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  • rigide

    Das Adjektiv rigide bedeutet „streng“, „starr“ oder „unnachgiebig“. Es kann etwa den Charakter eines Menschen beschreiben, aber auch andere Sachverhalte. Man spricht etwa von rigiden Regeln, Vorschriften, Preisen etc.

    Im medizinischen Kontext bedeutet rigide „steif“ bzw. „starr“ in Bezug auf Körperstrukturen.

    Die Herkunft des Begriffes geht auf das lateinische rigidus (steif, rau, unerbittlich) zurĂĽck.

    In unserer Zeit in der Schule hatten wir nichts zu lachen. Die rigide FĂĽhrung der Lehrer unterband jede Menge Frohsinn.

    Nach dem Sport ist fĂĽr ihn nicht mehr an Bewegung zu denken, denn er leidet daraufhin unter einer rigiden Muskulatur.

    In Saudi-Arabien herrscht eine ausgesprochen rigide Ausprägung des sunnitischen Islams, der Wahhabismus. – Hintergrund: Sunniten, Schiiten, Wahhabiten, Zeit online 04.01.2016

  • Dilettant

    Das Substantiv Dilettant (der) beschreibt eine Person, die sich aus persönlichem Interesse oder Liebhaberei mit einem wissenschaftlichen, künstlerischen oder handwerklichen Gebiet beschäftigt. Synonyme sind hier „Amateur“ oder „Laie“.

    Meist wird der Begriff allerdings abwertend genutzt, um jemanden zu beschreiben, der sein Handwerk nicht beherrscht. Als Synonym gelten hier „Stümper“ oder „Nichtskönner“.

    Antonyme zu Dilettant sind demnach „Fachmann“, „Experte“ oder Profi“.

    Der Begriff wurde vom italienischen dilettante (Kunstliebhaber) entlehnt, welches auf das lateinische Verb delectare (erfreuen, unterhalten, interessieren) zurĂĽckgeht.

    Bei der Renovierung meines Hauses waren offensichtlich nur Dilettanten am Werk, so dass ich einen GroĂźteil der Arbeit noch einmal selbst erledigen muss.

    Er ist zwar nur ein Dilettant, dennoch sind seine geschnitzten Figuren von außerordentlicher Hingabe geprägt.

    Was aber passiert […], wenn Mäzen Klaus-Michael Kühne sich öffentlich meldet und sagt, dass er diesen Labbadia doch für einen Dilettanten hält, der so schnell wie möglich aus dem Verein geschmissen werden muss? – Kilian Trotier, Hamburger SV – Ein Verein von Anfängern, 27.08.15, Zeit online

  • Diversifikation

    Das Substantiv Diversifikation (die) bedeutet „Veränderung“, „Abwechslung“ oder „Vielfalt“ im eigentlichen Sinne wird aber meist in der Wirtschaft oder auch der Linguistik verwandt.

    In der Linguistik beschreibt die Diversifikation die Differenzierung einer ursprünglichen Form in verschiedene Formen oder unterschiedliche Ausprägungen (Diversifikationsgesetz).

    Im wirtschaftlichen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff das Vorgehen eines Unternehmens, seine Produktion auszuweiten und neue Produkte auf neuen oder alten Märkten anzubieten. Dabei unterscheidet man zwischen verschiedenen Arten der Diversifikation:

    • Horizontale Diversifikation: Erweiterung der Produkte, die der eigentlichen Produkt-Markt-Kombination ähnlich sind (Bsp.: Coca Cola -> Coke Zero).
    • Vertikale Diversifikation: Erweiterung der Produkte durch Teile der vor- oder nachgelagerten Produktionsstufe (Bsp.: Ăśbernahme der Aufgaben der Zulieferer).
    • Laterale Diversifikation: Erweiterung durch Produkte, die fĂĽr das Unternehmen in keinem bisherigen Zusammenhang stehen (Bsp.: Produktion von Bekleidung und Uhren).

    Der Ursprung des Wortes liegt im lateinischen diversificare (verteilen), welches auf diversus (verschieden) und facere (machen, tun) zurĂĽckgeht.

    Daneben wird gleichbedeutend zu Diversifikation auch manchmal der Begriff Diversifizierung verwendet.

    Um unser Wachstumsziel zu erreichen, bedarf es einer Diversifikation unserer Produktion, da der bisherige Markt gesättigt ist.

    Noch in diesem Jahr solle es demnach ein „Memorandum of Understanding“ zwischen der EU und den beiden Ex-Sowjet-Staaten geben. Bis 2016 wolle Brüssel ein umfassendes Paket zur Diversifikation der europäischen Gasversorgung entwickeln. – afp, Bericht: EU setzt auf Gas aus Aserbaidschan und Turkmenistan, 22.02.2015, Zeit online

     

  • desolat

    Das bildungssprachliche Adjektiv desolat bedeutet „trostlos“, „traurig“, „einsam“ oder in anderem Kontext so viel wie „schlecht“, „miserabel“.

