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Boykott

Das Substantiv Boykott hat zwei Bedeutungen:

  1. Die politische und soziale Ächtung oder der Ausschluss von politischen, wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen einer Person, einer Gruppe, einer Firma oder eines Landes.
  2. Die Verweigerung oder Nichtbeachtung von Befehlen.

Häufig wird das Wort Boykott auch in folgender charakteristischen Wortkombination „zum Boykott aufrufen“ verwendet.

Der Begriff kommt aus dem Englischen von boycott, nach dem britischen Hauptmann und Gutsverwalter Ch. C. Boykott, der sich in Irland durch Arroganz und Strenge so verhasst machte, dass ihm die Arbeiter wegliefen, Geschäftsverbindungen mit ihm aufgegeben und persönliche Beziehungen zu ihm abgebrochen wurden.

Auf Missbrauchsvorwürfe gegen Schauspieler reagiert Hollywood immer öfter mit einem totalen Boykott. Selbst beispiellose Karrieren haben so schon ein schnelles Ende gefunden.

Die Boykottwelle hat das Unternehmen an den Rand der Insolvenz gebracht.

Weil sich die Bundesrepublik nicht am Golf-Krieg beteiligte, wurde zum Boykott deutscher Waren aufgerufen.
Brandeins, 08/2010

ubiquitär

Das Adjektiv ubiquitär bedeutet „allgegenwärtig“ oder „überall verbreitet“.

Ubiquitär kann gut verwendet werden, um eine bedingungslose Verbreitung oder Allgegenwärtigkeit eines Sachverhaltes, eines Gegenstandes, Konventionen, Meinungen oder auch von Organismen hervorzuheben. Beispielsweise spricht man in der Informationstechnologie von „ubiquitären Informationen“ oder in wirtschaftlichem Kontext von „ubiquitären Wirtschaftsgütern“.

Die Herkunft des Begriffs liegt im lateinischen ubique (überall).

Meine Reise war unvergesslich – nicht zuletzt der ubiquitären Gastfreundschaft im Land geschuldet.

Die ubiquitäre Berichterstattung zu diesem Thema lässt die Lage dramatischer erscheinen, als sie tatsächlich ist.

Aufgrund der ubiquitären Verbreitung von Bakterien müssen frische Wunden desinfiziert werden. Tut man das nicht, riskiert man eine Infektion.

Kaffee ist die häufigste Droge am Arbeitsplatz. […] Ubiquitär sind selbst die Automaten, die auf Knopfdruck Espresso erzeugen; in manchen Umgebungen ist ihr heiser brüllendes Mahlwerk sogar die einzig verbliebene Lärmquelle.
„Schon morgens einen im Tee“ – zeit.de

eloquent

Das Adjektiv eloquent bedeutet „beredsam“, „wortgewandt“, „redegewandt“. Es bezeichnet die Fähigkeit, sich in gesprochener oder (seltener) geschriebener Sprache wirkungsvoll und angemessen ausdrücken zu können. Dies gilt für die Muttersprache wie auch für erworbene Fremdsprachen.

Der Begriff findet seine Herkunft im lateinischen eloquens (beredt). Vergleiche auch das lateinische Verb eloqui (aussprechen, herraussagen).

Sie hat sich sehr eloquent ausgedrückt.

Ihr eloquenter Vortrag hat mich überzeugt.

Um im Verkauf  Erfolg zu haben, muss man eloquent und intelligent sein.

Domnick erzählte der Gruppe von den Schlägen, die er als Kind zu Hause habe einstecken müssen, von seinem schweren Autounfall, bei dem er vor 23 Jahren beinahe gestorben sei, und gestand, dass er, der so forsch und eloquent wirkt, in Vorstellungsgesprächen keinen Ton herausbekomme.
– Johannes Pennekamp (2011), Die Berufsoptimistin, brand eins 08/2011.

virtuos

Das Adjektiv virtuos bedeutet „meisterhaft, technisch vollendet“.

Zunächst wurde der Begriff vor allem in Bezug auf Musik verwendet, um etwa musikalische Darbietungen oder die vollendete Beherrschung eines Instruments zu beschreiben.

