• Pathos

    Das Substantiv Pathos beschreibt im Allgemeinen ein leidenschaftliches Gefühl der Feierlichkeit oder des Ergriffenseins. Speziell in der Rhetorik meint es einen emotionalen, meist wortgewaltigen Appell an das Publikum.

    Der Begriff wird oft abwertend gebraucht, um auf die übersteigerte Rührseligkeit oder Schmalzigkeit etwa einer Feier, einer Rede oder eines Films hinzuweisen.

    Der Ursprung des Wortes findet sich im griechischen páthos (Leid, Leidenschaft).

    Nicht selten werden Verfilmungen geschichtlicher Ereignisse mit einer gehörigen Portion Pathos ausgestattet.

    Der übersteigerte Pathos in seiner Amtsantrittsrede ließ einen Teil des Publikums in frenetischen Beifall ausbrechen, während der Rest von Fremdscham erfüllt zu Boden blickte.

    Der gesamte Saal war vom Pathos ergriffen. Einige Anwesende brachen sogar in Tränen des Glücks aus, in diesem – so schien es ihnen – großartigen Land wohnen zu dürfen.

  • kolportieren

    Das schwache Verb kolportieren bedeutet „Gerüchte verbreiten“, meint also das Weiterverbreiten unwahrer oder ungesicherter Behauptungen und Halbwahrheiten.

    Herkunft des Fremdwortes ist das französische Kolportage, also der Hausierhandel. Vertrieben wurde dabei mit besonderem Vorzug minderwertige Literatur.

    Die Regenbogenpresse kolportierte ungeniert Details aus seinem Privatleben.

    Es wird derzeit dezent kolportiert, dass die Wahlergebnisse nicht auf rechtmäßigem Wege zustande gekommen seien.

    Die Ehre ihres Besuches hatte sein Ansehen noch gemehrt, allenthalben wurde dieses Ereignis kolportiert und endlos erörtert. Und wie immer in solchen Fällen fantasievoll ausgeschmückt.
    Wolfgang Müller (2012), Lebensgeschichte, ZEITmagazin, 16.5.2012 Nr. 21.

  • autark

    Das Adjektiv autark bedeutet „auf niemandes Weisung oder Unterstützung angewiesen“.

    Es kann etwa Personen, Organisationen, Abteilungen in Unternehmen etc. beschreiben, die eigenverantwortlich und selbstbestimmt handeln können. Speziell bei Regionen und Ländern tritt der Aspekt wirtschaftlicher Unabhängigkeit in den Vordergrund.

    Ursprung des Begriffs ist das griechische autárkēs (sich selbst genügend).

    Er war in seinem Denken und Handeln völlig autark.

    Bezüglich der Verhandlungen mit neuen Geschäftspartnern in Asien konnte sie ganz autark agieren und musste nicht jeden Schritt einzeln mit ihrem Vorgesetzten abstimmen.

    Der Staat ist wirtschaftlich weitestgehend autark und hat – mit Ausnahme von Erdöl – den Import jeglicher Produkte unterbunden.

  • biblioman

    Das Adjektiv biblioman ist ein Begriff der Psychologie und bedeutet „krankhaft bücherliebend“.

    Die Liebe zu Büchern ist bei den betroffenen Personen so stark ausgeprägt, dass Kennzeichen einer Sucht erkennbar sind oder sie sogar zu kriminellen Handlungen getrieben werden. So wiesen vor allem Angehörige des Klerus und Adels im 18. und 19. Jahrhundert bibliomane Züge auf. Der Pfarrer Johann Georg Tinius gilt als erster bekannter Bibliomane in Deutschland. Er verübte während des 19. Jahrhunderts mehrere Raubmordversuche und veruntreute Kirchengelder, um seinen Sammelwahn zu finanzieren.

    Der Ausdruck biblioman stammt aus dem Griechischen und ist zurückzuführen auf die Substantive biblion (Buch) und mania (Wahn).

    Dass nicht nur die Regale, sondern auch sämtliche Sitzgelegenheiten und Tische mit Büchern vollgestapelt sind, lässt auf bibliomane Bewohner schließen.

