• matrimonial

    Das Adjektiv matrimonial bedeutet „zur Ehe gehörend“ oder „ehelich“. Hauptsächlich genutzt wird der Begriff in der Rechtssprache, gilt indes allerdings als veraltet.

    Als alternative Schreibweise gilt matrimoniell.

    Der Begriff ist auf das lateinische matrimonialis (ehelich) zurückzuführen.

    Nicht nur Reiche und Stars sichern vor dem Eintritt in das Eheleben ihre matrimonialen Rechte und Pflichten mit einem Ehevertrag ab.

    Jedenfalls hat Liselotte niemals romantische Vorstellungen bezüglich des matrimonialen Lebens gepflegt: die Ehe werde im Himmel beschlossen, glaubte sie schon als Mädchen.

  • intuitiv

    Das Adjektiv intuitiv bedeutet „auf einer Vermutung beruhend“, „unterbewusst“ oder umgangssprachlich „aus dem Bauch heraus“. Intuitive Entscheidungen oder Urteile werden also gefühlsmäßig getroffen.

    Der Ursprung des Wortes liegt im lateinischen intuitus (Beurteilung, Blick), welches über das französische intuitif (intuitiv) in den deutschen Sprachgebrauch gelang.

    Er konnte mir keine konkreten Argumente liefern, warum er sich der AfD anschloss. Die Entscheidung sei ganz intuitiv gefallen.

    Auf dem Weg nach Hause durch den dunklen Park wurde ihr ganz mulmig zumute. Intuitiv spürte sie eine latente Gefahr im Unterholz lauern.

    „Viele Menschen sehen, dass die Ursachen der Staatsschuldenkrise in der Breite noch nicht gelöst sind. Sie misstrauen der Geldflut der EZB intuitiv und suchen Schutz in Sachwerten“, sagte Krämer.
    Chefvolkswirt Krämer: EZB-Geldpolitik facht Häuserpreise an, Zeit Online, 12. März 2016

  • fundamentalistisch

    Das Adjektiv fundamentalistisch beschreibt Personen oder Gruppen, die unnachgiebig an ihren ideologischen oder religiösen Grundsätzen festhalten. Auf diesen Grundsätzen basiert ihr Handeln, auch im politischen Sinne, und nur danach wird es ausgerichtet.

    Im weiteren Sinne fordern fundamentalistische Gruppierungen ein Wiederaufgreifen der Wurzeln von bestimmten Ideologien oder Religionen und stellen sich damit gegen die vorherrschende Lebensweise der Moderne.

    Der Ursprung des Begriffs liegt im englischen fundamentalism (Fundamentalismus), abgeleitet von fundamental (grundlegend, wesentlich).

    Fundamentalistisch ist dabei nicht zu verwechseln mit dem Adjektiv fundamental.

    Gruppen fundamentalistischer Christen könnte man vereinfacht auch als bibeltreu bezeichnen, da sie der Bibel absolute Irrtumslosigkeit attestieren.

    In der Zeit der Globalisierung führen fundamentalistische Sichtweisen notgedrungen zu Konflikten, da sie Toleranz und interkulturellem Austausch keinen Platz lassn.

    Woher kommen dann solche Ängste? „Vor dem Fremden, das man nicht kennt, hat man eben Angst“, sagte der Grünen-Politiker. „Und leider haben es fundamentalistische Strömungen geschafft, dass öffentliche Bild des Islams zu dominieren und zu verzerren.“ – Kretschmann: Angst vor Islamisierung Deutschlands unbegründet, Zeit Online, 1. Januar 2016

  • reüssieren

    Das Verb reüssieren bedeutet „Anerkennung finden“, d.h. mit etwas die Achtung eines Publikums zu erringen und somit Erfolg zu haben.

    Der Begriff wurde aus dem französischen réussir (Erfolg haben, gelingen) entlehnt.

    Nach Jahren des Scheiterns reüssierte er endlich.

    Mit dem skandalösen Buch reüssierte sie nur bei den deutschen Lesern. Der erhoffte weltweite Erfolg blieb aus.

    Ihr neues Album reüssierte in den Charts.

  • retrospektiv

    Das Adjektiv retrospektiv bedeutet „rückblickend“ und beschreibt damit ein Bezugnahme auf vergangene Zeiten.

    Der Begriff leitet sich ab aus einer Verbindung der lateinischen Ausdrücke retro (rückwärts, zurück) und spectare (schauen, betrachten).

    Bei der retrospektiven Beurteilung des Vorgehens wurden einige Unregelmäßigkeiten festgestellt.

    Ich habe retrospektiv erkannt, was ich an ihr hatte.

  • Enfant terrible

    Ein Enfant terrible ist das sprichwörtliche „Schwarze Schaf“ auf einem Gebiet, in einer Gruppe oder in einer Familie, teils jedoch ohne die besondere negative Note. Eine Person also, die sich provokant über geltende Konventionen hinwegsetzt und damit oft aneckt oder sogar schockiert, möglicherweise aber auch als Draufgänger bewundert wird, Neues versucht und so zum Fortschritt zwingt.

    Der Ausdruck stammt aus dem Französischen und bedeutet wörtlich übersetzt „schreckliches Kind“.

    Seinem Ruf als Enfant terrible der Theaterszene nachkommend, war auch seine neueste Inszenierung so provokant und jenseits des guten Geschmacks, dass ein Teil der Zuschauer schon vor Ende der Vorstellung den Saal verließ.

