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apologetisch

Das Adjektiv apologetisch bedeutet „rechtfertigend“ oder „verteidigend“. Konkreter bezeichnet es die Verteidigung einer bestimmten Lehre oder Meinung.

Ursprünglich wurde der Begriff vor allem mit religiösem Bezug verwendet und bedeutete „den Glauben rechtfertigend“. Die Apologetik ist ein Teilbereich der Theologie, welche sich mit der rationalen Begründung einer Religion beschäftigt.

Die Herkunft des Begriffs liegt im lateinischen apologeticus (Verteidigungsschrift), entlehnt aus dem griechischen apologētikós (zur Verteidigung oder Rechtfertigung geeignet). Im Englischen wiederum findet sich das Verb „to apologize“, was übersetzt „sich entschuldigen“ bedeutet. Die ursprüngliche Bedeutung hat sich hier also verändert.

Die Rede dauerte zwar mehr als zwei Stunden, trotzdem brachte sie in dieser Zeit keine Entschuldigung über die Lippen. Stattdessen war ihr Auftritt von einer stets apologetischen Grundhaltung geprägt.

Wenn ich meine Abteilungsleiter nach dem Status Quo frage, möchte ich Fakten hören und kein apologetisches Geschwurbel!

Habermas unterstellte den vier angegriffenen Historikern, die NS-Verbrechen apologetisch zu „relativieren“ und zu „verharmlosen“[…]
Zeit.de

subsidiär

Das Adjektiv subsidiär bedeutet  „unterstützend“ oder „behelfsmäßig“. Es beschreibt sowohl Maßnahmen, die dauerhaft Hilfe leisten und somit zum Gesamterfolg beitragen als auch Maßnahmen, die als (vorübergehender) Behelf dienen, also Mangels besserer Alternative zum Einsatz kommen.

Die Herkunft des Begriffs liegt im gleichbedeutenden französischen subsidiaire, dessen Ursprung sich im lateinischen subsidium (Hilfsmittel, Beistand) findet.

Die Garage fungierte subsidiär als Produktionsstudio für ihr erstes Album.

Die Förderung mit Steuergeldern ist nur ein subsidiäres Mittel, um das Überleben eigentlich gesunder Unternehmen in Krisenzeiten zu sichern.

Der sogenannte subsidiäre Schutz greift, wenn keine Gründe für Asyl oder für Flüchtlingsschutz nach der Genfer Konvention vorliegen, dem Betroffenen aber im Herkunftsland ernsthafter Schaden droht […]
zeit.de

deplorabel

Das Adjektiv deplorabel bedeutet „bedauernswert“.

Weitere Synonyme für deplorabel sind unter anderem „traurig“, „bedauerlich“, „kläglich“ und „bemitleidenswert“.

Deplorabel gehört in Deutschland zu den weniger verwendeten Wörtern, deren Bedeutung außerdem ständig abnimmt. Eine höhere Verbreitung findet sich in der Schweiz und in Österreich.

Der Wortstamm leitet sich dabei aus dem Lateinischen ab. So lässt sich das lateinische Wort deploro mit „beweinen“ oder „beklagen“ übersetzen. Auch in der französischen Sprache werden verwandte Wörter genutzt.

Wahrscheinlich war sein deplorables Erscheinungsbild beim Bewerbungsgespräch mit entscheidend für die Ablehnung seiner Bewerbung.

Die Stimmung innerhalb der Fraktion ist deplorabel.

Der Reiz einer Zwangsversteigerung ist zugleich auch das Risiko: Erst nach dem letzten Gebot kann der neue Besitzer das Haus von innen in Augenschein nehmen. Manch ein vermeintliches Schnäppchen hat sich hier schon als Bruchbude in einem deplorablen Zustand entpuppt.

Im zweiten Training am Freitag durfte wieder der Russe Sergej Sirotkin den deplorablen Williams-Boliden steuern und wurde souverän Letzter hinter Stroll.

Bottas zum Beginn in Montmelo vor Hamilton, Vettel, derstandart.at, 17.09.2018

Skeuomorphismus

Ein Skeuomorphismus ist ein Objekt, das in seiner Gestaltung ein anderes Material imitiert. Ein Beispiel dafür sind etwa Möbel aus Lederimitat, Klebfolien, die den Look von gebürstetem Metall imitieren und ähnliches.

Mittlerweile wird der Begriff vorrangig in Bezug auf die Gestaltung von Software verwendet, wo Programme gerne aussehen wie Papierkalender, ein in Leder eingebundenes Notizbuch etc. Ein gutes Beispiel dafür ist die von Apple in Mac OS X eingebundene Notiz-Software.

