• Novität

    Das Substantiv Novität (die) bezeichnet etwas neues oder neuartiges.

    Vor allem in der Literatur, Kunst, Mode und Werbung wird der Begriff als Ausdruck für eine Neuheit gebraucht. Darüber hinaus kann Novität auch eine Neuigkeit bezeichnen.

    Synonyme zu Novität sind zum Beispiel das bildungssprachliche „Novum“ oder das französische „Nouveauté“.

    Der Begriff ist zurückzuführen auf das lateinische novitas (Neuheit), zu novus (neu).

    Nach der Modenschau war die Enttäuschung über die Kollektion groß. Es mangelte an Novitäten und schien, als seien alte Entwürfe repliziert und mit Hilfe weniger Handgriffe verändert worden.

    Das Produkt wird als zukunftsweisende Novität angepriesen.

    Sie kupfern Ideen auch nicht einfach ab, sondern transponieren Ansätze aus fremden Branchen und Produktgattungen in ihre eigene, setzen Altbewährtes neu zusammen, lassen sich zu Novitäten etwas Günstigeres oder Besseres und häufig sogar beides zugleich einfallen. Mit billigen Fälschungen hat die hohe Kunst des Kopierens denn auch so wenig gemein wie eine kreative Warhol-Collage mit einem Computer-Farbausdruck desselben Kunstwerks.
    Harald Willenbrook, Warum ist es besser, Zweiter zu sein?, Brandeins, 01/2011

  • Devianz

    Das Substantiv Devianz (die) bezeichnet in der Soziologie ein (von einer Norm) abweichendes Verhalten, das gesellschaftlichen Regeln oder Erwartungen widerspricht.

    Unterschieden wird bei der Devianz in eine primäre und eine sekundäre Form.

    Bei der primären Devianz handelt es sich um ein einmaliges Überschreiten der vorhandenen gesellschaftlichen Normen und Werte, ohne längerfristige Folgen für das Individuum und sein gesellschaftliches Ansehen.

    Die sekundäre Devianz beschreibt, dass sich das deviante Verhalten zum beherrschenden Lebensstil entwickelt und so den Einzelnen oder die Gruppe vom Rest der Gesellschaft abgrenzt. Auch bei Eigenschaften und Merkmale, wie zum Beispiel Krankheit, Behinderung und Hautfarbe, kann in diesem Fall von Devianzen gesprochen werden.

    In der Statistik bezeichnet Devianz darüber hinaus ein Maß für die Fitqualität eines Modells für einen gegebenen Datensatz.

    Der Begriff ist auf das französische dévier (abweichen) zurückzuführen.

    Bei der Pädophilie handelt es sich um sexuelle Devianz.

    Im Kleinen werden Männer bis heute zum Kalkül genötigt, wie schlecht ein Mann sein muss, um ein guter Mann zu sein. Wie viel Devianz muss er aufbringen, damit er als echter Kerl gilt?
    Christoph Kucklick, Das verteufelte Geschlecht, Die Zeit Nº 16/2012

    Es ist aber ein verbreiteter Fehlschluss, in Diagnose und Therapie einen lebensverlängernden Fortschritt zu sehen. Mit unsichtbaren, unerkannten Devianzen kann man ein langes, unbeschwertes Leben führen, erst die erkannte und sichtbar gemachte Krankheit wird zum Problem.
    Finis, Das Letzte, Zeit Online, 30.08.2006

  • prospektiv

    Das bildungssprachliche Adjektiv prospektiv bedeutet „auf die Zukunft gerichtet“, „die Weiterentwicklung betreffend“ oder „zu erwarten“.

    Häufig wird das Adjektiv im Zusammenhang mit medizinischen oder psychologischen Studien verwendet. Ziel prospektiver Studien ist die Überprüfung von Behandlungsmethoden und deren Wirksamkeit mittels festgelegter Hypothesen und fixem Zeitraum.

