• Laissez faire

    Laissez faire bedeutet sinngemäß übersetzt „machen lassen“ oder „laufen lassen“, womit eine Haltung der Nichteinmischung mit dem Vertrauen darauf gemeint ist, dass sich die Dinge wohl am Besten von selbst regeln. Damit kann etwa das Verhalten des Staates in Bezug auf die Wirtschaft oder der Erziehungsstil von Eltern beschrieben werden.

    Die Aussprache folgt dem Französischen, ist nicht „eingedeutscht“ und würde, direkt in die deutsche Aussprache übertragen, etwa [lässee fähr] geschrieben. Die Betonung liegt auf der letzten Silbe.

    Der Begriff wurde im 18. Jahrhundert vom französischen Politiker René Louis d’Argenson und dem Wirtschaftswissenschaftler Vincent de Gournay geprägt.

    Ihr Laissez-fair-Unterricht funktioniert nicht immer. Oft stören doch einzelne Schüler die Konzentration der ganzen Klasse. Ein Problem, das sich leider nicht von selbst regelt.

    Laissez fair ist in dieser Konstellation voraussichtlich keine dauerhafte Lösung.

  • Exponentiell

    Das Adjektiv exponentiell stammt aus dem Bereich der Mathematik und beschreibt eine prozentuale (nicht feste) Zunahme oder Abnahme eines Wertes pro Zeiteinheit. Die tatsächliche Veränderung pro Zeiteinheit ist also abhängig vom Ausgangswert zu Beginn der jeweiligen Zeiteinheit, so dass der Prozess sich – je nach gewähltem Faktor – über die Zeit beschleunigt oder verlangsamt.

    Aus diesem Grund wird exponentiell häufig in Verbindung mit Verben wie „wachsen“, „steigen“, „abnehmen“ oder „schrumpfen“ benutzt, um eine Wertveränderung zu beschreiben.

    Diese Wertveränderung lässt sich durch eine Exponentialfunktion darstellen, wodurch sich auch die Herkunft des Adjektivs erklären lässt:

    Exponentialfunktion x mit dem Faktor 3.

    Das Gegenwort zu exponentiell ist linear, was so viel wie „gleichbleibend“ bedeutet.

    Die Vermehrung von Bakterien in der Lebensmittelprobe erfolgt exponentiell.

    Weil die Geschwindigkeit des technischen Fortschritts im digitalen Zeitalter nicht linear, sondern exponentiell wächst, ist die Technik von morgen doppelt so gut wie heute, übermorgen 4-mal so gut, dann 8-mal, 16-mal … Das Wachstum beschleunigt also immer schneller, bis jener Punkt erreicht ist, ab dem – so Kurzweil und seine Apologeten – Ungeheuerliches passieren wird: Maschinen verbessern sich selbst.
    Markus Albers, Herr der Flieger, Brandeins, 03/2014

  • re­mon­tant

    Das Adjektiv remontant beschreibt etwas als wiederkehrend oder wiederblühend. Etwa werden besondere Rosenzüchtungen, die zwei Mal jährlich erblühen, als remontant bezeichnet. Im übertragenen Sinne kann der Begriff jedoch auch für andere mehrfach auftretende Ereignisse verwendet werden.

    Das Wort entstammt dem französischen remontant (später in der Saison noch einmal blühend).

    Die remontanten Rosen trugen zu ihrem Wohlbefinden und Glück erheblich bei, da die nun noch öfter wiederkehrende Pracht des blühenden Gartens ihr Herz mir Freude erfüllte.

    Die Regierung konnte trotz der Krise eine remontante Begeisterung im Volk hervorrufen.

  • Meritokratie

    Das bildungssprachliche Substantiv Meritokratie bezeichnet ein Prinzip, bei dem Amtsträger, Herrscher, Leiter oder Führungspersonen gemäß ihren erbrachten Leistungen ausgewählt werden. Die Meritokratie spielt somit als Regierungsform eines Staates oder in anderen politischen oder wirtschaftlichen Organisationen eine Rolle.

    Bei „Leistungsgesellschaft“ oder „Verdienstadel“ handelt es sich um sinnverwandte Wörter zu Meritokratie.

    Der Begriff ist aus dem lateinischen Substantiv meritum (Verdienst) und dem altgriechischen kratein (herrschen) zusammengesetzt. Erstmals wurde er 1958 vom Briten Sunlop Young im Rahmen seiner Satire ‚Rise of the Meritocracy‘ gebraucht.

