• verifizieren

    Das schwache Verb verifizieren bedeutet „die Wahrheit oder Richtigkeit von etwas prüfen und bestätigen“.

    Es hat seinen Ursprung in den lateinischen Begriffen verus (wahr, vlg. veritas = Wahrheit) und facere (herstellen).

    Diesmal nahm er sich fest vor, ihre Aussagen erst zu verifizieren, statt wie beim letzten Mal überstürzt zu handeln.

    Die Anekdote scheint mir von dieser dubiosen Vereinigung kolportiert zu sein. Lässt sie sich irgendwie verifizieren?

    Die Empirie ist ein Weg, theoretische Aussagen zu verifizieren.

    Die kontroverse Debatte um diesen Hasardeur könnte sofort ad acta gelegt werden, wenn der Wahrheitsgehalt des profanen Videos endlich verifiziert werden würde. Der Status quo konterkariert schließlich latent die Arbeit der Kanonisationskongregation, wodurch es jederzeit zum Debakel kommen kann.

  • fulminant

    Das Adjektiv fulminant bedeutet „großartig“, „imposant“ oder „überwältigend“.

    Als fulminant bezeichnet man heute besonders eindrucksvolle Dinge und Ereignisse, insbesondere dann, wenn sie durch eine beachtliche und außergewöhnliche Leistung einer oder mehrerer Personen ermöglicht wurden. Tätigkeiten können ebenfalls als fulminant beschrieben werden, jedoch ist der Gebrauch in Bezug auf Substantive und substantivierte Verben weit häufiger.

    Ursprung des Begriffs ist das lateinische fulmen (Blitz).

    Nach dem fulminanten und viel beachteten Auftakt ließen sie nicht etwa nach, vielmehr schwangen sie sich zu bisher ungeahnten Höhen ihrer Kunst auf.

    Viel Lob bekam sie auch für den fulminanten Galaabend anlässlich des hundertsten Jahrestags des Vereins.

    Das Semester begann schwach, endete aber dafür um so fulminanter.

    Ist man Journalist und nimmt an einem JOURNALISTEN- ODER SCHRIFTSTELLERTAG teil, so donnere man eine fulminante Rede gegen den Nachdruck, den man als frechen Straßenraub bezeichnet, durch den der arme Kollege das geistige Eigentum einbüßt. Namentlich thue man dies, wenn man selbst das Verbrechen des Nachdrucks verübt. (sic)
    – Julius Stettenheim (1905), Der Moderne Knigge.

  • immanent

    Das Adjektiv immanent bedeutet „innewohnend“ oder „in etwas enthalten“.

    Im Kontext der Philosophie bedeutet immanent, in den Grenzen möglicher Erfahrungen inne zu halten oder bei einem Standpunkt zu bleiben.

    Im heutigen Sprachgebrauch kann immanent für folgende Synonyme verwendet werden: eingeschlossen, enthalten, inbegriffen, implizit oder inhärent.

    Der Begriff leitet sich vom lateinischen immanens bzw. immanere (bei etwas bleiben, anhaften) ab.

    Selbstorganisation, Selbstdisziplin und Selbstmotivation sind zu erlernende Fähigkeiten, die einem Studium schon immer immanent waren.

    Die Interpretation sollte rein textimmanent sein, hierbei fokussiert man zunächst nur den Inhalt und die sprachliche Gestaltung des Textes.

    Um ihre Zukunft und die ihrer Studenten macht sich das Paar keine Sorgen. „Aus Sicht eines Politikers ist Förderung ein politisches Steuerungsinstrument“, sagt er. „Auf dieses Instrument werden Politiker nie verzichten wollen. Es ist systemimmanent.“
    – Thomas Ramge (2011), Europa aktiv nutzen, brand eins 04/2011.

  • negieren

    Das Verb negieren bedeutet „abstreiten“, „leugnen“ oder „als nicht existent betrachten“.

    Ferner kann damit zum Ausdruck gebracht werden, dass einer Sache ablehnend gegenübergestanden wird. In der Sprachwissenschaft wird das Verb als Synonym für verneinen eingesetzt.

    Der Begriff gehört zu den Fremdwörtern, welche verhältnismäßig häufig verwendet werden. Dies trifft vor allem auf die Schriftsprache zu.

    Negieren leitet sich von dem lateinischen Verb negare ab, was „verneinen“, „abstreiten“ und „leugnen“ bedeutet.

