Fremdwörter mit K

  • kontemplativ

    Das Adjektiv kontemplativ bedeutet „beschaulich“, „untätig“ oder „besinnlich“.

    Eine kontemplative Stimmung ist dabei von ruhigem, fast meditativem Charakter geprägt und eine Zeit der Besinnung und Beschäftigung mit geistigen Inhalten.

    Der Ursprung des Wortes liegt im lateinischen contemplativus (beschaulich, betrachtend, theoretisch).

    Er ist eher kontemplativer Natur, kein extrovertierter Draufgänger, sondern in sich gekehrt und oft in Gedanken versunken.

    Für die einen ist der eigene Geburtstag stets von ausgelassenem Feiern begleitet, für die anderen ein Anlass zu kontemplativem Rückzug.

    Ein kurzer Besuch im Karstadt-Kaufhaus in Hamburgs Innenstadt macht sicher. In den oberen Etagen herrscht, wenige Tage nach Ende des Winterschlussverkaufs, eine kontemplative Stimmung. Einige wenige Kunden stehen lustlos zwischen den Angeboten herum.
    Wolf Lotter (2003), Wert-Arbeit, brand eins 02/2003.

  • konspirativ

    Konspirativ bedeutet so viel wie „geheim“, „illegal“ oder „verschwörerisch“.

    In diesem Sinne kann es benutzt werden, um auszudrücken, dass etwas einer Verschwörung oder einem Komplott dient, wie zum Beispiel eine Tätigkeit oder Zusammenarbeit.

    Konspirativ ist abgeleitet vom Substantiv „Konspiration“, welches dem lateinischen conspiratio (Komplott, Verschwörung, Übereinstimmung) entspricht.

    Die Verfechter der Regierung trafen sich zu konspirativen Treffen, um Pläne zu schmieden, welche zum Fall des Diktators führen sollten.

    Der Geheimbund trifft sich in einer konspirativen Wohnung, von der selbst aus den eigenen Reihen nur wenige Mitglieder wissen.

    Dass nun, einen Monat später, die Korruptionsvorwürfe gegen wichtige Unterstützer Erdoğans bekannt werden, ist deshalb wohl kaum Zufall, sondern nur die nächste, beabsichtigte Eskalation. Dafür spricht auch, dass die Details der Ermittlungen sehr schnell in der Gülen-nahen Presse landeten: Die genauen Summen, der vermeintliche Ablauf der konspirativen Treffen und Bestechungen.
    Lenz Jacobsen, Türkei: Mehr Wucht als die Gezi-Proteste, Die Zeit, 21.12.2013.

     

  • konsolidieren

    Das Verb konsolidieren bedeutet „sichern“, „festigen“, „stabilisieren“ oder „stärken“.

    Konsolidiert werden kann alles, was als Einrichtung Bestand hat, beispielsweise also eine Ehe, die Wirtschaft, die politische Ausrichtung oder Position, ein zwischenmenschliches Verhältnis, der Staatshaushalt etc.

    Ins Deutsche übernommen wurde der Begriff im 18. Jhd. vom gleichbedeutenden französischen consolider. Der Ursprung liegt im lateinischen consolidare. Das lateinische solidus bedeutet ‚fest, stark oder hart‘ und bildet auch den Urspung des Adjektivs ’solide‘.

    Durch den weitreichenden Abbau wirtschaftlicher Schranken soll der Zusammenhalt der europäischen Staatengemeinschaft konsolidiert werden.

    Mittels geschickter Fiskalpolitik gelang das Kunststück, bei anhaltendem Wirtschaftswachstum den Staatshaushalt zu konsolidieren.

    Der außenpolitische Ansehensverlust ist enorm und dürfte lange vorhalten. Medwedjew, auf dessen liberalere Überzeugungen der Westen hoffte, ist entzaubert. Zwar mag die Hoffnung naiv untersetzt gewesen sein, da ein neuer russischer Herrscher am besten mit geballter Faust Popularität im eigenen Land erreichen kann. Aber der Krieg mit Georgien hat das Putin’sche Machtsystem konsolidiert und damit Medwedjews kleine Spielräume, falls er sie je nutzen will, weiter eingeengt.
    Johannes Voswinkel (2009), Russlands falsches Kalkül, ZEIT ONLINE 08.05.2009.

  • konzedieren

    Das Verb konzedieren bedeutet „zugeben“, „einräumen“, „zugestehen“.

    Konzediert werden kann etwa ein eigentlich nicht erwünschtes Verhalten, wenn besondere Umstände vorliegen, die eine Ausnahme gestatten.

    Auch beim eher widerwilligen Einräumen positiver Aussagen, etwa bezüglich Eigenschaften oder Errungenschaften anderer Personen, kann man vom Konzedieren sprechen.