    Du magst mich für biblioman halten. Ich selbst empfinde mich als bibliophil und bestens belesen.

    Viele Gleichaltrige machen sich über die 15 jährige, bibliomane Schülerin lustig und sprechen sie nur noch mit „Leseratte“ an. Für die Mitschüler ist es unbegreiflich, warum sie ihre geliebten Bücher den generationsprägenden Partys, Youtube-Channels und Facebook-Chats vorzieht.

    Nach Erkenntnis der Medizin können Bücher krank machen. Die Sucht erzeugen, Buchrücken um sich zu haben. Das einchlägige Lexikon „Literatur und Medizin“ nennt als Symptome für „die bibliomanische Suchterkrankung“ : Verlust der rationalen Kontrolle über die benötigte und realistisch nutzbare Menge an Büchern. Verzicht auf Nahrungsaufnahme und Schlaf. Beschaffungskriminalität.
    Lucas Wiegelmann, Wie Michael F. der Begierde nach 24.000 Büchern erlag, Die Welt, 06.03.2012

  • subversiv

    Das Adjektiv subversiv bedeutet „umstürzlerisch“ und beschreibt Tätigkeiten, die erstens auf den Umsturz oder die Änderung der vorherrschenden (staatlichen) Ordnung abzielen und zweitens oft im Verborgenen betrieben werden. Auch die diese Tätigkeiten ausführenden Personen oder Organisationen können als subversiv bezeichnet werden.

    Das Wort ist aus dem gleichbedeutenden englischen subversive entlehnt, welches sich aus dem lateinischen subvertere (umstürzen) ableitet.

    Was die Musik der Band besonders interessant macht, sind die subversiven Botschaften, die sich immer wieder zwischen den Zeilen der sommerlich leichtverdaulichen Texte herauslesen lassen.

    Die Pläne der subversiven Vereinigung konnten glücklicherweise rechtzeitig aufgedeckt werden.

    Guerilla Gardening bezeichnet die oft illegale, jedenfalls subversive Kultivierung städtischer Flächen – Blumen auf zwar offiziell angelegten, aber vergessenen Beeten, Salat auf Verkehrsinseln, Schmetterlingswiesen statt Fußballrasen im Stadtpark oder Kakteen auf Lücken im Straßenpflaster.
    Volker Schmidt (2011), Die Netzgärtner, ZEIT online.

  • Demagoge

    Ein Demagoge ist ein Volksaufhetzer, eine Person also, die mittels öffentlicher Rede eine Menschenmasse politisch oder ideologisch aufwiegelt. Zu den rhetorischen Mitteln des Demagogen gehören dabei Übertreibungen, Verzerrungen und Vereinfachungen der Wahrheit, Verallgemeinerungen und teils auch schlichte Lügen.

    Der Begriff entstammt dem griechischen demagogos (Führer des Volkes). Im alten Griechenland war er weitestgehend positiv besetzt, ein Demagoge war damals ein angesehener Redner. In dieser positiven Bedeutung wurde der Ausdruck in der deutschen Sprache bis in die Neuzeit verwandt. Parallel dazu entwickelte sich die hier beschriebene, mittlerweile ausschließlich gültige negative Besetzung des Begriffs.

    Der geschickte Demagoge hat mittlerweile eine treue Schar Anhänger hinter sich versammelt, die jede seiner hetzerischen Reden mit begeistertem Beifall feiert.

    In Marikana aber schlägt die Stunde der übelsten Demagogen. Julius Malema, ein aus der Regierungspartei verbannter Volkstribun, nutzt Wut und Trauer der Streikenden für seinen Rachefeldzug gegen den Präsidenten.
    Bartholomäus Grill (2012), Die Stunde der Demagogen, DIE ZEIT, 23.8.2012 Nr. 35.

  • Marginalie

    Marginalien (die) sind an den Rand von Buchseiten gedruckte (oder per Hand geschriebene) Anmerkung, Hinweise, Notizen etc., die außerhalb des eigentliches Textes stehen und etwa zusätzliche Informationen zum besseren Textverständnis liefern.

