Fremdwörter mit P

  • pharisäisch

    Das Adjektiv pharisäisch bedeutet abwertend „scheinheilig“ oder „heuchlerisch“. Dergestalt lassen sich Personen sowie deren Taten und Aussagen als vorgetäuscht oder oberflächlich bzw. um des Scheins willen beschreiben.

    Seine Herkunft findet der Begriff im Namen der Pharisäer, einer Strömung im antiken Judentum, auftretend nach dem 2. Jhd. v.Chr. Die Pharisäer (lat. pharisaeli, die Abgesonderten) lösten den jüdischen Glauben vom Fokus auf den Tempel und konzentrierten sich stattdessen auf die Einhaltung zahlreicher, den Alltag betreffender Regeln. Die heutige Bedeutung ergibt sich aus der Darstellung der Pharisäer im Neuen Testament als oberflächlich fromm und sämtliche Regeln beachtend, in Wahrheit jedoch kaltherzig und fernab von dem, was man unter christlichen Werten versteht.

    Seine pharisäische Entrüstung brachte ihm mehr Kritik als Beifall.

    Die Legitimität der militärischen Notwehr gegen den Irak wird von der pharisäischen Doppelzüngigkeit der beteiligten Großmächte gewiß nicht in Zweifel gezogen.
    Reinhard Merkel (1991), Auf dem Schlachtfeld der Ehre, DIE ZEIT, 25.1.1991 Nr. 05.

  • phlegmatisch

    Das Adjektiv phlegmatisch bedeutet „träge“ oder „behäbig“. So lassen sich Personen von ruhigem, gleichgültigem, nicht affektivem Naturell beschreiben. Jemanden als phlegmatisch bzw. als Phlegmatiker zu bezeichnen hat jedoch oft einen abwertenden Beiklang.

    Seinen Ursprung hat der Begriff im griechischen phlégma. Hippokrates (um 400 v. Chr.), maßgeblicher Vordenker der wissenschaftlichen Medizin, bezeichnete damit einen entzündlichen, zähen Schleim im Körper. Nach seiner Viersäftelehre, die Krankheiten mit einem Ungleichgewicht der Körpersäfte erklärt, war eben dieser Schleim verantwortlich für Trägheit und Schwerfälligkeit.

    Sie ist viel zu phlegmatisch. Ihr Studium wird sie vielleicht noch schaffen, aber wie soll sie sich danach jeden Morgen aufraffen und etwas aus ihrem Leben machen?

    Die Ostertage verbrachte er – geradezu phlegmatisch – mit einem Buch in der Hand in der Hängematte. Tagelang dachte er nicht daran, das Fremdwort des Tages zu veröffentlichen.

    Phlegmatischen Menschen kann man ihre Trägheit vorwerfen, wie es schon Aristoteles tat. Jedoch kann ihre behäbige, unaufgeregte Art in manchen Situationen auch einen willkommenen Ruhepol darstellen.

  • Pathos

    Das Substantiv Pathos beschreibt im Allgemeinen ein leidenschaftliches Gefühl der Feierlichkeit oder des Ergriffenseins. Speziell in der Rhetorik meint es einen emotionalen, meist wortgewaltigen Appell an das Publikum.

    Der Begriff wird oft abwertend gebraucht, um auf die übersteigerte Rührseligkeit oder Schmalzigkeit etwa einer Feier, einer Rede oder eines Films hinzuweisen.

    Der Ursprung des Wortes findet sich im griechischen páthos (Leid, Leidenschaft).

    Nicht selten werden Verfilmungen geschichtlicher Ereignisse mit einer gehörigen Portion Pathos ausgestattet.

    Der übersteigerte Pathos in seiner Amtsantrittsrede ließ einen Teil des Publikums in frenetischen Beifall ausbrechen, während der Rest von Fremdscham erfüllt zu Boden blickte.

    Der gesamte Saal war vom Pathos ergriffen. Einige Anwesende brachen sogar in Tränen des Glücks aus, in diesem – so schien es ihnen – großartigen Land wohnen zu dürfen.

  • Promiskuität

    Promiskuität (die) bedeutet „sexuelle Freizügigkeit“ im Sinne häufig wechselnder Sexualpartner oder mehrerer Sexualpartner gleichzeitig.

    Ursprung des Begriffs ist das lateinische promiscuus (gemischt).

