• Bourgeoisie

    Die Bourgeoisie war im deutschen Sprachgebrauch zunächst eine allgemeine und eher wertfreie Bezeichnung für das gehobene Bürgertum.

    Mitte des 19. Jahrhunderts etablierten Marx und Engels das Wort als Terminus für die herrschende bürgerliche Klasse, also jene, die nach Marx über die Produktionsmittel verfügt.

    Bis heute hat der Begriff der Bourgeoisie einen leicht abwertenden Beiklang.

    Aussprache: [bʊrʒo̯aˈziː], also etwa [Burschwasie].

    Herkunft des Wortes ist das französische bourgeoisie (Bürgertum).

    Die Kehrseite des Haussmann’schen Stadtumbaus sind die Enteignungen und Abrisse zahlloser Häuser, die beinahe gewaltsame Vertreibung ihrer Mieter, der „kleinen Leute“, und die Inbesitznahme der inneren Stadt durch die neureiche Bourgeoisie. Die heutige „Gentrification“ ist dagegen ausgesprochen harmlos.
    Bernhard Schulz (2010), Wie Paris zur Weltstadt wurde, ZEIT Geschichte, 29.11.2010.

  • kongruent

    Das Adjektiv kongruent bedeutet „deckungsgleich“ oder „übereinstimmend“, beschreibt also Dinge, Sachverhalte, Aussagen etc. als einer anderen Sache in ihrem Wesen oder ihrer Art gleichend.

    Der Begriff entstammt dem lateinischen congruere (übereinstimmen, entsprechen).

    Seine Gedankenwelt und das, was er als Autor letztlich zu Papier brachte, waren nicht kongruent.

    Viel schwieriger wird es sein, die Ziele der beiden Seiten, die keineswegs kongruent sind, sondern sich in gewisser Weise widersprechen, miteinander zu versöhnen.
    Marion Gräfin Dönhoff (1990), Bewegung am Kap, DIE ZEIT, 20.4.1990 Nr. 17.

  • pharisäisch

    Das Adjektiv pharisäisch bedeutet abwertend „scheinheilig“ oder „heuchlerisch“. Dergestalt lassen sich Personen sowie deren Taten und Aussagen als vorgetäuscht oder oberflächlich bzw. um des Scheins willen beschreiben.

    Seine Herkunft findet der Begriff im Namen der Pharisäer, einer Strömung im antiken Judentum, auftretend nach dem 2. Jhd. v.Chr. Die Pharisäer (lat. pharisaeli, die Abgesonderten) lösten den jüdischen Glauben vom Fokus auf den Tempel und konzentrierten sich stattdessen auf die Einhaltung zahlreicher, den Alltag betreffender Regeln. Die heutige Bedeutung ergibt sich aus der Darstellung der Pharisäer im Neuen Testament als oberflächlich fromm und sämtliche Regeln beachtend, in Wahrheit jedoch kaltherzig und fernab von dem, was man unter christlichen Werten versteht.

    Seine pharisäische Entrüstung brachte ihm mehr Kritik als Beifall.

    Die Legitimität der militärischen Notwehr gegen den Irak wird von der pharisäischen Doppelzüngigkeit der beteiligten Großmächte gewiß nicht in Zweifel gezogen.
    Reinhard Merkel (1991), Auf dem Schlachtfeld der Ehre, DIE ZEIT, 25.1.1991 Nr. 05.

  • Kakophonie

    Eine Kakophonie (die) ist eine eine schlecht klingende Folge von Lauten, also ein Missklang.

    Das Substantiv wird in der Sprachwissenschaft und in der Musik gebraucht. Antonym des Substantivs ist die Eufonie: der „Wohlklang“.

    Der Ausdruck findet seinen Ursprung im griechischen kakophonia, bestehend aus dem Präfix kakós (Miss-) und phōnḗ (Klang, Ton).

    Die Kakophonie des Musikstücks hielt sie nicht davon ab, es rauf und runter auf dem Klavier zu spielen und alle anderen damit zu nerven.

    Moderne Popmusik ist die reinste Kakophonie, wenn du mich fragst.

