Fremdwörter mit C

  • Corpus Delicti

    Das Corpus Delicti ist ein Gegenstand, mit dem ein Verbrechen verübt wurde und der im Anschluss als Beweisstück verwendet werden kann. Im Falle eines Einbruchs also etwa ein Brecheisen, im Falle eines Gewaltverbrechens die Tatwaffe etc. Mittlerweile kann der Ausdruck auch im Kontext anderer Vergehen verwendet werden, selbst wenn es sich nicht um Verbrechen im rechtlichen Sinne handelt.

    Der Ausdruck wurde direkt aus dem Lateinischen übernommen und trägt dort die gleiche Bedeutung.

    Das Corpus Delicti, die mehr als 500 Seiten starke „Doktorarbeit“, wurde im Anschluss penibel auf plagiierte Textstellen untersucht.

    Der Palästinenserpremier Salam Fajad aber ist ein Revolutionär, der hinter sich aufräumt. Beim Lunch im Seehof von Davos greift er zwar zur verbotenen Zigarette. Dann aber gießt er sorgfältig Mineralwasser auf eine Serviette, drückt die Zigarette darin aus, rollt das feuchte Papiertuch zusammen und wirft das Corpus Delicti in den Ascheimer vor der Tür.
    Josef Joffe (2010), Israel ist da und bleibt, DIE ZEIT, 11.02.2010 Nr. 07.

  • Charta

    Eine Charta ist eine Urkunde, die als Grundlage des Staats- und/oder Völkerrechts dient. So ist etwa die Charta der Vereinten Nationen der völkerrechtliche Gründungsvertrag der UN.

    Darüber hinaus wird der Ausdruck heute gelegentlich auch für Vereinssatzungen, Verbindungsordnungen, Selbstverpflichtungen nichtstaatlicher Organisationen und ähnliche Schriftstücke verwendet.

    Aussprache: Das „Ch“ wird als „K“ gesprochen – Karta. Oder in echter Lautschrift:  [ˈkarta]

    Das Substantiv ist entlehnt vom lateinischen charta (Karte).

    Er argumentiert, Russland verstoße mit seinem Handeln in Bezug auf die Krimkrise gegen die Charta der Vereinten Nationen.

    Die aktuelle Charta des Vereins umfasst 134 Seiten.

    Urbanisierung ist ein entscheidender Faktor für Wirtschaftswachstum. Und eine Charter City ist eine Stadt vom Reißbrett, eine Großstadt, die mit einem Gründungsvertrag, einer Charta, beginnt. In der sind die rechtlichen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen festgelegt, bevor diese Stadt auf einem unbewohnten Stück Land errichtet wird.
    – Paul Romer, Der Stadt-Plan, Brandeins, Brandeins, 10/2009

  • Chiffre

    Das Substantiv Chiffre bezeichnet zum einen eine Ziffer oder Zahl. Zum anderen kann es sich bei einer Chiffre aber auch um ein geheimes Schriftzeichen, ein Zeichen einer Geheimschrift oder eine Kennziffer handeln.

    Chiffre (Ziffer) stammt aus dem Französischen.

    Wenn Zeitungsanzeigen aufgegeben werden, können die Zusendungen hierfür nach einem Chiffreprinzip erfolgen, so dass in den Zeitungen keine persönlichen Daten veröffentlicht werden.

    Da einige Chiffren der Telefonnummer durch das verschüttete Bier nicht mehr leserlich waren, schmiss er den bekritzelten Bierdeckel in den Mülleimer und wusste, dass er sie nie wieder treffen würde.

    Seit die Finanzkrise tobt, sind Milliardenbeträge zur inhaltsleeren Chiffre verkommen. Sie stehen für unfassbare Verluste, Wertberichtigungen oder auch für die Höhe von staatlichen Maßnahmen zur Stütze der Konjunktur.
    Claude Baumann, Was Wirtschaft erregt: Der Schein der Zahl, Brandeins 03/2009

  • Courage

    Das Substantiv Courage (die) bedeutet „Beherztheit“, „Mut“ oder „Unerschrockenheit“.

    Spricht man von der Courage einer Person, schwingt in der Regel eine gewisse Bewunderung mit.

