A

Auf dieser Seite finden Sie alle unsere Fremdwörter, die mit dem Buchstaben „A“ beginnen.

apokryph

Das Adjektiv apokryph bedeutet „nicht anerkannt“, „zweifelhaft“.

Als apokryph wurden zunächst die Apokryphen bezeichnet, also Texte mit christlichen Inhalten, die aber nicht in den Bibelkanon aufgenommen wurden. Inzwischen kann der Begriff auch verwendet werden, um andere Arten von Texten und Aussagen zweifelhaften Ursprungs oder zweifelhaften Inhalts zu beschreiben.

Ursprung ist das altgriechische apokryphos (verborgen).

Kurz vor Halloween werden in sozialen Netzwerken immer wieder apokryphe Meldungen geteilt, die vor angeblich unter die ausgegebenen Süßigkeiten gemischten Drogen warnen sollen.

Auf seinem Totenbett wurde Niccolö Machiavelli bedrängt, den Teufel und all dessen Werke zu verfluchen „Dies ist nicht der Zeitpunkt, sich Feinde zu machen“, erwiderte er, lehnte sich in sein Kissen zurück und verschied. Der Hergang ist so nicht verbürgt, die Anekdote apokryph.
Die Zeit (1984), Der Fürst, 1.6.1984 Nr. 23.

assimilieren

Das Verb assimilieren bedeutet „angleichen“, „anpassen“.

Im allgemeinen Sprachgebrauch findet man den Begriff heute meist im Zusammenhang mit Einwanderung und kultureller Anpassung. In diesem Umfeld ändert sich seine Bedeutung meist zu „verschmelzen“. Dieser Wandel hat seinen Ursprung in der Biologie, wo assimilieren den Vorgang beschreibt, „einen körperfremden Stoff (zum Beispiel Kohlenstoff oder Stickstoff) aufzunehmen und in eine körpereigene Substanz umzuwandeln“.

Seinen Ursprung hat assimilieren im lateinischen assimilare (fälschen, nachahmen, vergleichen, gleichmachen, vortäuschen).

Die Gruppe ist Neuzugängen gegenüber nicht aufgeschlossen. Wer anders ist, fällt auf und wird benachteiligt. Neue Mitglieder müssen sich assimilieren, um wirklich dazuzugehören.

Gerhard fand die Regeln im Internat sehr streng. Lange konnte er sich nicht assimilieren, was sein Heimweh noch verstärkte.

ambivalent

Das Adjektiv ambivalent bedeutet „zwiespältig“, „doppeldeutig“, „in sich widersprüchlich“.

Man bezeichnet etwas als ambivalent, wenn mehrere Deutungsebenen nebeneinander existieren. Diese können dabei durchaus gegensätzlicher Natur sein, ohne ihre jeweilige Gültigkeit zu verlieren.

Ebenfalls kann man das Adjektiv substantivieren und von der Ambivalenz einer Sache sprechen.

Der Begriff entstammt dem Lateinischen und setzt sich zusammen aus ambi- (von zwei Seiten, herum) und valens (stark, mächtig).

In seiner ambivalenten Ansprache wechselten sich heitere Ironie und bitterernste Wahrheit ab.

Ihre Freundschaft war ein ambivalentes Gemisch aus Konkurrenzkampf und gegenseitiger Unterstützung.

Sie drückte sich äußerst ambivalent aus, so als wisse sie selbst nicht genau, wo die Reise hingehen sollte.

Bei seinem Anblick wurde sie von ambivalenten Gefühlen überflutet. Einerseits hasste Sie ihn für das, was aus ihm geworden war, andererseits liebte sie ihn nach wie vor innig und aufrichtig.

„Jede Minute zählt“ lautet der Untertitel des Buches, das Birgitt Kollmann mit feinem Gespür für die ambivalente Stimmung des Romans ins Deutsche übersetzt hat. Der leukämiekranke elfjährige Sam und der zwei Jahre ältere Felix, die sich im Krankenhaus angefreundet haben, sind fest entschlossen, jede Minute ihres kurzen Lebens auszukosten.
– Hilde Elisabeth Menzel (2009), LUCHS des Jahres 2008, Die Zeit, 15.01.2009 Nr. 04.

ad hoc

Die lateinische Phrase ad hoc, deren wortwörtliche Bedeutung „zu diesem, dafür“ lautet, drückt im deutschen Sprachgebrauch „dafür“ bzw. „hierfür“ oder „zu diesem Zweck“ aus. Im übertragenen Sinne kann damit auch ausgedrückt werden, wenn etwas aus dem Augenblick heraus, spontan, impulsiv oder unüberlegt erfolgt. Die Redewendung „aus dem Stegreif heraus“ ist ebenfalls ein Synonym für ad hoc.