Skeuomorphismus bei Apple

Der bisher noch nicht im Duden aufzufindende Begriff hat seinen Weg ins Deutsche erst vor Kurzem über das englische skeuomorph gefunden. Selbiges ist griechischen Ursprungs und setzt sich zusammen aus skeuos (Behälter) und morphe (Form).

Es stellt sich die Frage, welchen Sinn Skeuomorphismus in Software-Design hat. In den Kindertagen der grafischen Benutzeroberfläche sollten Ordner, der Papierkorb oder andere Icons den Benutzer mit den Funktionen eines Computers vertraut machen. Heute wissen die meisten aber, wie ein Computer funktioniert – dafür kennen sie die alten Produkte kaum noch.
Florian Matthey (2012), Skeuomorphismus: Software-Design soll auch Apple-intern zu Streit führen, GIGA.de.

explorativ

Das Adjektiv explorativ bedeutet „erforschend“, „erkundend“ oder „untersuchend“.

Damit etwas explorativ sein kann, muss etwas für den Handelnden Neues vor ihm liegen. Der bildungssprachliche Ausdruck wird in vielen verschiedenen Feldern regelmäßig genutzt.

Explorativ geht auf das lateinische explorare (erforschen) zurück.

Exploratives Verhalten bei Kindern ist ausgesprochen normal sowie wünschenswert und entsprechend sollte das Fehlen desselben Eltern stutzig machen.

Der Erdölkonzern sandte ein zehnköpfiges Team mit einer mobilen Bohrstation aus, um explorativ nach Öl zu bohren.

Wenngleich seine Einstiegsversuche in die Höhle von Außenstehenden als gescheitert wahrgenommen wurden, bestand er darauf, dass sie vor allem explorativer Natur waren.

Tu quoque

Tu quoque bedeutet „auch du“ oder – umgangssprachlich – „selber!“.

In der deutschen Sprache kommt der Begriff Tu quoque im Zusammenhang mit dem Tu-quoque-Argument vor. Bei einem Tu-quoque-Argument soll der Gesprächspartner unmittelbar in seiner moralischen Überlegenheit diskreditiert werden, während auf die eigentliche Aussage nicht direkt eingegangen wird.

Ein Beispiel:

„Du solltest weniger Alkohol trinken.“

Ein Tu-quoque-Argument hierzu lautet:

„Du trinkst doch selbst täglich ein paar Bier und solltest bei dem Thema lieber die Füße still halten!“

Ein Tu-quoque-Argument soll also die Aussage des Diskussionspartners entkräften, da er selbst den eigenen Standards nicht genügt. Dies allerdings hat keinen Einfluss auf den Wahrheitsgehalt der vorgebrachten Aussage. Daher ist ein Tu-quoque-Argument oft keine Entkräftung der zuvor vorgebrachten Aussage in einer Diskussion.

Aussage: „Deine vielen Flugreisen sind schlecht für das Klima.“
Tu Quoque: „Das sagst du, während du jährlich mehrmals auf Kreuzfahrt gehst?“

Aussage: „Du muss einen Master-Abschluss machen, um einen guten Job zu bekommen.“
Tu Quoque: „Naja, aus dir ist trotz Master nichts geworden.“

Auf den Vorwurf, Zwischenrufe aus seiner eigenen Partei nicht zu sanktionieren, ging der Bürgermeister nicht ein. Stattdessen antwortete Roland mit einem klassischen Tu-quoque-Argument, warf der CDU also seinerseits unredliches Verhalten vor.

„Unqualifizierte Zwischenrufe“: Gladbecker CDU-Ratsfraktion wirft SPD respektloses Verhalten vor, Oliver Borgwardt, lokalkompass.de, 04.09.2018

divergieren

Das Verb divergieren bedeutet „auseinanderstreben“ oder „von etwas abweichen“, „sich unterscheiden“.

Es handelt sich um einen bildungssprachlichen Ausdruck. Er bezeichnet zum Beispiel gegensätzliche Meinungen (sie divergieren) oder die Tatsache, dass zwei Dinge sich komplett widersprechen. In der Mathematik divergieren alle Zahlenreihen, die keinen Grenzwert haben.

Ganz korrekt ist eigentlich – analog zur Divergenz – die erste Bedeutung. D.h. Unterschiede oder Abweichungen nehmen über die Zeit zu, wenn sie divergieren. Es hat sich allerdings „eingebürgert“ auch Dinge als divergierend zu bezeichnen, die einfach nur unterschiedlich sind.

Die Herkunft des Begriffs liegt im mittellateinischen divergere, was wiederum vom lateinischen dis-vergere abstammt. Dies bedeutet „auseinander“-„sich erstrecken“.

