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dekadent

Das Adjektiv dekadent bedeutet „ausschweifend“, „verschwenderisch“ oder „im kulturellen Niedergang begriffen“. Der Ausdruck wird überwiegend abwertend gebraucht und kommt im Deutschen relativ häufig vor.

Dekadent ist eine Gesellschaft dann, wenn vermeintliche Hochkultur und zunehmender Hang zum Hedonismus zum Verlust der Widerstands- und Durchsetzungsfähigkeit führen. Genuss- und Vergnügungssucht lösen gesellschaftliche Tugenden ab, was zum Niedergang bzw. Verfall der Kultur führt.

Die Herkunft des Begriffs findet sich im lateinischen Verb decadere, welches „verfallen“ oder „hinabsinken“ bedeutet.

Verwendungsbeispiele

Wenn die führenden Schichten im Römischen Reich nicht so dekadent gewesen wären, wäre die Republik vielleicht nicht so schnell untergegangen.

Der dekadente Lebensstil kostet ihn ein Vermögen.

Die Feste der Könige und Kaiser waren dekadent.

Die Prohibition brachte den „Badewannen“- Gin hervor, für den man Industriealkohol mit dubiosen Zutaten zu einem scharfen Getränk mischte. Anschließend kam die große Zeit der Partys und Martini-Dinners, die jedoch in den 1970er Jahren nur noch als dekadent empfunden wurde.
Sonja Kastilian (2014), Gin – Der Geist in der Flasche, faz.net 02.01.2014.

Grammatik und Flexion

Steigerung

Positiv Komparativ Superlativ
dekadent dekadenter am dekadentesten

Starke Deklination

Nominativ Genitiv Dativ Akkusativ
Maskulin dekadenter dekadenten dekadentem dekadenten
Femininum dekadenter dekadenter dekadenter dekadenten
Neutrum dekadentes dekadenten dekadentem dekadentes
Plural dekadente dekadenter dekadenten dekadente

Schwache Deklination

Nominativ Genitiv Dativ Akkusativ
Maskulin der dekadente des dekadenten dem dekadenten den dekadenten
Femininum die dekadente der dekadenten der dekadenten die dekadente
Neutrum das dekadente des dekadenten dem dekadenten das dekadente
Plural die dekadenten der dekadenten den dekadenten die dekadenten

Gemischte Deklination

Nominativ Genitiv Dativ Akkusativ
Maskulin ein dekadenter eines dekadenten einem dekadenten einen dekadenten
Femininum eine dekadente einer dekadenten einer dekadenten eine dekadente
Neutrum ein dekadentes eines dekadenten einem dekadenten ein dekadentes
Plural keine dekadenten keiner dekadenten keinen dekadenten keine dekadenten

Delinquent

Ein Delinquent ist ein Straftäter oder  auch ein Übeltäter im weiteren Sinne. Es muss also nicht zwingend eine strafrechtlich verfolgbare Tat vorliegen. So werden etwa neben strafunmündigen Kindern und Jugendlichen auch Personen als Delinquenten bezeichnet, die lediglich Ordnungswidrigkeiten begangen haben.

Ursprung des Begriffs ist das lateinische delinquere (eine Verfehlung begehen).

Der Delinquent hüllt sich zu den Vorwürfen bisher in Schweigen.

Die Obrigkeit zu betrügen ist keine Sünde, sondern eher eine Tugend, die von „vivenza criolla“, von Bauernschläue und Pfiffigkeit zeugt. „Sie haben mich wegen Diebstahls geschnappt -aber nicht wegen Blödheit“, brüstet sich der Delinquent.
– Carl D. Goerdeler (2002), Argentinien – oder die Kultur der Vergeudung, brand eins 01/2002.

de facto

Die Wortverbindung de facto bedeutet „tatsächlich“, „in der Praxis“ bzw. „den Tatsachen oder dem Verhalten entsprechend“.

Der Begriff wird gebraucht, um den Ist-Zustand einer Sache oder eines Sachverhalts zu beschreiben. Das Gegenwort ist de jure und meint den rechtlichen Soll-Zustand.

Der Ursprung liegt im Lateinischen, wo de facto „in Wirklichkeit“ bedeutet (vgl. factum: Tatsache, Ereignis).

Beispiele:

Das große Problem Taiwans ist, dass es zwar de facto ein eigenständiger Staat mit funktionierender Demokratie ist, de jure von der Weltgemeinschaft aber nicht als ein solcher anerkannt wird, sondern nach wie vor als Chinas „abtrünnige Provinz“ gilt.

