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flamboyant

Das Adjektiv flamboyant bedeutet wörtlich „flammend“, „farbenprächtig“ oder im übertragenen Sinne „energisch“.

Mit dem Ausdruck kann im direkten Sinne das Aussehen von Dingen,  Malereien, Gebäuden etc. respektive im übertragenen Sinne das Wesen von Personen, Musikstücken, Filmen etc. beschrieben werden.

Ein Beispiel für flamboyante Architektur
Die Westfassade der Kirche im französischen Vendôme, gestaltet im Flamboyant-Stil.

Der Ursprung des Begriffs liegt im französischen flamboyer (aufflammen, aufleuchten).

Curtis wurde zu einem der letzten großen Stars des alten Hollywood. Ein gut aussehender Junge, der scheinbar leichtfüßig und flamboyant den Glanz verkörperte, der nun einmal zum Zauber des Kinos dazu gehört.
Ruben Donsbach (2010), Lebemann des alten Hollywood, Zeit online.

Bildnachweis:  Manfred Heyde  [Lizenz: CC-BY-SA-3.0 bzw. GFDL], via Wikimedia Commons.

maliziös

Das Adjektiv maliziös bedeutet „boshaft“ oder „hämisch“ beschreibt Taten, Auftreten und Formen des Ausdrucks von Personen, seltener auch eine Person direkt.

Der Begriff leitet sich aus dem französischen malicieux ab und geht zurück auf das lateinische malignus, jeweils mit der gleichen Bedeutung.

Als er auf ihre mit rotgeweinten Augen vorgebrachte Frage antwortete, spielte ein maliziöses Lächeln um seine Lippen.

Ihr maliziöser Plan scheiterte glücklicherweise an einer kleinen Unbedachtheit.

Er wurde für seine hervorragende Darstellung des durch und durch maliziösen Antagonisten von den Kritikern gefeiert.

Tenor

Tenor (der) gehört zu den seltenen Wörtern im deutschen Sprachschatz, die ihre Bedeutung abhängig von der Betonung ändern.

Liegt die Betonung auf der ersten Silbe, ist eine grundsätzliche Einstellung einer Person oder einer Gruppe, bzw. der Kern einer Aussage, Haltung oder Argumentation gemeint. Ferner ist ein Tenor speziell im rechtswissenschaftlichen Sprachgebrauch die Benennung der Rechtsfolge eines gerichtlichen Urteils, also die konkrete Konsequenz, die sich aus der Entscheidung des Gerichts ergibt.

Liegt die Betonung dagegen auf der zweiten Silbe, ist die hohe männliche Gesangsstimme bzw. der entsprechende Sänger gemeint.

Nach mehrtägiger Diskussion war der Tenor nach wie vor, das Atomkraftwerk auf mittlere Sicht stillzulegen.

Elfriede Jelinek ist die Literaturnobelpreisträger in diesem Jahr. Die Überraschung, die die Wahl des Nobelpreiskomitees ausgelöst hat, ist wohl mindestens so hoch wie die Freude darüber. Der Tenor der Medienberichterstattung ist einstimmig, und spricht von Elfriede Jelinek als einer würdige Preisträgerin.
Michi (2004), Das Problem Jelinek, Neon.de, 08.10.2004, 17:25 Uhr.

Der Tenor des Gerichts lautete wie folgt: Der Beklagte wird verurteilt, eine Zahlung von 2000€ an den Kläger zu leisten. Die Kosten des Rechtsstreits werden dem Beklagten auferlegt. Die Klage ist nicht vorläufig vollstreckbar.

Er wurde als Tenor vom Publikum gefeiert, doch privat stolperte er von einer Tragödie in die nächste.

Onomatopoesie

Onomatopoesie (die) bezeichnet die Wortbildung durch sprachliche Nachahmung von Geräuschen und Lauten.

Eines der bekanntesten Beispiele dieser Lautmalerei ist „Kuckuck“ – der Ausruf wird direkt mit dem gleichnamigen Vogel verbunden.

