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Imponderabilien

Eine Imponderabilie ist eine „Unwägbarkeit“, d.h. ein bei einer Entscheidung nicht vorhersehbares, zu einem späteren Zeitpunkt eintreffendes Ereignis. Der Begriff wird nahezu ausschließlich im Plural gebraucht.

Imponderabilien spielen etwa in betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen, vorrangig bei Investitionsentscheidungen, eine wichtige Rolle. Anders als bekannte und kalkulierbare Risiken können sie zum Zeitpunkt der Entscheidung nicht berücksichtigt und somit nicht quantifiziert werden. Ebenso wenig kann  eine Strategie für den Fall ihres Eintretens zurechtgelegt werden, eine Reaktion ist also nur im Nachhinein möglich und oft mit großen Kosten verbunden.

Auch in der Rechtssprache existiert der Begriff der Imponderabilien und beschreibt dort Stoffe, die unbeherrschbar und unwägbar sind, d.h. sich nicht wiegen lassen. An ihnen kann kein rechtliches Eigentum bestehen. Hierzu zählen etwa Geräusche und Strahlungen oder auch freie Gase und Dämpfe.

Wie genau der Begriff den Weg ins Deutsche gefunden hat ist ungewiss, jedoch kann davon ausgegangen werden, dass der Ursprung im lateinischen ponderabilis (wägbar) liegt.

Vieles lässt sich planen, Imponderabilien können aber nie ganz ausgeschlossen werden.

Auch rechnet jedermann damit, daß es diesmal schnell gehen wird. Das Parlament will sich noch vor Weihnachten konstituieren, in Berlin. Und wenn nicht die berühmten Imponderabilien dazwischenkommen, soll auch gleich die Kanzlerwahl über die Bühne gehen – was voraussetzt, daß die künftige Ministermannschaft jedenfalls in ihren Umrissen bekannt ist.
Carl-Christian Kaiser (1990), Lauter blaue Wunder, DIE ZEIT, 30.11.1990 Nr. 49.

salvatorisch

Das Adjektiv salvatorisch bedeutet „nur ergänzend geltend“. Es beschreibt einen Zusatz (zu etwas Gesagtem, zu einem Vertrag etc.), der in aller Regel nur dann gilt, wenn anderes keine Anwendung findet. Entsprechend kennt die juristische Fachsprache die salvatorische Klausel eines Vertrags, die in Kraft tritt, sobald einzelne Teile des Vertrags unwirksam werden.

Ursprung des Wortes ist vermutlich das lateinische salvare ((er)retten, erlösen).

Am Ende der Einladung fand sich als salvatorischer Zusatz, dass die Feier bei ungünstigen Wetterverhältnissen mit leichten Programmänderungen im Clubhaus stattfinden würde.

Salvatorisch fügte er hinzu, dass die Expansionspläne nach Japan und Korea auch dann nicht verworfen würden, sollten die Verhandlungen mit den chinesischen Partnern unerwartet platzen.

konsterniert

Das Adjektiv (oder auch Adverb) konsterniert bedeutet „fassungslos“, „verblüfft“ oder „bestürzt“.

Ist eine Person konsterniert, so ist sie in einer unerwarteten Situation derart aus der Fassung gebracht, dass ihr zunächst die Worte fehlen, es ihr also buchstäblich die Sprache verschlagen hat.

Der Begriff stammt vom lateinischen Verb consternare (aus der Fassung bringen) ab.

Sonst sehr schlagfertig, starrte er nun nur konsterniert zu Boden.

Sie war von der Werbung im neueswort-Newsletter aufs Höchste konsterniert.

Nach einem Zuordnungsdurcheinander in der Münchner Abwehr fand ein zauberhaftes Zuspiel von Mesut Özil den freistehenden Ronaldo, diesmal wählte er die linke Ecke. Dass er dabei ein paar Zentimeter im Abseits stand, merkten die konsternierten Münchner gar nicht und verzichteten auf jeden Protest.
Sven Goldmann (2012), Fußball voller Wucht, Zeit Online, 26.04.2012 – 08:45 Uhr.

Fluktuation

Fluktuationen (die) sind Schwankungen von Größen, etwa der Arbeitslosenzahl, der Preise, der Zahl der Beschäftigten in einem Unternehmen etc. Das zugehörige Verb ist fluktuieren.

