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  • Konvergenz

    Das Substantiv Konvergenz beschreibt bildungssprachlich eine „AnnĂ€herung“, seltener auch eine „Übereinstimmung“, etwa von Standpunkten, Merkmalen oder Zielvorgaben. UrsprĂŒnglich meint Konvergenz die Ausbildung Ă€hnlicher Merkmale bei Lebewesen als Reaktion auf gleiche AnpassungszwĂ€nge.

    Übertragen auf die Politik etwa spricht man von einer Konvergenz, wenn Vertreter verschiedener politischer Richtungen in der Praxis – meist aus pragmatischen GrĂŒnden – doch die gleichen Entscheidungen treffen oder die gleichen Ziele verfolgen.

    Dementsprechend beschreibt die sozialwissenschaftliche Konvergenztheorie die AnnÀherung verschiedener Systeme (z.B. sozialistischer und kapitalistischer) als Folge Àhnlicher wirtschaftlicher und sozialer Probleme.

    Weiterhin findet der Begriff in diversen Naturwissenschaften, Geowissenschaften, der Mathematik und den Geisteswissenschaften Verwendung.

    Eine umfangreiche Liste bietet Wikipedia: Konvergenz

    Ursprung des Wortes ist das neulateinische convergentia (AnnÀherung zweier Linien). Vgl. auch lat. convergere (sich hinneigen).

    Durch den bilateralen Austausch beider Staaten ist es zu einer ideologischen und wirtschaftlichen Konvergenz gekommen.

    Die Konvergenzkriterien der EuropÀischen Union sollen den wirtschaftlichen Zusammenhalt der Staatengemeinschaft sicherstellen.

    In den letzten Jahren haben fast alle LĂ€nder ihr gegliedertes weiterfĂŒhrendes Schulsystem strukturell in Richtung auf eine Zweigliedrigkeit umgebaut. Die gegenwĂ€rtigen Schulstrukturen in den LĂ€ndern sind zwar kaum noch ĂŒberschaubar, aber in dieser Frage ist doch eine gewisse Konvergenz erkennbar.
    Meyer-Hesemann (2010) – Lernen von der Schweiz. DIE ZEIT, 28.01.2010 Nr. 05.

  • Meritokratie

    Das bildungssprachliche Substantiv Meritokratie bezeichnet ein Prinzip, bei dem AmtstrĂ€ger, Herrscher, Leiter oder FĂŒhrungspersonen gemĂ€ĂŸ ihren erbrachten Leistungen ausgewĂ€hlt werden. Die Meritokratie spielt somit als Regierungsform eines Staates oder in anderen politischen oder wirtschaftlichen Organisationen eine Rolle.

    „Leistungsgesellschaft“ und „Verdienstadel“ sind sinnverwandte Wörter zu Meritokratie.

    Der Begriff ist aus dem lateinischen Substantiv meritum (Verdienst) und dem altgriechischen kratein (herrschen) zusammengesetzt. Erstmals wurde er 1958 vom Briten Sunlop Young im Rahmen seiner Satire ‚Rise of the Meritocracy‘ gebraucht.

    Hinter unserer Vorstellung von Demokratie, also der Herrschaft des Volkes, steckt vor allen Dingen die Meritokratie, die Idee von der Herrschaft der LeistungstrĂ€ger, der TĂŒchtigen also, die sich im Hier und Jetzt Verdienste erwerben. Wer etwas leistet, soll etwas werden. Das ist die Grundlage unseres Weltbilds. Die Leistungsgesellschaft, das sind wir selbst.
    Wolf Lotter, SelbstzĂŒnder, Brandeins, 06/2013

    Das grundsĂ€tzlich positive Prinzip der Meritokratie – nach der im Idealfall jede Person in einer Gesellschaft die verdiente Position einnimmt und entsprechend entlohnt wird – hat sich zu einem knallharten Sozialdarwinismus gewandelt, in dem die messbare ProduktivitĂ€t zum zentralen, wenn nicht einzigen Kriterium des „idealen Menschen“ geworden ist.
    Anja KĂŒmmel, Sachbuch „Und ich?“: Unsere vorgegaukelte Freiheit, Zeit Online, 15.01.2014

  • DefĂ€tismus

    DefĂ€tismus (der) beschreibt einen Zustand der gefĂŒhlten Aussichtslosigkeit der Situation und einen dadurch bedingten Drang zum Aufgeben. Der Begriff fand zunĂ€chst besonders im militĂ€rischen Sprachgebrauch Anwendung.

    Ein offen zur Schau gestellter DefĂ€tismus steht – vor allem in Kriegszeiten – in manchen LĂ€ndern unter Strafe, da eine ZermĂŒrbung der Truppenmoral befĂŒrchtet wird.