    Angeklagte negieren vor Gericht häufig ihre Schuld.

    Jemand, der Atheist ist, negiert die Existenz von Gott.

    Ich negiere, dass ich jemals solche Gedanken hatte.

  • Allegorie

    Eine Allegorie ist ein objektiv fassbares (oft personifiziertes) Bild als Darstellung eines abstrakten Begriffs oder Sachverhalts.

    Beispiele für Allegorien:

    • Justitia steht mit Waage und Schwert in der Hand für Gerechtigkeit.
    • Der Sensenmann als Skelett in schwarzer Kutte mit Sense in der Hand  steht für den Tod.

    In der Literaturwissenschaft wird die Allegorie als Sprachbild und Stilfigur den Tropen zugeordnet und gilt dort als erweiterte, also über ein Einzelwort hinausgehende, Metapher. Eine Allegorie kann etwa eine einfache Geschichte sein, die einen größeren oder abstrakten Sachverhalt verdeutlicht.

    Synonyme zu Allegorie sind zum Beispiel „Sinnbild“, „Verkörperung“, „Inkarnation“ oder auch „Personifikation“.

    Das Substantiv ist vom lateinischen allegoria, bzw. dem griechischen allēgoría (das Anderssagen) hergeleitet.

    Eine der wohl am weitverbreitetsten Allegorien ist der Sensenmann, der als fassbare Darstellung für den Tod fungiert.

    Gemeint sind die rätselhaften Pop-Clowns, die wie ein Spuk in Fußgängerzonen auftauchen und mit ihrem kalten bleichgesichtigen Grinsen den Bürgern das Blut in den Adern gefrieren lassen. Solche Clowns erscheinen wie die Allegorie auf eine Welt, die sich selbst unheimlich geworden ist – eine Welt, die derzeit mehr Schreckensnachrichten und Fatalitäten hervorbringt, als das Menschenherz auszuhalten vermag.
    Thomas Assheuer, Die Grimasse des Realen, DIE ZEIT Nº 46/2014

    Die Faszination, die Fußball auslöst und ihn zur weltweit lukrativsten Ware des Unterhaltungsgeschäfts gemacht hat, wird gern umschrieben. Allegorie des Lebens. Spiegelbild der Gesellschaft. Ausdruck der Seele und Mentalität einer Nation. Fußball verbindet, bewegt, spaltet. Wenn es nach Hoeneß geht, dann ist der Fußball aber auch Abbild der Abgründe des Finanzsystems geworden. Ein wildes Gezocke abseits kaufmännischer Vernunft, zunehmend entmenschlicht.
    Gerhard Waldherr, Der Kaufmann, Brandeins, 11/2011

  • postulieren

    Das Verb postulieren bedeutet (1) „fordern“, „unbedingt verlangen“ oder (2) „etwas behaupten“, „als gegeben hinstellen“.

    Speziell in der Philosophie meint postulieren weiterhin, etwas ohne Beweise vorläufig als wahr anzunehmen.

    Der Begriff leitet sich aus dem lateinischen postulare resp. poscere (fordern, verlangen) ab.

    Die deutsche Rechtsprechung postuliert ein Recht auf Bildung.

    In der Erziehung meiner Kinder postuliere ich ihren unbedingten Gehorsam.

    Eine komplette Abendgarderobe für eine Frau, hat die Direktorin Breege O’Donoghue einmal postuliert, dürfe bei Primark nicht mehr als 50 Euro kosten, und zwar „für alles, was man sieht, und alles, was man nicht sieht“.
    – Harald Willenbrock (2012), Schnell, schön und schlank, brand eins 01/2012.

  • kapriziös

    Das Adjektiv kapriziös bedeutet „launenhaft“ oder „eigenwillig“.

    Im deutschen Sprachgebrauch wird damit meistens eine launische, freche und unberechenbare Art von Personen oder Dingen beschrieben. Beispielsweise könnte man Menschen, die durch spontane, unerwartete und überraschende Einfälle positiv bzw. negativ auffallen, als kapriziös bezeichnen. Auch Produkte, die z.B. durch überraschende und unerwartete Resonanzen am Absatzmarkt auffallen, können kapriziös sein.

    Der Begriff ist aus dem französischen Wort capricieux (bzw. caprice = Laune) abgeleitet. Der französische Begriff wurde verwendet, um besonders freche und launische Musikstücke zu beschreiben.

