• Parvenü

    Der Parvenü ist ein „Aufsteiger“, „Emporkömmling“ oder „Neureicher“.

    Als einen Parvenü bezeichnet man jemanden, der aus einfachen Verhältnissen heraus zu Reichtum gelangt ist. Als der Begriff im 18. und 19. Jahrhundert aufkam, fehlten einem solchen Emporkömmling in der Regel die Kultiviertheit und der Bildungsstand einer Person, die in eine wohlhabenden Familie geboren wurde. „Parvenü“ hatte also eine leicht abwertende Konnotation, die sich bis heute gehalten hat.

    Der deutsche Begriff stammt vom gleichbedeutenden französischen Begriff parvenu ab, substantiviert aus parvenir (emporkommen).

    Es ist einer dieser Clubs, wo die Parvenüs der Neuzeit sich selbst feiern. Nicht selten sieht man gerade diejenigen, die sich in den frühen Abendstunden noch Champagnerflaschen an den Tisch bestellten, später mit freiem Oberkörper auf Podesten tanzen.

    Anka Muhlstein verweist hier zu Recht auf das strukturelle Problem von Napoleons Herrschaft. Als Parvenü unter Europas Monarchen war er zum Erfolg verdammt. Ein Stehenbleiben, gar ein Rückzug wäre einer Niederlage gleichgekommen und hätte dem Nimbus seiner Unfehlbarkeit einen schweren Schlag versetzt.
    – Volker Ullrich (2008), Moskau war sein Schicksal, Die Zeit, 24.01.2008 Nr. 05.

  • Fait accompli

    Ein Fait accompli (das) ist eine vollendete Tatsache, also eine solche, die sich nicht ändern oder rückgängig machen lässt.

    Die Redewendung wurde unverändert aus dem Französischen übernommen und wird im Deutschen inzwischen recht selten verwendet.

    Die Insolvenz wurde den Mitarbeitern als Fait accompli präsentiert.

    Bei seinem verspäteten Eintreffen waren die Verhandlungen bereits abgeschlossen. So blieb ihm nichts anderes übrig, als sich dem Fait accompli zu fügen.

  • Euphemismus

    Ein Euphemismus ist ein beschönigender oder verharmlosender Ausdruck für etwas Unangenehmes, Anrüchiges oder Negatives. Ein Euphemismus ist also ein Hüllwort, das verwendet wird, um einen Sachverhalt sprachlich abzumildern.

    Der Ausdruck stammt vom gleichbedeutenden griechischen euphēmismós ab.

    Beispiele für Euphemismen gibt es viele in der deutschen Sprache.

    „Einschläfern“ beispielsweise ist ein Euphemismus für das absichtliche Vergiften eines Tieres (zu seinem eigenen Wohl, natürlich).

    „Nektar“ klingt beinahe göttlich, nach Nektar und Ambrosia, Speis und Trank im Olymp. Heutzutage ist der Begriff jedoch nur noch ein Euphemismus für mit ein wenig Saft vermischtem Zuckerwasser.

    Sicher kann man von „Rationalisierungsmaßnahmen“ und einem „flexiblen Arbeitsmarkt“ sprechen, wenn man sich denn dieser Euphemismen für die um sich greifende Rausschmeißkultur bedienen will.

  • etablieren

    Das Verb etablieren bedeutet:

    • Etwas einrichten oder realisieren.
    • Ein Geschäft oder Unternehmen gründen (veraltet).
    • Einen sicheren Rang innerhalb der Gesellschaft oder einer bestimmten Gruppe einnehmen.
    • Sich häuslich einrichten.
    • Sich als Geschäftsperson niederlassen.

    In der Regel sprich man von sich etablieren oder etwas etablieren.

    Der Begriff geht auf das französische Verb établir (aufbauen, einnehmen, errichten) zurück, welches auf dem lateinischen Verb stabilire (befestigen, sichern, stärken) beruht.

    Ich möchte gerne schlankere Prozesse im mittleren Management unseres Unternehmens etablieren.

    Sie konnte sich trotz aller Widerstände in der Führungsetage ihrer Firma etablieren.

    Er spielte mit dem Gedanken, sich im Haus seiner Freundin zu etablieren. Um sich heimisch zu fühlen, dekorierte er direkt das Wohnzimmer neu.

