Fremdwörter mit H

  • Hasardeur

    Ein Hasardeur ist jemand, der durch verantwortungsloses bzw. fahrlässiges Handeln ein hohes Risiko eingeht.

    Der Begriff wurde mit gleicher Bedeutung aus dem Französischen übernommen. Im Französischen ist der Ausdruck hasardeur seit dem 18. Jhd. nicht mehr gebräuchlich.

    Die deutsche Aussprache folgt dem französischen Vorbild, in eingedeutschter Lautschrift also etwa „Hasardör“, mit Betonung auf der letzten Silbe.

    Er ist der reinste Hasardeur.

    Manche sehen in Friedrich deshalb einen Hasardeur, der alles riskierte und aussichtslose Schlachten bis zur bitteren Niederlage weiterführte. In Kunersdorf rieten seine Offiziere ihm, angesichts der Unübersichtlichkeit des Geländes nach den Anfangserfolgen haltzumachen. Friedrich aber wollte die feindliche Armee nicht nur schwächen, sondern vernichten – und trieb seine Soldaten ins Verderben.
    Andreas Molitor (2011), Unter dem Getöse von dreihundert Kanonen, ZEIT Geschichte.

  • Hedonismus

    Hedonismus ist allgemein das Streben nach Genuss oder Sinneslust. Alltagssprachlich ist der Gebrauch oft eher abwertend und meint eine egoistische, nach kurzfristigem Genuss strebende Lebensführung.

    Der Hedonismus als philosophische Strömung geht darüber hinaus. Zusammengefasst geht es dabei um das Streben nach einem angenehmen Glückszustand. Die antiken Philosophen beschreiben diesen Glückszustand als Ataraxie, die vollkommene Seelenruhe.

    Bei Aristippos, einem Zeitgenossen von Sokrates, stehen dabei momentaner Lustgewinn und Schmerzvermeidung im Zentrum, jeweils als Übergangszustand zur Seelenruhe. Er unterscheidet nicht zwischen verschiedenen Lüsten.

    Epikur geht es später eher um langfristige Lebensplanung und Aufrechterhalten der Seelenruhe als höchstem Glückszustand. Er unterscheidet dazu auch zwischen vernünftigen und unvernünftigen Genüssen. Letztere bringen einen kurzfristigen Lustgewinn, wirken sich aber langfristig negativ auf die Seelenruhe aus. Dazu gehören etwa der ungezügelte Konsum von Drogen, Lustgewinn auf Kosten anderer oder übermäßiges Essen.

    Hedonismus stammt von dem griechischen Wort hēdonē ab, welches für Vergnügen, Lust und Freude steht.

    Für den Sonnenkönig Ludwig von Bayern war Hedonismus ein Lebensprinzip.

    Begründer des Hedonismus ist der griechische Philosoph Aristippos von Kyrene.

  • Hybris

    Das Substantiv Hybris bedeutet „Übermut“, „Hochmut“,“Selbstüberhebung“ oder „Vermessenheit“, insbesondere gegenüber Göttern oder göttlichen Wesen. In der Mythologie erfolgte auf die Hybris meist eine göttliche Bestrafung. Inzwischen wird das Wort jedoch generell als Synonym für die genannten Bedeutungen benutzt, wobei der Begriff Hybris das moralisch Verwerfliche besonders betont.

    Das Wort ist dem Griechischen entnommen, in dem hybris neben den genannten Bedeutungen auch für „Frevel“ steht.

    Für ihre Hybris, sich über die Titanin Leto zu stellen, musste die Königin Niobe aus der griechischen Mythologie mit dem Leben ihrer Kinder und ewiger Verdammung bezahlen.

    Die Annahme der Unsinkbarkeit der Titanic ist bis heute ein Inbegriff menschlicher Hybris gegenüber der Natur.

  • Hypothese

    Eine Hypothese ist eine unbewiesene Annahme oder Behauptung, die noch eines Beweises bedarf. Der Begriff ist häufig in wissenschaftlichem Kontext, aber auch in der Bildungssprache zu finden.

    Das Substantiv ist auf das griechische ypóthesis (unterstellen, darlegen) zurückzuführen.

    Um seine Hypothese zu beweisen, musste er den Versuch mindestens fünfzig Mal durchführen.

    Das US-amerikanische Clay Mathematics Institute hatte die Hypothese 2000 zu einem von sieben mathematischen Jahrtausendproblemen erklärt und ein Preisgeld von einer Million Dollar für seine Lösung ausgeschrieben. 2010 lehnte Perelman auch diese Summe ab, ein Schock für die Öffentlichkeit. Wie kann einer so genial und gleichzeitig so blöd sein?
    Stefan Scholl, Er will einfach nur rechnen, Brandeins, 11/2011

  • Haute Couture

    Die Haute Couture bezeichnet die – besonders in Paris – für die Mode tonangebende, gehobene Schneiderkunst. Haute Couture Kleidungsstücke bestehen aus hochwertigen Materialien, werden individuell durch Handarbeit geschneidert und sind daher im obersten Preissegment zu finden.

    Der Ausdruck stammt aus dem Französischen und setzt sich aus dem Adjektiv haut („hoch“) und dem Substantiv couture („das Nähen“, „Schneidern“) zusammen.

    Sie stahl allen anderen die Show, als sie in diesem Traum von Haute Couture über den roten Teppich schwebte.

    Die neue Kollektion des Modedesigners beinhaltet sogar zwei Haute Couture Stücke, welche als Höhepunkt der Modenschau präsentiert wurden.