    Sie tat sich schwer, die fremde Sprache zu lernen. Alles klang so schrecklich kakophon.

    Ein Zweipersonenorchester mit ausreichend Empathie fürs gefühlige Genre, dessen Folkpop sich angenehm durch die Kakophonie des Alltags schlängelt.
    Jan Freitag, Zwei mit einer Stimme, Die Zeit, 03.09.2013.

     

  • Sezession

    Eine Sezession ist die Abspaltung eines Landesteils (und der in diesem lebenden Bevölkerung) von einem Staat, um einen neuen, unabhängigen Staat gründen zu können.

    Ein berühmtes historisches Beispiele ist etwa die Sezession der Südstaaten der USA, die sich im 19. Jahrhundert aus dem Staatenbund lösten, um weiter Sklavenhandel und -haltung betreiben zu können. Zwischen 1860 und 1861 traten neben Alabama, Mississippi und Texas neun weitere Staaten aus der Union aus, woraufhin ein erbitterter Sezessionskrieg ausbrach, der 1865 schließlich mit der Wiederherstellung der Einheit endete.

    Auch aktuell existieren in vielen Teilen der Welt Sezessionsbewegungen. So plant etwa Grönland die Unabhängigkeit von Dänemark und viele Katalanen würden eine Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien begrüßen.

    Ursprung des Wortes ist das lateinische secessio (Trennung).

    Schottland plant ein neues Unabhängigkeitsreferendum. Eine Sezession vom Vereinigten Königreich könnte es den Schotten ermöglichen, auch nach dem Brexit weiter EU-Mitglied zu bleiben.

  • phlegmatisch

    Das Adjektiv phlegmatisch bedeutet „träge“ oder „behäbig“. So lassen sich Personen von ruhigem, gleichgültigem, nicht affektivem Naturell beschreiben. Jemanden als phlegmatisch bzw. als Phlegmatiker zu bezeichnen hat jedoch oft einen abwertenden Beiklang.

    Seinen Ursprung hat der Begriff im griechischen phlégma. Hippokrates (um 400 v. Chr.), maßgeblicher Vordenker der wissenschaftlichen Medizin, bezeichnete damit einen entzündlichen, zähen Schleim im Körper. Nach seiner Viersäftelehre, die Krankheiten mit einem Ungleichgewicht der Körpersäfte erklärt, war eben dieser Schleim verantwortlich für Trägheit und Schwerfälligkeit.

    Sie ist viel zu phlegmatisch. Ihr Studium wird sie vielleicht noch schaffen, aber wie soll sie sich danach jeden Morgen aufraffen und etwas aus ihrem Leben machen?

    Die Ostertage verbrachte er – geradezu phlegmatisch – mit einem Buch in der Hand in der Hängematte. Tagelang dachte er nicht daran, das Fremdwort des Tages zu veröffentlichen.

    Phlegmatischen Menschen kann man ihre Trägheit vorwerfen, wie es schon Aristoteles tat. Jedoch kann ihre behäbige, unaufgeregte Art in manchen Situationen auch einen willkommenen Ruhepol darstellen.

  • Pathos

    Das Substantiv Pathos beschreibt im Allgemeinen ein leidenschaftliches Gefühl der Feierlichkeit oder des Ergriffenseins. Speziell in der Rhetorik meint es einen emotionalen, meist wortgewaltigen Appell an das Publikum.

    Der Begriff wird oft abwertend gebraucht, um auf die übersteigerte Rührseligkeit oder Schmalzigkeit etwa einer Feier, einer Rede oder eines Films hinzuweisen.

    Der Ursprung des Wortes findet sich im griechischen páthos (Leid, Leidenschaft).

    Nicht selten werden Verfilmungen geschichtlicher Ereignisse mit einer gehörigen Portion Pathos ausgestattet.

    Der übersteigerte Pathos in seiner Amtsantrittsrede ließ einen Teil des Publikums in frenetischen Beifall ausbrechen, während der Rest von Fremdscham erfüllt zu Boden blickte.

    Der gesamte Saal war vom Pathos ergriffen. Einige Anwesende brachen sogar in Tränen des Glücks aus, in diesem – so schien es ihnen – großartigen Land wohnen zu dürfen.

