Fremdwörter mit K

  • kongruent

    Das Adjektiv kongruent bedeutet „deckungsgleich“ oder „übereinstimmend“, beschreibt also Dinge, Sachverhalte, Aussagen etc. als einer anderen Sache in ihrem Wesen oder ihrer Art gleichend.

    Der Begriff entstammt dem lateinischen congruere (übereinstimmen, entsprechen).

    Seine Gedankenwelt und das, was er als Autor letztlich zu Papier brachte, waren nicht kongruent.

    Viel schwieriger wird es sein, die Ziele der beiden Seiten, die keineswegs kongruent sind, sondern sich in gewisser Weise widersprechen, miteinander zu versöhnen.
    Marion Gräfin Dönhoff (1990), Bewegung am Kap, DIE ZEIT, 20.4.1990 Nr. 17.

  • Kakophonie

    Eine Kakophonie (die) ist eine eine schlecht klingende Folge von Lauten, also ein Missklang.

    Das Substantiv wird in der Sprachwissenschaft und in der Musik gebraucht. Antonym des Substantivs ist die Eufonie: der „Wohlklang“.

    Der Ausdruck findet seinen Ursprung im griechischen kakophonia, bestehend aus dem Präfix kakós (Miss-) und phōnḗ (Klang, Ton).

    Die Kakophonie des Musikstücks hielt sie nicht davon ab, es rauf und runter auf dem Klavier zu spielen und alle anderen damit zu nerven.

    Moderne Popmusik ist die reinste Kakophonie, wenn du mich fragst.

    Sie tat sich schwer, die fremde Sprache zu lernen. Alles klang so schrecklich kakophon.

    Ein Zweipersonenorchester mit ausreichend Empathie fürs gefühlige Genre, dessen Folkpop sich angenehm durch die Kakophonie des Alltags schlängelt.
    Jan Freitag, Zwei mit einer Stimme, Die Zeit, 03.09.2013.

     

  • kolportieren

    Das schwache Verb kolportieren bedeutet „Gerüchte verbreiten“, meint also das Weiterverbreiten unwahrer oder ungesicherter Behauptungen und Halbwahrheiten.

    Herkunft des Fremdwortes ist das französische Kolportage, also der Hausierhandel. Vertrieben wurde dabei mit besonderem Vorzug minderwertige Literatur.

    Die Regenbogenpresse kolportierte ungeniert Details aus seinem Privatleben.

    Es wird derzeit dezent kolportiert, dass die Wahlergebnisse nicht auf rechtmäßigem Wege zustande gekommen seien.

    Die Ehre ihres Besuches hatte sein Ansehen noch gemehrt, allenthalben wurde dieses Ereignis kolportiert und endlos erörtert. Und wie immer in solchen Fällen fantasievoll ausgeschmückt.
    Wolfgang Müller (2012), Lebensgeschichte, ZEITmagazin, 16.5.2012 Nr. 21.

  • Kairos

    Das Substantiv Kairos (der) bedeutet „günstiger Zeitpunkt (für eine Entscheidung)“ oder „entscheidender Augenblick“.

    In der griechischen Mythologie wird Kairos als Gottheit beschrieben. Er bewegt sich schnell und unablässig, von seiner Stirn hängt eine lange Locke, sein Hinterkopf ist jedoch kahl und glatt. Er ist also die personifizierte Gelegenheit, die es am Schopf zu packen gilt, bevor sie vorbeigezogen ist.

    Vom Kairos spricht man im Allgemeinen dann, wenn man den günstigen, den flüchtigen, den alles entscheidenden Augenblick beschreiben will. Ein solcher Augenblick sticht heraus im Fluss der Zeit (Chronos, das zweite griechische Wort für Zeit). Der Kairos ist etwas Besonderes und etwas Seltenes, geprägt von eminenter Tragweite. Nicht gemeint sind also solch triviale Situationen wie der morgendliche Moment der Entscheidung aufzustehen oder lieber noch fünf Minuten liegen zu bleiben.

    Der Begriff wurde direkt aus dem Altgriechischen übernommen.

    Der Kairos hat sich uns geboten, jedoch haben wir ihn – zu meinem großen Bedauern – letztlich doch verpasst.

    Die Situation schien verfahren. Lange war es stetig bergab gegangen und auch die Zukunft schien düster. Doch dann, unerwartet und durch einen schier unmöglichen Zufall, tat sich noch eine Chance auf. Sie zögerte nicht und ergriff den Kairos, setzte alles auf eine Karte und schaffte es so, ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken.

