• indifferent

    Das Adjektiv indifferent bedeutet „gleichgültig“, „unbestimmt“, „teilnahmslos“ oder „unentschieden gegenüber mehreren Möglichkeiten“.

    Darüber hinaus wird der Begriff in der Chemie bzw. Medizin verwendet. Hier beschreibt indifferent Stoffe ohne spezifische Wirkung. Häufig wird auch das Synonym „neutral“ genutzt.

    Über das gleichbedeutende, französische indifférent, welches auf das lateinische indifferens (sich nicht unterscheidend, gleichgültig) zurückgeht, gelang das Adjektiv im 17. Jahrhundert in den deutschen Sprachgebrauch.

    In politischen Diskussionen wirke ich des Öfteren indifferent, da mir die nötigen Informationen fehlen, um mir eine konkrete Meinung zu bilden.

    In einer Versuchsreihe für neue Medikamente werden neben dem wirklichen Medikament auch Placebos ausgegeben. Diese werden aufgrund der enthaltenen, indifferenten Stoffe oft auch als Leerpräparate bezeichnet.

    Einige Studien stellten einen positiven Zusammenhang fest zwischen dem Anteil der Frauen in Führungspositionen in einem Unternehmen und seinen wirtschaftlichen Kennzahlen. Andere Studien widerlegten dies – und wieder andere seien völlig indifferent.
    Tina Groll, Debatte über Frauenquote verändert in Chefetagen wenig, Zeit Online, 21. Januar 2015

  • suspekt

    Das Adjektiv suspekt bedeutet „verdächtig“, „fragwürdig“ oder „zweifelhaft“.

    Objekte, Ereignisse oder Personen werden als suspekt bezeichnet, wenn ein Betrachter Zweifel an deren Qualität, Echtheit, Nützlichkeit oder – bei Personen – Beweggründen hat.

    Weitere Synonyme wären „bedenklich“, „zwielichtig“ oder „dubios“.

    Der Begriff wurde in der Mitte des 16. Jahrhunderts aus dem Lateinischen entlehnt. Ihm zugrunde liegt das adjektivische 2. Partizip von suspicere (aufblicken, beargwöhnen, verdächtigen) : suspectus (verdächtig).

    Als vor kurzem ein Vertreter vor meiner Tür stand, fand ich ihn nicht nur unsympathisch, sondern gar suspekt. Ich hatte das Gefühl, er war nur auf mein Geld aus.

    Nicht nur aufgrund suspekter Geschäfte mit Hypothekenwertpapieren haben viele Menschen das Vertrauen in Banken verloren.

    So erfahren auch Moscheen durch ihre Hilfsbereitschaft einen fundamentalen Statuswandel in Deutschland. „Sie sind vorher jahrelang als suspekt betrachtet worden, jetzt sind sie als Helfer mitten in der Gesellschaft angekommen“, sagt Foroutan.
    Alltagstest für die „Willkommenskultur“ in Deutschland, Zeit Online, 19. September 2015

  • in­t­rin­sisch

    Das Adjektiv intrinsisch bedeutet „von innen heraus“ oder „einer Sache inne wohnend“.

    Der Begriff beschreibt damit Zustände, Sachverhalte oder Vorgänge, die von innen her, also aus eigenem Antrieb erfolgen oder hervorgerufen werden. Das geläufigste Beispiel ist die intrinsische Motivation, die unabhängig von äußeren Einflüssen, z.B. aus dem Drang zur Selbstverwirklichung oder dem Streben nach persönlichen Idealen entsteht.

    Intrinsisch“ entstammt dem lateinischen intrinsecus (innerlich).

    Die äußeren und familiären Zustände ließen keine Anhaltspunkte zu dieser Tat zu. So musste von rein intrinsischen Motiven ausgegangen werden, was das Strafmaß wiederum erhöhte.

    Da sah man den Arbeiter als Produktivkraft, bloßes Instrument, das einfach nur effizient eingesetzt werden musste – Anweisungen geben, Umsetzung kontrollieren, fertig. Zuckerbrot und Peitsche galt da schon als subtile Methode. Heute ist die Rede von intrinsischer Motivation, von wertschätzender Kommunikation, von emotionaler oder gar spiritueller Intelligenz.
    – Thomas Vasek, Inflation der Anerkennung, brand eins 05/2011.

  • stoisch

    Das Adjektiv stoisch bedeutet heute allgemein „gleichmütig“, „unerschütterlich“. Es beschreibt Menschen, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen, stets beherrscht und weitestgehend frei von emotionalen Schwankungen sind.

