• dezidiert

    Das Adjektiv dezidiert bedeutet „entschieden“, „bestimmt“, „energisch“.

    Beispielsweise kann man eine dezidierte Meinung haben oder dezidierte Forderungen stellen.

    Weitere Synonyme für dezidiert sind unter anderem apodiktisch, eindringlich, kategorisch oder unmissverständlich.

    Der Begriff entstammt dem lateinischen Verb decidere (eigentlich, abschneiden).

    Er rief Sie auf, dezidiert Ihren Standpunkt einzunehmen, damit diese schwammige Diskussion – gespickt von Missverständnissen und Unklarheiten – ein für allemal beendet werden konnte.

    Er besaß für eine solche Stellung nicht weniger als alles: ein verbindliches und doch zugleich dezidiertes Auftreten, Stattlichkeit der Erscheinung, natürliche Klugheit, Wohlwollen, Erzähler- und Rednergabe, Sprachkenntnis und vor allem die Gabe, Festlichkeiten mit Kunst und Geschmack zu inszenieren.
    – Theodor Fontane (1898), Von Zwanzig bis Dreißig.

    Stefan Schaltegger, der Professor für Nachhaltigkeits-Management, hat in einer Studie herausgefunden: „In den Unternehmens-Prozessen verändert sich nur dann etwas sehr deutlich oder messbar im Sinne der Nachhaltigkeit, wenn ein Mitglied des Vorstands oder der Geschäftsleitung dezidiert für das Thema verantwortlich ist.“
    Thomas Ramge (2010), Die Wohlfühl-Utopie, brand eins 05/2010 

  • Oxymoron

    Ein Oxymoron ist eine Begrifflichkeit oder eine rhetorische Figur, die sich aus zwei gegensätzlichen oder widersprechenden Begriffen zusammensetzt. Der Widerspruch kann hierbei in einem Begriff auftauchen, jedoch auch in einer Wortgruppe oder in einem Satz.

    Oxymora werden gelegentlich bewusst als Stilmittel eingesetzt um ggf. provokativ oder mahnend auf einen Missstand hinzuweisen, der in einem Widerspruch endet oder sich bereits in einem befindet. Ein Oxymoron kann im weitläufigen Kontext auch als kontradiktorisch verstanden werden.

    Der Begriff ist auf das griechische Wort oxýmōron zurückzuführen, welches sich aus oxys (scharf[sinnig]) und moros (dumm, stumpf, träge) zusammensetzt. Gemäß der griechischen Übersetzung bildet das Wort an sich schon einen Widerspruch (scharf-stumpf).

    Bekannte Oxymora sind: bittersüß, eile mit Weile, Hassliebe, Minuswachstum oder Regelausnahme.

    Meine Hoffnung ist nur Zerstörung, und mir wird lange nicht genug zerstört, gedrückt, gequetscht, gepeitscht usw. Die Deutschen können nun einmal nur mit dreifach sublimiertem Höllenstein zur Vernunft gebeizt werden. Schreiben Sie noch ein zehnfaches Oxymoron, mich bekehren Sie nicht. Was am blutigsten eingreift, ist am wohltätigsten.
    – Johann Gottfried Seume (1808), Freiheit und Recht.

  • Konvergenz

    Das Substantiv Konvergenz beschreibt bildungssprachlich eine „Annäherung“, seltener auch eine „Übereinstimmung“, etwa von Standpunkten, Merkmalen oder Zielvorgaben. Ursprünglich meint Konvergenz die Ausbildung ähnlicher Merkmale bei Lebewesen als Reaktion auf gleiche Anpassungszwänge.

    Übertragen auf die Politik etwa spricht man von einer Konvergenz, wenn Vertreter verschiedener politischer Richtungen in der Praxis – meist aus pragmatischen Gründen – doch die gleichen Entscheidungen treffen oder die gleichen Ziele verfolgen.

    Dementsprechend beschreibt die sozialwissenschaftliche Konvergenztheorie die Annäherung verschiedener Systeme (z.B. sozialistischer und kapitalistischer) als Folge ähnlicher wirtschaftlicher und sozialer Probleme.

    Weiterhin findet der Begriff in diversen Naturwissenschaften, Geowissenschaften, der Mathematik und den Geisteswissenschaften Verwendung.

    Eine umfangreiche Liste bietet Wikipedia: Konvergenz

    Ursprung des Wortes ist das neulateinische convergentia (Annäherung zweier Linien). Vgl. auch lat. convergere (sich hinneigen).

    Durch den bilateralen Austausch beider Staaten ist es zu einer ideologischen und wirtschaftlichen Konvergenz gekommen.

    Die Konvergenzkriterien der Europäischen Union sollen den wirtschaftlichen Zusammenhalt der Staatengemeinschaft sicherstellen.

    In den letzten Jahren haben fast alle Länder ihr gegliedertes weiterführendes Schulsystem strukturell in Richtung auf eine Zweigliedrigkeit umgebaut. Die gegenwärtigen Schulstrukturen in den Ländern sind zwar kaum noch überschaubar, aber in dieser Frage ist doch eine gewisse Konvergenz erkennbar.
    Meyer-Hesemann (2010) – Lernen von der Schweiz. DIE ZEIT, 28.01.2010 Nr. 05.

