sowjet-Staaten geben. Bis 2016 wolle Brüssel ein umfassendes Paket zur Diversifikation der europäischen Gasversorgung entwickeln. – afp, Bericht: EU setzt auf Gas aus Aserbaidschan und Turkmenistan, 22.02.2015, Zeit online

     

  • desolat

    Das bildungssprachliche Adjektiv desolat bedeutet „trostlos“, „traurig“, „einsam“ oder in anderem Kontext so viel wie „schlecht“, „miserabel“.

    Desolat wird häufig in den charakteristischen Wortkombinationen „ausgesprochen/sehr desolat“ oder „desolater Zustand“ verwendet, Gegenwörter zu desolat sind „erfreulich“ oder „wohlgeordnet“.

    Der Begriff ist auf das lateinische desolatum, dem 2. Partizip von desolare (einsam lassen, verlassen) zurückzuführen.

    Nach der haushohen Niederlage sind die Fans enttäuscht und die Mannschaft muss sich mit dem desolaten letzten Tabellenplatz zufriedengeben.

    Der desolate Zustand der Fassade drückt den Verkaufspreis des Hauses, so dass der Eigentümer seine Preisvorstellung wohl kaum durchsetzen wird.

    Selbstredend wurden auch happige Strategiefehler gemacht. Bei Bally wechselten die Manager im Expresstempo und mit ihnen die Neuausrichtungen. Bei Ascom blockierte die Familienstiftung eine Modernisierung. Und die Swissair beteiligte sich im Rahmen einer so genannten Hunter-Strategie an defizitären, kleinen Fluggesellschaften, die letztlich nicht zum Aufbau einer großen, unabhängigen Airline rührten, sondern neben der desolaten Finanzlage zu einem restlos verwässerten Image.
    Reto Wüthrich, Das Schweizer Kreuz, Brandeins, 05/2002

  • Zampano

    Ein Zampano ist ein Mann, häufig Anführer einer Gruppe, der durch übertriebenes, prahlerisches Gebaren beeindrucken will. Er versucht, sich in den Vordergrund zu spielen und erweckt gerne den Eindruck, Unmögliches möglich machen zu können.

    Zampano ist auf die gleichnamige Figur in Federico Fellinis Film „La Strada“ zurückzuführen. Fellinis Zampano ist ein prahlerischer Schausteller, der bei seinen Auftritten auf imposante Weise Eisenketten sprengt, welche seinen Brustkorb umschließen.

    In Anspielung auf Fellinis Figur wird der Eigenname häufig in der Wortkombination „der große Zampano“ verwendet.

    Sobald er ein Restaurant betritt, spielt er sich auf wie der große Zampano. Er erwartet, dass alle Kellner sich sofort auf ihn stürzen und ihm den bestmöglichen Tisch und Service gewähren.

    „Kippenberger hätte diese große Karriere nie über die Museen gemacht. Durchgesetzt haben ihn die Privatsammler, die ihn aus den falschen Gründen gekauft haben. Ohne seine Selbstinszenierung hätte sich sein Werk nicht durchgesetzt. Das Tragische ist, dass er ein bedeutender Künstler ist, auch wenn viele in ihm nur den Exzess-Zampano sehen.“
    Peter Laudenbach, Heiße Ware, Brandeins, 12/2009

  • Paraphrasieren

    Das Verb paraphrasieren meint in der Sprachwissenschaft „etwas in eigenen Worten wiedergeben/erklären“.

    Dabei kann etwas mit anderen Wörtern oder Ausdrücken umschrieben, frei in eine andere Sprache übertragen oder sinngemäß wiederholt werden.

    Im Bereich der Musik kann paraphrasieren zudem bedeuten, eine Melodie oder Abfolge von Akkorden auszuschmücken.

    Das Verb ist aus dem Substantiv Paraphrase abgeleitet. Paraphrase ist aus dem griechischen Präfix para– (bei, neben) und phrásis (Redeweise, Ausdruck) zusammengesetzt und bedeutet so viel wie „Umschreibung“.

    Für die Synchronisation muss das Drehbuch aus dem Englischen ins Deutsche paraphrasiert werden. Eine wortwörtliche Übersetzung der Texte ist nicht möglich, da das gesprochene Wort zur Lippenbewegung der Schauspieler passen muss.

    Derzeit ist die Band mit dem Schreiben der Songs ihres zweiten Studioalbums beschäftigt. In stundenlangen Sessions werden Melodien entwickelt, paraphrasiert und mit Songtexten unterlegt.

