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postkoital

Das Adjektiv postkoital bedeutet „nach dem Geschlechtsverkehr“, beschreibt also in erster Linie Handlungen und Sachverhalte als zeitlich unmittelbar nach dem Liebesakt stattfindend.

Es setzt sich zusammen aus der lateinischen Vorsilbe post– (nach) und dem lateinischen coitus (Begattung, Vereinigung).

Von postkoitaler Müdigkeit sind in erster Linie Männer betroffen, die sich zum Leidwesen ihrer Partner gerne einfach umdrehen und zu schnarchen beginnen.

In einem Moment postkoitalen Übermuts fragte er sie nach der Zahl seiner Vorgänger, bereute die Frage jedoch gleich darauf.

Rekursiv

Das Adjektiv rekursiv bedeutet „durch sich selbst definierend“ oder „(zu bekannten Werten) zurückgehend“.

Das Wort wird häufig im Bereich der Informatik und Mathematik genutzt, beispielsweise in der charakteristischen Wortkombination „rekursive Programmierung“ oder „- Funktion“.

Zudem findet das Adjektiv auch in der Sprachwissenschaft Gebrauch. Rekursiv bezeichnet hier das mehrfache Auftreten gleicher Sprachformen, wie etwa bei der Satz- oder Wortbildung. Dies kann zum Beispiel ein Aneinanderreihen gleicher Satzteile oder Vorsilben sein („vorvorvorgestern“).

Als Synonyme zu rekursiv gelten „rückläufig“, „selbstbezogen“ oder „zurückführend“.

Bei der rekursiven Programmierung sollte an die Einbindung einer Abbruchbedingung in der Funktion gedacht werden. Sonst besteht die Gefahr, dass sich das Programm unendlich oft selbst aufruft.

Beim Erzählen von ihrer Weltreise verfängt sie sich häufig in rekursive Strukturen, um ihre Begeisterung für fremde Kulturen und Länder zu unterstreichen. So spricht sie beispielsweise von „ köstlichen, delikaten, deliziösen Spezialitäten“.

Was passiert eigentlich, wenn man Googles Bildersuche rekursiv verwendet? Der Berliner Sebastian Schmieg hat das kurzerhand ausprobiert und angefangen mit einem transparenten PNG jeweils nach einem ähnlich aussehenden Bild suchen lassen (im Falle einer sehr wahrscheinlichen Wiederholung hat er einfach das nächste Suchergebnis genommen). Diesen Prozess hat er genau 2951 Mal wiederholt und die Bilder schließlich zusammengeschnitten.
– Eike Kühl, Spaß mit Google: Eine rekursive Bildersuche, Zeit Online, 17.02.2012

tête-à-tête

Das Adverb tête-à-tête bedeutet so viel wie „unter vier Augen“ oder „vertraulich“ im Sinne eines vertraulichen Treffens zweier Personen unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Des Weiteren bezeichnet die substantivierte Form Tête-à-Tête ein intimes und romantisches Beisammensein bzw. ein Rendezvous.

Aussprache: tɛtaˈtɛːt, also in etwa „tetta tett“.

Der Ausdruck tête-à-tête (Kopf an Kopf) wurde aus dem Französischen übernommen.

Ich freue mich schon seit Wochen auf unser Tête-à-Tête am Valentinstag.

Die beiden Staatsoberhäupter nahmen sich reichlich Zeit für ein Gespräch tête-à-tête, in dem Lösungsansätze für den Weg aus der Krise erörtert wurden.

Der wohlklingende Ausdruck Tête-à-Tête ist in der Zeit der Anglizismen mittlerweile aus der Alltagssprache verschwunden- heutzutage werden nur noch „Dates“ ausgemacht.

Dem müssen auch die Franzosen zustimmen – obwohl sie letztlich der Auffassung sind, dass die Deutschen ihren Job eh viel zu ernst nehmen, „bierernst“ eben. Während die Franzosen noch ein Tête-à-tête am Kopierer abhalten oder den Geschäftsbesuch zum Menü nach Hause einladen, wollen die Deutschen ihrer Meinung nach stets nur das eine: Ergebnisse sehen.
– Katja Barthels, Das ist ja typisch!, ZEIT Campus Nr. 04/2007

Exodus

Ein Exodus ist die Abwanderung bzw. der Auszug einer großen Gruppe aus einem Gebiet. So etwa der biblische, von Moses angeführte Auszug der zwölf Stämme Israels aus dem alten Ägypten, geschildert im 2. Buch Mose, welches ebenfalls den Namen Exodus trägt.

