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gustatorisch

Das Adjektiv gustatorisch bedeutet „den Geschmackssinn betreffend“ bzw. „das Schmecken betreffend“.

Die Sinneszellen in Nase und Mund, allen voran auf der Zunge, sind für die Wahrnehmung der gustatorischen Reize wie süß, sauer, salzig und bitter verantwortlich.

Grundsätzlich kommt der Begriff nur in Bereichen der Medizin oder der Psychologie vor, in denen auch die anderen Sinne beleuchtet werden, die olfaktorische, akustische, visuelle und haptische Reize wahrnehmen.

Gustatorisch leitet sich vom lateinischen Verb gustare (schmecken, probieren, genießen) ab.

Das Mahl sieht aus wie zusammengewürfelt, aber gustatorisch sagt es mir dennoch zu.

Die gustatorischen Nervenzellen des Patienten leiden unter einer Fehlfunktion, so dass es ihm nicht möglich ist, alle Geschmacksrichtungen zu unterscheiden.

Neben den klassischen gustatorischen und olfaktorischen sind vor allem mechano- , thermo- und nociceptive Empfindungen beteiligt. – Hatt, Hanns, Chemosensibilität, Geruch und Geschmack, in: Josef Dudel / Randolf Menzel / Robert F. Schmidt (Hg.), Neurowissenschaft, Berlin: Springer 1996, S. 297-316, S. 308

Agitator

Das Substantiv Agitator (der) beschreibt eine Person, die durch aufhetzende oder anspornende Reden oder Schriftstücke eine große Gruppe von Menschen zu gemeinsamen Handlungen auffordern oder bewegen möchte. Die Person betreibt dann Agitation. Der Ausdruck wird meist abwertend benutzt.

Synonyme zu Agitator sind: Demagoge, Volksverhetzer, Scharfmacher.

Der Begriff entstammt dem Lateinischen agitare, das „antreiben“ oder auch „aufwiegeln“ bedeutet.

Er ist ein Agitator, der versucht, die Menschen gegeneinander aufzuhetzen.

Joseph Goebbels war der wichtigste und schlimmste Agitator der NSDAP.

stoisch

Das Adjektiv stoisch bedeutet heute allgemein „gleichmütig“, „unerschütterlich“. Es beschreibt Menschen, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen, stets beherrscht und weitestgehend frei von emotionalen Schwankungen sind.

Ins Deutsche gelangte der Begriff über das lateinischen stoicus, d.h. „betreffend die Stoa“. Die Stoa wiederum war eine der vier großen philosophischen Schulen im alten Griechenland. Deren Begründer Zenon von Kition traf sich mit seinen Schülern zunächst in der stoa poikile, der bemalten Säulenhalle gegenüber der Akropolis in Athen.

Neben weiteren Aspekten befasst sich die stoische Lehre auch mit ethischen Fragen und gibt normativ das Streben nach Ataraxie, Apatheia und Autarkie vor, also nach emotionalem Gleichmut, Unerschütterlichkeit gegenüber negativen Ereignissen und Selbstgenügsamkeit. Aus dem ethischen Leitbild der Stoa ergibt sich schließlich die heutige Bedeutung im deutschen Sprachgebrauch.

Beispiele:

Seine stoische Ruhe war bemerkenswert, nichts schien ihn aus dem Gleichgewicht bringen zu können.

Mit stoischer Miene nahm sie die Anschuldigungen hin.

konstatieren

Das Verb konstatieren bedeutet „ermitteln“, „wahrnehmen“ oder „feststellen“.

Mit Abstand am häufigsten wird konstatieren als Synonym zu „feststellen“ gebraucht. In diesem Sinne meint der Begriff also, eine Tatsache zu erkennen und in der Regel auch zu äußern, d.h. laut auszusprechen.

In den deutschen Wortschatz wurde der Begriff aus dem gleichbedeutenden französischen constater entlehnt, welches auf das lateinische constare (bekannt sein, feststehen) zurückgeht.

