• Nebulös

    Das Adjektiv nebulös bedeutet „verschwommen“, „unklar“ und „nicht eindeutig zu verstehen“.

    Synonyme zu nebulös sind beispielsweise „andeutungsweise“, „undeutlich“, „vage“, „diffus“ und „unpräzise“.

    Nebulös ist auf das französische nébuleux (neblig, trüb, unklar) und das lateinische nebulosus (neblig, dunkel) zurückzuführen.

    Die getätigten Aussagen wirken nebulös. Ein wirklicher Überblick über die Situation konnte nicht gegeben werden.

    Sie hatte eine nebulöse Vorahnung, dass der Tag alles andere als wünschenswert verlaufen würde.

    Christian Tonn erlitt vor zwei Jahren einen Herzinfarkt. In der Folge versank er in ein Wachkoma, ein nebulöses Dasein, noch im Leben, aber dem Tod nahe. Patienten wie Tonn wirken wach, sind aber aller Wahrscheinlichkeit nach ohne Bewusstsein. Sie zeigen Reflexe und öffnen ihre Augen, können ihre Umgebung aber vermutlich nicht wahrnehmen.
    Andreas Molitor, Das Haus der stillen Patienten, Brandeins, 07/2014

  • Futurismus

    Das bildungssprachliche Substantiv Futurismus bezeichnet eine künstlerische, literarische und politische Bewegung des 20.Jahrhundert.

    Gegenstand des Futurismus ist es, einen kompletten Bruch mit Traditionen zu erzeugen. Dieser Traditionsbruch bringt das Ziel mit sich, eine neue, modernere Kultur und Kunst zu prägen.

    Beim Futurismus handelt es sich um eine avantgardistische Kunstbewegung, welche ihren Ursprung in Italien findet. Der Begründer des Futurismus, Filippo Tommaso Marinetti, veröffentlichte im Jahre 1909 sein erstes futuristisches Manifest. Mit dem Tod Marinettis 1944 endete die Kunstbewegung.

    Das Wort ist auf das italienische futurismo (Futurismus), zu futuro (Zukunft) und das lateinische futurum (Zukunft) zurückzuführen.

    Vor allem die Werke aus der Zeit des Futurismus gelten als Anziehungsmagnete für Museumsbesucher und Antwort auf die Umsatzsteigerung.

    955 brachte Citroën den legendären ersten DS 19 auf den Markt. Die göttliche „Déesse“, das war bis dahin nicht dagewesener Futurismus in Millionenauflage, der sich bis zur finalen Ausbaustufe DS 23 im Jahr 1975 streckte.
    Wolfram Nickel, Der mythischste Buchstabencode der Autogeschichte, Zeit Online, 14.03.2015

    Aber wer will diese Kleider eigentlich tragen?
    Diese Frage muss inmitten all des retro-inspirierten Londoner Futurismus gelegentlich gestellt werden. Die Entwürfe der Londoner Modegenies werden von Saison zu Saison ausgefallener – und zunehmend wie begehrte Kunstwerke gehandelt.
    Claire Beermann, Plastik ist das neue Satin, Zeit Magazin, 25.02.2015

  • Curriculum

    Das Substantiv Curriculum (Plural: Curricula) bezeichnet einen auf der Theorie des Lehrens aufbauenden Lehrplan – in der Regel an Schulen oder Universitäten. Damit ist der Begriff dem Bereich der Pädagogik und Didaktik einzuordnen.

    Das Curriculum legt alle Lernziele, -prozesse und -inhalte fest, die in einem bestimmten Zeitintervall erreicht werden sollten.  Es ist individuell, je nach fachlicher Thematik und Komplexität gestaltet. Zudem werden auch Rahmenbedingungen des Lernens und weitere organisatorische Aspekte in einem Curriculum fixiert.

    Das Substantiv ist ein Lehnwort aus dem Angloamerikanischen, das Anfang der 1970er Jahre ins Deutsche übernommen wurde. Es geht auf das lateinische Curriculum (Ablauf, Zeitablauf, Jahresablauf) zurück.

    Im Rahmen der Verkürzung der gymnasialen Oberstufe auf 8 Jahre mussten die Bildungsministerien aller Bundesländer die Curricula entsprechend anpassen.

