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emittieren

Das Verb emittieren bedeutet „ausgeben“, „ablassen“ oder „aussenden“.

Der Begriff kann unter anderem den Vorgang der Umweltverschmutzung durch umweltgefährdende Stoffe bezeichnen. Solche Stoffe, die beispielsweise in Gewässer oder in die Luft emittiert werden, nennt man dementsprechend auch Emissionen.

Im Bankwesen bzw. der Finanzsprache beschreibt emittieren das Ausgeben bzw. in Umlauf bringen von Wertpapieren, zum Beispiel mit dem Ziel, den Markt anzukurbeln oder eine Phase des Aufschwungs weiter zu befeuern.

In der Physik schließlich beschreibt emittieren die Abgabe von Photonen oder Teilchen.

Die Herkunft des Begriffs liegt im französischen émettre, was wiederum auf das lateinische emittere (herausgehen lassen, ausschicken) zurückgeht.

Beispiele:

Kohlekraftwerke emittieren enorme Mengen Kohlenstoffdioxid.

Das von Leuchtstoffröhren emittierte Licht wirkt auf viele Leute ungemütlich.

Das Unternehmen emittierte im großen Stil Aktien, um sich das nötige Kapital für die Expansionspläne zu beschaffen.

Somnolenz

Das Nomen Somnolenz (die) bedeutet „beständige Schläfrigkeit“, „starke Benommenheit“.

Der Ausdruck wird vorrangig in der Medizin verwendet. Dabei ist die Somnolenz einer der Grade der quantitativen Bewusstseinsstörung: Noch vorhandene Ansprechbarkeit bei auffälliger Müdigkeit, mitunter ergänzt durch Gedächtnisprobleme. Das Reaktionsvermögen ist bei Somnolenz verringert.

Die Grade der quantitativen Bewusstseinsstörung sind (aufsteigend):

  • Benommenheit (Denken und Handlen verlangsam, Aufwecken leicht möglich).
  • Somnolenz (beständige Schläfrigkeit, Aufwecken noch einfach).
  • Sopor (schlafgleicher Zustand, Aufwecken durch starke Reize noch möglich).
  • Koma (völlige Bewusstlosigkeit, Aufwecken nicht mehr möglich).

Der Begriff Somnolenz ist aus dem Spätlateinischen abgeleitet. Somnolentus bedeutet etwa „schlaftrunken“, somnus bedeutet „Schlaf“.

Die Bahnfahrt am Ende eines langen Arbeitstages verbringe ich in Somnolenz und den Fernsehabend im Sopor. Schließlich falle ich regelrecht ins Koma.

Seit er aus der Narkose erwacht ist, befindet er sich in einem Zustand schwacher Somnolenz, der aber in wenigen Stunden vorüber gehen sollte.

Eine missglückte Hypnose kann einen Klienten vorübergehend in den Zustand der Somnolenz versetzen.

dekadent

Das Adjektiv dekadent bedeutet „ausschweifend“, „verschwenderisch“ oder „im kulturellen Niedergang begriffen“. Der Ausdruck wird überwiegend abwertend gebraucht und kommt im Deutschen relativ häufig vor.

Dekadent ist eine Gesellschaft dann, wenn vermeintliche Hochkultur und zunehmender Hang zum Hedonismus zum Verlust der Widerstands- und Durchsetzungsfähigkeit führen. Genuss- und Vergnügungssucht lösen gesellschaftliche Tugenden ab, was zum Niedergang bzw. Verfall der Kultur führt.

Die Herkunft des Begriffs findet sich im lateinischen Verb decadere, welches „verfallen“ oder „hinabsinken“ bedeutet.

Wenn die führenden Schichten im Römischen Reich nicht so dekadent gewesen wären, wäre die Republik vielleicht nicht so schnell untergegangen.

Der dekadente Lebensstil kostet ihn ein Vermögen.

Die Feste der Könige und Kaiser waren dekadent.