    Auch vor dem Halbfinale gegen Deutschland blicken alle auf Mario Balotelli, die „Skandalnudel“, den „Bad Boy“, das „Enfant terrible„. Er ist wohl der einzige Spieler des Turniers, der nicht an seinen sportlichen Leistungen, sondern seinen Eskapaden gemessen wird.
    Eike Kühl (2012), Der Anarchist mit dem Hahnenkamm, ZEIT online.

  • verbos

    Das Adjektiv verbos bedeutet „wortreich“, „weitschweifig“. Der Begriff ist mittlerweile veraltet und wird kaum noch verwendet.

    Weitere Synonyme wären „ausführlich“ und „erschöpfend“.

    Der Ursprung des Begriffes liegt im lateinischen verbosus (wortreich), von verbum (Wort, Wortlaut).

    Aufgrund verboser Reden von Politikern ist es für den Otto-Normal-Bürger oft schwierig, die Intention der Politik nachzuvollziehen.

    Hör mir doch mal zwei Minuten zu, anstatt mich nur verbos vollzuschwafeln! Bei dir kommt man ja gar nicht zu Wort.

  • biblioman

    Das Adjektiv biblioman ist ein Begriff der Psychologie und bedeutet „krankhaft bücherliebend“.

    Die Liebe zu Büchern ist bei den betroffenen Personen so stark ausgeprägt, dass Kennzeichen einer Sucht erkennbar sind oder sie sogar zu kriminellen Handlungen getrieben werden. So wiesen vor allem Angehörige des Klerus und Adels im 18. und 19. Jahrhundert bibliomane Züge auf. Der Pfarrer Johann Georg Tinius gilt als erster bekannter Bibliomane in Deutschland. Er verübte während des 19. Jahrhunderts mehrere Raubmordversuche und veruntreute Kirchengelder, um seinen Sammelwahn zu finanzieren.

    Der Ausdruck biblioman stammt aus dem Griechischen und ist zurückzuführen auf die Substantive biblion (Buch) und mania (Wahn).

    Die überfüllten Bücherregale im Wohnzimmer lassen auf bibliomane Bewohner schließen.

    Viele Gleichaltrige machen sich über die 15 jährige, bibliomane Schülerin lustig und sprechen sie nur noch mit „Leseratte“ an. Für die Mitschüler ist es unbegreiflich, warum sie ihre geliebten Bücher den generationsprägenden Partys, Youtube-Channels und Facebook-Chats vorzieht.

    Nach Erkenntnis der Medizin können Bücher krank machen. Die Sucht erzeugen, Buchrücken um sich zu haben. Das einchlägige Lexikon „Literatur und Medizin“ nennt als Symptome für „die bibliomanische Suchterkrankung“ : Verlust der rationalen Kontrolle über die benötigte und realistisch nutzbare Menge an Büchern. Verzicht auf Nahrungsaufnahme und Schlaf. Beschaffungskriminalität.
    Lucas Wiegelmann, Wie Michael F. der Begierde nach 24.000 Büchern erlag, Die Welt, 06.03.2012

  • Nepotismus

    Nepotismus (der) bedeutet „Vetternwirtschaft“. Vetternwirtschaft bzw. Nepotismus ist die bevorzugte Behandlung von Freunden und Verwandten bei wirtschaftlichen Entscheidungen, etwa bei der Auswahl neuer Mitarbeiter, der Besetzung politischer Posten, der Vergabe von Aufträgen und finanziellen Mitteln etc. Dabei tritt die Frage, ob der Begünstigte überhaupt geeignet ist, in den Hintergrund.

    Der Begriff hat seinen Weg ins Deutsche über das gleichbedeutende italienische nepotismo gefunden. Vgl. auch lateinisch nepos (Neffe).

    Nepotismus ist gerade in dieser Branche weit verbreitet. So haben es Neu- und Quereinsteiger oft schwer, Fuß zu fassen.

    In den Vereinigten Staaten gibt es ein Anti-Nepotismus-Gesetz. Personen im öffentlichen Dienst ist es verboten,  Posten mit Familienmitgliedern zu besetzen. Es gilt ausdrücklich auch für den Präsidenten.

  • indifferent

    Das Adjektiv indifferent bedeutet „gleichgültig“, „unbestimmt“, „teilnahmslos“ oder „unentschieden gegenüber mehreren Möglichkeiten“.

    Darüber hinaus wird der Begriff in der Chemie bzw. Medizin verwendet. Hier beschreibt indifferent Stoffe ohne spezifische Wirkung. Häufig wird auch das Synonym „neutral“ genutzt.

    Über das gleichbedeutende, französische indifférent, welches auf das lateinische indifferens (sich nicht unterscheidend, gleichgültig) zurückgeht, gelang das Adjektiv im 17. Jahrhundert in den deutschen Sprachgebrauch.

    In politischen Diskussionen wirke ich des Öfteren indifferent, da mir die nötigen Informationen fehlen, um mir eine konkrete Meinung zu bilden.

    In einer Versuchsreihe für neue Medikamente werden neben dem wirklichen Medikament auch Placebos ausgegeben. Diese werden aufgrund der enthaltenen, indifferenten Stoffe oft auch als Leerpräparate bezeichnet.

    Einige Studien stellten einen positiven Zusammenhang fest zwischen dem Anteil der Frauen in Führungspositionen in einem Unternehmen und seinen wirtschaftlichen Kennzahlen. Andere Studien widerlegten dies – und wieder andere seien völlig indifferent.
    Tina Groll, Debatte über Frauenquote verändert in Chefetagen wenig, Zeit Online, 21. Januar 2015

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