• konkludent

    Das Adjektiv konkludent bedeutet „einen Rückschluss zulassend“, „folgerichtig“. Es wird in erster Linie in der Rechtssprache verwendet, kommt aber durchaus auch in anderen, etwa philosophischen Zusammenhängen vor.

    In der Philosophie ist eine konkludente Aussage eine solche, die sich durch einen logischen Schluss ergibt.

    Rechtssprachlich ist konkludentes Handeln dann gegeben, wenn eine Handlung eine Willenserklärung impliziert.

    Im rhetorischen Sinne meint eine konkludente Schlussfolgerung eine solche, die ohne weitere Erklärung ersichtlich wird und sich zwingend aus den vorangegangenen Aussagen ergibt.

    Das Wort konkludent leitet sich aus dem lateinischen concludens ab, dem ersten Partizip von concludere (einschließen, folgern).

    Die Kernaussage des Vortrags war vollkommen konkludent. Auch ohne weitere Erklärung zogen die Studenten die Schlüsse, denen der Professor mit seinen Worten den Weg geebnet hatte.

    Durch konkludentes Handeln, nämlich Übergabe des Geldes und Annahme der Leistung, kam der Kaufvertrag zustande, obwohl keine der beiden beteiligten Parteien auch nur ein Wort sagte.

    Seine Äußerungen waren allesamt konkludent, so dass wir ihm Glauben schenken können.

    „Wenn man das Ganze vollends auf die Spitze treiben wollte“, so Meyer, „dann stellt sich natürlich auch die Frage, ob die Gäste der Veranstaltung nicht konkludent dem Rauchen zugestimmt haben, weil niemand Helmut Schmidt gebeten hat, die Zigarette auszumachen.
    Diehl, Kayser (2008), „Man sollte Schmidt ein bisschen Spaß gönnen“, Spiegel Online.

  • Aspirant

    Ein Aspirant ist im heutigen deutschen Sprachgebrauch in erster Linie ein Bewerber auf ein öffentliches Amt oder eine Stelle in der freien Wirtschaft. Des Weiteren kann ein Aspirant auch eine Person, eine Firma, ein Team etc. mit einem bestimmten Ziel sein.

    Der Begriff geht zurück auf das lateinische aspirare (anhauchen, nach etwas streben).

    Er war nur einer von mehreren Aspiranten auf den begehrten Posten.

    Der Bundestagsaspirant musste sich unangenehme Fragen bezüglich seiner Doktorarbeit gefallen lassen.

    Das Team war heißer Aspirant auf den Meisterschaftstitel.

  • olfaktorisch

    Das Adjektiv olfaktorisch bedeutet „den Geruchssinn/Riechnerv betreffend“.

    Olfaktorisch beziehungsweise ein olfaktorischer Reiz ist somit alles, was riechbar ist. Man spricht dann auch von olfaktorischer Wahrnehmung.

    Der Begriff hat seinen Ursprung im lateinischen olfacere (riechen).

    Das Leben auf dem Land ist geruhsam und gemeinhin angenehm. Jedoch steigt, wenn es für die Landwirte an der Zeit ist, ihre Felder zu düngen, die olfaktorische Belastung für die Umgebung stark an.

    Diesen Duft zu erschnuppern kommt einem olfaktorischen Orgasmus gleich.

    Fernsehen ist derzeit – zum Glück – noch kein olfaktorisches Erlebnis.

  • ostentativ

    Das Adjektiv ostentativ bedeutet „in herausfordernder oder in provozierender Weise“.

    Es gehört zur Bildungssprache und ist im Alltag oder in der Umgangssprache entsprechend selten zu hören. In der Schriftsprache findet es weit mehr Verwendung, vor allem in Nachrichten und Berichten zu politischen Themen.

    Das Adjektiv geht zurück auf das lateinische Verb ostentare, was soviel bedeutet wie „darbieten“ oder „prahlend zeigen oder herausstellen“.

    Er wendete sich ostentativ ab, um sein fehlendes Einverständnis deutlich zu machen.

