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  • autorisieren

    Das Verb autorisieren bedeutet „jemanden berechtigen“ oder „bevollmĂ€chtigen“.

    Es beschreibt vor allem zwei VorgÀnge:

    • Jemand erhĂ€lt die Erlaubnis, etwas zu tun.
    • Jemand wird mit einer tatsĂ€chlichen Vollmacht ausgestattet.

    Autorisieren leitet sich von dem mittellateinischen Verb auctorizare (bestÀtigen, ermÀchtigen, genehmigen) ab.

    Die Chefin hat mich autorisiert, stellvertretend die Verhandlungen zu fĂŒhren und die VertrĂ€ge zu unterzeichnen. Hier ist meine Vollmacht.

    US-PrĂ€sident Barack Obama genehmigte den Schritt am Mittwoch und autorisierte dabei auch die Lieferung militĂ€rischer AusrĂŒstung an die irakischen SicherheitskrĂ€fte.

    Zeit Online, 10.06.2015

  • Skeuomorphismus

    Ein Skeuomorphismus ist ein Objekt, das in seiner Gestaltung ein anderes Material imitiert. Ein Beispiel dafĂŒr sind etwa Möbel aus Lederimitat, Klebfolien, die den Look von gebĂŒrstetem Metall imitieren und Ă€hnliches.

    Mittlerweile wird der Begriff vorrangig in Bezug auf die Gestaltung von Software verwendet, wo Programme gerne aussehen wie Papierkalender, ein in Leder eingebundenes Notizbuch etc. Ein gutes Beispiel dafĂŒr ist die von Apple in Mac OS X eingebundene Notiz-Software.

    Skeuomorphismus bei Apple

    Der bisher noch nicht im Duden aufzufindende Begriff hat seinen Weg ins Deutsche erst vor Kurzem ĂŒber das englische skeuomorph gefunden. Selbiges ist griechischen Ursprungs und setzt sich zusammen aus skeuos (BehĂ€lter) und morphe (Form).

    Es stellt sich die Frage, welchen Sinn Skeuomorphismus in Software-Design hat. In den Kindertagen der grafischen BenutzeroberflĂ€che sollten Ordner, der Papierkorb oder andere Icons den Benutzer mit den Funktionen eines Computers vertraut machen. Heute wissen die meisten aber, wie ein Computer funktioniert – dafĂŒr kennen sie die alten Produkte kaum noch.
    Florian Matthey (2012), Skeuomorphismus: Software-Design soll auch Apple-intern zu Streit fĂŒhren, GIGA.de.

  • Ex abrupto

    Ex abrupto bedeutet so viel wie „unversehens“, „abrupt“, „plötzlich“ oder „unvermittelt“.

    Der bildungssprachliche Ausdruck stammt aus dem Lateinischen und ist aus dem PrĂ€fix ex und abruptus, abgeleitet von abrumpere (abreißen), zusammengesetzt.

    Ex abrupto schwenkte das Wetter um.

    Er sprang ex abrupto auf, um eine seiner berĂŒhmt-berĂŒchtigten Motivationsreden zu halten.

    Die Gefahr des BörsengeschÀfts ist, dass die Kurse ex abrupto einbrechen können.

  • Phobie

    Das Substantiv Phobie bezeichnet eine extreme, möglicherweise krankhafte Angst oder Furcht vor bestimmten Situationen, GegenstÀnden, TÀtigkeiten oder Personen.

    Synonyme zu Phobie sind beispielsweise „Angstneurose“, „Erwartungsangst“ oder „Situationsangst“.

    Phobie ist vom gleichbedeutenden griechischen Begriff phĂłbos (Furcht) hergeleitet.

    Bei jedem Treffen erzĂ€hlt sie auf larmoyante Weise von einer neuen Phobie, die sie quĂ€lt. Das Repertoire erstreckt sich mittlerweile ĂŒber eine solch immense Bandbreite, dass ein normales Leben kaum mehr vorstellbar scheint.

    Um die schwere Phobie zu heilen, werden verschiedene AnsÀtze diskutiert. Selbst Hypnose und Schocktherapie werden in Betracht gezogen.

