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konzedieren

Das Verb konzedieren bedeutet „zugeben“, „einräumen“, „zugestehen“.

Konzediert werden kann etwa ein eigentlich nicht erwünschtes Verhalten, wenn besondere Umstände vorliegen, die eine Ausnahme gestatten.

Auch beim eher widerwilligen Einräumen positiver Aussagen, etwa bezüglich Eigenschaften oder Errungenschaften anderer Personen, kann man vom Konzedieren sprechen.

Letztlich können negative Entwicklungen oder Situationen konzediert werden, was meist ein öffentliches Zugeben selbiger meint.

Das Wort konzedieren leitet sich aus dem lateinischen concedere ab, das ursprünglich „beiseitetreten“ heißt.

Durch die besonderen Umstände konnte man ihre Abwesenheit konzedieren.

Er war der Liebling der Lehrer, weshalb einige seiner Unarten stillschweigend konzediert wurden.

Trotz des jüngsten Skandals muss man ihm seinen überragenden Intellekt konzedieren.

Die englischen Kommentatoren sprechen einhellig von einer unglücklichen Niederlage und konzedieren, dass die Deutschen selbst in Unterzahl zumindest passabel spielten und gute Chancen herausholten.
Krönig (2010), Um England steht es nicht gut, Zeit Online.

Auch die EZB wird bald konzedieren müssen, dass wir es nicht mit einem normalen Konjunkturzyklus zu tun haben, sondern mit einem Prozess, der nach klassischem Muster in die Deflation führen kann.
Wermuth (2008), Deflation wird wahrscheinlicher, Zeit Blog „Herdentrieb“.

kafkaesk

Das Adjektiv kafkaesk beschreibt ein unergründliches Gefühl der Bedrohung, der Unsicherheit oder des Ausgeliefertseins, etwa angesichts einer im Dunkeln liegenden Macht.

Der Begriff ist kein Fremdwort im eigentlichen Sinne. Er hat seinen Ursprung nicht in einer fremden Sprache, sondern im Namen des Schriftstellers Franz Kafka.

So sehen sich beispielsweise in Kafkas unvollendeten Werken „Das Schloss“ und „Der Prozess“ die Protagonisten einer undurchschaubaren und unerreichbaren Bürokratie ausgeliefert.

Zunächst wurde der Begriff nur im literarischen Umfeld verwendet, wo Werke, die eine ähnliche Grundstimmung und einen ähnlichen Stil wie die Werke Kafkas aufwiesen, als kafkaesk bezeichnet wurden. Im heutigen Sprachgebrauch können auch reale Situationen, Sachverhalte und Strukturen als kafkaesk beschrieben werden.

Sie wusste nicht, wer der richtige Ansprechpartner für ihr Anliegen war oder ob es überhaupt einen gab. Sie wurde nur von Amt zu Amt, von Sachbearbeiter zu Sachbearbeiter geschickt, ohne einen Hoffnungsschimmer ihrer misslichen Lage doch noch Herr werden zu können. In dieser geradezu kafkaesken Situation verlor sie beinahe den Verstand.

Er machte die kafkaeske Erfahrung, ohne Grundlage und ohne sich an jemanden wenden zu können, an den Pranger gestellt zu werden.

Wirklich beunruhigend jedoch wurde es, als ich innerhalb der Behörde ein drittes Mal überprüft wurde. Mich beschlich trotz meines guten Gewissens und der eindeutigen Aktenlage dabei das kafkaeske Gefühl, Gegenstand einer anonymen Untersuchung zu sein, deren Anlass ich ebenso wenig erfuhr wie ihr Ergebnis.
– Joachim Walther (2006), Stasi:Immer im Dienst, Die Zeit, 07.12.2006 Nr. 50.

kolportieren

Das schwache Verb kolportieren bedeutet „Gerüchte verbreiten“, meint also das Weiterverbreiten unwahrer oder ungesicherter Behauptungen und Halbwahrheiten.

Das Fremdwortes gelangte über das französische Kolportage (Hausierhandel) ins Deutsche. Vertrieben wurde bei diesem Hausiererhandel mit besonderem Vorzug minderwertige Literatur. Der Ursprung des Begriffs findet sich schließlich im lateinischen comportare (zusammentragen, liefern, tragen, bringen).

