Das Adjektiv regressiv bedeutet „rückläufig, rückschrittlich“ oder „sich zurückentwickelnd“.
Wer eine Entwicklung regressiv nennt, sieht sie nach hinten laufen. Das Wort beschreibt einen Rückgang, einen Rückfall oder die Umkehr eines Fortschritts.
Im allgemeinen Sprachgebrauch klingt regressiv meist abwertend. Es ist das ausdrückliche Gegenwort zu progressiv und steht inhaltlich nahe bei reaktionär.
In den Fachsprachen ist das Wort dagegen oft wertfrei:
- In der Medizin heißt regressiv, dass sich ein Tumor oder ein Gewebe zurückbildet. Für die betroffene Person ist das eine gute Nachricht.
- Die Psychologie nennt ein Verhalten regressiv, wenn jemand in frühere, meist kindliche Muster zurückfällt.
- In den Wirtschaftswissenschaften gilt eine Abgabe als regressiv, wenn sie kleine Einkommen anteilig stärker belastet als große.
Auch Logik und Sprachwissenschaft kennen den Begriff. Ein regressiver Schluss geht von der Wirkung zur Ursache zurück. Von regressiver Assimilation spricht man, wenn sich ein Laut dem folgenden Laut angleicht, etwa in der gesprochenen Form „ambinden“ für „anbinden“.
Hintergrund
Das Wort geht auf das lateinische Substantiv regressus (Rückkehr, Rückgang) zurück, eine Ableitung zum Verb regredi (zurückgehen).
Das Adjektiv regressiv ist erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts belegt. Gebildet wurde es zum Substantiv Regress, vermutlich unter dem Einfluss des gleichbedeutenden französischen régressif.
Aussprache
Lautschrift (IPA): [ʁeɡʁɛˈsiːf]
Verwendungsbeispiele
Wer jede Neuerung ablehnt, wirkt schnell regressiv.
In der Debatte galt der Vorschlag vielen als regressiv, weil er hinter längst erreichte Standards zurückfiel.
Eine Verbrauchsteuer wirkt regressiv, weil sie kleine Einkommen anteilig stärker belastet als große.
Unter großem Druck fiel er in regressive Verhaltensmuster zurück und ließ alle Entscheidungen von anderen treffen.
Auf den Aufnahmen erkannte die Radiologin deutliche regressive Veränderungen des Gewebes.
Die Kritikerin warf dem Film eine regressive Sehnsucht nach einer verklärten Vergangenheit vor.
Der Soziologe deutete den Trend als regressive Antwort auf eine als überfordernd empfundene Gegenwart.