    Ins Deutsche gelangte der Begriff über das lateinischen stoicus, d.h. „betreffend die Stoa“. Die Stoa wiederum war eine der vier großen philosophischen Schulen im alten Griechenland. Deren Begründer Zenon von Kition traf sich mit seinen Schülern zunächst in der stoa poikile, der bemalten Säulenhalle gegenüber der Akropolis in Athen.

    Neben weiteren Aspekten befasst sich die stoische Lehre auch mit ethischen Fragen und gibt normativ das Streben nach Ataraxie, Apatheia und Autarkie vor, also nach emotionalem Gleichmut, Unerschütterlichkeit gegenüber negativen Ereignissen und Selbstgenügsamkeit. Aus dem ethischen Leitbild der Stoa ergibt sich schließlich die heutige Bedeutung im deutschen Sprachgebrauch.

    Seine stoische Ruhe war bemerkenswert, nichts schien ihn aus dem Gleichgewicht bringen zu können.

    Mit stoischer Miene nahm sie die Anschuldigungen hin.

  • latent

    Das Adjektiv latent beschreibt etwas als vorhanden, aber (noch) nicht in Erscheinung tretend.

    Oft werden eher negative, unangenehme Dinge als latent bezeichnet, also solche, deren tatsächliches Zutagetreten nicht erwünscht ist.

    Ursprung des Begriffs ist das lateinische latere (verborgen sein).

    Er litt unter latenten Depressionen, die ihn in Augenblicken starker Belastung jederzeit überrollen konnten.

    Tatsächlich scheint sich ein latenter Rassismus durch weite Teile der Bevölkerung zu ziehen.

    Fast schon ein Markenzeichen der feiernden Massen auf der Hamburger Reeperbahn ist eine latente Aggression.

    Irak ist jetzt allein. Am Sonntag sind die letzten US-Truppen abgezogen – und sofort bricht in der Zentralregierung die bislang latent schwelende politische Krise aus.
    Steffen Richter (2011), Malikis gefährliches Spiel, ZEIT ONLINE 22.12.2011.

  • Transkulturation

    Transkulturation (die) ist die Einflussnahme einer Kultur auf eine andere. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird dieser Begriff aus den Kulturwissenschaften nur selten verwendet.

    Beispiele für Transkulturation sind etwa die Amerikanisierung zahlreicher Kulturräume während der letzten Jahrzehnte oder die Islamisierung des Nahen und Mittleren Ostens im Zuge der islamischen Expansion während des 8. bis 10. Jahrhunderts.

    Der Begriff der transculturación wurde in den 1940er Jahren vom kubanischen Wissenschaftler (u.a. der Anthropologie) und Politiker Fernando Ortiz Fernández geprägt und besteht aus der lateinischen Vorsilbe trans- (durch, über, auf die andere Seite) und dem lateinischen cultura (Kultur). Das deutsche Pendant ist eine direkte Übersetzung aus dem Spanischen.

    Die fortschreitende globale Vernetzung im Laufe der letzten 30 Jahre hat ganz neue Wege der Transkulturation mit sich gebracht.

  • preziös

    Das bildungssprachliche Adjektiv preziös bedeutet so viel wie „geziert“, „gekünstelt“ oder „unnatürlich“.

    Alternative Schreibweise des Adjektivs ist pretiös.

    Synonyme zu preziös sind unter anderem „etepetete“, „gezwungen“, „hochgestochen“ und „manieriert“.

    Preziös ist auf das französische précieux (kostbar, wertvoll) zurückzuführen.

    Der Stil des Künstlers ist mir zu preziös, ich bevorzuge einen klaren, schlichteren Stil.

    Denn in der besseren Gastronomie erwartet der Gast Komfort und Perfektion, aber keinen preziösen Schnickschnack. Genau nach dieser Formel wird in der Küche gekocht, und zwar besser als je zuvor!
    Wolfram Siebeck, Der Adler meldet sich zurück, ZEITmagazin Nº 09/2010

    Selbst die sonst so kritischen Intellektuellen sind stumm wie die preziösen Koi-Karpfen in ihrem Becken.
    Joachim Riedl, „Was alles fehlt“, Zeit Online, 25.09.2008

  • Fremdwörter zur US-Wahl

    Die US-Wahl ist gelaufen. Die in den letzten Tagen besonders oft nachgeschlagenen Fremdwörter zeichnen ein deutliches Bild vom Grundtenor der Berichterstattung rund um die Wahl und das Wahlergebnis.