Die letzten Monate hat de facto nicht der Geschäftsführer selbst, sondern seine Frau das Unternehmen gelenkt.

Doch das größere Problem aus Sicht der Rechteinhaber und -verwerter ist: Die technische Entwicklung läuft gegen sie. Im Netz der frei zirkulierenden Inhalte sind Urheberrechte de facto kaum noch durchsetzbar, schlicht, weil der Verstoß kaum noch jemandem zuzuordnen ist.
– Thomas Ramge (2005), Geklaut bleibt geklaut, brand eins 05/2011.

Die Wahlmanipulationen und die jetzige Niederschlagung des Aufstandes lassen sich als schleichenden Staatsstreich beschreiben. Wenn Ahmadineschad durchkommt, wird die Islamische Republik de facto zu einem Einparteienstaat.
Ulrich Ladurner (2009), Irans alte Garde ringt um die Zukunft, DIE ZEIT, 25.06.2009 Nr. 27.

Defätismus

Defätismus (der) beschreibt einen Zustand der gefühlten Aussichtslosigkeit der Situation und einen dadurch bedingten Drang zum Aufgeben. Der Begriff fand zunächst besonders im militärischen Sprachgebrauch Anwendung.

Ein offen zur Schau gestellter Defätismus steht – vor allem in Kriegszeiten – in manchen Ländern unter Strafe, da eine Zermürbung der Truppenmoral befürchtet wird.

Heute wird der Ausdruck auch außerhalb der Militärsprache gebraucht und meint in erster Linie eine pessimistische Einstellung und Resignation bezüglich der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder politischen Lage.

Der Begriff  wurde als défaitisme zur Zeit des ersten Weltkriegs in Frankreich geprägt und kurz darauf ins Deutsche entlehnt.

Nach der vernichtenden Niederlage breitete sich ein Defätismus unter den Truppen aus, der sich auch durch noch so harte Strafen nicht mehr eindämmen ließ.

Alle anderen leuchtenden Ziele in dem kriegsgeplagten Land – Demokratie, Menschenrechte, Bildung – werden längst immer weiter abgedimmt. Und wenn Barack Obama nun gar von Abzugsplänen zu reden beginnt, liegt ein Hauch von Defätismus in der Luft.
Jörg Lau (2009), Und plötzlich sind sie gut, DIE ZEIT, 26.03.2009 Nr. 14.

dechiffrieren

Das Verb dechiffrieren bedeutet „entschlüsseln“. Es bezieht sich ursprünglich auf das Übertragen einer verschlüsselten (auch: chiffrierten) Botschaft in Klarschrift .

Im übertragenen Sinne meint dechiffrieren auch das Entschlüsseln komplexer, schwierig zu durchschauender Sachverhalte und das Übersetzen selbiger in klare, einfach zu verstehende Worte.

Ursprung des Begriffs ist das gleichbedeutende französische déchiffrer.

Seine Aufgabe während des Krieges war in erster Linie, abgefangene Botschaften des Feindes zu dechiffrieren.

Es gelang ihnen erst in der zweiten Halbzeit allmählich, die Angriffsmuster des Titelverteidigers zu dechiffrieren und entsprechend souverän zu reagieren.

Demagoge

Ein Demagoge ist ein Volksaufhetzer, eine Person also, die mittels öffentlicher Rede eine Menschenmasse politisch oder ideologisch aufwiegelt. Zu den rhetorischen Mitteln des Demagogen gehören dabei Übertreibungen, Verzerrungen und Vereinfachungen der Wahrheit, Verallgemeinerungen und teils auch schlichte Lügen.

Der Begriff entstammt dem griechischen demagogos (Führer des Volkes). Im alten Griechenland war er weitestgehend positiv besetzt, ein Demagoge war damals ein angesehener Redner. In dieser positiven Bedeutung wurde der Ausdruck in der deutschen Sprache bis in die Neuzeit verwandt. Parallel dazu entwickelte sich die hier beschriebene, mittlerweile ausschließlich gültige negative Besetzung des Begriffs.

Der geschickte Demagoge hat mittlerweile eine treue Schar Anhänger hinter sich versammelt, die jede seiner hetzerischen Reden mit begeistertem Beifall feiert.

