• Avantgarde

    Avantgarde (die) bezeichnet eine Gruppe von Vorreitern auf einem Gebiet (meist der Politik oder der Kunst), die mit neuen Ideen grundlegende und oft langfristige Änderungen anstoßen. Dabei ist nicht nur die Neuartigkeit von zentraler Bedeutung, sondern auch die Abgrenzung zum Status quo durch Radikalität und bewusste Provokation.

    Der Ursprung des Begriffs liegt im französischen Militärjargon. Dort bezeichnet die avant-garde die Vorhut einer Truppe, deren Aufgabe das Ausspähen oder Hinhalten des Gegners ist, so dass die übrigen Truppenteile Zeit haben, sich taktisch aufzustellen und kampfbereit zu machen.

    Die drei Künstler bilden die selbsterklärte Avantgarde der elektronischen Tanzmusik. Eine wachsende Anzahl begeisterter Fans und mehr und mehr Nachahmer geben ihnen Recht.

    Heutige Hipster leben zumeist in westlichen Großstädten, ihr Leben verbringen sie im permanenten Updateprozess als eine Art Avantgarde des Konsums.
    – David Hugendick (2013), Ironiker, der Lenz ist da, ZEIT ONLINE.

  • Antonym

    Ein Antonym (das) ist das Gegenwort oder auch Oppositionswort zu einem Begriff.  Es beschreibt also das genaue Gegenteil eines anderen Wortes.

    Beispiele:

    • Das Antonym zu „nass“ ist „trocken“.
    • Das Antonym zu „trocken“ ist „nass“ (denn die Beziehung ist ja wechselseitig!).
    • Das Antonym zu „Liebe“ ist „Hass“.
    • Das Antonym zu „schwierig“ ist „einfach“.

    Der Begriff ist auf das griechische antí (gegen) und ónyma (Name) zurückzuführen.

    Das Antonym zu Antonym ist Synonym, als Synonym für Antonym kann Oppositionswort verwendet werden.

    Weil Reals Auftreten an diesem Abend demnächst unter dem Slogan „Auswärts in München“ Aufnahme in den Brockhaus finden wird. Die Königlichen spielten sich zu ihrem eigenen Antonym: Im Rückspiel in Dortmund fahrig und planlos, hielten sie bei den Bayern stets die Spur.
    – Paul Hofman, Bayern gegen Real: Wer san mia?, Zeit Online, 29.04.2014

  • Promiskuität

    Promiskuität (die) bedeutet „sexuelle Freizügigkeit“ im Sinne häufig wechselnder Sexualpartner oder mehrerer Sexualpartner gleichzeitig.

    Ursprung des Begriffs ist das lateinische promiscuus (gemischt).

    Promiskuität ist unter Studenten angeblich weit verbreitet.

    Die technologischen Möglichkeiten des Internets und unsere schlummernde Promiskuität wirken zusammen wie ein Brandbeschleuniger. Und bestätigen all jene, die das Netz schon immer vor allem für ein Medium der sexuellen Kontaktaufnahme gehalten haben.
    – Ijoma Mangold (2013), Eine Welt ohne Flirt, DIE ZEIT, 7.2.2013 Nr. 07.

  • Relevanz

    Das bildungssprachliche Substantiv Relevanz steht für „Bedeutsamkeit“ oder eine „Wichtigkeit in einem bestimmten Zusammenhang“. Weitere Synonyme sind „Belang“, „Gewicht“, oder auch „Signifikanz“.

    Das Antonym zu Relevanz ist „Irrelevanz“.

    Das Substantiv war im Jahr 1915 erstmals im Rechtschreibeduden zu finden und gilt als Ableitung des Adjektivs relevant mit der Ersetzung des Suffixes –ant durch –anz. Möglicherweise besteht eine Anlehnung an das Englische relevance.

    Der Konkurs der Firma ist für das gesamte Gebiet von wirtschaftlicher Relevanz und wird enorme Folgen mit sich ziehen.

    Die Relevanz des Moduls in Bezug auf den erfolgreichen Abschluss des Lehrgangs ist zweifelhaft.