Dementsprechend wird ad hoc meist in Verbindung mit Verben verwendet, die einen Vorgang oder eine Handlung beschreiben sollen die besonders spontan oder impulsiv ist. Die Verwendung unter der ursprünglichen Bedeutung ist auch möglich aber weitaus weniger bekannt. Somit kann damit zum Ausdruck gebracht werden, wenn etwas einem bestimmt Zweck dient.

Die aufkommenden Unstimmigkeiten bei der Vereinheitlichung der Abschlüsse sollten durch eine ad hoc eingesetzte Prüfungskommission kompensiert werden.

Hier eine Ad-hoc-Meldung in zehn Zeilen: Auch ein kleines Unternehmen muss professionell IR machen. Es muss vor allem seriöses Marketing für seine Aktie machen können, um überhaupt wahrgenommen zu werden, sonst geht es ad hoc unter.
Peter Mentner (2001), Ad hoc, brand eins 06/2001

Die ruhige Art verkörperte er beispiellos in dem Interview; er antwortete nicht ad hoc und beeilte sich auch nicht sehr die Fragen zu beantworten, als die Sendezeit schon knapp wurde.

Sie antwortete ad hoc mit ihrem gewohntem Charme: „Du siehst einfach hinreißend aus!“.

akkreditieren

Das Verb akkreditieren bedeutet „bevollmächtigen“ oder „beglaubigen“.

Der Begriff wird vor allem – aber nicht ausschließlich – im diplomatischen Kontext gebraucht. So kann ein Diplomat als Vertreter eines Landes in einem anderen Land akkreditiert werden. Das akkreditierende Land ist dabei das Empfangsland, nicht das entsendende Land. Ähnlich verhält es sich im Journalismus, wo einem akkreditierten Journalisten Zutritt zu einer Veranstaltung oder einem Land gewährt wird, wobei die akkreditierende Partei wiederum der Veranstalter respektive das empfangende Land ist.

Weiterhin meint der Begriff das Bescheinigen der Fachkompetenz einer Instanz durch eine bereits allgemein anerkannte andere Instanz. In der Europäischen Union gibt es zu diesem Zweck pro Land je eine nationale Akkreditierungsstelle, die etwa Laboratorien oder Inspektionsstellen auf das Einhalten von Normen prüft.

Entlehnt wurde der Begriff aus dem gleichbedeutenden französischen accréditer.

Neben tausenden weiteren Journalisten ist sie in Brüssel als Korrespondentin akkreditiert.

Die ordnungsgemäße Tierhaltung in der Landwirtschaft wird von akkreditierten Privatfirmen kontrolliert.

Der neue Botschafter Frankreichs ist schon angereist, allerdings von Berlin noch nicht akkreditiert.

Aversion

Aversion bedeutet „Abneigung“ oder „Widerwille. Eine Aversion ist meist eine gesteigerte Form der Abneigung, bis hin zu Hass oder Feindseligkeit.

Der Begriff entstammt dem lateinischen aversio (abwenden).

Unter ihrer Aversion gegen Brotdosen aus Kunststoff hatten auch ihre Kinder in der Schule zu leiden, die wegen der unpraktischen Holzkisten für das Pausenbrot den Spott der anderen auf sich zogen.

Primus versucht gar nicht erst, seine Aversion in Watte zu packen: „Sehr oft wird bei „Öko-Test“ nach belastenden Stoffen gesucht. Das ist die einzige Untersuchung, die stattfindet. Der Verbraucher, der dann liest , „Öko-Test“: gut‘, geht sicher davon aus, dass das Produkt auch in der Wirkweise untersucht wurde und nicht nur auf Schadstoffe. Werden Schadstoffe gefunden, wird das Produkt oft undifferenziert abgewertet. Gesetzliche Grenzwerte finden keine Berücksichtung. Das ist in der Methodik ziemlich dünn.“
– Peter Laudenbach (2008), Angst essen Orientierung auf, brand eins 04/2008.

arkadisch

Das Adjektiv arkadisch wird synonym zu „idyllisch“, „malerisch“, „romantisch“ oder „verträumt“ verwendet.

Der Begriff wird in der Alltagssprache selten genutzt. Er kommt in der Regel in der Literaturwissenschaft zum Einsatz oder wird für die Beschreibung künstlerischer Werke verwendet. Die arkadische Dichtung ist außerdem eine Literaturgattung.

Der Ausdruck geht auf das Volk der Arkadier zurück, das auf der griechischen Halbinsel Peloponnes lebte. Bereits im Altertum wurde dieses Volk – das eigentlich ein einfaches Hirtenvolk war – zum Inbegriff des Goldenen Zeitalters verklärt. Aus dieser positiven Verklärung leitet sich die heutige Bedeutung des Wortes arkadisch ab.