    Eigentlich wäre mir der frühere rituelle Leseabend mit einem Stapel Zeitungen auf dem Tisch immer noch lieber. Aber ich ertrage Fernsehen und Zeitungen einfach nicht mehr wegen des völlig monotonen, volkserzieherischen, indoktrinierenden Curriculums, das da abgespult wird. Da bleibt also nur noch das Internet: Vier Foren, ein paar in- und ausländische Nachrichtenportale, ein paar Blogger – und ich bin in einer halben Stunde potenziert besser informiert als durch die Mainstream-Gouvernanten.
    Harald Willenbrock, Der Aus-Aussteiger, Brandeins, 12/2011

  • Fatalismus

    Fatalismus (der) bezeichnet ein Weltbild, bei dem alle Geschehnisse dem Schicksal zugeordnet werden, dem man machtlos gegenübersteht.

    Zudem werden unter Fatalismus auch gottergebene („fatalistische“) Einstellungen, Ideen oder Äußerungen verstanden.

    Das Gegenwort zu Fatalismus ist „Voluntarismus“, eine philosophische Lehre, die den Willen als Grundprinzip des Seins ansieht.

    Das Substantiv ist seit dem 18. Jahrhundert belegt. Es handelt sich um eine Ableitung von dem lateinischen Substantiv fatum (der Götterspruch, die Weissagung, das Schicksal).

    Als Anhänger des Fatalismus nimmt er alle Schicksalsschläge ohne Wiederwillen hin.

    Sie stellt den Fatalismus als eine Form von Bequemlichkeit dar. Gegebenheiten werden dem Zufall überlassen, um ein aktives Handeln umgehen zu können.

    Meine beiden Großväter hatten nicht viele Gemeinsamkeiten, bis auf eine kleine Holztafel auf der Fensterbank: „Rauchst‘, stirbst‘. Rauchst‘ net, stirbst a'“, stand darauf. In Holz geschnitzter Ausdruck eines Fatalismus, der einer Generation angemessen war, die auf Trümmern saß und gerade den Zweiten Weltkrieg überstanden hatte.
    Gabriele Fischer, Leben oder leben lassen, Brandeins, 06/2006

  • Quisquilie

    Das bildungssprachliche Substantiv Quisquilie (Plural: Quisquilien) bezeichnet eine Angelegenheit oder Sache, der man keinen Wert oder keine Bedeutung beimisst.

    Bei „Bagatelle“, „Belanglosigkeit“, „Kleinigkeit“ oder „Lappalie“ handelt es sich um Synonyme zu Quisquilie.

    Das Substantiv ist hergeleitet vom lateinischen quisquilia (Belanglosigkeit, Unbedeutendes).

    Bei dem Workshop steht hauptsächlich die Arbeitsphase und Teambildung im Vordergrund. Die Präsentation der Endergebnisse gilt eher als Quisquilie.

    Viele der nun zu treffenden Entscheidungen sind keineswegs Quisquilien, sondern zukunftsweisend für das gesamte Unternehmen.

    Dass in Russland „lupenreine Demokraten“ das Regierungsschiff steuerten, glaubt hierzulande außer einem Altkanzler wohl längst niemand mehr. Dass aber das russische Parlament eine Geste von unverkennbar imperialem Gehabe gegen seinen Nachbarstaat beschließt, muss zu denken geben. Mit 370 Ja- bei nur 56 Neinstimmen hat die Duma jetzt eine Erklärung angenommen, mit der die Interpretation der fürchterlichen Hungersnot in der Ukraine 1932/33 als Genozid zurück gewiesen wird. Was auf den ersten Blick wie eine geschichtspolitische Quisquilie wirken mag, ist in Wirklichkeit elementar.
    Sven Felix Kellerhoff, Gedemütigte Ukraine, Die Welt, 04.04.2008

  • Paraphilie

    Das Substantiv Paraphilie bezeichnet in der Psychologie eine Störung der Sexualpräferenz.

    Diese Störung ist mit dranghaften, sexuellen Bedürfnissen oder Fantasien verbunden, die von der Gesellschaft als nicht normal angesehen werden. Dabei kann es sich um Schmerz, Demütigung, die Liebe zu Objekten oder auch nicht einverständnisfähigen Personen, wie Kindern, handeln.

