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  • fakultativ

    Das Adjektiv fakultativ¬†bedeutet „dem eigenen Ermessen √ľberlassen“ oder „freiwillig“.¬†Etwas kann als fakultativ¬†bezeichnet werden, wenn es nicht verbindlich oder nicht unbedingt erforderlich ist.

    Der Begriff wurde aus dem Französischen entlehnt und hat seinen Ursprung im lateinischen facultas (Möglichkeit). Das entsprechende Gegenwort ist obligatorisch.

    Dein Erscheinen heute Abend ist zwar fakultativ, aber in jedem Falle w√ľnschenswert.

    Das Ganze ist eine eher fakultative Veranstaltung, die man nur besuchen sollte, wenn man tatsächlichen Nutzen aus den angebotenen Vorträgen ziehen kann.

    Ferner: Darf der klassische Religionsunterricht durch eine Art multikulturellen Modells ersetzt werden Рnämlich Lebensgestaltung, Ethik, Religionskunde (LER)? Und wenn ja: fakultativ oder obligatorisch?
    Marion Graefin Doenhoff (1996), Erziehung zur Kultur, DIE ZEIT, 13/1996.

  • konspirativ

    Konspirativ bedeutet so viel wie ‚Äěgeheim‚Äú, ‚Äěillegal‚Äú oder ‚Äěverschw√∂rerisch‚Äú.

    In diesem Sinne kann es benutzt werden, um auszudr√ľcken, dass etwas einer Verschw√∂rung oder einem Komplott dient, wie zum Beispiel eine T√§tigkeit oder Zusammenarbeit.

    Konspirativ ist abgeleitet vom Substantiv ‚ÄěKonspiration‚Äú, welches dem lateinischen conspiratio¬†(Komplott, Verschw√∂rung, √úbereinstimmung) entspricht.

    Die Verfechter der Regierung trafen sich zu konspirativen Treffen, um Pl√§ne zu schmieden, welche zum Fall des Diktators f√ľhren sollten.

    Der Geheimbund trifft sich in einer konspirativen Wohnung, von der selbst aus den eigenen Reihen nur wenige Mitglieder wissen.

    Dass nun, einen Monat sp√§ter, die Korruptionsvorw√ľrfe gegen wichtige Unterst√ľtzer Erdońüans bekannt werden, ist deshalb wohl kaum Zufall, sondern nur die n√§chste, beabsichtigte Eskalation. Daf√ľr spricht auch, dass die Details der Ermittlungen sehr schnell in der G√ľlen-nahen Presse landeten: Die genauen Summen, der vermeintliche Ablauf der konspirativen Treffen und Bestechungen.
    Lenz Jacobsen, T√ľrkei: Mehr Wucht als die Gezi-Proteste, Die Zeit, 21.12.2013.

     

  • Aficionado

    Ein Aficionado ist ein begeisterter Liebhaber bzw. ein Enthusiast. Der Begriff wird oft in Bezug auf Dinge lateinamerikanischen oder spanischen Ursprungs verwendet, wie Tequila, Stierkampf oder insbesondere Zigarren. Er kann jedoch auch mit anderem Bezug gebraucht werden.

    Das Wort wurde aus dem Spanischen √ľbernommen, wo es die gleiche Bedeutung tr√§gt. Im Duden taucht es erst seit 2009 auf.

    Seinem Ruf als Zigarrenaficionado alle Ehre machend, hat er vor Kurzem eine beträchtliche Summe in einen neuen Humidor investiert.

    Fußball ist seit jeher seine große Leidenschaft. Als brennender Aficionado verpasst er kein Bundesligaspiel.

    Klugscheißer gibt es fast so viele wie schlechte Flaschen am Markt. Die Komplexität des Weintrinkens bringt es mit sich, dass mancher Aficionado glaubt, sich als Kenner der Lagen, Geschmacksträger und Ausbauverfahren präsentieren zu können, ohne entlarvt zu werden.
    Willmann (2004), Erforscht & Getrunken, DIE ZEIT 15.04.2004 Nr.17.

  • Quintessenz

    Die Quintessenz¬†ist „das Wesentliche, Wichtigste“ oder der „Kerngedanke“, d.h. der zentrale Gedanke einer Diskussion, √úberlegung etc.

    Der Begriff hat seinen Weg √ľber das lateinische¬†quinta essentia (das f√ľnfte Seiende) ins Deutsche gefunden, das bei der √úbersetzung der Lehren Aristoteles‘ entstanden ist. Im philosophischen Kontext meint die quinta essentia das urspr√ľngliche Element, den √Ąther, aus dem alle anderen Elemente entstanden seien.

    Ich habe deinen Vortrag nur zur Hälfte gehört. Kannst du mir noch einmal kurz die Quintessenz zusammenfassen?

    Die Quintessenz der vorangegangenen √úberlegungen l√§sst sich eigentlich in einem Satz zusammenfassen: […].

