Fremdwörter mit A

  • ad hoc

    Die lateinische Phrase ad hoc, deren wortwörtliche Bedeutung „zu diesem, dafür“ lautet, drückt im deutschen Sprachgebrauch „dafür“ bzw. „hierfür“ oder „zu diesem Zweck“ aus. Im übertragenen Sinne kann damit auch ausgedrückt werden, wenn etwas aus dem Augenblick heraus, spontan, impulsiv oder unüberlegt erfolgt. Die Redewendung „aus dem Stegreif heraus“ ist ebenfalls ein Synonym für ad hoc.

    Dementsprechend wird ad hoc meist in Verbindung mit Verben verwendet, die einen Vorgang oder eine Handlung beschreiben sollen die besonders spontan oder impulsiv ist. Die Verwendung unter der ursprünglichen Bedeutung ist auch möglich aber weitaus weniger bekannt. Somit kann damit zum Ausdruck gebracht werden, wenn etwas einem bestimmt Zweck dient.

    Die aufkommenden Unstimmigkeiten bei der Vereinheitlichung der Abschlüsse sollten durch eine ad hoc eingesetzte Prüfungskommission kompensiert werden.

    Hier eine Ad-hoc-Meldung in zehn Zeilen: Auch ein kleines Unternehmen muss professionell IR machen. Es muss vor allem seriöses Marketing für seine Aktie machen können, um überhaupt wahrgenommen zu werden, sonst geht es ad hoc unter.
    Peter Mentner (2001), Ad hoc, brand eins 06/2001

    Die ruhige Art verkörperte er beispiellos in dem Interview; er antwortete nicht ad hoc und beeilte sich auch nicht sehr die Fragen zu beantworten, als die Sendezeit schon knapp wurde.

    Sie antwortete ad hoc mit ihrem gewohntem Charme: „Du siehst einfach hinreißend aus!“.

  • akkreditieren

    Das Verb akkreditieren bedeutet „bevollmächtigen“ oder „beglaubigen“.

    Der Begriff wird vor allem – aber nicht ausschließlich – im diplomatischen Kontext gebraucht. So kann ein Diplomat als Vertreter eines Landes in einem anderen Land akkreditiert werden. Das akkreditierende Land ist dabei das Empfangsland, nicht das entsendende Land. Ähnlich verhält es sich im Journalismus, wo einem akkreditierten Journalisten Zutritt zu einer Veranstaltung oder einem Land gewährt wird, wobei die akkreditierende Partei wiederum der Veranstalter respektive das empfangende Land ist.

    Weiterhin meint der Begriff das Bescheinigen der Fachkompetenz einer Instanz durch eine bereits allgemein anerkannte andere Instanz. In der Europäischen Union gibt es zu diesem Zweck pro Land je eine nationale Akkreditierungsstelle, die etwa Laboratorien oder Inspektionsstellen auf das Einhalten von Normen prüft.

    Entlehnt wurde der Begriff aus dem gleichbedeutenden französischen accréditer.

    Neben tausenden weiteren Journalisten ist sie in Brüssel als Korrespondentin akkreditiert.

    Die ordnungsgemäße Tierhaltung in der Landwirtschaft wird von akkreditierten Privatfirmen kontrolliert.

    Der neue Botschafter Frankreichs ist schon angereist, allerdings von Berlin noch nicht akkreditiert.

  • Aversion

    Aversion bedeutet „Abneigung“ oder „Widerwille. Eine Aversion ist meist eine gesteigerte Form der Abneigung, bis hin zu Hass oder Feindseligkeit.

    Der Begriff entstammt dem lateinischen aversio (abwenden).

    Unter ihrer Aversion gegen Brotdosen aus Kunststoff hatten auch ihre Kinder in der Schule zu leiden, die wegen der unpraktischen Holzkisten für das Pausenbrot den Spott der anderen auf sich zogen.

    Primus versucht gar nicht erst, seine Aversion in Watte zu packen: „Sehr oft wird bei „Öko-Test“ nach belastenden Stoffen gesucht. Das ist die einzige Untersuchung, die stattfindet. Der Verbraucher, der dann liest , „Öko-Test“: gut‘, geht sicher davon aus, dass das Produkt auch in der Wirkweise untersucht wurde und nicht nur auf Schadstoffe. Werden Schadstoffe gefunden, wird das Produkt oft undifferenziert abgewertet. Gesetzliche Grenzwerte finden keine Berücksichtung. Das ist in der Methodik ziemlich dünn.“
    – Peter Laudenbach (2008), Angst essen Orientierung auf, brand eins 04/2008.

