• subversiv

    Das Adjektiv subversiv bedeutet „umstürzlerisch“ und beschreibt Tätigkeiten, die erstens auf den Umsturz oder die Änderung der vorherrschenden (staatlichen) Ordnung abzielen und zweitens oft im Verborgenen betrieben werden. Auch die diese Tätigkeiten ausführenden Personen oder Organisationen können als subversiv bezeichnet werden.

    Das Wort ist aus dem gleichbedeutenden englischen subversive entlehnt, welches sich aus dem lateinischen subvertere (umstürzen) ableitet.

    Was die Musik der Band besonders interessant macht, sind die subversiven Botschaften, die sich immer wieder zwischen den Zeilen der sommerlich leichtverdaulichen Texte herauslesen lassen.

    Die Pläne der subversiven Vereinigung konnten glücklicherweise rechtzeitig aufgedeckt werden.

    Guerilla Gardening bezeichnet die oft illegale, jedenfalls subversive Kultivierung städtischer Flächen – Blumen auf zwar offiziell angelegten, aber vergessenen Beeten, Salat auf Verkehrsinseln, Schmetterlingswiesen statt Fußballrasen im Stadtpark oder Kakteen auf Lücken im Straßenpflaster.
    Volker Schmidt (2011), Die Netzgärtner, ZEIT online.

  • Demagoge

    Ein Demagoge ist ein Volksaufhetzer, eine Person also, die mittels öffentlicher Rede eine Menschenmasse politisch oder ideologisch aufwiegelt. Zu den rhetorischen Mitteln des Demagogen gehören dabei Übertreibungen, Verzerrungen und Vereinfachungen der Wahrheit, Verallgemeinerungen und teils auch schlichte Lügen.

    Der Begriff entstammt dem griechischen demagogos (Führer des Volkes). Im alten Griechenland war er weitestgehend positiv besetzt, ein Demagoge war damals ein angesehener Redner. In dieser positiven Bedeutung wurde der Ausdruck in der deutschen Sprache bis in die Neuzeit verwandt. Parallel dazu entwickelte sich die hier beschriebene, mittlerweile ausschließlich gültige negative Besetzung des Begriffs.

    Der geschickte Demagoge hat mittlerweile eine treue Schar Anhänger hinter sich versammelt, die jede seiner hetzerischen Reden mit begeistertem Beifall feiert.

    In Marikana aber schlägt die Stunde der übelsten Demagogen. Julius Malema, ein aus der Regierungspartei verbannter Volkstribun, nutzt Wut und Trauer der Streikenden für seinen Rachefeldzug gegen den Präsidenten.
    Bartholomäus Grill (2012), Die Stunde der Demagogen, DIE ZEIT, 23.8.2012 Nr. 35.

  • Marginalie

    Marginalien (die) sind an den Rand von Buchseiten gedruckte (oder per Hand geschriebene) Anmerkung, Hinweise, Notizen etc., die außerhalb des eigentliches Textes stehen und etwa zusätzliche Informationen zum besseren Textverständnis liefern.

    Im allgemeinen Sprachgebrauch kommt der Begriff häufiger im übertragenen Sinne vor und beschreibt eine Belanglosigkeit, also einen Vorgang oder eine Angelegenheit von nur nebensächlicher Bedeutung.

    Ursprung des Ausdrucks ist das lateinische margo (Grenze, Buchrand).

    Das klang für mich nach einer Marginalie, der ich keine weitere Bedeutung zumaß. Ich wusste nicht, dass dir die Angelegenheit so wichtig ist.

    Die Empörung jetzt mag noch so groß sein, historisch betrachtet ist der Vorgang eine Marginalie.

    An dem Lehrbuch schätze ich besonders die hilfreichen Marginalien, die Fachwörter erklären und Hintergrundwissen liefern.

  • trivial

    Das Adjektiv trivial bedeutet „unbedeutend“, „alltäglich“ oder „gewöhnlich“.

    Als trivial werden Dinge, Sachverhalte oder Informationen bezeichnet, die nichts Besonders, nichts Außergewöhnliches sind, also alltäglich.

    Die Herkunft des Begriffs liegt im lateinischen trivialis (allgemein bekannt).

    Das ist eine ganz triviale Angelegenheit und muss nicht weiter erklärt werden.

    Einige dieser Fremdwörter kenne ich noch nicht, andere sind so trivial, dass ich sie gar nicht als Fremdwörter wahrgenommen habe.

