• Hysterie

    Im Allgemeinen stellt das Substantiv Hysterie eine möglicherweise abwertend gemeinte, nervöse Aufgeregtheit, Erregtheit oder Überspanntheit dar.

    Aber auch als veralteter Fachbegriff in der Medizin und Psychologie ist Hysterie verbreitet. Hier beschreibt das Substantiv eine neurotische Störung, geprägt von übertriebener Erregbarkeit mit vielfachen physischen und psychischen Symptomen. Heutzutage wird der Begriff in diesem Zusammenhang nicht mehr verwendet, da er etymologisch mit dem weiblichen Geschlecht verbunden ist und eine negative Konnotation hat. Stattdessen werden die Begriffe dissoziative Störung oder histrionische Persönlichkeitsstörung verwendet.

    Hysterie wurde im 18. Jahrhundert vom lateinisch-griechischen Adjektiv hystericus (die Gebärmutter betreffend, von ihr herkommend) hergeleitet und liegt dem Wort hystéra (Gebärmutter) zugrunde.

    Beim Anblick der riesigen Spinne brach er in Hysterie aus.

    Da befürchtet wurde, die neusten Ermittlungsergebnisse könnten in der Bevölkerung eine Massenhysterie auslösen, wurden diese vorerst geheim gehalten.

    Das irritierte Bull schon während der geplanten Volkszählung 1983. Er war damals Datenschutzbeauftragter, und seine linken Parteifreunde in der SPD forderten ihn auf, sich an die Spitze des Boykotts gegen die staatlich verordnete Bürgerbefragung zu setzen. Doch Bull verstand die Ängste nicht, er hielt die Aufregung, die sich quer durch alle Gesellschaftsteile zog, für Hysterie.
    Mischa Täubner, Das große Unbehagen, Brandeins, 03/2014

  • Typus

    Das bildungssprachliche Substantiv Typus bedeutet „Typ“. Im engeren Sinne bezeichnet Typus vor allem in der Philosophie eine Urgestalt, Grundform oder ein Urbild, das ähnlichen oder verwandten Dingen oder Individuen zugrunde liegt.

    In der bildenden Kunst und Literaturwissenschaft ist ein Typus ein klassischer Vertreter einer bestimmten Kategorie von Mensch, also eine gestaltete, stark stilisierte Figur, die keine individuellen Züge aufweist.

    Synonyme zu Typus sind „Gestalt“, „Mensch“, „Natur“, „Naturell“ oder „Wesensart“.

    Es handelt sich um ein Lehnwort aus dem Lateinischen (typus), beziehungsweise dem Griechischen (týpos). Der Plural von Typus ist „Typen“.

    Er gehört zu diesem besonderen Typus Mensch, auf den man nie lange sauer sein kann und der meist mit allem durchkommt.

    Die Inszenierungen des Regisseurs ähneln sich stark. Er hat leider ein Händchen dafür, die Komplexitäten der verschiedenen Charaktere auf zwei Typen Mensch einzudämmen: Die Guten und die Bösen.

    Kolb ist ein begnadeter Selbstdarsteller, der seine Vom-Saulus-zum-Paulus-Geschichte in Vorträgen und Büchern ausschlachtet. Doch dabei trifft er offenbar einen Nerv. Er steht für einen neuen Typus, der Luxus nicht ablehnt, aber anders definiert. Für die Hersteller teurer Produkte eine Herausforderung.
    Markus Albers, das Luxus-Problem, Brandeins, 12/2014

  • fatal

    Das Adjektiv fatal wird zur Beschreibung von Umständen auf gefühlsmäßiger (A) oder auf sachbezogener (B) Ebene verwendet und bedeutet:

    • A: unangenehm, peinlich, in Verlegenheit bringend
    • B: verhängnisvoll, folgenschwer, schwerwiegend

    Der Ursprung liegt im lateinischen fatalis (vom Schicksal bestimmt, verhängnisvoll).

    Es wäre fatal, wenn die Menschheit in ihrem Streben nach Macht und Reichtum die soziale Gerechtigkeit weiter vernachlässigt, da hieraus vermehrt globale und territoriale Spannungen entstehen.

    Die Abkehr von der Atomenergie ist laut zahlreicher Kritiker unumgänglich, weil die Umweltbelastungen durch radioaktive Abfälle immens seien und Unfälle wie in Fukushima fatale Folgen für Mensch und Natur haben.

    Fatal findet die Religionspädagogin das Unterscheiden in „Wir“ und „Ihr“, Muslime und Nicht-Muslime, Deutsche und Fremde. Das trage dazu bei, dass Jugendliche sich ausgegrenzt sähen, keine gefestigte Identität hätten und Extremisten verfielen. – Terrorismus Analyse: Was tun gegen islamistische Gehirnwäsche?, Zeit Online, 22. November 2015

  • Konsolidierung

    Das bildungssprachliche Substantiv Konsolidierung (die) wird in verschiedenen Bereichen, vorwiegend aber in Wirtschaft und Medizin, verwendet:

    • Im wirtschaftlichen Zusammenhang wird das Umwandeln von kurzfristigen in langfristige Schulden als Konsolidierung bezeichnet. Häufig trifft man in der Politik auch auf den Begriff Haushaltskonsolidierung des Staates, von Gemeinden oder Städten.
      Ziel dieser Umwandlung ist meist das Verringern von Zinslasten, damit die Liquidität bestehen bleibt.
    • In der Medizin wird das Heilen bzw. das Nichtfortschreiten einer Erkrankung ebenfalls als Konsolidierung bezeichnet.
    • Darüber hinaus bedeutet Konsolidierung „die Sicherung eines Bestandes“.

