• etablieren

    Das Verb etablieren bedeutet:

    • Etwas einrichten oder realisieren.
    • Ein Geschäft oder Unternehmen gründen (veraltet).
    • Einen sicheren Rang innerhalb der Gesellschaft oder einer bestimmten Gruppe einnehmen.
    • Sich häuslich einrichten.
    • Sich als Geschäftsperson niederlassen.

    In der Regel sprich man von sich etablieren oder etwas etablieren.

    Der Begriff geht auf das französische Verb établir (aufbauen, einnehmen, errichten) zurück, welches auf dem lateinischen Verb stabilire (befestigen, sichern, stärken) beruht.

    Ich möchte gerne schlankere Prozesse im mittleren Management unseres Unternehmens etablieren.

    Sie konnte sich trotz aller Widerstände in der Führungsetage ihrer Firma etablieren.

    Er spielte mit dem Gedanken, sich im Haus seiner Freundin zu etablieren. Um sich heimisch zu fühlen, dekorierte er direkt das Wohnzimmer neu.

    Da ihm indes das Geschäftsleben wenig zusagte , so gab er seinen Beruf auf und etablierte sich 1852 in der Dogenstadt als Privatlehrer. – Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 3. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

  • pekuniär

    Das bildungssprachliche Adjektiv pekuniär bedeutet „finanziell“ oder „geldlich“. Ein passendes Synonym wäre das analog verwendete monetär.

    Entlehnt wurde der Begriff aus dem Französischen: pécuniaire (finanziell). Dessen Ursprung liegt hingegen im lateinischen Wort pecuniarius (Geldgeschäft).

    Aufgrund meiner heiklen pekuniären Lage ist es mir nicht möglich, eine stadtnahe Wohnung mit ausreichendem Platz zu bewohnen.

    Wie gut jemand pekuniär aufgestellt ist, zählt für sie weit weniger als die charakterlichen Qualitäten des Menschen.

    Trotzdem streifen dieser Tage fiebrige Kunstsammler durch die Basler Messehallen und setzen ihre Unterschriften unter millionenschwere Kaufverträge. Man kann nur hoffe, dass sie von anderen als pekuniären Interessen getrieben sind. – Matthias Daum, Investoren, Finger weg!, Zeit online 13.06.2013

  • Orkus

    Orkus (bzw. Orcus) war laut römischer Mythologie der Herrscher der Unterwelt. Im Deutschen dient der Orkus als Synonym für die Unterwelt respektive das Reich der Toten.

    Etwas weniger dramatisch kann der metaphorische Abgrund gemeint sein, auf den jemand oder etwas zusteuert. In diesem Sinne spricht man gerne davon, etwas im Orkus zu versenken.

    Umgangssprachlich und seltener wird der Begriff auch als Synonym für „Toilette“ gebraucht.

    Der Begriff wurde aus dem Lateinischen übernommen.

    Ende der Woche – so die mutmaßliche Prophezeiung der Mayas – wird die ganze Welt im Orkus versinken.

    Die Investoren kehrten zurück. Die Staatsschuld halbierte sich auf den Traumwert von heute 46 Prozent der Wirtschaftsleistung (die Griechen sind bei 108 Prozent).

    Der Staatsbankrott muss also nicht in den Orkus führen. Aber bis dahin werden noch einige Euros in der Ägäis versinken.
    Joffe (2010), Euros in die Ägäis, DIE ZEIT, 29.04.2010 Nr. 18.

  • filibustern

    Das Verb filibustern bedeutet „Zeit schinden“ oder „hinauszögern“.

    Es wird vor allem in der Politik verwendet, um ein ausschweifendes, marathonartiges Reden zu beschreiben, mit dem unangenehme Dinge, wie Entscheidungen oder Abstimmungen, hinausgezögert oder zu verhindern versucht werden.

    Seinen Ursprung findet filibustern im englischen Verb to filibuster, welches anhand des Substantivs filibuster (Flibustier) herzuleiten ist. Das Substantiv wurde durch westindische Seeräuber der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts geprägt und bezeichnet somit Freibeuter.

    Vor allem Minderheitsparteien der USA bedienen sich dem üblichen Mittel des Filibusterns, um Entscheidungen im Senat zu verhindern.

