• Rezitieren

    Das Verb rezitieren meint das künstlerische Vortragen eines literarischen Werks, etwa eines Gedichts. Synonym zu rezitieren können auch die Verben „aufsagen“, „vorsprechen“, „wiedergeben“ oder „darbieten“ verwendet werden.

    Rezitieren ist auf das lateinische recitare (vortragen) zurückzuführen und setzt sich aus dem Präfix re- (zurück, wieder) und citare (auf-, anrufen, hören lassen) zusammen.

    Um seine Rede einzuleiten und die Aufmerksamkeit der Festgesellschaft zu erregen, rezitierte er sehr eindrucksvoll einen Monolog aus Goethes ‚Faust‘.

    Traditionellerweise müssen vor der weihnachtlichen Bescherung Gedichte rezitiert werden.

    Die Augen geschlossen. Die Lippen leicht geöffnet, als würde er gerade ganz tief durchatmen. Die Haltung aufrecht, mit hinter dem Rücken verschränkten Armen, wie ein Kind, das sich sammelt, um ein Gedicht zu rezitieren. So hat der Fotograf Leo Weisse Andy Warhol vor einem Gemälde Alfred Böcklins eingefangen.
    Cornelia Lütkemeier, Unbekannte Warhol-Fotos Als der Pop nach Deutschland kam, FAZ.net, 29.01.2014

  • Kollateralschaden

    Der militärische Ausdruck Kollateralschaden bezeichnet (häufig als Euphemismus) einen unbeabsichtigten Schaden, beispielsweise den Tod von Zivilpersonen oder die Zerstörung von Gebäuden, welcher durch einen militärischen Angriff entsteht. Im Alltag wird Kollateralschaden aber auch übertragen verwendet und bezeichnet eine Nebenwirkung, durch die Schaden entsteht.

    Das Wort ist dem gleichbedeutenden, englischen collateral damage (zusätzlicher Schaden) entlehnt.

    Der Tod von über einhundert Zivilisten wurde wortlos als Kollateralschaden hingenommen.

    Die Verfolgungsjagd des dicken Katers auf die Maus endete zwar ohne Opfer, die Wohnung jedoch erlitt einen Kollateralschaden.

    Neben dem Verschwinden von Travellerschecks und Stadtfaltplänen zählt ja auch das schleichende Ende eselsohriger Wanderführer zu den Kollateralschäden der Digitalisierung.
    Holger Fröhlich, Byte gereist: Per Klick zu den Pandas, Die Zeit, 17.01.2014

  • Chiffre

    Das Substantiv Chiffre bezeichnet zum einen eine Ziffer oder Zahl. Zum anderen kann es sich bei einer Chiffre aber auch um ein geheimes Schriftzeichen, ein Zeichen einer Geheimschrift oder eine Kennziffer handeln.

    Chiffre (Ziffer) stammt aus dem Französischen.

    Wenn Zeitungsanzeigen aufgegeben werden, können die Zusendungen hierfür nach einem Chiffreprinzip erfolgen, so dass in den Zeitungen keine persönlichen Daten veröffentlicht werden.

    Da einige Chiffren der Telefonnummer durch das verschüttete Bier nicht mehr leserlich waren, schmiss er den bekritzelten Bierdeckel in den Mülleimer und wusste, dass er sie nie wieder treffen würde.

    Seit die Finanzkrise tobt, sind Milliardenbeträge zur inhaltsleeren Chiffre verkommen. Sie stehen für unfassbare Verluste, Wertberichtigungen oder auch für die Höhe von staatlichen Maßnahmen zur Stütze der Konjunktur.
    Claude Baumann, Was Wirtschaft erregt: Der Schein der Zahl, Brandeins 03/2009

  • Tableau

    Das Substantiv Tableau bezeichnet zum einen ein im Theater oder Film eindrucksvoll gruppiertes Bild auf der Bühne respektive der Leinwand.

    Im Kunstbereich ist Tableau andererseits die veraltete Bezeichnung eines Gemäldes, während es in der Literaturwissenschaft eine lang ausgeführte, personenreiche Schilderung darstellt.

