• Liquidität

    Das Substantiv Liquidität bezeichnet zum einen die Fähigkeit, Zahlungsverpflichtungen fristgerecht erfüllen zu können.

    Andererseits können Liquiditäten auch „flüssige“, also mehr oder weniger frei verfügbare finanzielle Mittel sein. Darunter fallen zum Beispiel Bargeld oder Guthaben auf Girokonten.

    Synonyme zu Liquidität sind „Solvenz“, „Zahlungsfähigkeit“ oder „Flüssigkeit“.

    Bei Liquidität handelt es sich um eine Substantivierung des Adjektivs „liquid“, zu lateinisch liquidus (flüssig), mit dem Derivatem –ität.

    Da der Interessent über genügend Liquidität verfügt, steht der Kooperation nichts mehr im Wege.

    Angenommen, ein Lieferant bietet seinem Abnehmer zwei Prozent Skonto, wenn er innerhalb von 45 Tagen zahlt, und ein Nettozahlungsziel von 60 Tagen. Der Kunde nimmt, weil er nicht genug Liquidität hat, den Zahlungsaufschub voll in Anspruch. Daraus ergibt sich ein effektiver Zinssatz von 48 Prozent pro Jahr.
    Christiane Sommer, Schulden als Referenz, Brandeins, 02/2004

  • Sanierung

    Das Substantiv Sanierung bezeichnet im Allgemeinen eine Instandsetzung, beziehungsweise Wiederherstellung. Diese Wiederherstellung kann sich auf einen geordneten Zustand oder auch auf wirtschaftliche Rentabilität beziehen.

    Unter Sanierung wird häufig auch eine Instandsetzung und Umgestaltung durch Renovierung oder den Abriss alter Gebäude mit anschließendem Neubau verstanden.

    Der Ausdruck ist eine Ableitung zum Stamm des Verbs „sanieren“, zu lateinisch sanare (gesund machen, heilen), mit dem Derivatem –ung.

    Um das Traditionsunternehmen aus den roten Zahlen zu retten, muss eine grundlegende Sanierung durchgeführt werden.

    Die Sanierung des Hauses sollte im Juni abgeschlossen sein, so dass einem Einzug im Juli nichts mehr im Wege steht.

    Inzwischen haben alle großen Banken bei der Aufsicht detaillierte Sanierungspläne eingereicht, in denen steht, wie in einer solchen Situation zu verfahren wäre. Das Problem während der Krise war doch, dass niemand auf die Schieflage einer Bank vorbereitet war.
    Jürgen Fitschen, Jürgen Fitschen: Niemand war vorbereitet, Die Zeit, 21.03.2014

  • Neurodegenerativ

    Das Adjektiv neurodegenerativ bezeichnet die Eigenschaft des fortschreitenden Verlusts von Nervenzellen, welche zu verschiedenen neurologischen Symptomen wie Demenz oder Bewegungsstörungen führt.

    Das Adjektiv ist zusammengesetzt aus dem griechischen néuro– (Nerv/Nerven) und dem lateinischen dēgenerāre (aus- oder entarten).

    Alzheimer, Parkinson und Chorea Huntington gelten allesamt als neurodegenerative Erkrankungen.

    Die Trenddroge wirkt neurodegenerativ.

    Die Firma verweist auf steigende Zahlen neurodegenerativer Erkrankungen und zeigt auf ihrer Website ein Video, in dem eine 29-jährige Frau, von Geburt an taub, zum ersten Mal ihr Cochlea-Implantat einschaltet. Der Eindruck dieses neu zugeschalteten Sinnes durch die Gehirn-Maschine-Schnittstelle überwältigt die Frau.
    – Philipp Hummel, RoboRoach: Smartphone steuert Schabe, Zeit Online, 13.03.2014

  • neuronal

    Das Adjektiv neuronal bedeutet „ein Neuron, also eine Nervenzelle mit allen Fortsätzen, betreffend oder davon ausgehend“.

    Neuronal ist auf das griechische neũron (Nerv) in Kombination mit dem Suffix –al zurückzuführen.

    Die neuronale Schädigung lässt sich mittels Kernspintomographie nachweisen.

