• Sisyphus

    Sisyphus ist eine Figur aus der griechischen Mythologie. Der Sage nach war Sisyphus dazu verurteilt, einen Felsblock einen steilen und hohen Berg hinaufzurollen. Den Gipfel erreichte er allerdings nie, denn der Felsblock entglitt ihm immer im letzten Moment und rollte zurück ins Tal.

    Oftmals wird der Begriff in Verbindung mit dem Substantiv „Arbeit“ eingesetzt. So genannte Sisyphusarbeit bezeichnet in Anlehnung an die griechische Mythologie somit eine sinnlose, vergebliche Anstrengung oder eine schwere, nie ans Ziel führende Arbeit.

    Sisyphus ist die latinisierte Form des griechischen Eigennamens Sisyphos. Beide Versionen sind im heutigen Sprachgebrauch zu finden.

    Zu beachten ist die besondere Schreibweise des Wortes, mit einem „i“ in der ersten und einem „y“ in der zweiten Silbe.

    Es scheint, als sei das Aufgabenfeld der Praktikantin für Sisyphus konzipiert. Es ist nichts anderes, als eine demotivierende Beschäftigungstherapie- ein wirklicher Lernerfolg bleibt aus.

    Schon bald bemerkten sie, auf was für eine Plackerei sie sich eingelassen hatten: es war die reinste Sisyphusarbeit.

    Die Loipen im Dorf spurt er mangels Motorschlitten eigenfüßig, Baskal tritt auch die zwei Meter breiten Trassen für die Skater platt, auf breiten Jagdskiern, 1050 Meter Trasse an der Schule, 1200 Meter hinter dem Friedhof, „mit einer 90 Meter langen Steigung fürs Hügeltraining“. Im Winter, nach jedem Neuschnee, sieht man den wuchtigen Mann auf seinen Holzbrettern in Zeitlupe über die verschneiten Feldern ziehen. Sisyphus in Sibirien.
    Stefan Scholl, Ein Dorf für Kinder, Brandeins, 0/13

  • lynchen

    Das Verb lynchen bedeutet, jemanden für eine als Unrecht angesehene Tat, ohne rechtskräftiges Gerichtsurteil schwer zu misshandeln oder zu töten. Typische Anwendungsbeispiele und Wortzusammenhänge im Sprachalltag sind „Lynchjustiz üben“ oder „Lynchmord begehen“.

    Das Verb wird auch in der Umgangssprache genutzt und steht in diesem Zusammenhang ironisch für „sehr mit jemandem schimpfen“.

    Lynchen wurde im 19.Jahrhundert vom amerikanisch-englischen Verb „to lynch“ entlehnt. Zurückzuführen ist es auf den amerikanischen Familiennamen Lynch, genauer gesagt auf einen Farmer (womöglich William oder Charles Lynch), der als Vorsitzender eines selbst ernannten Bürgergerichts in Virginia während des 18. Jahrhunderts agierte.

    Nachdem der Verdächtige aufgrund mangelnder Beweise freigelassen wurde, beschlossen die Angehörigen des Opfers, ihn in einen Hinterhalt zu locken und zu lynchen.

    Sie drohte ihrer Mitbewohnerin, sie zu lynchen, sollte sie die Küche nochmals in solch einem desolaten Zustand vorfinden.

    Nach dem Mord an einem Kind in Emden verabredeten sich Mitglieder einer Facebook-Gruppe zum Lynchen.
    Jakob Vicari, Die Herrschaft der Trolle, Brandeins, 06/2012

  • Legislative

    Die Legislative ist die gesetzgebende Gewalt in einem Staat. In Deutschland besteht die Legislative aus Bundestag und Bundesrat (auf Bundesebene) und den Länderparlamenten (auf Landesebene).

    Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und ist zusammengesetzt aus lex, legis (Gesetz) und ferre (tragen)

    In der Bundesrepublik stellen Bundestag und Bundesrat die Legislative dar.

    Südtirol verfügt seither als Provinz Bozen in der Region Trentino-Alto Adige über eine eigenständige Legislative, Verwaltung, ein eigenes Justizsystem und Klagerecht vor dem Europäischen Gerichtshof.
    Gerhard Waldherr, Der kleine König, Brandeins, 09/2005

    Auch die Militärpolizei ist an den Unruhen beteiligt. Ihr Chef Mochtar Fernana hatte zuvor die Auflösung von Regierung und Parlament angekündigt. Eine neu gewählte Kommission werde eine Verfassung schreiben und vorübergehend die Aufgaben der Legislative übernehmen, sagte er.
    Dpa, Libyen: USA bereiten Räumung ihrer Botschaft vor, 20.05.2014

  • Laissez faire

    Laissez faire bedeutet sinngemäß übersetzt „machen lassen“ oder „laufen lassen“, womit eine Haltung der Nichteinmischung mit dem Vertrauen darauf gemeint ist, dass sich die Dinge wohl am Besten von selbst regeln. Damit kann etwa das Verhalten des Staates in Bezug auf die Wirtschaft oder der Erziehungsstil von Eltern beschrieben werden.

