• diametral

    Das Adjektiv diametral bedeutet bildungssprachlich „entgegengesetzt“ und beschreibt damit Sachverhalte, Argumente, Aussagen, Positionen etc., die in ganz und gar gegensätzlichem Verhältnis zueinander stehen, d.h. völlig verschieden sind.

    Häufig gebraucht wird die Phrase „diametral entgegengesetzt“, die nicht unbedingt pleonastischen, sondern eher betonenden Charakter hat. Stilistisch ist sie ob ihres inflationären Gebrauchs dennoch von zweifelhafter Güte.

    Speziell in der Mathematik beschreibt der Ausdruck Punkte auf dem äußeren Rand einer geometrischen Figur, deren Verbindungslinie zum einen durch den Mittelpunkt der Figur geht und zum anderen den maximal möglichen Abstand zweier Punkte innerhalb der Grenzen der Figur darstellt. Das einfachste Beispiel dafür sind zwei Punkte, die sich auf dem Durchmesser eines Kreises gegenüberliegen.

    Die Herkunft des deutschen Begriffs liegt im spätlateinischen diametralis (zum Durchmesser gehörend) und geht auf das gleichbedeutende griechische diametros zurück.

    Die Arbeit der Regierungskoalition verlief bisher sehr harmonisch. Bezüglich der aktuellen Frage führen die diametralen Positionen der beiden Parteien jedoch zu langwierigen Verhandlungen, deren Ende bisher nicht in Sicht ist.

    Was Bier betrifft, haben meine süddeutschen Freunde und ich diametrale Präferenzen.

  • desavouieren

    Das Verb desavouieren bezeichnet das Bloßstellen in der Öffentlichkeit oder auch das Abstreiten oder die Nichtanerkennung von Personen oder Gegebenheiten. Synonyme des bildungssprachlichen desavouieren sind „blamieren“, „vorführen“, „kompromittieren“, „zum Gespött machen“, oder auch „in Abrede stellen“.

    Aus dem Französischen entlehnt, besteht desavouier aus dem altfranzösischen Präfix dés-, welches die Aussage des Verbs aufhebt und dem Verb avouer, zu Deutsch „anerkennen“ oder „einen Fehler eingestehen“.

    Durch das Abstimmungsergebnis fühlte sich der Politiker desavouiert. 35% der eigenen Parteimitglieder hatten gegen sein Vorhaben gestimmt.

    Sie desavouierte sich vor ihrer neuen Arbeitgeberin, als sie den Stift aufhob und ihre Hosennaht platzte.

    Der Präsident ist in seiner Autorität beschädigt, die Regierung als ein Verein von Amateuren desavouiert.
    Martin Gehlen, Neue Verfassung: Mit der Scharia ist in Ägypten kein Staat mehr zu machen, Die Zeit 16.12.2012.

     

  • ratifizieren

    Das Verb ratifizieren bedeutet „als gesetzgebende Körperschaft einen völkerrechtlichen Vertrag in Kraft setzen“. Der Begriff wird in der Politik und in der politischen Berichterstattung verwendet.

    Das lateinische Verb ratificare mit der Bedeutung „genehmigen, bestätigen“ setzt sich seinerseits aus ratus (bestimmt, gültig) und facere (tun, machen) zusammen.

    Die Abgeordnetenkammer ratifizierte das Steuerabkommen mit Deutschland.

    Nachdem beide Länder den Friedensvertrag ratifiziert hatten, kam es in der kleinen Grenzstadt zum ersten Gipfeltreffen seit fünfundsiebzig Jahren.

    Das Handelsabkommen mit China wurde vom Parlament ratifiziert.

  • volatil

    Das Adjektiv volatil bedeutet „beweglich“, „unstetig“ oder „flüchtig“ und wird in verschiedenen Zusammenhängen verwendet.

    Im Finanzwesens etwa werden sprunghafte und unbeständige Aktienkurse als volatil bezeichnet.

    Auch in der Betriebs- oder Volkswirtschaft ist es nicht unüblich, unbeständige Zustände wie Preisentwicklungen oder andere Variablen in einer Marktwirtschaft als volatil zu bezeichnen.

    In der Chemie wird der Ausdruck für besonders flüchtige Stoffe verwendet, d.h. solche, die schon bei geringen Temperaturen verdampfen.

    Ableiten lässt sich der Begriff aus dem lateinischen volatilis (fliegen, flüchtig).

    Wind- und Solarenergie sind volatile Energieträger, mit denen sich nur näherungsweise kalkulieren lässt.

