• kosmopolitisch

    Das Adjektiv kosmopolitisch bedeutet:

    • „Weltoffen“, „weltbürgerlich“, „weltgewandt“ und beschreibt Menschen, die „sich überall zu Hause fühlen“.
    • In der Biologie: Tier- und Pflanzenarten, die über die ganze Welt verbreitet sind.
    • Im kommunistischen Sprachgebrauch abwertend: den Kosmopolitismus (Streben der imperialistischen Großmächte nach Weltherrschaft) vertretend.

    Der Begriff leitet sich vom altgriechischen kosmopolítēs (Weltbürger, jemand, der über den Stadtstaat hinausdenkt) ab, welches sich aus kósmos (Weltanschauung, Weltall, Universum) und polítēs (Bürger) zusammensetzt.

    In der globalisierten Welt hat ein kosmopolitischer Mensch mannigfaltige Möglichkeiten der Lebensgestaltung und ist in der Lage, über Grenzen hinweg Kontakte zu knüpfen und nach seinem Gusto zu leben.

    Durch die intensive Impfkampagne der WHO konnte der kosmopolitische Krankheitserreger der Pocken bekämpft und die Krankheit 1980 für ausgerottet erklärt werden.

    Er selbst sprach lesend mit den Toten, er brachte sie für andere zum Sprechen, Kant etwa, er hielt dessen Idee einer kosmopolitischen Weltregierung nicht für veraltet. – Elisabeth von Tadden, So golden glüht Europa, DIE ZEIT Nr. 8/2016, 15. Februar 2016

  • soigniert

    Das Adjektiv soigniert bedeutet „gepflegt“, „kultiviert“, „vornehm“.

    Als soigniert können in erster Linie Personen – vor allem ältere Herren, die eine gewisse Reife ausstrahlen – bezeichnet werden. Seltener wird der Begriff zum Beschreiben von Dingen (wie etwa Einrichtungsgegenständen) oder Architektur verwendet.

    Der Ursprung des Wortes liegt im französischen  soigner (pflegen, sorgfältig behandeln).

    Ein auffallend elegant gekleideter Herr betrat den Saal. Nicht wenige Blicke folgten seiner soignierten Erscheinung.

    Aber der Admiral a. D ist nur ein Totschläger, der im traditionellen, jetzt zivilen Dunkelblau, grauhaarig, soigniert, als freier Mann den Gerichtssaal verließ.
    Conli (1966), Tod aus Tradition, DIE ZEIT, 4.3.1966 Nr. 10.

  • Normativ

    Das bildungssprachliche Adjektiv normativ meint, dass etwas als Maßstab oder Norm dient. Eine normative Aussage ist also eine Anweisung, ein „so sollte es gemacht werden“. Die Anweisung kann implizit oder explizit sein.

    Synonyme sind etwa „maßgebend“, „verpflichtend“ oder „wegweisend“.

    Der Begriff leitet sich vermutlich aus dem lateinischen Substantiv „norma“ (Winkelmaß, Richtschnur, Regel, Vorschrift) ab.

    Beispiele für normative Aussagen:

    • Man sollte täglich 6-8 Stunden schlafen. (Explizit: Schlafen Sie X Stunden pro Nacht!)
    • 5 Stunden Schlaf pro Nacht sind nicht genug. (Impliziert: Schlafen Sie mehr als 5 Stunden!)

    Das Gegenwort zu normativ ist „deskriptiv„, also „beschreibend“. Eine deskriptive Aussage beschreibt einen Sachverhalt lediglich, gibt aber keine Anweisung.

    Beispiel für eine deskriptive Aussage:

    • Deutsche schlafen im Schnitt 6,5 Stunden pro Nacht. (Keine Anweisung. Anmerkung: Zahl ist aus der Luft gegriffen)

    Verwendungsbeispiele „normativ“:

    Auch umfassende Analysen reichen nicht aus, um einen Veränderungsprozess anzustoßen, wenn aus ihnen keine normativen Erkenntnisse abgeleitet werden können.

    „The pursuit of market share is not a strategy in itself.“ Damit sind wir bei zwei Grundfehlern von Managementmoden, dem Normativierungsdrang und dem Benchmark-Irrtum. Der Normativierungsdrang besteht darin, zwanghaft analytische Kategorien in normative Rezepte umzufunktionieren.

