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Puritaner

Ein Puritaner ist heute im Allgemeinen ein besonders sittentreuer Mensch. Die Bezeichnung ist oft abwertend behaftet und soll dann ausdrücken, dass die Ansichten, Sitten und Überzeugungen nicht mehr zeitgemäß, kleingeistig oder überzogen sind.

Im engeren Sinne ist ein Puritaner ein Anhänger des Puritanismus. Der Puritanismus war eine christliche Bewegung im 16. bis 18. Jahrhundert, zunächst in England und Schottland, später auch in den englischen Siedlungsgebieten in Nordamerika. Puritaner setzten sich für eine strikte christliche Lehre im Sinne des Calvinismus ein. Sie stellten die heilige Schrift in ihrem Wortlaut über sich wandelnde christliche Traditionen, speziell die der katholischen Kirche (Ablasshandel, Reliquien…).

Die Herkunft des Wortes liegt im lateinischen purus (rein, sauber, unbefleckt).

Beispiele:

[…] Alkoholverbote werden immer nur von gottgefälligen Puritanern ausgesprochen, und erst die Prohibition ließ die Mafia Weltmacht werden.
– Manfred Klimek (2013), Der Wein der Weisen, Brand Eins

In England wurde Weihnachten von 1644 bis 1660 abgeschafft, weil die Puritaner das Fest als heidnisch ansahen.
Neon

Pathos

Pathos (das) ist im Allgemeinen ein leidenschaftliches Gefühl der Feierlichkeit oder des Ergriffenseins. Speziell in der Rhetorik beschreibt Pathos einen emotionalen, meist wortgewaltigen Redestil.

Der Begriff wird oft abwertend gebraucht, um auf die übersteigerte Rührseligkeit oder Schmalzigkeit etwa einer Feier, einer Rede oder eines Films hinzuweisen.

Der Ursprung des Wortes findet sich im griechischen páthos (Leid, Leidenschaft).

Nicht selten werden Verfilmungen geschichtlicher Ereignisse mit einer gehörigen Portion Pathos ausgestattet.

Das übersteigerte Pathos in seiner Amtsantrittsrede ließ einen Teil des Publikums in frenetischen Beifall ausbrechen, während der Rest von Fremdscham erfüllt zu Boden blickte.

Der gesamte Saal war vom Pathos ergriffen. Einige Anwesende brachen sogar in Tränen des Glücks aus, in diesem – so schien es ihnen – großartigen Land wohnen zu dürfen.

pittoresk

Das Adjektiv pittoresk wird bildungssprachlich verwendet und bedeutet „malerisch“. Es wird oft für die Beschreibung von Landschaften und anderen Umgebungen gebraucht.

Pittoresk hat verschiedene Wurzeln. Grundsätzlich kommt es in diversen romanischen Sprachen vor. Man kann es vom lateinischen pictor ableiten, was Maler bedeutet. Alternativ kann man es auf das französische pittoresque oder das italienische pittoresco zurückführen.

Ich lebe wirklich in einer pittoresken kleinen Ortschaft.

Die ganze Gartenanlage ist pittoresk.

Sie hatte das Fest in der Tat pittoresk dekoriert.

Prekariat

Unter Prekariat versteht man in der Politik und Soziologie einen Bevölkerungsteil, der in Armut lebt oder von Armut bedroht ist und nur geringe Aufstiegschancen hat. Diese Situation ist vor allem durch anhaltende Arbeitslosigkeit und fehlende soziale Absicherung geprägt.

Das Substantiv wird teilweise für die sozialpolitischen nicht mehr korrekten Ausdrücke Unterklasse und Unterschicht gebraucht.

Bei dem Ausdruck handelt es sich um einen Neologismus, zusammengesetzt aus Teilen der Worte prekär und Proletariat, welcher auf das französische précariat zurückzuführen ist.

Der Fernseher war das Statussymbol der Nachkriegszeit. Wer einen hatte, war der Gunter Sachs der Trümmerfrauen. Jeff ist Sultans Trümmerfrau. Inzwischen ist der Fernseher das Statussymbol des Prekariats.
Frédéric Schwilden, Ich glotz TV: Der Hipster-Stadl, Zeit Online, 15.04.2014

„Erschreckend“, „beschämend“, „niederschmetternd“ nannten daraufhin eilige Journalisten die Studienerkenntnis, dass 6,5 Millionen Bundesbürger – acht Prozent der Gesamtbevölkerung – zu den sogenannten „neuen Unterschichten“ gehören. Im grauenhaftesten Soziologendeutsch wird diese Gruppe „Prekariat“ genannt. Das kommt von prekär. Was so viel bedeutet wie unsicher und unklar.
Wolf Lotter, Das Ideal, Brandeins, 12/2006

prekär

Das Adjektiv prekär bedeutet „schwierig“, „unsicher“, „problematisch“. So lässt sich die Lage einer Person, einer Gemeinschaft, eines Landes etc. als negativ beschreiben.