    Zuletzt kann ein Tableau aber auch, vor allem im österreichischen Raum, eine Schautafel, Tabelle, Rangliste oder auch ein Mieterverzeichnis im Flur eines Mietshauses sein.

    Der Begriff stammt aus dem Französischen und ist von table (Tisch, Tafel, Brett), beziehungsweise dem lateinischen tabula (Tafel) abgeleitet.

    Bei der Betrachtung des Tableaus, dem Aushängeschild des Museums, kommt es immer wieder zu kontroversen Diskussionen über die Intention des Künstlers.

    Das Klingeltableau des Hochhauses umfasst mehr als 160 Namensschilder, was vor allem den Pizzalieferanten immer wieder vor eine große Herausforderung stellt.

    Was wären Olympische Spiele ohne den Medaillenspiegel? Für die einen das Wichtigste überhaupt, weil sie sich in dem Tableau der Medaillen so schön spiegeln können. Für die anderen stumpfer Nationalismus.
    Christian Spiller, Olympia-Splitter VII: Bayern besser als der Rest der Welt, Zeit Online, 15.02.2014

  • Synonym

    Ein Synonym ist ein Wort, das in einem bestimmten Kontext die gleiche Bedeutung hat wie ein anderes Wort. Im Sinne dieser Bedeutung kann Synonym auch als Adjektiv verwendet werden („Die Wörter sind synonym“). Das Gegenwort von Synonym ist „Antonym“.

    Synonym ist abgeleitet vom altgriechischen synōnymos, was „gleichnamig“ bedeutet.

    „Handy“ ist ein Synonym für „Mobiltelefon“.

    Mithilfe von Synonymen können Texte mit eintöniger Wortwahl vermieden werden.

    Seinen heutigen Namen erhielt die ehemalige „Supercrema“ 1964. Ein Jahr später kam das erste Nutella-Glas in Deutschland in den Handel. Seitdem ist die süße Nascherei das Synonym für Nuss-Nougat-Creme schlechthin. Eine Tatsache, die Ernährungsberatern bitter aufstößt.
    -Christian Röder, Nutella – zwei Drittel Zucker und ein Drittel Fett, Die Welt, 05.02.2014

     

  • Skepsis

    Das Substantiv Skepsis bezeichnet kritische Zweifel, Bedenken oder Misstrauen gegenüber etwas. Weitere Synonyme von Skepsis sind unter anderem „Einwand“, „Vorbehalt“ oder „Zurückhaltung“.

    Das Wort ist vom griechischen sképsis (Betrachtung, Bedenken) entlehnt.

    Neuen Erfindungen und technischen Fortschritten gegenüber zeigt sie immer eine gesunde Portion Skepsis.

    Seit dem Vorfall kostete es sie große Mühe, ihm Vertrauen statt Skepsis entgegenzubringen.

    Bierhoffs Skepsis kommt nicht von ungefähr. Die Aufblähung des Endrundenteilnehmerfelds von 16 auf 24 Mannschaften nimmt der Qualifikation jede Spannung. Für die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wird es nur darum gehen, wie früh sie sich für das Turnier vom 10. Juni bis 10. Juli 2016 qualifiziert.
    SUF, EM-Qualifikation: Deutschland gegen Lewandowski und Gibraltar, Welt Online, 23.02.2014

  • Quantitativ

    Das Adjektiv quantitativ bedeutet „die Quantität betreffend“, also die Anzahl, Größe oder Menge von etwas. Als Synonyme zu quantitativ könnten daher unter anderem „mengenmäßig“ oder „zahlenmäßig“ verwendet werden.  Das Gegenwort zu quantitativ ist  „Qualitativ“.

    Das Wort ist abgeleitet vom Nomen „Quantität“, von lateinisch quantitās (Größe, Menge) und wird ergänzt durch das Ableitungsmorphem –iv.

    Quantitativ gesehen ist das neue Herstellungsverfahren sehr vorteilhaft. Es wird jedoch befürchtet, dass die Qualität der Produkte durch das schnellere Verfahren abnehmen könnte.

