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Agitator

Das Substantiv Agitator (der) beschreibt eine Person, die durch aufhetzende oder anspornende Reden oder Schriftstücke eine große Gruppe von Menschen zu gemeinsamen Handlungen auffordern oder bewegen möchte. Die Person betreibt dann Agitation. Der Ausdruck wird meist abwertend benutzt.

Synonyme zu Agitator sind: Demagoge, Volksverhetzer, Scharfmacher.

Der Begriff entstammt dem Lateinischen agitare, das „antreiben“ oder auch „aufwiegeln“ bedeutet.

Er ist ein Agitator, der versucht, die Menschen gegeneinander aufzuhetzen.

Joseph Goebbels war der wichtigste und schlimmste Agitator der NSDAP.

a priori

A priori bedeutet im deutschen Sprachgebrauch „von vornherein“ oder „grundsätzlich“.

Der Begriff kann etwa gebraucht werden, wenn man ohne weitere Beweise und von vornherein ein Urteil trifft.

Insbesondere findet der Begriff auch in der Philosophie Verwendung. Eine Erkenntnis a priori zu äußern bedeutet hier, dass diese ohne tatsächliche Erfahrung, sondern durch bloßes Nachdenken und logische Schlussfolgerung erreicht wurde.

Seinen Ursprung findet der Ausdruck im lateinischen prior (Vorfahre, Vorgänger).

Beispiele:

Es ist in diesem Fall schwer, a priori eine Entscheidung zu treffen. Man sollte die Idee daher zunächst im kleinen Rahmen testen, bevor man sie generell für gültig erklärt.

Wir schließen a priori aus, uns mit dieser Frage auch nur zu beschäftigen, um unsere Ablehnung der theoretischen Grundlagen zu bekräftigen.

A priori ist das kein Widerspruch, wenn der Fall dann aber tatsächlich eintritt, muss man auf alles gefasst sein.

arkadisch

Das Adjektiv arkadisch wird synonym zu „idyllisch“, „malerisch“, „romantisch“ oder „verträumt“ verwendet.

Der Begriff wird in der Alltagssprache selten genutzt. Er kommt in der Regel in der Literaturwissenschaft zum Einsatz oder wird für die Beschreibung künstlerischer Werke verwendet. Die arkadische Dichtung ist außerdem eine Literaturgattung.

Der Ausdruck geht auf das Volk der Arkadier zurück, das auf der griechischen Halbinsel Peloponnes lebte. Bereits im Altertum wurde dieses Volk – das eigentlich ein einfaches Hirtenvolk war – zum Inbegriff des Goldenen Zeitalters verklärt. Aus dieser positiven Verklärung leitet sich die heutige Bedeutung des Wortes arkadisch ab.

Er durchschritt eine arkadische Landschaft.

Die arkadische Dichtung wird auch als Hirtendichtung bezeichnet.

apo­dik­tisch

Das Adjektiv apodiktisch hat zwei Bedeutungen.

Bildungssprachlich bedeutete es (eher abwertend) „keinen Widerspruch zulassend“ und beschreibt die Art, in der etwas vorgetragen wird.

In der Philosophie beschreibt es Aussagen oder Argumente als „unwiderlegbar“ oder „unumstößlich“.

Die Herkunft des Begriffs liegt im spätlateinischen apodicticus und geht zurück auf das gleichbedeutende griechische apodeiktikos.

Mit apodiktischem Nachdruck warnte er vor der Einführung der gemeinsamen europäischen Währung.

Wir schaffen das schon, erklärte sie apodiktisch.

Eine apodiktische Aussage ist zwingend wahr und kann nicht falsifiziert werden. Ihre Richtigkeit ist evident und unumstößlich.

Aber so allgemein hat selbst Hume den Empirismus nicht gemacht, um auch die Mathematik darin einzuschließen. Er hielt ihre Sätze für analytisch, und, wenn das seine Richtigkeit hätte, würden sie in der Tat auch apodiktisch sein, gleichwohl aber daraus kein Schluß auf ein Vermögen der Vernunft, auch in der Philosophie apodiktische Urteile, nämlich solche, die synthetisch wären, (wie der Satz der Kausalität,) zu fällen, gezogen werden können.
– Immanuel Kant (1788), Kritik der praktischen Vernunft.

