Fremdwörter mit P

  • Promiskuität

    Promiskuität (die) bedeutet „sexuelle Freizügigkeit“ im Sinne häufig wechselnder Sexualpartner oder mehrerer Sexualpartner gleichzeitig.

    Ursprung des Begriffs ist das lateinische promiscuus (gemischt).

    Promiskuität ist unter Studenten angeblich weit verbreitet.

    Die technologischen Möglichkeiten des Internets und unsere schlummernde Promiskuität wirken zusammen wie ein Brandbeschleuniger. Und bestätigen all jene, die das Netz schon immer vor allem für ein Medium der sexuellen Kontaktaufnahme gehalten haben.
    – Ijoma Mangold (2013), Eine Welt ohne Flirt, DIE ZEIT, 7.2.2013 Nr. 07.

  • postkoital

    Das Adjektiv postkoital bedeutet „nach dem Geschlechtsverkehr“, beschreibt also in erster Linie Handlungen und Sachverhalte als zeitlich unmittelbar nach dem Liebesakt stattfindend.

    Es setzt sich zusammen aus der lateinischen Vorsilbe post– (nach) und dem lateinischen coitus (Begattung, Vereinigung).

    Von postkoitaler Müdigkeit sind in erster Linie Männer betroffen, die sich zum Leidwesen ihrer Partner gerne einfach umdrehen und zu schnarchen beginnen.

    In einem Moment postkoitalen Übermuts fragte er sie nach der Zahl seiner Vorgänger, bereute die Frage jedoch gleich darauf.

  • postfaktisch

    Das Adjektiv postfaktisch bedeutet „gefühlsmäßig“ oder „unsachlich“. Es beschreibt vor allem Aussagen, die auf Gefühlen und nicht auf Tatsachen beruhen. Das Gegenteil davon ist „faktisch“ – auf Tatsachen beruhend.

    Der Begriff wurde von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) zum Wort des Jahres 2016 gekürt.

    Postfaktisch wird durch die Ableitung des Adjektivs faktisch mit dem Präfix post- (lat. für nach, hinter) gebildet. Das Wort selbst ist eine Übersetzung des englischen Begriffs post-truth.

    Es heißt ja neuerdings, wir lebten in postfaktischen Zeiten. Das soll wohl heißen, die Menschen interessieren sich nicht mehr für Fakten, sondern folgen allein den Gefühlen.
    – Angela Merkel, Bundeskanzlerin, in einer Rede im September 2016

    Die Politikstile einiger Politiker kann man wohl als postfaktisch bezeichnen.

  • prokrastinieren

    Das Verb prokrastinieren bedeutet „aufschieben“, „vertagen“ und meint das unnötige und hinderliche Verschieben von wichtigen Aufgaben oder Vorhaben auf einen späteren Zeitpunkt.

    Es ist ausdrücklich nicht das legitime Vertagen aufgrund äußerer Umstände gemeint. Stattdessen geht es um Bequemlichkeit oder fehlenden Überblick und daraus resultierende erdrückende Komplexität der Aufgabe. Darum hat der Begriff einen entsprechend negativen Beiklang.

    Der Begriff leitet sich aus dem lateinischen procrastino (vertagen) ab, zusammengesetzt aus pro– (für) und cras (morgen), bzw. crastinum (der morgige Tag).

    Wichtige Aufgaben zu prokrastinieren ist nicht nur unter Schülern und Studenten ein beliebter Volkssport, sondern auch unter der arbeitenden Bevölkerung weit verbreitet. Selbst die Redaktion von neueswort.de macht da keine Ausnahme, weshalb das tägliche Fremdwort auch manchmal ausfällt.

    »Meine italienische Großmutter pflegte zu sagen: Manche Menschen verlassen den Strand erst, wenn ihnen das Wasser bereits an den Hintern klatscht. Und was tun wir? Wir helfen ihnen und verrücken das Handtuch für sie. Das bedeutet, dass wir es vielen erst ermöglichen zu prokrastinieren. Wir lassen sie davonkommen.«
    Joe Ferrari (2007), Psychologe an der DePaul University in Chicago.

  • Prekariat

    Unter Prekariat versteht man im Bereich der Politik und Soziologie einen Bevölkerungsteil, der in Armut lebt oder von Armut bedroht ist und nur geringe Aufstiegschancen hat. Diese Situation ist vor allem durch anhaltende Arbeitslosigkeit und fehlende soziale Absicherung geprägt.

    Das Substantiv wird teilweise für die sozialpolitischen nicht mehr korrekten Ausdrücke Unterklasse und Unterschicht gebraucht.

