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  • kontaminieren

    Das Verb kontaminieren hat verschiedene Bedeutungen. Meist drĂĽckt es aus, dass etwas mit giftigen, pathogenen oder radioaktiven Substanzen verseucht ist. In diesem Rahmen gelten „verschmutzen“, „verunreinigen“, „verseuchen“ oder „infizieren“ als Synonyme.

    Des Weiteren bedeutet kontaminieren in der Sprachwissenschaft, zwei AusdrĂĽcke (Wörter oder FĂĽgungen) meist anlassbezogen zu vermengen und sinnverwandt zu belegen. Eine Kontamination ist somit ein Synonym fĂĽr „Kofferwort“.

    In der Physik steht kontaminieren im engeren Sinne fĂĽr das Verunreinigen von Kernbrennstoff mit Neutronen absorbierenden Spaltprodukten.

    Kontaminieren ist auf das lateinische contaminare (mit Fremdartigem in Verbindung bringen; verderben) zurĂĽckzufĂĽhren.

    Diverse Tests haben ergeben, dass das gesamte Territorium durch den Unfall mit den Substanzen kontaminiert ist.

    Das Substantiv Politesse wurde geprägt, indem man die Worte Polizistin und Hostesse kontaminierte.

    Im Nebenraum hätten die Angestellten sich umgezogen. Über nie benutzten Waschbecken hängt eine Garnitur Doppelripp-Unterwäsche in Knallgelb, Original Mäser aus den Siebzigern. Die Farbe war bewusst so auffällig gewählt. Sie sollte verhindern, dass ein Ingenieur vergessen könnte, die kontaminierte Unterhose nach der Arbeit auszuziehen. Denn alle verstrahlte Arbeitskleidung musste im Kraftwerk bleiben und wäre dort gewaschen worden.
    – Johannes Schweikle, das Phantomkraftwerk, Brandeins, 11/2014

  • Filius

    Das bildungssprachliche Substantiv Filius wird im scherzhaften Sinne als Begriff fĂĽr einen jugendlichen Sohn verwendet.

    Synonyme sind dementsprechend „Sohn“, „Junior“ oder „Spross“.

    Filius (Säugling), zu felare (saugen), ist aus dem Lateinischen entlehnt.

    Er ist davon ĂĽberzeugt, dass sein Filius einmal ein sehr erfolgreicher Mann werden wĂĽrde. Um dieses Ziel zu erreichen, scheut er keine Kosten und MĂĽhen.

    Der Filius ist immer fĂĽr eine Ăśberraschung gut – so finden seine Eltern das Haus häufig in einem desolaten Zustand vor, wenn sie von einem Wochenendausflug nach Hause kommen.

    Der Senior hatte in den Zwanzigern an den Kölner Werkschulen studiert, verfügte über Neugier, Charisma und gute Kontakte. All das gab er an Dieter Pesch weiter. Er nahm den Filius schon in den Fünfzigern mit zur Möbel-Avantgarde nach Skandinavien und Italien, stellte ihm in Paris Designgrößen vor und zeigte ihm, wie man den Laden während der Internationalen Möbelmesse in Köln als Branchentreff in Szene setzt.
    Matthias Hannemann, Vermöbelt, Brandeins, 10/2013

  • kontrovers

    Das Adjektiv kontrovers bedeutet „entgegengesetzt“. Oftmals impliziert es die Gegenläufigkeit zum Normalen oder allgemein Anerkannten, so dass es in diesem Sinne auch „umstritten“ bedeuten kann. Dementsprechend spricht man substantiviert von einer Kontroverse als einer Meinungsverschiedenheit

    Ursprung ist das lateinische controversus (entgegengesetzt), welches sich zusammensetzt aus contra (gegen) und vertere (wenden).

    Die Angelegenheit wurde kontrovers diskutiert.

    Auch kontroverse Themen mĂĽssen zur Sprache gebracht werden, so unangenehm es auch ist.

    Der Vorschlag fĂĽhrte zu einer langwierigen, kontroversen Debatte.

  • restrukturieren

    Das Verb restrukturieren bedeutet „neu ordnen“, „neu gestalten“ bzw. „die alte Struktur durch eine neue ersetzen“.

    Meistens wird das Verb in wirtschaftlichen Zusammenhängen benutzt, findet aber auch in der Politik oder anderen Bereichen des Lebens Verwendung. Häufig in substantivierter Form (Restrukturierung) oder in Verbindung mit -maßnahmen (Restrukturierungsmaßnahmen).

