• eruieren

    Das Verb eruieren bedeutet „feststellen“, „ermitteln“ oder „herausfinden“, speziell durch gründliches Untersuchen oder Nachforschen.

    Herkunft des Wortes ist das gleichbedeutende, lateinische eruere (ausgraben, zu Tage fördern).

    Bevor wir uns für ein Modell entscheiden, müssen wir zumindest das mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis eruieren.

    Oft ist nicht klar zu eruieren, mit welchem Studiengang man die besten Aussichten auf späteren Erfolg hat. Da hilft nur, sich nach Interesse und Bauchgefühl zu entscheiden.

    Und, so sagen unsere Führer, Gastfreundschaft, das wisse ja die ganze Welt, Gastfreundschaft sei den Paschtunen heilig. Das mag zutreffen, doch kann man Muslim Khan wirklich trauen? Immerhin hat er schon eigenhändig Leute enthauptet, ob sie auch seine Gäste waren, lässt sich nicht mehr eruieren.
    – Ulrich Ladurner (2009), Teufel im Paradies, DIE ZEIT, 30.04.2009 Nr. 19.

  • dekadent

    Das Adjektiv dekadent bedeutet „ausschweifend“, „verschwenderisch“ oder „im kulturellen Niedergang begriffen“. Der Ausdruck wird überwiegend abwertend gebraucht und kommt im Deutschen relativ häufig vor.

    Dekadent ist eine Gesellschaft dann, wenn vermeintliche Hochkultur und zunehmender Hang zum Hedonismus zum Verlust der Widerstands- und Durchsetzungsfähigkeit führen. Genuss- und Vergnügungssucht  lösen gesellschaftliche Tugenden ab, was zum Niedergang bzw. Verfall der Kultur führt.

    Die Herkunft des Begriffs findet sich im lateinischen Verb decadere, welches „verfallen“ oder „hinabsinken“ bedeutet.

    Wenn die führenden Schichten im Römischen Reich nicht so dekadent gewesen wären, wäre die Republik vielleicht nicht so schnell untergegangen.

    Der dekadente Lebensstil kostet ihn ein Vermögen.

    Die Feste der Könige und Kaiser waren dekadent.

    Die Prohibition brachte den „Badewannen“- Gin hervor, für den man Industriealkohol mit dubiosen Zutaten zu einem scharfen Getränk mischte. Anschließend kam die große Zeit der Partys und Martini-Dinners, die jedoch in den 1970er Jahren nur noch als dekadent empfunden wurde.
    Sonja Kastilian (2014), Gin – Der Geist in der Flasche, faz.net 02.01.2014.

  • orthodox

    Das Adjektiv orthodox bedeutet „strenggläubig“ bzw. genauer übersetzt „rechtgläubig“.

    Es bezeichnet die enge Orientierung oder das Festhalten an der ursprünglichen Auslegung einer Lehre, einer Religion oder einer Ideologie, selbst im Angesicht sich ändernder äußerer Umstände.

    Der Begriff findet seinen Ursprung in der Zusammensetzung der altgriechischen Ausdrücke orthos (richtig) und doxa (Glauben).

    Die orthodoxe Kirche wird häufig als fortschrittsfeindlich kritisiert.

    Mit seiner orthodoxen Linie machte er sich im Konzern viele Feinde.

  • Despot

    Ein Despot (bzw. eine Despotin) ist ein Gewaltherrscher, der absolut herrscht und unumschränkt seine Interessen verfolgt.

    Im Alltag wird der Begriff auch abwertend für einen herrischen und tyrannischen Menschen verwendet. Synonyme zu Despot sind „Tyrann“, „Diktator“ oder „Unterdrücker“.

    Aus dem Griechischen (despótēs) stammend, bedeutet Despot „Herrscher“ oder auch „(Haus-)Herr“.

    Während der Despot über das Land herrschte, wurden viele Unschuldige zu Opfern seiner Gewaltausbrüche und letztlich hingerichtet.

