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desavouieren

Das Verb desavouieren bezeichnet das Bloßstellen in der Öffentlichkeit oder auch das Abstreiten oder die Nichtanerkennung von Personen oder Gegebenheiten. Synonyme des bildungssprachlichen desavouieren sind „blamieren“, „vorführen“, „kompromittieren“, „zum Gespött machen“, oder auch „in Abrede stellen“.

Aus dem Französischen entlehnt, besteht desavouier aus dem altfranzösischen Präfix dés-, welches die Aussage des Verbs aufhebt und dem Verb avouer, zu Deutsch „anerkennen“ oder „einen Fehler eingestehen“.

Durch das Abstimmungsergebnis fühlte sich der Politiker desavouiert. 35% der eigenen Parteimitglieder hatten gegen sein Vorhaben gestimmt.

Sie desavouierte sich vor ihrer neuen Arbeitgeberin, als sie den Stift aufhob und ihre Hosennaht platzte.

Der Präsident ist in seiner Autorität beschädigt, die Regierung als ein Verein von Amateuren desavouiert.
Martin Gehlen, Neue Verfassung: Mit der Scharia ist in Ägypten kein Staat mehr zu machen, Die Zeit 16.12.2012.

 

diametral

Das Adjektiv diametral bedeutet bildungssprachlich „entgegengesetzt“ und beschreibt damit Sachverhalte, Argumente, Aussagen, Positionen etc., die in ganz und gar gegensätzlichem Verhältnis zueinander stehen, d.h. völlig verschieden sind.

Häufig gebraucht wird die Phrase „diametral entgegengesetzt“, die nicht unbedingt pleonastischen, sondern eher betonenden Charakter hat. Stilistisch ist sie aufgrund ihres inflationären Gebrauchs dennoch von zweifelhafter Güte.

Speziell in der Mathematik beschreibt der Ausdruck Punkte auf dem äußeren Rand einer geometrischen Figur, deren Verbindungslinie zum einen durch den Mittelpunkt der Figur geht und zum anderen den maximal möglichen Abstand zweier Punkte innerhalb der Grenzen der Figur darstellt. Das einfachste Beispiel dafür sind zwei Punkte, die sich auf dem Durchmesser eines Kreises gegenüberliegen.

Die Herkunft des deutschen Begriffs liegt im spätlateinischen diametralis (zum Durchmesser gehörend) und geht auf das gleichbedeutende griechische diametros zurück.

Ihr Verhalten Kunden gegebenüber widerspricht diametral unserer Unternehmensphilosophie.

Seine Worte und seine Taten verhalten sich diametral zueinander.

Die Arbeit der Regierungskoalition verlief bisher sehr harmonisch. Bezüglich der aktuellen Frage führen die diametralen Positionen der beiden Parteien jedoch zu langwierigen Verhandlungen, deren Ende bisher nicht in Sicht ist.

Was Bier betrifft, haben meine süddeutschen Freunde und ich diametrale Präferenzen.

d’ac­cord

Das Adjektiv d’accord bedeutet „einverstanden“, „einer Meinung“.

Verwendet wird der Begriff um auszudrücken, dass man mit jemandem einer Meinung ist und beispielsweise seinen Vorschlägen zustimmt. So kann man mit einer Person d’accord sein oder – seltener und umgangssprachlicher – mit ihr d’accord gehen. Für sich stehend kann der Begriff auch als Ausruf zum Ausdruck des Einverständnisses gebraucht werden: „D’accord!“

D’accord wurde direkt aus dem Französischen übernommen. Die Aussprache folgt korrekterweise ebenfalls dem französischen Vorbild, vermischt sich in Deutschland aber naturgemäß häufig mit einem gewissen Akzent.

Da bin ich vollkommen d’accord mit Ihnen.

In wenigstens dieser Angelegenheit musste er einfach zugeben, mit mir d’accord zu sein.

Diesbezüglich gehen wir wohl d’accord.

defätistisch

Das bildungssprachliche Adjektiv defätistisch (schweizerdeutsch: defaitistisch) wird abwertend gebraucht und beschreibt Personen, die mutlos agieren bzw. eine pessimistische Einstellung haben. Weiterhin können resignierende Aussagen als defätistisch bezeichnet werden.

Ein umgangssprachliches Synonym für defätistisch ist „schwarzseherisch“.

Abgeleitet wurde der Begriff von dem Substantiv Defätist, welches auf Defätismus zurückgeht, das seinen Ursprung im französischen défaitisme hat.