    Da ihm indes das Geschäftsleben wenig zusagte , so gab er seinen Beruf auf und etablierte sich 1852 in der Dogenstadt als Privatlehrer. – Brümmer, Franz: Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Bd. 3. 6. Aufl. Leipzig, 1913.

  • pekuniär

    Das bildungssprachliche Adjektiv pekuniär bedeutet „finanziell“ oder „geldlich“. Ein passendes Synonym wäre das analog verwendete monetär.

    Entlehnt wurde der Begriff aus dem Französischen: pécuniaire (finanziell). Dessen Ursprung liegt hingegen im lateinischen Wort pecuniarius (Geldgeschäft).

    Aufgrund meiner heiklen pekuniären Lage ist es mir nicht möglich, eine stadtnahe Wohnung mit ausreichendem Platz zu bewohnen.

    Wie gut jemand pekuniär aufgestellt ist, zählt für sie weit weniger als die charakterlichen Qualitäten des Menschen.

    Trotzdem streifen dieser Tage fiebrige Kunstsammler durch die Basler Messehallen und setzen ihre Unterschriften unter millionenschwere Kaufverträge. Man kann nur hoffe, dass sie von anderen als pekuniären Interessen getrieben sind. – Matthias Daum, Investoren, Finger weg!, Zeit online 13.06.2013

  • Orkus

    Orkus (bzw. Orcus) war laut römischer Mythologie der Herrscher der Unterwelt. Im Deutschen dient der Orkus als Synonym für die Unterwelt respektive das Reich der Toten.

    Etwas weniger dramatisch kann der metaphorische Abgrund gemeint sein, auf den jemand oder etwas zusteuert. In diesem Sinne spricht man gerne davon, etwas im Orkus zu versenken.

    Umgangssprachlich und seltener wird der Begriff auch als Synonym für „Toilette“ gebraucht.

    Der Begriff wurde aus dem Lateinischen übernommen.

    Ende der Woche – so die mutmaßliche Prophezeiung der Mayas – wird die ganze Welt im Orkus versinken.

    Die Investoren kehrten zurück. Die Staatsschuld halbierte sich auf den Traumwert von heute 46 Prozent der Wirtschaftsleistung (die Griechen sind bei 108 Prozent).

    Der Staatsbankrott muss also nicht in den Orkus führen. Aber bis dahin werden noch einige Euros in der Ägäis versinken.
    Joffe (2010), Euros in die Ägäis, DIE ZEIT, 29.04.2010 Nr. 18.

  • filibustern

    Das Verb filibustern bedeutet „Zeit schinden“ oder „hinauszögern“.

    Es wird vor allem in der Politik verwendet, um ein ausschweifendes, marathonartiges Reden zu beschreiben, mit dem unangenehme Dinge, wie Entscheidungen oder Abstimmungen, hinausgezögert oder zu verhindern versucht werden.

    Seinen Ursprung findet filibustern im englischen Verb to filibuster, welches anhand des Substantivs filibuster (Flibustier) herzuleiten ist. Das Substantiv wurde durch westindische Seeräuber der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts geprägt und bezeichnet somit Freibeuter.

    Vor allem Minderheitsparteien der USA bedienen sich dem üblichen Mittel des Filibusterns, um Entscheidungen im Senat zu verhindern.

    Ihre Taktik ist es, so lange zu filibustern, bis das Publikum den eigentlichen Anlass der Rede verdrängt hat und somit hoffentlich niemand ihre komplette Ahnungslosigkeit bemerkt.

    An der französischen Schule hat sich keiner für das Zeugnis interessiert. Die hatten andere Sorgen. Die waren einfach nur glücklich über den neuen Aushilfslehrer, da oben im Norden. Am Ende des Jahres konnte ich parlieren, charmieren, mich echauffieren, sautieren und filibustern, dass es eine helle Freude war.
    Harald Martenstein, „Ich habe niemals gelogen. Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort“, ZEITmagazin, 10/2011

  • tendenziös

    Das Adjektiv tendenziös bedeutet „befangen“, „voreingenommen“, „vorurteilsvoll“. Der Gebrauch ist meist abwertend. Passende Gegenworte sind etwa „objektiv“ oder „sachlich“.