    Promiskuität ist unter Studenten angeblich weit verbreitet.

    Die technologischen Möglichkeiten des Internets und unsere schlummernde Promiskuität wirken zusammen wie ein Brandbeschleuniger. Und bestätigen all jene, die das Netz schon immer vor allem für ein Medium der sexuellen Kontaktaufnahme gehalten haben.
    – Ijoma Mangold (2013), Eine Welt ohne Flirt, DIE ZEIT, 7.2.2013 Nr. 07.

  • postkoital

    Das Adjektiv postkoital bedeutet „nach dem Geschlechtsverkehr“, beschreibt also in erster Linie Handlungen und Sachverhalte als zeitlich unmittelbar nach dem Liebesakt stattfindend.

    Es setzt sich zusammen aus der lateinischen Vorsilbe post– (nach) und dem lateinischen coitus (Begattung, Vereinigung).

    Von postkoitaler Müdigkeit sind in erster Linie Männer betroffen, die sich zum Leidwesen ihrer Partner gerne einfach umdrehen und zu schnarchen beginnen.

    In einem Moment postkoitalen Übermuts fragte er sie nach der Zahl seiner Vorgänger, bereute die Frage jedoch gleich darauf.

  • postfaktisch

    Das Adjektiv postfaktisch bedeutet „gefühlsmäßig“ oder „unsachlich“. Es beschreibt vor allem Aussagen, die auf Gefühlen und nicht auf Tatsachen beruhen. Das Gegenteil davon ist „faktisch“ – auf Tatsachen beruhend.

    Der Begriff wurde von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) zum Wort des Jahres 2016 gekürt.

    Postfaktisch wird durch die Ableitung des Adjektivs faktisch mit dem Präfix post- (lat. für nach, hinter) gebildet. Das Wort selbst ist eine Übersetzung des englischen Begriffs post-truth.

    Es heißt ja neuerdings, wir lebten in postfaktischen Zeiten. Das soll wohl heißen, die Menschen interessieren sich nicht mehr für Fakten, sondern folgen allein den Gefühlen.
    – Angela Merkel, Bundeskanzlerin, in einer Rede im September 2016

    Die Politikstile einiger Politiker kann man wohl als postfaktisch bezeichnen.

  • prokrastinieren

    Das Verb prokrastinieren bedeutet „aufschieben“, „vertagen“ und meint das unnötige und hinderliche Verschieben von wichtigen Aufgaben oder Vorhaben auf einen späteren Zeitpunkt.

    Es ist ausdrücklich nicht das legitime Vertagen aufgrund äußerer Umstände gemeint. Stattdessen geht es um Bequemlichkeit oder fehlenden Überblick und daraus resultierende erdrückende Komplexität der Aufgabe. Darum hat der Begriff einen entsprechend negativen Beiklang.

    Der Begriff leitet sich aus dem lateinischen procrastino (vertagen) ab, zusammengesetzt aus pro– (für) und cras (morgen), bzw. crastinum (der morgige Tag).

    Wichtige Aufgaben zu prokrastinieren ist nicht nur unter Schülern und Studenten ein beliebter Volkssport, sondern auch unter der arbeitenden Bevölkerung weit verbreitet. Selbst die Redaktion von neueswort.de macht da keine Ausnahme, weshalb das tägliche Fremdwort auch manchmal ausfällt.

    »Meine italienische Großmutter pflegte zu sagen: Manche Menschen verlassen den Strand erst, wenn ihnen das Wasser bereits an den Hintern klatscht. Und was tun wir? Wir helfen ihnen und verrücken das Handtuch für sie. Das bedeutet, dass wir es vielen erst ermöglichen zu prokrastinieren. Wir lassen sie davonkommen.«
    Joe Ferrari (2007), Psychologe an der DePaul University in Chicago.

  • Prekariat

    Unter Prekariat versteht man im Bereich der Politik und Soziologie einen Bevölkerungsteil, der in Armut lebt oder von Armut bedroht ist und nur geringe Aufstiegschancen hat. Diese Situation ist vor allem durch anhaltende Arbeitslosigkeit und fehlende soziale Absicherung geprägt.

    Das Substantiv wird teilweise für die sozialpolitischen nicht mehr korrekten Ausdrücke Unterklasse und Unterschicht gebraucht.