    Heute wird der Ausdruck auch außerhalb der MilitĂ€rsprache gebraucht und meint in erster Linie eine pessimistische Einstellung und Resignation bezĂŒglich der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder politischen Lage.

    Der Begriff  wurde als défaitisme zur Zeit des ersten Weltkriegs in Frankreich geprÀgt und kurz darauf ins Deutsche entlehnt.

    Nach der vernichtenden Niederlage breitete sich ein DefĂ€tismus unter den Truppen aus, der sich durch noch so harte Strafen nicht mehr eindĂ€mmen ließ. Selbst die höheren RĂ€nge waren schließlich davon ĂŒberzeugt, dass der Krieg nicht mehr gewonnen werden konnte.

    Alle anderen leuchtenden Ziele in dem kriegsgeplagten Land – Demokratie, Menschenrechte, Bildung – werden lĂ€ngst immer weiter abgedimmt. Und wenn Barack Obama nun gar von AbzugsplĂ€nen zu reden beginnt, liegt ein Hauch von DefĂ€tismus in der Luft.
    Jörg Lau (2009), Und plötzlich sind sie gut, DIE ZEIT, 26.03.2009 Nr. 14.

  • harmonisieren

    Harmonisieren bedeutet zum einen, eine Melodie mit zueinander stimmigen Akkorden zu begleiten oder zu versehen und zum anderen, Gegebenheiten oder Beziehungen in Übereinstimmung oder Einklang zu bringen. Synonyme des Verbs sind „koordinieren“ oder „aufeinander abstimmen“.

    Seinen Ursprung findet harmonisieren im Französischen. Harmoniser bedeutet wörtlich ĂŒbersetzt „etwas abstimmen“ oder „angleichen“.

    Jegliche Versuche, das einstige KooperationsbĂŒndnis zu harmonisieren, schlugen fehl.

    Um das MusikstĂŒck zu harmonisieren, stimmte der Pianist die Akkorde gezielter aufeinander ab.

    Die Reform des Datenschutzes ist die zentrale Gesetzesinitiative, ĂŒber die die EU zurzeit diskutiert. Mit ihrer Hilfe sollen die teilweise sehr unterschiedlichen Schutzniveaus der 28 Mitgliedsstaaten harmonisiert werden.
    Marlies Uken, EU-Gipfel: FĂŒr Merkel geht Abhören unter Freunden gar nicht, Die Zeit, 24.10.2013.

     

  • NovitĂ€t

    Das Substantiv NovitÀt (die) bezeichnet etwas neues oder neuartiges.

    Vor allem in der Literatur, Kunst, Mode und Werbung wird der Begriff als Ausdruck fĂŒr eine Neuheit gebraucht. DarĂŒber hinaus kann NovitĂ€t auch eine Neuigkeit bezeichnen.

    Synonyme zu NovitĂ€t sind zum Beispiel das bildungssprachliche „Novum“ oder das französische „NouveautĂ©â€œ.

    Der Begriff ist zurĂŒckzufĂŒhren auf das lateinische novitas (Neuheit), zu novus (neu).

    Nach der Modenschau war die EnttĂ€uschung ĂŒber die Kollektion groß. Es mangelte an NovitĂ€ten und schien, als seien alte EntwĂŒrfe repliziert und mit Hilfe weniger Handgriffe verĂ€ndert worden.

    Das Produkt wird als zukunftsweisende NovitÀt angepriesen.

    Sie kupfern Ideen auch nicht einfach ab, sondern transponieren AnsĂ€tze aus fremden Branchen und Produktgattungen in ihre eigene, setzen AltbewĂ€hrtes neu zusammen, lassen sich zu NovitĂ€ten etwas GĂŒnstigeres oder Besseres und hĂ€ufig sogar beides zugleich einfallen. Mit billigen FĂ€lschungen hat die hohe Kunst des Kopierens denn auch so wenig gemein wie eine kreative Warhol-Collage mit einem Computer-Farbausdruck desselben Kunstwerks.
    Harald Willenbrook, Warum ist es besser, Zweiter zu sein?, Brandeins, 01/2011

  • Blasphemie

    Das Substantiv Blasphemie bedeutet „GotteslĂ€sterung“, also die Beleidung einer Gottheit oder etwas Heiligem.

    Übertragen wird der Begriff gelegentlich auch auf andere Beleidigungen angewendet, womit deren Ziel – oft scherzhaft ĂŒbersteigert – als göttlich oder heilig erklĂ€rt wird.

    Das lateinische blasphemia bedeutet „SchmĂ€hung“.

