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okkupieren

Das Verb okkupieren beschreibt in erster Linie den Vorgang, ein Gebiet militärisch zu besetzen. Früher war es auch in der Rechtssprache geläufig und stand dafür, sich etwas widerrechtlich anzueignen. Das Wort wird heute nur noch selten benutzt, rückte jedoch vor einigen Jahren durch Occupy Wall Street und ähnliche Bewegungen wieder etwas mehr ins Bewusstsein.

Der Begriff geht auf das lateinische Wort occupare zurück, das sich auch heute noch in der italienischen Sprache wiederfindet und beispielsweise als „occupy“ auch Einzug in den englischen Sprachraum gehalten hat.

In ein fremdes Land einzumarschieren, dient meist dem Zweck, es zu okkupieren.

Gerne hätte ich mehr Zeit für meine Hobbys, aber meine beruflichen Pflichten okkupieren mich zu sehr.

disruptiv

Das Adjektiv disruptiv bedeutet „etwas Bestehendes auflösend oder zerstörend“.

Der Begriff wird vor allem im Zusammenhang mit Innovationen und Forschung verwendet. Eine „disruptive Technologie“ ist eine neu aufgekommene Technik, die eine alte obsolet macht und damit völlig ablöst oder weitestgehend verdrängt. Beispielsweise hat das Auto die Kutsche verdrängt, das Smartphone hat andere Mobiltelefone sowie zahlreiche weitere elektronische Geräte abgelöst und die Digitalkamera hat die Fotofilmindustrie schwer getroffen.

Weiterhin wird disruptiv benutzt, um harte Unterbrechungen in anderen Zusammenhängen zu beschreiben.

Das Adjektiv ist aus dem englischen disruptive (störend oder zerstörerisch) entlehnt und stammt ursprünglich aus dem Lateinischen di(s)rumpere (zerreißen).

Als disruptive Technologie hat das Tastentelefon das Wählscheibentelefon komplett abgelöst.

Sein Verhalten bei der Benefiz-Gala war so disruptiv, dass wir den Faden verloren haben.

Italien ebenfalls auf die Liste der disruptiven Mächte innerhalb der EU zu setzen, wird die europäische Politik weiter verkomplizieren. Die EU kann ohne die Kooperation ihrer Mitgliedsstaaten nicht erfolgreich sein.
Zeit online, Jan Zielonka, „Die liberale Demokratie wird das größte Opfer sein“, 28.05.2018

tendenziös

Das Adjektiv tendenziös bedeutet „befangen“, „voreingenommen“, „vorurteilsvoll“. Der Gebrauch ist meist abwertend. Passende Gegenworte sind etwa „objektiv“ oder „sachlich“.

Tendenziös können vor allem in der Öffentlichkeit getätigte Aussagen sein, zum Beispiel im Rahmen eines Fernsehberichtes, eines Zeitungsartikels oder einer Rede. Berichterstattung ist tendenziös, wenn sie parteiisch ist, eine bestimmte Absicht verfolgt oder eine bestimmte Meinung vertreten wird, häufig unter dem Deckmantel vorgegaukelter Objektivität.

Der Begriff leitet sich aus dem lateinischen tendere (u.a. sich angezogen fühlen) ab

Der Artikel ist ob seines tendenziösen Untertons kaum mehr ernstzunehmen.

Seine tendenziösen Äußerungen werden von der Regenbogenpresse gerne in reißerische Schlagzeilen verwandelt.

Der Witz ist das eine Mal Selbstzweck und dient keiner besonderen Absicht, das andere Mal stellt er sich in den Dienst einer solchen Absicht; er wird tendenziös.
– Sigmund Freud (1905), Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten.

Obwohl Nachrichtenmedien wie die New York Times oder die Washington Post eine strenge personelle Trennung der Meldungs- und Meinungsressorts betreiben, wird ihnen immer wieder von konservativen Gegenmedien vorgeworfen, sie berichteten tendenziös.
Oskar Piegsa (2009), Rechte Erfolge im Medienkrieg, Zeit-Online 22.01.2009.

peripher

Das Adjektiv peripher bedeutet „am Rande befindlich“ oder „nicht nennenswert“.