  • kolportieren

    Das schwache Verb kolportieren bedeutet „Gerüchte verbreiten“, meint also das Weiterverbreiten unwahrer oder ungesicherter Behauptungen und Halbwahrheiten.

    Herkunft des Fremdwortes ist das französische Kolportage, also der Hausierhandel. Vertrieben wurde dabei mit besonderem Vorzug minderwertige Literatur.

    Die Regenbogenpresse kolportierte ungeniert Details aus seinem Privatleben.

    Es wird derzeit dezent kolportiert, dass die Wahlergebnisse nicht auf rechtmäßigem Wege zustande gekommen seien.

    Die Ehre ihres Besuches hatte sein Ansehen noch gemehrt, allenthalben wurde dieses Ereignis kolportiert und endlos erörtert. Und wie immer in solchen Fällen fantasievoll ausgeschmückt.
    Wolfgang Müller (2012), Lebensgeschichte, ZEITmagazin, 16.5.2012 Nr. 21.

  • autark

    Das Adjektiv autark bedeutet „auf niemandes Weisung oder Unterstützung angewiesen“.

    Es kann etwa Personen, Organisationen, Abteilungen in Unternehmen etc. beschreiben, die eigenverantwortlich und selbstbestimmt handeln können. Speziell bei Regionen und Ländern tritt der Aspekt wirtschaftlicher Unabhängigkeit in den Vordergrund.

    Ursprung des Begriffs ist das griechische autárkēs (sich selbst genügend).

    Er war in seinem Denken und Handeln völlig autark.

    Bezüglich der Verhandlungen mit neuen Geschäftspartnern in Asien konnte sie ganz autark agieren und musste nicht jeden Schritt einzeln mit ihrem Vorgesetzten abstimmen.

    Der Staat ist wirtschaftlich weitestgehend autark und hat – mit Ausnahme von Erdöl – den Import jeglicher Produkte unterbunden.

  • biblioman

    Das Adjektiv biblioman ist ein Begriff der Psychologie und bedeutet „krankhaft bücherliebend“.

    Die Liebe zu Büchern ist bei den betroffenen Personen so stark ausgeprägt, dass Kennzeichen einer Sucht erkennbar sind oder sie sogar zu kriminellen Handlungen getrieben werden. So wiesen vor allem Angehörige des Klerus und Adels im 18. und 19. Jahrhundert bibliomane Züge auf. Der Pfarrer Johann Georg Tinius gilt als erster bekannter Bibliomane in Deutschland. Er verübte während des 19. Jahrhunderts mehrere Raubmordversuche und veruntreute Kirchengelder, um seinen Sammelwahn zu finanzieren.

    Der Ausdruck biblioman stammt aus dem Griechischen und ist zurückzuführen auf die Substantive biblion (Buch) und mania (Wahn).

    Dass nicht nur die Regale, sondern auch sämtliche Sitzgelegenheiten und Tische mit Büchern vollgestapelt sind, lässt auf bibliomane Bewohner schließen.

    Du magst mich für biblioman halten. Ich selbst empfinde mich als bibliophil und bestens belesen.

    Viele Gleichaltrige machen sich über die 15 jährige, bibliomane Schülerin lustig und sprechen sie nur noch mit „Leseratte“ an. Für die Mitschüler ist es unbegreiflich, warum sie ihre geliebten Bücher den generationsprägenden Partys, Youtube-Channels und Facebook-Chats vorzieht.

    Nach Erkenntnis der Medizin können Bücher krank machen. Die Sucht erzeugen, Buchrücken um sich zu haben. Das einchlägige Lexikon „Literatur und Medizin“ nennt als Symptome für „die bibliomanische Suchterkrankung“ : Verlust der rationalen Kontrolle über die benötigte und realistisch nutzbare Menge an Büchern. Verzicht auf Nahrungsaufnahme und Schlaf. Beschaffungskriminalität.
    Lucas Wiegelmann, Wie Michael F. der Begierde nach 24.000 Büchern erlag, Die Welt, 06.03.2012

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