Die Prohibition brachte den „Badewannen“- Gin hervor, für den man Industriealkohol mit dubiosen Zutaten zu einem scharfen Getränk mischte. Anschließend kam die große Zeit der Partys und Martini-Dinners, die jedoch in den 1970er Jahren nur noch als dekadent empfunden wurde.
Sonja Kastilian (2014), Gin – Der Geist in der Flasche, faz.net 02.01.2014.

konkludent

Das Adjektiv konkludent bedeutet „einen Rückschluss zulassend“, „folgerichtig“. Es wird in erster Linie in der Rechtssprache verwendet, kommt aber durchaus auch in anderen, etwa philosophischen Zusammenhängen vor.

In der Philosophie ist eine konkludente Aussage eine solche, die sich durch einen logischen Schluss ergibt.

Rechtssprachlich ist konkludentes Handeln dann gegeben, wenn eine Handlung eine Willenserklärung impliziert.

Im rhetorischen Sinne meint eine konkludente Schlussfolgerung eine solche, die ohne weitere Erklärung ersichtlich wird und sich zwingend aus den vorangegangenen Aussagen ergibt.

Das Wort konkludent leitet sich aus dem lateinischen concludens ab, dem ersten Partizip von concludere (einschließen, folgern).

Beispiele:

Die Kernaussage des Vortrags war vollkommen konkludent. Auch ohne weitere Erklärung zogen die Studenten die Schlüsse, denen der Professor mit seinen Worten den Weg geebnet hatte.

Durch konkludentes Handeln, nämlich Übergabe des Geldes und Annahme der Leistung, kam der Kaufvertrag zustande, obwohl keine der beiden beteiligten Parteien auch nur ein Wort sagte.

Seine Äußerungen waren allesamt konkludent, so dass wir ihm Glauben schenken können.

„Wenn man das Ganze vollends auf die Spitze treiben wollte“, so Meyer, „dann stellt sich natürlich auch die Frage, ob die Gäste der Veranstaltung nicht konkludent dem Rauchen zugestimmt haben, weil niemand Helmut Schmidt gebeten hat, die Zigarette auszumachen.
Diehl, Kayser (2008), „Man sollte Schmidt ein bisschen Spaß gönnen“, Spiegel Online.

autark

Das Adjektiv autark bedeutet „auf niemandes Weisung oder Unterstützung angewiesen“.

Es kann etwa Personen, Organisationen, Abteilungen in Unternehmen etc. beschreiben, die eigenverantwortlich und selbstbestimmt handeln können. Speziell bei Regionen und Ländern tritt der Aspekt wirtschaftlicher Unabhängigkeit in den Vordergrund.

Ursprung des Begriffs ist das griechische autárkēs (sich selbst genügend).

Er war in seinem Denken und Handeln völlig autark.

Bezüglich der Verhandlungen mit neuen Geschäftspartnern in Asien konnte sie ganz autark agieren und musste nicht jeden Schritt einzeln mit ihrem Vorgesetzten abstimmen.

Der Staat ist wirtschaftlich weitestgehend autark und hat – mit Ausnahme von Erdöl – den Import jeglicher Produkte unterbunden.

Status quo

Der Ausdruck Status quo (der) meint heute den „gegenwärtigen Zustand“.

Vom Status quo spricht man also im Allgemeinen dann, wenn man den aktuellen Stand der Dinge meint. Insbesondere sind damit auch die aktuellen rechtlichen oder wirtschaftlichen Gegebenheiten gemeint.

Oft impliziert der Begriff, dass der aktuelle Zustand problembehaftet ist, es aber auch keine einfache Lösung gibt.

Status Quo leitet sich aus der lateinischen Rechtssprache ab. In statu quo ante bedeutete hier „im vorherigen Zustand“.

Es hilft nichts, in blinden Aktionismus auszubrechen. Zunächst müssen wir präzise den Status quo erfassen. Eine Route kann – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne – nur dann geplant werden, wenn man sowohl das Ziel als auch den Ausgangspunkt genau definieren kann.