    Bei dem Ausdruck handelt es sich um einen Neologismus, zusammengesetzt aus Teilen der Worte prekär und Proletariat, welcher auf das französische précariat zurückzuführen ist.

    Der Fernseher war das Statussymbol der Nachkriegszeit. Wer einen hatte, war der Gunter Sachs der Trümmerfrauen. Jeff ist Sultans Trümmerfrau. Inzwischen ist der Fernseher das Statussymbol des Prekariats.
    Frédéric Schwilden, Ich glotz TV: Der Hipster-Stadl, Zeit Online, 15.04.2014

    „Erschreckend“, „beschämend“, „niederschmetternd“ nannten daraufhin eilige Journalisten die Studienerkenntnis, dass 6,5 Millionen Bundesbürger – acht Prozent der Gesamtbevölkerung – zu den sogenannten „neuen Unterschichten“ gehören. Im grauenhaftesten Soziologendeutsch wird diese Gruppe „Prekariat“ genannt. Das kommt von prekär. Was so viel bedeutet wie unsicher und unklar.
    Wolf Lotter, Das Ideal, Brandeins, 12/2006

  • prätentiös

    Das Adjektiv prätentiös  bedeutet im deutschen Sprachgebrauch soviel wie „selbstgefällig“ oder auch „effekthascherisch“.

    Eine Person oder ihr Verhalten wird als prätentiös bezeichnet, wenn sie sich als Experte aufspielt ohne das entsprechende Hintergrundwissen zu besitzen oder wenn sie sich selbstherrlich hervortut und wenn sie wichtigtuerisch auf andere herabblickt. So gilt beispielsweise – auch interessant im Kontext dieses Internetangebots – ein übermäßiger und unnötiger Gebrauch von Fremdwörtern als prätentiös.

    Der Begriff stammt aus dem Lateinischen, wo praetendere „Anspruch erheben“ bedeutet.

    Bisher war sie von ihm recht angetan gewesen, doch dass er im Restaurant allerlei Änderungswünsche an seinem Gericht hervorbrachte und letztlich sogar wissen wollte, welche Sorte Balsamico-Essig – den er ‚Aceto Balsamico‘ nannte – für das Salatdressing verwendet werde, empfand sie als störend prätentiös.

    Je prätentiöser der Stil einer wissenschaftlichen Arbeit, desto dünner ist meist der Inhalt.

    Drinnen tritt sie ans Rednerpult, eine zarte, zerbrechlich erscheinende Frau von 59 Jahren. Nichts an ihr wirkt prätentiös, nichts pompös. Sie trägt eine schlichte schwarze Jacke, als Schmuck nur eine Perlenkette, ihre dünnrandige Intellektuellenbrille wird von einem pflegeleichten Pagenschnitt umrahmt.
    Thomas Kleine-Brockhoff (2007), Die Elite wird weiblich, Die Zeit, 15.02.2007.

  • polarisieren

    Das Verb polarisieren bedeutet bildungssprachlich „Gegensätze schaffen“, „trennen“.

    Es bezieht sich in erster Linie auf das Trennen von einer Gruppe (etwa der Bevölkerung eines Landes) in verschiedene Lager mit gegensätzlichen Ansichten. Ursachen für eine solche Trennung kommen zahlreiche in Frage, etwa anstehende politische oder wirtschaftliche Entscheidungen, Wahlen, Personen des öffentlichen Lebens, alle Arten von Kunst etc.

    Ursprung des Begriffs ist das griechische Substantiv pólos (Erdachse, Himmelsgewölbe).

    Trump polarisiert. Während er von seinen Anhängern frenetisch gefeiert wird, blickt der Rest der Welt den nächsten Jahren mit Unbehagen entgegen.

    Während einige Politiker eine gemäßigte Vorgehensweise vorziehen und stets den Mittelweg suchen, polarisiert er wo es nur geht, um sich die unbedingte Unterstützung des einen Teils der Bevölkerung zu sichern, selbst wenn eine Minderheit ihn dafür hasst.

    Manche Krisen polarisieren, andere vereinen ein Land, in dem die Bevölkerung ein gemeinsames Problem und damit ein gemeinsames Ziel hat.

    Ihr neues Album wirkte überraschend polarisierend und spaltete ihre Anhängerschaft in zwei Lager.