• inkludieren

    Das Verb inkludieren bedeutet „einschließen“ oder „beinhalten“ und wird in der Fachsprache oder im österreichischen Sprachgebrauch verwendet.

    In Verkaufsgesprächen oder Verträgen wird häufig die Phrase „Transportkosten sind im Preis inkludiert“ oder ähnlich verwendet. Das stellt klar, dass dem Kunden keine weiteren Kosten für die vereinbarte Leistung entstehen.

    Als weitere Synonyme gelten „implizieren“ oder „umschließen“; siehe auch: Inkluse.

    Der Ursprung des Wortes liegt im lateinischen Verb includere (einschließen, einsperren).

    In Hamburg ist die Überfahrt per Fähre von den Landungsbrücken zum Theater am Hafen im Ticketpreis für „Der König der Löwen“ inkludiert, so dass man nicht zur Vorstellung schwimmen muss.

    Gemäß den Bestimmungen der UEFA, die sich insbesondere aus den in den letzten Jahren verschärften Sicherheitsvorkehrungen ergeben, dürfen Reiseveranstalter keine Eintrittskarten in Pauschalreisen inkludieren.
    – Auf die Plätze!, Der Tagesspiegel, 04.01.2004

  • prokrastinieren

    Das Verb prokrastinieren bedeutet „aufschieben“, „vertagen“ und meint das unnötige und hinderliche Verschieben von wichtigen Aufgaben oder Vorhaben auf einen späteren Zeitpunkt.

    Es ist ausdrücklich nicht das legitime Vertagen aufgrund äußerer Umstände gemeint. Stattdessen geht es um Bequemlichkeit oder fehlenden Überblick und daraus resultierende erdrückende Komplexität der Aufgabe. Darum hat der Begriff einen entsprechend negativen Beiklang.

    Der Begriff leitet sich aus dem lateinischen procrastino (vertagen) ab, zusammengesetzt aus pro– (für) und cras (morgen), bzw. crastinum (der morgige Tag).

    Wichtige Aufgaben zu prokrastinieren ist nicht nur unter Schülern und Studenten ein beliebter Volkssport, sondern auch unter der arbeitenden Bevölkerung weit verbreitet. Selbst die Redaktion von neueswort.de macht da keine Ausnahme, weshalb das tägliche Fremdwort auch manchmal ausfällt.

    »Meine italienische Großmutter pflegte zu sagen: Manche Menschen verlassen den Strand erst, wenn ihnen das Wasser bereits an den Hintern klatscht. Und was tun wir? Wir helfen ihnen und verrücken das Handtuch für sie. Das bedeutet, dass wir es vielen erst ermöglichen zu prokrastinieren. Wir lassen sie davonkommen.«
    Joe Ferrari (2007), Psychologe an der DePaul University in Chicago.

  • konstatieren

    Das Verb konstatieren bedeutet „ermitteln“, „wahrnehmen“ oder „feststellen“.

    Mit Abstand am häufigsten wird konstatieren als Synonym zu „feststellen“ gebraucht. In diesem Sinne meint der Begriff also, eine Tatsache zu erkennen und in der Regel auch zu äußern, d.h. laut auszusprechen.

    In den deutschen Wortschatz wurde der Begriff aus dem gleichbedeutenden französischen constater entlehnt, welches auf das lateinische constare (bekannt sein, feststehen) zurückgeht.

    Nach einem Blick auf die Quartalszahlen konstatierte er die positive Entwicklung des Unternehmens.

    Sie konstatierte, ein verschwenderischer Umgang mit Steuergeldern habe zu der politischen Vertrauenskrise beigetragen.

    Das Gericht konnte nur noch eine unzureichende Beweislage konstatieren und die Angeklagte in allen Punkten freisprechen.

  • Hasardeur

    Ein Hasardeur ist jemand, der durch verantwortungsloses bzw. fahrlässiges Handeln ein hohes Risiko eingeht.

    Der Begriff wurde mit gleicher Bedeutung aus dem Französischen übernommen. Im Französischen ist der Ausdruck hasardeur seit dem 18. Jhd. nicht mehr gebräuchlich.

    Die deutsche Aussprache folgt dem französischen Vorbild, in eingedeutschter Lautschrift also etwa „Hasardör“, mit Betonung auf der letzten Silbe.

