• fingieren

    Das Verb fingieren bedeutet „vortäuschen“, „fälschen“, „vorspiegeln“. Insbesondere spricht man von fingieren, wenn mit der Täuschung ein übergeordnetes Ziel erreicht werden soll.

    Beispiele:

    • Beweise fingieren, um die Verurteilung eines Angeklagten zu erreichen.
    • Den eigenen Tod fingieren, um Geldschulden zu entgehen.
    • Untersuchungsergebnisse fingieren, um die Zulassung eines Arzneimittels zu erreichen.

    Der Begriff leitet sich von dem lateinischen Wort fingere ab, welches soviel wie sich vorstellen, erdichten, formen oder bilden bedeutet. Es wurde ursprünglich für das Formen von Lehm oder Ton verwendet.

    Der Anwalt fingierte ein Fallbeispiel in der Verhandlung, welches ihm die Glaubwürdigkeit der Geschworenen erbrachte.

    Wer ernsthaft krank wird, bekommt von seiner Versicherung einen Brief, dass die Behandlungskosten leider nicht übernommen werden können, dazu fingieren Gutachter medizinische Begründungen. Wer es dennoch in eine Klinik schafft, wird trotz Versicherung zur Kasse gebeten (Wirtschafts liberale nennen dies gern »Eigenverantwortung«). Und wer nicht zahlen kann, wird von der Klinik auch schon mal blutend in ein Taxi gesteckt und vor einer Obdachlosenunterkunft rausgeworfen.
    – Markus Grill, Meine Meinung: Krankes System, NEON.de, 09/2007

  • Deskriptiv

    Das Adjektiv deskriptiv bedeutet „sachlich darstellend“. Gegenwörter zu deskriptiv sind normativ, argumentativ und wertend.

    In der Linguistik bezeichnet deskriptiv, dass etwas unter Verwendung der Begriffe der Linguistik darstellend und beschreibend ist.

    Der Begriff wurde wahrscheinlich Anfang des 19. Jahrhunderts aus dem französischen, gleichbedeutenden descriptif entlehnt, welches auf das ebenfalls gleichbedeutende lateinische dēscrīptīvus zurückgeht.

    Bei der deskriptiven Statistik handelt es sich um einen Teilbereich, der die Beschreibung von einer Gesamtheit, beispielsweise durch Tabellen, Grafiken oder Kennwerte wie Mittelwerte und Streuungsmaße, zum Gegenstand hat.

    Mediziner sollte er werden. Das wiederum wollte Stephen nicht. Erstens erschien ihm die Biologie „zu deskriptiv und nicht fundamental genug“ – vielleicht kein ungerechtes Urteil über die Biologie der frühen fünfziger Jahre. Und zweitens ging es ums Prestige: „Die intelligentesten Jungen wählten Mathematik und Physik, die weniger intelligenten Biologie.“
    Gero von Randow, Stephen Hawking „Meine kurze Geschichte“: Kopfnote: Unordentlich, Die Zeit, 42/2013

  • Purismus

    Im Allgemeinen versteht man unter Purismus die übertriebene Bemühung, etwas rein, also frei von fremden, unerwünschten Einflüssen zu halten.

    In der Sprachwissenschaft meint Purismus ein – oft übertriebenes – Bestreben, eine Sprache frei von Fremdwörtern zu halten.

    Auch in der Kunstwissenschaft und der Architektur versteht man unter Purismus das Streben nach Stilreinheit.

    Bei dem Substantiv Purismus handelt es sich um eine Ableitung zum Adjektiv pur mit den Derivatemen –ismus. Möglicherweise ist das deutsche Wort Purismus auch durch das lateinische purus (rein), sowie das französische purisme (Purismus) geprägt.

    Der Neubau ist durch Purismus geprägt. Passend zur glatten, weißen Außenfassade findet man auch bei der Inneneinrichtung nur das nötigste. Keine aus dekorativen Stilen entlehnte Elemente und keinerlei Schnickschnack.

