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Nexus

Das Substantiv Nexus (der) bedeutet „Verbindung“, „Zusammenhang“ oder „Verflechtung“.

Man spricht etwa vom logischen Nexus oder dem Nexus verschiedener zusammenhängender Sachverhalte.

Die Herkunft des Begriffs findet sich im lateinischen nexus (Verknüpfung, Verschlingung, Windung). Vergleiche auch lat. nectere (anknüpfen, verbinden).

Möglicherweise besteht kein Nexus zwischen den beiden Ereignissen.

Eine statistisch signifikante Korrelation allein beweist noch keinen kausalen Nexus.

Der Nexus zwischen CO2-Anstieg und Erderwärmung ist seit langem bekannt.

Seine erste Lektion über den Nexus von Unternehmenswelt und Politik lernt Lay vor 30 Jahren, als er bei der Ölfirma Exxon beschäftigt ist und ein Angebot bekommt, zur staatlichen Energieaufsicht zu wechseln.
zeit.de

flagrant

Das Adjektiv flagrant bedeutet „offensichtlich“ oder „eindeutig“.

Auch der Ausdruck in flagranti, was so viel wie „auf frischer Tat ertappt“ bedeutet, geht auf dieses Wort zurück.

Flagrant wurde direkt aus dem Französischen in die deutsche Sprache übernommen, wobei die Bedeutung gleichgeblieben ist. Das französische flagrant geht auf das lateinische flagrans (brennend) zurück.

Die Aktion ist ein flagranter Verstoß gegen das Völkerrecht.

Beim Erklimmen der Karriereleiter achte ich stets darauf, nicht allzu flagrant zu agieren.

Seine flagrante Xenophobie hat mich erschreckt.

Ambiguität

Das Substantiv Ambiguität bedeutet „Mehrdeutigkeit“ oder „Doppeldeutigkeit“ – etwa einer Aussage, eines Sachverhaltes, Werkes oder Zeichens.

Anwendung findet es vor allem im literatur-, musik- oder kunstwissenschaftlichen Bereich, wenn es um die Ambiguität von Werken geht. Auch im sozialen oder juristischen Kontext wird der Begriff verwendet.

Der Begriff geht zurück auf das lateinische Adjektiv ambiguus für „doppel-“ oder „uneindeutig“.

Aufgrund der Ambiguität des Werkes entwickelten die Kritiker völlig verschiedene Deutungsweisen, wie vom Autor zweifellos beabsichtigt.

Das Bild zeichnete sich durch seine clevere Ambiguität aus, die nicht jeder Betrachter sofort erfasste.

Aufgrund der Ambiguität der Situation können wir uns im Team nur schwer über die nächsten Schritte einig werden.

Seine scheinbar nette Geste triefte nur so vor Ambiguität.

prokrastinieren

Das Verb prokrastinieren bedeutet „aufschieben“, „vertagen“ und meint das unnötige und hinderliche Verschieben von wichtigen Aufgaben oder Vorhaben auf einen späteren Zeitpunkt.

Es ist ausdrücklich nicht das legitime Aufschieben aufgrund äußerer Umstände gemeint. Stattdessen geht es um Bequemlichkeit oder fehlenden Überblick und daraus resultierende erdrückende Komplexität der Aufgabe. Darum hat der Begriff einen entsprechend negativen Beiklang.

Der Begriff leitet sich aus dem lateinischen procrastino (vertagen) ab, zusammengesetzt aus pro– (für) und cras (morgen), bzw. crastinum (der morgige Tag).

Er hat den Versand des Newsletters prokrastiniert. Die armen Abonnenten mussten 2 Tage warten.

Vor wichtigen Aufgaben ewig zu prokrastinieren, ist nicht nur unter Schülern und Studenten ein beliebter Volkssport, sondern auch unter der arbeitenden Bevölkerung weit verbreitet.

Ich verpasse Flieger, springe in letzter Sekunde auf abfahrende Züge, prokrastiniere, wo es möglich ist.
zeit.de

Kleptokratie

Der Begriff Kleptokratie (die) bedeutet „Herrschaft der Diebe“.

Eine Kleptokratie ist eine Staat oder eine Herrschaftsform,  in der die Regierung oder andere Herrscher eine unbegrenzte oder starke Verfügungsgewalt über Besitztümer und Wertgegenstände in ihrem Herrschaftsbereich haben. Meist geht damit die Bereicherung der herrschenden Klasse auf Kosten der Beherrschten einher. Die rechtsstaatliche Ordnung ist in einer Kleptokratie praktischt nicht vorhanden.

Als Kleptokratien wurden zum Beispiel die Sowjetunion und das Russland der frühen neunziger Jahre bezeichnet. Auch Regime in Afrika, darunter in Nigeria oder Zaire, in Asien, zum Beispiel auf den Philippinen, und in allen anderen Erdteilen wurden bereits als Kleptokratien bezeichnet. Der Ausdruck Kleptokratie beinhaltet in sich selbst bereits eine starke Wertung und kann nicht neutral verwendet werden. Dieser Umstand erklärt sich aus der Herkunft des Begriffs.

