Das Substantiv Prokrustesbett (das) bezeichnet ein „starres Schema, in das etwas mit Gewalt hineingezwängt wird“.
Fast immer erscheint das Wort in der Wendung „jemanden oder etwas in ein Prokrustesbett zwängen“ (auch „pressen“ oder „zwingen“). Gemeint ist, eine Person, eine Idee oder eine Sache in ein enges Raster zu zwingen, das ihr eigentlich nicht entspricht.
Das Bild betont, dass die Anpassung gewaltsam geschieht und Schaden anrichtet. Häufig richtet sich der Vorwurf gegen starre Theorien, Vorschriften oder Kategorien, denen die Wirklichkeit untergeordnet wird, statt umgekehrt.
Der Ausdruck ist bildungssprachlich und wirkt heute etwas veraltend.
Hintergrund
Der Ausdruck stammt aus der griechischen Mythologie. Prokrustes war ein Bandit, der an der Straße nach Athen Reisende überfiel. Sein Name bedeutet etwa „der Strecker“ und spielt auf seine grausame Methode an.
Prokrustes bot den Reisenden ein Bett an und passte sie mit Gewalt an dessen Länge an. Wer zu groß war, dem hieb er die überstehenden Glieder ab. Wer zu klein war, den streckte er gewaltsam in die Länge.
Der Held Theseus bereitete dem Treiben ein Ende. Er tötete Prokrustes, indem er ihn auf dieselbe Weise behandelte, die dieser seinen Opfern zugedacht hatte.
Aus dieser Geschichte ist ein festes sprachliches Bild geworden. Das Prokrustesbett steht seither für jedes Schema, dem etwas gewaltsam angepasst wird.
Aussprache
Lautschrift (IPA): [pʀoˈkʀʊstɛsˌbɛt]
Verwendungsbeispiele
Die Forscherin weigerte sich, ihre Beobachtungen in das Prokrustesbett der bestehenden Theorie zu zwängen.
Starre Vorschriften pressten jeden Einzelfall in dasselbe Prokrustesbett.
Der Übersetzer klagte, die fremde Lyrik lasse sich nicht ohne Verlust in das Prokrustesbett der deutschen Grammatik zwingen.
Ein Freigeist fügt sich nur ungern in das Prokrustesbett vorgegebener Lebensläufe.
Historikerinnen und Historiker warnen davor, vergangene Epochen in das Prokrustesbett heutiger Maßstäbe zu pressen.
Was neu, was anstößig sein könnte, wird ins Prokrustesbett der Routine gezwängt.
– Die Zeit, 6. Mai 1977
Sprachen sind lebendige Gebilde und lassen sich nicht in ein Prokrustesbett spannen.
– Süddeutsche Zeitung, 22. Juli 2002