    In der Quintessenz läuft das Buch auf eine neue Variante der Kollektivschuld-These hinaus. 95 Prozent der Deutschen, heißt es wiederholt, hätten direkt oder indirekt vom Massenraubmord profitiert.
    РVolker Ullrich (2005), Hitlers zufriedene Räuber, DIE ZEIT 10.03.2005 Nr.11.

  • Ambivalenz

    Im Allgemeinen bezeichnet das Substantiv Ambivalenz eine Zwiespältigkeit oder Doppeldeutigkeit.

    In der Psychologie und der Psychiatrie versteht man unter Ambivalenz das Vorherrschen von inneren Spannungen, die durch das Nebeneinanderbestehen von gegens√§tzlichen W√ľnschen, Gef√ľhlen und Vorstellungen hervorgerufen werden.

    Das Gegenwort zu Ambivalenz ist Eindeutigkeit.

    Ambivalenz stammt aus dem Lateinischen und ist zusammengesetzt aus den Wörtern ambo (beidseitig) und Valenz (Wertigkeit).

    Die vorherrschende Ambivalenz in seinen Aussagen ist zum Verr√ľcktwerden.

    Das Krankheitsbild ist geprägt durch emotionale Ambivalenz.

    Ein Arzt ist eine fesselnde, imponierende und manchmal auch verstörende Gestalt. Kinder erleben es vermutlich besonders stark, diese Ambivalenz aus Aura und Autorität, aus Heil und Schmerzen bringend.
    Christian Weymayr, Sag mal aaaaaaah!, brandeins, 01/2013

  • profan

    Das Adjektiv profan¬†bedeutet „weltlich“, „allt√§glich“ oder „gew√∂hnlich“, in Abgrenzung zum G√∂ttlichen bzw. Gott Dienenden.

    Heute können nicht nur weltliche (d.h. nicht kirchliche) Dinge als profan bezeichnet werden, sondern allgemein auch alles Durchschnittliche, alles was nicht heraussticht, normal und gewöhnlich ist.

    Der Begriff¬†stammt vom lateinischen profanus¬†(ungeheiligt, gew√∂hnlich) ab. Ein fanum¬†ist ein Tempel oder ein anderer heiliger Ort, die Vorsilbe pro-¬†bedeutet „anstelle von“ oder „vor“. Profanus meinte also w√∂rtlich „au√üerhalb des Tempels“ oder „vor dem Tempel“.

    Der Wunderheiler materialisierte sich nicht plötzlich Рwie erhofft Рin einer dichten Nebelwolke inmitten des Raumes, sondern kam ganz profan mit dem Opel Corsa daher.

    Unserer Bekannten schwant, dass sie mit Kreuzfahrtroutiniers unterwegs ist. Und dass sie die Klopapierrolle in ihrer Handtasche, gedacht als Luftschlange beim gro√üen Abschied, einem profaneren Zweck zuf√ľhren muss.
    Karin Ceballos Betancur (2009), ¬ĽFr√ľher war mehr Messing¬ę, DIE ZEIT, 18.06.2009 Nr. 26.

    Er sagte das wichtige Treffen ab, um sich stattdessen profaneren Dingen zuzuwenden. Das Bad putzte sich schließlich nicht von allein.

  • Credo

    Ein Credo ist ein Glaubensbekenntnis oder ein Leitsatz.

    Übernommen wurde es Рsubstantiviert Рvom lateinischen credo (ich glaube, zu credere = glauben), dem ersten Wort im Apostolischen Glaubensbekenntnis:

    Credo in Deum,
    Patrem omnipotentem,
    Creatorem caeli et terrae.

    In der urspr√ľnglichen Bedeutung ist religi√∂ses Glauben gemeint, w√§hrend ein Credo¬†heute auch in anderem Kontext f√ľr einen Leitsatz oder eine Parole stehen kann, wie die folgenden Beispiele zeigen.

    Sein Credo lautet offenbar: „Viel hilft viel“.

    Mit dem Credo, in jeder Situation das entscheidende Bisschen besser zu sein als die Konkurrenz, schafften sie es, Marktf√ľhrer zu werden.

    Das Credo des Präsidenten, sich von Almosen unabhängig zu machen, steht in krassem Gegensatz zur immensen Entwicklungshilfe, die in sein Land fließt.
    Grill, Jeska (2009), Der Antreiber, DIE ZEIT, 22.01.2009 Nr. 05.

  • Tribalisierung

    Tribalisierung¬†bedeutet „Stammesbildung“. Gemeint ist heute vor allem das Zusammenschlie√üen von Gruppen innerhalb eines gr√∂√üeren Systems (Gesellschaft, Staat etc.) bei gleichzeitiger Abgrenzung von diesem. Grundlage einer solchen Gruppe sind dabei etwa gemeinsame Interessen oder ein gemeinsamer ethnischer, religi√∂ser oder kultureller Hintergrund.