    Kritik am Bundestrainer? Reinste Blasphemie!

    Seine kritischen Äußerungen zum Islam werden von vielen als Blasphemie interpretiert.

    In einigen Betrieben gilt Kritik am Vorgesetzten immer noch als Blasphemie.

    Provokationen, selbst Blasphemie, dĂŒrfen sein, wenn sie aufklĂ€rerisch wirken. Sie sind aber kein Wert fĂŒr sich. Wenn sie nur andere verletzen sollen, findet die Meinungsfreiheit ihre Grenze.
    Ludwig Greven, Mehr Respekt bitte!, Zeit online.

  • Dogma

    Ein Dogma ist in der Theologie ein als unumstĂ¶ĂŸlich wahr geltender Teil der jeweiligen religiösen Lehre.

    Abseits der religiösen Bedeutungsebene meint ein Dogma eine allgemeingĂŒltige, als unanfechtbar wahr geltende Aussage, Meinung oder Lehre.

    Der Begriff kommt sowohl im Lateinischen als auch im Griechischen mit derselben Bedeutung vor.

    Auf den ersten Blick scheint der RĂŒcktritt des Papstes schwer mit dem Dogma seiner Unfehlbarkeit vereinbar zu sein.

    Das historisch gesehen recht junge Dogma der monogamen Paarbeziehung wird nur von wenigen in Frage gestellt.

  • Epiphanie

    Eine Epiphanie ist im allgemeinen Sprachgebrauch die unerwartete Erscheinung einer Gottheit, eine Offenbarung also, bzw. im weiteren Sinne ein (Erweckungs-) Moment von besonderer Tragweite.

    Weiterhin wird im Christentum der 6. Januar unter anderem als Epiphanie bezeichnet, also der Tag, an dem laut der Bibel die Weisen aus dem Morgenland anreisten, Jesus beschenkten und danach begannen, die frohe Botschaft seiner Geburt in die Welt hinauszutragen.

    Der Begriff geht zurĂŒck auf das griechische epiphainesthai (sich offenbaren).

    In diesem Moment, sturzbetrunken und halb erfroren im Schnee liegend, erlebte er eine Epiphanie. Am nÀchsten Morgen begann er, sein Leben radikal zu Àndern.

    Und Williams entwickelte einen Stil, der es ihm ermöglichte, zu schreiben und ein anstrengendes Leben als Arzt zu leben. Seine magischen und klaren Augenblicke, seine Epiphanien kamen nicht vom langen Sitzen auf irgendwelchen poetischen Eiern, sie kamen wie bei allen Leuten, die nicht mit der professionellen Herstellung solcher Augenblicke befasst sind, mitten aus einem tÀtigen, anstrengenden Leben.
    Guenter Ohnemus (2000), Dr. Williams, DIE ZEIT, 47/2000.

  • Fait accompli

    Ein Fait accompli (das) ist eine vollendete Tatsache, also eine solche, die sich nicht Ă€ndern oder rĂŒckgĂ€ngig machen lĂ€sst.

    Die Redewendung wurde unverĂ€ndert aus dem Französischen ĂŒbernommen und wird im Deutschen inzwischen recht selten verwendet.

    Die Insolvenz wurde den Mitarbeitern als Fait accompli prÀsentiert.

    Bei seinem verspĂ€teten Eintreffen waren die Verhandlungen bereits abgeschlossen. So blieb ihm nichts anderes ĂŒbrig, als sich dem Fait accompli zu fĂŒgen.

  • distinguiert

    Das Adjektiv distinguiert beschreibt etwas, was sich vornehm von anderem unterscheidet, teils geradezu edel oder sogar aristokratisch wirkt.

    Oft wird der Begriff benutzt, um Personen zu beschreiben, die sich durch ihr betont gewÀhltes Auftreten bzw. entsprechende  Taten oder ein entsprechendes Erscheinungsbild von anderen abheben. Ebenfalls können Taten als solche, Merkmale oder Orte als distinguiert bezeichnet werden.

    Ursprung des Wortes ist das lateinische distinguere (unterscheiden, auszeichnen) bzw. das analog zur deutschen Bedeutung gebrauchte französische distinguer.

    Sein distinguiertes Auftreten hinterließ einen bleibenden Eindruck.

    Sie hĂŒstelte distinguiert.

    Blanche de Sivry, eine große, fette Blondine, deren hĂŒbsches Gesicht dick mit Schminke belegt war, kam in Gesellschaft eines schmĂ€chtigen, mit großer Sorgfalt gekleideten Mannes von sehr distinguiertem Aussehen.
    – Émile François Zola (1880), „Nana“.