• a priori

    A priori bedeutet im deutschen Sprachgebrauch heute „von vornherein“ oder „grundsätzlich“.

    Der Begriff kann etwa gebraucht werden, wenn man ohne weitere Beweise und von vornherein ein Urteil trifft. Insbesondere findet der Begriff auch in der Philosophie Verwendung. Hier bedeutet eine Aussage a priori zu treffen, dass diese ohne tatsächliche Erfahrung, sondern durch bloßes Nachdenken und logische Schlussfolgerung erreicht wurde.

    Seinen Ursprung findet der Ausdruck im lateinischen prior (Vorfahre, Vorgänger).

    Es ist in diesem Fall schwer, a priori eine Entscheidung zu treffen. Man sollte die Idee daher zunächst im kleinen Rahmen testen, bevor man sie generell für gültig erklärt.

    Wir schließen a priori aus, uns mit dieser Frage auch nur zu beschäftigen, um unsere Ablehnung der theoretischen Grundlagen zu bekräftigen.

    A priori ist das kein Widerspruch, wenn der Fall dann aber tatsächlich eintritt, muss man auf alles gefasst sein.

  • avisieren

    Das Verb avisieren bedeutet „ankündigen“. Avisiert werden kann etwa ein bevorstehendes Ereignis. Speziell im wirtschaftlichen Sprachgebrauch wird das Eintreffen von Personen, Dingen und Veränderungen avisiert.

    Seinen Ursprung hat der deutsche Begriff im gleichbedeutenden französischen aviser.

     Er hatte für die gesamte Abteilung eine üppige Bonuszahlung avisiert, konnte das Versprechen aber nach Beginn der Finanzkrise nicht mehr einlösen.

    Nachdem die geplatzte Bonuszahlung – nebst anderen nicht erfüllten Erwartungen – das Arbeitsklima nachhaltig verschlechtert hatte, wurde der Abteilung ein Führungswechsel binnen einer Woche avisiert.

    Die von der Bundesregierung avisierte Einführung der LKW-Maut wurde wieder und wieder verschoben.

  • Syntax

    Der Begriff Syntax (die) kommt aus der Sprachwissenschaft und meint:

    • Ein Teilgebiet der Grammatik: die Lehre vom Bau des Satzes bzw. die Satzlehre.
    • Die in einer Sprache übliche Verbindung von Wörtern zu Wortgruppen, Phrasen und Sätzen.

    Die Herkunft des Substantivs liegt im griechischen sýntaxis (Zusammenstellung), welches sich aus den Wörtern sýn (zusammen) und táxis (Ordnung) zusammensetzt.

    Nutzt man den Service Google Translate, um komplette Sätze in eine andere Sprache zu übersetzen, führt dies meistens zu einer fehlerhaften Syntax.

    „Tragen einen Helm du sollst“ – so würde es Yoda formulieren, der 900 Jahre alte Geistesriese von Zwergenwuchs aus den Star Wars-Filmen, der allein mit der Kraft seiner Gedanken deutsche Syntax zerstören kann.
    Peter Dausend, Möge der Helm mit dir sein!, Zeit online, 4. Juni 2015

  • Minorität

    Das Substantiv Minorität (die) bedeutet „Minderheit“, „Minderzahl“ oder „Randgruppe“. Eine Minorität ist ein zahlenmäßig unterlegener Teil einer Gruppe, der sich durch kulturelle oder personale Andersartigkeit im Vergleich zur Mehrheit definiert.

    Diese Andersartigkeit kann etwa beruhen auf:

    • kultureller Identität
    • sexueller Identität
    • politischen Ansichten
    • Moralvorstellungen
    • Sprache
    • Religion
    • sozialem Status

    Das Antonym zu Minorität ist Majorität.

    Entlehnt wurde der Begriff aus dem Französischen. Minorité (Minderheit) geht derweil auf das gleichbedeutende mittellateinische minoritas zurück.

    Die Befürworter für eine umweltfreundlichere Lebensweise befinden sich trotz steigender Gesundheitsschäden und Wetterextreme immer noch in der Minorität.

