Fremdwörter mit P

  • profan

    Das Adjektiv profan bedeutet „weltlich“, „alltäglich“ oder „gewöhnlich“, in Abgrenzung zum Göttlichen bzw. Gott Dienenden.

    Heute können nicht nur weltliche (d.h. nicht kirchliche) Dinge als profan bezeichnet werden, sondern allgemein auch alles Durchschnittliche, alles was nicht heraussticht, normal und gewöhnlich ist.

    Der Begriff stammt vom lateinischen profanus (ungeheiligt, gewöhnlich) ab. Ein fanum ist ein Tempel oder ein anderer heiliger Ort, die Vorsilbe pro- bedeutet „anstelle von“ oder „vor“. Profanus meinte also wörtlich „außerhalb des Tempels“ oder „vor dem Tempel“.

    Der Wunderheiler materialisierte sich nicht plötzlich – wie erhofft – in einer dichten Nebelwolke inmitten des Raumes, sondern kam ganz profan mit dem Opel Corsa daher.

    Unserer Bekannten schwant, dass sie mit Kreuzfahrtroutiniers unterwegs ist. Und dass sie die Klopapierrolle in ihrer Handtasche, gedacht als Luftschlange beim großen Abschied, einem profaneren Zweck zuführen muss.
    Karin Ceballos Betancur (2009), »Früher war mehr Messing«, DIE ZEIT, 18.06.2009 Nr. 26.

    Er sagte das wichtige Treffen ab, um sich stattdessen profaneren Dingen zuzuwenden. Das Bad putzte sich schließlich nicht von allein.

  • prekär

    Das Adjektiv prekär bedeutet „schwierig“, „unsicher“, „problematisch“. So lässt sich die Lage einer Person, einer Gemeinschaft, eines Landes etc. als negativ beschreiben.

    Insbesondere ist eine prekäre Lage oder Situation eine solche, die sich – wenn überhaupt – nur schwer verbessern lässt. Der zeitliche Horizont des Wortes schließt also sowohl die Gegenwart als auch die Zukunft mit ein, wobei ein gewisser Pessimismus mitschwingt und die Aussicht auf Verbesserung oder auch nur Erhaltung des Status Quo angezweifelt wird.

    Den Weg ins Deutsche hat der Begriff über das französische précaire (unsicher, widerruflich) gefunden, während der Ursprung im lateinischen precarius (erbeten) liegt.

    Die prekäre wirtschaftliche Lage seines Unternehmens bereitete ihm schlaflose Nächte.

    Die beiden Länder befinden sich in einer prekären Verhandlungssituation. Ein Ende der Gespräche ist vorerst nicht in Sicht.

    Kalehe ist nicht weit von Bukavu, der Provinzhauptstadt. Wenn die Aufständischen dort den Flughafen unter ihre Kontrolle bringen, sitzen Richter und Anwälte in Shabunda fest, wo die Sicherheitslage ebenfalls prekär ist.
    Böhm (2012), Die Rebellen und das Recht, DIE ZEIT, 29.11.2012 Nr. 49.

    Das Spiel, Theater probeweise als Dienstleistungsjob zu verstehen, demontiert nebenbei ein paar Lebenslügen, mit denen sich Menschen in Kreativ-Berufen das Leben gern schönreden – zum Beispiel indem sie miserable Bezahlung und prekäre Lebensverhältnisse mit hübschen Vokabeln wie „Selbstverwirklichung“ rosa einfärben.
    Burghart (2007), In welchem Stück bin ich hier eigentlich?, brand eins 02/2007.

  • Primus inter Pares

    Der bildungssprachliche Ausdruck Primus inter Pares bezeichnet den Führer einer Gruppe gleichberechtigter Mitglieder.

    Primus inter Pares ist lateinisch und bedeutet übersetzt „Erster unter Gleichen“. Die weibliche Wortform lautet Prima inter Pares.

    Als Prima inter Pares vertritt sie die Anliegen der gesamten Abteilung in den Jahressitzungen.