    Desolat wird häufig in den charakteristischen Wortkombinationen „ausgesprochen/sehr desolat“ oder „desolater Zustand“ verwendet, Gegenwörter zu desolat sind „erfreulich“ oder „wohlgeordnet“.

    Der Begriff ist auf das lateinische desolatum, dem 2. Partizip von desolare (einsam lassen, verlassen) zurückzuführen.

    Nach der haushohen Niederlage sind die Fans enttäuscht und die Mannschaft muss sich mit dem desolaten letzten Tabellenplatz zufriedengeben.

    Der desolate Zustand der Fassade drückt den Verkaufspreis des Hauses, so dass der Eigentümer seine Preisvorstellung wohl kaum durchsetzen wird.

    Selbstredend wurden auch happige Strategiefehler gemacht. Bei Bally wechselten die Manager im Expresstempo und mit ihnen die Neuausrichtungen. Bei Ascom blockierte die Familienstiftung eine Modernisierung. Und die Swissair beteiligte sich im Rahmen einer so genannten Hunter-Strategie an defizitären, kleinen Fluggesellschaften, die letztlich nicht zum Aufbau einer großen, unabhängigen Airline rührten, sondern neben der desolaten Finanzlage zu einem restlos verwässerten Image.
    Reto WĂĽthrich, Das Schweizer Kreuz, Brandeins, 05/2002

  • Zampano

    Ein Zampano ist ein Mann, häufig Anführer einer Gruppe, der durch übertriebenes, prahlerisches Gebaren beeindrucken will. Er versucht, sich in den Vordergrund zu spielen und erweckt gerne den Eindruck, Unmögliches möglich machen zu können.

    Zampano ist auf die gleichnamige Figur in Federico Fellinis Film „La Strada“ zurückzuführen. Fellinis Zampano ist ein prahlerischer Schausteller, der bei seinen Auftritten auf imposante Weise Eisenketten sprengt, welche seinen Brustkorb umschließen.

    In Anspielung auf Fellinis Figur wird der Eigenname häufig in der Wortkombination „der große Zampano“ verwendet.

    Sobald er ein Restaurant betritt, spielt er sich auf wie der große Zampano. Er erwartet, dass alle Kellner sich sofort auf ihn stürzen und ihm den bestmöglichen Tisch und Service gewähren.

    „Kippenberger hätte diese groĂźe Karriere nie ĂĽber die Museen gemacht. Durchgesetzt haben ihn die Privatsammler, die ihn aus den falschen GrĂĽnden gekauft haben. Ohne seine Selbstinszenierung hätte sich sein Werk nicht durchgesetzt. Das Tragische ist, dass er ein bedeutender KĂĽnstler ist, auch wenn viele in ihm nur den Exzess-Zampano sehen.“
    Peter Laudenbach, HeiĂźe Ware, Brandeins, 12/2009

  • Paraphrasieren

    Das Verb paraphrasieren meint in der Sprachwissenschaft „etwas in eigenen Worten wiedergeben/erklären“.

    Dabei kann etwas mit anderen Wörtern oder Ausdrücken umschrieben, frei in eine andere Sprache übertragen oder sinngemäß wiederholt werden.

    Im Bereich der Musik kann paraphrasieren zudem bedeuten, eine Melodie oder Abfolge von Akkorden auszuschmĂĽcken.

    Das Verb ist aus dem Substantiv Paraphrase abgeleitet. Paraphrase ist aus dem griechischen Präfix para– (bei, neben) und phrásis (Redeweise, Ausdruck) zusammengesetzt und bedeutet so viel wie „Umschreibung“.

    Für die Synchronisation muss das Drehbuch aus dem Englischen ins Deutsche paraphrasiert werden. Eine wortwörtliche Übersetzung der Texte ist nicht möglich, da das gesprochene Wort zur Lippenbewegung der Schauspieler passen muss.

    Derzeit ist die Band mit dem Schreiben der Songs ihres zweiten Studioalbums beschäftigt. In stundenlangen Sessions werden Melodien entwickelt, paraphrasiert und mit Songtexten unterlegt.

    Nur in jeder zehnten Arbeit wurde korrekt zitiert und belegt, in den anderen haben wir fehlende, falsche oder unvollständige Zitierweisen und Quellenangaben gefunden. Häufig paraphrasieren die Studenten etwa nach einem korrekten Zitat, vergessen aber, dazu ein „vergleiche“ zu schreiben.
    Kerstin Eleonora Kohl, „Nicht alle Studenten unter Generalverdacht stellen“, DIE ZEIT NÂş 34/2013

  • Sisyphusarbeit

    Eine Si­sy­phus­ar­beit ist eine Arbeit oder Aufgabe, die trotz andauernder Anstrengung und Bemühung nicht fertiggestellt werden kann.

