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pittoresk

Das Adjektiv pittoresk wird bildungssprachlich verwendet und bedeutet „malerisch“. Es wird oft für die Beschreibung von Landschaften und anderen Umgebungen gebraucht.

Pittoresk hat verschiedene Wurzeln. Grundsätzlich kommt es in diversen romanischen Sprachen vor. Man kann es vom lateinischen pictor ableiten, was Maler bedeutet. Alternativ kann man es auf das französische pittoresque oder das italienische pittoresco zurückführen.

Ich lebe wirklich in einer pittoresken kleinen Ortschaft.

Die ganze Gartenanlage ist pittoresk.

Sie hatte das Fest in der Tat pittoresk dekoriert.

Impetus

Das bildungssprachliche Substantiv Impetus bezeichnet einen inneren oder äußeren Antrieb, Anstoß, Impuls oder eine Triebkraft. Dieser Antrieb kann als eine Art Anfangsenergie verstanden werden, die eine Sache in Bewegung setzt.

Sinnverwandte Wörter sind Dynamik, Elan, Anregung, Antrieb oder Impuls.

Impetus ist auf das lateinische impetus (das Vorwärtsdrängen) zurückzuführen.

Es bedarf noch Impetus, um wieder mit dem Sport anzufangen.

Die neue Kollegin hat den Arbeitsrückstand in zwei Arbeitstagen aufgeholt. Sie ist sehr engagiert und verfügt über den richtigen Impetus.

Pop-Professor Jeffrey Sachs gilt als einer der Väter der Millenniumsziele und wurde vom einstigen UN-Generalsekretär Kofi Annan zum persönlichen Berater berufen: ein charismatischer Menschenfreund, der von einem enormen moralischen Impetus, aber auch von einer ansehnlichen Portion Eitelkeit angetrieben wird.
Johannes Dieterich, Man kann das kaum in Worte fassen, Brandeins, 10/2007

Fait accompli

Ein Fait accompli (das) ist eine vollendete Tatsache, also eine solche, die sich nicht ändern oder rückgängig machen lässt.

Aussprache: [fɛtakɔ̃ˈpliː] bzw. wild „eingedeutscht“ [feht akom-pli] (Betonung auf pli).

Die Redewendung wurde unverändert aus dem Französischen übernommen und wird im Deutschen inzwischen recht selten verwendet.

Die Insolvenz wurde den Mitarbeitern als Fait accompli präsentiert.

Bei seinem verspäteten Eintreffen waren die Verhandlungen bereits abgeschlossen. So blieb ihm nichts anderes übrig, als sich dem Fait accompli zu fügen.

Prekariat

Unter Prekariat versteht man in der Politik und Soziologie einen Bevölkerungsteil, der in Armut lebt oder von Armut bedroht ist und nur geringe Aufstiegschancen hat. Diese Situation ist vor allem durch anhaltende Arbeitslosigkeit und fehlende soziale Absicherung geprägt.

Das Substantiv wird teilweise für die sozialpolitischen nicht mehr korrekten Ausdrücke Unterklasse und Unterschicht gebraucht.

Bei dem Ausdruck handelt es sich um einen Neologismus, zusammengesetzt aus Teilen der Worte prekär und Proletariat, welcher auf das französische précariat zurückzuführen ist.

Der Fernseher war das Statussymbol der Nachkriegszeit. Wer einen hatte, war der Gunter Sachs der Trümmerfrauen. Jeff ist Sultans Trümmerfrau. Inzwischen ist der Fernseher das Statussymbol des Prekariats.
Frédéric Schwilden, Ich glotz TV: Der Hipster-Stadl, Zeit Online, 15.04.2014