Die Herkunft des Begriffs liegt im lateinischen fluctuatio (unruhige Bewegung). Vgl. auch lat. fluctuare (in der See treiben, Wellen schlagen).

Das Betriebsklima in ihrer Abteilung ist außergewöhnlich gut. Das schlägt sich auch in einer geringen Fluktuation nieder: Wer einmal hier arbeitet, der will so schnell nicht wieder weg.

Ein Problem erneuerbarer Energien ist die unvermeidbare Fluktuation von Energiequellen wie Wind und Sonne. Um eine lückenlose Stromversorgung zu gewährleisten, ist ein Fluktuationsausgleich durch herkömmliche Energieträger nötig.

verifizieren

Das schwache Verb verifizieren bedeutet „die Wahrheit oder Richtigkeit von etwas prüfen und bestätigen“.

Es hat seinen Ursprung in den lateinischen Begriffen verus (wahr, vlg. veritas = Wahrheit) und facere (herstellen).

Diesmal nahm er sich fest vor, ihre Aussagen erst zu verifizieren, statt wie beim letzten Mal überstürzt zu handeln.

Die Anekdote scheint mir von dieser dubiosen Vereinigung kolportiert zu sein. Lässt sie sich irgendwie verifizieren?

Die Empirie ist ein Weg, theoretische Aussagen zu verifizieren.

Die kontroverse Debatte um diesen Hasardeur könnte sofort ad acta gelegt werden, wenn der Wahrheitsgehalt des profanen Videos endlich verifiziert werden würde. Der Status quo konterkariert schließlich latent die Arbeit der Kanonisationskongregation, wodurch es jederzeit zum Debakel kommen kann.

negieren

Das Verb negieren bedeutet „abstreiten“, „leugnen“ oder „als nicht existent betrachten“.

Ferner kann damit zum Ausdruck gebracht werden, dass einer Sache ablehnend gegenübergestanden wird. In der Sprachwissenschaft wird das Verb als Synonym für verneinen eingesetzt.

Der Begriff gehört zu den Fremdwörtern, welche verhältnismäßig häufig verwendet werden. Dies trifft vor allem auf die Schriftsprache zu.

Negieren leitet sich von dem lateinischen Verb negare ab, was „verneinen“, „abstreiten“ und „leugnen“ bedeutet.

Angeklagte negieren vor Gericht häufig ihre Schuld.

Jemand, der Atheist ist, negiert die Existenz von Gott.

Ich negiere, dass ich jemals solche Gedanken hatte.

Allegorie

Eine Allegorie ist ein objektiv fassbares (oft personifiziertes) Bild als Darstellung eines abstrakten Begriffs oder Sachverhalts.

Beispiele für Allegorien:

  • Justitia steht mit Waage und Schwert in der Hand für Gerechtigkeit.
  • Der Sensenmann als Skelett in schwarzer Kutte mit Sense in der Hand  steht für den Tod.

In der Literaturwissenschaft wird die Allegorie als Sprachbild und Stilfigur den Tropen zugeordnet und gilt dort als erweiterte, also über ein Einzelwort hinausgehende, Metapher. Eine Allegorie kann etwa eine einfache Geschichte sein, die einen größeren oder abstrakten Sachverhalt verdeutlicht.

Synonyme zu Allegorie sind zum Beispiel „Sinnbild“, „Verkörperung“, „Inkarnation“ oder auch „Personifikation“.

Das Substantiv ist vom lateinischen allegoria, bzw. dem griechischen allēgoría (das Anderssagen) hergeleitet.

Eine der wohl am weitverbreitetsten Allegorien ist der Sensenmann, der als fassbare Darstellung für den Tod fungiert.