    Der Ausdruck ergibt sich aus der Sage des ebenso schlauen wie verschlagenen Sisyphos aus der griechischen Mythologie. Dieser soll nicht nur den Göttervater Zeus verraten haben, sondern auch den Totengott Thanatos betrunken gemacht und gefesselt haben, wodurch dieser bis zu seiner Befreiung durch den Kriegsgott Ares nicht seiner Aufgabe nachgehen konnte und so für einige Zeit niemand sterben konnte.

    Ursprung des Begriffs der Sisyphusarbeit ist die Bestrafung, die Sisyphos schlieĂźlich auferlegt wurde: In der Unterwelt bis in alle Ewigkeit einen Fels einen Hang hinaufrollen, der ihm kurz vor Erreichen der Spitze immer wieder entglitt.

    Der Job in so manchem Büro kommt einem wie echte Sisyphusarbeit vor. Tagein tagaus bewegt man Papiere von A nach B, unterschreibt Dokumente, füllt Tabellen aus, ohne jemals zufrieden auf ein abgeschlossenes Projekt zurückblicken zu können.

  • ParvenĂĽ

    Der ParvenĂĽ ist ein „Aufsteiger“, „Emporkömmling“ oder „Neureicher“.

    Als einen Parvenü bezeichnet man jemanden, der aus einfachen Verhältnissen heraus zu Reichtum gelangt ist. Als der Begriff im 18. und 19. Jahrhundert aufkam, fehlten einem solchen Emporkömmling in der Regel die Kultiviertheit und der Bildungsstand einer Person, die in eine wohlhabenden Familie geboren wurde. „ParvenĂĽ“ hatte also eine leicht abwertende Konnotation, die sich bis heute gehalten hat.

    Der deutsche Begriff stammt vom gleichbedeutenden französischen Begriff parvenu ab, substantiviert aus parvenir (emporkommen).

    Es ist einer dieser Clubs, wo die Parvenüs der Neuzeit sich selbst feiern. Nicht selten sieht man gerade diejenigen, die sich in den frühen Abendstunden noch Champagnerflaschen an den Tisch bestellten, später mit freiem Oberkörper auf Podesten tanzen.

    Anka Muhlstein verweist hier zu Recht auf das strukturelle Problem von Napoleons Herrschaft. Als Parvenü unter Europas Monarchen war er zum Erfolg verdammt. Ein Stehenbleiben, gar ein Rückzug wäre einer Niederlage gleichgekommen und hätte dem Nimbus seiner Unfehlbarkeit einen schweren Schlag versetzt.
    – Volker Ullrich (2008), Moskau war sein Schicksal, Die Zeit, 24.01.2008 Nr. 05.

  • Euphemismus

    Ein Euphemismus ist ein beschönigender oder verharmlosender Ausdruck für etwas Unangenehmes, Anrüchiges oder Negatives. Ein Euphemismus ist also ein Hüllwort, das verwendet wird, um einen Sachverhalt sprachlich abzumildern.

    Der Ausdruck stammt vom gleichbedeutenden griechischen euphēmismós ab.

    Beispiele fĂĽr Euphemismen gibt es viele in der deutschen Sprache.

    „Einschläfern“ beispielsweise ist ein Euphemismus fĂĽr das absichtliche Vergiften eines Tieres (zu seinem eigenen Wohl, natĂĽrlich).

    „Nektar“ klingt beinahe göttlich, nach Nektar und Ambrosia, Speis und Trank im Olymp. Heutzutage ist der Begriff jedoch nur noch ein Euphemismus fĂĽr mit ein wenig Saft vermischtem Zuckerwasser.

    Sicher kann man von „RationalisierungsmaĂźnahmen“ und einem „flexiblen Arbeitsmarkt“ sprechen, wenn man sich denn dieser Euphemismen fĂĽr die um sich greifende RausschmeiĂźkultur bedienen will.

  • etablieren

    Das Verb etablieren bedeutet:

    • Etwas einrichten oder realisieren.
    • Ein Geschäft oder Unternehmen grĂĽnden (veraltet).
    • Einen sicheren Rang innerhalb der Gesellschaft oder einer bestimmten Gruppe einnehmen.
    • Sich häuslich einrichten.
    • Sich als Geschäftsperson niederlassen.

    In der Regel sprich man von sich etablieren oder etwas etablieren.

    Der Begriff geht auf das französische Verb établir (aufbauen, einnehmen, errichten) zurück, welches auf dem lateinischen Verb stabilire (befestigen, sichern, stärken) beruht.

    Ich möchte gerne schlankere Prozesse im mittleren Management unseres Unternehmens etablieren.

    Sie konnte sich trotz aller Widerstände in der Führungsetage ihrer Firma etablieren.

    Er spielte mit dem Gedanken, sich im Haus seiner Freundin zu etablieren. Um sich heimisch zu fĂĽhlen, dekorierte er direkt das Wohnzimmer neu.

    Da ihm indes das Geschäftsleben wenig zusagte , so gab er seinen Beruf auf und etablierte sich 1852 in der Dogenstadt als Privatlehrer. – BrĂĽmmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 3. 6. Aufl. Leipzig, 1913.