    Die Frage lautet: „Wenn du Tor unterstützt, unterstützt du dann sowohl Whistleblower, verfolgte Minoritäten und Aktivisten in Bürgerkriegsländern als auch Kinderpornohändler und Dealer?“ – Clemens Setz, Deep Net – Die Tiefe, Zeit online, 04. Juli 2013

  • kosmopolitisch

    Das Adjektiv kosmopolitisch bedeutet:

    • „Weltoffen“, „weltbürgerlich“, „weltgewandt“ und beschreibt Menschen, die „sich überall zu Hause fühlen“.
    • In der Biologie: Tier- und Pflanzenarten, die über die ganze Welt verbreitet sind.
    • Im kommunistischen Sprachgebrauch abwertend: den Kosmopolitismus (Streben der imperialistischen Großmächte nach Weltherrschaft) vertretend.

    Der Begriff leitet sich vom altgriechischen kosmopolítēs (Weltbürger, jemand, der über den Stadtstaat hinausdenkt) ab, welches sich aus kósmos (Weltanschauung, Weltall, Universum) und polítēs (Bürger) zusammensetzt.

    In der globalisierten Welt hat ein kosmopolitischer Mensch mannigfaltige Möglichkeiten der Lebensgestaltung und ist in der Lage, über Grenzen hinweg Kontakte zu knüpfen und nach seinem Gusto zu leben.

    Durch die intensive Impfkampagne der WHO konnte der kosmopolitische Krankheitserreger der Pocken bekämpft und die Krankheit 1980 für ausgerottet erklärt werden.

    Er selbst sprach lesend mit den Toten, er brachte sie für andere zum Sprechen, Kant etwa, er hielt dessen Idee einer kosmopolitischen Weltregierung nicht für veraltet. – Elisabeth von Tadden, So golden glüht Europa, DIE ZEIT Nr. 8/2016, 15. Februar 2016

  • soigniert

    Das Adjektiv soigniert bedeutet „gepflegt“, „kultiviert“, „vornehm“.

    Als soigniert können in erster Linie Personen – vor allem ältere Herren, die eine gewisse Reife ausstrahlen – bezeichnet werden. Seltener wird der Begriff zum Beschreiben von Dingen (wie etwa Einrichtungsgegenständen) oder Architektur verwendet.

    Der Ursprung des Wortes liegt im französischen  soigner (pflegen, sorgfältig behandeln).

    Ein auffallend elegant gekleideter Herr betrat den Saal. Nicht wenige Blicke folgten seiner soignierten Erscheinung.

    Aber der Admiral a. D ist nur ein Totschläger, der im traditionellen, jetzt zivilen Dunkelblau, grauhaarig, soigniert, als freier Mann den Gerichtssaal verließ.
    Conli (1966), Tod aus Tradition, DIE ZEIT, 4.3.1966 Nr. 10.

  • Normativ

    Das bildungssprachliche Adjektiv normativ meint, dass etwas als Maßstab oder Norm dient. Eine normative Aussage ist also eine Anweisung, ein „so sollte es gemacht werden“. Die Anweisung kann implizit oder explizit sein.

    Synonyme sind etwa „maßgebend“, „verpflichtend“ oder „wegweisend“.

    Der Begriff leitet sich vermutlich aus dem lateinischen Substantiv „norma“ (Winkelmaß, Richtschnur, Regel, Vorschrift) ab.

    Beispiele für normative Aussagen:

    • Man sollte täglich 6-8 Stunden schlafen. (Explizit: Schlafen Sie X Stunden pro Nacht!)
    • 5 Stunden Schlaf pro Nacht sind nicht genug. (Impliziert: Schlafen Sie mehr als 5 Stunden!)

    Das Gegenwort zu normativ ist „deskriptiv„, also „beschreibend“. Eine deskriptive Aussage beschreibt einen Sachverhalt lediglich, gibt aber keine Anweisung.