Vor allem den Sozialdemokraten geht es schlecht. Demotiviert und defätistisch erlebe sie die Wahlkämpfer in den sozialdemokratischen Kreisverbänden, erzählt eine führende Grüne hinter vorgehaltener Hand.
Lisa Caspari, Rot-Grün und die freie Liebe, 27.04.13, Zeit online

Die Regierung in Kabul wird einer ermatteten Schutzmacht zuliebe nicht die Korruption bekämpfen, und die Taliban werden vor einem defätistischen Westen keine Angst haben.
Jan Ross, Internationaler Terrorismus – Ein kleiner Sieg, 06.10.11, Zeit online

düpieren

Das Verb düpieren bedeutet „überlisten“, „vor den Kopf stoßen“ oder „zum Narren halten“.

Eine Person, die eine andere Person düpiert, wird implizit als schlau oder listig dargestellt. Die düpierte Person hingegen gilt als unfähig oder dumm.

Der Ursprung des Worts findet sich im französischen Verb duper (täuschen, narren).

Mit einem Heber düpierte der Spieler den Torwart.

Er fühlte sich düpiert, weil er auf die schwierige Frage nicht antworten konnte.

derangiert

Das Adjektiv derangiert bedeutet „durcheinander“ oder „unordentlich“. Damit kann ein geistiges Durcheinander gemeint sein, also ein Zustand der Verwirrtheit. Auch ein durcheinanderer oder unordentlicher Zustand (zerzauste Haare, chaotische Kleidung, wirrer Blick, Dinge liegen verstreut herum) einer Person, eines Ortes, einer Organisation etc. kann so beschrieben werden.

Der Begriff stammt aus dem Französischen (vgl. frz. déranger = durcheinanderbringen, verwirren) und wird dementsprechend ausgesprochen.

Das derangierte Bühnenbild diente als Allegorie für den Geisteszustand des Antagonisten.

Als er schließlich – mit 10-minütiger Verspätung – auf der Bühne erschien, wirkte er derangiert und abgehetzt.

Das Hotelzimmer ließ sie derangiert zurück.

Als er schließlich – mit 10-minütiger Verspätung – auf der Bühne erschien, wirkte er derangiert und abgehetzt.

Sie machte doch einen recht derangierten Eindruck, mit ihrer schief geknöpften Bluse und der wirren Frisur.

Bei meinem zweiten Gang dann besorgte Miro Klose die Führung, die ich immerhin noch in der Wiederholung erleben durfte. Den darauf folgenden Ausgleich musste ich ungeschützt und schon leicht derangiert über mich ergehen lassen. Das Siegtor aber fiel tatsächlich bei meiner letzten Kloflucht.
Thorsten Pannen (2008), Das Klofluchtverfahren, ZEIT online.

Divergenz

Das Substantiv Divergenz meint das „Auseinandergehen, Abweichen, Auseinanderstreben“ von bestehenden Differenzen bzw. Unterschieden. Die Unterschiede wachsen also über die Zeit.

Unglaublich oft wird der Begriff synonym zu Differenz verwendet. Korrekt ist das eigentlich nicht. Eine Differenz ist ein Unterschied. Eine Divergenz ist ein zunehmender Unterschied.

Dementsprechend sollte auch nicht von zu- oder abnehmenden Divergenzen gesprochen werden. Ausnahme: Es soll ausgedrückt werden, dass Differenzen schneller (zunehmende Divergenz) oder langsamer (abnehmende Divergenz) wachsen.

Das Gegenwort ist die Konvergenz: Die Abnahme von Unterschieden über die Zeit.

Das Wort wurde im 18. Jahrhundert aus dem lateinischen divergere (in verschiedene Richtungen auseinandergehen, sich auseinanderneigen) entlehnt.

Die Divergenz zwischen Armen und Reichen ist beträchtlich. Die Armen werden immer ärmer, die Reichen immer reicher.

Zwischen seinen Versprechen und deren Einlösung besteht eine Divergenz. Er verspricht immer mehr, setzt aber immer weniger um.

Mit jedem Zuwachs an Divergenz und Vielfalt der sozialen und wirtschaftlichen Interessen, der Nationalsprachen und -kulturen, der geschichtlich geprägten Identitäten wächst auch das Risiko verschärfter Konflikte. Deshalb ist die fortschreitende Erweiterung der EU in der Vergangenheit von Schritten zu einer vertieften Integration immer wieder begleitet worden.
Jürgen Habermas (2007), Erste Hilfe für Europa, DIE ZEIT, 29.11.2007 Nr. 49.

dilettieren

Das Verb dilettieren meint, etwas ohne Expertise oder Fachwissen zu tun. Es beschreibt also die Tätigkeit von einer Person, die sich (leidenschaftlich) einer bestimmten Aktivität, einem Hobby, der Wissenschaft oder einer künstlerischen Richtung widmet, ohne Fachmann zu sein.