Bildungssprachlich bezeichnet man etwas als peripher, was an der Peripherie, d.h. an den Randgebieten liegt. Weiterhin können die äußeren Zonen des Körpers oder in der EDV an die zentrale Rechnereinheit angeschlossene Geräte als peripher bezeichnet werden.

Der Begriff entstammt dem griechischen periphérein (umhertragen).

Dieser Sachverhalt tangiert mich nur peripher.

Neben den ökonomischen Strukturen bleiben politische Strukturen in den fraglichen Regionen amorph. Politische Parteien spielen eine periphere Rolle, die politische Partizipation der Bevölkerung bleibt gering.
– Prof. Dr. Ulrich Albrecht, Peace Building after Intervention – Friedensaufbau in post-Konflikt Gesellschaften, DIE ZEIT 03/2003.

extrapolieren

Das Verb extrapolieren bedeutet im allgemeinen Sprachgebrauch, aus einem bekannten Zustand oder einer bekannten Entwicklung auf Zustände in anderen Bereichen oder auf zukünftige Entwicklungen zu schließen.

Beispiel: Hannes nimmt jährlich ein Kilogramm zu. Wir können extrapolieren, dass er im Jahr 2030 – falls es so weitergeht – etwa 130 kg wiegt.

Speziell in der Mathematik spricht man auch von „hochrechnen“. Mathematisches extrapolieren bedeutet, „Funktionswerte außerhalb eines Intervalls aufgrund der innerhalb dieses Intervalls bekannten Funktionswerte näherungsweise bestimmen“.

Beispiel: Das endgültige Wahlergebnis kann oft relativ genau auf Basis der ersten Auszählungen extrapoliert werden.

Der Begriff setzt sich aus dem lateinischen extra (außerhalb, außerdem) und einer Abwandlung von interpolieren (z.B. im mathematischen Sinne einen Wert zwischen zwei Werten ermitteln) zusammen.

Wenn man die Entwicklung der Leistung der Deutschen Nationalmannschaft zum Zeitpunkt des zweiten Spiels in der Vorrunde bei der Europameisterschaft 2012 auf ein mögliches Finale extrapoliert, ist ein Sieg unumgänglich.

Besonders amüsant sind die Prognosen für Deutschland 2050. Es werden bestimmte Tendenzen aus der bisherigen Entwicklung extrapoliert. Demnach sieht es so aus: Das Durchschnittsalter der Cola-Trinker in Deutschland im Jahre 2050 wird 68 Jahre betragen, Die Bevölkerungszahl von 82,1 Mio. (2008) auf 36, 9 Mio. zurückgehen, 34,7 % davon werden älter als 60 Jahre sein. Im Jahre 2050 wird es keinen Kabeljaufisch, keinen Kinobesucher, kein SPD-Mitglied und keinen TV Nutzer mehr geben. Schöne Aussichten!
brand eins,  ein Kommentar der ZEP zu „Die Welt in Zahlen 2011“.

assimilieren

Das Verb assimilieren bedeutet „angleichen“, „anpassen“.

Im allgemeinen Sprachgebrauch findet man den Begriff heute meist im Zusammenhang mit Einwanderung und kultureller Anpassung. In diesem Umfeld ändert sich seine Bedeutung meist zu „verschmelzen“. Dieser Wandel hat seinen Ursprung in der Biologie, wo assimilieren den Vorgang beschreibt, „einen körperfremden Stoff (zum Beispiel Kohlenstoff oder Stickstoff) aufzunehmen und in eine körpereigene Substanz umzuwandeln“.

Seinen Ursprung hat assimilieren im lateinischen assimilare (fälschen, nachahmen, vergleichen, gleichmachen, vortäuschen).

Die Gruppe ist Neuzugängen gegenüber nicht aufgeschlossen. Wer anders ist, fällt auf und wird benachteiligt. Neue Mitglieder müssen sich assimilieren, um wirklich dazuzugehören.

Gerhard fand die Regeln im Internat sehr streng. Lange konnte er sich nicht assimilieren, was sein Heimweh noch verstärkte.

postfaktisch

Das Adjektiv postfaktisch bedeutet „gefühlsmäßig“ oder „unsachlich“. Es beschreibt vor allem Aussagen, die auf Gefühlen und nicht auf Tatsachen beruhen. Das Gegenteil davon ist „faktisch“ – auf Tatsachen beruhend.

Der Begriff wurde von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) zum Wort des Jahres 2016 gekürt.