    Beispiel für eine deskriptive Aussage:

    • Deutsche schlafen im Schnitt 6,5 Stunden pro Nacht. (Keine Anweisung. Anmerkung: Zahl ist aus der Luft gegriffen)

    Verwendungsbeispiele „normativ“:

    Auch umfassende Analysen reichen nicht aus, um einen Veränderungsprozess anzustoßen, wenn aus ihnen keine normativen Erkenntnisse abgeleitet werden können.

    „The pursuit of market share is not a strategy in itself.“ Damit sind wir bei zwei Grundfehlern von Managementmoden, dem Normativierungsdrang und dem Benchmark-Irrtum. Der Normativierungsdrang besteht darin, zwanghaft analytische Kategorien in normative Rezepte umzufunktionieren.

    Franz Liebl, Kolumne – Schneller wachsen, jünger sterben, Brandeins, 03/2003

     

  • Fasson

    Die Fasson ist im eigentlichen Sinne die Passform oder der Schnitt von Kleidungsstücken. Der Begriff kann weiterhin die normale Körperform einer Person beschreiben. Auf abstrakter Ebene kann die Fasson, nahe an der ursprünglichen lateinischen Bedeutung, auch die persönliche Auffassung oder Verfahrensweise einer Person sein, etwa ethische oder religiöse Fragen betreffend.

    Abgeleitet ist Fasson vom gleichbedeutenden französischen façon und geht zurück auf das lateinische factio (das Verfahren).

    Er ist aufgegangen wie ein Hefekloß, vollkommen aus der Fasson geraten.

    Das Hemd hat eine sehr schmale, körperbetonte Fasson.

    Nach seiner eigenen Fasson glücklich zu werden ist ein guter Plan für ein erfülltes Leben.

  • subaltern

    Das Adjektiv subaltern wird kategorisierend oder abwertend genutzt, hat also mehrere Bedeutungen:

    • Nur einen untergeordneten Rang einnehmend (vor allem bei Beamten).
    • Mit beschränkten Entscheidungsbefugnissen ausgestattet.
    • Geistig unselbstständig bzw. auf einem niedrigen geistigen Niveau stehend.
    • Unterwürfig, devot.

    Der Begriff hat seinen Ursprung im spätlateinischen subalternus (untergeordnet), zusammengesetzt aus sub (unten, unter) und alternus (abwechselnd, gegenseitig).

    Bevor man Menschen mit Entscheidungsgewalt antrifft, muss man sich mit Beamten in subalternen Positionen auseinandersetzen.

    Und unendlich erleichtert. Zum ersten Mal seit vielen Jahren wich der subalterne Krampf aus seinem Rücken, der den Nacken verspannte und die Schultern immer devoter gewölbt hatte, und er stand ohne Anstrengung aufrecht, gelöst und frei und freute sich. – Patrick Süskind, Das Parfum, Zürich: Diogenes 1985, S. 86

  • Latenz

    Das Substantiv Latenz (die) bedeutet „Verstecktheit“, „Verborgenheit“ und beschreibt das Vorhandensein einer (noch) nicht sichtbaren Sache.

    Darüber hinaus meint Latenz im übertragenen Sinne die Zeit zwischen einem Reiz und der daraus folgenden Reaktion. In der Technik wird häufig auch das Synonym Signallaufzeit verwandt.

    Zu guter Letzt wird der Begriff in der Medizin genutzt, um das zeitweilige Verborgensein einer Krankheit in der symptomfreien Zeit zu beschreiben.

    Ursprung des Begriffs liegt im lateinischen latens (verborgen).

    Bei Onlinespielen haben Nutzer häufig mit dem Problem der Latenz zu kämpfen, wenn ihre Eingaben nicht zeitnah von den Servern verarbeitet werden und anderen Spielern daraus ein Vorteil entsteht.

    Ansteckende Krankheiten sind besonders dann gefährlich, wenn die Phasen der Latenz sehr lang sind und Infizierte somit oft unwissentlich Mitmenschen anstecken.

    Der Kalte Krieg hatte die archaischen Feindschaften in dem künstlichen Staatsgebilde Jugoslawiens in der Latenz gehalten, jetzt brechen sie aus. – Ijoma Mangold, Die Putzfrau der Gewalt, Zeit online, 30. Januar 2014

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