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Demagoge

Ein Demagoge ist ein Volksaufhetzer, eine Person also, die mittels öffentlicher Rede eine Menschenmasse politisch oder ideologisch aufwiegelt. Zu den rhetorischen Mitteln des Demagogen gehören dabei Übertreibungen, Verzerrungen und Vereinfachungen der Wahrheit, Verallgemeinerungen und teils auch schlichte Lügen.

Der Begriff entstammt dem griechischen demagogos (Führer des Volkes). Im alten Griechenland war er weitestgehend positiv besetzt, ein Demagoge war damals ein angesehener Redner. In dieser positiven Bedeutung wurde der Ausdruck in der deutschen Sprache bis in die Neuzeit verwandt. Parallel dazu entwickelte sich die hier beschriebene, mittlerweile ausschließlich gültige negative Besetzung des Begriffs.

Der geschickte Demagoge hat mittlerweile eine treue Schar Anhänger hinter sich versammelt, die jede seiner hetzerischen Reden mit begeistertem Beifall feiert.

In Marikana aber schlägt die Stunde der übelsten Demagogen. Julius Malema, ein aus der Regierungspartei verbannter Volkstribun, nutzt Wut und Trauer der Streikenden für seinen Rachefeldzug gegen den Präsidenten.
Bartholomäus Grill (2012), Die Stunde der Demagogen, DIE ZEIT, 23.8.2012 Nr. 35.

distinguiert

Das Adjektiv distinguiert beschreibt etwas, was sich vornehm von anderem unterscheidet, teils geradezu edel oder sogar aristokratisch wirkt.

Oft wird der Begriff benutzt, um Personen zu beschreiben, die sich durch ihr betont gewähltes Auftreten bzw. entsprechende  Taten oder ein entsprechendes Erscheinungsbild von anderen abheben. Ebenfalls können Taten als solche, Merkmale oder Orte als distinguiert bezeichnet werden.

Ursprung des Wortes ist das lateinische distinguere (unterscheiden, auszeichnen) bzw. das analog zur deutschen Bedeutung gebrauchte französische distinguer.

Sein distinguiertes Auftreten hinterließ einen bleibenden Eindruck.

Sie hüstelte distinguiert.

Blanche de Sivry, eine große, fette Blondine, deren hübsches Gesicht dick mit Schminke belegt war, kam in Gesellschaft eines schmächtigen, mit großer Sorgfalt gekleideten Mannes von sehr distinguiertem Aussehen.
– Émile François Zola (1880), „Nana“.

devotional

Das Adjektiv devotional bedeutet „ehrfurchtsvoll“, „achtungsvoll“, „ehrerbietig“ oder „ehrfürchtig“.

Verwendet wird das Wort devotional, um einen ehrfürchtigen und achtsamen Umgang mit einem Gegenstand oder bei einer Tätigkeit damit auszudrücken.

Der Begriff stammt vom lateinischen devotio, was „Gelübde“ oder „Andacht“ bedeutet und zum kirchenlateinischen devotionalia führte, mit dem ursprünglich Gegenstände zur persönlichen Andacht bezeichnet wurden. Heute wird der Begriff Devotionalien auch für Sammlerobjekte ohne kirchlichen Hintergrund verwendet.

Er behandelt seine Sammlung sehr devotional.

Es handelt sich hier um devotionales Brauchtum.

delektieren

Das Verb delektieren bedeutet „erfreuen“, „ergötzen“ oder „gütlich tun“.

Man kann sowohl jemanden mit einer Sache oder einer Tätigkeit delektieren, als auch sich selbst an etwas delektieren. Der Begriff wird also ebenso verwendet wie die deutsche Entsprechung „erfreuen“.

Der Begriff hat seinen Ursprung im gleichbedeutenden lateinischen delectare.

Sie hatte sich bei der Vorbereitung des Abends große Mühe gegeben und konnte ihre Gäste mit einem ausgefeilten Programm delektieren.

Ich kann mich ein ums andere Mal an den Schallplatten delektieren, die ich in meiner Jugend gekauft habe und immer noch besitze.

Leser erhoffen sich bizarre Einfälle und Mordmethoden und delektieren sich an der einzigen Gleichheit, die auf der Welt zu haben ist: am Verdacht, dass jeder der Mörder sein könnte, ob Butler oder Lord.
– Tobias Gohlis (2006), Ein Mord und schon wieder ein Schneesturm, Die Zeit, 03.08.2006.

Diaspora

Eine Diaspora ist eine ethnische oder konfessionelle Gruppe, deren Mitglieder über weite Teile der Welt verstreut sind und somit in zahlreichen fremden Kulturräumen eine religiöse oder ethnische Minderheit darstellen. Weiterhin kann das begrenzte Gebiet in einem Land, in dem sich die Mitglieder einer solchen Minderheit aufhalten, als Diaspora bezeichnet werden.

Beispiele für dieses Phänomen gibt es zahlreiche. So bilden etwa außerhalb Israels lebende Juden die jüdische Diaspora oder die über die ganze Welt verteilten Menschen chinesischer Abstammung die chinesische Diaspora.

Der Begriff wurde direkt aus dem griechischen diaspora (Verstreutheit) übernommen und kommt bereits etwa 200 v. Chr. in der Septuaginta vor, der ältesten vollständigen Übersetzung der Tora in die altgriechische Gemeinsprache. Zunächst bezeichnete er jüdische Siedlungen im Exil und wird seit dem 19. Jahrhundert im Deutschen auch in der oben beschriebenen, weiter gefassten Bedeutung gebraucht.

designieren

Das Verb designieren bedeutet „bestimmen“ und wird als Adjektiv häufig im Kontext von „für ein noch nicht besetztes Amt bestimmt“ genutzt.

