• Bastard

    Das Substantiv Bastard wurde direkt aus dem Französischen übernommen. Sowohl das französische bastard als auch die deutsche Entsprechung dienten zunächst als Begriff für ein außerehelich gezeugtes Kind eines Adligen. Übertragen von der ursprünglichen Bedeutung werden nun auch sogenannte Hybriden, also Pflanzen oder Tiere, die durch Kreuzung unterschiedlicher Arten oder Rassen entstanden sind, als Bastard bezeichnet.

    Zudem kann der Begriff abwertend als Schimpfwort gebraucht werden und ist somit ein gutes Beispiel dafür, dass Fremdworte nicht immer bildungssprachlicher Ausdrucksweise vorbehalten sind.

    Es ist sehr ungewöhnlich, dass der König den Bastard bei sich aufnahm und ihm weitestgehend die gleichen Privilegien gestattete wie seinen ehelichen Kindern.

    Ein Beispiel für einen Bastard aus dem Tierreich ist die Schiege, also eine Kreuzung von Schaf und Ziege.

    „Die werden mich abzocken. Diese Bastarde werden mir das Geld aus der Tasche ziehen. Wissen Sie, wie ungerecht das ist? Seit fünf Tagen habe ich kein Auge mehr zugemacht. Verstehen Sie, was ich sage?“
    Etgar Keret (2012), „Ich will nicht weinen!“, DIE ZEIT, 22.3.2012 Nr. 13.

  • Purismus

    Im Allgemeinen versteht man unter Purismus die übertriebene Bemühung, etwas rein, also frei von fremden, unerwünschten Einflüssen zu halten.

    In der Sprachwissenschaft meint Purismus ein – oft übertriebenes – Bestreben, eine Sprache frei von Fremdwörtern zu halten.

    Auch in der Kunstwissenschaft und der Architektur versteht man unter Purismus das Streben nach Stilreinheit.

    Bei dem Substantiv Purismus handelt es sich um eine Ableitung zum Adjektiv pur mit den Derivatemen –ismus. Möglicherweise ist das deutsche Wort Purismus auch durch das lateinische purus (rein), sowie das französische purisme (Purismus) geprägt.

    Der Neubau ist durch Purismus geprägt. Passend zur glatten, weißen Außenfassade findet man auch bei der Inneneinrichtung nur das nötigste. Keine aus dekorativen Stilen entlehnte Elemente und keinerlei Schnickschnack.

    Die Forderung nach kulturellem Purismus ist fehl am Platz. Kultur lässt sich zu keinem Zeitpunkt auf eine feste Tradition beschränken. So unterhielten die Stämme Papua-Neuguineas schon seit Jahrhunderten geografisch weiträumige Handelsbeziehungen, tauschten Güter, Rituale, Sprache und Fertigkeiten aus. Schmückte man sich einst mit Muscheln, wird heute Johnson’s Talkum-Puder verwendet.
    Ina Zukrigl, Joana Breidenbach, Globalisierung – Darf’s noch ein wenig Tradition sein?, Brandeins, 02/2000

  • Pseudo

    Das Präfix pseudo- macht kenntlich, dass etwas nicht echt, sondern nur nachgemacht oder nachgeahmt ist.

    Pseudo wird häufig abwertend genutzt, um auszudrücken, dass eine Person oder Sache nur dem Anschein nach jemand oder etwas ist bzw. sich den Anschein gibt, jemand oder etwas zu sein, es in Wirklichkeit jedoch nicht ist.

    Die Wortbildung mit Hilfe dieses Präfixes ist analog zu griechischen Vorbildern, wie zum Beispiel bei pseudoprophētēs (falscher Prophet) und geht zurück auf das griechische pseudēs (falsch, lügenhaft), beziehungsweise pseudos (Täuschung, Lüge).

    Das Wort Handy ist im Deutschen als Synonym für Mobiltelefon bekannt, Engländer jedoch können mit diesem pseudoenglischen Substantiv nichts anfangen.

    Auf der Veranstaltung tummelten sich mal wieder etliche Pseudoprominente, die es sich zum Ziel gemacht haben, möglichst viel vom Catering zu essen und für Pressefotos zu posieren.