    Synonyme zu prospektiv sind „weitsichtig“ oder „vorausschauend“.
    Das Gegenwort zu prospektiv ist „retrospektiv“ (zurückschauend, rückblickend).

    Das Adjektiv ist auf das spätlateinische prospectivus (zur Aussicht gehörend) zurückzuführen.

    Um vor allem prospektive Arbeitgeber zu beeindrucken, legt er viel Wert auf eine repräsentative und gut gepflegte Homepage.

    Womöglich auftretende Komplikationen können prospektiv verhindert werden, indem Risikomanagementpläne aufgestellt und befolgt werden.

    Um diesen Einwand zu entkräften, ist eine sogenannte prospektive Studie nötig. Man beobachtet, ob sich die Hirnstruktur von Nicht-Meditierern durch Meditation verändert. Auch das hat Lazar getan. Nach acht Wochen eines achtsamkeitsorientierten Stressreduktionsprogramms wies sie eine messbare Zunahme in der Dichte der grauen Substanz nach, und zwar in Regionen, die mit Meditation im Einklang stehen: Aufmerksamkeit, Introspektion, Selbstwahrnehmung.
    Sat Bir Singh, Eine Sache der Disziplin, Brandeins 04/2014

  • zynisch

    Das Adjektiv zynisch bedeutet so viel wie „spöttisch“ oder „auf grausame, den Anstand beleidigende Weise“.

    Es handelt sich demnach um das zum Ausdruck bringen einer gefühl- und empathielosen, menschenverachtende Haltung, die besonders in bestimmten Situationen oder Kontexten als konträr, paradox, verachtend und verletzend empfunden wird.

    Synonyme: „bissig“, „boshaft“, „hämisch“, „verletzend“ und „sarkastisch“.

    Zynisch ist hergeleitet vom lateinischen cynicus, zu griechisch kynikós (zur Philosophenschule der Kyniker gehörend; hündisch).

    Seine zynische Denkweise wird ihm irgendwann das Genick brechen.

    Ihr zynischer Humor erzeugt vor allem bei ihr unbekannten Personen Unsicherheit, Skepsis und Distanz, so dass zwischenmenschliche Sympathien gar nicht oder nur langsam entstehen.

    Der Textil-Discounter Kik ließ seine Mitarbeiter im Jahr 2011 für eine Imagekampagne antreten, alle trugen rote T-Shirts mit verschiedenen Aufschriften. Die Kernbotschaft: „Kik – der Chancengeber.“ Die Öffentlichkeit sah dies allenfalls als zynisch an, schließlich war Kik zuvor durch flächendeckendes Lohn-Dumping und systematisches Ausspähen der Angestellten in die Schlagzeilen geraten.
    Dirk Böttcher, Die Wahrheit? Lügt man sich zurecht!, Brandeins, 02/2014

  • Assoziieren

    Das bildungssprachliche Verb assoziieren meint das Aufstellen und Verknüpfen von Gedankenverbindungen oder Vorstellungen.

    Des Weiteren kann assoziieren aber auch bedeuten, verschiedene Parteien oder Gemeinschaften zusammenzuschließen oder zu vereinigen. In diesem Zusammenhang gelten „koalieren“, „sich verbünden“, „konföderieren“ oder „sich soziieren“ als Synonyme.

    Assoziieren ist auf das französische associer (vereinigen, verbinden), beziehungsweise auf das spätlateinische associare, zu lateinisch sociare (vereinigen, verbinden), zurückzuführen.

    Viele Menschen assoziieren mit dem Begriff „Sommerurlaub“, am Strand zu liegen, baden zu gehen und die Sonne zu genießen.

    Den Duft von Milchreis und Kirschen assoziiert er immer mit seiner Kindheit, in der das Gericht traditionellerweise an jedem Samstag auf dem Esstisch stand.