    Subjektivität zum Beispiel, das innere Selbsterleben des Menschen, werde auf einen neuronalen Juckreiz reduziert, auf ein Synapsengestöber im Hirn – Denken und Gefühle sind alles Moleküle.
    Thomas Asshauer, Sachbuch „Geist und Kosmos“: Die neue Orthodoxie, Die Zeit, 17.10.2013

    Wenn das der Fall wäre, bräuchten wir kein Bewusstsein. Die bloße Umsetzung eines Reizes in eine entsprechende Reaktion findet auf einem sehr niedrigen Niveau der neuronalen Verknüpfung statt, das finden wir schon bei den Meeresschnecken.
    Peter Laudenbach, „Das Gehirn denkt nicht“, Brandeins, 11/2009

  • maskulin

    Das Adjektiv maskulin bedeutet „männlich“, beziehungsweise „dem männlichen Geschlecht zugehörig“ oder „den Eigenschaften eines Mannes ähnelnd oder entsprechend“. In der Sprachwissenschaft bezeichnet maskulin aber auch ein grammatisches Geschlecht, also einen Genus. Das Gegenwort zu maskulin ist feminin.

    Maskulin ist auf das gleichbedeutende lateinische masculinus, zu masculus (männlichen Geschlechts), zurückzuführen.

    Sie hat eine tiefe und maskuline Stimme, so dass viele Anrufer sie oftmals mit „Herr Müller“ ansprechen.

    Das weiße Feinrippunterhemd betont seine semimaskulinen Oberarme.

    Erinnern wir uns etwa an Marlene Dietrich. Sie war ein Gesicht. Sie tauchte in den Dreißigerjahren in ihrem Hosenanzug auf, war einerseits weiblich und verführerisch und verkörperte gleichzeitig eine irritierende, maskuline Erotik.
    Edgar Reitz, „Nennen wir es Glück“, Brandeins, 12/2013

  • Polypol

    Ein Polypol beschreibt den „perfekten Wettbewerb“, also eine Wirtschaftsform, bei der eine Vielzahl von Anbietern und Nachfragern auf den Angebots- und Nachfrageseiten miteinander in Konkurrenz stehen.

    In dieser Konstellation kann ein einzelnes Wirtschaftssubjekt (etwa ein Unternehmen oder ein Verbraucher) den Marktpreis mit seinem wirtschaftlichen Handeln nicht beeinflussen.

    Der Ausdruck wird – anders als die verwandten Begriffe „Monopol“ und „Oligopol“ – im Deutschen nur sehr selten verwendet.

    Das Substantiv stammt aus dem Griechischen und ist zusammengesetzt aus dem Präfix poly– (mehrere, viele) und pōleĩn (Handel treiben). Man kann Polypol daher frei mit „Verkauf durch viele“ übersetzen.

    Andere Marktformen sind:

    • Monopol: Ein Anbieter beherrscht den Markt
    • Oligopol: Wenige Anbieter/Nachfrager teilen sich die Marktmacht

    Durch das vorherrschende Polypol ist es den Kunden möglich, sich ihren Dienstleister frei auszusuchen.

  • Geviert

    Ein Geviert ist eine veraltete Bezeichnung für ein Quadrat, ein Viereck oder einen begrenzten, viereckigen Platz oder Raum. Es kann sich bei einem Geviert jedoch auch um eine typografische Maßeinheit handeln.

    Das Substantiv bezieht sich auf die Zahl vier und in diesem Sinne auf die vier Ecken oder Kanten eines Gevierts.

    Zur Mittagspause treffen sie sich immer im Geviert des Innenhofs.

    Das Geviert ist ausschlaggebend für den charakteristischen Zeilenabstand verschiedener Schriftarten.

    Die Zeichnungen inspirieren sie dazu, das Gartenthema freier zu gestalten, obwohl sie sie gar nicht verwenden werden. Wenig später steht fest: Aus Gardens wird Monster World. Bald blühen auf dem digitalen Geviert Einhornbäume.
    Heike Faller, Social Games: Die Monsteridee, Die Zeit, 15.12.2011

  • feminin

    Das Adjektiv feminin bedeutet „weiblich“. Es beschreibt etwas als dem weiblichen Geschlecht zugehörig, für Frauen passend oder den Eigenschaften einer Frau ähnelnd beziehungsweise entsprechend.

    Synonyme des Adjektivs sind „fraulich“, „frauenhaft“ oder „weiblich“. „Maskulin“ (männlich) stellt das Gegenwort zu feminin dar.