    In beiden Fällen ist jede Entscheidung von dramatischer Relevanz. Und in beiden Fällen helfen: Erfahrung, eine gute Organisation, eindeutige Kriterien – und der Mut, überhaupt Entscheidungen zu fällen.
    -Gabriele Fischer, Unter Wichtigmachern, Brandeins, 03/2012

  • postkoital

    Das Adjektiv postkoital bedeutet „nach dem Geschlechtsverkehr“, beschreibt also in erster Linie Handlungen und Sachverhalte als zeitlich unmittelbar nach dem Liebesakt stattfindend.

    Es setzt sich zusammen aus der lateinischen Vorsilbe post– (nach) und dem lateinischen coitus (Begattung, Vereinigung).

    Von postkoitaler Müdigkeit sind in erster Linie Männer betroffen, die sich zum Leidwesen ihrer Partner gerne einfach umdrehen und zu schnarchen beginnen.

    In einem Moment postkoitalen Übermuts fragte er sie nach der Zahl seiner Vorgänger, bereute die Frage jedoch gleich darauf.

  • Rekursiv

    Das Adjektiv rekursiv bedeutet „durch sich selbst definierend“ oder „(zu bekannten Werten) zurückgehend“.

    Das Wort wird häufig im Bereich der Informatik und Mathematik genutzt, beispielsweise in der charakteristischen Wortkombination „rekursive Programmierung“ oder „- Funktion“.

    Zudem findet das Adjektiv auch in der Sprachwissenschaft Gebrauch. Rekursiv bezeichnet hier das mehrfache Auftreten gleicher Sprachformen, wie etwa bei der Satz- oder Wortbildung. Dies kann zum Beispiel ein Aneinanderreihen gleicher Satzteile oder Vorsilben sein („vorvorvorgestern“).

    Als Synonyme zu rekursiv gelten „rückläufig“, „selbstbezogen“ oder „zurückführend“.

    Bei der rekursiven Programmierung sollte an die Einbindung einer Abbruchbedingung in der Funktion gedacht werden. Sonst besteht die Gefahr, dass sich das Programm unendlich oft selbst aufruft.

    Beim Erzählen von ihrer Weltreise verfängt sie sich häufig in rekursive Strukturen, um ihre Begeisterung für fremde Kulturen und Länder zu unterstreichen. So spricht sie beispielsweise von „ köstlichen, delikaten, deliziösen Spezialitäten“.

    Was passiert eigentlich, wenn man Googles Bildersuche rekursiv verwendet? Der Berliner Sebastian Schmieg hat das kurzerhand ausprobiert und angefangen mit einem transparenten PNG jeweils nach einem ähnlich aussehenden Bild suchen lassen (im Falle einer sehr wahrscheinlichen Wiederholung hat er einfach das nächste Suchergebnis genommen). Diesen Prozess hat er genau 2951 Mal wiederholt und die Bilder schließlich zusammengeschnitten.
    – Eike Kühl, Spaß mit Google: Eine rekursive Bildersuche, Zeit Online, 17.02.2012

  • tête-à-tête

    Das Adverb tête-à-tête bedeutet so viel wie „unter vier Augen“ oder „vertraulich“ im Sinne eines vertraulichen Treffens zweier Personen unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

    Des Weiteren bezeichnet die substantivierte Form Tête-à-Tête ein intimes und romantisches Beisammensein bzw. ein Rendezvous.

    Aussprache: tɛtaˈtɛːt, also in etwa „tetta tett“.

    Der Ausdruck tête-à-tête (Kopf an Kopf) wurde aus dem Französischen übernommen.

    Ich freue mich schon seit Wochen auf unser Tête-à-Tête am Valentinstag.

    Die beiden Staatsoberhäupter nahmen sich reichlich Zeit für ein Gespräch tête-à-tête, in dem Lösungsansätze für den Weg aus der Krise erörtert wurden.

    Der wohlklingende Ausdruck Tête-à-Tête ist in der Zeit der Anglizismen mittlerweile aus der Alltagssprache verschwunden- heutzutage werden nur noch „Dates“ ausgemacht.

    Dem müssen auch die Franzosen zustimmen – obwohl sie letztlich der Auffassung sind, dass die Deutschen ihren Job eh viel zu ernst nehmen, „bierernst“ eben. Während die Franzosen noch ein Tête-à-tête am Kopierer abhalten oder den Geschäftsbesuch zum Menü nach Hause einladen, wollen die Deutschen ihrer Meinung nach stets nur das eine: Ergebnisse sehen.
    – Katja Barthels, Das ist ja typisch!, ZEIT Campus Nr. 04/2007

  • Exodus

    Ein Exodus ist die Abwanderung bzw. der Auszug einer großen Gruppe aus einem Gebiet. So etwa der biblische, von Moses angeführte Auszug der zwölf Stämme Israels aus dem alten Ägypten, geschildert im 2. Buch Mose, welches ebenfalls den Namen Exodus trägt.