    Und natürlich machen es sich Unternehmer, Geschäftsführer und Vorstände bei Verlustgeschäften einfach. Im Zweifelsfall trägt der volatile Markt die Schuld.

    Und im Geschäftsbereich Consumer – dazu gehören neben Nivea kleinere Hautpflege-Marken wie Eucerin oder Labello – kam man nur auf 1,6 Prozent. Zum Vergleich: Henkel wuchs in diesem Segment um 4,8 Prozent, L’Oréal sogar um 5,6 Prozent. Die Beiersdorf-Tochter Tesa steht zwar besser da, das Geschäft mit Klebstoff ist aber relativ klein und volatil.
    Patricia Döhle (2011), Blick in die Bilanz: Pflegefall, brand eins 06/2011. 

  • Authentizität

    Das bildungssprachliche Substantiv Authentizität bedeutet „Echtheit“.

    Es bezeichnet die Eigenschaft einer Sache, Person oder Organisation, authentisch zu sein, also auf Echtheit geprüft und „als Original befunden“.

    Synonyme zu Authentizität sind „Glaubwürdigkeit“, Zuverlässigkeit“, „Unverfälschtheit“ oder „Wahrheit“.

    Authentizität ist als Substantiv seit Mitte des 18.Jahrhundert in der deutschen Sprache belegt. Bei dem Wort handelt es sich um eine Ableitung des Adjektivs authentisch, welches auf das spätlateinische authenticus (original, echt, verbürgt) zurückzuführen ist.

    Die Authentizität des Vertrags wurde notariell beglaubigt.

    Das Museum zeigt die Wohnumstände in der Stadt während des 18. Jahrhunderts. Ausgewähltes, originalgetreues Mobiliar und viele Details verleihen den Wohnräumen des alten Bauernhauses Authentizität.

    Luxusmarken müssen darauf reagieren, dass ihre Kunden zunehmend aus dem asiatischen Raum kommen, andere Vorlieben haben und ein anderes Einkaufsverhalten. Sie müssen gleichzeitig der Digitalisierung von Kommunikation und Handel Rechnung tragen – eine Entwicklung, die größere Transparenz und Authentizität von einer Branche fordert, die am liebsten inszenierte Geschichten und perfekte Illusionen verkaufte.
    Markus Albers, Das Luxus-Problem, Brandeins 12/2014

  • falsifizieren

    Das bildungssprachliche Verb falsifizieren bedeutet „fälschen“,  „verfälschen“ oder „widerlegen“,„entkräften“.

    Es  wird zum Beispiel verwendet, um auszudrücken, dass wissenschaftliche Hypothesen durch empirische Studien oder logische Beweise widerlegt und somit entkräftet werden.

    Antonym (Gegenwort) zu falsifizieren ist das Verb „verifizieren“.

    Falsifizieren ist abgeleitet vom mittellateinischen falsificare, zu lateinisch falsus (falsch) und facere (machen, tun).

    Mithilfe der Langzeitstudie soll die vorherrschende Hypothese falsifiziert werden und ein neuer Durchbruch in der Forschung erreicht werden.

    Noch deutlicher wird Dannemann: „Dass alle Autoren von Lehrbüchern abschreiben ist eine unhaltbare Generalisierung, die sich angesichts der großen Anzahl von Lehrbüchern nicht verifizieren, aber schon mit einem einzigen Gegenbeispiel falsifizieren lässt.“
    Jonas Krumbein, Hat der Plagiatsjäger selbst plagiiert?, Der Tagesspiegel, 08.11.2013

    Die Schule falsifiziert eine Reihe schulorganisatorischer Mythen. So etwa die Notwendigkeit der Auslese der AHS-Schülerschaft im Alter von zehn Jahren und die Sinnhaftigkeit der achtjährigen gymnasialen Langform.
    Karl Heinz Gruber, Diese Schule dürfte es nicht geben, DIE ZEIT Nº 48/2014

  • Atavismus

    Das Substantiv Atavismus wird fachsprachlich genutzt, um das Wiederauftreten von anatomischen Merkmalen oder Verhaltensweisen zu beschreiben, die den unmittelbar vorhergehenden Generationen fehlen. Atavismus kann bei Pflanzen, Tieren oder Menschen auftreten.

    Im übertragenden Sinn wird Atavismus zudem verwendet, um eine Auffassung oder ein Verhalten zu beschreiben, das einem veralteten Weltbild entspricht.

    Das Substantiv ist auf das lateinische atavus (Großvater des Urgroßvaters, Urahne) zurückzuführen.