    Die durchschnittliche VerkaufsflĂ€che ist auf 31 500 Quadratmeter gesunken, was vielleicht nicht mehr ganz zum Wandern reicht, aber immer noch, um sich auf Phobien aller Art zu testen. Der mittlerweile pensionierte Handelspsychologe Hans-Otto Schenk nennt die Agoraphobie, eine Form von Unwohlsein auf zu großen PlĂ€tzen, wie auch das Gegenteil, die Klaustrophobie in geschlossenen RĂ€umen oder engen GĂ€ngen. Nicht zu vergessen die Phobophobie, die Angst vor der Angst, nicht unwahrscheinlich auf steil nach unten fĂŒhrenden Rolltreppen.
    Dirk Böttcher, Stress in der City, Brandeins, 10/2009

  • Duktus

    Das Substantiv Duktus beschreibt die charakteristische Art einer Person, sich auszudrĂŒcken. Also den einer Person eigenen Stil beim Sprechen und Schreiben, speziell bei KĂŒnstlern auch die fĂŒr sie charakteristische Art des Zeichnens und Malens sowie der Formgebung.

    In der Medizin wird die lateinische Schreibweise verwandt. Ein Ductus steht hier fĂŒr einen Gang, Kanal, Verbindungs- oder auch AusfĂŒhrungsgang von DrĂŒsen.

    Der Ursprung des Begriffs liegt im lateinischen ductus und bedeutet „FĂŒhrung“ oder „Leitung“.

    Der Ductus Botalli stellt im fetalen Blutkreislauf die Verbindung zwischen Hauptschlagader und Lungenarterie dar.

    Wenn ich mich mit ihm lĂ€nger unterhalte, treibt mich sein gekĂŒnstelter Duktus immer an den Rand des Wahnsinns.

    Auch wenn viele ihm nachsagen, eine Sauklaue zu haben, bezeichnet er seine Handschrift immer beschönigend als „speziellen Duktus“.

    Der Vorwurf wĂ€re also: Lanz kann sich nicht benehmen. So Ă€hnlich, wenngleich schĂ€rfer im Duktus, wird eine jĂŒngst veröffentlichte Onlinepetition begrĂŒndet, die auf Grund des Vorfalls vom ZDF fordert, Lanz hinauszuwerfen.
    David Hugendick, Onlinepetition: Lanz vorm Scherbengericht, Zeit Online, 23.01.2014.

  • Faksimile

    Ein Faksimile (das) ist eine detailgetreue Nachbildung eines Dokuments oder SchriftstĂŒcks, das dem Original nicht nur in Bezug auf den Inhalt, sondern auch in GrĂ¶ĂŸe, Layout, Schrift und oft sogar Papierbeschaffenheit exakt nachempfunden ist.

    Die Technik zur Erstellung der Nachbildung ist dabei unerheblich. So können etwa auch eingescannte Dokumente als Faksimile bezeichnet werden. Ebenfalls leitet sich der Begriff „Fax“ von dem Ausdruck ab.

    Das lateinische fac simile bedeutet „mach es Ă€hnlich“.

    Die kontrovers diskutierte Ausstellung zeigte eine große Anzahl Faksimiles alter Nazidokumente.

    Die Presse publizierte ein Faksimile des unter Verschluss gehaltenen Briefs.

    Auch Wikileak ist Ikonenhandel. Der aufgeklĂ€rte Mensch glaubt natĂŒrlich nur, was er sieht – und was sich mit seinem Bild von AuthentizitĂ€t deckt. Verwackelte Bilder, fragmentarische Texte, Scans und Faksimiles suggerieren Echtheit, auch wenn sie digital bearbeitet worden sind. Dem Professionellen hingegen vertraut man weniger.
    Wolf Lotter (2013), Echt echt. Wirklich!, brand eins.

  • larmoyant

    Das bildungssprachliche Adjektiv larmoyant bedeutet so viel wie „weinerlich“ oder „mit allzu viel GefĂŒhl und Selbstmitleid“. Es wird hĂ€ufig im abwertenden Sinne gebraucht.

    Larmoyant ein Lehnwort aus dem Französischen. Es ist auf das Verb larmoyer (weinen, jammern), eine Ableitung des französischen Substantivs larme (TrĂ€ne), beziehungsweise des lateinischen lacrima (TrĂ€ne), zurĂŒckzufĂŒhren.

    Er ist nicht der Typ fĂŒr larmoyante, kitschige Abschiedsszenen und macht sich daher alleine auf den Weg zum Flughafen.

    Ihr larmoyantes Gerede wirkte genauso gekĂŒnstelt wie ihre hellblonden Extensions und die aufgeklebten FingernĂ€gel. Dennoch ĂŒberzeugte sie die Jury mit ihrer tragisch dargestellten Lebensgeschichte und steht nun im Finale des Wettbewerbs.