    Manchmal wird auch das Substantiv Konsolidation (die) gleichbedeutend gebraucht, jedoch beschreibt die Konsolidation im Grunde das Verfestigen des Bodens (beim Bergbau o.Ä.) oder im rechtlichen Bezug das Zusammenfallen von Berechtigtem und Verpflichtetem eines dinglichen Rechts in einer Person.

    Der Ursprung des Wortes liegt im lateinischen Verb solidāre (befestigen, verstärken) und dem Präfix con (zusammen).

    Eine Konsolidierung des Staatshaushaltes ist dringend erforderlich, sonst droht die Zahlungsunfähigkeit.

    Um die Konsolidierung des Waldes aufrecht zu erhalten, dürfen Bäume nur bei Einhaltung verschiedener Auflagen gefällt werden.

    Stattdessen sollen die Reichen mehr Steuern zahle und die Konsolidierung Haushaltes aufgeschoben werden. – John F. Jungclaussen, Die Therapie von David Cameron wirkt, 01.05.15, Zeit online

  • promisk

    Das bildungssprachliche Adjektiv promisk (auch „promiskuitiv“) bedeutet „sexuell freizügig“ oder „offenherzig“.

    Der Eigenschaft zufolge besteht kein Interesse an langfristigen Bindungen, sondern an „Promiskuität„, dem Geschlechtsverkehr mit relativ häufig wechselnden Partnern oder auch parallel mit mehreren Partnern.

    Im Tierreich versteht man unter promisk, dass sich Weibchen und Männchen in einer Saison mit mehr als einem Geschlechtspartner paaren.

    Das Adjektiv ist zurückzuführen auf das lateinische promiscuus (gemischt) und promiscēre (vorher mischen).

    Nach einer jahrelangen Beziehung genießt er sein neues, promiskes Leben ohne jegliche Verpflichtungen. Dass manche Leute ihn nun spöttisch als „Callboy“ oder „Gigolo“ bezeichnen, nimmt er mit Humor.

    Wir lernen, dass Graubären Allesfresser sind, sich aber im Yellowstone-Park wegen der vielen leicht zu erbeutenden Tiere überwiegend von Fleisch ernähren. Sie sind Einzelgänger und promisk, ein Wurf kann verschiedene Väter haben. Sie verschlafen den Winter und fressen sich vorher eine dicke Fettschicht an.
    Martin Klingst, Er ist wieder da, DIE ZEIT Nº 36/2014

    Früher dachte ich: Ich bin für immer promisk. Jetzt lebe ich total monogam. Ich verurteile weder das eine noch das andere. Aber ich bin froh, dass ich es in dieser Reihenfolge gemacht habe, nicht umgekehrt.
    Peter Plate, „Ich war 20 Jahre lang der Onkel von Rosenstolz“, ZEITmagazin Nº 16/2013

  • separat

    Das Adjektiv separat bedeutet „getrennt (von etwas)“, „abgesondert“ und beschreibt Personen, Sachverhalte oder Objekte, die getrennt voneinander agieren bzw. für sich stehen.

    Der Ursprung des Begriffs liegt im lateinischen separare (absondern, trennen, ausscheiden). In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts gelang der Begriff in den deutschen Sprachgebrauch.

    Das ist kein Thema für die Teambesprechung; das klären wir lieber separat.

    Statistiken und Gefühle sollte man in der politischen Debatte separat betrachten, um eine sinnvolle Diskussion führen zu können.

    Die Eier wurden in separaten Aquarien untergebracht – zum Schutz vor dem kannibalischen Appetit der Grottenolme. – Kannibalische Höhlenlurche im Harz könnten Eltern werden, Zeit Online, 23. März 2016

  • frugal

    Das Adjektiv frugal bedeutet „einfach“, „bescheiden“ oder „mäßig“. Meistens wird es im Zusammenhang mit der Lebensweise einer Person oder auf Mahlzeiten bezogen genutzt.

    Frugal ist auf das lateinische Wort frugalis (bieder, ordentlich, wirtschaftlich) zurückzuführen und hat seinen Weg über das französische frugal (mäßig, einfach) in den deutschen Sprachgebrauch gefunden.

    Die Mahlzeiten im Gefängnis bestehen zwar nicht nur aus Brot und Wasser, aber man kann sie dennoch als frugal bezeichnen.

    Aufgrund von monetären Schwierigkeiten stellt sich ein Studentenleben vielerorts als frugal dar.