    Um das Unternehmen zu retten, müssen quantitative Maßnahmen herangezogen werden. Die Geschäftsführung rechnet mit weiteren Einsparungen auf Personalebene.

    So erklären die Anwälte mit einer gewissen Süffisanz, dass es mit Sicherheit in vielen Privatsammlungen noch sehr viel Raubkunst gebe: „Quantitativ dürften die privaten und öffentlichen Sammlungen wesentlich mehr Raubkunst-Verdachtsfälle enthalten als bei Cornelius Gurlitt.“
    Nicola Kuhn, Neues zum Fall Gurlitt Cornelius Gurlitt tritt an die Öffentlichkeit – und eröffnet eine Website, Tagesspiegel.de, 17.02.2014

  • Qualitativ

    Das bildungssprachliche Adjektiv Qualitativ bedeutet „die Qualität betreffend“. Die Qualität ist die Beschaffenheit, beziehungsweise die Gesamtheit der charakteristischen Eigenschaften, einer Sache oder Person.

    Qualitativ ist auf das mittellateinische qualitativus zurückzuführen. Das Gegenwort zu qualitativ ist „quantitativ“ (die Menge betreffend).

    Qualitativ gesehen nehmen sich Marken- und die entsprechenden NoName-Lebensmittel häufig nichts.

    Die qualitativ hochwertigeren Artikel sind weitaus teurer.

    Nebenbei: Zwischen der Vorratsdatenspeicherung nach europäischem Muster und der Speicherpraxis der NSA besteht allenfalls ein quantitativer, aber kein qualitativer Unterschied.
    – Alexander Dix, Anlasslose Datensammlung: Vorratsdatenspeicherung ist überflüssig, Zeit Online, 08.02.2014

  • Illusorisch

    Das Adjektiv illusorisch bedeutet, dass etwas nur in der Illusion besteht. Es ist also demnach unrealistisch, utopisch oder irreal. Des Weiteren kann Illusorisch ausdrücken, dass etwas in Anbetracht gewisser Umstände zwecklos und unmöglich ist und sich daher erübrigt.

    Der Ausdruck ist auf das lateinische illusorius („täuschend“, „verspottend“) zurückzuführen.

    Als er die Menschenmasse sah, die zum Besichtigungstermin erschienen war, wurde ihm sofort klar, dass eine Zusage für die Wohnung illusorisch sei.

    Da das Taxi seit einer Stunde im Stau steht, ist es illusorisch noch pünktlich am Flughafen zu sein und den Flieger zu bekommen.

    Es ist illusorisch zu glauben, dass wir all unsere Interessen in einem einzigen Job befriedigen können. Und ich finde es auch wirtschaftlich hochriskant, sich komplett von einem Arbeitgeber abhängig zu machen.
    Johanna Bruckner, Plädoyer fürs Multijobbing: „Mit nur einem Job würde ich unruhig schlafen“, sueddeutsche.de, 12.02.2014.

  • Despot

    Ein Despot ist ein Gewaltherrscher, der absolut herrscht und unumschränkt seine Interessen verfolgt. Im Alltagskontext wird der Begriff auch abwertend für einen herrischen und tyrannischen Menschen verwendet. Synonyme zu Despot sind „Tyrann“, „Diktator“ oder „Unterdrücker“.

    Aus dem Griechischen (despótēs) stammend, bedeutet Despot „Herrscher“ oder auch „(Haus-)Herr“.

    Während der Despot über das Land herrschte, wurden viele Unschuldige zu Opfern seiner Gewaltausbrüche und letztlich hingerichtet.

    Seiner cholerischen Art und dem diktatorischen Ton, mit dem er die Aufgaben an seine Angestellten weitergibt, verdankt er seinen heimlichen Spitznamen „der Despot“.

    Nach diversen Terroranschlägen in Europa, hinter denen die USA den Libyer vermuten, haben amerikanische Kampfflugzeuge seinen Palast in Tripolis bombardiert, durchaus in der Absicht, den Despoten zu töten. Doch aus Gaddafis Vergeltungsschlag wird nichts.
    Ulrich Ladnurner, Lampedusa: Der verheißene Felsen, Die Zeit, 16.02.2014.