Fremdwörter mit F

  • fingieren

    Das Verb fingieren bedeutet „vortäuschen“, „fälschen“, „vorspiegeln“. Insbesondere spricht man von fingieren, wenn mit der Täuschung ein übergeordnetes Ziel erreicht werden soll.

    Beispiele:

    • Beweise fingieren, um die Verurteilung eines Angeklagten zu erreichen.
    • Den eigenen Tod fingieren, um Geldschulden zu entgehen.
    • Untersuchungsergebnisse fingieren, um die Zulassung eines Arzneimittels zu erreichen.

    Der Begriff leitet sich von dem lateinischen Wort fingere ab, welches soviel wie sich vorstellen, erdichten, formen oder bilden bedeutet. Es wurde ursprünglich für das Formen von Lehm oder Ton verwendet.

    Der Anwalt fingierte ein Fallbeispiel in der Verhandlung, welches ihm die Glaubwürdigkeit der Geschworenen erbrachte.

    Wer ernsthaft krank wird, bekommt von seiner Versicherung einen Brief, dass die Behandlungskosten leider nicht übernommen werden können, dazu fingieren Gutachter medizinische Begründungen.
    – Markus Grill, Meine Meinung: Krankes System, NEON.de, 09/2007

  • fungieren

    Fungieren ist das weniger gebräuchliche Verb zum Substantiv „Funktion“. Es ist dem lateinischen fungi „vollziehen, vollbringen, einer Angelegenheit Genüge leisten“ entlehnt und hat im Deutschen die gleiche Bedeutung.

    Wenn jemand als etwas fungiert, dann erfüllt er eine gewisse Aufgabe, dient einem gewissen Zweck oder verrichtet eine gewisse Tätigkeit. Wenn eine Sache als etwas fungiert, dann wird sie nicht selten in überraschender oder nicht offensichtlicher Weise gebraucht.

    Sie fungierte in dieser schwierigen Phase als Vermittlerin zwischen den zerstrittenen Parteien.

    Die CD-Schublade fungierte als Kaffeetassenhalter.

    Als das Wesentliche kommt hier hinzu, daß das Geld überhaupt in spezifischen »Geldgeschäften« ein ganz besonderes Wesen annimmt, d. h., wenn es nicht als Tauschmittel in bezug auf andere Objekte, sondern als zentraler Inhalt, als für jetzt nicht über sich hinausweisendes Objekt der Transaktion fungiert.
    – Georg Simmel (1900), Philosophie des Geldes.

  • frenetisch

    Das Adjektiv frenetisch bedeutet „rasend“, „irrsinnig“, „leidenschaftlich“. Es bezieht sich in der Regel auf Ausbrüche der Begeisterung, etwa Jubel oder Applaus.

    In den deutschen Sprachgebrauch wurde es zunächst als medizinischer Ausdruck für „geisteskrank“ aus dem gleichbedeutenden lateinischen phreneticus übernommen.

    Seine Interpretation des Shakespear Dramas „Romeo und Julia“, bei dem er als einziger Schauspieler alle Rollen übernahm, wurde vom Publikum mit frenetischem Beifall gefeiert.

    Nachdem das letzte Rollo nach oben gestemmt wurde, beendet mein kleiner Drecksack seine Show und manch einer jubelt frenetisch. Zwei, drei Dank ausdrückende Knickse später, hat sich es Luigi wieder auf meinen Schultern gemütlich gemacht.
    Garmonbozia (2011), Mein Affe und ich, Neon.de.

  • Fluktuation

    Fluktuationen (die) sind Schwankungen von Größen, etwa der Arbeitslosenzahl, der Preise, der Zahl der Beschäftigten in einem Unternehmen etc. Das zugehörige Verb ist fluktuieren.

    Die Herkunft des Begriffs liegt im lateinischen fluctuatio (unruhige Bewegung). Vgl. auch lat. fluctuare (in der See treiben, Wellen schlagen).

    Das Betriebsklima in ihrer Abteilung ist außergewöhnlich gut. Das schlägt sich auch in einer geringen Fluktuation nieder: Wer einmal hier arbeitet, der will so schnell nicht wieder weg.

    Ein Problem erneuerbarer Energien ist die unvermeidbare Fluktuation von Energiequellen wie Wind und Sonne. Um eine lückenlose Stromversorgung zu gewährleisten, ist ein Fluktuationsausgleich durch herkömmliche Energieträger nötig.

  • fulminant

    Das Adjektiv fulminant bedeutet „großartig“, „imposant“ oder „überwältigend“.

    Als fulminant bezeichnet man heute besonders eindrucksvolle Dinge und Ereignisse, insbesondere dann, wenn sie durch eine beachtliche und außergewöhnliche Leistung einer oder mehrerer Personen ermöglicht wurden. Tätigkeiten können ebenfalls als fulminant beschrieben werden, jedoch ist der Gebrauch in Bezug auf Substantive und substantivierte Verben weit häufiger.

    Ursprung des Begriffs ist das lateinische fulmen (Blitz).

    Nach dem fulminanten und viel beachteten Auftakt ließen sie nicht etwa nach, vielmehr schwangen sie sich zu bisher ungeahnten Höhen ihrer Kunst auf.

    Viel Lob bekam sie auch für den fulminanten Galaabend anlässlich des hundertsten Jahrestags des Vereins.

    Das Semester begann schwach, endete aber dafür um so fulminanter.

