• fraternisieren

    Das Verb fraternisieren bedeutet „sich anfreunden“ , „sich verbrüdern“. Es hat meist einen negativen Beiklang.

    Der Begriff findet oft dann Anwendung, wenn das Anfreunden aufgrund der ursprünglichen Positionen der sich miteinander fraternisierenden Parteien eigentlich eher abwegig ist oder einen negativen Beigeschmack hat. Beispielsweise dann, wenn eigentlich verfeindete Parteien sich miteinander verbünden, um niedere  Ziele zu erreichen.

    Der deutsche Ausdruck leitet sich aus dem französischen  fraternité (Brüderlichkeit) ab, welches auf das lateinische fraternus (brüderlich, freundschaftlich) zurückgeht. Vgl. auch lateinisch frater (Bruder).

    Es wird ihm zum Vorwurf gemacht, sich mit der Vorstandsebene der direkten Konkurrenz fraternisiert zu haben.

    Der Touristenbus aus Südkoreas Hauptstadt Seoul wird zum Slalom zwischen Drahtverhauen und Brachland eingewinkt. Kontrolle am „Checkpoint Charly“, dem Grenzposten zwischen Süd- und Nordkorea. Jeder muss unterschreiben, dass er auf dem Weg nach Panmunjom nicht mit nordkoreanischen Soldaten „fraternisiert oder Gesten macht, die der anderen Seite als Propagandamaterial dienen könnten“.
    Christian Schmidt-Häuer (2003),Zündeln mit der Bombe, DIE ZEIT 30.04.2003 Nr.19.

  • sukzessiv

    Das Adjektiv sukzessiv bedeutet „allmählich“, „nach und nach“ oder „schrittweise“.

    Prozesse oder Entwicklungen können als sukzessiv bezeichnet werden, um ihren graduellen Verlauf herauszustellen. Zur Beschreibung von Tätigkeiten muss das zugehörige Adverb sukzessive verwendet werden.

    Der Begriff hat seinen Ursprung im spätlateinischen successivus (nachfolgend).

    Lernt man jeden Tag ein neues Fremdwort, so erweitert man sukzessive seinen Wortschatz.

    Man sprach zunächst von einem sukzessiven Abbau der bestehenden Hindernisse, entschied sich letztlich aber doch für das alternativ vorgeschlagene Hauruckverfahren.

    Es ist ein sukzessives Erstarken dieser politischen Strömung zu beobachten.

    Albert der Große verfocht die Theorie der simultanen Beseelung – gleichzeitig mit dem Embryo entstehe die Seele. Thomas von Aquin dagegen vertrat die Theorie der so genannten sukzessiven Beseelung.
    – Antonio Autiero (2008), Verletzender Fundamentalismus, DIE ZEIT, 03.01.2008 Nr. 02.

  • konsolidieren

    Das Verb konsolidieren bedeutet „sichern“, „festigen“, „stabilisieren“ oder „stärken“.

    Konsolidiert werden kann alles, was als Einrichtung Bestand hat, beispielsweise also eine Ehe, die Wirtschaft, die politische Ausrichtung oder Position, ein zwischenmenschliches Verhältnis, der Staatshaushalt etc.

    Ins Deutsche übernommen wurde der Begriff im 18. Jhd. vom gleichbedeutenden französischen consolider. Der Ursprung liegt im lateinischen consolidare. Das lateinische solidus bedeutet ‚fest, stark oder hart‘ und bildet auch den Urspung des Adjektivs ’solide‘.

    Durch den weitreichenden Abbau wirtschaftlicher Schranken soll der Zusammenhalt der europäischen Staatengemeinschaft konsolidiert werden.

    Mittels geschickter Fiskalpolitik gelang das Kunststück, bei anhaltendem Wirtschaftswachstum den Staatshaushalt zu konsolidieren.

    Der außenpolitische Ansehensverlust ist enorm und dürfte lange vorhalten. Medwedjew, auf dessen liberalere Überzeugungen der Westen hoffte, ist entzaubert. Zwar mag die Hoffnung naiv untersetzt gewesen sein, da ein neuer russischer Herrscher am besten mit geballter Faust Popularität im eigenen Land erreichen kann. Aber der Krieg mit Georgien hat das Putin’sche Machtsystem konsolidiert und damit Medwedjews kleine Spielräume, falls er sie je nutzen will, weiter eingeengt.
    Johannes Voswinkel (2009), Russlands falsches Kalkül, ZEIT ONLINE 08.05.2009.

  • prekär

    Das Adjektiv prekär bedeutet „schwierig“, „unsicher“, „problematisch“. So lässt sich die Lage einer Person, einer Gemeinschaft, eines Landes etc. als negativ beschreiben.