Er durchschritt eine arkadische Landschaft.

Die arkadische Dichtung wird auch als Hirtendichtung bezeichnet.

a posteriori

A posteriori bedeutet „im Nachhinein“. Heutzutage wird a posteriori etwa verwendet, um Urteile oder Entscheidungen zu beschreiben, die auf gemachten Erfahrungen beruhend getroffen werden.  A posteriorisches Wissen ist dementsprechend erfahrungsabhängiges Wissen.

Der Ausdruck wurde aus dem Lateinischen übernommen und setzt sich wörtlich aus „von“ bzw. „her“ (a) und „der spätere“ oder „der hintere“ (posteriori) zusammen.

Nachdem das Interesse der Öffentlichkeit erstmal geweckt war, standen plötzlich genügend Ressourcen zur Verfügung, um eine Untersuchung a posteriori der temporären Überlastung des Stromnetzes durchzuführen.

Die Fehlereinschätzung der mathematischen Berechnung erfolgte a posteriori, um eine möglichst hohe Genauigkeit der festgestellten Fehlergröße zu erreichen.

agnostisch

Das Adjektiv agnostisch beschreibt eine Person als den Agnostizismus vertretend, d.h. sie hält die Existenz einer Gottheit oder einer anderen höheren Macht für nicht beweisbar. Deren Existenz wird somit nicht verleugnet, aber eben auch nicht für gesichert gehalten.

Im Gegensatz zum Atheismus im eigentlichen Sinne, der die Existenz einer höheren Instanz verneint, sind eine agnostische Weltanschauung und Glaube miteinander vereinbar. Man kann schließlich durchaus an einen Gott glauben und gleichzeitig die Unbelegbarkeit seiner Existenz anerkennen.

Das gleichbedeutende englische agnostic wurde im späten 19. Jahrhundert vom britischen Biologen Thomas Henry Huxley geprägt und geht vermutlich auf das griechische gnostikos (erkenntnisfähig) zurück, dem ein negierendes a- vorangestellt wird.

Ich bin streng christlich erzogen worden, würde mich inzwischen jedoch als agnostisch bezeichnen.

Allegorie

Eine Allegorie ist ein objektiv fassbares (oft personifiziertes) Bild als Darstellung eines abstrakten Begriffs oder Sachverhalts.

Beispiele für Allegorien:

  • Justitia steht mit Waage und Schwert in der Hand für Gerechtigkeit.
  • Der Sensenmann als Skelett in schwarzer Kutte mit Sense in der Hand  steht für den Tod.

In der Literaturwissenschaft wird die Allegorie als Sprachbild und Stilfigur den Tropen zugeordnet und gilt dort als erweiterte, also über ein Einzelwort hinausgehende, Metapher. Eine Allegorie kann etwa eine einfache Geschichte sein, die einen größeren oder abstrakten Sachverhalt verdeutlicht.

Synonyme zu Allegorie sind zum Beispiel „Sinnbild“, „Verkörperung“, „Inkarnation“ oder auch „Personifikation“.

Das Substantiv ist vom lateinischen allegoria, bzw. dem griechischen allēgoría (das Anderssagen) hergeleitet.

Eine der wohl am weitverbreitetsten Allegorien ist der Sensenmann, der als fassbare Darstellung für den Tod fungiert.

Gemeint sind die rätselhaften Pop-Clowns, die wie ein Spuk in Fußgängerzonen auftauchen und mit ihrem kalten bleichgesichtigen Grinsen den Bürgern das Blut in den Adern gefrieren lassen. Solche Clowns erscheinen wie die Allegorie auf eine Welt, die sich selbst unheimlich geworden ist – eine Welt, die derzeit mehr Schreckensnachrichten und Fatalitäten hervorbringt, als das Menschenherz auszuhalten vermag.
Thomas Assheuer, Die Grimasse des Realen, DIE ZEIT Nº 46/2014

Die Faszination, die Fußball auslöst und ihn zur weltweit lukrativsten Ware des Unterhaltungsgeschäfts gemacht hat, wird gern umschrieben. Allegorie des Lebens. Spiegelbild der Gesellschaft. Ausdruck der Seele und Mentalität einer Nation. Fußball verbindet, bewegt, spaltet. Wenn es nach Hoeneß geht, dann ist der Fußball aber auch Abbild der Abgründe des Finanzsystems geworden. Ein wildes Gezocke abseits kaufmännischer Vernunft, zunehmend entmenschlicht.
Gerhard Waldherr, Der Kaufmann, Brandeins, 11/2011