    Nach den letzten verlorenen Wahlen hat die Parteispitze auf allen Pressekonferenzen ostentativ Geschlossenheit und Einigkeit demonstriert.

    Als sie ihn wegen der unbezahlten Rechnungen zur Rede stellte, schwieg er ostentativ.

  • Sisyphus

    Sisyphus ist eine Figur aus der griechischen Mythologie. Der Sage nach war Sisyphus dazu verurteilt, einen Felsblock einen steilen und hohen Berg hinaufzurollen. Den Gipfel erreichte er allerdings nie, denn der Felsblock entglitt ihm immer im letzten Moment und rollte zurück ins Tal.

    Oftmals wird der Begriff in Verbindung mit dem Substantiv „Arbeit“ eingesetzt. So genannte Sisyphusarbeit bezeichnet in Anlehnung an die griechische Mythologie somit eine sinnlose, vergebliche Anstrengung oder eine schwere, nie ans Ziel führende Arbeit.

    Sisyphus ist die latinisierte Form des griechischen Eigennamens Sisyphos. Beide Versionen sind im heutigen Sprachgebrauch zu finden.

    Zu beachten ist die besondere Schreibweise des Wortes, mit einem „i“ in der ersten und einem „y“ in der zweiten Silbe.

    Es scheint, als sei das Aufgabenfeld der Praktikantin für Sisyphus konzipiert. Es ist nichts anderes, als eine demotivierende Beschäftigungstherapie- ein wirklicher Lernerfolg bleibt aus.

    Schon bald bemerkten sie, auf was für eine Plackerei sie sich eingelassen hatten: es war die reinste Sisyphusarbeit.

    Die Loipen im Dorf spurt er mangels Motorschlitten eigenfüßig, Baskal tritt auch die zwei Meter breiten Trassen für die Skater platt, auf breiten Jagdskiern, 1050 Meter Trasse an der Schule, 1200 Meter hinter dem Friedhof, „mit einer 90 Meter langen Steigung fürs Hügeltraining“. Im Winter, nach jedem Neuschnee, sieht man den wuchtigen Mann auf seinen Holzbrettern in Zeitlupe über die verschneiten Feldern ziehen. Sisyphus in Sibirien.
    Stefan Scholl, Ein Dorf für Kinder, Brandeins, 0/13

  • salomonisch

    Das Adjektiv salomonisch bedeutet „weise“ und beschreibt etwa besonders kluge, umsichtige und durchdachte Lösungen, Urteile etc.

    Der Begriff leitet sich aus dem Namen des biblischen Königs Salomo ab, dem damaligen Herrscher über Israel. Beispielhaft für seine göttliche Weisheit gilt folgende Geschichte:

    Zwei Frauen in Begleitung eines Kindes traten vor den König Salomo und behaupteten jeweils, es sei das eigene. Salomo befahl daraufhin, das Kind zu zerschneiden und jeder Frau eine Hälfte zu geben, was die Zustimmung der einen Frau fand, die der anderen das Kind nicht gönnen wollte. Die andere bat jedoch, das Kind am Leben zu lassen und es der ersten Frau zu geben. Der König befand, die wahre Mutter müsse diejenige sein, der am Leben des Kindes mehr lag als am eigenen Gewinn.

    Er hat den salomonischen Weg gewählt und einen Vorteil für alle Vertragspartner herausgeholt.

    Ihre salomonische Antwort lautete: Beide haben Recht, auf ihre jeweils eigene Weise.

  • idiosynkratisch

    Im Allgemeinen bedeutet das Adjektiv idiosynkratisch „spezifisch“ oder „eigentümlich“.

    Speziell in der Medizin steht idiosynkratisch für das überempfindliche und heftige Reagieren auf bestimmte Stoffe und Reize.

    In der Psychologie bezeichnet idiosynkratisch eine starke Abneigung auf bestimmte Personen oder Gegenstände.

    Abgeleitet vom Substantiv „Idiosynkrasie“ stammt idiosynkratisch aus dem Altgriechischen und wird sinngemäß mit „spezifische Beschaffenheit eines einzelnen Körpers“ übersetzt.