    Insbesondere ist eine prekäre Lage oder Situation eine solche, die sich – wenn überhaupt – nur schwer verbessern lässt. Der zeitliche Horizont des Wortes schließt also sowohl die Gegenwart als auch die Zukunft mit ein, wobei ein gewisser Pessimismus mitschwingt und die Aussicht auf Verbesserung oder auch nur Erhaltung des Status Quo angezweifelt wird.

    Den Weg ins Deutsche hat der Begriff über das französische précaire (unsicher, widerruflich) gefunden, während der Ursprung im lateinischen precarius (erbeten) liegt.

    Die prekäre wirtschaftliche Lage seines Unternehmens bereitete ihm schlaflose Nächte.

    Die beiden Länder befinden sich in einer prekären Verhandlungssituation. Ein Ende der Gespräche ist vorerst nicht in Sicht.

    Kalehe ist nicht weit von Bukavu, der Provinzhauptstadt. Wenn die Aufständischen dort den Flughafen unter ihre Kontrolle bringen, sitzen Richter und Anwälte in Shabunda fest, wo die Sicherheitslage ebenfalls prekär ist.
    Böhm (2012), Die Rebellen und das Recht, DIE ZEIT, 29.11.2012 Nr. 49.

    Das Spiel, Theater probeweise als Dienstleistungsjob zu verstehen, demontiert nebenbei ein paar Lebenslügen, mit denen sich Menschen in Kreativ-Berufen das Leben gern schönreden – zum Beispiel indem sie miserable Bezahlung und prekäre Lebensverhältnisse mit hübschen Vokabeln wie „Selbstverwirklichung“ rosa einfärben.
    Burghart (2007), In welchem Stück bin ich hier eigentlich?, brand eins 02/2007.

  • defätistisch

    Das bildungssprachliche Adjektiv defätistisch (schweizerdeutsch: defaitistisch) wird abwertend gebraucht und beschreibt Personen, die mutlos agieren bzw. eine pessimistische Einstellung haben. Weiterhin können resignierende Aussagen als defätistisch bezeichnet werden.

    Ein umgangssprachliches Synonym für defätistisch ist „schwarzseherisch“.

    Abgeleitet wurde der Begriff von dem Substantiv Defätist, welches auf Defätismus zurückgeht, das seinen Ursprung im französischen défaitisme hat.

    Vor allem den Sozialdemokraten geht es schlecht. Demotiviert und defätistisch erlebe sie die Wahlkämpfer in den sozialdemokratischen Kreisverbänden, erzählt eine führende Grüne hinter vorgehaltener Hand.
    Lisa Caspari, Rot-Grün und die freie Liebe, 27.04.13, Zeit online

    Die Regierung in Kabul wird einer ermatteten Schutzmacht zuliebe nicht die Korruption bekämpfen, und die Taliban werden vor einem defätistischen Westen keine Angst haben.
    Jan Ross, Internationaler Terrorismus – Ein kleiner Sieg, 06.10.11, Zeit online

  • Orkus

    Orkus (bzw. Orcus) war laut römischer Mythologie der Herrscher der Unterwelt. Im Deutschen dient der Orkus als Synonym für die Unterwelt respektive das Reich der Toten.

    Etwas weniger dramatisch kann der metaphorische Abgrund gemeint sein, auf den jemand oder etwas zusteuert. In diesem Sinne spricht man gerne davon, etwas im Orkus zu versenken.

    Umgangssprachlich und seltener wird der Begriff auch als Synonym für „Toilette“ gebraucht.

    Der Begriff wurde aus dem Lateinischen übernommen.

    Steuert Donald Trump die amerikanische Gesundheitsversorgung in den Orkus?

    Ende der Woche – so die mutmaßliche Prophezeiung der Mayas – wird die ganze Welt im Orkus versinken.

    Die Investoren kehrten zurück. Die Staatsschuld halbierte sich auf den Traumwert von heute 46 Prozent der Wirtschaftsleistung (die Griechen sind bei 108 Prozent).

    Der Staatsbankrott muss also nicht in den Orkus führen. Aber bis dahin werden noch einige Euros in der Ägäis versinken.
    Joffe (2010), Euros in die Ägäis, DIE ZEIT, 29.04.2010 Nr. 18.

  • evozieren

    Das Verb evozieren bedeutet „hervorrufen“ oder „ins Gedächtnis rufen“, etwa von Gefühlen, Stimmungen, Vorstellungen oder Erinnerungen an Erlebnisse.

    Seinen Ursprung findet der Begriff im lateinischen evocare (herbeirufen).