    Die Aussprache folgt dem Französischen, ist nicht „eingedeutscht“ und würde, direkt in die deutsche Aussprache übertragen, etwa [lässee fähr] geschrieben. Die Betonung liegt auf der letzten Silbe.

    Der Begriff wurde im 18. Jahrhundert vom französischen Politiker René Louis d’Argenson und dem Wirtschaftswissenschaftler Vincent de Gournay geprägt.

    Ihr Laissez-fair-Unterricht funktioniert nicht immer. Oft stören doch einzelne Schüler die Konzentration der ganzen Klasse. Ein Problem, das sich leider nicht von selbst regelt.

    Laissez fair ist in dieser Konstellation voraussichtlich keine dauerhafte Lösung.

  • Exponentiell

    Das Adjektiv exponentiell stammt aus dem Bereich der Mathematik und beschreibt eine prozentuale (nicht feste) Zunahme oder Abnahme eines Wertes pro Zeiteinheit. Die tatsächliche Veränderung pro Zeiteinheit ist also abhängig vom Ausgangswert zu Beginn der jeweiligen Zeiteinheit, so dass der Prozess sich – je nach gewähltem Faktor – über die Zeit beschleunigt oder verlangsamt.

    Aus diesem Grund wird exponentiell häufig in Verbindung mit Verben wie „wachsen“, „steigen“, „abnehmen“ oder „schrumpfen“ benutzt, um eine Wertveränderung zu beschreiben.

    Diese Wertveränderung lässt sich durch eine Exponentialfunktion darstellen, wodurch sich auch die Herkunft des Adjektivs erklären lässt:

    Exponentialfunktion x mit dem Faktor 3.

    Das Gegenwort zu exponentiell ist linear, was so viel wie „gleichbleibend“ bedeutet.

    Die Vermehrung von Bakterien in der Lebensmittelprobe erfolgt exponentiell.

    Weil die Geschwindigkeit des technischen Fortschritts im digitalen Zeitalter nicht linear, sondern exponentiell wächst, ist die Technik von morgen doppelt so gut wie heute, übermorgen 4-mal so gut, dann 8-mal, 16-mal … Das Wachstum beschleunigt also immer schneller, bis jener Punkt erreicht ist, ab dem – so Kurzweil und seine Apologeten – Ungeheuerliches passieren wird: Maschinen verbessern sich selbst.
    Markus Albers, Herr der Flieger, Brandeins, 03/2014

  • re­mon­tant

    Das Adjektiv remontant beschreibt etwas als wiederkehrend oder wiederblühend. Etwa werden besondere Rosenzüchtungen, die zwei Mal jährlich erblühen, als remontant bezeichnet. Im übertragenen Sinne kann der Begriff jedoch auch für andere mehrfach auftretende Ereignisse verwendet werden.

    Das Wort entstammt dem französischen remontant (später in der Saison noch einmal blühend).

    Die remontanten Rosen trugen zu ihrem Wohlbefinden und Glück erheblich bei, da die nun noch öfter wiederkehrende Pracht des blühenden Gartens ihr Herz mir Freude erfüllte.

    Die Regierung konnte trotz der Krise eine remontante Begeisterung im Volk hervorrufen.

  • Meritokratie

    Das bildungssprachliche Substantiv Meritokratie bezeichnet ein Prinzip, bei dem Amtsträger, Herrscher, Leiter oder Führungspersonen gemäß ihren erbrachten Leistungen ausgewählt werden. Die Meritokratie spielt somit als Regierungsform eines Staates oder in anderen politischen oder wirtschaftlichen Organisationen eine Rolle.

    Bei „Leistungsgesellschaft“ oder „Verdienstadel“ handelt es sich um sinnverwandte Wörter zu Meritokratie.

    Der Begriff ist aus dem lateinischen Substantiv meritum (Verdienst) und dem altgriechischen kratein (herrschen) zusammengesetzt. Erstmals wurde er 1958 vom Briten Sunlop Young im Rahmen seiner Satire ‚Rise of the Meritocracy‘ gebraucht.