    Wie oft wurde der Kairos der Fertigstellung durch freiberufliche wie später parlamentarische „Ablenkung“ versäumt, bevor die Erkenntnis dieses traurigen Faktums einer bemerkenswerten Mischung aus eherner professoraler Geduld (wie Liebenswürdigkeit), sanftem, aber unerbittlichem familiären Druck und wohl auch ein wenig der beklagenswerten Eitelkeit weichen durfte.
    – Karl-Theodor Frhr. zu Guttenberg (2008), Verfassung und Verfassungsvertrag.

  • konterkarieren

    Das Verb konterkarieren bedeutet „hintertreiben“ oder „durchkreuzen“.

    Pläne und andere Sachverhalte, vorrangig solche, die in irgendeiner Form zielführend sind, können konterkariert werden, d.h. sie werden unmöglich gemacht oder erschwert. Ihnen wird also – absichtlich, mitunter auch unabsichtlich oder sogar ungewollt – entgegengewirkt.

    Konterkarieren hat seinen Ursprung im gleichbedeutenden französischen contrecarrer.

    Mit seinem Schweigen zu den Vorwürfen konterkarierte er die auf Transparenz und Ehrlichkeit setzende Kommunikationskultur, die sich das Unternehmen auf die Fahne geschrieben hatte.

    Korruption konterkariert den fairen Wettbewerb am Markt.

    Mit seinen Aussagen konterkarierte er ungewollt die bisherigen politischen Bemühungen seiner Partei.

    Das vernünftige Ansinnen der Chinesen, ihre Devisenreserven im Ausland zu investieren, konterkariert Berlin mit protektionistischen Gesetzesvorhaben.
    Georg Blume (2007), Asien muss noch viel reicher werden, DIE ZEIT, 27.12.2007 Nr. 01.

  • kohärent

    Das Adjektiv kohärent bedeutet „zusammenhängend“, oft im Sinne von „logisch, schlüssig“.

    Ursprung des Begriffs ist das lateinische cohaerere (zusammenhängen).

    Klar ist, dass es einen umfassenden Wandel hin zu neuen Energien geben muss. Doch im Hauruckverfahren alte Kraftwerke abzuschalten macht noch keine kohärente Energiepolitik.

    Wir brauchen einen kohärenten Plan für das Projekt. Der erste Schritt ist zwar sehr wichtig, doch auch die darauf folgenden müssen wohl überlegt sein.

    Im Tai Ji aber ist der ganze Körper das Gehirn. Wenn sich Herz und Geist im Zentrum des Körpers befinden, wird sich der Körper anmutig, kohärent und effektiv bewegen. Erfolg entsteht, wenn alles verbunden ist, wenn jeder Teil dieselben Werte verfolgt.
    Ralf Grauel (2003), Der Tanzlehrer, brand eins 09/2003.

  • kafkaesk

    Das Adjektiv kafkaesk beschreibt ein unergründliches Gefühl der Bedrohung, der Unsicherheit oder des Ausgeliefertseins, etwa angesichts einer im Dunkeln liegenden Macht.

    Der Begriff ist kein Fremdwort im eigentlichen Sinne. Er hat seinen Ursprung nicht in einer fremden Sprache, sondern im Namen des Schriftstellers Franz Kafka.

    So sehen sich beispielsweise in Kafkas unvollendeten Werken „Das Schloss“ und „Der Prozess“ die Protagonisten einer undurchschaubaren und unerreichbaren Bürokratie ausgeliefert.

    Zunächst wurde der Begriff nur im literarischen Umfeld verwendet, wo Werke, die eine ähnliche Grundstimmung und einen ähnlichen Stil wie die Werke Kafkas aufwiesen, als kafkaesk bezeichnet wurden. Im heutigen Sprachgebrauch können auch reale Situationen, Sachverhalte und Strukturen als kafkaesk beschrieben werden.

    Sie wusste nicht, wer der richtige Ansprechpartner für ihr Anliegen war oder ob es überhaupt einen gab. Sie wurde nur von Amt zu Amt, von Sachbearbeiter zu Sachbearbeiter geschickt, ohne einen Hoffnungsschimmer ihrer misslichen Lage doch noch Herr werden zu können. In dieser geradezu kafkaesken Situation verlor sie beinahe den Verstand.

    Er machte die kafkaeske Erfahrung, ohne Grundlage und ohne sich an jemanden wenden zu können, an den Pranger gestellt zu werden.