    Paraphilie findet seinen Ursprung im Griechischen und ist zusammengesetzt aus dem Präfix para– (abseits, neben) und dem Wort philía (Liebe, Freundschaft).

    Fetischismus, Exhibitionismus, Pädophilie und Voyeurismus gelten als Abweichungen von der gesellschaftlichen Norm und sind somit, laut WHO, den Paraphilien zuzuordnen.

    Manche Männer lieben Autos so sehr, dass sie Sex mit ihnen haben, wie z.B. der Brite Chris Donald. Laut Experten wurde dessen Paraphilie durch ein Ereignis in der Kindheit ausgelöst: Schuld an dem Auto-Fetisch soll Kitt, das sprechende Auto aus der Kult-Serie „Knight Rider“, sein.
    Violetta Simon, Von Boxenstoppern und Flirtmaschinen, Sueddeutsche.de, 17.05.2010

    Koethi Zan war eine hochanständige Medienanwältin, ausgebildet in Yale, tätig für Funk und Fernsehen, zuletzt für MTV. Daran lag es wohl eher nicht, dass sie die dunkle Seite der menschlichen Seele, der menschlichen Sexualität immer stärker zu interessieren begann. Sie sammelte Geschichten von Psychopathen, Berichte über Paraphilie, über Kellerkinder, Folteropfer.
    Elmar Krekeler, Hannibal wird gejagt, Die Welt, 17.05.2013

  • Stigmatisierung

    Das bildungssprachliche Substantiv Stigmatisierung ist dem Bereich der Soziologie zuzuordnen.

    Es beschreibt einen Prozess, bei dem Menschen andere Individuen oder Gruppen in eine bestimmte (negative bewertete) Kategorie einordnen. Dies geschieht durch Zuschreiben von diskreditierbaren Merkmalen und Eigenschaften oder durch Herabwürdigen bereits vorhandener (sichtbarer) Merkmale und Eigenschaften.

    Stigmatisierung ist aus dem Altgriechischen über das Substantiv Stigma (Stich, Wundmal) herzuleiten.

    Die Stigmatisierung von Religionsbündnissen nimmt in der heutigen Welt immer mehr zu und stellt so oftmals ein gesellschaftlich-relevantes Diskussionsthema dar.

    Arbeitslose Personen werden häufig über einen Kamm geschert. Im Rahmen der Stigmatisierung werden ihnen Attribute wie “Faulheit” oder “Ausnutzung des Staates” zugeschrieben.

    Ansonsten sieht das Gerät mit seinem 4,5 Zoll großen Display weniger klobig aus als man von einem Senioren-Handy befürchten könnte, auch wenn es alleine aufgrund des verstärkten Rahmens durchaus robust wirkt. „Stigmatisierung ist für viele ältere Menschen ein Problem. Nicht jeder fühlt sich wohl damit, mit einem Uralt-Handy im Café zu sitzen“, sagt Pupeter.
    Eike Kühl, Auch Opa verdient ein smartes Handy, Zeit Online, 02.03.2015

  • Revision

    Im Allgemeinen bezeichnet das Substantiv Revision das Revidieren, Überprüfen oder Abändern von Gegenständen, Zuständen oder Prozessen.

    Im Bereich der Technik ist der Ausdruck synonym zu „Inspektion“, „Überprüfung“ oder „Kontrolle“.

    Im Druckwesens bezeichnet eine Revision das Durchsehen und Prüfen eines Abzugs auf die ordnungsgemäße Ausführung der Korrekturen hin. Synonyme: „Korrektur“, „Richtigstellung“, „Modifikation“, „Überarbeitung“.

    In der Rechtssprache meint eine Revision (Revision einlegen) ein Rechtsmittel gegen ein einzulegendes Urteil bezeichnet, mit dem geprüft wird, ob es zu fehlerhaften Anwendungen von Gesetzen oder andere Verfahrensmängel bei der Urteilsfällung kam.

    Der Begriff ist auf das mittellateinische revisio (prüfende Wiederdurchsicht), zu lateinisch revidere (wieder[an]sehen) zurückzuführen.

    Die jährliche Revision des PKW wird in der Vertragswerkstatt durchgeführt.