    Dass der Boss nicht abhebt, Primus inter Pares bleibt, spiegelt die Symbiose aus Familie und Unternehmen wider. Verwurzelung, Tradition, Kontinuität ­die konservativ anmutenden Werte schaffen erst die Grundlage für Anpassungsfähigkeit: Wer sich verändern will, braucht einen stabilen Kern, auf den er vertrauen und aufbauen kann.
    Kerstin Friemel, Wir können auch anders, Brandeins, 01/2007

  • pharisäisch

    Das Adjektiv pharisäisch bedeutet abwertend „scheinheilig“ oder „heuchlerisch“. Dergestalt lassen sich Personen sowie deren Taten und Aussagen als vorgetäuscht oder oberflächlich bzw. um des Scheins willen beschreiben.

    Seine Herkunft findet der Begriff im Namen der Pharisäer, einer Strömung im antiken Judentum, auftretend nach dem 2. Jhd. v.Chr. Die Pharisäer (lat. pharisaeli, die Abgesonderten) lösten den jüdischen Glauben vom Fokus auf den Tempel und konzentrierten sich stattdessen auf die Einhaltung zahlreicher, den Alltag betreffender Regeln. Die heutige Bedeutung ergibt sich aus der Darstellung der Pharisäer im Neuen Testament als oberflächlich fromm und sämtliche Regeln beachtend, in Wahrheit jedoch kaltherzig und fernab von dem, was man unter christlichen Werten versteht.

    Seine pharisäische Entrüstung brachte ihm mehr Kritik als Beifall.

    Die Legitimität der militärischen Notwehr gegen den Irak wird von der pharisäischen Doppelzüngigkeit der beteiligten Großmächte gewiß nicht in Zweifel gezogen.
    Reinhard Merkel (1991), Auf dem Schlachtfeld der Ehre, DIE ZEIT, 25.1.1991 Nr. 05.

  • phlegmatisch

    Das Adjektiv phlegmatisch bedeutet „träge“ oder „behäbig“. So lassen sich Personen von ruhigem, gleichgültigem, nicht affektivem Naturell beschreiben. Jemanden als phlegmatisch bzw. als Phlegmatiker zu bezeichnen hat jedoch oft einen abwertenden Beiklang.

    Seinen Ursprung hat der Begriff im griechischen phlégma. Hippokrates (um 400 v. Chr.), maßgeblicher Vordenker der wissenschaftlichen Medizin, bezeichnete damit einen entzündlichen, zähen Schleim im Körper. Nach seiner Viersäftelehre, die Krankheiten mit einem Ungleichgewicht der Körpersäfte erklärt, war eben dieser Schleim verantwortlich für Trägheit und Schwerfälligkeit.

    Sie ist viel zu phlegmatisch. Ihr Studium wird sie vielleicht noch schaffen, aber wie soll sie sich danach jeden Morgen aufraffen und etwas aus ihrem Leben machen?

    Die Ostertage verbrachte er – geradezu phlegmatisch – mit einem Buch in der Hand in der Hängematte. Tagelang dachte er nicht daran, das Fremdwort des Tages zu veröffentlichen.

    Phlegmatischen Menschen kann man ihre Trägheit vorwerfen, wie es schon Aristoteles tat. Jedoch kann ihre behäbige, unaufgeregte Art in manchen Situationen auch einen willkommenen Ruhepol darstellen.

  • Pathos

    Das Substantiv Pathos beschreibt im Allgemeinen ein leidenschaftliches Gefühl der Feierlichkeit oder des Ergriffenseins. Speziell in der Rhetorik meint es einen emotionalen, meist wortgewaltigen Appell an das Publikum.

    Der Begriff wird oft abwertend gebraucht, um auf die übersteigerte Rührseligkeit oder Schmalzigkeit etwa einer Feier, einer Rede oder eines Films hinzuweisen.

    Der Ursprung des Wortes findet sich im griechischen páthos (Leid, Leidenschaft).

    Nicht selten werden Verfilmungen geschichtlicher Ereignisse mit einer gehörigen Portion Pathos ausgestattet.

    Der übersteigerte Pathos in seiner Amtsantrittsrede ließ einen Teil des Publikums in frenetischen Beifall ausbrechen, während der Rest von Fremdscham erfüllt zu Boden blickte.

