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  • konstituieren

    Das Verb konstituieren bedeutet „ins Leben rufen“, „sich grundlegend organisieren“ oder „f√ľr etwas konstitutiv (grundlegend) sein“. Somit beschreibt es den Prozess der ersten Schritte der Realisierung etwa eines Parlaments, einer Organisation, eines B√ľndnisses, eines Staates etc.

    Ursprung des Begriffs ist das lateinische constituere (festsetzen, aufstellen).

    Kurz nach Ende des Krieges konstituierte sich die neue Regierung.

    Die konstituierende Versammlung war mehrere Tage mit dem Entwerfen der offiziellen Vereinssatzung beschäftigt.

    Zu viel ist noch ungeklärt: Wie steht es um die Demokratie in einem Megastaat? Was ist von einem europäischen Länderfinanzausgleich zu halten, wo doch schon der deutsche kein Erfolgsmodell ist? Wie ist es um das Selbstverständnis eines Staates bestellt, der sich unter dem Druck der Finanzmärkte konstituiert?
    Mark Schieritz (2012), Entweder ‚Äď oder?, DIE ZEIT, 23.8.2012 Nr. 35.

  • Odyssee

    Eine Odyssee ist eine lange Irrfahrt, also eine abenteuerliche Reise, welche mit vielen Hindernissen verbunden ist.

    Der Ausdruck Odyssee ist auf den Epos des altgriechischen Dichters Homer zur√ľckzuf√ľhren. In diesem Epos aus dem 8. Jhd.v.Chr. erz√§hlt Homer von den abenteuerlichen Irrfahrten des Odysseus – ergo einer reinen Odyssee.

    Sich durch die Telefonschleifen des Telefonanbieters durchzuschlagen war eine Odyssee.

    Die Reise war eine echte Odyssee. Erst hing die Bahn mehrere Stunden auf den Gleisen fest, dann fiel die Heizung aus und zu guter Letzt wurde auch noch sein Portemonnaie gestohlen.

    In seinem bekanntesten Roman ‚ÄěEine Frau flieht vor einer Nachricht‚Äú (2009) begibt sich die Mutter eines Soldaten auf eine Odyssee durch Israel, in der Hoffnung, der Kunde vom Tod ihres Sohnes an der Front durch dauernde Bewegung zu entrinnen.
    Nina May, David Grossman: Der Wiedergänger, Die Zeit, 19.12.2013.

     

  • Chuzpe

    Chuzpe¬†(die) ist ein Begriff aus dem Jiddischen und beschreibt eine Dreistigkeit, Frechheit oder Unverfrorenheit. Das ch wird ausgesprochen wie im Wort „Lachen“, der Rest des Wortes folgt der deutschen Aussprache, wobei das u kurz und das z wie ein tz ausgesprochen wird. Die Betonung liegt auf der ersten Silbe.

    Den Begriff Chuzpe hört und spricht man nur noch selten, in der geschriebenen Sprache taucht er jedoch auch heute noch gelegentlich auf. Von einer Chuzpe ist immer dann die Rede, wenn eine unglaubliche Dreistigkeit begangen wird. Chuzpe ist meist Mittel zum Zweck, es wird also ein Ziel erreicht.

    Der Begriff ist im Allgemeinen und in seiner urspr√ľnglichen Bedeutung negativ und abwertend belegt. Abh√§ngig vom Standpunkt kann er jedoch auch positiv konnotiert sein.

    Ein Chuzpenik, also jemand, der Chuzpe an den Tag legt, kann sie als durchaus positiv, als k√ľhn und gewitzt bewerten.

    Auf dem Nachhauseweg vom Trinkgelage verursachte er einen schweren Unfall, f√ľhrte dann aber sp√§ter seine Trunkenheit als Strafmilderungsgrund an. Im betrunkenen Zustand sei er ja wohl kaum zurechnungsf√§hig gewesen, k√∂nne rechtlich also nicht belangt werden. Eine so unglaubliche Chuzpe war dem Richter noch nicht untergekommen.

    Huber […] redet Klartext: „Gott emp√∂rt mich dann nicht, aber ich verstehe ihn auch nicht. In der Liebe erkenne ich ihn. Als einen Gott des Mordes und Hasses kann ich ihn nicht akzeptieren.“ Ob diese willk√ľrliche Entscheidung nicht arge Chuzpe sei, fragt Friedman. Huber sagt: „Ein bisschen Chuzpe ist doch gut!“
    Jan K√ľveler (2011), „Ein bisschen Chuzpe ist doch gut!“, Welt Online 01.12.2011.