    Hinter unserer Vorstellung von Demokratie, also der Herrschaft des Volkes, steckt vor allen Dingen die Meritokratie, die Idee von der Herrschaft der Leistungsträger, der Tüchtigen also, die sich im Hier und Jetzt Verdienste erwerben. Wer etwas leistet, soll etwas werden. Das ist die Grundlage unseres Weltbilds. Die Leistungsgesellschaft, das sind wir selbst.
    Wolf Lotter, Selbstzünder, Brandeins, 06/2013

    Das grundsätzlich positive Prinzip der Meritokratie – nach der im Idealfall jede Person in einer Gesellschaft die verdiente Position einnimmt und entsprechend entlohnt wird – hat sich zu einem knallharten Sozialdarwinismus gewandelt, in dem die messbare Produktivität zum zentralen, wenn nicht einzigen Kriterium des „idealen Menschen“ geworden ist.
    Anja Kümmel, Sachbuch „Und ich?“: Unsere vorgegaukelte Freiheit, Zeit Online, 15.01.2014

  • deduktiv

    Das Adjektiv deduktiv bedeutet „abgeleitet“ und beschreibt Schlussfolgerungen auf Basis vergangener Erfahrungen oder allgemeiner Erkenntnisse.

    Man spricht also von deduktiven Aussagen oder Schlussfolgerungen, wenn vom Allgemeinen aufs Besondere geschlossen wird, vergangene Erkenntnisse zur Lösung eines aktuellen Problems herangezogen werden oder wenn Erkenntnisse aus einem Gebiet auf ein anderes übertragen werden.

    Ursprung des Begriffs ist das gleichbedeutende lateinische deductivus.

    Für die vermehrten Immobilienkäufe die steigenden Preise verantwortlich zu machen, war ein deduktiver Fehlschuss. Vielmehr stiegen die Preise aufgrund der hohen Nachfrage.

    In der Volkswirtschaftslehre bieten auf aggregierten Daten basierende Erkenntnisse in vielerlei Hinsicht die Möglichkeit für deduktive Schlussfolgerungen auf spezielle Anwendungsfälle. Leider nicht immer.

  • fingieren

    Das Verb fingieren bedeutet „vortäuschen“, „fälschen“, „vorspiegeln“. Insbesondere spricht man von fingieren, wenn mit der Täuschung ein übergeordnetes Ziel erreicht werden soll.

    Beispiele:

    • Beweise fingieren, um die Verurteilung eines Angeklagten zu erreichen.
    • Den eigenen Tod fingieren, um Geldschulden zu entgehen.
    • Untersuchungsergebnisse fingieren, um die Zulassung eines Arzneimittels zu erreichen.

    Der Begriff leitet sich von dem lateinischen Wort fingere ab, welches soviel wie sich vorstellen, erdichten, formen oder bilden bedeutet. Es wurde ursprünglich für das Formen von Lehm oder Ton verwendet.

    Der Anwalt fingierte ein Fallbeispiel in der Verhandlung, welches ihm die Glaubwürdigkeit der Geschworenen erbrachte.

    Wer ernsthaft krank wird, bekommt von seiner Versicherung einen Brief, dass die Behandlungskosten leider nicht übernommen werden können, dazu fingieren Gutachter medizinische Begründungen. Wer es dennoch in eine Klinik schafft, wird trotz Versicherung zur Kasse gebeten (Wirtschafts liberale nennen dies gern »Eigenverantwortung«). Und wer nicht zahlen kann, wird von der Klinik auch schon mal blutend in ein Taxi gesteckt und vor einer Obdachlosenunterkunft rausgeworfen.
    – Markus Grill, Meine Meinung: Krankes System, NEON.de, 09/2007

  • Deskriptiv

    Das Adjektiv deskriptiv bedeutet „sachlich darstellend“. Gegenwörter zu deskriptiv sind normativ, argumentativ und wertend.

    In der Linguistik bezeichnet deskriptiv, dass etwas unter Verwendung der Begriffe der Linguistik darstellend und beschreibend ist.

    Der Begriff wurde wahrscheinlich Anfang des 19. Jahrhunderts aus dem französischen, gleichbedeutenden descriptif entlehnt, welches auf das ebenfalls gleichbedeutende lateinische dēscrīptīvus zurückgeht.

    Bei der deskriptiven Statistik handelt es sich um einen Teilbereich, der die Beschreibung von einer Gesamtheit, beispielsweise durch Tabellen, Grafiken oder Kennwerte wie Mittelwerte und Streuungsmaße, zum Gegenstand hat.