    Die Forderung nach kulturellem Purismus ist fehl am Platz. Kultur lässt sich zu keinem Zeitpunkt auf eine feste Tradition beschränken. So unterhielten die Stämme Papua-Neuguineas schon seit Jahrhunderten geografisch weiträumige Handelsbeziehungen, tauschten Güter, Rituale, Sprache und Fertigkeiten aus. Schmückte man sich einst mit Muscheln, wird heute Johnson’s Talkum-Puder verwendet.
    Ina Zukrigl, Joana Breidenbach, Globalisierung – Darf’s noch ein wenig Tradition sein?, Brandeins, 02/2000

  • Pseudo

    Das Präfix pseudo- macht kenntlich, dass etwas nicht echt, sondern nur nachgemacht oder nachgeahmt ist.

    Pseudo wird häufig abwertend genutzt, um auszudrücken, dass eine Person oder Sache nur dem Anschein nach jemand oder etwas ist bzw. sich den Anschein gibt, jemand oder etwas zu sein, es in Wirklichkeit jedoch nicht ist.

    Die Wortbildung mit Hilfe dieses Präfixes ist analog zu griechischen Vorbildern, wie zum Beispiel bei pseudoprophētēs (falscher Prophet) und geht zurück auf das griechische pseudēs (falsch, lügenhaft), beziehungsweise pseudos (Täuschung, Lüge).

    Das Wort Handy ist im Deutschen als Synonym für Mobiltelefon bekannt, Engländer jedoch können mit diesem pseudoenglischen Substantiv nichts anfangen.

    Auf der Veranstaltung tummelten sich mal wieder etliche Pseudoprominente, die es sich zum Ziel gemacht haben, möglichst viel vom Catering zu essen und für Pressefotos zu posieren.

    Damit die frische Naivität nicht die Kunden verschreckt, aber auch, damit die Frischlinge nicht von den Kunden verdorben werden, wird der Nachwuchs als Erstes auf die Produktion von Pseudo-Kampagnen für Pseudo-Kunden angesetzt.
    Ralf Grauel, Was Werbung treibt – Hoffnungslose Talente, Brandeins, 07/2005

  • Qualität

    Bildungssprachlich bezeichnet das Substantiv Qualität die Gesamtheit der charakteristischen, meist guten Eigenschaften einer Sache oder Person. Es handelt sich also um die Beschaffenheit, Klasse oder Güte von etwas. Nebst dieser Bedeutung bezeichnet Qualität auch die Klangfarbe eines Lautes in der Sprachwissenschaft.

    Qualität ist auf das lateinische qualitas (Beschaffenheit, Eigenschaft), zu qualis (wie beschaffen) zurückzuführen.

    Die Qualität des Essens hat seit dem Wechsel der Restaurantleitung stark abgenommen.

    Jeden Tag werden die Produkte stichprobenartig kontrolliert, um die Qualität zu sichern.

    Nun ist es nicht so, dass hierbei früher alles besser war, aber es war leichter zu unterscheiden, wenn die Qualität nicht stimmte. Das konnte man hören, sehen und spüren.
    Wolf Lotter, Die Geprellten, Brandeins, 10/2010

  • Quantität

    Das Substantiv Quantität (die) bedeutet „Menge“, „Ausmaß“ oder „Anzahl“.

    Nebst dieser Bedeutung bezeichnet Quantität auch die Länge oder Dauer eines Lautes in der Sprachwissenschaft, beziehungsweise die Länge oder Dauer einer Silbe in der Verslehre.

    Das Gegenwort zu Quantität ist Qualität.

    Quantität ist auf das lateinische quantitas (Größe, Menge) zurückzuführen.

    Das Unternehmen änderte sein Konzept und legte fortan mehr Wert auf Quantität. Die Produktion hat sich seither nahezu verdoppelt.

    Schließlich muss man für sich entscheiden, was wichtiger ist: „Masse statt Klasse“ oder Qualität vor Quantität.

    Bei welcher Quantität des Einkommens der Sprung in eine andere Qualität des Lebens erfolgt, ist gesellschaftlich nicht so exakt auszumachen wie in der Naturwissenschaft.
    Johannes Dieterich, Überleben ist schwer genug, Brandeins, 10/2010

  • Hypothese

    Eine Hypothese ist eine unbewiesene Annahme oder Behauptung, die noch eines Beweises bedarf. Der Begriff ist häufig in wissenschaftlichem Kontext, aber auch in der Bildungssprache zu finden.

    Das Substantiv ist auf das griechische ypóthesis (unterstellen, darlegen) zurückzuführen.

    Um seine Hypothese zu beweisen, musste er den Versuch mindestens fünfzig Mal durchführen.