  • kollaborieren

    Das Verb¬†kollaborieren¬†bedeutet „mit dem Feind zusammenarbeiten“. Es entstammt dem lateinischen¬†collaborare, zusammengesetzt aus der Vorsilbe co (zusammen) und laborare¬†(arbeiten). Passenderweise bedeutet das ¬†lateinische laborare¬†unter anderem auch „in Gefahr sein“ – ein Zustand, der dem Kollaborateur¬†im Regelfall bekannt ist.

    Das Wort¬†wird im Deutschen – anders als das englische collaborate¬†–¬†vorrangig in dieser spezifischen Bedeutung verwendet werden, also um zu beschreiben, dass jemand gegen die Interessen seines Heimatlandes, Arbeitgebers etc. mit gegnerischen M√§chten, etwa Kriegsgegnern, Terroristen, Besatzern oder anderen Unternehmen, zusammenarbeitet.

    Weiterhin kann kollaborieren auch einfach „zusammenarbeiten“ bedeuten – zumindest laut Duden. Dieser Gebrauch ist aber eher un√ľblich und sollte vermieden werden, um Missverst√§ndnissen¬†vorzubeugen. Ein passendes, gebr√§uchlicheres Synonym ist kooperieren.

    Er er√∂ffnete ihr eine neue Sicht auf die Welt, so dass alles pl√∂tzlich einen neuen Sinn ergab. Sp√§ter kollaborierte sie dann mit einer Terrorzelle unter seiner F√ľhrung und versorgte diese mit entscheidenden Informationen f√ľr die Planung mehrerer Anschl√§ge.

    Er entsprach ganz dem Typus des skrupellosen Kriegsherrn, der √ľber Leichen geht. Graziani lie√ü als Erstes die Halbnomaden entwaffnen und all jene von ihnen hinrichten, die im blo√üen Verdacht standen, mit den Aufst√§ndischen kollaboriert zu haben.
    РAram Mattioli (2003), Libyen, verheißenes Land, Die Zeit 15.05.2003.

  • intrikat

    Das Adjektiv intrikat bedeutet „verworren“ respektive „verwickelt“. Es dient zur Beschreibung besonders komplexer und detailreicher Sachverhalte, deren geistige Erfassung eine erhebliche kognitive Leistung darstellt. Leider wird dieses sch√∂ne Wort heute nur noch selten gebraucht und gilt somit als veraltet.

    Seinen Ursprung hat der Begriff im lateinischen intricare (verwirren, in Verlegenheit bringen). Vgl. auch tricare (Schwierigkeiten machen).

    Ein Hochschulstudium ist in der Regel ein recht intrikates Unterfangen.

    Die intrikaten rechtlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse in China machen westlichen Unternehmen den Markteintritt schwer.

  • Imponderabilien

    Eine Imponderabilie ist eine „Unw√§gbarkeit“, d.h. ein bei einer Entscheidung nicht vorhersehbares, zu einem sp√§teren Zeitpunkt eintreffendes Ereignis. Der Begriff wird nahezu ausschlie√ülich im Plural gebraucht.

    Imponderabilien spielen etwa in betriebswirtschaftlichen Zusammenh√§ngen, vorrangig bei Investitionsentscheidungen, eine wichtige Rolle. Anders als bekannte und kalkulierbare Risiken k√∂nnen sie zum Zeitpunkt der Entscheidung nicht ber√ľcksichtigt und somit nicht quantifiziert werden. Ebenso wenig kann ¬†eine Strategie f√ľr den Fall ihres Eintretens zurechtgelegt werden, eine Reaktion ist also nur im Nachhinein m√∂glich und oft mit gro√üen Kosten verbunden.

    Auch in der Rechtssprache existiert der Begriff der Imponderabilien und beschreibt dort Stoffe, die unbeherrschbar und unwägbar sind, d.h. sich nicht wiegen lassen. An ihnen kann kein rechtliches Eigentum bestehen. Hierzu zählen etwa Geräusche und Strahlungen oder auch freie Gase und Dämpfe.

    Wie genau der Begriff den Weg ins Deutsche gefunden hat ist ungewiss, jedoch kann davon ausgegangen werden, dass der Ursprung im lateinischen poderabilis (wägbar) liegt.

    Vieles lässt sich planen, Imponderabilien können aber nie ganz ausgeschlossen werden.

    Auch rechnet jedermann damit, da√ü es diesmal schnell gehen wird. Das Parlament will sich noch vor Weihnachten konstituieren, in Berlin. Und wenn nicht die ber√ľhmten Imponderabilien dazwischenkommen, soll auch gleich die Kanzlerwahl √ľber die B√ľhne gehen ‚Äď was voraussetzt, da√ü die k√ľnftige Ministermannschaft jedenfalls in ihren Umrissen bekannt ist.
    Carl-Christian Kaiser (1990), Lauter blaue Wunder, DIE ZEIT, 30.11.1990 Nr. 49.