    Im allgemeinen Sprachgebrauch kommt der Begriff häufiger im übertragenen Sinne vor und beschreibt eine Belanglosigkeit, also einen Vorgang oder eine Angelegenheit von nur nebensächlicher Bedeutung.

    Ursprung des Ausdrucks ist das lateinische margo (Grenze, Buchrand).

    Das klang für mich nach einer Marginalie, der ich keine weitere Bedeutung zumaß. Ich wusste nicht, dass dir die Angelegenheit so wichtig ist.

    Die Empörung jetzt mag noch so groß sein, historisch betrachtet ist der Vorgang eine Marginalie.

    An dem Lehrbuch schätze ich besonders die hilfreichen Marginalien, die Fachwörter erklären und Hintergrundwissen liefern.

  • trivial

    Das Adjektiv trivial bedeutet „unbedeutend“, „alltäglich“ oder „gewöhnlich“.

    Als trivial werden Dinge, Sachverhalte oder Informationen bezeichnet, die nichts Besonders, nichts Außergewöhnliches sind, also alltäglich.

    Die Herkunft des Begriffs liegt im lateinischen trivialis (allgemein bekannt).

    Das ist eine ganz triviale Angelegenheit und muss nicht weiter erklärt werden.

    Einige dieser Fremdwörter kenne ich noch nicht, andere sind so trivial, dass ich sie gar nicht als Fremdwörter wahrgenommen habe.

    Mit solchen trivialen Erkenntnissen kann man kaum mehr jemanden beeindrucken.

    Daraus folgt zunächst einmal, dass man nicht umhin kommt, neben den wichtigen sozio-ökonomischen Faktoren auch die kulturellen und religiösen in Rechnung zu stellen. Warum auch nicht? Überall auf der Welt werden Menschen auch dadurch geformt. Deutschland und Europa bilden da keine Ausnahme. Viele Menschen, die sich politisch korrekt verhalten wollen, können diesen an sich trivialen Gedanken nicht nachvollziehen.
    Martin Schönberg (2009), Lauter Denkverbote, ZEIT online 13.05.2009.

  • Säkularisierung

    Die Säkularisierung ist die Lösung einer Sache, einer Person oder einer Gruppe aus religiöser beziehungsweise kirchlicher Gebundenheit.

    Weiterhin kann das Wort analog zu Säkularisation gebraucht werden, also das Aneignen oder Nutzen kirchlichen Besitzes durch weltliche Kräfte meinen.

    Ursprung des Wortes ist das lateinische saecularis, welches zunächst „zu einem Jahrhundert gehörig“ und spätlateinisch „weltlich (gesinnt)“ bedeutete.

    Die Säkularisierung kirchlicher Grundstücke ist bereits weit fortgeschritten.

    Atatürks politisches Erbe ist nicht zuletzt die weitreichende Säkularisierung der Türkei.

    Viele ehemals religiöse Feiertage, allen voran Weihnachten, haben eine Säkularisierung erfahren und sind zu kommerziellen Schlachtfesten verkommen.

  • urban

    Das Adjektiv urban bedeutet im engeren Sinne „städtisch“, „zur Stadt gehörend“ oder „für das städtische Leben charakteristisch“.

    Weiterhin können Personen oder deren Auftreten als urban beschrieben werden. In diesem Sinne bedeutet urban „gebildet“ oder „weltgewandt“.

    Der Begriff ist auf das lateinische urbanus (zur Stadt gehörend) zurückzuführen.

    Urbane Rohstoffressourcen werden in der Zukunft eine große Rolle spielen, denn die Vorräte in den Minen der wichtigsten Rohstoffe werden sukzessive  weniger. So geht man davon aus, dass auf Deponien und in urbanen Strukturen bereits mehr Kupfer enthalten ist, als in allen bekannten Kupferreserven.

    Er flanierte über die Meile und unterstrich durch ein abgehobenes und internationales Designer-Outfit sein urbanes Wesen.

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