Der direkt ins Deutsche übernommene lateinische Begriff geht zurück auf das griechische éxodos (Ausgang).

Das Land leidet unter einem Exodus unterbezahlter Akademiker, die in Scharen von der Aussicht auf bessere Löhne ins Ausland gelockt werden. Dieses Phänomen, auch Braindrain genannt, macht alle Investitionen der Regierung in die Ausbildung der Bevölkerung null und nichtig.

Ein aktuelles Beispiel für einen Exodus ist die massenhafte Flucht der Syrer aus ihrem eigenen Land während des anhaltenden Bürgerkriegs.

Der Exodus europäischer Musiker in die USA nach 1933 war vielleicht der größte Talenttransfer der Weltgeschichte.
– Volker Hagedorn (2012), Vertreibung ins Paradies, DIE ZEIT, 16.2.2012 Nr. 08.

Exekutive

Bei der Exekutive handelt es sich in der Politik und Rechtssprache um die ausführende und vollziehende Gewalt. Im Rahmen der Gewaltenteilung der Staatstheorie stellt die Exekutive neben der Legislative (Gesetzgebung) und Judikative (Rechtsprechung) eine der drei unabhängigen Gewalten dar.

Das Substantiv Exekutive ist vom lateinischen exsequi (ausführen) hergeleitet.

Bei Barbecues auf Jelzins Datscha drehte er die Schaschlikspieße, er trat als Gouverneur der Halbinsel Tschukotka offiziell in den Staatsdienst und überließ der Präsidialverwaltung eine teure Segeljacht zur persönlichen Nutzung Wladimir Putins. Wen das russische Strafrecht exekutiert, hängt weniger von seiner Gesetzestreue ab, als davon, wie gut er sich mit der Exekutive stellt.
-Stefan Scholl, Im Niemandsland, Brandeins, 01/2007

Für Europa zu sein heißt aber, dass Sozialdemokraten, Liberale und Grüne sich demonstrativ hinter den nun direkt legitimierten Luxemburgischen Christdemokraten stellen. Das würde unterstreichen, dass die Wahl des Europäischen Parlaments auch über die Bestellung der Exekutive, also der Kommission entscheidet. Und ebendas widerlegt das Gerede vom Demokratiedefizit der Union.
-Anton Palinka, Europa hat gewählt: Braves Europa, Die Zeit, 23/2014

Xenophobie

Xenophobie (die) bedeutet eigentlich „Fremdenangst“ wird oft aber mit „Fremdenfeindlichkeit“ gleichgesetzt. Xenophobie beschreibt also eine ablehnende Haltung gegenüber andersartigen Personen. Dazu zählt die Ausländerfeindlichkeit, aber auch die Ablehnung von Personen anderer Glaubensauffassung, anderer sozialer Schichten etc.

Der Ausdruck setzt sich zusammen aus den griechischen Begriffen xenos (Fremder; aber auch: Gast) und phobos (Angst).

Eines der großen Probleme unserer Zeit ist die zermürbende Xenophobie, die zur Spaltung der Gesellschaft führt und ein friedliches, positives Miteinander in einem Land erschwert.

Nationalstolz, das Bewahren der eigenen kulturellen Identität und Xenophobie liegen oft nah beieinander.

Warum im wiedervereinigten Deutschland die Xenophobie einen neuen, gewalttätigen Höhepunkt erreicht hat, das wird vom Autor sorgfältig und differenziert erörtert. Er verschweigt nicht, daß Politiker und Medien mit ihrem verantwortungslosen Gerede von einer „neuen Völkerwanderung 1 und einer „Asylantenschwemme“ die ausländerfeindlichen Exzesse geradezu begünstigt haben: „Jugendliche Gewalttäter verstanden sich nicht selten als aktive Vertreter einer schweigenden Mehrheit auf einem der politischen Gestaltung entglittenen Feld “
Volker Ullrich (1994), Flucht vor der Wirklichkeit, DIE ZEIT, 4.3.1994 Nr. 10.

eminent

Das Adjektiv eminent bedeutet „hervorragend“. Als eminent werden Dinge bezeichnet, die besonders herausragend, hervorragend oder außerordentlich sind.