Aus dem Altgriechischen stammend ist das Substantiv aus onoma („Name“) und poiēsis („das Machen“) zusammengesetzt und bedeutet daher „das Namengeben“ oder „das Wortbilden“.

‚Summende Bienen‘ und ‚zirpende Grillen‘ sind typische Beispiele der Onomatopoesie.

Ein Buch, das mehr literarischen als journalistischen Ehrgeiz hat, ein Buch als Versuch, Dennis sprachlich noch zu überhoppern, ein Buch, in dem Polizisten natürlich „Bullen“ und verblödete Filmproduzenten „Schlipsträger“ sind, in dem fett gedruckte Onomatopoesie – Zack! Bing! snifffffffffFFFFFFFF – die Textbausteine trennt, ein Buch, das lieber aus Musik, Film und Comic als aus gewöhnlichen Informationen bestanden hätte, ein Buch aus Sätzen wie: „Stark. So war Hopper, und so roch er auch, verdammt stark“ – so ein Buch ist zu was verurteilt? Genau, zum Scheitern.
Georg Seeßlen, Biografie: Total vermasselt, Die Zeit, 11.07.2013.

eruieren

Das Verb eruieren bedeutet „feststellen“, „ermitteln“ oder „herausfinden“, speziell durch gründliches Untersuchen oder Nachforschen.

Herkunft des Wortes ist das gleichbedeutende, lateinische eruere (ausgraben, zu Tage fördern).

Bevor wir uns für ein Modell entscheiden, müssen wir zumindest das mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis eruieren.

Oft ist nicht klar zu eruieren, mit welchem Studiengang man die besten Aussichten auf späteren Erfolg hat. Da hilft nur, sich nach Interesse und Bauchgefühl zu entscheiden.

Und, so sagen unsere Führer, Gastfreundschaft, das wisse ja die ganze Welt, Gastfreundschaft sei den Paschtunen heilig. Das mag zutreffen, doch kann man Muslim Khan wirklich trauen? Immerhin hat er schon eigenhändig Leute enthauptet, ob sie auch seine Gäste waren, lässt sich nicht mehr eruieren.
– Ulrich Ladurner (2009), Teufel im Paradies, DIE ZEIT, 30.04.2009 Nr. 19.

dekadent

Das Adjektiv dekadent bedeutet „ausschweifend“, „verschwenderisch“ oder „im kulturellen Niedergang begriffen“. Der Ausdruck wird überwiegend abwertend gebraucht und kommt im Deutschen relativ häufig vor.

Dekadent ist eine Gesellschaft dann, wenn vermeintliche Hochkultur und zunehmender Hang zum Hedonismus zum Verlust der Widerstands- und Durchsetzungsfähigkeit führen. Genuss- und Vergnügungssucht  lösen gesellschaftliche Tugenden ab, was zum Niedergang bzw. Verfall der Kultur führt.

Die Herkunft des Begriffs findet sich im lateinischen Verb decadere, welches „verfallen“ oder „hinabsinken“ bedeutet.

Wenn die führenden Schichten im Römischen Reich nicht so dekadent gewesen wären, wäre die Republik vielleicht nicht so schnell untergegangen.

Der dekadente Lebensstil kostet ihn ein Vermögen.

Die Feste der Könige und Kaiser waren dekadent.

Die Prohibition brachte den „Badewannen“- Gin hervor, für den man Industriealkohol mit dubiosen Zutaten zu einem scharfen Getränk mischte. Anschließend kam die große Zeit der Partys und Martini-Dinners, die jedoch in den 1970er Jahren nur noch als dekadent empfunden wurde.
Sonja Kastilian (2014), Gin – Der Geist in der Flasche, faz.net 02.01.2014.

orthodox

Das Adjektiv orthodox bedeutet „strenggläubig“ bzw. genauer übersetzt „rechtgläubig“.

