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soigniert

Das Adjektiv soigniert bedeutet „gepflegt“, „kultiviert“, „vornehm“.

Als soigniert können in erster Linie Personen – vor allem ältere Herren, die eine gewisse Reife ausstrahlen – bezeichnet werden. Seltener wird der Begriff zum Beschreiben von Dingen (wie etwa Einrichtungsgegenständen) oder Architektur verwendet.

Der Ursprung des Wortes liegt im französischen  soigner (pflegen, sorgfältig behandeln).

Ein auffallend elegant gekleideter Herr betrat den Saal. Nicht wenige Blicke folgten seiner soignierten Erscheinung.

Aber der Admiral a. D ist nur ein Totschläger, der im traditionellen, jetzt zivilen Dunkelblau, grauhaarig, soigniert, als freier Mann den Gerichtssaal verließ.
Conli (1966), Tod aus Tradition, DIE ZEIT, 4.3.1966 Nr. 10.

Oeuvre

Als Oeuvre oder Œuvre wird das Gesamtwerk eines Künstlers bezeichnet.

Die Aussprache folgt dem Französischen: [ˈøːvrə]; bzw. in unserer selbst eingedeutschten Lautschrift: Öh-wre (mit Betonung auf der ersten Silbe).

In ursprünglicher Schreibweise wird das Wort auch im Deutschen Œuvre geschrieben. Die Bedeutung des Wortes ist bei der Verwendung im Deutschen explizit auf das Gesamtwerk eines Künstlers festgelegt, während es im Französischen allgemeiner verwendet werden kann.

Der Begriff geht auf das französische œuvre zurück, welches allgemein als „Werk“ übersetzt wird und in verschiedenen Bereichen Anwendung findet, zum Beispiel œuvre principale für Hauptwerk oder œuvre dramatique für Bühnenwerk. Der lateinische Ursprung ist opera (Arbeit, Tätigkeit, Mühe)

Immer wieder zeigen sich in ihrem Œuvre Spuren ihrer Kindertage während des Zweiten Weltkriegs.

Shining wird auch künftig, nicht zuletzt wegen Kubricks Film, seine Sonderstellung in Kings Œuvre behalten.
zeit.de

 

intersubjektiv

Das Adjektiv intersubjektiv bedeutet „dem Bewusstsein mehrerer Personen gemeinsam“, „nicht nur auf einzelne Personen bezogen“.

Beschrieben wird damit vorrangig die gleiche Zugänglichkeit oder Erlebbarkeit einer Sache für verschiedene Betrachter sowie das daraus erwachsende Auftreten von gleichen Werturteilen oder Schlussfolgerungen.

Der Begriff ist zusammengesetzt aus der lateinischen Vorsilbe inter- (zwischen) und dem deutschen subjektiv (in Bezug auf die Perspektive des Subjekts, d.h. der betrachtenden Person), zu lat. subiectivus (zum Subjekt gehörend).

Die Teilnahme am Feierabendverkehr führt intersubjektiv zu der Erkenntnis, dass der motorisierte Individualverkehr die Welt nachhaltig verändert hat.

Es ist nicht einfach, intersubjektiv gültige ethische Grundsätze aufzustellen.

kongenial

Das Adjektiv kongenial bedeutet „künstlerisch oder geistig ebenbürtig, übereinstimmend oder angemessen“.

Der Begriff kann beschreiben, dass verschiedene Personen oder deren Tätigkeiten künstlerisch oder geistig auf Augenhöhe sind. Weiterhin kann es ausdrücken, dass Personen oder deren Tätigkeiten dem hohen Niveau eines Werkes angemessen sind, mit dem sie in irgendeiner Form interagieren (z.B. es vortragen, übersetzen…).

Kongenial leitet sich aus dem lateinischen con- („mit-„) und dem deutschen Genie bzw. dem Adjektiv genial (von lat. ingeniosus) ab. Vgl. auch lat. genius (Schutzgeist, Schöpfergeist).

Ich war regelrecht gefesselt vom Katz-und-Maus-Spiel der beiden kongenialen Kontrahenten. So einen spannenden und intellektuell anregenden Film habe ich lange nicht gesehen.