Nach einem Blick auf die Quartalszahlen konstatierte er die positive Entwicklung des Unternehmens.

Sie konstatierte, ein verschwenderischer Umgang mit Steuergeldern habe zu der politischen Vertrauenskrise beigetragen.

Das Gericht konnte nur noch eine unzureichende Beweislage konstatieren und die Angeklagte in allen Punkten freisprechen.

konterkarieren

Das Verb konterkarieren bedeutet „hintertreiben“ oder „durchkreuzen“.

Pläne und andere Sachverhalte, vorrangig solche, die in irgendeiner Form zielführend sind, können konterkariert werden, d.h. sie werden unmöglich gemacht oder erschwert. Ihnen wird also – absichtlich, mitunter auch unabsichtlich oder sogar ungewollt – entgegengewirkt.

Konterkarieren hat seinen Ursprung im gleichbedeutenden französischen contrecarrer.

Mit seinem Schweigen zu den Vorwürfen konterkarierte er die auf Transparenz und Ehrlichkeit setzende Kommunikationskultur, die sich das Unternehmen auf die Fahne geschrieben hatte.

Korruption konterkariert den fairen Wettbewerb am Markt.

Mit ihren verfassungsfeindlichen Aussagen konterkariert sie die bisherigen politischen Bemühungen ihrer Partei.

Das vernünftige Ansinnen der Chinesen, ihre Devisenreserven im Ausland zu investieren, konterkariert Berlin mit protektionistischen Gesetzesvorhaben.
Georg Blume (2007), Asien muss noch viel reicher werden, DIE ZEIT, 27.12.2007 Nr. 01.

Sezession

Eine Sezession ist die Abspaltung eines Landesteils (und der in diesem lebenden Bevölkerung) von einem Staat, um einen neuen, unabhängigen Staat gründen zu können.

Ein berühmtes historisches Beispiele ist etwa die Sezession der Südstaaten der USA, die sich im 19. Jahrhundert aus dem Staatenbund lösten, um weiter Sklavenhandel und -haltung betreiben zu können. Zwischen 1860 und 1861 traten neben Alabama, Mississippi und Texas neun weitere Staaten aus der Union aus, woraufhin ein erbitterter Sezessionskrieg ausbrach, der 1865 schließlich mit der Wiederherstellung der Einheit endete.

Auch aktuell existieren in vielen Teilen der Welt Sezessionsbewegungen. So plant etwa Grönland die Unabhängigkeit von Dänemark und viele Katalanen würden eine Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien begrüßen.

Ursprung des Wortes ist das lateinische secessio (Trennung).

Schottland plant ein neues Unabhängigkeitsreferendum. Eine Sezession vom Vereinigten Königreich könnte es den Schotten ermöglichen, auch nach dem Brexit weiter EU-Mitglied zu bleiben.

a priori

A priori bedeutet im deutschen Sprachgebrauch „von vornherein“ oder „grundsätzlich“.

Der Begriff kann etwa gebraucht werden, wenn man ohne weitere Beweise und von vornherein ein Urteil trifft.

Insbesondere findet der Begriff auch in der Philosophie Verwendung. Eine Erkenntnis a priori zu äußern bedeutet hier, dass diese ohne tatsächliche Erfahrung, sondern durch bloßes Nachdenken und logische Schlussfolgerung erreicht wurde.

Seinen Ursprung findet der Ausdruck im lateinischen prior (Vorfahre, Vorgänger).

Beispiele:

Es ist in diesem Fall schwer, a priori eine Entscheidung zu treffen. Man sollte die Idee daher zunächst im kleinen Rahmen testen, bevor man sie generell für gültig erklärt.

Wir schließen a priori aus, uns mit dieser Frage auch nur zu beschäftigen, um unsere Ablehnung der theoretischen Grundlagen zu bekräftigen.

A priori ist das kein Widerspruch, wenn der Fall dann aber tatsächlich eintritt, muss man auf alles gefasst sein.