    Bei dem Ausdruck handelt es sich um einen Neologismus, zusammengesetzt aus Teilen der Worte prekär und Proletariat, welcher auf das französische précariat zurückzuführen ist.

    Der Fernseher war das Statussymbol der Nachkriegszeit. Wer einen hatte, war der Gunter Sachs der Trümmerfrauen. Jeff ist Sultans Trümmerfrau. Inzwischen ist der Fernseher das Statussymbol des Prekariats.
    Frédéric Schwilden, Ich glotz TV: Der Hipster-Stadl, Zeit Online, 15.04.2014

    „Erschreckend“, „beschämend“, „niederschmetternd“ nannten daraufhin eilige Journalisten die Studienerkenntnis, dass 6,5 Millionen Bundesbürger – acht Prozent der Gesamtbevölkerung – zu den sogenannten „neuen Unterschichten“ gehören. Im grauenhaftesten Soziologendeutsch wird diese Gruppe „Prekariat“ genannt. Das kommt von prekär. Was so viel bedeutet wie unsicher und unklar.
    Wolf Lotter, Das Ideal, Brandeins, 12/2006

  • prätentiös

    Das Adjektiv prätentiös  bedeutet im deutschen Sprachgebrauch soviel wie „selbstgefällig“ oder auch „effekthascherisch“.

    Eine Person oder ihr Verhalten wird als prätentiös bezeichnet, wenn sie sich als Experte aufspielt ohne das entsprechende Hintergrundwissen zu besitzen oder wenn sie sich selbstherrlich hervortut und wenn sie wichtigtuerisch auf andere herabblickt. So gilt beispielsweise – auch interessant im Kontext dieses Internetangebots – ein übermäßiger und unnötiger Gebrauch von Fremdwörtern als prätentiös.

    Der Begriff stammt aus dem Lateinischen, wo praetendere „Anspruch erheben“ bedeutet.

    Bisher war sie von ihm recht angetan gewesen, doch dass er im Restaurant allerlei Änderungswünsche an seinem Gericht hervorbrachte und letztlich sogar wissen wollte, welche Sorte Balsamico-Essig – den er ‚Aceto Balsamico‘ nannte – für das Salatdressing verwendet werde, empfand sie als störend prätentiös.

    Je prätentiöser der Stil einer wissenschaftlichen Arbeit, desto dünner ist meist der Inhalt.

    Drinnen tritt sie ans Rednerpult, eine zarte, zerbrechlich erscheinende Frau von 59 Jahren. Nichts an ihr wirkt prätentiös, nichts pompös. Sie trägt eine schlichte schwarze Jacke, als Schmuck nur eine Perlenkette, ihre dünnrandige Intellektuellenbrille wird von einem pflegeleichten Pagenschnitt umrahmt.
    Thomas Kleine-Brockhoff (2007), Die Elite wird weiblich, Die Zeit, 15.02.2007.

  • polarisieren

    Das Verb polarisieren bedeutet bildungssprachlich „Gegensätze schaffen“, „trennen“.

    Es bezieht sich in erster Linie auf das Trennen von einer Gruppe (etwa der Bevölkerung eines Landes) in verschiedene Lager mit gegensätzlichen Ansichten. Ursachen für eine solche Trennung kommen zahlreiche in Frage, etwa anstehende politische oder wirtschaftliche Entscheidungen, Wahlen, Personen des öffentlichen Lebens, alle Arten von Kunst etc.

    Ursprung des Begriffs ist das griechische Substantiv pólos (Erdachse, Himmelsgewölbe).

    Trump polarisiert. Während er von seinen Anhängern frenetisch gefeiert wird, blickt der Rest der Welt den nächsten Jahren mit Unbehagen entgegen.

    Während einige Politiker eine gemäßigte Vorgehensweise vorziehen und stets den Mittelweg suchen, polarisiert er wo es nur geht, um sich die unbedingte Unterstützung des einen Teils der Bevölkerung zu sichern, selbst wenn eine Minderheit ihn dafür hasst.

    Manche Krisen polarisieren, andere vereinen ein Land, in dem die Bevölkerung ein gemeinsames Problem und damit ein gemeinsames Ziel hat.

    Ihr neues Album wirkte überraschend polarisierend und spaltete ihre Anhängerschaft in zwei Lager.

  • promisk

    Das bildungssprachliche Adjektiv promisk (auch „promiskuitiv“) bedeutet „sexuell freizügig“ oder „offenherzig“.

    Der Eigenschaft zufolge besteht kein Interesse an langfristigen Bindungen, sondern an „Promiskuität„, dem Geschlechtsverkehr mit relativ häufig wechselnden Partnern oder auch parallel mit mehreren Partnern.