    Nach der zweiten Eiseninfusion reagierte ihr Körper idiosynkratisch. Es kam zu einem allergischen Schock.

    Es reichte aus, dass er ihre Stimme hörte und schon sprang er idiosynkratisch auf und schlug die Zimmertür zu.

    „Ich dachte: Ich muss jetzt einen Moment lang anhalten und leben. Wenn das Leben nicht mehr in die Filme dringt, sind sie tot. Ich hatte das Gefühl: Ich lebe nur noch in der Arbeit und war besorgt, dass das ultra-idiosynkratisch wird.“
    Tom Tykwer, „Wenn das Leben nicht mehr in die Filme dringt, sind sie tot.“, Süddeutsche Zeitung, 17.05.2010.

     

  • essenziell

    Das Adjektiv essenziell bedeutet „wesentlich“ bzw. „lebensnotwendig“. Die Schreibweise essentiell ist ebenfalls korrekt.

    Die Bildung der Steigerungsformen essenzieller bzw. am essenziellsten ist zwar grammatikalisch zulässig, aber selten angebracht.

    Seinen Ursprung hat der Begriff im Lateinischen essentia (das Wesen einer Sache, konzentrierter Auszug).

    Mein Projektplan ist kurz und knapp, enthält aber alle essenziellen Schritte für einen reibungslosen Produktionsablauf.

    Um zu überleben, muss der menschliche Körper mit essenziellen Aminosäuren aus der Nahrung versorgt werden.

    Das Ende der russischen Lügen ist essenziell für das Ende dieses Krieges.
    – Simone Brunner, Kiews Informationskrieger, Zeit Online, 23.06.2015

  • Trope

    Eine Trope ist in der Rhetorik ein bildlicher Ausdruck oder ein Wort, welches nicht im eigentlichen, sondern im übertragenen Sinne gebraucht wird, wie zum Beispiel Metaphern, Ironie oder Metonymie.

    Dementsprechend gelten „Bild“, „Übertragung“ oder „Verbildlichung“ je nach Kontext als Synonyme für Trope.

    Trope ist abgeleitet vom griechischen tropḗ (Hinwendung, Richtung), zu trépein (wenden).

    Neben der griechischen Form wird im deutschen Sprachgebrauch auch häufig die lateinische Variante Tropus (Redefigur) verwendet.

    Die Verwendung von Tropen im Dialog mit Nichtmuttersprachlern kann häufig zu Missverständnissen führen.

    Sie schmückte ihre Rede mit Tropen aus, um die Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer zu gewinnen und eine Verbildlichung des Gesagten zu erzeugen.

    Die Armen der Ärmsten, die er befreien wollte, hatten nie von einem Che gehört. Sie verstanden nicht einmal die Sprache des stolzen, weißen Argentiniers. Er sprach Spanisch, hier sprachen sie nur Quechua. Was für ein Missverständnis, was für eine traurige Trope der Geschichte.
    Wolfgang Büscher, Ein Gringo sucht den Mythos Che, Die Zeit Nº 42/2005

  • Primus inter Pares

    Der bildungssprachliche Ausdruck Primus inter Pares bezeichnet den Führer einer Gruppe gleichberechtigter Mitglieder.

    Primus inter Pares ist lateinisch und bedeutet übersetzt „Erster unter Gleichen“. Die weibliche Wortform lautet Prima inter Pares.

    Als Prima inter Pares vertritt sie die Anliegen der gesamten Abteilung in den Jahressitzungen.

    Dass der Boss nicht abhebt, Primus inter Pares bleibt, spiegelt die Symbiose aus Familie und Unternehmen wider. Verwurzelung, Tradition, Kontinuität ­die konservativ anmutenden Werte schaffen erst die Grundlage für Anpassungsfähigkeit: Wer sich verändern will, braucht einen stabilen Kern, auf den er vertrauen und aufbauen kann.
    Kerstin Friemel, Wir können auch anders, Brandeins, 01/2007

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