    Wenn in Deutschland ein Vorstandsvorsitzender die Bühne betritt, drohen hingegen eingeschlafene Füße. Wer das Event retten will, nimmt ihm seine Folien weg und lässt Freiwillige aus dem Publikum dazu frei assoziieren (Powerpoint-Karaoke). Es gilt die Faustregel: Je intensiver die Beteiligung der Gäste an einer Veranstaltung, desto stärker ihre Erinnerung daran.
    Jens Bergmann, Angst essen Party auf, Brandeins, 02/2011

  • Kameralismus

    Das Substantiv Kameralismus bezeichnet die Lehre von der profitabelsten Gestaltung von Staatseinkünften.

    Beim Kameralismus, welcher auch als Fürstenwohlstandslehre bezeichnet wurde, handelt es sich um eine deutsche Variante des Merkantilismus, der herrschenden Wirtschaftspolitik im Zeitalter des Absolutismus während des 16. bis 18. Jahrhunderts.

    Im Vordergrund stand dabei weniger die Förderung des Handels, sondern vielmehr die Förderung von Landwirtschaft, Infrastruktur und dem Wachstum der Bevölkerung, um auf diese Weise die Besteuerbarkeit eines Landes, beziehungsweise seiner Bevölkerung, zu erhöhen.

    Kameralismus ist auf das mittellateinische cameralius (Kämmerer), zu camera (Schatzkammer, öffentliche Kasse, Kämmerei) zurückzuführen.

    Der Autor geht davon aus, dass Reformen möglich seien, wenn es einen mutigen Kanzler gäbe, der die Wahrheit sagt und darüber hinaus auch noch Konzepte hat. Ich halte dies für zu kurz gegriffen. Nehmen wir an, wir hätten einen mutigen Kanzler, dieser müsste sich im Dickicht des Lobbyismus, Kameralismus und Förderalismus politische Mehrheiten für sein Reformprojekt beschaffen.
    Uwe Jean Heuser, „Gang rein, Kanzler“- Düstere Bilder, Die Zeit, Nr. 48/2002

    Der Kulturbegriff erfährt seine entscheidenden Prägungen im letzten Drittel des 18. und am Beginn des 19. Jahrhunderts. Mit dem Kameralismus setzt er sich in der deutschen Sprache durch, ohne jedoch konzeptionelle Prägekraft zu erlangen. Das ändert sich mit der Aufklärung.
    Karl Heinz Götze, Die Wende gegen den Westen, Zeit Online, 30.09.1994

  • imperativ

    Als Adjektiv bedeutet der bildungssprachliche Begriff imperativ so viel wie „befehlend“, „zwingend“, „bindend“ oder (gehobener) „gebietend“.

    So wird das Adjektiv beispielsweise in Bezug auf die imperative Programmierung in der Informatik, imperativen Harndrang in der Medizin oder imperative Mandate in der Politik verwendet.

    Das Adjektiv ist nicht zu verwechseln mit der substantivierten Form „Imperativ“, welche in der Grammatik die Befehls- und Aufforderungsform darstellt, oder in der Philosophie und Soziologie ein „Gebot“ oder „Prinzip“ bezeichnet.

    Der Begriff stammt aus dem Spätlateinischen und ist über imperativus, zu lateinisch imperare (befehlen) herzuleiten.

    Mit dem Erhalt des imperativen Mandats wurde dem Politiker viel Vertrauen entgegengebracht. Sofern er sich an die inhaltlichen Vorgaben der von ihm Vertretenen hält, sollte einer erfolgreichen Amtszeit nichts im Wege stehen.

    Der mit dem Alter zunehmende, imperative Harndrang führt oftmals zu einer Veränderung der Trinkgewohnheiten.

    Philosophie des Radfahrens ist kein Schmöker. Es ist ein Buch, das man immer wieder gerne zur Hand nimmt, um ein Kapitel zu lesen. Radfahrer werden es mögen. Schon allein wegen des imperativen Charakters, der einem immer wieder Lust macht, selbst aufs Rad zu steigen.
    Andrea Reidl, Velophil: Ein Buch verführt zum Radfahren, Zeit Online, 22.04.2013

  • eklatant

    Das Adjektiv eklatant bedeutet zum einen so viel wie „auffällig“, „aufsehenerregend“ oder „ins Auge fallend“. Üblicherweise wird das Adjektiv mit einer negativen Konnotation versehen.