  • salvatorisch

    Das Adjektiv salvatorisch bedeutet „nur erg√§nzend geltend“. Es beschreibt einen Zusatz (zu etwas Gesagtem, zu einem Vertrag etc.), der in aller Regel nur dann gilt, wenn anderes keine Anwendung findet. Entsprechend kennt die juristische Fachsprache die salvatorische Klausel eines Vertrags, die in Kraft tritt, sobald einzelne Teile des Vertrags unwirksam werden.

    Ursprung des Wortes ist vermutlich das lateinische salvare ((er)retten, erlösen).

    Am Ende der Einladung fand sich als salvatorischer Zusatz, dass die Feier bei ung√ľnstigen Wetterverh√§ltnissen mit leichten Programm√§nderungen im Clubhaus stattfinden w√ľrde.

    Salvatorisch f√ľgte er hinzu, dass die Expansionspl√§ne nach Japan und Korea auch dann nicht verworfen w√ľrden, sollten die Verhandlungen mit den chinesischen Partnern unerwartet platzen.

  • Kabale

    Eine Kabale ist eine Intrige beziehungsweise ein Ränkespiel, meint also (im Verborgenen betriebene) Machenschaften zur Erreichung niederträchtiger Ziele. Der Duden beschreibt den Gebrauch des Begriffs als veraltet, jedoch findet man ihn in den Printmedien auch heute noch gelegentlich.

    Seinen Weg ins Deutsche fand das Wort √ľber das franz√∂sische cabale, welches auf das hebr√§ische Šł≥abńĀlńĀ (eine mystische Geheimlehre des Judentums, siehe Kabbala) zur√ľckgeht.

    Die innerparteiliche Kabale ließ die Wähler an der Stabilität der Partei zweifeln und verhinderte schließlich den Wahlerfolg.

    Er ist in seinen √Ąmtern sicher nicht √§rmer geworden, aber bereichert an Springer haben sich viele ‚Äď vor allem Deutschlands teuerste Anw√§lte, denen die Kabalen in und um den Verlag jahrzehntelang √ľppige Einkommen bescherten.
    Ernst Elitz (2005), Die Märchenprinzessin, DIE ZEIT 17.02.2005 Nr.8.

  • konsterniert

    Das Adjektiv (oder auch Adverb) konsterniert¬†bedeutet „fassungslos“, „verbl√ľfft“ oder „best√ľrzt“.

    Ist eine Person konsterniert, so ist sie in einer unerwarteten Situation derart aus der Fassung gebracht, dass ihr zunächst die Worte fehlen, es ihr also buchstäblich die Sprache verschlagen hat.

    Der Begriff stammt vom lateinischen Verb consternare (aus der Fassung bringen) ab.

    Sonst sehr schlagfertig, starrte er nun nur konsterniert zu Boden.

    Sie war von der Werbung im neueswort-Newsletter aufs Höchste konsterniert.

    Nach einem Zuordnungsdurcheinander in der M√ľnchner Abwehr fand ein zauberhaftes Zuspiel von Mesut √Ėzil den freistehenden Ronaldo, diesmal w√§hlte er die linke Ecke. Dass er dabei ein paar Zentimeter im Abseits stand, merkten die konsternierten M√ľnchner gar nicht und verzichteten auf jeden Protest.
    Sven Goldmann (2012), Fußball voller Wucht, Zeit Online, 26.04.2012 Р08:45 Uhr.

  • Fluktuation

    Fluktuationen (die) sind Schwankungen von Größen, etwa der Arbeitslosenzahl, der Preise, der Zahl der Beschäftigten in einem Unternehmen etc. Das zugehörige Verb ist fluktuieren.

    Die Herkunft des Begriffs liegt im lateinischen fluctuatio (unruhige Bewegung). Vgl. auch lat. fluctuare (in der See treiben, Wellen schlagen).

    Das Betriebsklima in ihrer Abteilung ist außergewöhnlich gut. Das schlägt sich auch in einer geringen Fluktuation nieder: Wer einmal hier arbeitet, der will so schnell nicht wieder weg.

    Ein Problem erneuerbarer Energien ist die unvermeidbare Fluktuation von Energiequellen wie Wind und Sonne. Um eine l√ľckenlose Stromversorgung zu gew√§hrleisten, ist ein Fluktuationsausgleich durch herk√∂mmliche Energietr√§ger n√∂tig.

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