Postfaktisch wird durch die Ableitung des Adjektivs faktisch mit dem Präfix post- (lat. für nach, hinter) gebildet. Das Wort selbst ist eine Übersetzung des englischen Begriffs post-truth.

Es heißt ja neuerdings, wir lebten in postfaktischen Zeiten. Das soll wohl heißen, die Menschen interessieren sich nicht mehr für Fakten, sondern folgen allein den Gefühlen.
– Angela Merkel, Bundeskanzlerin, in einer Rede im September 2016

Den Redestil einiger Politiker kann man wohl als postfaktisch bezeichnen.

Philister

Philister bedeutet heute abwertend „Spießbürger“ im Sinne eines kleinbürgerlich-engstirnigen Menschen.

Im Sprachgebrauch von Studentenverbindungen auch „alter Herr“, also jemand, der das Studium abgeschlossen hat und nun berufstätig ist.

Der Begriff leitet sich vom Volk der Philister ab, das im 12. Jahrhundert v. Chr. die Küste des damaligen Palästinas bewohnte. Legendär ist die biblische Geschichte vom Krieg der Israeliten gegen die Philister, währenddessen David, der zukünftige König Israels, gegen den riesigen Philisterkrieger Goliath antrat und ihn schließlich mit einer Steinschleuder besiegte.

Wie der Begriff nun zu seiner heutigen Bedeutung im deutschen Sprachgebrauch gekommen ist, ist ungewiss. Man vermutet einen ersten Gebrauch in diesem Sinne im 16. Jahrhundert, zunächst im studentischen Umfeld. Später machten die Autoren der Romantik den Philister, also den engstirnigen, kleingeistigen Spießbürger ohne besondere geistige Bedürfnisse, zu ihrem erklärten kulturellen Feindbild.

Der Philister hat keine sozialen Eigenschaften, keine Idee von den wichtigsten menschlichen Dingen. Er weiß nicht, wie es draußen in der großen Welt zugeht; aber er hat Kaprizen für allerlei Kleinigkeiten, viel Sonderbares; und er ist ein Freund des Barocken. Ist er gelehrt, so weiß er am besten Bescheid in jenen Gegenden der Wissenschaft, wo die Motten anfangen.
– Arthur Schurig (1928), Der vollkommene Spießbürger.

Das sind die Philister unserer Zeit, deren liebstes Reiseziel der eigene, von Gartenzwergen bewachte Schrebergarten mit den schnurgeraden Karottenreihen ist.

empirisch

Das bildungssprachliche Adjektiv empirisch bedeutet „aus der Erfahrung“ bzw. „auf Beobachtungen beruhend“.

Für empirisch begründete Aussagen werden meist systematische Beobachtungen oder auch Experimente durchgeführt, um diese zu stützen.

Weitere Synonyme zu empirisch sind daher auch „erfahrungsgemäß“ und „erprobt“.

Seinen Ursprung hat der Begriff im altgriechischem empeirikós (erfahren, kundig).

Dass die Bevölkerung in den Industriestaaten immer mehr an Übergewicht leidet, zeigen nicht nur empirische Befunde, sondern ist auch mit bloßem Auge zu erkennen.

Studien, die nicht ausreichend empirisch belegt sind, sollte man besser kritisch hinterfragen.

Bei dieser Debatte gehe es doch vor allem um sehr subjektive Empfindungen darüber, welche Themen Medien angeblich unterdrücken. Mit empirisch belegter wissenschaftlicher Arbeit habe dies nichts zu tun, so Haarkötter.
Worüber die Welt 2015 nicht sprach, 17.02.16, Zeit online

selektiv

Das Adjektiv selektiv bedeutet „nur eine bestimmte Auswahl treffend“.

Der Ursprung des Wortes liegt im Lateinischen. Das deutsche Wort selektiv geht auf das lateinische Wort selectus zurück, wobei es sich hier um eine grammatikalische Form von seligo handelt, was so viel wie „auslesen“ oder „auswählen“ bedeutet. In der englischen Sprache wird das Wort selective mit der gleichen Bedeutung verwendet.

Synonyme für selektiv sind zum Beispiel „auswählend“ oder „auslesend“.

Der Auswahlprozess war sehr selektiv, nur wenige der Bewerber waren am Ende noch übrig.