    Seiner cholerischen Art und dem diktatorischen Ton, mit dem er die Aufgaben an seine Angestellten weitergibt, verdankt er seinen heimlichen Spitznamen „der Despot“.

    Nach diversen Terroranschlägen in Europa, hinter denen die USA den Libyer vermuten, haben amerikanische Kampfflugzeuge seinen Palast in Tripolis bombardiert, durchaus in der Absicht, den Despoten zu töten. Doch aus Gaddafis Vergeltungsschlag wird nichts.
    Ulrich Ladnurner, Lampedusa: Der verheißene Felsen, Die Zeit, 16.02.2014.

  • Bourgeoisie

    Die Bourgeoisie war im deutschen Sprachgebrauch zunächst eine allgemeine und eher wertfreie Bezeichnung für das gehobene Bürgertum.

    Mitte des 19. Jahrhunderts etablierten Marx und Engels das Wort als Terminus für die herrschende bürgerliche Klasse, also jene, die nach Marx über die Produktionsmittel verfügt.

    Bis heute hat der Begriff der Bourgeoisie einen leicht abwertenden Beiklang.

    Aussprache: [bʊrʒo̯aˈziː], also etwa [Burschwasie].

    Herkunft des Wortes ist das französische bourgeoisie (Bürgertum).

    Die Kehrseite des Haussmann’schen Stadtumbaus sind die Enteignungen und Abrisse zahlloser Häuser, die beinahe gewaltsame Vertreibung ihrer Mieter, der „kleinen Leute“, und die Inbesitznahme der inneren Stadt durch die neureiche Bourgeoisie. Die heutige „Gentrification“ ist dagegen ausgesprochen harmlos.
    Bernhard Schulz (2010), Wie Paris zur Weltstadt wurde, ZEIT Geschichte, 29.11.2010.

  • kongruent

    Das Adjektiv kongruent bedeutet „deckungsgleich“ oder „übereinstimmend“, beschreibt also Dinge, Sachverhalte, Aussagen etc. als einer anderen Sache in ihrem Wesen oder ihrer Art gleichend.

    Der Begriff entstammt dem lateinischen congruere (übereinstimmen, entsprechen).

    Seine Gedankenwelt und das, was er als Autor letztlich zu Papier brachte, waren nicht kongruent.

    Viel schwieriger wird es sein, die Ziele der beiden Seiten, die keineswegs kongruent sind, sondern sich in gewisser Weise widersprechen, miteinander zu versöhnen.
    Marion Gräfin Dönhoff (1990), Bewegung am Kap, DIE ZEIT, 20.4.1990 Nr. 17.

  • pharisäisch

    Das Adjektiv pharisäisch bedeutet abwertend „scheinheilig“ oder „heuchlerisch“. Dergestalt lassen sich Personen sowie deren Taten und Aussagen als vorgetäuscht oder oberflächlich bzw. um des Scheins willen beschreiben.

    Seine Herkunft findet der Begriff im Namen der Pharisäer, einer Strömung im antiken Judentum, auftretend nach dem 2. Jhd. v.Chr. Die Pharisäer (lat. pharisaeli, die Abgesonderten) lösten den jüdischen Glauben vom Fokus auf den Tempel und konzentrierten sich stattdessen auf die Einhaltung zahlreicher, den Alltag betreffender Regeln. Die heutige Bedeutung ergibt sich aus der Darstellung der Pharisäer im Neuen Testament als oberflächlich fromm und sämtliche Regeln beachtend, in Wahrheit jedoch kaltherzig und fernab von dem, was man unter christlichen Werten versteht.

    Seine pharisäische Entrüstung brachte ihm mehr Kritik als Beifall.

    Die Legitimität der militärischen Notwehr gegen den Irak wird von der pharisäischen Doppelzüngigkeit der beteiligten Großmächte gewiß nicht in Zweifel gezogen.
    Reinhard Merkel (1991), Auf dem Schlachtfeld der Ehre, DIE ZEIT, 25.1.1991 Nr. 05.