    Der Begriff stammt vom französischen courage ab und wurde mitsamt Bedeutung direkt ins Deutsche übernommen. Die Aussprache unterscheidet sich jedoch: Das finale „e“ ist im Französischen stimmlos, wird aber im Deutschen mitgesprochen.

    Überrascht von der eigenen Courage hielt sie kurz inne.

    Er zeigte in seinem letzten Kampf viel Courage und stellte sich den Schlägen seines Kontrahenten unerschrocken entgegen.

    Nachdem er sich gehörig Courage angetrunken hatte, wankte er ans andere Ende des überfüllten Raums und sprach sie an.

    Man darf den Unternehmern nicht aberkennen, dass zum Gründen auch immer einiges an Courage gehört.

  • Credo

    Ein Credo ist ein Glaubensbekenntnis oder ein Leitsatz.

    Übernommen wurde es – substantiviert – vom lateinischen credo (ich glaube, zu credere = glauben), dem ersten Wort im Apostolischen Glaubensbekenntnis:

    Credo in Deum,
    Patrem omnipotentem,
    Creatorem caeli et terrae.

    In der ursprünglichen Bedeutung ist religiöses Glauben gemeint, während ein Credo heute auch in anderem Kontext für einen Leitsatz oder eine Parole stehen kann, wie die folgenden Beispiele zeigen.

    Sein Credo lautet offenbar: „Viel hilft viel“.

    Mit dem Credo, in jeder Situation das entscheidende Bisschen besser zu sein als die Konkurrenz, schafften sie es, Marktführer zu werden.

    Das Credo des Präsidenten, sich von Almosen unabhängig zu machen, steht in krassem Gegensatz zur immensen Entwicklungshilfe, die in sein Land fließt.
    Grill, Jeska (2009), Der Antreiber, DIE ZEIT, 22.01.2009 Nr. 05.

  • chronologisch

    Das Adjektiv chronologisch bedeutet „der zeitlichen Abfolge nach geordnet“.

    Es handelt sich um das Abjektiv zu Chronologie, dessen Ursprung in den griechischen Substantiven chrónos für „Zeit“ und lógos für „Lehre“ liegt.

    Die Handlung wird chronologisch erzählt.

    Bei der Aufzählung der Ereignisse ging der Autor chronologisch vor.

    Chronologisch gesehen erfolgte die Kriegserklärung erst, nachdem die Truppen bereits einmarschiert waren.

  • Chauvinismus

    Das eingedeutschte Substantiv Chauvinismus meint im Deutschen vor allem die grundsätzliche Einstellung von Männern, die aufgrund eines übertriebenen Selbstwertgefühls Frauen als minderwertig einstufen und dies auch in Worten und Taten zeigen.

    Das Wort ist französischen Ursprungs. Dort ist der Begriff chauvinisme nach einer literarischen Figur entstanden, die übertrieben patriotisch gezeichnet ist. Entsprechend wird er auch für einen übertriebenen Patriotismus oder Nationalismus verwendet.

    Sein Chauvinismus ist wirklich peinlich. Wenn er wüsste, wie lächerlich er sich damit macht!

    Bisher dachte ich, Chauvinismus gebe es nur bei Männern. Nun habe ich gelernt, dass man diesen Begriff heute auch in soziologischen Zusammenhängen benutzt, etwa, wenn die eigene Sprache oder die eigene soziale Zugehörigkeit als anderen überlegen empfunden und verteidigt wird.

  • Con­nais­seur

    Der Connaisseur ist ein Kenner in seinem Metier. Dies bezieht sich meist auf Nahrungsmittel. Insbesondere bei Weinen, Bieren oder Schnäpsen ist die Meinung eines Connaisseurs von besonderer Bedeutung, da er durch seinen erfahrenen Geschmackssinn ein aussagekräftiges Urteil über die Qualität eines Produktes geben kann. Hierbei kann es vorkommen, dass beispielsweise ein Normalverbraucher einen Wein für ungenießbar befindet, während ein Connaisseur ihn – die einzelnen Noten schmeckend – mit „Ausgezeichnet“ beurteilt.