    Damit die frische Naivität nicht die Kunden verschreckt, aber auch, damit die Frischlinge nicht von den Kunden verdorben werden, wird der Nachwuchs als Erstes auf die Produktion von Pseudo-Kampagnen für Pseudo-Kunden angesetzt.
    Ralf Grauel, Was Werbung treibt – Hoffnungslose Talente, Brandeins, 07/2005

  • Impetus

    Das bildungssprachliche Substantiv Impetus bezeichnet einen inneren oder äußeren Antrieb, Anstoß, Impuls oder eine Triebkraft. Dieser Antrieb kann als eine Art Anfangsenergie verstanden werden, die eine Sache in Bewegung setzt.

    Sinnverwandte Wörter sind Dynamik, Elan, Anregung, Antrieb oder Impuls.

    Impetus ist auf das lateinische impetus (das Vorwärtsdrängen) zurückzuführen.

    Es bedarf noch Impetus, um wieder mit dem Sport anzufangen.

    Die neue Kollegin hat den Arbeitsrückstand in zwei Arbeitstagen aufgeholt. Sie ist sehr engagiert und verfügt über den richtigen Impetus.

    Pop-Professor Jeffrey Sachs gilt als einer der Väter der Millenniumsziele und wurde vom einstigen UN-Generalsekretär Kofi Annan zum persönlichen Berater berufen: ein charismatischer Menschenfreund, der von einem enormen moralischen Impetus, aber auch von einer ansehnlichen Portion Eitelkeit angetrieben wird.
    Johannes Dieterich, Man kann das kaum in Worte fassen, Brandeins, 10/2007

  • Qualität

    Bildungssprachlich bezeichnet das Substantiv Qualität die Gesamtheit der charakteristischen, meist guten Eigenschaften einer Sache oder Person. Es handelt sich also um die Beschaffenheit, Klasse oder Güte von etwas. Nebst dieser Bedeutung bezeichnet Qualität auch die Klangfarbe eines Lautes in der Sprachwissenschaft.

    Qualität ist auf das lateinische qualitas (Beschaffenheit, Eigenschaft), zu qualis (wie beschaffen) zurückzuführen.

    Die Qualität des Essens hat seit dem Wechsel der Restaurantleitung stark abgenommen.

    Jeden Tag werden die Produkte stichprobenartig kontrolliert, um die Qualität zu sichern.

    Nun ist es nicht so, dass hierbei früher alles besser war, aber es war leichter zu unterscheiden, wenn die Qualität nicht stimmte. Das konnte man hören, sehen und spüren.
    Wolf Lotter, Die Geprellten, Brandeins, 10/2010

  • Quantität

    Das Substantiv Quantität (die) bedeutet „Menge“, „Ausmaß“ oder „Anzahl“.

    Nebst dieser Bedeutung bezeichnet Quantität auch die Länge oder Dauer eines Lautes in der Sprachwissenschaft, beziehungsweise die Länge oder Dauer einer Silbe in der Verslehre.

    Das Gegenwort zu Quantität ist Qualität.

    Quantität ist auf das lateinische quantitas (Größe, Menge) zurückzuführen.

    Das Unternehmen änderte sein Konzept und legte fortan mehr Wert auf Quantität. Die Produktion hat sich seither nahezu verdoppelt.

    Schließlich muss man für sich entscheiden, was wichtiger ist: „Masse statt Klasse“ oder Qualität vor Quantität.

    Bei welcher Quantität des Einkommens der Sprung in eine andere Qualität des Lebens erfolgt, ist gesellschaftlich nicht so exakt auszumachen wie in der Naturwissenschaft.
    Johannes Dieterich, Überleben ist schwer genug, Brandeins, 10/2010

  • Hypothese

    Eine Hypothese ist eine unbewiesene Annahme oder Behauptung, die noch eines Beweises bedarf. Der Begriff ist häufig in wissenschaftlichem Kontext, aber auch in der Bildungssprache zu finden.

    Das Substantiv ist auf das griechische ypóthesis (unterstellen, darlegen) zurückzuführen.

    Um seine Hypothese zu beweisen, musste er den Versuch mindestens fünfzig Mal durchführen.