  • arkadisch

    Das Adjektiv arkadisch wird synonym zu „idyllisch“, „malerisch“, „romantisch“ oder „verträumt“ verwendet.

    Der Begriff wird in der Alltagssprache selten genutzt. Er kommt in der Regel in der Literaturwissenschaft zum Einsatz oder wird für die Beschreibung künstlerischer Werke verwendet. Die arkadische Dichtung ist außerdem eine Literaturgattung.

    Der Ausdruck geht auf das Volk der Arkadier zurück, das auf der griechischen Halbinsel Peloponnes lebte. Bereits im Altertum wurde dieses Volk – das eigentlich ein einfaches Hirtenvolk war – zum Inbegriff des Goldenen Zeitalters verklärt. Aus dieser positiven Verklärung leitet sich die heutige Bedeutung des Wortes arkadisch ab.

    Er durchschritt eine arkadische Landschaft.

    Die arkadische Dichtung wird auch als Hirtendichtung bezeichnet.

  • a posteriori

    A posteriori bedeutet „im Nachhinein“. Heutzutage wird a posteriori etwa verwendet, um Urteile oder Entscheidungen zu beschreiben, die auf gemachten Erfahrungen beruhend getroffen werden.  A posteriorisches Wissen ist dementsprechend erfahrungsabhängiges Wissen.

    Der Ausdruck wurde aus dem Lateinischen übernommen und setzt sich wörtlich aus „von“ bzw. „her“ (a) und „der spätere“ oder „der hintere“ (posteriori) zusammen.

    Nachdem das Interesse der Öffentlichkeit erstmal geweckt war, standen plötzlich genügend Ressourcen zur Verfügung, um eine Untersuchung a posteriori der temporären Überlastung des Stromnetzes durchzuführen.

    Die Fehlereinschätzung der mathematischen Berechnung erfolgte a posteriori, um eine möglichst hohe Genauigkeit der festgestellten Fehlergröße zu erreichen.

  • agnostisch

    Das Adjektiv agnostisch beschreibt eine Person als den Agnostizismus vertretend, d.h. sie hält die Existenz einer Gottheit oder einer anderen höheren Macht für nicht beweisbar. Deren Existenz wird somit nicht verleugnet, aber eben auch nicht für gesichert gehalten.

    Im Gegensatz zum Atheismus im eigentlichen Sinne, der die Existenz einer höheren Instanz verneint, sind eine agnostische Weltanschauung und Glaube miteinander vereinbar. Man kann schließlich durchaus an einen Gott glauben und gleichzeitig die Unbelegbarkeit seiner Existenz anerkennen.

    Das gleichbedeutende englische agnostic wurde im späten 19. Jahrhundert vom britischen Biologen Thomas Henry Huxley geprägt und geht vermutlich auf das griechische gnostikos (erkenntnisfähig) zurück, dem ein negierendes a- vorangestellt wird.

    Ich bin streng christlich erzogen worden, würde mich inzwischen jedoch als agnostisch bezeichnen.

  • Allegorie

    Eine Allegorie ist ein objektiv fassbares (oft personifiziertes) Bild als Darstellung eines abstrakten Begriffs oder Sachverhalts.

    Beispiele für Allegorien:

    • Justitia steht mit Waage und Schwert in der Hand für Gerechtigkeit.
    • Der Sensenmann als Skelett in schwarzer Kutte mit Sense in der Hand  steht für den Tod.

    In der Literaturwissenschaft wird die Allegorie als Sprachbild und Stilfigur den Tropen zugeordnet und gilt dort als erweiterte, also über ein Einzelwort hinausgehende, Metapher. Eine Allegorie kann etwa eine einfache Geschichte sein, die einen größeren oder abstrakten Sachverhalt verdeutlicht.

    Synonyme zu Allegorie sind zum Beispiel „Sinnbild“, „Verkörperung“, „Inkarnation“ oder auch „Personifikation“.

    Das Substantiv ist vom lateinischen allegoria, bzw. dem griechischen allēgoría (das Anderssagen) hergeleitet.

    Eine der wohl am weitverbreitetsten Allegorien ist der Sensenmann, der als fassbare Darstellung für den Tod fungiert.