Die Übersetzung des Gedichts ist lesbar, aber nicht kongenial. Das Original hat eine ganz andere Qualität.

Jahrelang suchte der Anwalt einen Partner und fand schließlich einen kongenialen Juristen.

„Trotz ihrer eigenwilligen Interpretation hat sie die Rolle kongenial gespielt“, so der Tenor der Presse nach ihrem Bühnendebüt.

diskursiv

Das Adjektiv diskursiv bedeutet „schlussfolgernd“ und „methodisch vorgehend“.

Diskursiv ist ein bildungssprachlicher Begriff, der vor allem im Bezug auf die Findung von Argumenten und die Zusammenfassung von Erkenntnissen verwendet wird. Ein diskursives Vorgehen ist ein methodisches Betrachten der Zusammenhänge, um zu einem Urteil zu finden.

Der Begriff stammt vom lateinischen discurso (hin- und herlaufen) ab. Vgl. auch das deutsche Diskurs und das lateinische discursus (das Auseinander- , Umherlaufen).

Es ist unter Beachtung aller Standpunkte ohne Weiteres möglich, ein gesellschaftliches Problem diskursiv zu lösen.

Ich habe versucht, seine Argumentation nachzuvollziehen und bin zu dem Schluss gekommen, dass die Kernaussage nicht ausreichend diskursiv hergeleitet wird.

Man wünscht sich in der politischen Arbeit mehr diskursives, dafür weniger intuitives, Vorgehen.

Allegorie

Eine Allegorie ist ein objektiv fassbares (oft personifiziertes) Bild als Darstellung eines abstrakten Begriffs oder Sachverhalts.

Beispiele für Allegorien:

  • Justitia steht mit Waage und Schwert in der Hand für Gerechtigkeit.
  • Der Sensenmann als Skelett in schwarzer Kutte mit Sense in der Hand  steht für den Tod.

In der Literaturwissenschaft wird die Allegorie als Sprachbild und Stilfigur den Tropen zugeordnet und gilt dort als erweiterte, also über ein Einzelwort hinausgehende, Metapher. Eine Allegorie kann etwa eine einfache Geschichte sein, die einen größeren oder abstrakten Sachverhalt verdeutlicht.

Synonyme zu Allegorie sind zum Beispiel „Sinnbild“, „Verkörperung“, „Inkarnation“ oder auch „Personifikation“.

Das Substantiv ist vom lateinischen allegoria, bzw. dem griechischen allēgoría (das Anderssagen) hergeleitet.

Eine der wohl am weitverbreitetsten Allegorien ist der Sensenmann, der als fassbare Darstellung für den Tod fungiert.

Gemeint sind die rätselhaften Pop-Clowns, die wie ein Spuk in Fußgängerzonen auftauchen und mit ihrem kalten bleichgesichtigen Grinsen den Bürgern das Blut in den Adern gefrieren lassen. Solche Clowns erscheinen wie die Allegorie auf eine Welt, die sich selbst unheimlich geworden ist – eine Welt, die derzeit mehr Schreckensnachrichten und Fatalitäten hervorbringt, als das Menschenherz auszuhalten vermag.
Thomas Assheuer, Die Grimasse des Realen, DIE ZEIT Nº 46/2014

Die Faszination, die Fußball auslöst und ihn zur weltweit lukrativsten Ware des Unterhaltungsgeschäfts gemacht hat, wird gern umschrieben. Allegorie des Lebens. Spiegelbild der Gesellschaft. Ausdruck der Seele und Mentalität einer Nation. Fußball verbindet, bewegt, spaltet. Wenn es nach Hoeneß geht, dann ist der Fußball aber auch Abbild der Abgründe des Finanzsystems geworden. Ein wildes Gezocke abseits kaufmännischer Vernunft, zunehmend entmenschlicht.
– Gerhard Waldherr, Der Kaufmann, Brandeins, 11/2011

intrikat

Das Adjektiv intrikat bedeutet „verworren“ respektive „verwickelt“. Es dient zur Beschreibung besonders komplexer und detailreicher Sachverhalte, deren geistige Erfassung eine erhebliche kognitive Leistung darstellt. Leider wird dieses schöne Wort heute nur noch selten gebraucht und gilt somit als veraltet.