In Marikana aber schlägt die Stunde der übelsten Demagogen. Julius Malema, ein aus der Regierungspartei verbannter Volkstribun, nutzt Wut und Trauer der Streikenden für seinen Rachefeldzug gegen den Präsidenten.
Bartholomäus Grill (2012), Die Stunde der Demagogen, DIE ZEIT, 23.8.2012 Nr. 35.

distinguiert

Das Adjektiv distinguiert beschreibt etwas, was sich vornehm von anderem unterscheidet, teils geradezu edel oder sogar aristokratisch wirkt.

Oft wird der Begriff benutzt, um Personen zu beschreiben, die sich durch ihr betont gewähltes Auftreten bzw. entsprechende  Taten oder ein entsprechendes Erscheinungsbild von anderen abheben. Ebenfalls können Taten als solche, Merkmale oder Orte als distinguiert bezeichnet werden.

Ursprung des Wortes ist das lateinische distinguere (unterscheiden, auszeichnen) bzw. das analog zur deutschen Bedeutung gebrauchte französische distinguer.

Sein distinguiertes Auftreten hinterließ einen bleibenden Eindruck.

Sie hüstelte distinguiert.

Blanche de Sivry, eine große, fette Blondine, deren hübsches Gesicht dick mit Schminke belegt war, kam in Gesellschaft eines schmächtigen, mit großer Sorgfalt gekleideten Mannes von sehr distinguiertem Aussehen.
– Émile François Zola (1880), „Nana“.

devotional

Das Adjektiv devotional bedeutet „ehrfurchtsvoll“, „achtungsvoll“, „ehrerbietig“ oder „ehrfürchtig“.

Verwendet wird das Wort devotional, um einen ehrfürchtigen und achtsamen Umgang mit einem Gegenstand oder bei einer Tätigkeit damit auszudrücken.

Der Begriff stammt vom lateinischen devotio, was „Gelübde“ oder „Andacht“ bedeutet und zum kirchenlateinischen devotionalia führte, mit dem ursprünglich Gegenstände zur persönlichen Andacht bezeichnet wurden. Heute wird der Begriff Devotionalien auch für Sammlerobjekte ohne kirchlichen Hintergrund verwendet.

Er behandelt seine Sammlung sehr devotional.

Es handelt sich hier um devotionales Brauchtum.

delektieren

Das Verb delektieren bedeutet „erfreuen“, „ergötzen“ oder „gütlich tun“.

Man kann sowohl jemanden mit einer Sache oder einer Tätigkeit delektieren, als auch sich selbst an etwas delektieren. Der Begriff wird also ebenso verwendet wie die deutsche Entsprechung „erfreuen“.

Der Begriff hat seinen Ursprung im gleichbedeutenden lateinischen delectare.

Sie hatte sich bei der Vorbereitung des Abends große Mühe gegeben und konnte ihre Gäste mit einem ausgefeilten Programm delektieren.

Ich kann mich ein ums andere Mal an den Schallplatten delektieren, die ich in meiner Jugend gekauft habe und immer noch besitze.

Leser erhoffen sich bizarre Einfälle und Mordmethoden und delektieren sich an der einzigen Gleichheit, die auf der Welt zu haben ist: am Verdacht, dass jeder der Mörder sein könnte, ob Butler oder Lord.
– Tobias Gohlis (2006), Ein Mord und schon wieder ein Schneesturm, Die Zeit, 03.08.2006.

Diaspora

Eine Diaspora ist eine ethnische oder konfessionelle Gruppe, deren Mitglieder über weite Teile der Welt verstreut sind und somit in zahlreichen fremden Kulturräumen eine religiöse oder ethnische Minderheit darstellen. Weiterhin kann das begrenzte Gebiet in einem Land, in dem sich die Mitglieder einer solchen Minderheit aufhalten, als Diaspora bezeichnet werden.

Beispiele für dieses Phänomen gibt es zahlreiche. So bilden etwa außerhalb Israels lebende Juden die jüdische Diaspora oder die über die ganze Welt verteilten Menschen chinesischer Abstammung die chinesische Diaspora.

Der Begriff wurde direkt aus dem griechischen diaspora (Verstreutheit) übernommen und kommt bereits etwa 200 v. Chr. in der Septuaginta vor, der ältesten vollständigen Übersetzung der Tora in die altgriechische Gemeinsprache. Zunächst bezeichnete er jüdische Siedlungen im Exil und wird seit dem 19. Jahrhundert im Deutschen auch in der oben beschriebenen, weiter gefassten Bedeutung gebraucht.