„Erschreckend“, „beschämend“, „niederschmetternd“ nannten daraufhin eilige Journalisten die Studienerkenntnis, dass 6,5 Millionen Bundesbürger – acht Prozent der Gesamtbevölkerung – zu den sogenannten „neuen Unterschichten“ gehören. Im grauenhaftesten Soziologendeutsch wird diese Gruppe „Prekariat“ genannt. Das kommt von prekär. Was so viel bedeutet wie unsicher und unklar.
Wolf Lotter, Das Ideal, Brandeins, 12/2006

Demagoge

Ein Demagoge ist ein Volksaufhetzer, eine Person also, die mittels öffentlicher Rede eine Menschenmasse politisch oder ideologisch aufwiegelt. Zu den rhetorischen Mitteln des Demagogen gehören dabei Übertreibungen, Verzerrungen und Vereinfachungen der Wahrheit, Verallgemeinerungen und teils auch schlichte Lügen.

Der Begriff entstammt dem griechischen demagogos (Führer des Volkes). Im alten Griechenland war er weitestgehend positiv besetzt, ein Demagoge war damals ein angesehener Redner. In dieser positiven Bedeutung wurde der Ausdruck in der deutschen Sprache bis in die Neuzeit verwandt. Parallel dazu entwickelte sich die hier beschriebene, mittlerweile ausschließlich gültige negative Besetzung des Begriffs.

Der geschickte Demagoge hat mittlerweile eine treue Schar Anhänger hinter sich versammelt, die jede seiner hetzerischen Reden mit begeistertem Beifall feiert.

In Marikana aber schlägt die Stunde der übelsten Demagogen. Julius Malema, ein aus der Regierungspartei verbannter Volkstribun, nutzt Wut und Trauer der Streikenden für seinen Rachefeldzug gegen den Präsidenten.
Bartholomäus Grill (2012), Die Stunde der Demagogen, DIE ZEIT, 23.8.2012 Nr. 35.

distinguiert

Das Adjektiv distinguiert beschreibt etwas, was sich vornehm von anderem unterscheidet, teils geradezu edel oder sogar aristokratisch wirkt.

Oft wird der Begriff benutzt, um Personen zu beschreiben, die sich durch ihr betont gewähltes Auftreten bzw. entsprechende  Taten oder ein entsprechendes Erscheinungsbild von anderen abheben. Ebenfalls können Taten als solche, Merkmale oder Orte als distinguiert bezeichnet werden.

Ursprung des Wortes ist das lateinische distinguere (unterscheiden, auszeichnen) bzw. das analog zur deutschen Bedeutung gebrauchte französische distinguer.

Sein distinguiertes Auftreten hinterließ einen bleibenden Eindruck.

Sie hüstelte distinguiert.

Blanche de Sivry, eine große, fette Blondine, deren hübsches Gesicht dick mit Schminke belegt war, kam in Gesellschaft eines schmächtigen, mit großer Sorgfalt gekleideten Mannes von sehr distinguiertem Aussehen.
– Émile François Zola (1880), „Nana“.

Koryphäe

Das bildungssprachliche Substantiv Koryphäe bezeichnet eine Person, die auf einem bestimmten, meist wissenschaftlichen Gebiet außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt.

Die Substantive „Experte“, „Autorität“ oder „Fachgröße“ können synonym zu Koryphäe verwendet werden.

Koryphäe ist hergeleitet vom französischen coryphée (Berühmtester seines Faches) und ursprünglich auf das lateinische coryphaeus (Leiter, Oberhaupt), beziehungsweise das griechische koryphaĩos (Anführer, Chorführer) zurückzuführen.

Als Koryphäe auf seinem Gebiet erhält er sehr viel Anerkennung, hat aber auch eine stattliche Anzahl Neider.

Der Chefarzt gilt als Koryphäe, so dass bei der Operation gute Aussichten auf Heilung bestehen.