    Nur in jeder zehnten Arbeit wurde korrekt zitiert und belegt, in den anderen haben wir fehlende, falsche oder unvollständige Zitierweisen und Quellenangaben gefunden. Häufig paraphrasieren die Studenten etwa nach einem korrekten Zitat, vergessen aber, dazu ein „vergleiche“ zu schreiben.
    Kerstin Eleonora Kohl, „Nicht alle Studenten unter Generalverdacht stellen“, DIE ZEIT Nº 34/2013

  • Epiphanie

    Eine Epiphanie ist im allgemeinen Sprachgebrauch die unerwartete Erscheinung einer Gottheit, eine Offenbarung also, bzw. im weiteren Sinne ein (Erweckungs-) Moment von besonderer Tragweite.

    Weiterhin wird im Christentum der 6. Januar unter anderem als Epiphanie bezeichnet, also der Tag, an dem laut der Bibel die Weisen aus dem Morgenland anreisten, Jesus beschenkten und danach begannen, die frohe Botschaft seiner Geburt in die Welt hinauszutragen.

    Der Begriff geht zurück auf das griechische epiphainesthai (sich offenbaren).

    In diesem Moment, sturzbetrunken und halb erfroren im Schnee liegend, erlebte er eine Epiphanie. Am nächsten Morgen begann er, sein Leben radikal zu ändern.

    Und Williams entwickelte einen Stil, der es ihm ermöglichte, zu schreiben und ein anstrengendes Leben als Arzt zu leben. Seine magischen und klaren Augenblicke, seine Epiphanien kamen nicht vom langen Sitzen auf irgendwelchen poetischen Eiern, sie kamen wie bei allen Leuten, die nicht mit der professionellen Herstellung solcher Augenblicke befasst sind, mitten aus einem tätigen, anstrengenden Leben.
    Guenter Ohnemus (2000), Dr. Williams, DIE ZEIT, 47/2000.

  • Sisyphusarbeit

    Eine Si­sy­phus­ar­beit ist eine Arbeit oder Aufgabe, die trotz andauernder Anstrengung und Bemühung nicht fertiggestellt werden kann.

    Der Ausdruck ergibt sich aus der Sage des ebenso schlauen wie verschlagenen Sisyphos aus der griechischen Mythologie. Dieser soll nicht nur den Göttervater Zeus verraten haben, sondern auch den Totengott Thanatos betrunken gemacht und gefesselt haben, wodurch dieser bis zu seiner Befreiung durch den Kriegsgott Ares nicht seiner Aufgabe nachgehen konnte und so für einige Zeit niemand sterben konnte.

    Ursprung des Begriffs der Sisyphusarbeit ist die Bestrafung, die Sisyphos schließlich auferlegt wurde: In der Unterwelt bis in alle Ewigkeit einen Fels einen Hang hinaufrollen, der ihm kurz vor Erreichen der Spitze immer wieder entglitt.

    Der Job in so manchem Büro kommt einem wie echte Sisyphusarbeit vor. Tagein tagaus bewegt man Papiere von A nach B, unterschreibt Dokumente, füllt Tabellen aus, ohne jemals zufrieden auf ein abgeschlossenes Projekt zurückblicken zu können.

  • Allegorie

    Eine Allegorie ist ein objektiv fassbares (oft personifiziertes) Bild als Darstellung eines abstrakten Begriffs oder Sachverhalts.

    • Justitia steht mit Waage und Schwert in der Hand für Gerechtigkeit.
    • Der Sensenmann als Skelett in schwarzer Kutte mit Sense in der Hand  steht für den Tod.

    In der Literaturwissenschaft wird die Allegorie als Sprachbild und Stilfigur den Tropen zugeordnet und gilt dort als erweiterte, also über ein Einzelwort hinausgehende, Metapher. Eine Allegorie kann etwa eine einfache Geschichte sein, die einen größeren oder abstrakten Sachverhalt verdeutlicht.

    Synonyme zu Allegorie sind zum Beispiel „Sinnbild“, „Verkörperung“, „Inkarnation“ oder auch „Personifikation“.

    Das Substantiv ist vom lateinischen allegoria, bzw. dem griechischen allēgoría (das Anderssagen) hergeleitet.

    Eine der wohl am weitverbreitetsten Allegorien ist der Sensenmann, der als fassbare Darstellung für den Tod fungiert.