Im Spannungsverhältnis zwischen Taiwan und der Volksrepublik China ist in naher Zukunft keine Abweichung vom – relativ stabilen – Status Quo zu erwarten

Dietmar Schäfer, Vorsitzender der Arge Automotive Zulieferindustrie, fasst den Status quo in einem Satz zusammen: »Wir fahren gerade voll gegen die Wand.«
– Stefan Schlögl (2009), Voll gegen die Wand, Die Zeit, 30.04.2009.

diffus

Das Adjektiv diffus bedeutet „zerstreut“, „ohne klare Abgrenzung“, „unklar“, „konturlos“. Es wird in der Chemie und Physik sowie im allgemeinen Sprachgebrauch verwendet.

Die Herkunft des Begriffs liegt im lateinischen diffundere (ausgießen, (sich) ausbreiten, zerstreuen).

Beispiele:

Als sie am nächsten Morgen erwachte, war der Raum schon in ein diffuses Licht getaucht.

Sie fühlte sich abends nicht wohl und suchte am nächsten Tag mit diffusen Schmerzen in den Beinen ihren Hausarzt auf, um sich behandeln zu lassen.

Man konnte mit seinen Freunden nie etwas planen, den ihre eigenen Pläne waren sehr diffus.

prophylaktisch

Das Adjektiv prophylaktisch bedeutet „vorbeugend“ oder „verhindernd“.

Prophylaktisch wird oft im medizinischen Kontext verwendet, beschreibt aber auch im allgemeinen Sprachgebrauch vorbeugende Maßnahmen.

Das Adjektiv leitet sich vom griechischen προφυλακτικός (prophylaktikós) ab, welches wiederum auf prophylassein (vorbeugen) zurückgeht.

Beispiele:

Wenn Herr Meyer eine Verabredung hat, steckt er sich immer prophylaktisch Atemerfrischer in die Innentasche seines Mantels.

Man hatte sich – trotz fehlendem Befund – dazu entschieden, dem Meerschweinchen prophylaktisch Medikamente gegen Würmer zu geben.

Führungskräfte müssen führen, indem sie stören, indem sie prophylaktisch die Organisation mit Irritation versorgen, um die Neuorganisationskräfte nicht erlahmen zu lassen.
brand eins, Reinhard Sprenger, „Mission Störenfried“, Aug. 2000

agrarisch

Das Adjektiv agrarisch bedeutet „landwirtschaftlich“. Dabei kommt die Vorsilbe agrar- zur Anwendung. Diese geht auf das lateinische agrarius zurück, welches ebenfalls als Vorsilbe verwendet wird und soviel wie „Acker“ oder „Feld“ bedeutet.

Ein dazugehöriges Substantiv ist zum Beispiel Agrarwirtschaft, welches als „Landwirtschaft“ übersetzt werden kann.

Die Fläche wurde in der Vergangenheit vor allem agrarisch genutzt.

„Wir haben uns Freiheit und Demokratie erkämpft, wir hatten schon eine großartige Kultur, als manche im Süden der Republik noch sehr agrarisch geprägt waren.“

Christian Hirte in „Ostbeauftragter fordert mehr Selbstbewusstsein im Osten“ – morgenpost.de, 07.05.2018

Delinquent

Ein Delinquent ist ein Straftäter oder  auch ein Übeltäter im weiteren Sinne. Es muss also nicht zwingend eine strafrechtlich verfolgbare Tat vorliegen. So werden etwa neben strafunmündigen Kindern und Jugendlichen auch Personen als Delinquenten bezeichnet, die lediglich Ordnungswidrigkeiten begangen haben.

Ursprung des Begriffs ist das lateinische delinquere (eine Verfehlung begehen).

Der Delinquent hüllt sich zu den Vorwürfen bisher in Schweigen.

Die Obrigkeit zu betrügen ist keine Sünde, sondern eher eine Tugend, die von „vivenza criolla“, von Bauernschläue und Pfiffigkeit zeugt. „Sie haben mich wegen Diebstahls geschnappt -aber nicht wegen Blödheit“, brüstet sich der Delinquent.
– Carl D. Goerdeler (2002), Argentinien – oder die Kultur der Vergeudung, brand eins 01/2002.