    Ihre Taktik ist es, so lange zu filibustern, bis das Publikum den eigentlichen Anlass der Rede verdrängt hat und somit hoffentlich niemand ihre komplette Ahnungslosigkeit bemerkt.

    An der französischen Schule hat sich keiner für das Zeugnis interessiert. Die hatten andere Sorgen. Die waren einfach nur glücklich über den neuen Aushilfslehrer, da oben im Norden. Am Ende des Jahres konnte ich parlieren, charmieren, mich echauffieren, sautieren und filibustern, dass es eine helle Freude war.
    Harald Martenstein, „Ich habe niemals gelogen. Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort“, ZEITmagazin, 10/2011

  • tendenziös

    Das Adjektiv tendenziös bedeutet „befangen“, „voreingenommen“, „vorurteilsvoll“. Der Gebrauch ist meist abwertend. Passende Gegenworte sind etwa „objektiv“ oder „sachlich“.

    Tendenziös können vor allem in der Öffentlichkeit getätigte Aussagen sein, zum Beispiel im Rahmen eines Fernsehberichtes, eines Zeitungsartikels oder einer Rede. Berichterstattung ist tendenziös, wenn sie parteiisch ist, eine bestimmte Absicht verfolgt oder eine bestimmte Meinung vertreten wird, häufig unter dem Deckmantel vorgegaukelter Objektivität.

    Der Begriff leitet sich aus dem lateinischen tendere (u.a. sich angezogen fühlen) ab

    Der Artikel ist ob seines tendenziösen Untertons kaum mehr ernstzunehmen.

    Seine tendenziösen Äußerungen werden von der Regenbogenpresse gerne in reißerische Schlagzeilen verwandelt.

    Der Witz ist das eine Mal Selbstzweck und dient keiner besonderen Absicht, das andere Mal stellt er sich in den Dienst einer solchen Absicht; er wird tendenziös.
    – Sigmund Freud (1905), Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten.

    Obwohl Nachrichtenmedien wie die New York Times oder die Washington Post eine strenge personelle Trennung der Meldungs- und Meinungsressorts betreiben, wird ihnen immer wieder von konservativen Gegenmedien vorgeworfen, sie berichteten tendenziös.
    Oskar Piegsa (2009), Rechte Erfolge im Medienkrieg, Zeit-Online 22.01.2009.

  • quo vadis?

    Der bildungssprachliche Ausdruck quo vadis wird meist als Ausdruck der Skepsis und Besorgnis verwendet. Dem entsprechend bedeutet er so viel wie „Wohin wird das führen?“ oder „Wie soll das weitergehen?“

    Die Phrase stammt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich übersetzt „wohin gehst du?“. Sie findet ihren Ursprung im Johannesevangelium 13, 37 in einem Gespräch zwischen Simon Petrus und Jesus.

    Als er die Ereignisse des letzten Jahres Revue passieren ließ, wurde er nervös und überlegte – quo vadis? Wird er seine Erfolge noch steigern können, oder wird er irgendwann auf den harten Boden der Realität zurückgeholt werden?

    Die Konferenz steht ganz unter dem Motto: quo vadis? Die Teilnehmer sollen Konzepte erarbeiten, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern.

    Wie wird das Europa der Zukunft aussehen?, drängeln Eltern, Lehrer, Intellektuelle. Mit dem immer gleichen zukunftsnostalgischen Heimwehgesicht spulen sie ihre zum Klischee verkommenen Fragen ab: In was für einem Europa wollen wir leben? Wo bleiben Grenzen, Identität, das Narrativ? Erinnerungsorte, die Öffentlichkeit, der geteilte kulturelle Raum? Quo vadis, Europa?
    Nina Petrus, Mantras und Mahnungen, Die Zeit, 02/2014

  • sakrosankt

    Das Adjektiv sakrosankt bedeutet „unantastbar“ beziehungsweise „unverletzlich“. Es beschreibt unveränderlich festgesetzte, nicht anzweifelbare Tatsachen, Regeln, Prinzipien und ähnliches.