    Letztlich können negative Entwicklungen oder Situationen konzediert werden, was meist ein öffentliches Zugeben selbiger meint.

    Das Wort konzedieren leitet sich aus dem lateinischen concedere ab, das ursprünglich „beiseitetreten“ heißt.

    Durch die besonderen Umstände konnte man ihre Abwesenheit konzedieren.

    Er war der Liebling der Lehrer, weshalb einige seiner Unarten stillschweigend konzediert wurden.

    Trotz des jüngsten Skandals muss man ihm seinen überragenden Intellekt konzedieren.

    Die englischen Kommentatoren sprechen einhellig von einer unglücklichen Niederlage und konzedieren, dass die Deutschen selbst in Unterzahl zumindest passabel spielten und gute Chancen herausholten.
    Krönig (2010), Um England steht es nicht gut, Zeit Online.

    Auch die EZB wird bald konzedieren müssen, dass wir es nicht mit einem normalen Konjunkturzyklus zu tun haben, sondern mit einem Prozess, der nach klassischem Muster in die Deflation führen kann.
    Wermuth (2008), Deflation wird wahrscheinlicher, Zeit Blog „Herdentrieb“.

  • konkludent

    Das Adjektiv konkludent bedeutet „einen Rückschluss zulassend“, „folgerichtig“. Es wird in erster Linie in der Rechtssprache verwendet, kommt aber durchaus auch in anderen, etwa philosophischen Zusammenhängen vor.

    In der Philosophie ist eine konkludente Aussage eine solche, die sich durch einen logischen Schluss ergibt.

    Rechtssprachlich ist konkludentes Handeln dann gegeben, wenn eine Handlung eine Willenserklärung impliziert.

    Im rhetorischen Sinne meint eine konkludente Schlussfolgerung eine solche, die ohne weitere Erklärung ersichtlich wird und sich zwingend aus den vorangegangenen Aussagen ergibt.

    Das Wort konkludent leitet sich aus dem lateinischen concludens ab, dem ersten Partizip von concludere (einschließen, folgern).

    Die Kernaussage des Vortrags war vollkommen konkludent. Auch ohne weitere Erklärung zogen die Studenten die Schlüsse, denen der Professor mit seinen Worten den Weg geebnet hatte.

    Durch konkludentes Handeln, nämlich Übergabe des Geldes und Annahme der Leistung, kam der Kaufvertrag zustande, obwohl keine der beiden beteiligten Parteien auch nur ein Wort sagte.

    Seine Äußerungen waren allesamt konkludent, so dass wir ihm Glauben schenken können.

    „Wenn man das Ganze vollends auf die Spitze treiben wollte“, so Meyer, „dann stellt sich natürlich auch die Frage, ob die Gäste der Veranstaltung nicht konkludent dem Rauchen zugestimmt haben, weil niemand Helmut Schmidt gebeten hat, die Zigarette auszumachen.
    Diehl, Kayser (2008), „Man sollte Schmidt ein bisschen Spaß gönnen“, Spiegel Online.

  • kongruent

    Das Adjektiv kongruent bedeutet „deckungsgleich“ oder „übereinstimmend“, beschreibt also Dinge, Sachverhalte, Aussagen etc. als einer anderen Sache in ihrem Wesen oder ihrer Art gleichend.

    Der Begriff entstammt dem lateinischen congruere (übereinstimmen, entsprechen).

    Seine Gedankenwelt und das, was er als Autor letztlich zu Papier brachte, waren nicht kongruent.

    Viel schwieriger wird es sein, die Ziele der beiden Seiten, die keineswegs kongruent sind, sondern sich in gewisser Weise widersprechen, miteinander zu versöhnen.
    Marion Gräfin Dönhoff (1990), Bewegung am Kap, DIE ZEIT, 20.4.1990 Nr. 17.

  • Kakophonie

    Eine Kakophonie (die) ist eine eine schlecht klingende Folge von Lauten, also ein Missklang.

    Das Substantiv wird in der Sprachwissenschaft und in der Musik gebraucht. Antonym des Substantivs ist die Eufonie: der „Wohlklang“.

    Der Ausdruck findet seinen Ursprung im griechischen kakophonia, bestehend aus dem Präfix kakós (Miss-) und phōnḗ (Klang, Ton).

    Die Kakophonie des Musikstücks hielt sie nicht davon ab, es rauf und runter auf dem Klavier zu spielen und alle anderen damit zu nerven.

    Moderne Popmusik ist die reinste Kakophonie, wenn du mich fragst.

    Sie tat sich schwer, die fremde Sprache zu lernen. Alles klang so schrecklich kakophon.