    Der Vertrag muss zunächst bei beiden Parteien in Revision gehen, nach der Feinabstimmung kann dann die Unterzeichnung erfolgen.

    Die Rabattmeilen-Guthaben der 20 Millionen Miles-&-More-Kartenbesitzer hätten nach alter Rechnung rund 2,2 Millionen Business-Flüge von Deutschland in die Neue Welt möglich gemacht, nach der Revision waren es nur noch rund 1,9 Millionen. Die „Süddeutsche Zeitung“ bezifferte den rein rechnerischen Meilenverlust zwischen der alten und der neuen Regelung auf 960 Millionen Euro, mehr als der operative Gewinn der Lufthansa im Jahr 2010 ausgemacht hatte. Die Kölner Richter gaben Eggendorfer in erster Instanz recht.
    Wolf Lotter, Beziehungen für Anfänger, Brandeins, 05/2012

  • quod erat demonstrandum

    Die bildungssprachliche Phrase quod erat demonstrandum bedeutet ins Deutsche übersetzt „was zu beweisen war“.

    Traditionell wird quod erat demonstrandum als Abschluss für Beweise in der Mathematik oder anderen Naturwissenschaften genutzt.

    Die gängige Kurzform des Ausdrucks ist q.e.d.

    Die Floskel wurde aus dem Lateinischen übernommen und ist auf das Verb demonstrare (demonstrieren) zurückzuführen. Sie wird dem griechischen Mathematiker Euklid (300 v.Chr.) zugeschrieben, der seine Beweise stets mit „hóper édei déixai“, dem griechischen Äquivalent zu quod erat demonstrandum, abschloss.

    Daher handelt es sich bei „hóper édei déixai“ auch um ein Synonym des Ausdrucks.

    Nach Herleitung der Formel schloss der Dozent die Veranstaltung mit den Worten quod erat demonstrandum.

    Unter dem Motto „quod erat demonstrandum“ veranstaltet sie Kochkurse und beweist immer wieder aufs Neue, dass man auch mit sehr schmalem Budget ein frisches, gesundes und raffiniertes Menü zaubern kann.

    Wenn man den Bleistift auf den Tisch legt, ein Lineal quer darüberlegt und auf das Ende des Lineals einen Radiergummi: In welcher Position müssen Lineal und Bleistift zueinander sein, damit sich ein Kräftegleichgewicht einstellt und das Lineal nicht kippt? Zu berücksichtigen sind Länge des Lineals, Masse des Radiergummis sowie das Drehmoment. Die beiden rechneten, am Küchentisch sitzend, um die Wette. Lengerer war schneller. Ein Ingenieur also, schloss der Onkel daraus. Quod erat demonstrandum.
    Andreas Unger, Gestatten: Bachelor, Die Zeit N°20/2010

  • Novität

    Das Substantiv Novität (die) bezeichnet etwas neues oder neuartiges.

    Vor allem in der Literatur, Kunst, Mode und Werbung wird der Begriff als Ausdruck für eine Neuheit gebraucht. Darüber hinaus kann Novität auch eine Neuigkeit bezeichnen.

    Synonyme zu Novität sind zum Beispiel das bildungssprachliche „Novum“ oder das französische „Nouveauté“.

    Der Begriff ist zurückzuführen auf das lateinische novitas (Neuheit), zu novus (neu).

    Nach der Modenschau war die Enttäuschung über die Kollektion groß. Es mangelte an Novitäten und schien, als seien alte Entwürfe repliziert und mit Hilfe weniger Handgriffe verändert worden.

    Das Produkt wird als zukunftsweisende Novität angepriesen.

    Sie kupfern Ideen auch nicht einfach ab, sondern transponieren Ansätze aus fremden Branchen und Produktgattungen in ihre eigene, setzen Altbewährtes neu zusammen, lassen sich zu Novitäten etwas Günstigeres oder Besseres und häufig sogar beides zugleich einfallen. Mit billigen Fälschungen hat die hohe Kunst des Kopierens denn auch so wenig gemein wie eine kreative Warhol-Collage mit einem Computer-Farbausdruck desselben Kunstwerks.
    Harald Willenbrook, Warum ist es besser, Zweiter zu sein?, Brandeins, 01/2011