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Hasardeur

Ein Hasardeur ist jemand, der durch verantwortungsloses bzw. fahrlässiges Handeln ein hohes Risiko eingeht.

Die deutsche Aussprache folgt dem französischen Vorbild, in eingedeutschter Lautschrift also etwa „Hasardör“, mit Betonung auf der letzten Silbe.

Der Begriff wurde mit gleicher Bedeutung aus dem Französischen übernommen. Im Französischen ist der Ausdruck hasardeur seit dem 18. Jhd. nicht mehr gebräuchlich.

Er ist der reinste Hasardeur.

Manche sehen in Friedrich deshalb einen Hasardeur, der alles riskierte und aussichtslose Schlachten bis zur bitteren Niederlage weiterführte. In Kunersdorf rieten seine Offiziere ihm, angesichts der Unübersichtlichkeit des Geländes nach den Anfangserfolgen haltzumachen. Friedrich aber wollte die feindliche Armee nicht nur schwächen, sondern vernichten – und trieb seine Soldaten ins Verderben.
Andreas Molitor (2011), Unter dem Getöse von dreihundert Kanonen, ZEIT Geschichte.

forcieren

Das Verb forcieren bedeutet „(mit Gewalt) beschleunigen bzw. erzwingen“ oder „steigern“.

Der Begriff wird in unterschiedlichsten, meist planungstechnischen, Kontexten genutzt. Meist bedeutet er, dass Zwang ausgeübt oder große Anstrengung unternommen wird, um etwas zu erreichen.

Etwas zu forcieren heißt auch, etwas verstärkt zu beschleunigen.

Das Verb stammt aus dem Französischen forcer (sprengen, gewaltsam öffnen oder zwingen) ab. Dieses stammt wiederum vom lateinischen Adjektiv fortis, -e (stark, dauerhaft, tüchtig, gesund, kraftvoll, rüstig, mutvoll, mutig, tapfer) ab.

Weiterhin sind bestimmte Ziele im Rahmen der oppositionellen Arbeit zu forcieren.

Sein Lebenswerk besteht darin, die Errichtung eines gemeinnützigen Vereins zu forcieren.

Sie wissen, was Fortschritt in ihrer jeweiligen Branche bedeutet. Sie forcieren Innovationen im eigenen Haus, ringen um Entwicklung, beobachten Markt und Wettbewerb, messen einander und tauschen sich aus.
brand eins, Dr. Friedrich Schwandt, „Gut, besser, Innovator“, Jul. 2017

Zenit

Das bildungssprachliche Substantiv Zenit bezeichnet in der Astronomie den gedachten, höchsten Punkt des Himmelsgewölbes senkrecht zum Standort des Beobachters bzw. über einem bestimmten Bezugspunkt auf der Erde. In diesem Sinne gilt der Zenit als Scheitelpunkt.

Antonym zu Zenit ist der „Nadir“, also der Fußpunkt gegenüber dem Zenit.

Des Weiteren wird das Substantiv in der Bildungssprache gebraucht, um den [Zeit]punkt der höchsten Entfaltung oder Wirkung – mit anderen Worten also einen Höhepunkt – zu beschreiben. In diesem Sinne sind „Krönung“, „Maximum“, „Optimum“, „Finale“ oder „Klimax“ Synonyme zu Zenit.

Das Substantiv wurde im 16. Jahrhundert vom italienischen zenit (höchster Punkt, Höhepunkt) entlehnt, welches auf das arabisch samt ar-ra’s (Richtung des Kopfes, Scheitelpunkt) zurückgeht.

Heute Nacht um 2:30 Uhr wird der Stern im Zenit stehen.

Viele Kinder-Stars aus Hollywood haben schon vor ihrem Teenager-Dasein den Zenit ihres Ruhmes erreicht. Meist folgen darauf nur noch Skandale und Abstürze um Alkohol, Drogen und Sex.

Im Zenit der Euro-Krise wich die Notenbank zweimal von ihrem Rhythmus ab: Im Dezember 2011 und im Februar 2012 versorgte sie die Banken mit jeweils rund 500 Milliarden Euro zu einem Zinssatz von etwa einem Prozent für drei Jahre.
Marcus Pfeil, Die Grenzer, Brandeins, 03/2013

frugal

Das Adjektiv frugal bedeutet „einfach“, „bescheiden“ oder „mäßig“. Meistens wird es im Zusammenhang mit der Lebensweise einer Person oder auf Mahlzeiten bezogen genutzt.

Frugal ist auf das lateinische Wort frugalis (bieder, ordentlich, wirtschaftlich) zurückzuführen und hat seinen Weg über das französische frugal (mäßig, einfach) in den deutschen Sprachgebrauch gefunden.

Die Mahlzeiten im Gefängnis bestehen zwar nicht nur aus Brot und Wasser, aber man kann sie dennoch als frugal bezeichnen.

Aufgrund von monetären Schwierigkeiten stellt sich ein Studentenleben vielerorts als frugal dar.

Chinesische Zulieferer hat er „erzogen“, so seine Wortwahl, damit sie ihm Einzelteile nicht schlechter, sondern nur billiger liefern. „Design nach Preis“ nennt Kong sein Prinzip – „frugale Innovation“ heißt es in der Managersprache. – Georg Blume und Uwe Jean Heuser, Eine Milliarde Kunden, Die Zeit Nr. 6/2011, 3. Februar 2011

theatralisch

Das Adjektiv theatralisch bedeutet primär „das Theater betreffend“ oder „in seinem Gehabe, seinen Äußerungen, pathetisch„.