    Mit solchen trivialen Erkenntnissen kann man kaum mehr jemanden beeindrucken.

    Daraus folgt zunächst einmal, dass man nicht umhin kommt, neben den wichtigen sozio-ökonomischen Faktoren auch die kulturellen und religiösen in Rechnung zu stellen. Warum auch nicht? Überall auf der Welt werden Menschen auch dadurch geformt. Deutschland und Europa bilden da keine Ausnahme. Viele Menschen, die sich politisch korrekt verhalten wollen, können diesen an sich trivialen Gedanken nicht nachvollziehen.
    Martin Schönberg (2009), Lauter Denkverbote, ZEIT online 13.05.2009.

  • Säkularisierung

    Die Säkularisierung ist die Lösung einer Sache, einer Person oder einer Gruppe aus religiöser beziehungsweise kirchlicher Gebundenheit.

    Weiterhin kann das Wort analog zu Säkularisation gebraucht werden, also das Aneignen oder Nutzen kirchlichen Besitzes durch weltliche Kräfte meinen.

    Ursprung des Wortes ist das lateinische saecularis, welches zunächst „zu einem Jahrhundert gehörig“ und spätlateinisch „weltlich (gesinnt)“ bedeutete.

    Die Säkularisierung kirchlicher Grundstücke ist bereits weit fortgeschritten.

    Atatürks politisches Erbe ist nicht zuletzt die weitreichende Säkularisierung der Türkei.

    Viele ehemals religiöse Feiertage, allen voran Weihnachten, haben eine Säkularisierung erfahren und sind zu kommerziellen Schlachtfesten verkommen.

  • urban

    Das Adjektiv urban bedeutet im engeren Sinne „städtisch“, „zur Stadt gehörend“ oder „für das städtische Leben charakteristisch“.

    Weiterhin können Personen oder deren Auftreten als urban beschrieben werden. In diesem Sinne bedeutet urban „gebildet“ oder „weltgewandt“.

    Der Begriff ist auf das lateinische urbanus (zur Stadt gehörend) zurückzuführen.

    Urbane Rohstoffressourcen werden in der Zukunft eine große Rolle spielen, denn die Vorräte in den Minen der wichtigsten Rohstoffe werden sukzessive  weniger. So geht man davon aus, dass auf Deponien und in urbanen Strukturen bereits mehr Kupfer enthalten ist, als in allen bekannten Kupferreserven.

    Er flanierte über die Meile und unterstrich durch ein abgehobenes und internationales Designer-Outfit sein urbanes Wesen.

  • Kairos

    Das Substantiv Kairos (der) bedeutet „günstiger Zeitpunkt (für eine Entscheidung)“ oder „entscheidender Augenblick“.

    In der griechischen Mythologie wird Kairos als Gottheit beschrieben. Er bewegt sich schnell und unablässig, von seiner Stirn hängt eine lange Locke, sein Hinterkopf ist jedoch kahl und glatt. Er ist also die personifizierte Gelegenheit, die es am Schopf zu packen gilt, bevor sie vorbeigezogen ist.

    Vom Kairos spricht man im Allgemeinen dann, wenn man den günstigen, den flüchtigen, den alles entscheidenden Augenblick beschreiben will. Ein solcher Augenblick sticht heraus im Fluss der Zeit (Chronos, das zweite griechische Wort für Zeit). Der Kairos ist etwas Besonderes und etwas Seltenes, geprägt von eminenter Tragweite. Nicht gemeint sind also solch triviale Situationen wie der morgendliche Moment der Entscheidung aufzustehen oder lieber noch fünf Minuten liegen zu bleiben.

    Der Begriff wurde direkt aus dem Altgriechischen übernommen.

    Der Kairos hat sich uns geboten, jedoch haben wir ihn – zu meinem großen Bedauern – letztlich doch verpasst.

    Die Situation schien verfahren. Lange war es stetig bergab gegangen und auch die Zukunft schien düster. Doch dann, unerwartet und durch einen schier unmöglichen Zufall, tat sich noch eine Chance auf. Sie zögerte nicht und ergriff den Kairos, setzte alles auf eine Karte und schaffte es so, ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken.

    Wie oft wurde der Kairos der Fertigstellung durch freiberufliche wie später parlamentarische „Ablenkung“ versäumt, bevor die Erkenntnis dieses traurigen Faktums einer bemerkenswerten Mischung aus eherner professoraler Geduld (wie Liebenswürdigkeit), sanftem, aber unerbittlichem familiären Druck und wohl auch ein wenig der beklagenswerten Eitelkeit weichen durfte.
    – Karl-Theodor Frhr. zu Guttenberg (2008), Verfassung und Verfassungsvertrag.