    Des Weiteren ist feminin auch ein Begriff  in der Sprachwissenschaft und bezeichnet hier ein grammatikalisches Geschlecht, also einen Genus.

    Feminin ist auf das lateinische  fēminīnus, -a, -um (weiblich), sowie das Substantiv fēmina (Frau, Weibchen) zurückzuführen.

    Häufig wird die These vertreten, auch Männer haben eine ausgeprägte feminine Ader, die sie sich jedoch häufig nur schwer eingestehen können.

    Die Schnittführung der neuen Kollektion des Modeschöpfers ist sehr feminin.

    Ich dachte, eine Stahlunternehmerin, die immer allein unter Männern ist, würde kaum noch weiblich sein. Ich hielt Sie sogar für einen besseren Mann, noch dominanter, noch entschiedener, noch durchsetzungsstärker – alles, nur nicht feminin. Welch ein Irrtum das war, merkte ich, als mir Fotografien von Ihnen in die Hände fielen.
    Kerstin Bund, „Denn Du bist nur eine Frau“: Voll Frau, voll Chefin, Die Zeit, 11.02.2014

  • Phänomen

    Bei einem Phänomen handelt es sich im Allgemeinen um eine Erscheinung. Diese Erscheinung kann womöglich selten, bemerkenswert oder auffällig sein. „Erscheinung“, „Vorkommnis“, „Begebenheit“ oder „Kuriosität“ sind synonym zu Phänomen.

    Im umgangssprachlichen, meist positiven Sinn, kann unter einem Phänomen auch eine Person verstanden werden, die durch ihre ungewöhnlichen oder auffälligen Eigenschaften auffällt.

    Das Substantiv wurde im 17. Jahrhundert vom spätlateinischen Wort phaenomenon (Erscheinung) entlehnt, welches auf das altgriechische phainómenon (Erscheinung) zurückzuführen ist.

    Der Professor ist eine Koryphäe. Durch die außergewöhnlichen Kompetenzen in seinem Fachgebiet gilt er international als Phänomen, das seines gleichen sucht.

    Ein Déjà-vu ist ein oft unangenehmes Phänomen, das in der Regel im Zustand besonderer Ermüdung auftritt.

    Wenn Trends und Trendforschung als Lebensstilangebote goutiert werden und daraus ihre selbstverstärkende Dynamik beziehen, bedeutet das auch, dass Trendsetting und Trendforschung ineinander aufgehen. Das heißt durch Trendbenennung werden Phänomene erst als zusammengehörig identifiziert und kommunizierbar.
    Franz Liebel, Im Trendstau, Brandeins, 03/2000

  • Kontext

    Das Substantiv Kontext wird häufig als Synonym für „Zusammenhang“ verstanden.

    Der Ausdruck bezeichnet in der Sprachwissenschaft den umgebenden Text einer sprachlichen Einheit oder auch einen inhaltlichen Gedanken- und Sinnzusammenhang, in welchem eine Äußerung steht.

    Beispiel:

    „Ich sitze auf einer Bank im Park.“
    „Ich bringe Geld zur Bank.“

    In diesen beiden Sätzen kann aus dem Kontext erschlossen werden, ob mit dem Wort „Bank“ die Sitzgelegenheit oder das Geldinstitut gemeint ist.

    Kontext stammt aus dem Lateinischen und ist auf das Wort contextus (enge Verknüpfung, Zusammenhang [der Rede]) zurückzuführen.

    Seine äußerst sarkastischen Äußerungen können ihn im falschen Kontext noch in Teufels Küche bringen.

    Ohne den Kontext zu kennen, ist es schwer, den Konflikt nachzuvollziehen.

    Eine nahe liegende ethnografische Methode besteht darin, die Kunden frei Geschichten erzählen zu lassen, von der Verwendung der Marke, des Produkts, des Angebots. Existieren Muster in den Geschichten, so spiegeln sie offenbar die (Un-) Regelmäßigkeiten des jeweiligen Business Designs wider. Wer Geschichten erzählt, gibt aber auch viel preis über sich, seine lebensweltlichen Kontexte und seine Vorstellungswelt.
    Franz Liebl, Empathie als Dienstleistung, Brandeins, 03/2002