    Tendenziös können vor allem in der Öffentlichkeit getätigte Aussagen sein, zum Beispiel im Rahmen eines Fernsehberichtes, eines Zeitungsartikels oder einer Rede. Berichterstattung ist tendenziös, wenn sie parteiisch ist, eine bestimmte Absicht verfolgt oder eine bestimmte Meinung vertreten wird, häufig unter dem Deckmantel vorgegaukelter Objektivität.

    Der Begriff leitet sich aus dem lateinischen tendere (u.a. sich angezogen fühlen) ab

    Der Artikel ist ob seines tendenziösen Untertons kaum mehr ernstzunehmen.

    Seine tendenziösen Äußerungen werden von der Regenbogenpresse gerne in reißerische Schlagzeilen verwandelt.

    Der Witz ist das eine Mal Selbstzweck und dient keiner besonderen Absicht, das andere Mal stellt er sich in den Dienst einer solchen Absicht; er wird tendenziös.
    – Sigmund Freud (1905), Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten.

    Obwohl Nachrichtenmedien wie die New York Times oder die Washington Post eine strenge personelle Trennung der Meldungs- und Meinungsressorts betreiben, wird ihnen immer wieder von konservativen Gegenmedien vorgeworfen, sie berichteten tendenziös.
    Oskar Piegsa (2009), Rechte Erfolge im Medienkrieg, Zeit-Online 22.01.2009.

  • quo vadis?

    Der bildungssprachliche Ausdruck quo vadis wird meist als Ausdruck der Skepsis und Besorgnis verwendet. Dem entsprechend bedeutet er so viel wie „Wohin wird das führen?“ oder „Wie soll das weitergehen?“

    Die Phrase stammt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich übersetzt „wohin gehst du?“. Sie findet ihren Ursprung im Johannesevangelium 13, 37 in einem Gespräch zwischen Simon Petrus und Jesus.

    Als er die Ereignisse des letzten Jahres Revue passieren ließ, wurde er nervös und überlegte – quo vadis? Wird er seine Erfolge noch steigern können, oder wird er irgendwann auf den harten Boden der Realität zurückgeholt werden?

    Die Konferenz steht ganz unter dem Motto: quo vadis? Die Teilnehmer sollen Konzepte erarbeiten, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern.

    Wie wird das Europa der Zukunft aussehen?, drängeln Eltern, Lehrer, Intellektuelle. Mit dem immer gleichen zukunftsnostalgischen Heimwehgesicht spulen sie ihre zum Klischee verkommenen Fragen ab: In was für einem Europa wollen wir leben? Wo bleiben Grenzen, Identität, das Narrativ? Erinnerungsorte, die Öffentlichkeit, der geteilte kulturelle Raum? Quo vadis, Europa?
    Nina Petrus, Mantras und Mahnungen, Die Zeit, 02/2014

  • sakrosankt

    Das Adjektiv sakrosankt bedeutet „unantastbar“ beziehungsweise „unverletzlich“. Es beschreibt unveränderlich festgesetzte, nicht anzweifelbare Tatsachen, Regeln, Prinzipien und ähnliches.

    Ursprung des Begriffs ist das lateinische sacrosanctum, welches die Unantastbarkeit einer Person zur Zeit der römischen Republik und in der römischen Kaiserzeit meinte und somit deren körperliche Unversehrtheit sicherstellen sollte. Zunächst waren die Volkstribunen als politische Vertreter der Plebejer sakrosankt, vor allem, um sie vor Übergriffen der Oberschicht zu schützen. Der Mechanismus dazu war denkbar einfach: Jemand, der einen Volkstribun körperlich angriff, konnte vom Volk auf der Stelle und ohne Prozess hingerichtet werden. Nach dem Ende der römischen Republik, d.h. zur Zeit des Prinzipats, war die sacrosanctitas zudem Bestandteil des Kaiseramtes.

    Im Laufe der Zeit wurde der Begriff ausgeweitet, beschrieb so zunächst die Unanzweifelbarkeit christlicher Lehren und verlor in seiner heutigen allgemeinen Bedeutung schließlich auch den religiösen Bezug.

    Die lange Zeit als sakrosankt geltende Behauptung wurde schließlich doch in Frage gestellt.

    Viele Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika empfinden das Recht auf Waffenbesitz als sakrosankt.

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