    Er ist der reinste Hasardeur.

    Manche sehen in Friedrich deshalb einen Hasardeur, der alles riskierte und aussichtslose Schlachten bis zur bitteren Niederlage weiterführte. In Kunersdorf rieten seine Offiziere ihm, angesichts der Unübersichtlichkeit des Geländes nach den Anfangserfolgen haltzumachen. Friedrich aber wollte die feindliche Armee nicht nur schwächen, sondern vernichten – und trieb seine Soldaten ins Verderben.
    Andreas Molitor (2011), Unter dem Getöse von dreihundert Kanonen, ZEIT Geschichte.

  • Corpus Delicti

    Das Corpus Delicti ist ein Gegenstand, mit dem ein Verbrechen verübt wurde und der im Anschluss als Beweisstück verwendet werden kann. Im Falle eines Einbruchs also etwa ein Brecheisen, im Falle eines Gewaltverbrechens die Tatwaffe etc. Mittlerweile kann der Ausdruck auch im Kontext anderer Vergehen verwendet werden, selbst wenn es sich nicht um Verbrechen im rechtlichen Sinne handelt.

    Der Ausdruck wurde direkt aus dem Lateinischen übernommen und trägt dort die gleiche Bedeutung.

    Das Corpus Delicti, die mehr als 500 Seiten starke „Doktorarbeit“, wurde im Anschluss penibel auf plagiierte Textstellen untersucht.

    Der Palästinenserpremier Salam Fajad aber ist ein Revolutionär, der hinter sich aufräumt. Beim Lunch im Seehof von Davos greift er zwar zur verbotenen Zigarette. Dann aber gießt er sorgfältig Mineralwasser auf eine Serviette, drückt die Zigarette darin aus, rollt das feuchte Papiertuch zusammen und wirft das Corpus Delicti in den Ascheimer vor der Tür.
    Josef Joffe (2010), Israel ist da und bleibt, DIE ZEIT, 11.02.2010 Nr. 07.

  • Prekariat

    Unter Prekariat versteht man im Bereich der Politik und Soziologie einen Bevölkerungsteil, der in Armut lebt oder von Armut bedroht ist und nur geringe Aufstiegschancen hat. Diese Situation ist vor allem durch anhaltende Arbeitslosigkeit und fehlende soziale Absicherung geprägt.

    Das Substantiv wird teilweise für die sozialpolitischen nicht mehr korrekten Ausdrücke Unterklasse und Unterschicht gebraucht.

    Bei dem Ausdruck handelt es sich um einen Neologismus, zusammengesetzt aus Teilen der Worte prekär und Proletariat, welcher auf das französische précariat zurückzuführen ist.

    Der Fernseher war das Statussymbol der Nachkriegszeit. Wer einen hatte, war der Gunter Sachs der Trümmerfrauen. Jeff ist Sultans Trümmerfrau. Inzwischen ist der Fernseher das Statussymbol des Prekariats.
    Frédéric Schwilden, Ich glotz TV: Der Hipster-Stadl, Zeit Online, 15.04.2014

    „Erschreckend“, „beschämend“, „niederschmetternd“ nannten daraufhin eilige Journalisten die Studienerkenntnis, dass 6,5 Millionen Bundesbürger – acht Prozent der Gesamtbevölkerung – zu den sogenannten „neuen Unterschichten“ gehören. Im grauenhaftesten Soziologendeutsch wird diese Gruppe „Prekariat“ genannt. Das kommt von prekär. Was so viel bedeutet wie unsicher und unklar.
    Wolf Lotter, Das Ideal, Brandeins, 12/2006

  • prätentiös

    Das Adjektiv prätentiös  bedeutet im deutschen Sprachgebrauch soviel wie „selbstgefällig“ oder auch „effekthascherisch“.

    Eine Person oder ihr Verhalten wird als prätentiös bezeichnet, wenn sie sich als Experte aufspielt ohne das entsprechende Hintergrundwissen zu besitzen oder wenn sie sich selbstherrlich hervortut und wenn sie wichtigtuerisch auf andere herabblickt. So gilt beispielsweise – auch interessant im Kontext dieses Internetangebots – ein übermäßiger und unnötiger Gebrauch von Fremdwörtern als prätentiös.