    Offenbar ist man konsterniert, dass ein Demagoge und Chauvinist wie Donald Trump, der mit Polemik und erratischem Verhalten polarisiert, Ressentiments schürt und die um sich greifende Xenophobie anfacht, tatsächlich zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt werden konnte.

    Die wichtigsten Fremdwörter zur US-Wahl 2016

    Diese Begriffe sollten Sie kennen:

    • polarisieren – „Gegensätze schaffen“, „trennen“.
    • Demagoge – „Volksaufhetzer“.
    • designieren – „(für ein noch nicht besetztes Amt) bestimmen“.
    • erratisch – „vereinzelt“ oder „verirrt“, „willkürlich“.
    • Chauvinismus – Einstellung (von Männern), Frauen als minderwertig einzustufen
    • polemisch – „aggressiv“, „überspitzt“ in Bezug auf eine Argumentation, Aussage etc.
    • Despot – „Gewaltherrscher“.
    • Ressentiment – „heimlicher Groll“.
    • konsterniert – „fassungslos“, „verblüfft“ oder „bestürzt“.
    • Xenophobie – „Fremdenangst“, „Fremdenfeindlichkeit“.

    Bild Donald Trump: Gage Skidmore [CC BY-SA 3.0] via Wikimedia Commons


    Bild von Donald Trump: Gage Skidmore [CC BY-SA 3.0] via Wikimedia Commons

  • infantil

    Das Adjektiv infantil bedeutet „kindlich“ sowie im abwertenden Sinne „kindisch“ oder „unreif“.

    Der abwertende Gebrauch ist der bei weitem häufigere. So wird eine Person als infantil bezeichnet, die sich nicht ihrem Alter entsprechend verhält. Infantil können darüber hinaus nicht nur Personen selbst sein, sondern auch deren Ideen, Vorstellungen oder Äußerungen, also alle Arten des Ausdrucks oder Verhaltens, die nicht altersgemäß sind.

    Der Begriff entstammt dem lateinischen infantilis (kindlich, noch klein).

    Donald Trumps infantile Art, mit Konflikten umzugehen, bereitet der Weltgemeinschaft immer wieder Kopfschmerzen.

    Sie sind alle infantil, diese Romantiker, Männer, die zu lange oder immer Kinder geblieben sind, ohne die Kraft zur Selbstkritik, aber mit ewigen Hemmungen aus dem dumpfen Bewußtsein persönlicher Schwäche und von dem kranken Gedanken getrieben, die Gesellschaft abzuändern, die ihnen zu männlich, zu gesund, zu nüchtern ist, nicht mit dem Messer und Revolver wie in Rußland, beileibe nicht, sondern mit edlem Gerede und poetischen Theorien.
    – Oswald Spengler (1933), Jahre der Entscheidung.

    Seine infantile Reaktion auf die Vorwürfe der Aktionäre ließ gewisse Rückschlüsse auf seine Eignung als Vorstandsvorsitzender zu.

    Wir kennen es vom Kind in der Sandkiste, das auf den Bagger des Kameraden neidisch ist und ruft: „Will ich auch haben!“
    Dieser infantile Wunsch ist der Motor des Konsumismus und des Wachstums.
    Ulrich Greiner (2014), Wer braucht das schon alles?, Zeit Online.

  • polarisieren

    Das Verb polarisieren bedeutet bildungssprachlich „Gegensätze schaffen“, „trennen“.

    Es bezieht sich in erster Linie auf das Trennen von einer Gruppe (etwa der Bevölkerung eines Landes) in verschiedene Lager mit gegensätzlichen Ansichten. Ursachen für eine solche Trennung kommen zahlreiche in Frage, etwa anstehende politische oder wirtschaftliche Entscheidungen, Wahlen, Personen des öffentlichen Lebens, alle Arten von Kunst etc.

    Ursprung des Begriffs ist das griechische Substantiv pólos (Erdachse, Himmelsgewölbe).

    Trump polarisiert. Während er von seinen Anhängern frenetisch gefeiert wird, blickt der Rest der Welt den nächsten Jahren mit Unbehagen entgegen.

    Während einige Politiker eine gemäßigte Vorgehensweise vorziehen und stets den Mittelweg suchen, polarisiert er wo es nur geht, um sich die unbedingte Unterstützung des einen Teils der Bevölkerung zu sichern, selbst wenn eine Minderheit ihn dafür hasst.

    Manche Krisen polarisieren, andere vereinen ein Land, in dem die Bevölkerung ein gemeinsames Problem und damit ein gemeinsames Ziel hat.

    Ihr neues Album wirkte überraschend polarisierend und spaltete ihre Anhängerschaft in zwei Lager.

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