    Entlehnt wurde der Begriff vom lateinischen structura (Aufbau, Ordnung, Struktur) und der Vorsilbe re- (zurĂĽck, wieder).

    „Aufgrund seines mäßigen Trainingserfolges hat er sich vorgenommen, sein Workout zu restrukturieren.“

    „Der Vorstand um Matthias Harsch will sich mit dem Antrag nun die Zeit verschaffen, um Loewe schneller zu restrukturieren und die neue Unternehmensstrategie umzusetzen.“ – TV-Hersteller Loewe beantrag Gläubigerschutz, Zeit Online, 16. Juli 2013

    „Das Land solle nach dieser Variante die Eurozone für mindestens fünf Jahre verlassen und seine Schulden restrukturieren.“ – Skepsis gegenüber Athener Reformpaket, Zeit Online, 11. Juli 2015

  • Zenit

    Das bildungssprachliche Substantiv Zenit bezeichnet in der Astronomie den gedachten, höchsten Punkt des Himmelsgewölbes senkrecht zum Standort des Beobachters bzw. über einem bestimmten Bezugspunkt auf der Erde. In diesem Sinne gilt der Zenit als Scheitelpunkt.

    Antonym zu Zenit ist der „Nadir“, also der FuĂźpunkt gegenĂĽber dem Zenit.

    Des Weiteren wird das Substantiv in der Bildungssprache gebraucht, um den [Zeit]punkt der höchsten Entfaltung oder Wirkung – mit anderen Worten also einen Höhepunkt – zu beschreiben. In diesem Sinne sind „Krönung“, „Maximum“, „Optimum“, „Finale“ oder „Klimax“ Synonyme zu Zenit.

    Das Substantiv wurde im 16. Jahrhundert vom italienischen zenit (höchster Punkt, Höhepunkt) entlehnt, welches auf das arabisch samt ar-ra’s (Richtung des Kopfes, Scheitelpunkt) zurĂĽckgeht.

    Heute Nacht um 2:30 Uhr wird der Stern im Zenit stehen.

    Viele Kinder-Stars aus Hollywood haben schon vor ihrem Teenager-Dasein den Zenit ihres Ruhmes erreicht. Meist folgen darauf nur noch Skandale und AbstĂĽrze um Alkohol, Drogen und Sex.

    Im Zenit der Euro-Krise wich die Notenbank zweimal von ihrem Rhythmus ab: Im Dezember 2011 und im Februar 2012 versorgte sie die Banken mit jeweils rund 500 Milliarden Euro zu einem Zinssatz von etwa einem Prozent fĂĽr drei Jahre.
    Marcus Pfeil, Die Grenzer, Brandeins, 03/2013

  • Misanthrop

    Ein Misanthrop ist ein Menschenfeind oder Menschenhasser und damit das Gegenteil eines Philanthropen.

    Der Begriff stammt aus dem Griechischen, wo misĂ©Ížin „hassen“ und ánthrĹŤpos „Mensch“ bedeutet.

    Er ist ein richtiger Misanthrop, läuft immer mit säuerlicher Miene durch die Gegend und grüßt selbst an Feiertagen niemanden.

    Mankells große Suggestion besteht nun darin, diesen eigentlich ungenießbaren narzisstischen Misanthropen liebenswert zu machen, indem er uns, exklusiv nur uns Leser, teilhaben lässt an seinem Innenleben. Nur wir wissen, dass Wallander ein guter Mensch ist.
    Tobias Gohlis (2001), Kurt Wallander, Held unserer Zeit, DIE ZEIT, 45/2001.

  • Pseudonym

    Der Begriff Pseudonym kann als Substantiv oder Adjektiv verwendet werden.

    Das Substantiv Pseudonym (das) bezeichnet einen „Decknamen“. Das kann etwa ein erfundener Name eines Autors bzw. einer Autorin sein. Ein Pseudonym wird meist zur Verschleierung der Identität verwendet.

    Das seltener verwendete Adjektiv pseudonym beschreibt das Auftreten einer Person bzw. die Veröffentlichung eines Werkes unter eben diesem Decknamen.

    Entlehnt wurde der Begriff vom altgriechischen Adjektiv pseudĹŤnymos (mit falschem Namen auftretend).

    Der bekannte Horror-Schriftsteller Stephen King veröffentlichte sieben Romane unter dem Pseudonym „Richard Bachman“, um herauszufinden, ob die Bücher sich aufgrund ihrer Qualität oder seines Namens so gut verkaufen.