Die Regenbogenpresse kolportierte ungeniert Details aus seinem Privatleben.

Es wird derzeit dezent kolportiert, dass die Wahlergebnisse nicht auf rechtmäßigem Wege zustande gekommen seien.

Die Ehre ihres Besuches hatte sein Ansehen noch gemehrt, allenthalben wurde dieses Ereignis kolportiert und endlos erörtert. Und wie immer in solchen Fällen fantasievoll ausgeschmückt.
Wolfgang Müller (2012), Lebensgeschichte, ZEITmagazin, 16.5.2012 Nr. 21.

klandestin

Das bildungssprachliche klandestin bedeutet so viel wie „unbeobachtet“, „im Verborgenen befindlich“ oder „geheim gehalten“. Der Begriff kann sowohl als Adjektiv als auch als Adverb gebraucht werden.

„Heimlich“, „diskret“ oder „geheim“ können als Synonyme für klandestin verwendet werden.

Klandestin ist auf das französische clandestin, beziehungsweise das lateinische clandestinus (heimlich) zurückzuführen.

Das klandestine Treffen fand am späten Abend statt. Ich erfuhr erst Tage später davon.

Klandestin, ohne sich vom Gastgeber zu verabschieden, verließ er die Party.

Allerdings beschränkten sich ihre Aktivitäten, bis auf eine Demonstration gegen „linke Gewalt“ in Lichtenberg Ende September mit 60 Teilnehmern, lediglich auf klandestin organisierte Minikundgebungen und der Teilnahme an anderen rechten Aufmärschen.
Theo Schneider, Berlin: Neonazis wollen vor Brandenburger Tor auflaufen, Zeit Online, 12.02.2014

kompromittieren

Das Verb kompromittieren bedeutet „jemanden bloßstellen“, „jemanden in Verlegenheit bringen“ oder „jemandes Ansehen durch ein bestimmtes Verhalten Schaden zufügen“.

Der Begriff ist dem gleichbedeutenden französischen Verb compromettre entlehnt, das wiederum auf das lateinische Wort compromittere zurückzuführen ist, das „sich gegenseitig versprechen“ bedeutet.

Die Zeitschrift kompromittierte den Politiker, indem sie die belastenden Fotos veröffentlichte.

Er kompromittierte seine ehemalige Geliebte, als er der ahnungslosen Familien von der gemeinsamen Beziehung erzählte.

Als ihm das Diebesgut aus der Tasche fiel, kompromittierte sich der Dieb selbst.

Kairos

Das Substantiv Kairos (der) bedeutet „günstiger Zeitpunkt (für eine Entscheidung)“ oder „entscheidender Augenblick“.

In der griechischen Mythologie wird Kairos als Gottheit beschrieben. Er bewegt sich schnell und unablässig, von seiner Stirn hängt eine lange Locke, sein Hinterkopf ist jedoch kahl und glatt. Er ist also die personifizierte Gelegenheit, die es am Schopf zu packen gilt, bevor sie vorbeigezogen ist.

Vom Kairos spricht man im Allgemeinen dann, wenn man den günstigen, den flüchtigen, den alles entscheidenden Augenblick beschreiben will. Ein solcher Augenblick sticht heraus im Fluss der Zeit (Chronos, das zweite griechische Wort für Zeit). Der Kairos ist etwas Besonderes und etwas Seltenes, geprägt von eminenter Tragweite. Nicht gemeint sind also solch triviale Situationen wie der morgendliche Moment der Entscheidung aufzustehen oder lieber noch fünf Minuten liegen zu bleiben.

Der Begriff wurde direkt aus dem Altgriechischen übernommen.

Der Kairos hat sich uns geboten, jedoch haben wir ihn – zu meinem großen Bedauern – letztlich doch verpasst.

Die Situation schien verfahren. Lange war es stetig bergab gegangen und auch die Zukunft schien düster. Doch dann, unerwartet und durch einen schier unmöglichen Zufall, tat sich noch eine Chance auf. Sie zögerte nicht und ergriff den Kairos, setzte alles auf eine Karte und schaffte es so, ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken.