    Gemeint sind die rätselhaften Pop-Clowns, die wie ein Spuk in Fußgängerzonen auftauchen und mit ihrem kalten bleichgesichtigen Grinsen den Bürgern das Blut in den Adern gefrieren lassen. Solche Clowns erscheinen wie die Allegorie auf eine Welt, die sich selbst unheimlich geworden ist – eine Welt, die derzeit mehr Schreckensnachrichten und Fatalitäten hervorbringt, als das Menschenherz auszuhalten vermag.
    Thomas Assheuer, Die Grimasse des Realen, DIE ZEIT Nº 46/2014

    Die Faszination, die Fußball auslöst und ihn zur weltweit lukrativsten Ware des Unterhaltungsgeschäfts gemacht hat, wird gern umschrieben. Allegorie des Lebens. Spiegelbild der Gesellschaft. Ausdruck der Seele und Mentalität einer Nation. Fußball verbindet, bewegt, spaltet. Wenn es nach Hoeneß geht, dann ist der Fußball aber auch Abbild der Abgründe des Finanzsystems geworden. Ein wildes Gezocke abseits kaufmännischer Vernunft, zunehmend entmenschlicht.
    Gerhard Waldherr, Der Kaufmann, Brandeins, 11/2011

  • Ambiguität

    Das Substantiv Ambiguität drückt immer die „Mehr-“ oder „Doppeldeutigkeit“ einer Aussage, eines Sachverhaltes, Werkes oder Zeichens aus.

    Anwendung findet es vor allem im literatur-, musik- oder kunstwissenschaftlichen Bereich, wenn es um die Ambiguität von Werken geht. Auch im sozialen oder juristischen Kontext wird der Begriff verwendet.

    Der Begriff geht zurück auf das lateinische Adjektiv ambiguus für „doppel-“ oder „uneindeutig“.

    Aufgrund der Ambiguität des Werkes entwickelten die Kritiker völlig verschiedene Deutungsweisen, wie vom Autor zweifellos beabsichtigt.

    Das Vexierbild zeichnete sich durch seine clevere Ambiguität aus, die nicht jedem auf dem ersten Blick deutlich wurde, dann aber umso mehr faszinierte.

    Die Ambiguität des Falls machte es für die Geschworenen schwierig, eine Entscheidung darüber zu fällen, wer der Schuldige sei.

  • Aficionado

    Ein Aficionado ist ein begeisterter Liebhaber bzw. ein Enthusiast. Der Begriff wird oft in Bezug auf Dinge lateinamerikanischen oder spanischen Ursprungs verwendet, wie Tequila, Stierkampf oder insbesondere Zigarren. Er kann jedoch auch mit anderem Bezug gebraucht werden.

    Das Wort wurde aus dem Spanischen übernommen, wo es die gleiche Bedeutung trägt. Im Duden taucht es erst seit 2009 auf.

    Seinem Ruf als Zigarrenaficionado alle Ehre machend, hat er vor Kurzem eine beträchtliche Summe in einen neuen Humidor investiert.

    Fußball ist seit jeher seine große Leidenschaft. Als brennender Aficionado verpasst er kein Bundesligaspiel.

    Klugscheißer gibt es fast so viele wie schlechte Flaschen am Markt. Die Komplexität des Weintrinkens bringt es mit sich, dass mancher Aficionado glaubt, sich als Kenner der Lagen, Geschmacksträger und Ausbauverfahren präsentieren zu können, ohne entlarvt zu werden.
    Willmann (2004), Erforscht & Getrunken, DIE ZEIT 15.04.2004 Nr.17.

  • Ambivalenz

    Im Allgemeinen bezeichnet das Substantiv Ambivalenz eine Zwiespältigkeit oder Doppeldeutigkeit.

    In der Psychologie und der Psychiatrie versteht man unter Ambivalenz das Vorherrschen von inneren Spannungen, die durch das Nebeneinanderbestehen von gegensätzlichen Wünschen, Gefühlen und Vorstellungen hervorgerufen werden.

    Das Gegenwort zu Ambivalenz ist Eindeutigkeit.

    Ambivalenz stammt aus dem Lateinischen und ist zusammengesetzt aus den Wörtern ambo (beidseitig) und Valenz (Wertigkeit).

    Die vorherrschende Ambivalenz in seinen Aussagen ist zum Verrücktwerden.

    Das Krankheitsbild ist geprägt durch emotionale Ambivalenz.

    Ein Arzt ist eine fesselnde, imponierende und manchmal auch verstörende Gestalt. Kinder erleben es vermutlich besonders stark, diese Ambivalenz aus Aura und Autorität, aus Heil und Schmerzen bringend.
    Christian Weymayr, Sag mal aaaaaaah!, brandeins, 01/2013