    Der Sozialstaat, so heißt es, liegt am Boden, er fliegt uns um die Ohren, er ist am Ende! Die Menschen mĂŒssen in Zukunft arbeiten, bis sie 80 sind! Sie mĂŒssen aufhören zu fordern! Sie sollen endlich der Wirklichkeit ins Gesicht sehen! All das kommt mal als larmoyante Gerechtigkeits-Rhetorik daher, dann wieder als Straf- und DrohgebĂ€rde, in deren Zentrum eine dubiose „globale WettbewerbsfĂ€higkeit“ steht.
    Matthias Horx, Politik des Vertrauens, Brandeins, 06/2003

  • klandestin

    Das bildungssprachliche klandestin bedeutet so viel wie „unbeobachtet“, „im Verborgenen befindlich“ oder „geheim gehalten“. Der Begriff kann sowohl als Adjektiv als auch als Adverb gebraucht werden.

    „Heimlich“, „diskret“ oder „geheim“ können als Synonyme fĂŒr klandestin verwendet werden.

    Klandestin ist auf das französische clandestin, beziehungsweise das lateinische clandestinus (heimlich) zurĂŒckzufĂŒhren.

    Klandestin, ohne sich vom Gastgeber zu verabschieden, verließ er die Party.

    Allerdings beschrĂ€nkten sich ihre AktivitĂ€ten, bis auf eine Demonstration gegen „linke Gewalt“ in Lichtenberg Ende September mit 60 Teilnehmern, lediglich auf klandestin organisierte Minikundgebungen und der Teilnahme an anderen rechten AufmĂ€rschen.
    Theo Schneider, Berlin: Neonazis wollen vor Brandenburger Tor auflaufen, Zeit Online, 12.02.2014

  • respektive

    Die Konjunktion respektive  wird heute vornehmlich als Synonym zu „beziehungsweise“ verwendet, sowohl mit der Bedeutung „besser gesagt“ als auch mit der Bedeutung „im anderen Fall“. Weiterhin kann sie auch anstelle der Konjunktion „oder (auch)“ gebraucht werden.

    Der Begriff findet seine Herkunft im lateinischen respectivus (beachtenswert)

    Es gibt also drei Möglichkeiten, respektive zu verwenden, die sich am besten an Beispielen illustrieren lassen.

    In der Bedeutung „besser gesagt“ verbindet es eine Aussage und ihre Konkretisierung:

    Sie fand die Aufgabe schwierig respektive geradezu unmöglich.

    In der Bedeutung „im anderen Fall“ können unterschiedliche Aussagen ĂŒber mehrere Dinge miteinander verknĂŒpft werden:

    Es dauerte zwei respektive vier Stunden, die beiden Hotelzimmer wieder bewohnbar zumachen.

    In der Bedeutung „oder (auch)“ können zwei Möglichkeiten miteinander verknĂŒpft werden:

    Als Student kann man sich zum Lernen in die stille Bibliothek zurĂŒckziehen respektive in einem belebten CafĂ© sein Buch aufschlagen. Es ist alles eine Frage der PrĂ€ferenzen.

     

  • mondĂ€n

    Das Adjektiv mondĂ€n bedeutet „elegant“,“extravagant“ oder auch „von Welt“.

    Als mondĂ€n bezeichnet man Personen, wenn man ihre Weltgewandtheit betonen möchte. Diese kann sich in der LebensfĂŒhrung, elegantem Kleidungsstil, exquisiten Umgangsformen oder extravaganten AktivitĂ€ten zeigen.

    Vice versa lassen sich auch direkt der Lebenswandel, der Kleidungsstil, die Umgangsformen oder Taten einer solchen Person als mondÀn bezeichnen. Zudem können auch GegenstÀnde und insbesondere Orte mondÀn sein.

    Der Begriff wurde vom französischen mondaine in den deutschen Wortschatz ĂŒbernommen und stammt ursprĂŒnglich vom lateinischen mundanus (zur Welt gehörig, weltlich) ab.

    Wir hatten rustikale HĂŒtten erwartet, doch das Dorf inmitten der Alpen prĂ€sentierte sich uns ĂŒberraschend mondĂ€n.

    Zhong Ming ist ein reicher Kunstsammler in Chengdu, der Hauptstadt der westchinesischen Provinz Sichuan. Er ist ein mondĂ€ner, etwas selbstverliebter Typ mit hohem Ansehen in der KĂŒnstlerszene, das bis nach Peking reicht.
    Georg Blume, Gib nicht auf China!, Die Zeit, 21.05.2008.