    Der Begriff stammt aus dem Lateinischen, wo praetendere „Anspruch erheben“ bedeutet.

    Bisher war sie von ihm recht angetan gewesen, doch dass er im Restaurant allerlei Änderungswünsche an seinem Gericht hervorbrachte und letztlich sogar wissen wollte, welche Sorte Balsamico-Essig – den er ‚Aceto Balsamico‘ nannte – für das Salatdressing verwendet werde, empfand sie als störend prätentiös.

    Je prätentiöser der Stil einer wissenschaftlichen Arbeit, desto dünner ist meist der Inhalt.

    Drinnen tritt sie ans Rednerpult, eine zarte, zerbrechlich erscheinende Frau von 59 Jahren. Nichts an ihr wirkt prätentiös, nichts pompös. Sie trägt eine schlichte schwarze Jacke, als Schmuck nur eine Perlenkette, ihre dünnrandige Intellektuellenbrille wird von einem pflegeleichten Pagenschnitt umrahmt.
    Thomas Kleine-Brockhoff (2007), Die Elite wird weiblich, Die Zeit, 15.02.2007.

  • ex ante

    Der Begriff ex ante bedeutet „im Voraus“, „vorab“ oder „zuvor“. Der Begriff beschreibt eine Betrachtung oder Beurteilung der Sachlage vor dem Eintritt des eigentlichen Ereignisses.

    Ex ante wird hauptsächlich in der juristischen Fachsprache, gelegentlich aber auch in der Wirtschaftssprache verwendet.

    Das Antonym zu ex ante lautet ex post (im Nachhinhein, hinterher).

    Der Begriff ist lateinischer Herkunft und setzt sich aus den Teilen ex (an, aus, seit) und ante (vor, vorher, vorwärts) zusammen.

    Im Qualitätsmanagement werden unter anderem Regeln aufgestellt, die ex ante klar definieren, wie Prozesse innerhalb des Unternehmens ablaufen (sollten).

    Bei der ex-ante-Betrachtung des Vorfalls wird deutlich, dass der Angeklagte nicht genau feststellen konnte, ob das Opfer bewaffnet gewesen ist oder nicht. Daher kann man von einer Tat aus Notwehr ausgehen.

    Rückblickend lässt sich das immer ganz toll erkennen, aber ex ante weiß man nie etwas.
    Marcus Rohwetter, Wartesaal des Geldes, Zeit Online, 29. November 2012

  • usurpieren

    Das Verb usurpieren bedeutet, widerrechtlich (und oft mit Gewalt) Machtbefugnisse oder Besitz an sich zu reißen. Beispielsweise also mittels eines Militärputsches die Regierungsgewalt über einen Staat zu erlangen. Jemanden, der so vorgeht,  nennt man einen Usurpator.

    Der Begriff hat seinen Ursprung im lateinischen usurpare (gebrauchen, in Besitz nehmen).

    Er usurpierte den Staat und regierte für einige Jahre als Diktator.

    Sie usurpierte schließlich den Vorsitz über die Versammlung und konnte sich so mit ihrer unkonventionellen Meinung Gehör verschaffen.

  • immens

    Das Adjektiv immens bedeutet „in Bewunderung erregender Weise groß“, „unermesslich“, „überdimensioniert“ oder „gewaltig“.

    Zurückzuführen ist der Begriff auf das lateinische immensus (unermesslich, ungeheuerlich groß), welches über das französische, gleichbedeutende immense seinen Weg in die deutsche Sprache gefunden hat.

    Er hat zuletzt immense Fortschritte beim Lernen gemacht. Mittlerweile bin ich doch davon überzeugt, dass er die Abiturprüfungen besteht.

    Die Hamburger Elbphilharmonie ist endlich fertiggestellt, allerdings waren die immensen Kosten nicht im Vorfeld bekannt.

    In Wolfsburg kennt man das immense Potenzial dieser Gattung und will, so sagt es Vorstandvorsitzender Herbert Diess zur Premiere in Genf, „unser Angebot an SUVs kräftig ausbauen und künftig in jedem Kernsegment ein SUV anbieten.“ – Christoph M. Schwarzer, Erfolgsmodell Pseudo-SUV, Zeit Online, 2. März 2016

Seite 1 von 6412345672030»