An dieser Stelle divergieren unsere Ansichten entscheidend!

Und es divergiert die Zahlenreihe immer weiter in den theoretischen Raum der Unendlichkeit hinein.

Die Darstellungen der Zeugen divergieren zu stark, als dass der Richter sie nutzen könnte.

Das Problem in der Rechtsprechung ist häufig, dass verschiedene Landesgerichte bezüglich ihrer Rechtsauslegung deutlich divergieren.

Introspektion

Introspektion bedeutet „das Beobachten und Analysieren eigener psychischer Vorgänge“. Hiermit ist zum Beispiel das eigene Bewusstsein gemeint. Eine Introspektion bezieht sich dabei auf die Person selbst, also auf das eigene Denken und Handeln. Als Synonym für Introspektion kann auch das Wort „Selbstbeobachtung“ verwendet werden.

Verschiedene Formen der Introspektion spielen unter anderem in der Psychologie und Philosophie eine Rolle. In der Psychologie ist die Introspektion ein wichtiger Bestandteil vieler Therapieformen. Das kann sich unter anderem dadurch äußern, dass ein Patient Notizen über eigene Gedanken und Handlungen anfertigt. Eine wichtige Rolle spielt die Introspektion auch bei der Meditation.

Das Wort Introspektion setzt sich aus der Vorsilbe Intro- und dem Wortstamm -spektion zusammen. Bereits im Lateinischen findet man das hier als Präfix verwendete Adverb intro (hinein, herein). Das lateinische spectare wiederum bedeutet „schauen“ oder „hinsehen“.

Die Fähigkeit zur Introspektion ist im gesellschaftlichen Miteinander und der Berufswelt sehr wertvoll.

Wie hilfreich Introspektion sein kann, das lässt sich jede Woche bei der Sendung „Wer wird Millionär?“ beobachten, wenn ein Kandidat bei einer Frage nicht weiter weiß. „Ein introspektiver Mitspieler wird bei Unsicherheit einen Freund anrufen oder das Publikum fragen, während ein weniger introspektiver Kandidat nicht beurteilen kann, ob seine potenzielle Antwort richtig ist. Er wird wahrscheinlich niemanden um Hilfe bitten“, erklärt Koautorin Rimona Weil.

Nachdenken über das Nachdenken, Jana Hauschild, tagesspiegel.de, 04.09.2018

reüssieren

Das Verb reüssieren bedeutet „Erfolg haben“ oder „Anerkennung finden“.

Es kann ausdrücken, dass jemand oder etwas die Achtung eines Publikums erringt oder mit etwas bzw. als etwas erfolgreich wird.

Der Begriff wurde aus dem französischen réussir (Erfolg haben, gelingen) entlehnt, welches auf das italienische riuscire (ausgehen; später: gut ausgehen, gelingen) zurückgeht.

Wie souverän sie als Geschäftsführerin reüssierte, überraschte viele Anleger und sorgte für positive Stimmung an der Börse.

Nach Jahren des Scheiterns reüssierte er endlich.

Mit dem skandalösen Buch reüssierte sie nur bei den deutschen Lesern. Der erhoffte weltweite Erfolg blieb aus.

Ihr neues Album reüssierte in den Charts.

obsolet

Das steigerbare Adjektiv obsolet bedeutet „veraltet“, „nicht mehr gebräuchlich“, „überflüssig“.

Als obsolet bezeichnet man im Deutschen Dinge, Ideen, Anschauungen und ähnliches, wenn sie überholt und nicht mehr üblich sind. Obsolet ist also alles, was durch Neues ersetzt und damit überflüssig geworden ist. Statt eine Sache als obsolet zu benennen, kann man auch von ihrer Obsoleszenz sprechen.

Der Begriff entstammt dem lateinischen obsoletus (abgenutzt).

A: „Frauen an den Herd, Männer an die Arbeit!“
B: „Mit derart obsoleten Ansichten sind Sie hier fehl am Platz.“

Das Internet hat die gedruckten Gelben Seiten obsolet gemacht.

Die Erfindung digitaler Bildsensoren und Speichermedien hat herkömmliche Fotokameras obsolet werden lassen.

Die Zeit verlangt Wahrheit, die ganze Wahrheit, nichts als die Wahrheit. Es muß noch dahin kommen, daß keiner dem andern eine Ohrfeige übelnehmen darf, wofern letztere nur aus einer teuren Überzeugung entsprang. Kein Briefgeheimnis, kein Hausgeheimnis! Alle diese obsoleten Begriffe müssen fallen! Alles muß öffentlich sein!
– Karl Immermann (1977), Münchhausen.