    Das US-amerikanische Clay Mathematics Institute hatte die Hypothese 2000 zu einem von sieben mathematischen Jahrtausendproblemen erklärt und ein Preisgeld von einer Million Dollar für seine Lösung ausgeschrieben. 2010 lehnte Perelman auch diese Summe ab, ein Schock für die Öffentlichkeit. Wie kann einer so genial und gleichzeitig so blöd sein?
    Stefan Scholl, Er will einfach nur rechnen, Brandeins, 11/2011

  • Typografie

    Das Substantiv Typografie meint heute meist die konkrete Gestaltung von Druckerzeugnissen und digitalen Dokumenten. Dies umfasst die Wahl der Schriftart und -größe, das Layout und bei Druckerzeugnissen sogar die Wahl des Papiers.

    Ursprünglich bezeichnet der Begriff  das Druckhandwerk als solches, also die Wissenschaft und Lehre vom mittels beweglichen Lettern reproduzierbaren Schriftbild.

    Typografie stammt aus dem Griechischen und ist zusammengesetzt aus týpos (Schlag, Abdruck, Figur, Typ) und dem Determinatum –grafie, von graphein (Schreiben).

    Eine gelungene Typografie ist für Zeitungen und hochwertige Magazine ähnlich wichtig wie der Inhalt.

    Maximilian wusste: Menschen glauben, was sie sehen. Man muss es ihnen nur oft genug zeigen. Dann halten sie ein X für ein U. Deshalb förderte er den noch jungen Buchdruck und die Typografie. Er ließ beispielsweise eigene Schriften entwickeln, um bestimmte Eindrücke beim Publikum zu verstärken oder andere abzuschwächen.
    Wolf Lotter, Echt echt. Wirklich!, Brandeins, 02/2013

  • Patrouille

    Das zum Militär- oder Polizeiwesen gehörige Substantiv Patrouille bezeichnet einen Wachdienst, der von einer oder mehreren Personen wahrgenommen wird und einen speziellen Auftrag oder eine taktische Aufgabe verfolgt. Patrouille wird häufig in der Wortkombination „auf Patrouille gehen“ verwendet. Synonym zu Patrouille können die Substantive „Streife“ oder „Trupp“ genutzt werden.

    Patrouille wurde aus dem Französischen übernommen und bedeutet eigentlich „Herumwaten im Schmutz“. Zurückzuführen ist das Substantiv auf das französische Verb patrouiller (patschen).

    Zum Schutz der Nachbarschaft wurde eine Bürgerwehr eingerichtet, die nächtliche Patrouille-Gänge organisiert und durchführt.

    Die Einheit geht täglich am Grenzstreifen auf Patrouille.

    Zwei Polizeibusse biegen in den Innenhof ein. Die Beamten steigen aus. Einer in schusssicherer Weste fragt: „Was haben Sie hier zu suchen?“ Kontrollen sind üblich geworden. Rund um die Uhr fährt die Polizei in der Region Patrouille, häufig in Kolonne.
    Ulf Schubert, Verschlossene Gesellschaft, Brandeins, 05/2007

  • Infarkt

    Das Substantiv Infarkt ist ein Begriff aus dem Bereich der Medizin und bezeichnet das Absterben von Gewebe oder Organteilen nach Unterbrechung der Blutzufuhr.

    Neben dieser ursprünglichen Bedeutung steht Infarkt im übertragenden Sinne auch für einen Zusammenbruch von etwas.

    Infarkt ist vom lateinischen infarctum entlehnt, einer Partizipform von infarcire (hineinstopfen).

    Es kam zu einem Infarkt in der Vorderwand des Herzens, woraufhin sofort operiert werden musste.

    Rauchen ist ein erheblicher Risikofaktor in Hinblick auf Herzinfarkte, koronare Herzerkrankungen oder Schlaganfälle.

    In Hamburg, der fahrradfreundlichsten Stadt, wie Behörden und Marketing gern tönen. Oder besser: in der fahradfeindlichsten Stadt, wie Betroffene, die Grünen und diverse Studien gegenhalten. Und dazwischen steht die Geografin Spott, stellvertretend für Hunderttausende Radler einer Metropole vorm Verkehrsinfarkt. In einem Land mit Benzin im Blut.
    Jan Freitag, Radfahren: Hamburg, Stadt der kompromisslosen Autogerechtigkeit, Zeit Online, 11.10.2013