Weiter Synonyme können auch auffallend, unbeschreiblich, erstaunlich und bemerkenswert sein.

Das Wort kann nur zum Hervorheben der Bedeutung von Substantiven und Adjektiven verwendet werden. Eine besonders geläufige Formulierung ist „eminent wichtig“.

Herkunft des Begriffs ist das gleichbedeutende lateinische eminens.

Für die Professorin ist das Thema „Zeitmanagement“ von eminenter Bedeutung.

Der Konzern will die Verluste im eminent wichtigen Geschäft mit Nahrungsmitteln regionaler Herkunft durch eine Marketingkampagne wieder wettmachen.

In ganz eminentem Sinne ist diese Maxime für die Goethesche Seinsbetrachtung charakteristisch: denn keine andere bindet Formung, Ordnung, Gesetz so unbedingt an die Erscheinung der Dinge, an die morphologische Wirklichkeit.
– Georg Simmel (1913), Goethe.

Foyer

Ein Foyer (das) ist eine Eingangshalle, Empfangshalle oder auch Wandelhalle. Als Synonym zu diesem Substantiv gilt auch das bildungssprachliche „Vestibül“.

Aus dem Französischen stammend, bedeutet foyer eigentlich „Herd“ oder „Brennpunkt“. Der Ursprung des französischen Begriffs liegt im lateinischen focus (Feuerstätte, Herd).

Das Foyer des Theaters lädt in der Pause bei erfrischenden Getränken zum gemütlichen Austausch über Inszenierung und künstlerische Darbietung ein.

Nach kurzer Absprache wurde beschlossen, sich erst einmal im Foyer zu treffen und gemeinsam auf die Suche nach dem angegebenen Raum zu machen.

Die Gesuche und Angebote der Netzwerker hängen in einem Schaukasten im Foyer aus. Die Rentnerin Brigitte König wirbt dort zum Beispiel für ihren Bügelservice: Bei Bedarf bügelt sie sofort, sogar abends und am Wochenende.
Astrid Funck, Wahlverwandschaften, Brandeins, 09/2005

technokratisch

Das Adjektiv technokratisch beschreibt eine Form der Regierung oder der Verwaltung, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, statistischer Kontrolle und Rationalität beruht. Dabei stehen Effizienz und die Ausrichtung auf Sachzwänge im Vordergrund, individuelle Freiheit und demokratische Willensbildung dagegen tendenziell im Hintergrund.

Der deutsche Begriff wurde aus dem gleichbedeutenden englischen technocratic entlehnt und ergibt sich aus der Zusammensetzung der altgriechischen Ausdrücke techne (Fertigkeit) und kratos (Macht, Herrschaft; auch der Gott der Macht in der griechischen Mythologie).

Bei der TV-Debatte argumentierte er technokratisch, ratterte Statistiken herunter und ging auf die Fragen des jungen Arbeitssuchenden im Publikum nur oberflächlich ein.

In der Gründerzeit [der EU] haben die Friedenssehnsucht der Kriegsgeneration und das Streben nach Wohlstand das Zusammenwachsen gefördert. Es herrschte ein Vertrauen in die politischen Führungskräfte. Das ließ die technokratische Konzeption der Gemeinschaft zu, deren einzige Identität der Pragmatismus war und deren Antriebskräfte durch die bipolare Welt des Kalten Krieges gefördert wurden.
Franz Fischler (2012), Wählt einen Präsidenten für Europa!, DIE ZEIT, 24.5.2012 Nr. 22.

moderat

Das Adjektiv moderat bedeutet „in Maßen“ oder „gemäßigt“. Mögliche Synonyme sind auch „zurückhaltend“, „angemessen“, „bescheiden“ oder „mäßig“.

Man verwendet die Bezeichnung moderat für Preise oder Reaktionen, die angemessen oder zurückhaltend, also weder unterdurchschnittlich noch übertrieben sind.

Der Ursprung des Wortes moderat geht auf das lateinische moderātor (wer ein Maß setzt, Mäßigender, Lenker, Leiter) und moderāre (ein Maß setzen, bestimmen, mäßigen, leiten, lenken) zurück.

Das Restaurant hat eine große Auswahl zu moderaten Preisen.

Die Gewerkschaft geht mit moderaten Forderungen in die Tarifverhandlungen.

Die Reaktion der Opposition auf den Gesetzentwurf fiel moderat aus.