Der Begriff ist abgeleitet aus den griechischen Worten kléptein (stehlen) und kratía (Staat, Herrschaft) und taucht in der deutschen Literatur nach unserer Recherche das erste Mal im 1860 erschienenen  „Geschichte und Gesetze des Schöpfungsvorganges“ (Link) von Hudson Tuttle auf. Häufiger verwendet wird er allerdings erst seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Um ein islamistisches Schurkenregime einzuhegen, die Mullah-Herrschaft in Teheran, wird ein ebenso gefährliches und verbrecherisches Regime bedingungslos gestützt, die wahhabitische Kleptokratie der Familie Saud.
zeit.de, 07.11.2018

In diesen Tagen starten die regierenden nationalistisch-wendekommunistischen Sozialdemokraten und Nationalliberalen nun einen neuen Anlauf, die Kleptokratie zu legalisieren – und gehen dabei viel strategischer vor.
spiegel.de, 08.04.2018

reziprok

Das Adjektiv reziprok bedeutet „wechselseitig“ oder „gegenseitig“.

Als reziprok können wechselseitige, gegenseitige oder aufeinander bezügliche Sequenzen bzw. Abläufe beschrieben werden. Auch Sachverhalte oder Verhältnisse können reziprok sein.

Die Herkunft des Begriffs liegt im lateinischen reciprocus (auf demselben Weg zurückkehrend).

In der Mathematik ist der reziproke Wert genau der Kehrwert einer Zahl.

Die Beziehung der zwei Professoren war – ungewöhnlich für die Fakultät – von reziproker Hochachtung geprägt.

Das nennt man den ‚reziproken Altruismus‘, wenn wechselseitig altruistisches Verhalten einen positiven Gesamteffekt hat.

Im Prinzip funktioniert Vertrauensbildung unter Menschen ganz ähnlich: Wir sammeln bewusst oder unbewusst Erfahrungen über die andere Seite, bis wir in einer bestimmten Situation die Entscheidung treffen, eine riskante Vorleistung zu erbringen. Wird diese Vorleistung nicht missbraucht, setzt sich eine Spirale, ein reziproker Prozess in Gang. Das Ergebnis kann blindes Vertrauen sein.
– Christiane Sommer (2008), Was uns antörnt, brand eins 12/2008.

Autosuggestion

Autosuggestion (die) ist die Beeinflussung der eigenen Psyche und sogar des eigenen Körpers mittels Selbsthypnose oder der wiederholten Beschäftigung mit gleichen Gedanken. Dieser Prozess kann unbewusst ablaufen, ist aber auch bewusst beeinflussbar.

Das zugehörige Adjektiv ist autosuggestiv.

Entwickelt hat die Methode der französische Apotheker Émile Coué de la Châtaigneraie (1857-1926), weiterhin Entdecker des Placebo Effekts. Laut seiner Beobachtung lässt sich so etwa die Wirksamkeit von Medikamenten verstärken.

Ursprung des Begriffs ist eine Zusammensetzung der lateinischen Begriffe auto- (selbst) und suggestio (Beeinflussung).

Die Fähigkeit zur Autosuggestion ist ein hilfreiches Mittel etwa zur Stärkung des Immunsystems oder zum Erlangen emotionaler Ausgeglichenheit.

Seine sich immer wiederholenden, vor Selbstsicherheit triefenden Phrasen scheinen zumeist in erster Linie Autosuggestion zu sein.

inhibieren

Das Verb inhibieren bedeutet „hemmen“, gelegentlich auch „verhindern“.

Neben dem kontextunabhängigen Gebrauch wird es besonders häufig auch im medizinischen Sprachgebrauch verwendet, wo man etwa davon spricht, dass die Wirkung eines Enzyms inhibiert wird.

Seine Ursprung findet der Begriff im lateinischen inhibere (anhalten, hemmen).

Die Maßnahme soll das Vertrauen der Investoren in die Währungsstabilität wiederherstellen und ein Fortschreiten der Krise inhibieren.

Mit dem Ziel, den Einfluss rechter Ideologien in Deutschland zu inhibieren, wird immer wieder ein mögliches Verbot der NPD diskutiert.

nivellieren

Das Verb nivellieren bedeutet „ausgleichen (von Unterschieden)“ oder „ebnen“. Dabei kann sowohl das aktive und absichtliche Ausgleichen von Unterschieden gemeint sein als auch ein zufälliger Anpassungsprozess.

Ursprung des Wortes ist das gleichbedeutende französische niveler.

Es scheint nahezu unmöglich, die Unterschiede zwischen Arm und Reich zu nivellieren.

Die globale Vernetzung macht kulturelle und mediale Inhalte weltweit verfügbar. So nivelliert sie zum Teil Unterschiede in der kulturellen Identität verschiedener Völker.

obskur

Das Adjektiv obskur bedeutet „unklar“, „zweifelhaft“, „unverständlich“ und beschreibt Dinge, Organisationen, Personen etc. als von zweifelhafter, nicht näher bekannter Herkunft, als undurchschaubar und verdächtig.

Ursprung des Wortes ist das lateinische obscurus (dunkel, unbekannt, unklar, unverständlich).

Die obskure Sekte machte in letzter Zeit mit Selbstmordwellen unter ihren Mitgliedern Schlagzeilen.

Ob seines obskuren Verhaltens bin ich mir nicht sicher, ob ich es mit einem Genie oder einem Wahnsinnigen zu tun habe.

Der Verdächtige verschwand schließlich in einer obskuren Kneipe, die er erst in den frühen Morgenstunden wieder verließ.