Das Substantiv Traktat (das oder der) bezeichnet eine „meist kürzere, lehrhafte Abhandlung über ein bestimmtes Thema“ oder eine „religiöse beziehungsweise politische Flugschrift“.
Ein Traktat verfolgt in der Regel einen Zweck. Es will belehren, überzeugen oder für eine Sache werben. Darin unterscheidet es sich vom Essay, der einen Gedanken eher umkreist und dabei auch ästhetische Ansprüche verfolgt.
Die zweite Bedeutung meint eine kleine Schrift, die verteilt und nicht verkauft wird. Gemeint sind vor allem religiöse Erbauungs- und Werbeschriften, daneben auch politische Streitschriften. Die Verkleinerungsform Traktätchen ist für solche Texte gebräuchlich und deutlich abwertend gemeint.
Das Wort ist bildungssprachlich und klingt heute oft ironisch. Wer eine Wortmeldung als Traktat bezeichnet, hält sie meist für zu lang, zu belehrend und zu selbstgewiss. In der Wissenschaftsgeschichte dagegen ist der Ausdruck völlig wertfrei: Zahlreiche philosophische, theologische und kunsttheoretische Schriften des Mittelalters und der frühen Neuzeit sind als Traktate überliefert.
Beide Geschlechter sind korrekt, es heißt also das Traktat ebenso wie der Traktat. Veraltet ist die Verwendung im Sinne von „Staatsvertrag“, die man noch in historischen Texten findet.
Hintergrund
Das Wort wurde im 14. Jahrhundert aus dem lateinischen tractatus entlehnt, das „Behandlung“, „Erörterung“ und „Abhandlung“ bedeutet. Zugrunde liegt das Verb tractare, „behandeln, bearbeiten, untersuchen“. Dieses wiederum ist eine Verstärkungsform von trahere, „ziehen, schleppen“.
Am Anfang steht also ein sehr körperliches Bild: Wer ein Thema behandelt, zieht es gleichsam hin und her, bis es von allen Seiten betrachtet ist. Aus derselben Wurzel stammen im Deutschen das Verb traktieren, das den Weg vom Behandeln zum Malträtieren genommen hat, und der Traktor, wörtlich ein „Zieher“.
Im Mittellatein trat eine zweite Bedeutung hinzu: tractatus konnte auch „Sendschreiben“ und „Vertrag“ meinen. Darauf geht die heute veraltete deutsche Verwendung für Staatsverträge zurück. In derselben Bedeutung wurzeln das französische traité und das englische treaty.
Bis in die Gegenwart hat sich der Ausdruck vor allem in Werktiteln gehalten. Das bekannteste Beispiel des 20. Jahrhunderts ist Ludwig Wittgensteins „Tractatus logico-philosophicus“ von 1921, der die lateinische Form bewusst als Anspielung auf die gelehrte Tradition wählt.
Aussprache
Hörbeispiel:
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Lautschrift (IPA): [tʁakˈtaːt]
Verwendungsbeispiele
Die Philosophin fasste ihre Kritik am Fortschrittsglauben in einem knappen Traktat zusammen.
Vor dem Bahnhof verteilten Mitglieder der Gemeinde Traktate an Vorübergehende.
Aus der kurzen Stellungnahme wurde ein seitenlanges Traktat über den Verfall der Sitten.
Ein Traktat aus der Renaissance beschreibt, wie eine Fassade zu gliedern sei.
Der Autor verteidigt seine Thesen in einem polemischen Traktat.