    Ursprung des Begriffs ist das lateinische sacrosanctum, welches die Unantastbarkeit einer Person zur Zeit der römischen Republik und in der römischen Kaiserzeit meinte und somit deren körperliche Unversehrtheit sicherstellen sollte. Zunächst waren die Volkstribunen als politische Vertreter der Plebejer sakrosankt, vor allem, um sie vor Übergriffen der Oberschicht zu schützen. Der Mechanismus dazu war denkbar einfach: Jemand, der einen Volkstribun körperlich angriff, konnte vom Volk auf der Stelle und ohne Prozess hingerichtet werden. Nach dem Ende der römischen Republik, d.h. zur Zeit des Prinzipats, war die sacrosanctitas zudem Bestandteil des Kaiseramtes.

    Im Laufe der Zeit wurde der Begriff ausgeweitet, beschrieb so zunächst die Unanzweifelbarkeit christlicher Lehren und verlor in seiner heutigen allgemeinen Bedeutung schließlich auch den religiösen Bezug.

    Die lange Zeit als sakrosankt geltende Behauptung wurde schließlich doch in Frage gestellt.

    Viele Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika empfinden das Recht auf Waffenbesitz als sakrosankt.

  • nivellieren

    Das Verb nivellieren bedeutet „ausgleichen (von Unterschieden)“ oder „ebnen“. Dabei kann sowohl das aktive und absichtliche Ausgleichen von Unterschieden gemeint sein als auch ein zufälliger Anpassungsprozess.

    Ursprung des Wortes ist das gleichbedeutende französische niveler.

    Es scheint nahezu unmöglich, die Unterschiede zwischen Arm und Reich zu nivellieren.

    Die globale Vernetzung macht kulturelle und mediale Inhalte weltweit verfügbar. So nivelliert sie zum Teil Unterschiede in der kulturellen Identität verschiedener Völker.

  • Rekuperation

    Das Substantiv Rekuperation hat zwei verschiedene Bedeutungen. In der Technik steht es für die Rückgewinnung von Energie. Historiker verwenden Rekuperation als Ausdruck für die Rückgewinnung von Territorien aufgrund verbriefter Rechte.

    Der Ursprung des Wortes findet sich im Lateinischen. Hier bedeutet recuperatio „Wiedergewinnung“ oder „Wiedererlangung“.

    Durch den Rekuperationsprozess kann das Elektroauto seinen Stromverbrauch um einen erheblichen Prozentsatz senken.

    Die schriftliche Einigung beider Parteien führte schließlich zu einer Rekuperation der Territorien.

    Der versprochene Durchschnittsverbrauch von 7,0 Litern auf 100 Kilometer ist wie üblich illusorisch. In der Stadt können die präzise arbeitende Start-Stopp-Automatik und die Rekuperation noch am ehesten ihre Sparstärken ausschöpfen.
    Stefan Grundhoff und Jürgen Wolff, Autotest: BMW gewinnt das bayerische Mittelklasse-Derby, Die Zeit 21.07.2012.

     

  • dysfunktional

    Das Adjektiv dysfunktional drückt aus, dass etwas über unzureichende oder fehlende Funktionen verfügt. Die Sache oder der Zustand ist somit unpraktisch und unzweckmäßig.

    Das Antonym zu dysfunktional ist „funktional“.

    Abgeleitet wurde das Adjektiv vom Substantiv „Dysfunktion“. Das griechische Präfix dys- bedeutet „falsch“ oder „schlecht“, das lateinische functio wird mit „Leistung“, „Durchführung“ übersetzt.

    Ich möchte das Telefon reklamieren. Es ist dysfunktional, die Anruftaste reagiert nicht.

    Nach der sechsten Trennung in einem Jahr erklärte der Psychologe dem Patienten, er zeige ein dysfunktionales Beziehungsmuster.

    „Als Rudd in der vorigen Woche sein Amt entnervt hinschmiss, ging Gillard noch einen Schritt weiter, indem sie den Regierungsstil ihres früheren Vorgesetzten öffentlich als „chaotisch“ und „dysfunktional“ geißelte.“
    Jörg Schmilewski, Julia Gillard: Australiens Premier siegt und verliert doch, Die Zeit, 27.02.2012.

     

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