Das Adjektiv wird vor allem verwendet, um das theatralische Gebären einer Person zu beschreiben. Dies bezeichnet übertriebene, pathetische, aufgesetzte oder gekünstelt wirkende Verhaltensweisen an jemandem.
Der Begriff ist in fast jeder Verwendungsart negativ konnotiert.

Das Adjektiv stammt aus dem Lateinischen theatralis (das theatrum (Theater) betreffend).

Jedes Mal, wenn er den Raum betritt, schockiert er die konservativeren Damen und Herren mit seinem ausgesprochen theatralischen Auftreten.

Allein die Kombination aus dieser Hose und diesem Oberteil ist doch schon theatralisch!

Das gab den Fotos einen surrealen, „fast übernatürlichen“ Effekt, der „das Theatralische des Orts verstärkte“. Laval liebte das Missgeschick und hatte eine neue Obsession gefunden.
Spiegel online, Marc Pitzke, „Die Nassforscherin“, 28.07.2018

lakonisch

Das Adjektiv lakonisch bedeutet „kurz und treffend“ oder „wortkarg“.

Der Begriff lässt sich immer dann verwenden, wenn man darauf hinweisen möchte, dass etwas ohne viele Worte aber dennoch treffend ausgedrückt wurde. Oft, aber nicht immer, schließt das auch eine nüchterne und präzise Ausdrucksweise ein.

Lakonisch entstammt dem griechischen lakōnikós (kurz und treffend, wortkarg). Es bezog sich ursprünglich auf die knappe Ausdrucksweise der Spartaner, die man derzeit auch Lakedaimonier nannte.

 Lakonisch, ohne auch nur die Stimme zu erheben, beschrieb sie den Tathergang.

Auf die sehr offen gestellte Frage antwortete er überraschend lakonisch.

Der Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Henry Tesch, wiederum brachte es auf die lakonische Formel „der Weg ist das Ziel“.
Katharina Schuler (2009), Islamkonferenz übt sich in Bescheidenheit, Zeit Online 25.6.2009.

Häufig spricht man von „lakonischer Kürze“, was jedoch ein Paradebeispiel für einen Pleonasmus ist.

verbos

Das Adjektiv verbos bedeutet „wortreich“, „weitschweifig“. Der Begriff ist mittlerweile veraltet und wird kaum noch verwendet.

Weitere Synonyme wären „ausführlich“ und „erschöpfend“.

Der Ursprung des Begriffes liegt im lateinischen verbosus (wortreich), von verbum (Wort, Wortlaut).

Aufgrund verboser Reden von Politikern ist es für den Otto-Normal-Bürger oft schwierig, die Intention der Politik nachzuvollziehen.

Hör mir doch mal zwei Minuten zu, anstatt mich nur verbos vollzuschwafeln! Bei dir kommt man ja gar nicht zu Wort.

inhärent

Das Adjektiv inhärent bedeutet „einer Sache eigen sein, ihr innewohnen“.

Es gehört zur Bildungssprache und ist umgangssprachlich von geringer Bedeutung. Häufig findet es dagegen Verwendung in philosophischen Texten und Diskursen.

Das Adjektiv geht zurück auf das lateinische Wort inhaerens (an etwas kleben).

Die Wissenschaftlichkeit ist der Methode inhärent.

Die Gewalt ist ein Faktor, der dieser Ideologie inhärent ist.

Beispielsweise teilten sie Schülerinnen und Schüler in zwei Gruppen ein: Während die eine lernte, dass Interessen dem Menschen inhärent seien, erklärten sie der anderen Gruppe, dass sich Interessen entwickeln können.
Zeit online, Alexander Krex, „Mein Traumjob ist gar keiner“, 01.09.2018

apokryph

Das Adjektiv apokryph bedeutet „nicht anerkannt“, „zweifelhaft“.

Als apokryph wurden zunächst die Apokryphen bezeichnet, also Texte mit christlichen Inhalten, die aber nicht in den Bibelkanon aufgenommen wurden. Inzwischen kann der Begriff auch verwendet werden, um andere Arten von Texten und Aussagen zweifelhaften Ursprungs oder zweifelhaften Inhalts zu beschreiben.

Ursprung ist das altgriechische apokryphos (verborgen).

Kurz vor Halloween werden in sozialen Netzwerken immer wieder apokryphe Meldungen geteilt, die vor angeblich unter die ausgegebenen Süßigkeiten gemischten Drogen warnen sollen.

Auf seinem Totenbett wurde Niccolö Machiavelli bedrängt, den Teufel und all dessen Werke zu verfluchen „Dies ist nicht der Zeitpunkt, sich Feinde zu machen“, erwiderte er, lehnte sich in sein Kissen zurück und verschied. Der Hergang ist so nicht verbürgt, die Anekdote apokryph.
Die Zeit (1984), Der Fürst, 1.6.1984 Nr. 23.

Transkulturation

Transkulturation (die) ist die Einflussnahme einer Kultur auf eine andere. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird dieser Begriff aus den Kulturwissenschaften nur selten verwendet.

Beispiele für Transkulturation sind etwa die Amerikanisierung zahlreicher Kulturräume während der letzten Jahrzehnte oder die Islamisierung des Nahen und Mittleren Ostens im Zuge der islamischen Expansion während des 8. bis 10. Jahrhunderts.

Der Begriff der transculturación wurde in den 1940er Jahren vom kubanischen Wissenschaftler (u.a. der Anthropologie) und Politiker Fernando Ortiz Fernández geprägt und besteht aus der lateinischen Vorsilbe trans- (durch, über, auf die andere Seite) und dem lateinischen cultura (Kultur). Das deutsche Pendant ist eine direkte Übersetzung aus dem Spanischen.

Die fortschreitende globale Vernetzung im Laufe der letzten 30 Jahre hat ganz neue Wege der Transkulturation mit sich gebracht.