    Der Begriff ist dem lateinischen cognoscere (erfahren, erkennen) zu entnehmen.

    Nur ein echter Connaisseur wird das Durcheinander der über 200 lokalen Brauereien in Bamberg überblicken und die edlen Tropfen auseinanderhalten, geschweige denn bewerten können.

    Wolfhardt ist ausgewiesener Connaisseur, Weinkenner und beflissentlich kulturell interessiert, wie das unter akademischen Arbeitslosen fast schon üblich ist. Wer sonst hat so viel Zeit und Muße, sich den vielen Romanen, Kinofilmen, Konzerten und Veranstaltungen zu widmen, als diejenigen, deren Köpfe Kosmen der Imagination und rauschende Fantasieflüsse beherbergen?!
    – Carsten Klook (2002), Die Unentschiedenen, brand eins 07/2002.

  • Conditio sine qua non

    Die Phrase Conditio sine qua non beschreibt eine unabdingbare Voraussetzung bzw. eine notwendige Bedingung. Die wortwörtliche Übersetzung des Lateinischen lautet condicio (Bedingung), sine (ohne), qua (die) und non (nicht).

    Im Kontext der Rechtswissenschaften meint die „Conditio sine qua non“-Formel eine kausale Ursache, die unabdingbar für ein entsprechendes Ergebnis ist, d.h. es wäre ohne die Conditio sine qua non nicht eingetreten.

    Es ist jedoch auch in anderen Wissenschaften üblich, die Phrase „Conditio sine qua non“ für das Hervorheben unabdingbarer Voraussetzungen zu verwenden. Beispielsweise sind bestimmte chemische Vorgänge oft an solche Bedingungen geknüpft.

    Der Bau von Flugzeugen ist eine Conditio sine qua non für Flugzeugunfälle, deswegen ist bei jedem Flugzeugunfall der Hersteller in einer Beweispflicht, um sich der direkten Verantwortung zu befreien (oder auch nicht).

    Für den Vorgang der Korrosion an Metallen ist das Vorhandensein eines Elektrolyts eine Conditio sine qua non.

  • Chuzpe

    Die Chuzpe ist ein Begriff aus dem Jiddischen und beschreibt eine Dreistigkeit, Frechheit oder Unverfrorenheit. Das ch wird ausgesprochen wie im Wort „Lachen“, der Rest des Wortes folgt der deutschen Aussprache, wobei das u kurz und das z wie ein tz ausgesprochen wird. Die Betonung liegt auf der ersten Silbe.

    Den Begriff Chuzpe hört und spricht man nur noch selten, in der geschriebenen Sprache taucht er jedoch auch heute noch gelegentlich auf. Von einer Chuzpe ist immer dann die Rede, wenn eine unglaubliche Dreistigkeit begangen wird. Der Begriff ist im Allgemeinen und in seiner ursprünglichen Bedeutung negativ und abwertend belegt. Abhängig vom Standpunkt kann er jedoch auch positiv konnotiert sein. Chuzpe ist meist Mittel zum Zweck, es wird also ein Ziel erreicht. Ein Chuzpenik, also jemand, der Chuzpe an den Tag legt, kann sie als durchaus positiv, als kühn und gewitzt bewerten.

    Auf dem Nachhauseweg vom Trinkgelage verursachte er einen schweren Unfall, führte dann aber später seine Trunkenheit als Strafmilderungsgrund an. Im betrunkenen Zustand sei er ja wohl kaum zurechnungsfähig gewesen, könne rechtlich also nicht belangt werden. Eine so unglaubliche Chuzpe war dem Richter noch nicht untergekommen.

    Huber […] redet Klartext: „Gott empört mich dann nicht, aber ich verstehe ihn auch nicht. In der Liebe erkenne ich ihn. Als einen Gott des Mordes und Hasses kann ich ihn nicht akzeptieren.“ Ob diese willkürliche Entscheidung nicht arge Chuzpe sei, fragt Friedman. Huber sagt: „Ein bisschen Chuzpe ist doch gut!“
    Jan Küveler (2011), „Ein bisschen Chuzpe ist doch gut!“, Welt Online 01.12.2011.