    Im Tierreich versteht man unter promisk, dass sich Weibchen und Männchen in einer Saison mit mehr als einem Geschlechtspartner paaren.

    Das Adjektiv ist zurückzuführen auf das lateinische promiscuus (gemischt) und promiscēre (vorher mischen).

    Nach einer jahrelangen Beziehung genießt er sein neues, promiskes Leben ohne jegliche Verpflichtungen. Dass manche Leute ihn nun spöttisch als „Callboy“ oder „Gigolo“ bezeichnen, nimmt er mit Humor.

    Wir lernen, dass Graubären Allesfresser sind, sich aber im Yellowstone-Park wegen der vielen leicht zu erbeutenden Tiere überwiegend von Fleisch ernähren. Sie sind Einzelgänger und promisk, ein Wurf kann verschiedene Väter haben. Sie verschlafen den Winter und fressen sich vorher eine dicke Fettschicht an.
    Martin Klingst, Er ist wieder da, DIE ZEIT Nº 36/2014

    Früher dachte ich: Ich bin für immer promisk. Jetzt lebe ich total monogam. Ich verurteile weder das eine noch das andere. Aber ich bin froh, dass ich es in dieser Reihenfolge gemacht habe, nicht umgekehrt.
    Peter Plate, „Ich war 20 Jahre lang der Onkel von Rosenstolz“, ZEITmagazin Nº 16/2013

  • Parvenü

    Der Parvenü ist ein „Aufsteiger“, „Emporkömmling“ oder „Neureicher“.

    Als einen Parvenü bezeichnet man jemanden, der aus einfachen Verhältnissen heraus zu Reichtum gelangt ist. Als der Begriff im 18. und 19. Jahrhundert aufkam, fehlten einem solchen Emporkömmling in der Regel die Kultiviertheit und der Bildungsstand einer Person, die in eine wohlhabenden Familie geboren wurde. „Parvenü“ hatte also eine leicht abwertende Konnotation, die sich bis heute gehalten hat.

    Der deutsche Begriff stammt vom gleichbedeutenden französischen Begriff parvenu ab, substantiviert aus parvenir (emporkommen).

    Es ist einer dieser Clubs, wo die Parvenüs der Neuzeit sich selbst feiern. Nicht selten sieht man gerade diejenigen, die sich in den frühen Abendstunden noch Champagnerflaschen an den Tisch bestellten, später mit freiem Oberkörper auf Podesten tanzen.

    Anka Muhlstein verweist hier zu Recht auf das strukturelle Problem von Napoleons Herrschaft. Als Parvenü unter Europas Monarchen war er zum Erfolg verdammt. Ein Stehenbleiben, gar ein Rückzug wäre einer Niederlage gleichgekommen und hätte dem Nimbus seiner Unfehlbarkeit einen schweren Schlag versetzt.
    – Volker Ullrich (2008), Moskau war sein Schicksal, Die Zeit, 24.01.2008 Nr. 05.

  • profan

    Das Adjektiv profan bedeutet „weltlich“, „alltäglich“ oder „gewöhnlich“, in Abgrenzung zum Göttlichen bzw. Gott Dienenden.

    Heute können nicht nur weltliche (d.h. nicht kirchliche) Dinge als profan bezeichnet werden, sondern allgemein auch alles Durchschnittliche, alles was nicht heraussticht, normal und gewöhnlich ist.

    Der Begriff stammt vom lateinischen profanus (ungeheiligt, gewöhnlich) ab. Ein fanum ist ein Tempel oder ein anderer heiliger Ort, die Vorsilbe pro- bedeutet „anstelle von“ oder „vor“. Profanus meinte also wörtlich „außerhalb des Tempels“ oder „vor dem Tempel“.

    Der Wunderheiler materialisierte sich nicht plötzlich – wie erhofft – in einer dichten Nebelwolke inmitten des Raumes, sondern kam ganz profan mit dem Opel Corsa daher.

    Unserer Bekannten schwant, dass sie mit Kreuzfahrtroutiniers unterwegs ist. Und dass sie die Klopapierrolle in ihrer Handtasche, gedacht als Luftschlange beim großen Abschied, einem profaneren Zweck zuführen muss.
    Karin Ceballos Betancur (2009), »Früher war mehr Messing«, DIE ZEIT, 18.06.2009 Nr. 26.

    Er sagte das wichtige Treffen ab, um sich stattdessen profaneren Dingen zuzuwenden. Das Bad putzte sich schließlich nicht von allein.