    Ein Zweipersonenorchester mit ausreichend Empathie fürs gefühlige Genre, dessen Folkpop sich angenehm durch die Kakophonie des Alltags schlängelt.
    Jan Freitag, Zwei mit einer Stimme, Die Zeit, 03.09.2013.

     

  • kolportieren

    Das schwache Verb kolportieren bedeutet „Gerüchte verbreiten“, meint also das Weiterverbreiten unwahrer oder ungesicherter Behauptungen und Halbwahrheiten.

    Herkunft des Fremdwortes ist das französische Kolportage, also der Hausierhandel. Vertrieben wurde dabei mit besonderem Vorzug minderwertige Literatur.

    Die Regenbogenpresse kolportierte ungeniert Details aus seinem Privatleben.

    Es wird derzeit dezent kolportiert, dass die Wahlergebnisse nicht auf rechtmäßigem Wege zustande gekommen seien.

    Die Ehre ihres Besuches hatte sein Ansehen noch gemehrt, allenthalben wurde dieses Ereignis kolportiert und endlos erörtert. Und wie immer in solchen Fällen fantasievoll ausgeschmückt.
    Wolfgang Müller (2012), Lebensgeschichte, ZEITmagazin, 16.5.2012 Nr. 21.

  • Kairos

    Das Substantiv Kairos (der) bedeutet „günstiger Zeitpunkt (für eine Entscheidung)“ oder „entscheidender Augenblick“.

    In der griechischen Mythologie wird Kairos als Gottheit beschrieben. Er bewegt sich schnell und unablässig, von seiner Stirn hängt eine lange Locke, sein Hinterkopf ist jedoch kahl und glatt. Er ist also die personifizierte Gelegenheit, die es am Schopf zu packen gilt, bevor sie vorbeigezogen ist.

    Vom Kairos spricht man im Allgemeinen dann, wenn man den günstigen, den flüchtigen, den alles entscheidenden Augenblick beschreiben will. Ein solcher Augenblick sticht heraus im Fluss der Zeit (Chronos, das zweite griechische Wort für Zeit). Der Kairos ist etwas Besonderes und etwas Seltenes, geprägt von eminenter Tragweite. Nicht gemeint sind also solch triviale Situationen wie der morgendliche Moment der Entscheidung aufzustehen oder lieber noch fünf Minuten liegen zu bleiben.

    Der Begriff wurde direkt aus dem Altgriechischen übernommen.

    Der Kairos hat sich uns geboten, jedoch haben wir ihn – zu meinem großen Bedauern – letztlich doch verpasst.

    Die Situation schien verfahren. Lange war es stetig bergab gegangen und auch die Zukunft schien düster. Doch dann, unerwartet und durch einen schier unmöglichen Zufall, tat sich noch eine Chance auf. Sie zögerte nicht und ergriff den Kairos, setzte alles auf eine Karte und schaffte es so, ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken.

    Wie oft wurde der Kairos der Fertigstellung durch freiberufliche wie später parlamentarische „Ablenkung“ versäumt, bevor die Erkenntnis dieses traurigen Faktums einer bemerkenswerten Mischung aus eherner professoraler Geduld (wie Liebenswürdigkeit), sanftem, aber unerbittlichem familiären Druck und wohl auch ein wenig der beklagenswerten Eitelkeit weichen durfte.
    – Karl-Theodor Frhr. zu Guttenberg (2008), Verfassung und Verfassungsvertrag.

  • konterkarieren

    Das Verb konterkarieren bedeutet „hintertreiben“ oder „durchkreuzen“.

    Pläne und andere Sachverhalte, vorrangig solche, die in irgendeiner Form zielführend sind, können konterkariert werden, d.h. sie werden unmöglich gemacht oder erschwert. Ihnen wird also – absichtlich, mitunter auch unabsichtlich oder sogar ungewollt – entgegengewirkt.

    Konterkarieren hat seinen Ursprung im gleichbedeutenden französischen contrecarrer.

    Mit seinem Schweigen zu den Vorwürfen konterkarierte er die auf Transparenz und Ehrlichkeit setzende Kommunikationskultur, die sich das Unternehmen auf die Fahne geschrieben hatte.

    Korruption konterkariert den fairen Wettbewerb am Markt.

    Mit seinen Aussagen konterkarierte er ungewollt die bisherigen politischen Bemühungen seiner Partei.

    Das vernünftige Ansinnen der Chinesen, ihre Devisenreserven im Ausland zu investieren, konterkariert Berlin mit protektionistischen Gesetzesvorhaben.
    Georg Blume (2007), Asien muss noch viel reicher werden, DIE ZEIT, 27.12.2007 Nr. 01.