Heute kann virtuos auch in anderem Kontext verwendet werden, nämlich immer dann, wenn von der perfekten Beherrschung einer Tätigkeit die Rede ist.

Das lateinische Adjektiv virtuosus ist der Ursprung des Wortes. Es bedeutet „tugendhaft, vortrefflich“.

Sie ist eine virtuose Klavierspielerin.

Du kannst mir glauben, Larissa spielt virtuos mit deinen Gefühlen! (Hier ist virtuos ein Adverb.)

Unglaublich, das war eine virtuose Leistung! Vier Elfmeter in einem Spiel hat vor ihm noch niemand gehalten.

Die Wiener Philharmoniker glänzten unter Herbert von Karajan mit virtuosen Auftritten und rissen ein Millionenpublikum zu Begeisterungsstürmen hin.

suggerieren

Das Verb suggerieren beschreibt zum einen eine unterschwellige Beeinflussung, zum Beispiel wenn auf jemanden eingeredet wird, um seine Meinung bzw. sein Verhalten zu beeinflussen.

Zum anderen kann jemandem ein Eindruck oder ein Sachverhalt suggeriert werden, der nicht den Tatsachen entspricht. Hiermit ist das (meist mit böser Absicht) Manipulieren und Verdrehen von Tatsachen gemeint.

Synonyme für suggerieren sind aufschwatzen, einreden, glauben machen, manipulieren oder indoktrinieren.

Der Begriff entstammt dem lateinischen suggerere (von unten heran tragen).

Durch das immer breiter werdende Spektrum der Medienpräsenz können zum einen dem Volk sehr einfach falsche Sachverhalte suggeriert werden, andererseits fliegen Intrigen dieser Art durch eine breitere Berichterstattung auch viel schneller auf.

Er suggerierte ihr, dass es völlig normal sei, auch mal im Büro zu nächtigen.

„Wir bauen nur so viele Batterien, wie wir bei unseren Kunden auch loswerden, nicht fantastische Stückzahlen, die uns ein ehrgeiziger Geschäftsplan suggeriert„, fügt Forcier hinzu. Zu den ersten Kunden gehören General Motors, BMW , Daimler und die E-Auto-Marke Fisker aus Kalifornien.
Steffan Heuer (2012), Geladene Gäste, brand eins 02/2012. 

par ex­cel­lence

Die nachgestellte Phrase par excellence bedeutet „in höchster Vollendung“.

Personen, Sachverhalte, Entwicklungen oder Gegenstände können par excellence sein, wenn sie in mustergültiger Ausführung vorliegen.

Die Herkunft des Ausdrucks liegt im französischen excellence (Erhabenheit, Herrlichkeit) und geht zurück auf das gleichbedeutende lateinische excellentia.

Er begeisterte seine Gäste mit einem Gin Tonic par excellence.

„Das war eine Eröffnungsrede par excellence. Ich war von deinem Vortrag zu Tränen gerührt.“

Als Abteilungsleiterin par excellence wird sie nicht nur von ihrem Team durch und durch respektiert, sondern auch von ihrer Vorgesetzten hoch geschätzt.

Dass in Deutschland mehr als vier Millionen Menschen mit Depressionen leben, die ärztliche oder therapeutische Hilfe brauchen, ist ein Zeichen. Ehrenberg hält Depression für „die Krankheit par excellence des demokratischen Menschen“.
Stefan Reinecke (2012), Darf es etwas weniger sein?, brand eins o4/2012.

Petrichor

Das Substantiv Petrichor beschreibt den markanten Geruch von Regen auf trockenem Erdboden.

Ursache des Geruchs ist laut Forschern aus Australien (R.G. Thomas und I.J. Bear) ein Öl, das manche Pflanzen in trockenen Perioden an das umliegende Erdreich abgeben. Fällt nun frischer Regen auf die trockene Erde, wird das wasserunlösliche Öl – nebst anderen Verbindungen – freigesetzt und die Luft beginnt nach Petrichor zu riechen.

Das Wort leitet sich aus dem griechischen Petra (Stein) und Ichor (die Flüssigkeit, die laut griechischer Mythologie statt Blut in den Adern von Göttern fließt) ab.