    Gemeint sind die rätselhaften Pop-Clowns, die wie ein Spuk in Fußgängerzonen auftauchen und mit ihrem kalten bleichgesichtigen Grinsen den Bürgern das Blut in den Adern gefrieren lassen. Solche Clowns erscheinen wie die Allegorie auf eine Welt, die sich selbst unheimlich geworden ist – eine Welt, die derzeit mehr Schreckensnachrichten und Fatalitäten hervorbringt, als das Menschenherz auszuhalten vermag.
    Thomas Assheuer, Die Grimasse des Realen, DIE ZEIT Nº 46/2014

    Die Faszination, die Fußball auslöst und ihn zur weltweit lukrativsten Ware des Unterhaltungsgeschäfts gemacht hat, wird gern umschrieben. Allegorie des Lebens. Spiegelbild der Gesellschaft. Ausdruck der Seele und Mentalität einer Nation. Fußball verbindet, bewegt, spaltet. Wenn es nach Hoeneß geht, dann ist der Fußball aber auch Abbild der Abgründe des Finanzsystems geworden. Ein wildes Gezocke abseits kaufmännischer Vernunft, zunehmend entmenschlicht.
    Gerhard Waldherr, Der Kaufmann, Brandeins, 11/2011

  • Parvenü

    Der Parvenü ist ein „Aufsteiger“, „Emporkömmling“ oder „Neureicher“.

    Als einen Parvenü bezeichnet man jemanden, der aus einfachen Verhältnissen heraus zu Reichtum gelangt ist. Als der Begriff im 18. und 19. Jahrhundert aufkam, fehlten einem solchen Emporkömmling in der Regel die Kultiviertheit und der Bildungsstand einer Person, die in eine wohlhabenden Familie geboren wurde. „Parvenü“ hatte also eine leicht abwertende Konnotation, die sich bis heute gehalten hat.

    Der deutsche Begriff stammt vom gleichbedeutenden französischen Begriff parvenu ab, substantiviert aus parvenir (emporkommen).

    Es ist einer dieser Clubs, wo die Parvenüs der Neuzeit sich selbst feiern. Nicht selten sieht man gerade diejenigen, die sich in den frühen Abendstunden noch Champagnerflaschen an den Tisch bestellten, später mit freiem Oberkörper auf Podesten tanzen.

    Anka Muhlstein verweist hier zu Recht auf das strukturelle Problem von Napoleons Herrschaft. Als Parvenü unter Europas Monarchen war er zum Erfolg verdammt. Ein Stehenbleiben, gar ein Rückzug wäre einer Niederlage gleichgekommen und hätte dem Nimbus seiner Unfehlbarkeit einen schweren Schlag versetzt.
    – Volker Ullrich (2008), Moskau war sein Schicksal, Die Zeit, 24.01.2008 Nr. 05.

  • Fait accompli

    Ein Fait accompli (das) ist eine vollendete Tatsache, also eine solche, die sich nicht ändern oder rückgängig machen lässt.

    Die Redewendung wurde unverändert aus dem Französischen übernommen und wird im Deutschen inzwischen recht selten verwendet.

    Die Insolvenz wurde den Mitarbeitern als Fait accompli präsentiert.

    Bei seinem verspäteten Eintreffen waren die Verhandlungen bereits abgeschlossen. So blieb ihm nichts anderes übrig, als sich dem Fait accompli zu fügen.

  • Euphemismus

    Ein Euphemismus ist ein beschönigender oder verharmlosender Ausdruck für etwas Unangenehmes, Anrüchiges oder Negatives. Ein Euphemismus ist also ein Hüllwort, das verwendet wird, um einen Sachverhalt sprachlich abzumildern.

    Der Ausdruck stammt vom gleichbedeutenden griechischen euphēmismós ab.

    Beispiele für Euphemismen gibt es viele in der deutschen Sprache.

    „Einschläfern“ beispielsweise ist ein Euphemismus für das absichtliche Vergiften eines Tieres (zu seinem eigenen Wohl, natürlich).

    „Nektar“ klingt beinahe göttlich, nach Nektar und Ambrosia, Speis und Trank im Olymp. Heutzutage ist der Begriff jedoch nur noch ein Euphemismus für mit ein wenig Saft vermischtem Zuckerwasser.

    Sicher kann man von „Rationalisierungsmaßnahmen“ und einem „flexiblen Arbeitsmarkt“ sprechen, wenn man sich denn dieser Euphemismen für die um sich greifende Rausschmeißkultur bedienen will.

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