Enfant terrible

Ein Enfant terrible ist das sprichwörtliche „Schwarze Schaf“ auf einem Gebiet, in einer Gruppe oder in einer Familie, teils jedoch ohne die besondere negative Note. Eine Person also, die sich provokant über geltende Konventionen hinwegsetzt und damit oft aneckt oder sogar schockiert, möglicherweise aber auch als Draufgänger bewundert wird, Neues versucht und so zum Fortschritt zwingt.

Der Ausdruck stammt aus dem Französischen und bedeutet wörtlich übersetzt „schreckliches Kind“.

Seinem Ruf als Enfant terrible der Theaterszene nachkommend, war auch seine neueste Inszenierung so provokant und jenseits des guten Geschmacks, dass ein Teil der Zuschauer schon vor Ende der Vorstellung den Saal verließ.

Auch vor dem Halbfinale gegen Deutschland blicken alle auf Mario Balotelli, die „Skandalnudel“, den „Bad Boy“, das „Enfant terrible„. Er ist wohl der einzige Spieler des Turniers, der nicht an seinen sportlichen Leistungen, sondern seinen Eskapaden gemessen wird.
Eike Kühl (2012), Der Anarchist mit dem Hahnenkamm, ZEIT online.

devotional

Das Adjektiv devotional bedeutet „ehrfurchtsvoll“, „achtungsvoll“, „ehrerbietig“ oder „ehrfürchtig“.

Verwendet wird das Wort devotional, um einen ehrfürchtigen und achtsamen Umgang mit einem Gegenstand oder bei einer Tätigkeit damit auszudrücken.

Der Begriff stammt vom lateinischen devotio, was „Gelübde“ oder „Andacht“ bedeutet und zum kirchenlateinischen devotionalia führte, mit dem ursprünglich Gegenstände zur persönlichen Andacht bezeichnet wurden. Heute wird der Begriff Devotionalien auch für Sammlerobjekte ohne kirchlichen Hintergrund verwendet.

Er behandelt seine Sammlung sehr devotional.

Es handelt sich hier um devotionales Brauchtum.

prekär

Das Adjektiv prekär bedeutet „schwierig“, „unsicher“, „problematisch“. So lässt sich die Lage einer Person, einer Gemeinschaft, eines Landes etc. als negativ beschreiben.

Insbesondere ist eine prekäre Lage oder Situation eine solche, die sich – wenn überhaupt – nur schwer verbessern lässt. Der zeitliche Horizont des Wortes schließt also sowohl die Gegenwart als auch die Zukunft mit ein, wobei ein gewisser Pessimismus mitschwingt und die Aussicht auf Verbesserung oder auch nur Erhaltung des Status Quo angezweifelt wird.

Den Weg ins Deutsche hat der Begriff über das französische précaire (unsicher, widerruflich) gefunden, während der Ursprung im lateinischen precarius (erbeten) liegt.

Beispiele:

Die prekäre wirtschaftliche Lage seines Unternehmens bereitete ihm schlaflose Nächte.

Die beiden Länder befinden sich in einer prekären Verhandlungssituation. Ein Ende der Gespräche ist vorerst nicht in Sicht.

Kalehe ist nicht weit von Bukavu, der Provinzhauptstadt. Wenn die Aufständischen dort den Flughafen unter ihre Kontrolle bringen, sitzen Richter und Anwälte in Shabunda fest, wo die Sicherheitslage ebenfalls prekär ist.
Böhm (2012), Die Rebellen und das Recht, DIE ZEIT, 29.11.2012 Nr. 49.

Das Spiel, Theater probeweise als Dienstleistungsjob zu verstehen, demontiert nebenbei ein paar Lebenslügen, mit denen sich Menschen in Kreativ-Berufen das Leben gern schönreden – zum Beispiel indem sie miserable Bezahlung und prekäre Lebensverhältnisse mit hübschen Vokabeln wie „Selbstverwirklichung“ rosa einfärben.
Burghart (2007), In welchem Stück bin ich hier eigentlich?, brand eins 02/2007.