Wie oft wurde der Kairos der Fertigstellung durch freiberufliche wie später parlamentarische „Ablenkung“ versäumt, bevor die Erkenntnis dieses traurigen Faktums einer bemerkenswerten Mischung aus eherner professoraler Geduld (wie Liebenswürdigkeit), sanftem, aber unerbittlichem familiären Druck und wohl auch ein wenig der beklagenswerten Eitelkeit weichen durfte.
– Karl-Theodor Frhr. zu Guttenberg (2008), Verfassung und Verfassungsvertrag.

kumulativ

Das Adjektiv kumulativ bedeutet “(sich) anhäufend“, „steigernd“ oder „aufsummierend“ beschreibt also das sukzessive Wachsen einer Menge. Gegebenenfalls auch einer negativen Menge, so kann man etwa von einem kumulativen Defizit oder kumulativen Schulden sprechen. Auch das gemeinsame Wirken verschiedener Faktoren kann als kumulativ bezeichnet werden.

Der Ursprung des deutschen Begriffs liegt im lateinischen cumulare (anhäufen).

Kluge Lebensentscheidungen haben einen kumulativen Effekt.

Eine Sprache beherrschen zu wollen ist ein kumulatives Lernvorhaben.

Bei Aufarbeitung der Geschichte des dritten Reichs spricht man häufig von einer kumulativen Radikalisierung der Amtsträger sowie der Bevölkerung.

konstitutiv

Das Adjektiv konstitutiv bedeutet „grundlegend“, „tragend“ und beschreibt ein Merkmal, eine Bedingung oder eine Eigenschaft, die für den Erfolg, die Gesamterscheinung oder die Definition einer Sache oder einer Person maßgeblich ist, also nicht weggelassen werden kann.

Der Begriff hat seinen Ursprung im lateinischen constituere (feststellen, beschließen).

Die persönliche Ansprache des Publikums ist konstitutiver Bestandteil seiner Bühnenshow.

Konstitutiv waren in dieser Phase vor allem der Weitblick und der Entscheidungswillen des neu gewählten Präsidenten.

Die eigene Sprache ist zweifellos konstitutives Element jeder lokalen Kultur.

I bims

Der Ausdruck I bims bedeutet „ich bin’s“. Die absichtliche Falschschreibung wurde vom Langenscheidt-Verlag zum Jugendwort 2017 „gekürt“.

Der Begriff wird der Facebook-Seite Nachdenkliche Sprüche mit Bilder zugeschrieben, die vom satirischen Umgang mit oft auf Facebook geteilten Inhalten geprägt ist. Die bewusst falsche Rechtschreibung, in der die „nachdenklichen Sprüche“ verfasst sind, hat sich schnell zu einer eigenen Subkultur entwickelt. Bekannte Auswüchse sind die Holyge Bimbel (Affiliate-Link) als Verballhornung der Bibel und der Youtube-Kanal von Phil Laude.

Hallo i bims 1 Fremdwort-Website LOL.

Konklave

Das Konklave ist seit dem 11. Jahrhundert in der römisch-katholischen Kirche die geschlossene Versammlung der Kardinäle zur Wahl eines neuen Papstes, die immer dann durchgeführt wird, wenn der heilige Stuhl unbesetzt ist. Sie findet stets in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan statt und ist von unbestimmter Dauer. Während die letzten Konklaven innerhalb weniger Tage zu einem Wahlergebnis kamen, dauerte im 11. Jahrhundert die Wahl Teobaldo Viscontis (Gregor X.) zum Papst fast drei Jahre.

Prinzipiell kann jeder Katholik, sofern er zum einen getauft und zum anderen männlich ist, zum Papst gewählt werden. Seit dem 12. Jahrhundert ist es jedoch nicht mehr vorgekommen, dass eine Person außerhalb des Konklaves ernannt wurde.

Ursprung des Begriffs ist das lateinische conclave (geschlossenes Gemach, Zimmer).

Geredet wurde genug, jetzt wird gewählt: 115 Kardinäle bestimmen ab diesem Dienstag im Konklave den Nachfolger von Papst Benedikt XVI. Die Versammlung der Würdenträger folgt einem genauen Zeitplan.
Der Zeitplan für die Papstwahl, Spiegel Online 2012.