    Franz Liebl, Kolumne – Schneller wachsen, jünger sterben, Brandeins, 03/2003

     

  • Fasson

    Die Fasson ist im eigentlichen Sinne die Passform oder der Schnitt von Kleidungsstücken. Der Begriff kann weiterhin die normale Körperform einer Person beschreiben. Auf abstrakter Ebene kann die Fasson, nahe an der ursprünglichen lateinischen Bedeutung, auch die persönliche Auffassung oder Verfahrensweise einer Person sein, etwa ethische oder religiöse Fragen betreffend.

    Abgeleitet ist Fasson vom gleichbedeutenden französischen façon und geht zurück auf das lateinische factio (das Verfahren).

    Er ist aufgegangen wie ein Hefekloß, vollkommen aus der Fasson geraten.

    Das Hemd hat eine sehr schmale, körperbetonte Fasson.

    Nach seiner eigenen Fasson glücklich zu werden ist ein guter Plan für ein erfülltes Leben.

  • subaltern

    Das Adjektiv subaltern wird kategorisierend oder abwertend genutzt, hat also mehrere Bedeutungen:

    • Nur einen untergeordneten Rang einnehmend (vor allem bei Beamten).
    • Mit beschränkten Entscheidungsbefugnissen ausgestattet.
    • Geistig unselbstständig bzw. auf einem niedrigen geistigen Niveau stehend.
    • Unterwürfig, devot.

    Der Begriff hat seinen Ursprung im spätlateinischen subalternus (untergeordnet), zusammengesetzt aus sub (unten, unter) und alternus (abwechselnd, gegenseitig).

    Bevor man Menschen mit Entscheidungsgewalt antrifft, muss man sich mit Beamten in subalternen Positionen auseinandersetzen.

    Und unendlich erleichtert. Zum ersten Mal seit vielen Jahren wich der subalterne Krampf aus seinem Rücken, der den Nacken verspannte und die Schultern immer devoter gewölbt hatte, und er stand ohne Anstrengung aufrecht, gelöst und frei und freute sich. – Patrick Süskind, Das Parfum, Zürich: Diogenes 1985, S. 86

  • Latenz

    Das Substantiv Latenz (die) bedeutet „Verstecktheit“, „Verborgenheit“ und beschreibt das Vorhandensein einer (noch) nicht sichtbaren Sache.

    Darüber hinaus meint Latenz im übertragenen Sinne die Zeit zwischen einem Reiz und der daraus folgenden Reaktion. In der Technik wird häufig auch das Synonym Signallaufzeit verwandt.

    Zu guter Letzt wird der Begriff in der Medizin genutzt, um das zeitweilige Verborgensein einer Krankheit in der symptomfreien Zeit zu beschreiben.

    Ursprung des Begriffs liegt im lateinischen latens (verborgen).

    Bei Onlinespielen haben Nutzer häufig mit dem Problem der Latenz zu kämpfen, wenn ihre Eingaben nicht zeitnah von den Servern verarbeitet werden und anderen Spielern daraus ein Vorteil entsteht.

    Ansteckende Krankheiten sind besonders dann gefährlich, wenn die Phasen der Latenz sehr lang sind und Infizierte somit oft unwissentlich Mitmenschen anstecken.

    Der Kalte Krieg hatte die archaischen Feindschaften in dem künstlichen Staatsgebilde Jugoslawiens in der Latenz gehalten, jetzt brechen sie aus. – Ijoma Mangold, Die Putzfrau der Gewalt, Zeit online, 30. Januar 2014

  • liquidieren

    Das Verb liquidieren hat verschiedene Bedeutungen:

    • Jemanden aus bestimmten Gründen töten oder hinrichten (lassen).
    • Etwas beseitigen, tilgen (z.B. Schulden).
    • Ein Unternehmen auflösen und damit verbundene Rechtsgeschäfte abwickeln.
    • Einen Geldbetrag einfordern, für den eine Leistung erbracht worden ist (vergleichbar mit: Rechnung ausstellen).
    • Sachwerte durch Verkauf in flüssige Gelder umwandeln (siehe auch: Liquidität).

    Entlehnt wurde liquidieren um 1600 aus dem Italienischen. Das italienische Verb liquidare bedeutet „bezahlen“, „begleichen“ und geht auf das lateinische Adjektiv liquidus (flüssig, klar) zurück.