    Der gesamte Saal war vom Pathos ergriffen. Einige Anwesende brachen sogar in Tränen des Glücks aus, in diesem – so schien es ihnen – großartigen Land wohnen zu dürfen.

  • Promiskuität

    Promiskuität (die) bedeutet „sexuelle Freizügigkeit“ im Sinne häufig wechselnder Sexualpartner oder mehrerer Sexualpartner gleichzeitig.

    Ursprung des Begriffs ist das lateinische promiscuus (gemischt).

    Promiskuität ist unter Studenten angeblich weit verbreitet.

    Die technologischen Möglichkeiten des Internets und unsere schlummernde Promiskuität wirken zusammen wie ein Brandbeschleuniger. Und bestätigen all jene, die das Netz schon immer vor allem für ein Medium der sexuellen Kontaktaufnahme gehalten haben.
    – Ijoma Mangold (2013), Eine Welt ohne Flirt, DIE ZEIT, 7.2.2013 Nr. 07.

  • postkoital

    Das Adjektiv postkoital bedeutet „nach dem Geschlechtsverkehr“, beschreibt also in erster Linie Handlungen und Sachverhalte als zeitlich unmittelbar nach dem Liebesakt stattfindend.

    Es setzt sich zusammen aus der lateinischen Vorsilbe post– (nach) und dem lateinischen coitus (Begattung, Vereinigung).

    Von postkoitaler Müdigkeit sind in erster Linie Männer betroffen, die sich zum Leidwesen ihrer Partner gerne einfach umdrehen und zu schnarchen beginnen.

    In einem Moment postkoitalen Übermuts fragte er sie nach der Zahl seiner Vorgänger, bereute die Frage jedoch gleich darauf.

  • postfaktisch

    Das Adjektiv postfaktisch bedeutet „gefühlsmäßig“ oder „unsachlich“. Es beschreibt vor allem Aussagen, die auf Gefühlen und nicht auf Tatsachen beruhen. Das Gegenteil davon ist „faktisch“ – auf Tatsachen beruhend.

    Der Begriff wurde von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) zum Wort des Jahres 2016 gekürt.

    Postfaktisch wird durch die Ableitung des Adjektivs faktisch mit dem Präfix post- (lat. für nach, hinter) gebildet. Das Wort selbst ist eine Übersetzung des englischen Begriffs post-truth.

    Es heißt ja neuerdings, wir lebten in postfaktischen Zeiten. Das soll wohl heißen, die Menschen interessieren sich nicht mehr für Fakten, sondern folgen allein den Gefühlen.
    – Angela Merkel, Bundeskanzlerin, in einer Rede im September 2016

    Die Politikstile einiger Politiker kann man wohl als postfaktisch bezeichnen.

  • prokrastinieren

    Das Verb prokrastinieren bedeutet „aufschieben“, „vertagen“ und meint das unnötige und hinderliche Verschieben von wichtigen Aufgaben oder Vorhaben auf einen späteren Zeitpunkt.

    Es ist ausdrücklich nicht das legitime Vertagen aufgrund äußerer Umstände gemeint. Stattdessen geht es um Bequemlichkeit oder fehlenden Überblick und daraus resultierende erdrückende Komplexität der Aufgabe. Darum hat der Begriff einen entsprechend negativen Beiklang.

    Der Begriff leitet sich aus dem lateinischen procrastino (vertagen) ab, zusammengesetzt aus pro– (für) und cras (morgen), bzw. crastinum (der morgige Tag).

    Wichtige Aufgaben zu prokrastinieren ist nicht nur unter Schülern und Studenten ein beliebter Volkssport, sondern auch unter der arbeitenden Bevölkerung weit verbreitet. Selbst die Redaktion von neueswort.de macht da keine Ausnahme, weshalb das tägliche Fremdwort auch manchmal ausfällt.

    »Meine italienische Großmutter pflegte zu sagen: Manche Menschen verlassen den Strand erst, wenn ihnen das Wasser bereits an den Hintern klatscht. Und was tun wir? Wir helfen ihnen und verrücken das Handtuch für sie. Das bedeutet, dass wir es vielen erst ermöglichen zu prokrastinieren. Wir lassen sie davonkommen.«
    Joe Ferrari (2007), Psychologe an der DePaul University in Chicago.