Avantgarde

Avantgarde (die) bezeichnet eine Gruppe von Vorreitern auf einem Gebiet (meist der Politik oder der Kunst), die mit neuen Ideen grundlegende und oft langfristige Änderungen anstoßen. Dabei ist nicht nur die Neuartigkeit von zentraler Bedeutung, sondern auch die Abgrenzung zum Status quo durch Radikalität und bewusste Provokation.

Der Ursprung des Begriffs liegt im französischen Militärjargon. Dort bezeichnet die avant-garde die Vorhut einer Truppe, deren Aufgabe das Ausspähen oder Hinhalten des Gegners ist, so dass die übrigen Truppenteile Zeit haben, sich taktisch aufzustellen und kampfbereit zu machen.

Die drei Künstler bilden die selbsterklärte Avantgarde der elektronischen Tanzmusik. Eine wachsende Anzahl begeisterter Fans und mehr und mehr Nachahmer geben ihnen Recht.

Heutige Hipster leben zumeist in westlichen Großstädten, ihr Leben verbringen sie im permanenten Updateprozess als eine Art Avantgarde des Konsums.
– David Hugendick (2013), Ironiker, der Lenz ist da, ZEIT ONLINE.

Anachronismus

Ein Anachronismus (der) ist etwas nicht Zeitgemäßes, also (vom Fortschritt) Überholtes oder falsch zeitlich Eingeordnetes.

Überholt kann etwa eine veraltete Meinung oder Einrichtung, ein veraltetes Gerät oder Verfahren etc. sein.

Falsch zeitlich eingeordnet können in erster Linie Requisiten in Filmen, Theaterstücken etc. sein, die im entsprechenden Zeitkontext eigentlich nicht vorkommen dürften, beispielsweise MP3-Player in einem Film über den zweiten Weltkrieg.

Ursprung des Begriffs ist das gleichbedeutende griechische anachronismos. Vgl. auch Chronos, das griechische Wort für den Fluss der Zeit, in Abgrenzung zum Kairos, dem herausstechenden, besonders wichtigen Zeitpunkt.

Der Film über den Aufstieg der Mafia in den Vereinigten Staaten bietet einiges an schauspielerischer Qualität. Viel zu moderne Autos, Musik, die es eigentlich erst in den 90er Jahren hätte geben dürfen, und eine Vielzahl weiterer Anachronismen lassen das Geschehen aber wenig glaubhaft wirken.

Das Amt ist ein Anachronismus, ein Überbleibsel aus der Zeit, als diese Aufgaben noch nicht vom Computer erledigt werden konnten.

apokryph

Das Adjektiv apokryph bedeutet „nicht anerkannt“, „zweifelhaft“.

Als apokryph wurden zunächst die Apokryphen bezeichnet, also Texte mit christlichen Inhalten, die aber nicht in den Bibelkanon aufgenommen wurden. Inzwischen kann der Begriff auch verwendet werden, um andere Arten von Texten und Aussagen zweifelhaften Ursprungs oder zweifelhaften Inhalts zu beschreiben.

Ursprung ist das altgriechische apokryphos (verborgen).

Kurz vor Halloween werden in sozialen Netzwerken immer wieder apokryphe Meldungen geteilt, die vor angeblich unter die ausgegebenen Süßigkeiten gemischten Drogen warnen sollen.

Auf seinem Totenbett wurde Niccolö Machiavelli bedrängt, den Teufel und all dessen Werke zu verfluchen „Dies ist nicht der Zeitpunkt, sich Feinde zu machen“, erwiderte er, lehnte sich in sein Kissen zurück und verschied. Der Hergang ist so nicht verbürgt, die Anekdote apokryph.
Die Zeit (1984), Der Fürst, 1.6.1984 Nr. 23.

assimilieren

Das Verb assimilieren bedeutet „angleichen“, „anpassen“.

Im allgemeinen Sprachgebrauch findet man den Begriff heute meist im Zusammenhang mit Einwanderung und kultureller Anpassung. In diesem Umfeld ändert sich seine Bedeutung meist zu „verschmelzen“. Dieser Wandel hat seinen Ursprung in der Biologie, wo assimilieren den Vorgang beschreibt, „einen körperfremden Stoff (zum Beispiel Kohlenstoff oder Stickstoff) aufzunehmen und in eine körpereigene Substanz umzuwandeln“.