Entsprechend taucht der Begriff meist im politischen oder Verwaltungskontext auf.

Designieren entstammt dem lateinischen Verb designare für „bezeichnen“.

Sie designieren die bisherige Landwirtschaftsministerin als zukünftige Kanzlerkandidatin.

Der Chef designierte Frau Wagner für den unbesetzten Posten der Abteilungsleiterin.

Der designierte Vorsitzende gab sich Mühe, vor den anderen Mitarbeitern einen kompetenten Eindruck zu erwecken.

desavouieren

Das Verb desavouieren bezeichnet das Bloßstellen in der Öffentlichkeit oder auch das Abstreiten oder die Nichtanerkennung von Personen oder Gegebenheiten. Synonyme des bildungssprachlichen desavouieren sind „blamieren“, „vorführen“, „kompromittieren“, „zum Gespött machen“, oder auch „in Abrede stellen“.

Aus dem Französischen entlehnt, besteht desavouier aus dem altfranzösischen Präfix dés-, welches die Aussage des Verbs aufhebt und dem Verb avouer, zu Deutsch „anerkennen“ oder „einen Fehler eingestehen“.

Durch das Abstimmungsergebnis fühlte sich der Politiker desavouiert. 35% der eigenen Parteimitglieder hatten gegen sein Vorhaben gestimmt.

Sie desavouierte sich vor ihrer neuen Arbeitgeberin, als sie den Stift aufhob und ihre Hosennaht platzte.

Der Präsident ist in seiner Autorität beschädigt, die Regierung als ein Verein von Amateuren desavouiert.
Martin Gehlen, Neue Verfassung: Mit der Scharia ist in Ägypten kein Staat mehr zu machen, Die Zeit 16.12.2012.

 

diametral

Das Adjektiv diametral bedeutet bildungssprachlich „entgegengesetzt“ und beschreibt damit Sachverhalte, Argumente, Aussagen, Positionen etc., die in ganz und gar gegensätzlichem Verhältnis zueinander stehen, d.h. völlig verschieden sind.

Häufig gebraucht wird die Phrase „diametral entgegengesetzt“, die nicht unbedingt pleonastischen, sondern eher betonenden Charakter hat. Stilistisch ist sie aufgrund ihres inflationären Gebrauchs dennoch von zweifelhafter Güte.

Speziell in der Mathematik beschreibt der Ausdruck Punkte auf dem äußeren Rand einer geometrischen Figur, deren Verbindungslinie zum einen durch den Mittelpunkt der Figur geht und zum anderen den maximal möglichen Abstand zweier Punkte innerhalb der Grenzen der Figur darstellt. Das einfachste Beispiel dafür sind zwei Punkte, die sich auf dem Durchmesser eines Kreises gegenüberliegen.

Die Herkunft des deutschen Begriffs liegt im spätlateinischen diametralis (zum Durchmesser gehörend) und geht auf das gleichbedeutende griechische diametros zurück.

Ihr Verhalten Kunden gegebenüber widerspricht diametral unserer Unternehmensphilosophie.

Seine Worte und seine Taten verhalten sich diametral zueinander.

Die Arbeit der Regierungskoalition verlief bisher sehr harmonisch. Bezüglich der aktuellen Frage führen die diametralen Positionen der beiden Parteien jedoch zu langwierigen Verhandlungen, deren Ende bisher nicht in Sicht ist.

Was Bier betrifft, haben meine süddeutschen Freunde und ich diametrale Präferenzen.

d’ac­cord

Das Adjektiv d’accord bedeutet „einverstanden“, „einer Meinung“.

Verwendet wird der Begriff um auszudrücken, dass man mit jemandem einer Meinung ist und beispielsweise seinen Vorschlägen zustimmt. So kann man mit einer Person d’accord sein oder – seltener und umgangssprachlicher – mit ihr d’accord gehen. Für sich stehend kann der Begriff auch als Ausruf zum Ausdruck des Einverständnisses gebraucht werden: „D’accord!“

D’accord wurde direkt aus dem Französischen übernommen. Die Aussprache folgt korrekterweise ebenfalls dem französischen Vorbild, vermischt sich in Deutschland aber naturgemäß häufig mit einem gewissen Akzent.

Da bin ich vollkommen d’accord mit Ihnen.

In wenigstens dieser Angelegenheit musste er einfach zugeben, mit mir d’accord zu sein.

Diesbezüglich gehen wir wohl d’accord.

defätistisch

Das bildungssprachliche Adjektiv defätistisch (schweizerdeutsch: defaitistisch) wird abwertend gebraucht und beschreibt Personen, die mutlos agieren bzw. eine pessimistische Einstellung haben. Weiterhin können resignierende Aussagen als defätistisch bezeichnet werden.

Ein umgangssprachliches Synonym für defätistisch ist „schwarzseherisch“.

Abgeleitet wurde der Begriff von dem Substantiv Defätist, welches auf Defätismus zurückgeht, das seinen Ursprung im französischen défaitisme hat.

Vor allem den Sozialdemokraten geht es schlecht. Demotiviert und defätistisch erlebe sie die Wahlkämpfer in den sozialdemokratischen Kreisverbänden, erzählt eine führende Grüne hinter vorgehaltener Hand.
Lisa Caspari, Rot-Grün und die freie Liebe, 27.04.13, Zeit online

Die Regierung in Kabul wird einer ermatteten Schutzmacht zuliebe nicht die Korruption bekämpfen, und die Taliban werden vor einem defätistischen Westen keine Angst haben.
Jan Ross, Internationaler Terrorismus – Ein kleiner Sieg, 06.10.11, Zeit online