Das Substantiv Moloch (der) bezeichnet „etwas, das ständig und unersättlich Opfer fordert“.
Gemeint ist meist eine übermächtige, unpersönliche Kraft, die immer neue Opfer verschlingt und scheinbar nie genug bekommt. Häufig wird das Wort auf Großstädte, den Straßenverkehr, den Behördenapparat oder das Kapital angewandt.
Das Bild trägt stets eine düstere, kritische Färbung. Wer von einem Moloch spricht, drückt Unbehagen aus: Etwas ist so groß und gefräßig geworden, dass der einzelne Mensch darin zu verschwinden droht. Geläufig sind Zusammensetzungen wie Verkehrsmoloch, Behördenmoloch oder Großstadtmoloch.
Hintergrund
Das Wort führt über das spätlateinische Moloch (so in der Vulgata und bei Luther) und das griechische Μολόχ auf das hebräische molek zurück. In der Hebräischen Bibel erscheint Moloch im Zusammenhang mit Kinderopfern. Im Buch Levitikus und im 2. Buch der Könige ist davon die Rede, dass Kinder „durch das Feuer“ gegeben wurden. Die biblischen Texte verurteilen diese Praxis aufs Schärfste.
Über Moloch selbst herrscht in der Forschung Uneinigkeit, und schon die Wörterbücher gehen auseinander. Die hebräischen Konsonanten m-l-k bedeuten eigentlich „König“ (melek). Nach einer verbreiteten Deutung, der etwa Pfeifer folgt, wurde dieser Königsname absichtlich entstellt, indem man ihm die Vokale eines Wortes für „Schande“ unterlegte. Aus dem „König“ sei so ein anrüchiger Götze geworden. Andere, darunter der Duden, halten Moloch ursprünglich gar nicht für einen Gottesnamen, sondern für die Bezeichnung einer bestimmten Opferart, die erst später als Name eines Gottes missdeutet wurde. Welche Erklärung zutrifft, ist nicht abschließend geklärt.
Im Deutschen ist Moloch seit dem 16./17. Jahrhundert bildlich gebräuchlich, zunächst für jede gierige, opferfordernde Macht. Die Vorstellung des menschenverschlingenden Götzen prägte sich tief in die europäische Kultur ein, etwa durch John Miltons Versepos Das verlorene Paradies, in dem Moloch als blutiger Höllenfürst auftritt.
Besonders wirkmächtig wurde das Bild im 20. Jahrhundert. In Fritz Langs Stummfilm Metropolis (1927) verwandelt sich eine riesige Maschine in der Vision der Hauptfigur in einen Moloch, in dessen Rachen die Arbeiterschaft geführt wird. Damit war die moderne Bedeutung anschaulich geworden: der Moloch als gefräßige Großstadt oder Maschinerie, die den Menschen verschlingt.
Aussprache
Lautschrift (IPA): [ˈmoːlɔx]
Verwendungsbeispiele
Kaum in der Hauptstadt angekommen, fühlte sie sich vom Moloch der Großstadt verschluckt.
Die Verwaltungsreform sollte den Moloch der Behörden verschlanken, ließ ihn am Ende aber noch weiter wachsen.
Jahr für Jahr frisst der wachsende Moloch aus Autobahnen und Zubringern neue Felder und Wälder.
Kritikerinnen warnen, der Konzern sei längst zu einem Moloch geworden, der kleinere Betriebe verschlingt.
In ihrem Roman erscheint der Krieg als Moloch, der eine ganze Generation junger Menschen fordert.