Seinen Ursprung hat der Begriff im lateinischen intricare (verwirren, in Verlegenheit bringen). Vgl. auch tricare (Schwierigkeiten machen).

Ein Hochschulstudium ist in der Regel ein recht intrikates Unterfangen.

Die intrikaten rechtlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse in China machen westlichen Unternehmen den Markteintritt schwer.

Akinese

Das Substantiv Akinese (auch: Akinesie) bedeutet „Bewegungshemmung“.

Es handelt sich um einen primär medizinisch verwendeten Begriff. Die Akinese bezeichnet alle Formen der Bewegungseinschränkung bis hin zur völligen Lähmung, die sich auf eigentlich automatische Bewegungsabläufe, wie etwa das Gehen oder Greifen, auswirken.

In der Ethologie meint die Akinese die durch (Flucht-)Reflexe ausgelöste Bewegungsunfähigkeit.

Der Begriff stammt vom griechischen a-kínēsis ab. Dabei heißt kinesis „Bewegung“, das vorangestellte a- verneint diese.

Reizt man eine Kellerassel zu sehr, rollt diese sich zusammen und zeigt ansonsten einen Zustand der völligen Akinesie.

Nicht selten kommt es nach einem Wirbelsäulentraume zur Akinese.

Beweg‘ dich, Junge! Oder bist du etwa in Akinese verfallen?

matrimonial

Das Adjektiv matrimonial bedeutet „zur Ehe gehörend“ oder „ehelich“. Hauptsächlich genutzt wird der Begriff in der Rechtssprache, gilt indes allerdings als veraltet.

Als alternative Schreibweise gilt matrimoniell.

Der Begriff ist auf das lateinische matrimonialis (ehelich) zurückzuführen.

Nicht nur Reiche und Stars sichern vor dem Eintritt in das Eheleben ihre matrimonialen Rechte und Pflichten mit einem Ehevertrag ab.

Liselotte hatte keine romantischen Vorstellungen vom matrimonialen Leben.

Diversifikation

Das Substantiv Diversifikation (die) bedeutet „Veränderung“, „Abwechslung“ oder „Vielfalt“. Es wird oft in der Wirtschaft oder auch der Linguistik verwandt.

In der Linguistik beschreibt die Diversifikation die Differenzierung einer ursprünglichen Form in verschiedene Formen oder unterschiedliche Ausprägungen (Diversifikationsgesetz).

Im wirtschaftlichen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff das Vorgehen eines Unternehmens, seine Produktion auszuweiten und neue Produkte auf neuen oder alten Märkten anzubieten. Dabei unterscheidet man zwischen verschiedenen Arten der Diversifikation:

  • Horizontale Diversifikation: Erweiterung der Produkte, die der eigentlichen Produkt-Markt-Kombination ähnlich sind (Bsp.: Coca Cola -> Coke Zero).
  • Vertikale Diversifikation: Erweiterung der Produkte durch Teile der vor- oder nachgelagerten Produktionsstufe (Bsp.: Übernahme der Aufgaben der Zulieferer).
  • Laterale Diversifikation: Erweiterung durch Produkte, die für das Unternehmen in keinem bisherigen Zusammenhang stehen (Bsp.: Produktion von Bekleidung und Lebensmitteln).

Der Ursprung des Wortes liegt im lateinischen diversificare (verteilen), welches auf diversus (verschieden) und facere (machen, tun) zurückgeht.

Daneben wird gleichbedeutend zu Diversifikation auch manchmal der Begriff Diversifizierung verwendet.

Es bedarf der Diversifikation unserer Produktpalette, um unser Wachstumsziel zu erreichen.

Noch in diesem Jahr solle es demnach ein „Memorandum of Understanding“ zwischen der EU und den beiden Ex-Sowjet-Staaten geben. Bis 2016 wolle Brüssel ein umfassendes Paket zur Diversifikation der europäischen Gasversorgung entwickeln.
– afp, Bericht: EU setzt auf Gas aus Aserbaidschan und Turkmenistan, 22.02.2015, Zeit online.