Seinen Ursprung hat assimilieren im lateinischen assimilare (fälschen, nachahmen, vergleichen, gleichmachen, vortäuschen).

Die Gruppe ist Neuzugängen gegenüber nicht aufgeschlossen. Wer anders ist, fällt auf und wird benachteiligt. Neue Mitglieder müssen sich assimilieren, um wirklich dazuzugehören.

Gerhard fand die Regeln im Internat sehr streng. Lange konnte er sich nicht assimilieren, was sein Heimweh noch verstärkte.

ambivalent

Das Adjektiv ambivalent bedeutet „zwiespältig“, „doppeldeutig“, „in sich widersprüchlich“.

Man bezeichnet etwas als ambivalent, wenn mehrere Deutungsebenen nebeneinander existieren. Diese können dabei durchaus gegensätzlicher Natur sein, ohne ihre jeweilige Gültigkeit zu verlieren.

Ebenfalls kann man das Adjektiv substantivieren und von der Ambivalenz einer Sache sprechen.

Der Begriff entstammt dem Lateinischen und setzt sich zusammen aus ambi- (von zwei Seiten, herum) und valens (stark, mächtig).

In seiner ambivalenten Ansprache wechselten sich heitere Ironie und bitterernste Wahrheit ab.

Ihre Freundschaft war ein ambivalentes Gemisch aus Konkurrenzkampf und gegenseitiger Unterstützung.

Sie drückte sich äußerst ambivalent aus, so als wisse sie selbst nicht genau, wo die Reise hingehen sollte.

Bei seinem Anblick wurde sie von ambivalenten Gefühlen überflutet. Einerseits hasste Sie ihn für das, was aus ihm geworden war, andererseits liebte sie ihn nach wie vor innig und aufrichtig.

„Jede Minute zählt“ lautet der Untertitel des Buches, das Birgitt Kollmann mit feinem Gespür für die ambivalente Stimmung des Romans ins Deutsche übersetzt hat. Der leukämiekranke elfjährige Sam und der zwei Jahre ältere Felix, die sich im Krankenhaus angefreundet haben, sind fest entschlossen, jede Minute ihres kurzen Lebens auszukosten.
– Hilde Elisabeth Menzel (2009), LUCHS des Jahres 2008, Die Zeit, 15.01.2009 Nr. 04.

ad hoc

Die lateinische Phrase ad hoc, deren wortwörtliche Bedeutung „zu diesem, dafür“ lautet, drückt im deutschen Sprachgebrauch „dafür“ bzw. „hierfür“ oder „zu diesem Zweck“ aus. Im übertragenen Sinne kann damit auch ausgedrückt werden, wenn etwas aus dem Augenblick heraus, spontan, impulsiv oder unüberlegt erfolgt. Die Redewendung „aus dem Stegreif heraus“ ist ebenfalls ein Synonym für ad hoc.

Dementsprechend wird ad hoc meist in Verbindung mit Verben verwendet, die einen Vorgang oder eine Handlung beschreiben sollen die besonders spontan oder impulsiv ist. Die Verwendung unter der ursprünglichen Bedeutung ist auch möglich aber weitaus weniger bekannt. Somit kann damit zum Ausdruck gebracht werden, wenn etwas einem bestimmt Zweck dient.

Die aufkommenden Unstimmigkeiten bei der Vereinheitlichung der Abschlüsse sollten durch eine ad hoc eingesetzte Prüfungskommission kompensiert werden.

Hier eine Ad-hoc-Meldung in zehn Zeilen: Auch ein kleines Unternehmen muss professionell IR machen. Es muss vor allem seriöses Marketing für seine Aktie machen können, um überhaupt wahrgenommen zu werden, sonst geht es ad hoc unter.
Peter Mentner (2001), Ad hoc, brand eins 06/2001

Die ruhige Art verkörperte er beispiellos in dem Interview; er antwortete nicht ad hoc und beeilte sich auch nicht sehr die Fragen zu beantworten, als die Sendezeit schon knapp wurde.

Sie antwortete ad hoc mit ihrem gewohntem Charme: „Du siehst einfach hinreißend aus!“.