    Wirklich beunruhigend jedoch wurde es, als ich innerhalb der Behörde ein drittes Mal überprüft wurde. Mich beschlich trotz meines guten Gewissens und der eindeutigen Aktenlage dabei das kafkaeske Gefühl, Gegenstand einer anonymen Untersuchung zu sein, deren Anlass ich ebenso wenig erfuhr wie ihr Ergebnis.
    – Joachim Walther (2006), Stasi:Immer im Dienst, Die Zeit, 07.12.2006 Nr. 50.

  • konstatieren

    Das Verb konstatieren bedeutet „ermitteln“, „wahrnehmen“ oder „feststellen“.

    Mit Abstand am häufigsten wird konstatieren als Synonym zu „feststellen“ gebraucht. In diesem Sinne meint der Begriff also, eine Tatsache zu erkennen und in der Regel auch zu äußern, d.h. laut auszusprechen.

    In den deutschen Wortschatz wurde der Begriff aus dem gleichbedeutenden französischen constater entlehnt, welches auf das lateinische constare (bekannt sein, feststehen) zurückgeht.

    Nach einem Blick auf die Quartalszahlen konstatierte er die positive Entwicklung des Unternehmens.

    Sie konstatierte, ein verschwenderischer Umgang mit Steuergeldern habe zu der politischen Vertrauenskrise beigetragen.

    Das Gericht konnte nur noch eine unzureichende Beweislage konstatieren und die Angeklagte in allen Punkten freisprechen.

  • Kaschieren

    Das Verb kaschieren bedeutet „beschönigen“, „korrigieren“, „verbergen“ oder „verschleiern“.

    Wenn man eine Sache oder einen Zustand kaschiert, so verändert man etwas oder stellt etwas so dar, dass eine positivere Wirkung erzielt wird. Das heißt, man verdeckt bestimmte Mängel, damit diese nicht mehr erkennbar sind.

    Kaschieren wird unter anderem auch in der Theaterbranche und Textilindustrie verwendet, um den Herstellungsprozess plastischer Teile der Bühnendekoration zu beschreiben oder die Verklebung zweier Textilgewebe miteinander durch die Einlagerung von Klebstoff.

    Der Begriff wurde im 17.Jahrhundert dem französischen cacher („verstecken“) entlehnt.

    Durch vorteilhafte, weite Kleidung lassen sich allerlei Problemzonen, wie zum Beispiel weihnachtlicher Bauchspeck, kaschieren.

    Um triste Buchrücken attraktiv zu gestalten, werden sie mit dekorativen Einbänden kaschiert.

    Der zweitgrößte Automobilclub der Welt war wegen Manipulationen beim Autopreis Gelber Engel in die Kritik geraten. Dabei waren die Teilnehmerzahlen für ein Voting zum beliebtesten Auto der Deutschen geschönt worden, um das geringe Interesse der ADAC-Mitglieder an der Wahl zu kaschieren.
    Zeit Online, ADAC: Grüne werfen ADAC Manipulation bei Deutschland-Rallye vor, Zeit Online, 21.01.2014.

  • kontaminieren

    Das Verb kontaminieren hat verschiedene Bedeutungen. Meist drückt es aus, dass etwas mit giftigen, pathogenen oder radioaktiven Substanzen verseucht ist. In diesem Rahmen gelten „verschmutzen“, „verunreinigen“, „verseuchen“ oder „infizieren“ als Synonyme.

    Des Weiteren bedeutet kontaminieren in der Sprachwissenschaft, zwei Ausdrücke (Wörter oder Fügungen) meist anlassbezogen zu vermengen und sinnverwandt zu belegen. Eine Kontamination ist somit ein Synonym für „Kofferwort“.

    In der Physik steht kontaminieren im engeren Sinne für das Verunreinigen von Kernbrennstoff mit Neutronen absorbierenden Spaltprodukten.

    Kontaminieren ist auf das lateinische contaminare (mit Fremdartigem in Verbindung bringen; verderben) zurückzuführen.

    Diverse Tests haben ergeben, dass das gesamte Territorium durch den Unfall mit den Substanzen kontaminiert ist.

    Das Substantiv Politesse wurde geprägt, indem man die Worte Polizistin und Hostesse kontaminierte.

    Im Nebenraum hätten die Angestellten sich umgezogen. Über nie benutzten Waschbecken hängt eine Garnitur Doppelripp-Unterwäsche in Knallgelb, Original Mäser aus den Siebzigern. Die Farbe war bewusst so auffällig gewählt. Sie sollte verhindern, dass ein Ingenieur vergessen könnte, die kontaminierte Unterhose nach der Arbeit auszuziehen. Denn alle verstrahlte Arbeitskleidung musste im Kraftwerk bleiben und wäre dort gewaschen worden.
    Johannes Schweikle, das Phantomkraftwerk, Brandeins, 11/2014