Es bezeichnet die enge Orientierung oder das Festhalten an der ursprünglichen Auslegung einer Lehre, Religion, Denkschule oder Ideologie, selbst im Angesicht sich ändernder äußerer Umstände. Wird der Begriff verwendet, um eine bestimmte Meinung zu kritisieren, dann wird orthodox häufig im Sinne von rückwärtsgewandt oder veraltet verwendet.

Der Begriff findet seinen Ursprung in der Zusammensetzung der altgriechischen Ausdrücke orthos (richtig) und doxa (Glauben).

Die orthodoxe Kirche wird häufig als fortschrittsfeindlich kritisiert.

Mit seiner orthodoxen Linie machte er sich im Konzern viele Feinde.

Despot

Ein Despot (bzw. eine Despotin) ist ein Gewaltherrscher, der absolut herrscht und unumschränkt seine Interessen verfolgt.

Im Alltag wird der Begriff auch abwertend für einen herrischen und tyrannischen Menschen verwendet. Synonyme zu Despot sind „Tyrann“, „Diktator“ oder „Unterdrücker“.

Aus dem Griechischen (despótēs) stammend, bedeutet Despot „Herrscher“ oder auch „(Haus-)Herr“.

Während der Despot über das Land herrschte, wurden viele Unschuldige zu Opfern seiner Gewaltausbrüche und letztlich hingerichtet.

Seiner cholerischen Art und dem diktatorischen Ton, mit dem er die Aufgaben an seine Angestellten weitergibt, verdankt er seinen heimlichen Spitznamen „der Despot“.

Nach diversen Terroranschlägen in Europa, hinter denen die USA den Libyer vermuten, haben amerikanische Kampfflugzeuge seinen Palast in Tripolis bombardiert, durchaus in der Absicht, den Despoten zu töten. Doch aus Gaddafis Vergeltungsschlag wird nichts.
Ulrich Ladnurner, Lampedusa: Der verheißene Felsen, Die Zeit, 16.02.2014.

Bourgeoisie

Die Bourgeoisie war im deutschen Sprachgebrauch zunächst eine allgemeine und eher wertfreie Bezeichnung für das gehobene Bürgertum.

Mitte des 19. Jahrhunderts etablierten Marx und Engels das Wort als Terminus für die herrschende bürgerliche Klasse, also jene, die nach Marx über die Produktionsmittel verfügt.

Bis heute hat der Begriff der Bourgeoisie einen leicht abwertenden Beiklang.

Aussprache: [bʊrʒo̯aˈziː], also etwa [Burschwasie].

Herkunft des Wortes ist das französische bourgeoisie (Bürgertum).

Die Kehrseite des Haussmann’schen Stadtumbaus sind die Enteignungen und Abrisse zahlloser Häuser, die beinahe gewaltsame Vertreibung ihrer Mieter, der „kleinen Leute“, und die Inbesitznahme der inneren Stadt durch die neureiche Bourgeoisie. Die heutige „Gentrification“ ist dagegen ausgesprochen harmlos.
Bernhard Schulz (2010), Wie Paris zur Weltstadt wurde, ZEIT Geschichte, 29.11.2010.

kongruent

Das Adjektiv kongruent bedeutet „deckungsgleich“ oder „übereinstimmend“, beschreibt also Dinge, Sachverhalte, Aussagen etc. als einer anderen Sache in ihrem Wesen oder ihrer Art gleichend.

Der Begriff entstammt dem lateinischen congruere (übereinstimmen, entsprechen).

Seine Gedankenwelt und das, was er als Autor letztlich zu Papier brachte, waren nicht kongruent.

Viel schwieriger wird es sein, die Ziele der beiden Seiten, die keineswegs kongruent sind, sondern sich in gewisser Weise widersprechen, miteinander zu versöhnen.
Marion Gräfin Dönhoff (1990), Bewegung am Kap, DIE ZEIT, 20.4.1990 Nr. 17.