    Das US-amerikanische Clay Mathematics Institute hatte die Hypothese 2000 zu einem von sieben mathematischen Jahrtausendproblemen erklärt und ein Preisgeld von einer Million Dollar für seine Lösung ausgeschrieben. 2010 lehnte Perelman auch diese Summe ab, ein Schock für die Öffentlichkeit. Wie kann einer so genial und gleichzeitig so blöd sein?
    Stefan Scholl, Er will einfach nur rechnen, Brandeins, 11/2011

  • Typografie

    Das Substantiv Typografie meint heute meist die konkrete Gestaltung von Druckerzeugnissen und digitalen Dokumenten. Dies umfasst die Wahl der Schriftart und -größe, das Layout und bei Druckerzeugnissen sogar die Wahl des Papiers.

    Ursprünglich bezeichnet der Begriff  das Druckhandwerk als solches, also die Wissenschaft und Lehre vom mittels beweglichen Lettern reproduzierbaren Schriftbild.

    Typografie stammt aus dem Griechischen und ist zusammengesetzt aus týpos (Schlag, Abdruck, Figur, Typ) und dem Determinatum –grafie, von graphein (Schreiben).

    Eine gelungene Typografie ist für Zeitungen und hochwertige Magazine ähnlich wichtig wie der Inhalt.

    Maximilian wusste: Menschen glauben, was sie sehen. Man muss es ihnen nur oft genug zeigen. Dann halten sie ein X für ein U. Deshalb förderte er den noch jungen Buchdruck und die Typografie. Er ließ beispielsweise eigene Schriften entwickeln, um bestimmte Eindrücke beim Publikum zu verstärken oder andere abzuschwächen.
    Wolf Lotter, Echt echt. Wirklich!, Brandeins, 02/2013

  • Patrouille

    Das zum Militär- oder Polizeiwesen gehörige Substantiv Patrouille bezeichnet einen Wachdienst, der von einer oder mehreren Personen wahrgenommen wird und einen speziellen Auftrag oder eine taktische Aufgabe verfolgt. Patrouille wird häufig in der Wortkombination „auf Patrouille gehen“ verwendet. Synonym zu Patrouille können die Substantive „Streife“ oder „Trupp“ genutzt werden.

    Patrouille wurde aus dem Französischen übernommen und bedeutet eigentlich „Herumwaten im Schmutz“. Zurückzuführen ist das Substantiv auf das französische Verb patrouiller (patschen).

    Zum Schutz der Nachbarschaft wurde eine Bürgerwehr eingerichtet, die nächtliche Patrouille-Gänge organisiert und durchführt.

    Die Einheit geht täglich am Grenzstreifen auf Patrouille.

    Zwei Polizeibusse biegen in den Innenhof ein. Die Beamten steigen aus. Einer in schusssicherer Weste fragt: „Was haben Sie hier zu suchen?“ Kontrollen sind üblich geworden. Rund um die Uhr fährt die Polizei in der Region Patrouille, häufig in Kolonne.
    Ulf Schubert, Verschlossene Gesellschaft, Brandeins, 05/2007

  • Infarkt

    Das Substantiv Infarkt ist ein Begriff aus dem Bereich der Medizin und bezeichnet das Absterben von Gewebe oder Organteilen nach Unterbrechung der Blutzufuhr.

    Neben dieser ursprünglichen Bedeutung steht Infarkt im übertragenden Sinne auch für einen Zusammenbruch von etwas.

    Infarkt ist vom lateinischen infarctum entlehnt, einer Partizipform von infarcire (hineinstopfen).

    Es kam zu einem Infarkt in der Vorderwand des Herzens, woraufhin sofort operiert werden musste.

    Rauchen ist ein erheblicher Risikofaktor in Hinblick auf Herzinfarkte, koronare Herzerkrankungen oder Schlaganfälle.

    In Hamburg, der fahrradfreundlichsten Stadt, wie Behörden und Marketing gern tönen. Oder besser: in der fahradfeindlichsten Stadt, wie Betroffene, die Grünen und diverse Studien gegenhalten. Und dazwischen steht die Geografin Spott, stellvertretend für Hunderttausende Radler einer Metropole vorm Verkehrsinfarkt. In einem Land mit Benzin im Blut.
    Jan Freitag, Radfahren: Hamburg, Stadt der kompromisslosen Autogerechtigkeit, Zeit Online, 11.10.2013