    Nach einer langen Zeit der Stagnation sind in den letzten Jahren so viele Fortschritte auf diesem Gebiet erreicht worden, daß die Physiker jetzt zu wissen glauben, wie sie weiter arbeiten müssen, um das kapriziöse Plasma — die Ausgangssubstanz ihrer Experimente — endlich zu bändigen.
    – Michael Globig (1971), Das kapriziöse Sonnenfeuer, Zeit-Online 18.06.1971

    Die Latino-Sängerin machte ihrem Ruf als kapriziöse Diva wieder alle Ehre und nervte die anderen Hochzeitsgäste schon beim Essen.

    Die Probleme beim Schaltgetriebe des neuen Sportwagens – Kapriziöse Technik oder falsche Bedienung?

  • Surrogat

    Ein Surrogat ist ein – meist unzureichender – Ersatz für etwas. So ist beispielsweise das Fernsehen ein Surrogat für die Wirklichkeit oder Analogkäse ein Surrogat für echten Käse.

    Die Herkunft des Wortes findet sich im lateinischen surrogare. Dieser Begriff aus der Politik beschreibt das Ernennen oder Wählen eines Amtsnachfolgers als Ersatz für den bisherigen Inhaber des Amtes.

    Auf der tiefgekühlten Pizza ist mittlerweile kein echter Käse mehr und auch keine echte Salami. Insofern steht die Fertigpizza stellvertretend als Symbol für unser von Surrogaten verseuchtes, geradezu künstliches Leben.

    Die geführte Wanderung durch den Amazonas ließ tatsächlich Abenteuerstimmung aufkommen. Dass sie lediglich ein Surrogat für eine echte, von wirklichen Gefahren begleitete Expedition war, störte die wenigsten Mitglieder der kleinen Reisgruppe.

  • Ambiguität

    Das Substantiv Ambiguität drückt immer die „Mehr-“ oder „Doppeldeutigkeit“ einer Aussage, eines Sachverhaltes, Werkes oder Zeichens aus.

    Anwendung findet es vor allem im literatur-, musik- oder kunstwissenschaftlichen Bereich, wenn es um die Ambiguität von Werken geht. Auch im sozialen oder juristischen Kontext wird der Begriff verwendet.

    Der Begriff geht zurück auf das lateinische Adjektiv ambiguus für „doppel-“ oder „uneindeutig“.

    Aufgrund der Ambiguität des Werkes entwickelten die Kritiker völlig verschiedene Deutungsweisen, wie vom Autor zweifellos beabsichtigt.

    Das Vexierbild zeichnete sich durch seine clevere Ambiguität aus, die nicht jedem auf dem ersten Blick deutlich wurde, dann aber umso mehr faszinierte.

    Die Ambiguität des Falls machte es für die Geschworenen schwierig, eine Entscheidung darüber zu fällen, wer der Schuldige sei.

  • kontradiktorisch

    Das Adjektiv kontradiktorisch leitet sich aus den beiden lateinischen Begriffen contra (gegen) und dicere (sprechen, sagen) ab. In der deutschen Sprache kann es in unterschiedlichen Kontexten verwendet werden und bedeutet meist ’sich widersprechend‘.

    In der Logik kann die Beziehung zwischen zwei Aussagen kontradiktorisch sein. Das ist dann der Fall, wenn sowohl von der Wahrheit der einen Aussage auf die Falschheit der anderen geschlossen werden kann als auch von der Falschheit der einen Aussage auf die Wahrheit der anderen. Beide Aussagen können also nicht gleichzeitig falsch sein, eine von beiden ist immer wahr:

    Tief in der Nacht stand die Sonne am Himmel. (kontradiktorische Aussage)

    Alle F sind P aber einige F sind nicht P. (kontradiktorische Aussage)

    Der Begriff kontradiktorisch wird oft mit dem Begriff konträr verwechselt. Konträr ist eine Beziehung zweier Aussagen, wenn von der Wahrheit der einen auf die Falschheit der anderen geschlossen werden kann, aber auch beide falsch sein können:

    Es ist Wochenende und es ist Mittwoch. (konträre Aussage)

    In der Rechtswissenschaft sind kontradiktorische Verfahren solche, bei denen sich zwei streitende Parteien gegenüber stehen und ermittelt werden muss, welche der beiden im Recht ist, also vor allem bei Zivilprozessen. Auch bei diesen ist es ja so, dass lediglich eine der beiden Parteien Recht bekommen kann, woraus sofort folgt, dass die andere im Unrecht ist.

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