    Chinesische Zulieferer hat er „erzogen“, so seine Wortwahl, damit sie ihm Einzelteile nicht schlechter, sondern nur billiger liefern. „Design nach Preis“ nennt Kong sein Prinzip – „frugale Innovation“ heißt es in der Managersprache. – Georg Blume und Uwe Jean Heuser, Eine Milliarde Kunden, Die Zeit Nr. 6/2011, 3. Februar 2011

  • pasteurisieren

    Das Verb pasteurisieren bezeichnet das Ausüben eines technologischen Prozesses, bei dem Nahrungsmittel mittels Hitzeeinwirkung haltbar und keimfrei gemacht werden.

    Durch die kurzzeitige Erwärmung fester, pastöser oder flüssiger Lebensmittel bei bis zu 100°C kommt es zur Abtötung von Mikroorganismen. So können beispielsweise Lebensmittel wie Brote, Milch, Frucht- oder Gemüsesäfte keimfrei und haltbar gemacht werden.

    Das Verfahren des Pasteurisierens wurde nach dem Entdecker, dem französischen Chemiker Louis Pasteur (1822–1895) benannt.

    Um eine mikrobielle Verunreinigung der Rohmilch zu verhindern, wird die Milch pasteurisiert.

    Durch die kurze Erhitzungsdauer bleiben verhältnismäßig viele Nährstoffe in dem pasteurisierten Produkt erhalten.

    Zwei Brauereien aus einer Familie, die Weißbier produzieren und dabei das gleiche Grundrezept benutzen. Mindestens 70 Prozent Weizenmalz statt der üblichen 50 Prozent. Das verlängert den Maische- und Läuterungsprozess, da das Weizenmalzkorn, anders als das Gerstenmalzkorn, keinen Spelz mehr hat, aber ein besonderes Aroma erzeugt. Nach der Tankgärung kommt die zeitintensive Flaschengärung hinzu. Und beide Unertls konservieren nicht, stabilisieren nicht, pasteurisieren nicht, was ihr Produkt nur bedingt haltbar macht. Das alles ist nur möglich, weil die Brauereien klein sind.
    Gerhard Waldherr, Mein Bier ist nicht dein Bier, Brandeins, 11/2013

  • kontaminieren

    Das Verb kontaminieren hat verschiedene Bedeutungen. Meist drückt es aus, dass etwas mit giftigen, pathogenen oder radioaktiven Substanzen verseucht ist. In diesem Rahmen gelten „verschmutzen“, „verunreinigen“, „verseuchen“ oder „infizieren“ als Synonyme.

    Des Weiteren bedeutet kontaminieren in der Sprachwissenschaft, zwei Ausdrücke (Wörter oder Fügungen) meist anlassbezogen zu vermengen und sinnverwandt zu belegen. Eine Kontamination ist somit ein Synonym für „Kofferwort“.

    In der Physik steht kontaminieren im engeren Sinne für das Verunreinigen von Kernbrennstoff mit Neutronen absorbierenden Spaltprodukten.

    Kontaminieren ist auf das lateinische contaminare (mit Fremdartigem in Verbindung bringen; verderben) zurückzuführen.

    Diverse Tests haben ergeben, dass das gesamte Territorium durch den Unfall mit den Substanzen kontaminiert ist.

    Das Substantiv Politesse wurde geprägt, indem man die Worte Polizistin und Hostesse kontaminierte.

    Im Nebenraum hätten die Angestellten sich umgezogen. Über nie benutzten Waschbecken hängt eine Garnitur Doppelripp-Unterwäsche in Knallgelb, Original Mäser aus den Siebzigern. Die Farbe war bewusst so auffällig gewählt. Sie sollte verhindern, dass ein Ingenieur vergessen könnte, die kontaminierte Unterhose nach der Arbeit auszuziehen. Denn alle verstrahlte Arbeitskleidung musste im Kraftwerk bleiben und wäre dort gewaschen worden.
    Johannes Schweikle, das Phantomkraftwerk, Brandeins, 11/2014

  • Filius

    Das bildungssprachliche Substantiv Filius wird im scherzhaften Sinne als Begriff für einen jugendlichen Sohn verwendet.

    Synonyme sind dementsprechend „Sohn“, „Junior“ oder „Spross“.

    Filius (Säugling), zu felare (saugen), ist aus dem Lateinischen entlehnt.

    Er ist davon überzeugt, dass sein Filius einmal ein sehr erfolgreicher Mann werden würde. Um dieses Ziel zu erreichen, scheut er keine Kosten und Mühen.

    Der Filius ist immer für eine Überraschung gut – so finden seine Eltern das Haus häufig in einem desolaten Zustand vor, wenn sie von einem Wochenendausflug nach Hause kommen.

    Der Senior hatte in den Zwanzigern an den Kölner Werkschulen studiert, verfügte über Neugier, Charisma und gute Kontakte. All das gab er an Dieter Pesch weiter. Er nahm den Filius schon in den Fünfzigern mit zur Möbel-Avantgarde nach Skandinavien und Italien, stellte ihm in Paris Designgrößen vor und zeigte ihm, wie man den Laden während der Internationalen Möbelmesse in Köln als Branchentreff in Szene setzt.
    Matthias Hannemann, Vermöbelt, Brandeins, 10/2013

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