Das technische Problem habe ich bis zum Ende nicht verstanden. Aber ich habe schnell gemerkt, dass der Projektleiter eine absolute Koryphäe war – und sich seit Jahren in den Projektdetails verrannt hatte.
Gabriele Fischer, Von oben draufschauen, Brandeins, 10/2012

 

Jour fixe

Der Jour fixe ist im deutschen Sprachgebrauch ein regelmäßig stattfindendes Treffen eines definierten Personenkreises an einem festgesetzten Wochentag, gegebenenfalls zu einer festen Uhrzeit.

Vom Jour fixe hört man oft im Arbeitsumfeld, womit dann wöchentliche Besprechungstermine oder Diskussionsrunden in Projekten oder Arbeitskreisen gemeint sind. In neudeutscher Ausdrucksweise könnte man auch sagen, es handle sich hierbei um ein regelmäßiges Meeting. Auch im Privaten kann der Begriff verwendet werden, beispielsweise, um ein wöchentliches Treffen einer festen Gruppe Freunde zu beschreiben.

Der Begriff ist französischer Herkunft: „Jour“ bedeutet übersetzt „Tag“, jedoch wurde das Wort früher auch für einen sich periodisch wiederholenden Termin verwendet; „fixe“ bedeutet „festgesetzt“.

Beispiele:

Um regelmäßig einen Überblick über den Arbeitsfortschritt der anderen Projektteams zu erhalten, wurde für das nächste halbe Jahr ein wöchentlicher Jour fixe der Teamleiter angesetzt. Diese treffen sich nun jeden Freitag um 14:00 Uhr.

Personal findet man im IT-Bereich lieber in eigenen Netzwerken. „Das Networking ist für diese Leute extrem wichtig“, erkannte auch Ulrich Schmid, Bereichsleiter Informationstechnologie und Medienwirtschaft bei der Industrie- und Handelskammer Berlin. Also versucht er, die Gründer monatlich in einem Jour fixe zusammenzubringen.
– Sebastian Marquardt (2000), Knapp vorbei, brand eins 04/2000

subversiv

Das Adjektiv subversiv bedeutet „umstürzlerisch“ und beschreibt Tätigkeiten, die erstens auf den Umsturz oder die Änderung der vorherrschenden (staatlichen) Ordnung abzielen und zweitens oft im Verborgenen betrieben werden. Auch die diese Tätigkeiten ausführenden Personen oder Organisationen können als subversiv bezeichnet werden.

Das Wort ist aus dem gleichbedeutenden englischen subversive entlehnt, welches sich aus dem lateinischen subvertere (umstürzen) ableitet.

Was die Musik der Band besonders interessant macht, sind die subversiven Botschaften, die sich immer wieder zwischen den Zeilen der sommerlich leichtverdaulichen Texte herauslesen lassen.

Die Pläne der subversiven Vereinigung konnten glücklicherweise rechtzeitig aufgedeckt werden.

Guerilla Gardening bezeichnet die oft illegale, jedenfalls subversive Kultivierung städtischer Flächen – Blumen auf zwar offiziell angelegten, aber vergessenen Beeten, Salat auf Verkehrsinseln, Schmetterlingswiesen statt Fußballrasen im Stadtpark oder Kakteen auf Lücken im Straßenpflaster.
Volker Schmidt (2011), Die Netzgärtner, ZEIT online.

maliziös

Das Adjektiv maliziös bedeutet „boshaft“ oder „hämisch“ beschreibt Taten, Auftreten und Formen des Ausdrucks von Personen, seltener auch eine Person direkt.

Der Begriff leitet sich aus dem französischen malicieux ab und geht zurück auf das lateinische malignus, jeweils mit der gleichen Bedeutung.

Als er auf ihre mit rotgeweinten Augen vorgebrachte Frage antwortete, spielte ein maliziöses Lächeln um seine Lippen.

Ihr maliziöser Plan scheiterte glücklicherweise an einer kleinen Unbedachtheit.

Er wurde für seine hervorragende Darstellung des durch und durch maliziösen Antagonisten von den Kritikern gefeiert.