    Ist man Journalist und nimmt an einem JOURNALISTEN- ODER SCHRIFTSTELLERTAG teil, so donnere man eine fulminante Rede gegen den Nachdruck, den man als frechen Straßenraub bezeichnet, durch den der arme Kollege das geistige Eigentum einbüßt. Namentlich thue man dies, wenn man selbst das Verbrechen des Nachdrucks verübt. (sic)
    – Julius Stettenheim (1905), Der Moderne Knigge.

  • Fait accompli

    Ein Fait accompli (das) ist eine vollendete Tatsache, also eine solche, die sich nicht ändern oder rückgängig machen lässt.

    Die Redewendung wurde unverändert aus dem Französischen übernommen und wird im Deutschen inzwischen recht selten verwendet.

    Die Insolvenz wurde den Mitarbeitern als Fait accompli präsentiert.

    Bei seinem verspäteten Eintreffen waren die Verhandlungen bereits abgeschlossen. So blieb ihm nichts anderes übrig, als sich dem Fait accompli zu fügen.

  • fakultativ

    Das Adjektiv fakultativ bedeutet „dem eigenen Ermessen überlassen“ oder „freiwillig“. Etwas kann als fakultativ bezeichnet werden, wenn es nicht verbindlich oder nicht unbedingt erforderlich ist.

    Der Begriff wurde aus dem Französischen entlehnt und hat seinen Ursprung im lateinischen facultas (Möglichkeit). Das entsprechende Gegenwort ist obligatorisch.

    Dein Erscheinen heute Abend ist zwar fakultativ, aber in jedem Falle wünschenswert.

    Das Ganze ist eine eher fakultative Veranstaltung, die man nur besuchen sollte, wenn man tatsächlichen Nutzen aus den angebotenen Vorträgen ziehen kann.

    Ferner: Darf der klassische Religionsunterricht durch eine Art multikulturellen Modells ersetzt werden – nämlich Lebensgestaltung, Ethik, Religionskunde (LER)? Und wenn ja: fakultativ oder obligatorisch?
    Marion Graefin Doenhoff (1996), Erziehung zur Kultur, DIE ZEIT, 13/1996.

  • fraternisieren

    Das Verb fraternisieren bedeutet „sich anfreunden“ , „sich verbrüdern“. Es hat meist einen negativen Beiklang.

    Der Begriff findet oft dann Anwendung, wenn das Anfreunden aufgrund der ursprünglichen Positionen der sich miteinander fraternisierenden Parteien eigentlich eher abwegig ist oder einen negativen Beigeschmack hat. Beispielsweise dann, wenn eigentlich verfeindete Parteien sich miteinander verbünden, um niedere  Ziele zu erreichen.

    Der deutsche Ausdruck leitet sich aus dem französischen  fraternité (Brüderlichkeit) ab, welches auf das lateinische fraternus (brüderlich, freundschaftlich) zurückgeht. Vgl. auch lateinisch frater (Bruder).

    Es wird ihm zum Vorwurf gemacht, sich mit der Vorstandsebene der direkten Konkurrenz fraternisiert zu haben.

    Der Touristenbus aus Südkoreas Hauptstadt Seoul wird zum Slalom zwischen Drahtverhauen und Brachland eingewinkt. Kontrolle am „Checkpoint Charly“, dem Grenzposten zwischen Süd- und Nordkorea. Jeder muss unterschreiben, dass er auf dem Weg nach Panmunjom nicht mit nordkoreanischen Soldaten „fraternisiert oder Gesten macht, die der anderen Seite als Propagandamaterial dienen könnten“.
    Christian Schmidt-Häuer (2003),Zündeln mit der Bombe, DIE ZEIT 30.04.2003 Nr.19.

  • Femme fatale

    Eine Femme fatale (die) ist im Französischen eine „verhängnisvolle Frau“. Der Begriff wird häufig für einen besonders attraktiven und verführerischen Frauentypus verwendet, der mit magisch-dämonischen Zügen ausgestattet ist.

    Die Femme fatale verspricht dem verführten Mann höchste Liebeserfüllung und bindet ihn gleichzeitig an sich, manipuliert ihn und stürzt ihn meist auch ins Unglück.

    Seine Freunde hatten ihn davor gewarnt, aber es war schon zu spät. Er war dem Charme der Femme fatale erlegen.

    Die Femme fatale war schon immer eine Frauenfigur, die im Film eine große Rolle gespielt hat.

  • flamboyant

    Das Adjektiv flamboyant bedeutet wörtlich „flammend“, „farbenprächtig“ oder im übertragenen Sinne „energisch“.

    Mit dem Ausdruck kann im direkten Sinne das Aussehen von Dingen,  Malereien, Gebäuden etc. respektive im übertragenen Sinne das Wesen von Personen, Musikstücken, Filmen etc. beschrieben werden.

    Ein Beispiel für flamboyante Architektur
    Die Westfassade der Kirche im französischen Vendôme, gestaltet im Flamboyant-Stil.

    Der Ursprung des Begriffs liegt im französischen flamboyer (aufflammen, aufleuchten).

    Curtis wurde zu einem der letzten großen Stars des alten Hollywood. Ein gut aussehender Junge, der scheinbar leichtfüßig und flamboyant den Glanz verkörperte, der nun einmal zum Zauber des Kinos dazu gehört.
    Ruben Donsbach (2010), Lebemann des alten Hollywood, Zeit online.

    Bildnachweis:  Manfred Heyde  [Lizenz: CC-BY-SA-3.0 bzw. GFDL], via Wikimedia Commons.