  • Kakophonie

    Eine Kakophonie (die) ist eine eine schlecht klingende Folge von Lauten, also ein Missklang.

    Das Substantiv wird in der Sprachwissenschaft und in der Musik gebraucht. Antonym des Substantivs ist die Eufonie: der „Wohlklang“.

    Der Ausdruck findet seinen Ursprung im griechischen kakophonia, bestehend aus dem Präfix kakós (Miss-) und phōnḗ (Klang, Ton).

    Die Kakophonie des Musikstücks hielt sie nicht davon ab, es rauf und runter auf dem Klavier zu spielen und alle anderen damit zu nerven.

    Moderne Popmusik ist die reinste Kakophonie, wenn du mich fragst.

    Sie tat sich schwer, die fremde Sprache zu lernen. Alles klang so schrecklich kakophon.

    Ein Zweipersonenorchester mit ausreichend Empathie fürs gefühlige Genre, dessen Folkpop sich angenehm durch die Kakophonie des Alltags schlängelt.
    Jan Freitag, Zwei mit einer Stimme, Die Zeit, 03.09.2013.

     

  • Sezession

    Eine Sezession ist die Abspaltung eines Landesteils (und der in diesem lebenden Bevölkerung) von einem Staat, um einen neuen, unabhängigen Staat gründen zu können.

    Ein berühmtes historisches Beispiele ist etwa die Sezession der Südstaaten der USA, die sich im 19. Jahrhundert aus dem Staatenbund lösten, um weiter Sklavenhandel und -haltung betreiben zu können. Zwischen 1860 und 1861 traten neben Alabama, Mississippi und Texas neun weitere Staaten aus der Union aus, woraufhin ein erbitterter Sezessionskrieg ausbrach, der 1865 schließlich mit der Wiederherstellung der Einheit endete.

    Auch aktuell existieren in vielen Teilen der Welt Sezessionsbewegungen. So plant etwa Grönland die Unabhängigkeit von Dänemark und viele Katalanen würden eine Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien begrüßen.

    Ursprung des Wortes ist das lateinische secessio (Trennung).

    Schottland plant ein neues Unabhängigkeitsreferendum. Eine Sezession vom Vereinigten Königreich könnte es den Schotten ermöglichen, auch nach dem Brexit weiter EU-Mitglied zu bleiben.

  • phlegmatisch

    Das Adjektiv phlegmatisch bedeutet „träge“ oder „behäbig“. So lassen sich Personen von ruhigem, gleichgültigem, nicht affektivem Naturell beschreiben. Jemanden als phlegmatisch bzw. als Phlegmatiker zu bezeichnen hat jedoch oft einen abwertenden Beiklang.

    Seinen Ursprung hat der Begriff im griechischen phlégma. Hippokrates (um 400 v. Chr.), maßgeblicher Vordenker der wissenschaftlichen Medizin, bezeichnete damit einen entzündlichen, zähen Schleim im Körper. Nach seiner Viersäftelehre, die Krankheiten mit einem Ungleichgewicht der Körpersäfte erklärt, war eben dieser Schleim verantwortlich für Trägheit und Schwerfälligkeit.

    Sie ist viel zu phlegmatisch. Ihr Studium wird sie vielleicht noch schaffen, aber wie soll sie sich danach jeden Morgen aufraffen und etwas aus ihrem Leben machen?

    Die Ostertage verbrachte er – geradezu phlegmatisch – mit einem Buch in der Hand in der Hängematte. Tagelang dachte er nicht daran, das Fremdwort des Tages zu veröffentlichen.

    Phlegmatischen Menschen kann man ihre Trägheit vorwerfen, wie es schon Aristoteles tat. Jedoch kann ihre behäbige, unaufgeregte Art in manchen Situationen auch einen willkommenen Ruhepol darstellen.

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