    Wenn Sie vor 20 Jahren in Ihre Bank gegangen sind, saß da ein Mann mit Blazer und Krawatte. Heute haben die eine tolle Jeans und vielleicht noch ein Hemd an, keinen Schlips, dafür Designersneakers. Mode ist ja nicht nur das, was bei einer Haute Couture Show über den Laufsteg läuft.
    Julia Hackober, „Mode ist nicht nur, was auf dem Haute-Couture-Laufsteg passiert“, Die Welt, 18.01.2014.

     

     

  • harmonisieren

    Harmonisieren bedeutet zum einen, eine Melodie mit zueinander stimmigen Akkorden zu begleiten oder zu versehen und zum anderen, Gegebenheiten oder Beziehungen in Übereinstimmung oder Einklang zu bringen. Synonyme des Verbs sind „koordinieren“ oder „aufeinander abstimmen“.

    Seinen Ursprung findet harmonisieren im Französischen. Harmoniser bedeutet wörtlich übersetzt „etwas abstimmen“ oder „angleichen“.

    Jegliche Versuche, das einstige Kooperationsbündnis zu harmonisieren, schlugen fehl.

    Um das Musikstück zu harmonisieren, stimmte der Pianist die Akkorde gezielter aufeinander ab.

    Die Reform des Datenschutzes ist die zentrale Gesetzesinitiative, über die die EU zurzeit diskutiert. Mit ihrer Hilfe sollen die teilweise sehr unterschiedlichen Schutzniveaus der 28 Mitgliedsstaaten harmonisiert werden.
    Marlies Uken, EU-Gipfel: Für Merkel geht Abhören unter Freunden gar nicht, Die Zeit, 24.10.2013.

     

  • heroisieren

    Das Verb heroisieren bedeutet „(als Helden) verherrlichen“ und beschreibt die Erhebung einer Person in den Heldenstatus. Besonders häufig wird der Begriff dann gebraucht, wenn der Heldenstatus eigentlich nicht verdient ist.

    Das Verb leitet sich aus dem Adjektiv heroisch ab, welches auf das lateinische heroicus (heldenhaft) zurückgeht.

    Einen Alleinherrscher zu heroisieren ist zentraler Bestandteil des Propagandaprogramms einer Diktatur.

    Im Nachhinein werden selbst Kriegsverbrecher gern mit Ruhm und Ehre ausgestattet und so als große Feldherren heroisiert.

  • hermeneutisch

    Das Adjektiv hermeneutisch bedeutet „auslegend“ oder „erklärend“. Es beschreibt damit die Art der Aufarbeitung eines Textes, einer Rede, eines Musikstücks, eines Ereignisses o.ä. Dementsprechend ist die Hermeneutik die Kunst der Interpretation.

    Ursprung des Begriffs ist das griechische hermēneúein (deuten, auslegen).

    Bei seiner Kritik an dem Roman lehnte er sich hermeneutisch derart weit aus dem Fenster, dass er nicht mehr ernst genommen wurde.

    Die hermeneutische Aufarbeitung von Texten bereits toter Autoren ist stets problematisch: „Was will uns der Autor damit sagen?“ Diese Frage brachte schon so manchen Schüler an den Rand der Verzweiflung.

  • honett

    Das Adjektiv honett wird heutzutage kaum noch verwendet, da es sich sprachlich im veraltenden Bereich bewegt. Es bedeutet, dass jemand auf eine eher biedere Art so rechtschaffen ist, dass er einem einen gewissen Wohlgefallen und eine bestimmte Art von Achtung abringt.

    Das Wort honett leitet sich ursprünglich von dem lateinischen Wort honestus ab, was ehrlich bedeutet.

    Sie ist schon eine honette Mitarbeiterin.

    Er legt eine honette Art an den Tag.

    Sie muss gehofft haben, durch ihr honettes Verhalten schneller die Karriereleiter emporklettern zu können.

  • Hausse

    Eine Hausse ist ein Aufschwung. Das Wort ist speziell auch fester Teil der Börsensprache und beschreibt den positiven Trend von Wertpapierkursen. Ein wirtschaftlicher Aufschwung manifestiert sich also in Form steigender Börsenkurse. Jedoch werden auch Kursanstiege, die nicht durch einen realwirtschaftlichen Aufschwung, sonder etwa durch spekulative Geschäfte zustande gekommen sind, als Hausse bezeichnet.

    Der Begriff der Hausse wurde direkt aus dem Französischen übernommen, wo hausse „Erhöhung“ bedeutet.

    Die jüngste Hausse der Rohstoffpreise führte zu ein paar schönen Zahltagen auf Seiten der Spekulanten, jedoch auch zu missmutigen Gesichtern an den Tankstellen.

    Oft ist es schwer zu sagen, ob eine außergewöhnliche Hausse durch die Realwirtschaft legitimiert ist oder ob sich bloß eine riesige Spekulationsblase gebildet hat.

    Zuletzt sind die Kurse noch einmal rapide gestiegen, ohne dass Ölaktien diese Bewegung mit vollzogen haben. Viel spricht dafür, dass wir es mit einer sogenannten Dienstmädchenhausse zu tun haben, wie solche Phasen früher hießen. Weil es Dienstmädchen heute kaum noch gibt, könnte man auch von einer Studienratshausse sprechen. Sie tritt immer dann ein, wenn bei den sonst uninteressierten Gelegenheitsanlegern die Gier ausbricht – und sie auch noch Gewinne machen wollen.
    Conrad Mattern (2008), Die Stunde der Studienräte, ZEIT online.