Mann, es hat ja ewig nicht geregnet! Meine Nase sehnt sich nach Petrichor.

echauffieren

Das Verb echauffieren bedeutet „sich über etwas aufregen“ oder „sich (vor Aufregung) erhitzen“. Aussprache: [eʃɔˈfiːrən]

Das Wort hat oft einen negativen Unterton und beinhaltet die Wertung, dass die Aufregung ungerechtfertigt ist.

Der Begriff stammt vom französischen échauffer (erhitzen) ab. Der Ursprung des französischen Begriffs soll auf das lateinische Wort excalefacere zurückgehen.

Das ist doch wohl wirklich kein Grund, sich so zu echauffieren.

Sie zeigte sich echauffiert über die Art und Weise, wie sie behandelt wurde.

Er echauffierte sich über die Vorwürfe, mit denen er konfrontiert wurde.

Echauffiere dich bitte nicht so! Du wirst ja ganz rot im Gesicht.

exaltiert

Das Adjektiv exaltiert hat im Deutschen zwei Bedeutungen. Zum einen kann es „(künstlich) aufgeregt“, „hysterisch“, „theatralisch“ bedeuten, zum anderen „übersteigert“ im Sinne von „extravagant, exzentrisch, verdreht“.

Sowohl die erste als auch die zweite Bedeutungsebene eignet sich, um Personen oder das Verhalten derselben zu charakterisieren. Von welcher Bedeutung man ausgehen kann, hängt vom Kontext und dem Zeithorizont ab. Ist jemand in einer bestimmten Situation exaltiert, meint man in der Regel situativ hysterisches beziehungsweise übersteigert aufgeregtes Verhalten. Beschreibt man eine Person generell – also situativ unabhängig – als exaltiert, zielt man tendenziell eher auf die zweite Bedeutungsebene ab und möchte auf ihre exzentrische, eventuell wunderliche Art hinweisen.

Im Sinne von „(künstlich) aufgeregt“, „hysterisch“, „theatralisch“:

In solchen Momenten reagiert sie immer wieder anstrengend exaltiert. Von einem natürlichen und maßvollen Verhalten kann dann keine Rede mehr sein.

Seine Rede sollte begeistern, doch seine exaltierte Gestik machte den Effekt der sorgsam gewählten Worte zunichte.

Im Sinne von „übersteigert“, „extravagant“, „exzentrisch“:

Unter dem Szenevolk Hamburgs findet man so einige exaltierte Figuren.

Bescheidenheit ist ein Zeichen der Volksnähe, der Bodenhaftung und Besonnenheit. Die exaltierte Selbstfeier bleibt dem Ausland, bleibt Madonna oder Prince vorbehalten.
– Adam Soboczynski (2006), Kein Oscar für Bescheidenheit, Die Zeit Nr.11 vom 08.03.2007, S.62.

Der Begriff hat seinen Ursprung im französischen exalter (begeistern).

lapidar

Das Adjektiv lapidar bedeutet „kurz und knapp“, „mit wenigen Worten auskommend“. Es beschreibt eine knappe, aber (überraschend) treffende Wortwahl.

Der Begriff entstammt dem lateinischen lapis, was soviel wie Stein bedeutet. In Stein gemeißelte Texte mussten damals notwendigerweise kurz und knapp formuliert werden.

Beispiele:

Ein lapidarer Redestil hilft bei der Vermittlung von Informationen in Gesprächen. Man serviert den Zuhörern die wesentlichen Inhalte auf dem Silbertablett, statt sie mit rhetorischem Brimborium von den Kernaussagen abzulenken.

Er formulierte seinen Vortrag sehr lapidar. Die Zuhörer begrüßten den knappen Redestil, denn so konnten sie bereits 30 Minuten eher eine wohlverdiente Mittagspause einlegen.

„Die wissenschaftlichen Belege und die meisten Ratschläge sind dünn bis wertlos“, teilt das Europäische Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften in München nach einer kritischen Prüfung des vermeintlichen Wissens über gesundes Essen lapidar mit.
– Jens Bergmann (2008), Die Wissenschaft hat festgestellt, brand eins 03/2008.