Der Ausdruck wird weiterhin verwendet, um die fachliche Qualifikation von jemandem abwertend in Frage zu stellen.

Das zugehörige Substantiv ist Dilettant.

Seinen Ursprung findet „dilettieren“ im lateinischen Ausdruck delectare (erfreuen, amüsieren).

Er ist Doktor der Physik, dilettiert aber in seiner knappen Freizeit als Rosenzüchter.

Er ist anerkannter Rosenzüchter, dilettiert aber in seiner Freizeit auf dem Gebiet der theoretischen Physik.

Ist es gut, wenn Politiker so dilettieren?

Paul: Ich halte es mit Helmut Schmidt: Ich bin kein Politiker. Ich bin ein Mensch, der sich mit Politik beschäftigt. Politik ist eine Tätigkeit, die jedem Bürger zusteht. Wir wollen Fachexpertise im Sinne der Bürger in die Parlamente bringen.
Michael Schlieben (2012), „Ich bin kein Politiker“, zeit-online 04/2012. 

dezidiert

Das Adjektiv dezidiert bedeutet „entschieden“, „bestimmt“, „energisch“.

Beispielsweise kann man eine dezidierte Meinung haben oder dezidierte Forderungen stellen.

Weitere Synonyme für dezidiert sind unter anderem apodiktisch, eindringlich, kategorisch oder unmissverständlich.

Der Begriff entstammt dem lateinischen Verb decidere (eigentlich, abschneiden).

Er rief Sie auf, dezidiert Ihren Standpunkt einzunehmen, damit diese schwammige Diskussion – gespickt von Missverständnissen und Unklarheiten – ein für allemal beendet werden konnte.

Er besaß für eine solche Stellung nicht weniger als alles: ein verbindliches und doch zugleich dezidiertes Auftreten, Stattlichkeit der Erscheinung, natürliche Klugheit, Wohlwollen, Erzähler- und Rednergabe, Sprachkenntnis und vor allem die Gabe, Festlichkeiten mit Kunst und Geschmack zu inszenieren.
– Theodor Fontane (1898), Von Zwanzig bis Dreißig.

Stefan Schaltegger, der Professor für Nachhaltigkeits-Management, hat in einer Studie herausgefunden: „In den Unternehmens-Prozessen verändert sich nur dann etwas sehr deutlich oder messbar im Sinne der Nachhaltigkeit, wenn ein Mitglied des Vorstands oder der Geschäftsleitung dezidiert für das Thema verantwortlich ist.“
Thomas Ramge (2010), Die Wohlfühl-Utopie, brand eins 05/2010 

Defätismus

Defätismus (der) beschreibt einen Zustand der gefühlten Aussichtslosigkeit der Situation und einen dadurch bedingten Drang zum Aufgeben. Der Begriff fand zunächst besonders im militärischen Sprachgebrauch Anwendung.

Ein offen zur Schau gestellter Defätismus steht – vor allem in Kriegszeiten – in manchen Ländern unter Strafe, da eine Zermürbung der Truppenmoral befürchtet wird.

Heute wird der Ausdruck auch außerhalb der Militärsprache gebraucht und meint in erster Linie eine pessimistische Einstellung und Resignation bezüglich der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder politischen Lage.

Der Begriff  wurde als défaitisme zur Zeit des ersten Weltkriegs in Frankreich geprägt und kurz darauf ins Deutsche entlehnt.

Nach der vernichtenden Niederlage breitete sich ein Defätismus unter den Truppen aus, der sich durch noch so harte Strafen nicht mehr eindämmen ließ. Selbst die höheren Ränge waren schließlich davon überzeugt, dass der Krieg nicht mehr gewonnen werden konnte.

Alle anderen leuchtenden Ziele in dem kriegsgeplagten Land – Demokratie, Menschenrechte, Bildung – werden längst immer weiter abgedimmt. Und wenn Barack Obama nun gar von Abzugsplänen zu reden beginnt, liegt ein Hauch von Defätismus in der Luft.
Jörg Lau (2009), Und plötzlich sind sie gut, DIE ZEIT, 26.03.2009 Nr. 14.