    Zum anderen steht eklatant für „deutlich“, „erheblich“ oder „beträchtlich“. Auch in diesem Zusammenhang ist der Begriff meist negativ konnotiert.

    Eklatant ist vom französischen éclatant entlehnt und von éclat (Splitter, Krach, Knall) abgeleitet.

    Vor allem in der einst gut besuchten Einkaufsstraße ist der Einbruch der Wirtschaft eklatant zu beobachten, so beträgt der Leerstand hier mehr als 60%.

    Mit ihrer Abendrobe sorgte sie für einen eklatanten Auftritt und viel Furore auf dem roten Teppich.

    Lass uns noch ein wenig über die Ausbildung reden: Habt ihr auch was über Ökonomie gelernt? „Nein, und das halte ich für einen eklatanten Fehler. Bildhauerei ist teuer und sehr schwer verkäuflich. Aber man wurde überhaupt nicht darüber aufgeklärt, wie man in die Berufswelt kommt. Dabei ist nach einer aktuellen Studie Künstler der Beruf mit den schlechtesten wirtschaftlichen Aussichten.
    Peter Lau, DER WILLE und DER WEG, Brandeins, 07/2003

  • lynchen

    Das Verb lynchen bedeutet, jemanden für eine als Unrecht angesehene Tat, ohne rechtskräftiges Gerichtsurteil schwer zu misshandeln oder zu töten. Typische Anwendungsbeispiele und Wortzusammenhänge im Sprachalltag sind „Lynchjustiz üben“ oder „Lynchmord begehen“.

    Das Verb wird auch in der Umgangssprache genutzt und steht in diesem Zusammenhang ironisch für „sehr mit jemandem schimpfen“.

    Lynchen wurde im 19.Jahrhundert vom amerikanisch-englischen Verb „to lynch“ entlehnt. Zurückzuführen ist es auf den amerikanischen Familiennamen Lynch, genauer gesagt auf einen Farmer (womöglich William oder Charles Lynch), der als Vorsitzender eines selbst ernannten Bürgergerichts in Virginia während des 18. Jahrhunderts agierte.

    Nachdem der Verdächtige aufgrund mangelnder Beweise freigelassen wurde, beschlossen die Angehörigen des Opfers, ihn in einen Hinterhalt zu locken und zu lynchen.

    Sie drohte ihrer Mitbewohnerin, sie zu lynchen, sollte sie die Küche nochmals in solch einem desolaten Zustand vorfinden.

    Nach dem Mord an einem Kind in Emden verabredeten sich Mitglieder einer Facebook-Gruppe zum Lynchen.
    Jakob Vicari, Die Herrschaft der Trolle, Brandeins, 06/2012

  • Legislative

    Die Legislative ist die gesetzgebende Gewalt in einem Staat. In Deutschland besteht die Legislative aus Bundestag und Bundesrat (auf Bundesebene) und den Länderparlamenten (auf Landesebene).

    Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und ist zusammengesetzt aus lex, legis (Gesetz) und ferre (tragen)

    In der Bundesrepublik stellen Bundestag und Bundesrat die Legislative dar.

    Südtirol verfügt seither als Provinz Bozen in der Region Trentino-Alto Adige über eine eigenständige Legislative, Verwaltung, ein eigenes Justizsystem und Klagerecht vor dem Europäischen Gerichtshof.
    Gerhard Waldherr, Der kleine König, Brandeins, 09/2005

    Auch die Militärpolizei ist an den Unruhen beteiligt. Ihr Chef Mochtar Fernana hatte zuvor die Auflösung von Regierung und Parlament angekündigt. Eine neu gewählte Kommission werde eine Verfassung schreiben und vorübergehend die Aufgaben der Legislative übernehmen, sagte er.
    Dpa, Libyen: USA bereiten Räumung ihrer Botschaft vor, 20.05.2014