    Ein Beispiel f√ľr Tribalisierung¬†ist die Bildung verschiedener, voneinander abgegrenzter „Subgesellschaften“ unterschiedlichen ethnischen Hintergrunds innerhalb eines Vielv√∂lkerstaats. Auch die Bildung von stark ausgepr√§gten Subkulturen wird als¬†Tribalisierung bezeichnet. H√§ufig zu beobachten ist das Ph√§nomen der Gruppenbildung mit spezifischem Musikgeschmack, Kleidungsstil und Umgangsformen in der Jugendkultur.

    Herkunft des Begriffs ist das lateinische tribus, welches zu verschiedenen Zeiten leicht unterschiedliche Bedeutungen hatte, sich aber immer auf Untergruppen des römischen Volks bezog.

    Der Schulhof ist oft das beste Beispiel, um den Begriff der Tribalisierung¬†anschaulich zu erkl√§ren. Vorne links stehen die Metaller, ein bisschen weiter ein paar verloren wirkende Punks, an der n√§chsten Ecke eine ganze Gruppe Hip-Hopper in zu gro√üen Klamotten und den unvermeidlichen Schirmm√ľtzen und ganz hinten schlie√ülich, versteckt hinter der Turnhalle, die Raucher.

    Liebe bei der „Love-Parade“ in Berlin, Hiebe bei den „Chaos-Tagen“ in Hannover. Das Bild der deutschen Jugend und ihrer Subkulturen wirkt so widerspr√ľchlich wie nie. Die Generation der 13- bis 25j√§hrigen zerf√§llt in immer mehr Gr√ľppchen, Cliquen und Einzelg√§nger. Soziologen sprechen von „Tribalisierung„.
    Verfasser unbekannt (1995), Vergeßt alle Systeme, DER SPIEGEL 33/1995.

  • fraternisieren

    Das Verb fraternisieren bedeutet „sich anfreunden“ , „sich verbr√ľdern“. Es hat meist einen negativen Beiklang.

    Der Begriff findet oft dann Anwendung, wenn das Anfreunden aufgrund der urspr√ľnglichen Positionen der sich miteinander fraternisierenden Parteien eigentlich eher abwegig ist oder einen negativen Beigeschmack hat. Beispielsweise¬†dann, wenn eigentlich verfeindete Parteien sich miteinander verb√ľnden, um niedere ¬†Ziele zu erreichen.

    Der deutsche Ausdruck leitet sich aus dem franz√∂sischen ¬†fraternit√©¬†(Br√ľderlichkeit) ab, welches auf¬†das lateinische fraternus (br√ľderlich, freundschaftlich) zur√ľckgeht. Vgl. auch lateinisch¬†frater (Bruder).

    Es wird ihm zum Vorwurf gemacht, sich mit der Vorstandsebene der direkten Konkurrenz fraternisiert zu haben.

    Der Touristenbus aus S√ľdkoreas Hauptstadt Seoul wird zum Slalom zwischen Drahtverhauen und Brachland eingewinkt. Kontrolle am ‚ÄěCheckpoint Charly‚Äú, dem Grenzposten zwischen S√ľd- und Nordkorea. Jeder muss unterschreiben, dass er auf dem Weg nach Panmunjom nicht mit nordkoreanischen Soldaten ‚Äěfraternisiert oder Gesten macht, die der anderen Seite als Propagandamaterial dienen k√∂nnten‚Äú.
    Christian Schmidt-H√§uer (2003),Z√ľndeln mit der Bombe, DIE ZEIT 30.04.2003 Nr.19.

  • sukzessiv

    Das Adjektiv sukzessiv¬†bedeutet „allm√§hlich“, „nach und nach“ oder „schrittweise“.

    Prozesse oder Entwicklungen können als sukzessiv bezeichnet werden, um ihren graduellen Verlauf herauszustellen. Zur Beschreibung von Tätigkeiten muss das zugehörige Adverb sukzessive verwendet werden.

    Der Begriff hat seinen Ursprung im spätlateinischen successivus (nachfolgend).

    Lernt man jeden Tag ein neues Fremdwort, so erweitert man sukzessive seinen Wortschatz.

    Man sprach zun√§chst von einem sukzessiven Abbau der bestehenden Hindernisse, entschied sich letztlich aber doch f√ľr das alternativ vorgeschlagene Hauruckverfahren.

    Es ist ein sukzessives Erstarken dieser politischen Strömung zu beobachten.

    Albert der Gro√üe verfocht die Theorie der simultanen Beseelung ‚Äď gleichzeitig mit dem Embryo entstehe die Seele. Thomas von Aquin dagegen vertrat die Theorie der so genannten sukzessiven Beseelung.
    – Antonio Autiero (2008), Verletzender Fundamentalismus, DIE ZEIT, 03.01.2008 Nr. 02.