    Facebook geht es um viele Nutzer mit Realnamen, weil sich diese kommerziell besser verwerten lassen. Dass eine Plattform auch unter pseudonymer Nutzung funktioniert, zeigen Twitter, WhatsApp oder Google+. – Mark Spörrle, Hat sich Ihr Leben durch die Flüchtlingskrise verändert?, Zeit online, 28. Februar 2016

  • paralysieren

    Das Verb paralysieren bedeutet „jemanden handlungsunfähig machen“ (bildungssprachlich) oder „lähmen“ (Medizin).

    Das Partizip II („paralysiert“) stellt die häufigste Verwendungsform des Begriffs dar.

    Weitere Synonyme sind „stören“, „lahmlegen“ und „blockieren“.

    In der Medizin beschreibt die Paralyse eine motorische Lähmung einzelner Muskelgruppen oder mehrerer Körperregionen, die durch Zerstörung der versorgenden Nerven oder der betreffenden Wurzelzellen im Rückenmark entstehen (z.B. bei Syphilis).

    Der Ursprung des Wortes liegt im griechischen paralýein (auflösen, wegnehmen, entziehen).

    Aufgrund der Machtverteilung in der russischen Regierung wirkt die „Duma“ trotz demokratischer Wahlen wie paralysiert.

    Die fĂĽrchterlichen Gestalten, die ihn im Traum heimsuchten, paralysierten ihn auch im Wachzustand und zwangen ihn zum Liegenbleiben.

    Die mit sieben Punkten so gut wie noch nie in die Saison gestarteten Kölner wirkten nicht nur in dieser Szene wie paralysiert. – Meier-Comeback: Drei Tore bei Eintracht-Gala gegen Köln, Zeit online, 12. September 2015

  • proaktiv

    Das Adjektiv proaktiv bedeutet „im Voraus wirkend“ oder bezeichnet in der Wirtschaft zielgerichtetes Handeln und eine Planung im Hinblick auf zukĂĽnftige Geschehenisse, auch mit selbst herbeigefĂĽhrten Ereignissen. Diese Vorgehensweise kann auch bei menschlichen, selbstbezogenen Entscheidungen angewendet werden. Als Antonym hierzu gilt „reaktives Handeln“.

    Der Begriff proaktiv setzt sich aus den lateinischen Wörter pro (vor, für, vorwärts) und activus (aktiv, tätig) zusammen. Über den englischen Wortschatz (proactivity) gelang der Begriff in den deutschen Sprachgebrauch.

    Dank der proaktiven Strategie unserer Vorsitzenden konnte in den letzten Jahren die Entwicklung des Unternehmens erfolgreich vorangetrieben werden.

    Die Wirkung proaktiver Lebensmittel ist nicht unbedingt bewiesen und dem Verbraucher meist eher schleierhaft; die Marketingstrategie wirkt indes mit Sicherheit auf die Konsumenten.

    Es reiche nicht mehr, auf extreme Wetterbedingungen zu reagieren, die Welt mĂĽsse vielmehr „proaktiv“ werden, um sich auf die Herausforderungen durch den Klimawandel einzustellen, sagte Field. – Neuer Weltklimabericht: Klimawandel erfordert dringendes Handeln, Zeit online, 31. März 2014

     

     

     

     

  • Abnorm

    Das Adjektiv abnorm bedeutet „krankhaft“ oder „vom Üblichen/Normalen abweichend“.

    Synonyme zu abnorm sind in diesem Sinne beispielsweise „normwidrig“, „unnatürlich“ oder „anormal“.

    Nebst dieser eher negativen Konnotation bedeutet abnorm im Weiteren so viel wie „das gewohnte Maß übersteigend“, „über das Übliche hinausgehend“, „extrem“ und „ungewöhnlich“.

    Abnorm wird seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts in der deutschen Sprache verwendet. Es ist vom lateinischen abnormis (regelwidrig) abgeleitet.

    Was als kleiner Umtrunk angedacht war, endete schließlich in einer orgiastischen und abnormen Party –gefolgt von ebenfalls abnormen Kopfschmerzen am nächsten Morgen.

    Die Blutanalyse ergab abnorme Werte.

    Sein Bruder Christian war von abnormer Frühintelligenz, sprach mit drei Jahren Latein, kannte die Bibel auswendig und war zu einer bizarren europäischen Sehenswürdigkeit geworden.
    Klaus J. Hennig, Ritter der Kunst, DIE ZEIT NÂş 31/2012