    Zunächst wurde der Begriff nur im kaufmännischen Kontext verwendet. Erst seit dem 20. Jahrhundert ist liquidieren ein Synonym für „ermorden“ bzw. „hinrichten“.

    Es sind nicht nur Gerüchte, dass die US-amerikanische Regierung zahlreiche Staatsfeinde und Gegner durch die CIA und andere geheime Organisationen liquidieren ließ.

    Nach seinem Tod sollen seine Habseligkeiten liquidiert werden, damit das Erbe unkompliziert an die Hinterbliebenen verteilt werden kann.

    Es fehlen Regeln im Umgang mit Staatspleiten. Anders als Unternehmen können Staaten nicht liquidiert werden, dafür aber zahlungsunfähig. – Clemens Fuest und Carsten Linnemann, Aus der Krise lernen, DIE ZEIT Nr. 30/2015, 23. Juli 2015

  • rigide

    Das Adjektiv rigide bedeutet „streng“, „starr“ oder „unnachgiebig“. Es kann etwa den Charakter eines Menschen beschreiben, aber auch andere Sachverhalte. Man spricht etwa von rigiden Regeln, Vorschriften, Preisen etc.

    Im medizinischen Kontext bedeutet rigide „steif“ bzw. „starr“ in Bezug auf Körperstrukturen.

    Die Herkunft des Begriffes geht auf das lateinische rigidus (steif, rau, unerbittlich) zurück.

    In unserer Zeit in der Schule hatten wir nichts zu lachen. Die rigide Führung der Lehrer unterband jede Menge Frohsinn.

    Nach dem Sport ist für ihn nicht mehr an Bewegung zu denken, denn er leidet daraufhin unter einer rigiden Muskulatur.

    In Saudi-Arabien herrscht eine ausgesprochen rigide Ausprägung des sunnitischen Islams, der Wahhabismus. – Hintergrund: Sunniten, Schiiten, Wahhabiten, Zeit online 04.01.2016

  • kolportieren

    Das schwache Verb kolportieren bedeutet „Gerüchte verbreiten“, meint also das Weiterverbreiten unwahrer oder ungesicherter Behauptungen und Halbwahrheiten.

    Herkunft des Fremdwortes ist das französische Kolportage, also der Hausierhandel. Vertrieben wurde dabei mit besonderem Vorzug minderwertige Literatur.

    Die Regenbogenpresse kolportierte ungeniert Details aus seinem Privatleben.

    Es wird derzeit dezent kolportiert, dass die Wahlergebnisse nicht auf rechtmäßigem Wege zustande gekommen seien.

    Die Ehre ihres Besuches hatte sein Ansehen noch gemehrt, allenthalben wurde dieses Ereignis kolportiert und endlos erörtert. Und wie immer in solchen Fällen fantasievoll ausgeschmückt.
    Wolfgang Müller (2012), Lebensgeschichte, ZEITmagazin, 16.5.2012 Nr. 21.

  • gustatorisch

    Das Adjektiv gustatorisch bedeutet „den Geschmackssinn betreffend“ bzw. „das Schmecken betreffend“.

    Die Sinneszellen in Nase und Mund, allen voran auf der Zunge, sind für die Wahrnehmung der gustatorischen Reize wie süß, sauer, salzig und bitter verantwortlich.

    Grundsätzlich kommt der Begriff nur in Bereichen der Medizin oder der Psychologie vor, in denen auch die anderen Sinne beleuchtet werden, die olfaktorische, akustische, visuelle und haptische Reize wahrnehmen.

    Gustatorisch leitet sich vom lateinischen Verb gustare (schmecken, probieren, genießen) ab.

    Das Mahl sieht aus wie zusammengewürfelt, aber gustatorisch sagt es mir dennoch zu.

    Die gustatorischen Nervenzellen des Patienten leiden unter einer Fehlfunktion, so dass es ihm nicht möglich ist, alle Geschmacksrichtungen zu unterscheiden.

    Neben den klassischen gustatorischen und olfaktorischen sind vor allem mechano- , thermo- und nociceptive Empfindungen beteiligt. – Hatt, Hanns, Chemosensibilität, Geruch und Geschmack, in: Josef Dudel / Randolf Menzel / Robert F. Schmidt (Hg.), Neurowissenschaft, Berlin: Springer 1996, S. 297-316, S. 308

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