    Hinter unserer Vorstellung von Demokratie, also der Herrschaft des Volkes, steckt vor allen Dingen die Meritokratie, die Idee von der Herrschaft der Leistungsträger, der Tüchtigen also, die sich im Hier und Jetzt Verdienste erwerben. Wer etwas leistet, soll etwas werden. Das ist die Grundlage unseres Weltbilds. Die Leistungsgesellschaft, das sind wir selbst.
    Wolf Lotter, Selbstzünder, Brandeins, 06/2013

    Das grundsätzlich positive Prinzip der Meritokratie – nach der im Idealfall jede Person in einer Gesellschaft die verdiente Position einnimmt und entsprechend entlohnt wird – hat sich zu einem knallharten Sozialdarwinismus gewandelt, in dem die messbare Produktivität zum zentralen, wenn nicht einzigen Kriterium des „idealen Menschen“ geworden ist.
    Anja Kümmel, Sachbuch „Und ich?“: Unsere vorgegaukelte Freiheit, Zeit Online, 15.01.2014

  • deduktiv

    Das Adjektiv deduktiv bedeutet „abgeleitet“ und beschreibt Schlussfolgerungen auf Basis vergangener Erfahrungen oder allgemeiner Erkenntnisse.

    Man spricht also von deduktiven Aussagen oder Schlussfolgerungen, wenn vom Allgemeinen aufs Besondere geschlossen wird, vergangene Erkenntnisse zur Lösung eines aktuellen Problems herangezogen werden oder wenn Erkenntnisse aus einem Gebiet auf ein anderes übertragen werden.

    Ursprung des Begriffs ist das gleichbedeutende lateinische deductivus.

    Für die vermehrten Immobilienkäufe die steigenden Preise verantwortlich zu machen, war ein deduktiver Fehlschuss. Vielmehr stiegen die Preise aufgrund der hohen Nachfrage.

    In der Volkswirtschaftslehre bieten auf aggregierten Daten basierende Erkenntnisse in vielerlei Hinsicht die Möglichkeit für deduktive Schlussfolgerungen auf spezielle Anwendungsfälle. Leider nicht immer.

  • fingieren

    Das Verb fingieren bedeutet „vortäuschen“, „fälschen“, „vorspiegeln“. Insbesondere spricht man von fingieren, wenn mit der Täuschung ein übergeordnetes Ziel erreicht werden soll.

    Beispiele:

    • Beweise fingieren, um die Verurteilung eines Angeklagten zu erreichen.
    • Den eigenen Tod fingieren, um Geldschulden zu entgehen.
    • Untersuchungsergebnisse fingieren, um die Zulassung eines Arzneimittels zu erreichen.

    Der Begriff leitet sich von dem lateinischen Wort fingere ab, welches soviel wie sich vorstellen, erdichten, formen oder bilden bedeutet. Es wurde ursprünglich für das Formen von Lehm oder Ton verwendet.

    Der Anwalt fingierte ein Fallbeispiel in der Verhandlung, welches ihm die Glaubwürdigkeit der Geschworenen erbrachte.

    Wer ernsthaft krank wird, bekommt von seiner Versicherung einen Brief, dass die Behandlungskosten leider nicht übernommen werden können, dazu fingieren Gutachter medizinische Begründungen. Wer es dennoch in eine Klinik schafft, wird trotz Versicherung zur Kasse gebeten (Wirtschafts liberale nennen dies gern »Eigenverantwortung«). Und wer nicht zahlen kann, wird von der Klinik auch schon mal blutend in ein Taxi gesteckt und vor einer Obdachlosenunterkunft rausgeworfen.
    – Markus Grill, Meine Meinung: Krankes System, NEON.de, 09/2007

  • Deskriptiv

    Das Adjektiv deskriptiv bedeutet „sachlich darstellend“. Gegenwörter zu deskriptiv sind normativ, argumentativ und wertend.

    In der Linguistik bezeichnet deskriptiv, dass etwas unter Verwendung der Begriffe der Linguistik darstellend und beschreibend ist.

    Der Begriff wurde wahrscheinlich Anfang des 19. Jahrhunderts aus dem französischen, gleichbedeutenden descriptif entlehnt, welches auf das ebenfalls gleichbedeutende lateinische dēscrīptīvus zurückgeht.

    Bei der deskriptiven Statistik handelt es sich um einen Teilbereich, der die Beschreibung von einer Gesamtheit, beispielsweise durch Tabellen, Grafiken oder Kennwerte wie Mittelwerte und Streuungsmaße, zum Gegenstand hat.

    Mediziner sollte er werden. Das wiederum wollte Stephen nicht. Erstens erschien ihm die Biologie „zu deskriptiv und nicht fundamental genug“ – vielleicht kein ungerechtes Urteil über die Biologie der frühen fünfziger Jahre. Und zweitens ging es ums Prestige: „Die intelligentesten Jungen wählten Mathematik und Physik, die weniger intelligenten Biologie.“
    Gero von Randow, Stephen Hawking „Meine kurze Geschichte“: Kopfnote: Unordentlich, Die Zeit, 42/2013