    Das Gemälde evozierte bei ihr düstere Erinnerungen an ihre Kindheit.

    Manche Rede der AfD evoziert Erinnerungen an die Hochzeit des Nationalsozialismus.

    In diesem Kontext könnte die Formulierung Switzerland for sale das Bild eines Landes evozieren, das ungemütlich im internationalen Schaufenster steht und seinen eigenen Ausverkauf betreibt.
    Jakob Tanner (2010), Switzerland for sale, DIE ZEIT, 10.06.2010 Nr. 24.

  • konzedieren

    Das Verb konzedieren bedeutet „zugeben“, „einräumen“, „zugestehen“.

    Konzediert werden kann etwa ein eigentlich nicht erwünschtes Verhalten, wenn besondere Umstände vorliegen, die eine Ausnahme gestatten.

    Auch beim eher widerwilligen Einräumen positiver Aussagen, etwa bezüglich Eigenschaften oder Errungenschaften anderer Personen, kann man vom Konzedieren sprechen.

    Letztlich können negative Entwicklungen oder Situationen konzediert werden, was meist ein öffentliches Zugeben selbiger meint.

    Das Wort konzedieren leitet sich aus dem lateinischen concedere ab, das ursprünglich „beiseitetreten“ heißt.

    Durch die besonderen Umstände konnte man ihre Abwesenheit konzedieren.

    Er war der Liebling der Lehrer, weshalb einige seiner Unarten stillschweigend konzediert wurden.

    Trotz des jüngsten Skandals muss man ihm seinen überragenden Intellekt konzedieren.

    Die englischen Kommentatoren sprechen einhellig von einer unglücklichen Niederlage und konzedieren, dass die Deutschen selbst in Unterzahl zumindest passabel spielten und gute Chancen herausholten.
    Krönig (2010), Um England steht es nicht gut, Zeit Online.

    Auch die EZB wird bald konzedieren müssen, dass wir es nicht mit einem normalen Konjunkturzyklus zu tun haben, sondern mit einem Prozess, der nach klassischem Muster in die Deflation führen kann.
    Wermuth (2008), Deflation wird wahrscheinlicher, Zeit Blog „Herdentrieb“.

  • Katharsis

    Das Substantiv Katharsis (die) hat zwei Bedeutungen.

    In der Psychologie meint Katharsis die Befreiung von psychischen/seelischen Konflikten durch eine emotionale Handlung.

    In der Literaturwissenschaft ist Katharsis in der aristotelischen Poetik die Reinigung als Effekt der Tragödie.

    Das Wort ist aus dem griechischen katharsis (Reinigung, Sühnung) abgeleitet.

    Durch eine Katharsis war er imstande, seine Wut herauszulassen und zu reduzieren.

    Schaut man sich die Katharsis-Konzeption von Aristoteles an, so kann man schon sagen, dass sie zu den wirkungsmächtigsten Ideen der Dichtungstheorie gehört.

  • Jour fixe

    Der Jour fixe ist im deutschen Sprachgebrauch ein regelmäßig stattfindendes Treffen eines definierten Personenkreises an einem festgesetzten Wochentag, gegebenenfalls zu einer festen Uhrzeit.

    Vom Jour fixe hört man oft im Arbeitsumfeld, womit dann wöchentliche Besprechungstermine oder Diskussionsrunden in Projekten oder Arbeitskreisen gemeint sind. In neudeutscher Ausdrucksweise könnte man auch sagen, es handle sich hierbei um ein regelmäßiges Meeting. Auch im Privaten kann der Begriff verwendet werden, beispielsweise, um ein wöchentliches Treffen einer festen Gruppe Freunde zu beschreiben.

    Der Begriff ist französischer Herkunft: „Jour“ bedeutet übersetzt „Tag“, jedoch wurde das Wort früher auch für einen sich periodisch wiederholenden Termin verwendet; „fixe“ bedeutet „festgesetzt“.

    Um regelmäßig einen Überblick über den Arbeitsfortschritt der anderen Projektteams zu erhalten, wurde für das nächste halbe Jahr ein wöchentlicher Jour fixe der Teamleiter angesetzt. Diese treffen sich nun jeden Freitag um 14:00 Uhr.

    Personal findet man im IT-Bereich lieber in eigenen Netzwerken. „Das Networking ist für diese Leute extrem wichtig“, erkannte auch Ulrich Schmid, Bereichsleiter Informationstechnologie und Medienwirtschaft bei der Industrie- und Handelskammer Berlin. Also versucht er, die Gründer monatlich in einem Jour fixe zusammenzubringen.
    – Sebastian Marquardt (2000), Knapp vorbei, brand eins 04/2000

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