Gemeint sind die rätselhaften Pop-Clowns, die wie ein Spuk in Fußgängerzonen auftauchen und mit ihrem kalten bleichgesichtigen Grinsen den Bürgern das Blut in den Adern gefrieren lassen. Solche Clowns erscheinen wie die Allegorie auf eine Welt, die sich selbst unheimlich geworden ist – eine Welt, die derzeit mehr Schreckensnachrichten und Fatalitäten hervorbringt, als das Menschenherz auszuhalten vermag.
Thomas Assheuer, Die Grimasse des Realen, DIE ZEIT Nº 46/2014

Die Faszination, die Fußball auslöst und ihn zur weltweit lukrativsten Ware des Unterhaltungsgeschäfts gemacht hat, wird gern umschrieben. Allegorie des Lebens. Spiegelbild der Gesellschaft. Ausdruck der Seele und Mentalität einer Nation. Fußball verbindet, bewegt, spaltet. Wenn es nach Hoeneß geht, dann ist der Fußball aber auch Abbild der Abgründe des Finanzsystems geworden. Ein wildes Gezocke abseits kaufmännischer Vernunft, zunehmend entmenschlicht.
Gerhard Waldherr, Der Kaufmann, Brandeins, 11/2011

postulieren

Das Verb postulieren bedeutet (1) „fordern“, „unbedingt verlangen“ oder (2) „etwas behaupten“, „als gegeben hinstellen“.

Speziell in der Philosophie meint postulieren weiterhin, etwas ohne Beweise vorläufig als wahr anzunehmen.

Der Begriff leitet sich aus dem lateinischen postulare resp. poscere (fordern, verlangen) ab.

Die deutsche Rechtsprechung postuliert ein Recht auf Bildung.

In der Erziehung meiner Kinder postuliere ich ihren unbedingten Gehorsam.

Eine komplette Abendgarderobe für eine Frau, hat die Direktorin Breege O’Donoghue einmal postuliert, dürfe bei Primark nicht mehr als 50 Euro kosten, und zwar „für alles, was man sieht, und alles, was man nicht sieht“.
– Harald Willenbrock (2012), Schnell, schön und schlank, brand eins 01/2012.

Ambiguität

Das Substantiv Ambiguität drückt immer die „Mehr-“ oder „Doppeldeutigkeit“ einer Aussage, eines Sachverhaltes, Werkes oder Zeichens aus.

Anwendung findet es vor allem im literatur-, musik- oder kunstwissenschaftlichen Bereich, wenn es um die Ambiguität von Werken geht. Auch im sozialen oder juristischen Kontext wird der Begriff verwendet.

Der Begriff geht zurück auf das lateinische Adjektiv ambiguus für „doppel-“ oder „uneindeutig“.

Aufgrund der Ambiguität des Werkes entwickelten die Kritiker völlig verschiedene Deutungsweisen, wie vom Autor zweifellos beabsichtigt.

Das Vexierbild zeichnete sich durch seine clevere Ambiguität aus, die nicht jedem auf dem ersten Blick deutlich wurde, dann aber umso mehr faszinierte.

Die Ambiguität des Falls machte es für die Geschworenen schwierig, eine Entscheidung darüber zu fällen, wer der Schuldige sei.

kontradiktorisch

Das Adjektiv kontradiktorisch leitet sich aus den beiden lateinischen Begriffen contra (gegen) und dicere (sprechen, sagen) ab. In der deutschen Sprache kann es in unterschiedlichen Kontexten verwendet werden und bedeutet meist ’sich widersprechend‘.

In der Logik kann die Beziehung zwischen zwei Aussagen kontradiktorisch sein. Das ist dann der Fall, wenn sowohl von der Wahrheit der einen Aussage auf die Falschheit der anderen geschlossen werden kann als auch von der Falschheit der einen Aussage auf die Wahrheit der anderen. Beide Aussagen können also nicht gleichzeitig falsch sein, eine von beiden ist immer wahr:

Tief in der Nacht stand die Sonne am Himmel. (kontradiktorische Aussage)

Alle F sind P aber einige F sind nicht P. (kontradiktorische Aussage)

Der Begriff kontradiktorisch wird oft mit dem Begriff konträr verwechselt. Konträr ist eine Beziehung zweier Aussagen, wenn von der Wahrheit der einen auf die Falschheit der anderen geschlossen werden kann, aber auch beide falsch sein können:

Es ist Wochenende und es ist Mittwoch. (konträre Aussage)

In der Rechtswissenschaft sind kontradiktorische Verfahren solche, bei denen sich zwei streitende Parteien gegenüber stehen und ermittelt werden muss, welche der beiden im Recht ist, also vor allem bei Zivilprozessen. Auch bei diesen ist es ja so, dass lediglich eine der beiden Parteien Recht bekommen kann, woraus sofort folgt, dass die andere im Unrecht ist.