    Trotz fortgeschrittener Emanzipation kehren viele junge Familien zum Atavismus des geldverdienenden Vaters und der fürsorglichen Hausfrau zurück.

    Ich glaube nicht an die Genialität, auch nicht bei Künstlern. Ich arbeite gern im Kollektiv. Genialität, das ist eine Art Atavismus. Es geht darum, gemeinsam etwas zu erreichen.
    Chris Dercon, „Veränderung tut immer weh“, Der Tagesspiegel, 26.04.2015

    Offenbar mutieren liebende Eltern, kaum haben sie ihren eigenen Nachwuchs abgeliefert, zu Rasern, die auf den Nachwuchs anderer keine Rücksicht nehmen. Ein Atavismus zur Erhaltung der eigenen Gene?
    Mark Spörrle, Wieso gibt es vor den Hamburger Schulen keine „Kiss & Ride“-Parkplätze für Eltern?, DIE ZEIT Nº 38/2014

  • Fakturieren

    Das Verb fakturieren ist der Kaufmannssprache zuzuordnen und bezeichnet das Ausschreiben oder in Rechnung stellen von gelieferten Waren und geleisteten Diensten.

    Zudem erfolgt in gleichem Zug die entsprechende Buchung des Geschäftsvorfalls auf das betroffene Konto im externen Rechnungswesen.

    Synonyme zu fakturieren sind „abschätzen“, „ausschreiben“ oder „berechnen“.

    Das Verb ist auf das lateinisch-spanische factura (Rechnung) zurückzuführen.

    Nachdem sich die Reparaturen über Wochen hinausgezogen haben, wurde die Rechnung zu allem Erstaunen direkt im Anschluss an die Fertigstellung fakturiert.

    In diesem Monat wurden im Vergleich zum Vorjahr mehr als doppelt so viele Lieferungen fakturiert.

    Das Unternehmen liefert 85 Prozent seiner Maschinen in jeden Winkel des Auslands. Ein Viertel des Absatzes geht in die USA. Die Dollarschwäche des Sommers habe dem Maschinenbauer bislang nicht geschadet, sagt der Chef. „In Nordamerika können wir fast ausschließlich in Euro fakturieren.“ Außerdem schließe man Kurssicherungsgeschäfte ab.
    Peter Gaide und Marc-Stefan Andres, Limonade für die neuen Reichen, Zeit Online, 04.09.2008

     

  • denunzieren

    Das Verb denunzieren bedeutet, jemanden oder etwas (meist aus niederen Beweggründen) anzuzeigen, zu verraten, oder öffentlich bloßzustellen.

    Synonyme zu denunzieren sind beispielsweise „brandmarken“, „verleumden“, „anschwärzen“ oder „kompromittieren“.

    Denunzieren ist über das lateinische denuntiare (ankündigen, kundtun) herzuleiten.

    Aus Rache denunzierte sie ihren Ex-Mann bei der Polizei und zeigte ihn wegen Steuerhinterziehung an.

    Die Aussage wurde von sämtlichen Journalisten als rechtsradikal denunziert und scharf kritisiert.

    Als der Boss den Jungspund zum Souschef ernannte, war es vorbei mit der Kameraderie. Wojta: „Ich wurde von Stund an gemobbt. Die Kollegen sprachen nicht mehr mit mir.“ Sie warteten auf den geringsten Fehler des Günstlings, um ihn zu denunzieren: „Ich habe oft mehrmals am Tag Rotz und Wasser geheult.“
    Bernd Dörler, Statt Hummer Schinkenfleckerl, Brandeins 12/2014

  • Ambidextrie

    Das Substantiv Ambidextrie ist ein medizinischer Fachbegriff. Er bezeichnet die Beidhändigkeit, beziehungsweise die gleich ausgebildete Geschicklichkeit beider Hände.

    Weiterhin beschreibt die „Organisationale Ambidextrie“ die Fähigkeit von Organisationen, gleichzeitig effizient und flexibel zu sein.

    Ambidextrie stammt aus dem Lateinischen und ist auf die Worte ambo (beide) und dexter (rechte Hand) zurückzuführen.

    Organisationale Ambidextrie, Fairness und Ressourcenschonung stellen wesentliche Hauptziele des Imagewechsels der Firma dar.

    Nach dem Unfall konnte er seine rechte Hand lange Zeit nicht bewegen. Aus der Not heraus trainierte er das Schreiben mit der linken Hand und verfügt mittlerweile über eine bemerkenswerte, selbst angeeignete Ambidextrie.