Insbesondere ist eine prekäre Lage oder Situation eine solche, die sich – wenn überhaupt – nur schwer verbessern lässt. Der zeitliche Horizont des Wortes schließt also sowohl die Gegenwart als auch die Zukunft mit ein, wobei ein gewisser Pessimismus mitschwingt und die Aussicht auf Verbesserung oder auch nur Erhaltung des Status Quo angezweifelt wird.

Den Weg ins Deutsche hat der Begriff über das französische précaire (unsicher, widerruflich) gefunden, während der Ursprung im lateinischen precarius (erbeten) liegt.

Beispiele:

Die prekäre wirtschaftliche Lage seines Unternehmens bereitete ihm schlaflose Nächte.

Die beiden Länder befinden sich in einer prekären Verhandlungssituation. Ein Ende der Gespräche ist vorerst nicht in Sicht.

Kalehe ist nicht weit von Bukavu, der Provinzhauptstadt. Wenn die Aufständischen dort den Flughafen unter ihre Kontrolle bringen, sitzen Richter und Anwälte in Shabunda fest, wo die Sicherheitslage ebenfalls prekär ist.
Böhm (2012), Die Rebellen und das Recht, DIE ZEIT, 29.11.2012 Nr. 49.

Das Spiel, Theater probeweise als Dienstleistungsjob zu verstehen, demontiert nebenbei ein paar Lebenslügen, mit denen sich Menschen in Kreativ-Berufen das Leben gern schönreden – zum Beispiel indem sie miserable Bezahlung und prekäre Lebensverhältnisse mit hübschen Vokabeln wie „Selbstverwirklichung“ rosa einfärben.
Burghart (2007), In welchem Stück bin ich hier eigentlich?, brand eins 02/2007.

prätentiös

Das Adjektiv prätentiös  bedeutet im deutschen Sprachgebrauch soviel wie „selbstgefällig“ oder auch „effekthascherisch“.

Eine Person oder ihr Verhalten wird als prätentiös bezeichnet, wenn sie sich als Experte aufspielt ohne das entsprechende Hintergrundwissen zu besitzen oder wenn sie sich selbstherrlich hervortut und wenn sie wichtigtuerisch auf andere herabblickt. So gilt beispielsweise – auch interessant im Kontext dieses Internetangebots – ein übermäßiger und unnötiger Gebrauch von Fremdwörtern als prätentiös.

Der Begriff stammt aus dem Lateinischen, wo praetendere „Anspruch erheben“ bedeutet.

Beispiele:

Bisher war sie von ihm recht angetan gewesen, doch dass er im Restaurant allerlei Änderungswünsche an seinem Gericht hervorbrachte und letztlich sogar wissen wollte, welche Sorte Balsamico-Essig – den er ‚Aceto Balsamico‘ nannte – für das Salatdressing verwendet werde, empfand sie als störend prätentiös.

Je prätentiöser der Stil einer wissenschaftlichen Arbeit, desto dünner ist meist der Inhalt.

Nichts an ihr wirkt prätentiös, nichts pompös. Sie trägt eine schlichte schwarze Jacke, als Schmuck nur eine Perlenkette, ihre dünnrandige Intellektuellenbrille wird von einem pflegeleichten Pagenschnitt umrahmt.
Thomas Kleine-Brockhoff (2007), Die Elite wird weiblich, Die Zeit, 15.02.2007.

pharisäisch

Das Adjektiv pharisäisch bedeutet abwertend „scheinheilig“ oder „heuchlerisch“. Dergestalt lassen sich Personen sowie deren Taten und Aussagen als vorgetäuscht oder oberflächlich bzw. um des Scheins willen beschreiben.

Seine Herkunft findet der Begriff im Namen der Pharisäer, einer Strömung im antiken Judentum, auftretend nach dem 2. Jhd. v.Chr. Die Pharisäer (lat. pharisaeli, die Abgesonderten) lösten den jüdischen Glauben vom Fokus auf den Tempel und konzentrierten sich stattdessen auf die Einhaltung zahlreicher, den Alltag betreffender Regeln. Die heutige Bedeutung ergibt sich aus der Darstellung der Pharisäer im Neuen Testament als oberflächlich fromm und sämtliche Regeln beachtend, in Wahrheit jedoch kaltherzig und fernab von dem, was man unter christlichen Werten versteht.