    Der direkt ins Deutsche übernommene lateinische Begriff geht zurück auf das griechische éxodos (Ausgang).

    Das Land leidet unter einem Exodus unterbezahlter Akademiker, die in Scharen von der Aussicht auf bessere Löhne ins Ausland gelockt werden. Dieses Phänomen, auch Braindrain genannt, macht alle Investitionen der Regierung in die Ausbildung der Bevölkerung null und nichtig.

    Ein aktuelles Beispiel für einen Exodus ist die massenhafte Flucht der Syrer aus ihrem eigenen Land während des anhaltenden Bürgerkriegs.

    Der Exodus europäischer Musiker in die USA nach 1933 war vielleicht der größte Talenttransfer der Weltgeschichte.
    – Volker Hagedorn (2012), Vertreibung ins Paradies, DIE ZEIT, 16.2.2012 Nr. 08.

  • Exekutive

    Bei der Exekutive handelt es sich in der Politik und Rechtssprache um die ausführende und vollziehende Gewalt. Im Rahmen der Gewaltenteilung der Staatstheorie stellt die Exekutive neben der Legislative (Gesetzgebung) und Judikative (Rechtsprechung) eine der drei unabhängigen Gewalten dar.

    Das Substantiv Exekutive ist vom lateinischen exsequi (ausführen) hergeleitet.

    Bei Barbecues auf Jelzins Datscha drehte er die Schaschlikspieße, er trat als Gouverneur der Halbinsel Tschukotka offiziell in den Staatsdienst und überließ der Präsidialverwaltung eine teure Segeljacht zur persönlichen Nutzung Wladimir Putins. Wen das russische Strafrecht exekutiert, hängt weniger von seiner Gesetzestreue ab, als davon, wie gut er sich mit der Exekutive stellt.
    -Stefan Scholl, Im Niemandsland, Brandeins, 01/2007

    Für Europa zu sein heißt aber, dass Sozialdemokraten, Liberale und Grüne sich demonstrativ hinter den nun direkt legitimierten Luxemburgischen Christdemokraten stellen. Das würde unterstreichen, dass die Wahl des Europäischen Parlaments auch über die Bestellung der Exekutive, also der Kommission entscheidet. Und ebendas widerlegt das Gerede vom Demokratiedefizit der Union.
    -Anton Palinka, Europa hat gewählt: Braves Europa, Die Zeit, 23/2014

  • Xenophobie

    Xenophobie (die) bedeutet eigentlich „Fremdenangst“ wird oft aber mit „Fremdenfeindlichkeit“ gleichgesetzt. Xenophobie beschreibt also eine ablehnende Haltung gegenüber andersartigen Personen. Dazu zählt die Ausländerfeindlichkeit, aber auch die Ablehnung von Personen anderer Glaubensauffassung, anderer sozialer Schichten etc.

    Der Ausdruck setzt sich zusammen aus den griechischen Begriffen xenos (Fremder; aber auch: Gast) und phobos (Angst).

    Eines der großen Probleme unserer Zeit ist die zermürbende Xenophobie, die zur Spaltung der Gesellschaft führt und ein friedliches, positives Miteinander in einem Land erschwert.

    Nationalstolz, das Bewahren der eigenen kulturellen Identität und Xenophobie liegen oft nah beieinander.

    Warum im wiedervereinigten Deutschland die Xenophobie einen neuen, gewalttätigen Höhepunkt erreicht hat, das wird vom Autor sorgfältig und differenziert erörtert. Er verschweigt nicht, daß Politiker und Medien mit ihrem verantwortungslosen Gerede von einer „neuen Völkerwanderung 1 und einer „Asylantenschwemme“ die ausländerfeindlichen Exzesse geradezu begünstigt haben: „Jugendliche Gewalttäter verstanden sich nicht selten als aktive Vertreter einer schweigenden Mehrheit auf einem der politischen Gestaltung entglittenen Feld “
    Volker Ullrich (1994), Flucht vor der Wirklichkeit, DIE ZEIT, 4.3.1994 Nr. 10.

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