    Mediziner sollte er werden. Das wiederum wollte Stephen nicht. Erstens erschien ihm die Biologie „zu deskriptiv und nicht fundamental genug“ – vielleicht kein ungerechtes Urteil über die Biologie der frühen fünfziger Jahre. Und zweitens ging es ums Prestige: „Die intelligentesten Jungen wählten Mathematik und Physik, die weniger intelligenten Biologie.“
    Gero von Randow, Stephen Hawking „Meine kurze Geschichte“: Kopfnote: Unordentlich, Die Zeit, 42/2013

  • Purismus

    Im Allgemeinen versteht man unter Purismus die übertriebene Bemühung, etwas rein, also frei von fremden, unerwünschten Einflüssen zu halten.

    In der Sprachwissenschaft meint Purismus ein – oft übertriebenes – Bestreben, eine Sprache frei von Fremdwörtern zu halten.

    Auch in der Kunstwissenschaft und der Architektur versteht man unter Purismus das Streben nach Stilreinheit.

    Bei dem Substantiv Purismus handelt es sich um eine Ableitung zum Adjektiv pur mit den Derivatemen –ismus. Möglicherweise ist das deutsche Wort Purismus auch durch das lateinische purus (rein), sowie das französische purisme (Purismus) geprägt.

    Der Neubau ist durch Purismus geprägt. Passend zur glatten, weißen Außenfassade findet man auch bei der Inneneinrichtung nur das nötigste. Keine aus dekorativen Stilen entlehnte Elemente und keinerlei Schnickschnack.

    Die Forderung nach kulturellem Purismus ist fehl am Platz. Kultur lässt sich zu keinem Zeitpunkt auf eine feste Tradition beschränken. So unterhielten die Stämme Papua-Neuguineas schon seit Jahrhunderten geografisch weiträumige Handelsbeziehungen, tauschten Güter, Rituale, Sprache und Fertigkeiten aus. Schmückte man sich einst mit Muscheln, wird heute Johnson’s Talkum-Puder verwendet.
    Ina Zukrigl, Joana Breidenbach, Globalisierung – Darf’s noch ein wenig Tradition sein?, Brandeins, 02/2000

  • Pseudo

    Das Präfix pseudo- macht kenntlich, dass etwas nicht echt, sondern nur nachgemacht oder nachgeahmt ist.

    Pseudo wird häufig abwertend genutzt, um auszudrücken, dass eine Person oder Sache nur dem Anschein nach jemand oder etwas ist bzw. sich den Anschein gibt, jemand oder etwas zu sein, es in Wirklichkeit jedoch nicht ist.

    Die Wortbildung mit Hilfe dieses Präfixes ist analog zu griechischen Vorbildern, wie zum Beispiel bei pseudoprophētēs (falscher Prophet) und geht zurück auf das griechische pseudēs (falsch, lügenhaft), beziehungsweise pseudos (Täuschung, Lüge).

    Das Wort Handy ist im Deutschen als Synonym für Mobiltelefon bekannt, Engländer jedoch können mit diesem pseudoenglischen Substantiv nichts anfangen.

    Auf der Veranstaltung tummelten sich mal wieder etliche Pseudoprominente, die es sich zum Ziel gemacht haben, möglichst viel vom Catering zu essen und für Pressefotos zu posieren.

    Damit die frische Naivität nicht die Kunden verschreckt, aber auch, damit die Frischlinge nicht von den Kunden verdorben werden, wird der Nachwuchs als Erstes auf die Produktion von Pseudo-Kampagnen für Pseudo-Kunden angesetzt.
    Ralf Grauel, Was Werbung treibt – Hoffnungslose Talente, Brandeins, 07/2005

  • Qualität

    Bildungssprachlich bezeichnet das Substantiv Qualität die Gesamtheit der charakteristischen, meist guten Eigenschaften einer Sache oder Person. Es handelt sich also um die Beschaffenheit, Klasse oder Güte von etwas. Nebst dieser Bedeutung bezeichnet Qualität auch die Klangfarbe eines Lautes in der Sprachwissenschaft.

    Qualität ist auf das lateinische qualitas (Beschaffenheit, Eigenschaft), zu qualis (wie beschaffen) zurückzuführen.

    Die Qualität des Essens hat seit dem Wechsel der Restaurantleitung stark abgenommen.

    Jeden Tag werden die Produkte stichprobenartig kontrolliert, um die Qualität zu sichern.

    Nun ist es nicht so, dass hierbei früher alles besser war, aber es war leichter zu unterscheiden, wenn die Qualität nicht stimmte. Das konnte man hören, sehen und spüren.
    Wolf Lotter, Die Geprellten, Brandeins, 10/2010