  • de facto

    Die Wortverbindung de facto bedeutet „tatsächlich“, „in der Praxis“ bzw. „den Tatsachen oder dem Verhalten entsprechend“.

    Der Begriff wird gebraucht, um den Ist-Zustand einer Sache oder eines Sachverhalts zu beschreiben. Das Gegenwort ist de jure und meint den rechtlichen Soll-Zustand.

    Der Ursprung liegt im Lateinischen, wo de facto „in Wirklichkeit“ bedeutet (vgl. factum: Tatsache, Ereignis).

    Das große Problem Taiwans ist, dass es zwar de facto ein eigenständiger Staat mit funktionierender Demokratie ist, de jure von der Weltgemeinschaft aber nicht als ein solcher anerkannt wird, sondern nach wie vor als Chinas „abtrünnige Provinz“ gilt.

    Die letzten Monate hat de facto nicht der Geschäftsführer selbst, sondern seine Frau das Unternehmen gelenkt.

    Doch das größere Problem aus Sicht der Rechteinhaber und -verwerter ist: Die technische Entwicklung läuft gegen sie. Im Netz der frei zirkulierenden Inhalte sind Urheberrechte de facto kaum noch durchsetzbar, schlicht, weil der Verstoß kaum noch jemandem zuzuordnen ist.
    Thomas Ramge (2005), Geklaut bleibt geklaut, brand eins 05/2011.

    Die Wahlmanipulationen und die jetzige Niederschlagung des Aufstandes lassen sich als schleichenden Staatsstreich beschreiben. Wenn Ahmadineschad durchkommt, wird die Islamische Republik de facto zu einem Einparteienstaat.
    Ulrich Ladurner (2009), Irans alte Garde ringt um die Zukunft, DIE ZEIT, 25.06.2009 Nr. 27.

  • delektieren

    Das Verb delektieren bedeutet „erfreuen“, „ergötzen“ oder „gütlich tun“.

    Man kann sowohl jemanden mit einer Sache oder einer Tätigkeit delektieren, als auch sich selbst an etwas delektieren. Der Begriff wird also ebenso verwendet wie die deutsche Entsprechung „erfreuen“.

    Der Begriff hat seinen Ursprung im gleichbedeutenden lateinischen delectare.

    Sie hatte sich bei der Vorbereitung des Abends große Mühe gegeben und konnte ihre Gäste mit einem ausgefeilten Programm delektieren.

    Ich kann mich ein ums andere Mal an den Schallplatten delektieren, die ich in meiner Jugend gekauft habe und immer noch besitze.

    Leser erhoffen sich bizarre Einfälle und Mordmethoden und delektieren sich an der einzigen Gleichheit, die auf der Welt zu haben ist: am Verdacht, dass jeder der Mörder sein könnte, ob Butler oder Lord.
    – Tobias Gohlis (2006), Ein Mord und schon wieder ein Schneesturm, Die Zeit, 03.08.2006.

  • konterkarieren

    Das Verb konterkarieren bedeutet „hintertreiben“ oder „durchkreuzen“.

    Pläne und andere Sachverhalte, vorrangig solche, die in irgendeiner Form zielführend sind, können konterkariert werden, d.h. sie werden unmöglich gemacht oder erschwert. Ihnen wird also – absichtlich, mitunter auch unabsichtlich oder sogar ungewollt – entgegengewirkt.

    Konterkarieren hat seinen Ursprung im gleichbedeutenden französischen contrecarrer.

    Mit seinem Schweigen zu den Vorwürfen konterkarierte er die auf Transparenz und Ehrlichkeit setzende Kommunikationskultur, die sich das Unternehmen auf die Fahne geschrieben hatte.

    Korruption konterkariert den fairen Wettbewerb am Markt.

    Mit seinen Aussagen konterkarierte er ungewollt die bisherigen politischen Bemühungen seiner Partei.

    Das vernünftige Ansinnen der Chinesen, ihre Devisenreserven im Ausland zu investieren, konterkariert Berlin mit protektionistischen Gesetzesvorhaben.
    Georg Blume (2007), Asien muss noch viel reicher werden, DIE ZEIT, 27.12.2007 Nr. 01.

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