Ergebnisse sind wichtiger als pharisäischer Arbeitseifer.

Seine pharisäische Entrüstung brachte ihm mehr Kritik als Beifall.

Die Legitimität der militärischen Notwehr gegen den Irak wird von der pharisäischen Doppelzüngigkeit der beteiligten Großmächte gewiß nicht in Zweifel gezogen.
Reinhard Merkel (1991), Auf dem Schlachtfeld der Ehre, DIE ZEIT, 25.1.1991 Nr. 05.

peripher

Das Adjektiv peripher bedeutet „am Rande befindlich“ oder „nicht nennenswert“.

Bildungssprachlich bezeichnet man etwas als peripher, was an der Peripherie, d.h. an den Randgebieten liegt. Weiterhin können die äußeren Zonen des Körpers oder in der EDV an die zentrale Rechnereinheit angeschlossene Geräte als peripher bezeichnet werden.

Der Begriff entstammt dem griechischen periphérein (umhertragen).

Dieser Sachverhalt tangiert mich nur peripher.

Neben den ökonomischen Strukturen bleiben politische Strukturen in den fraglichen Regionen amorph. Politische Parteien spielen eine periphere Rolle, die politische Partizipation der Bevölkerung bleibt gering.
– Prof. Dr. Ulrich Albrecht, Peace Building after Intervention – Friedensaufbau in post-Konflikt Gesellschaften, DIE ZEIT 03/2003.

postfaktisch

Das Adjektiv postfaktisch bedeutet „gefühlsmäßig“ oder „unsachlich“. Es beschreibt vor allem Aussagen, die auf Gefühlen und nicht auf Tatsachen beruhen. Das Gegenteil davon ist „faktisch“ – auf Tatsachen beruhend.

Der Begriff wurde von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) zum Wort des Jahres 2016 gekürt.

Postfaktisch wird durch die Ableitung des Adjektivs faktisch mit dem Präfix post- (lat. für nach, hinter) gebildet. Das Wort selbst ist eine Übersetzung des englischen Begriffs post-truth.

Es heißt ja neuerdings, wir lebten in postfaktischen Zeiten. Das soll wohl heißen, die Menschen interessieren sich nicht mehr für Fakten, sondern folgen allein den Gefühlen.
– Angela Merkel, Bundeskanzlerin, in einer Rede im September 2016

Den Redestil einiger Politiker kann man wohl als postfaktisch bezeichnen.

Philister

Philister bedeutet heute abwertend „Spießbürger“ im Sinne eines kleinbürgerlich-engstirnigen Menschen.

Im Sprachgebrauch von Studentenverbindungen auch „alter Herr“, also jemand, der das Studium abgeschlossen hat und nun berufstätig ist.

Der Begriff leitet sich vom Volk der Philister ab, das im 12. Jahrhundert v. Chr. die Küste des damaligen Palästinas bewohnte. Legendär ist die biblische Geschichte vom Krieg der Israeliten gegen die Philister, währenddessen David, der zukünftige König Israels, gegen den riesigen Philisterkrieger Goliath antrat und ihn schließlich mit einer Steinschleuder besiegte.

Wie der Begriff nun zu seiner heutigen Bedeutung im deutschen Sprachgebrauch gekommen ist, ist ungewiss. Man vermutet einen ersten Gebrauch in diesem Sinne im 16. Jahrhundert, zunächst im studentischen Umfeld. Später machten die Autoren der Romantik den Philister, also den engstirnigen, kleingeistigen Spießbürger ohne besondere geistige Bedürfnisse, zu ihrem erklärten kulturellen Feindbild.

Der Philister hat keine sozialen Eigenschaften, keine Idee von den wichtigsten menschlichen Dingen. Er weiß nicht, wie es draußen in der großen Welt zugeht; aber er hat Kaprizen für allerlei Kleinigkeiten, viel Sonderbares; und er ist ein Freund des Barocken. Ist er gelehrt, so weiß er am besten Bescheid in jenen Gegenden der Wissenschaft, wo die Motten anfangen.
– Arthur Schurig (1928), Der vollkommene Spießbürger.

Das sind die Philister unserer Zeit, deren liebstes Reiseziel der eigene, von Gartenzwergen bewachte Schrebergarten mit den schnurgeraden Karottenreihen ist.