  • Meritokratie

    Das bildungssprachliche Substantiv Meritokratie bezeichnet ein Prinzip, bei dem Amtsträger, Herrscher, Leiter oder Führungspersonen gemäß ihren erbrachten Leistungen ausgewählt werden. Die Meritokratie spielt somit als Regierungsform eines Staates oder in anderen politischen oder wirtschaftlichen Organisationen eine Rolle.

    „Leistungsgesellschaft“ und „Verdienstadel“ sind sinnverwandte Wörter zu Meritokratie.

    Der Begriff ist aus dem lateinischen Substantiv meritum (Verdienst) und dem altgriechischen kratein (herrschen) zusammengesetzt. Erstmals wurde er 1958 vom Briten Sunlop Young im Rahmen seiner Satire ‚Rise of the Meritocracy‘ gebraucht.

    Hinter unserer Vorstellung von Demokratie, also der Herrschaft des Volkes, steckt vor allen Dingen die Meritokratie, die Idee von der Herrschaft der Leistungsträger, der Tüchtigen also, die sich im Hier und Jetzt Verdienste erwerben. Wer etwas leistet, soll etwas werden. Das ist die Grundlage unseres Weltbilds. Die Leistungsgesellschaft, das sind wir selbst.
    Wolf Lotter, Selbstzünder, Brandeins, 06/2013

    Das grundsätzlich positive Prinzip der Meritokratie – nach der im Idealfall jede Person in einer Gesellschaft die verdiente Position einnimmt und entsprechend entlohnt wird – hat sich zu einem knallharten Sozialdarwinismus gewandelt, in dem die messbare Produktivität zum zentralen, wenn nicht einzigen Kriterium des „idealen Menschen“ geworden ist.
    Anja Kümmel, Sachbuch „Und ich?“: Unsere vorgegaukelte Freiheit, Zeit Online, 15.01.2014

  • Defätismus

    Defätismus (der) beschreibt einen Zustand der gefühlten Aussichtslosigkeit der Situation und einen dadurch bedingten Drang zum Aufgeben. Der Begriff fand zunächst besonders im militärischen Sprachgebrauch Anwendung.

    Ein offen zur Schau gestellter Defätismus steht – vor allem in Kriegszeiten – in manchen Ländern unter Strafe, da eine Zermürbung der Truppenmoral befürchtet wird.

    Heute wird der Ausdruck auch außerhalb der Militärsprache gebraucht und meint in erster Linie eine pessimistische Einstellung und Resignation bezüglich der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder politischen Lage.

    Der Begriff  wurde als défaitisme zur Zeit des ersten Weltkriegs in Frankreich geprägt und kurz darauf ins Deutsche entlehnt.

    Nach der vernichtenden Niederlage breitete sich ein Defätismus unter den Truppen aus, der sich durch noch so harte Strafen nicht mehr eindämmen ließ. Selbst die höheren Ränge waren schließlich davon überzeugt, dass der Krieg nicht mehr gewonnen werden konnte.

    Alle anderen leuchtenden Ziele in dem kriegsgeplagten Land – Demokratie, Menschenrechte, Bildung – werden längst immer weiter abgedimmt. Und wenn Barack Obama nun gar von Abzugsplänen zu reden beginnt, liegt ein Hauch von Defätismus in der Luft.
    Jörg Lau (2009), Und plötzlich sind sie gut, DIE ZEIT, 26.03.2009 Nr. 14.

  • harmonisieren

    Harmonisieren bedeutet zum einen, eine Melodie mit zueinander stimmigen Akkorden zu begleiten oder zu versehen und zum anderen, Gegebenheiten oder Beziehungen in Übereinstimmung oder Einklang zu bringen. Synonyme des Verbs sind „koordinieren“ oder „aufeinander abstimmen“.

    Seinen Ursprung findet harmonisieren im Französischen. Harmoniser bedeutet wörtlich übersetzt „etwas abstimmen“ oder „angleichen“.

    Jegliche Versuche, das einstige Kooperationsbündnis zu harmonisieren, schlugen fehl.

    Um das Musikstück zu harmonisieren, stimmte der Pianist die Akkorde gezielter aufeinander ab.

    Die Reform des Datenschutzes ist die zentrale Gesetzesinitiative, über die die EU zurzeit diskutiert. Mit ihrer Hilfe sollen die teilweise sehr unterschiedlichen Schutzniveaus der 28 Mitgliedsstaaten harmonisiert werden.
    Marlies Uken, EU-Gipfel: Für Merkel geht Abhören unter Freunden gar nicht, Die Zeit, 24.10.2013.

     

  • Novität

    Das Substantiv Novität (die) bezeichnet etwas neues oder neuartiges.

    Vor allem in der Literatur, Kunst, Mode und Werbung wird der Begriff als Ausdruck für eine Neuheit gebraucht. Darüber hinaus kann Novität auch eine Neuigkeit bezeichnen.

    Synonyme zu Novität sind zum Beispiel das bildungssprachliche „Novum“ oder das französische „Nouveauté“.

    Der Begriff ist zurückzuführen auf das lateinische novitas (Neuheit), zu novus (neu).

    Nach der Modenschau war die Enttäuschung über die Kollektion groß. Es mangelte an Novitäten und schien, als seien alte Entwürfe repliziert und mit Hilfe weniger Handgriffe verändert worden.

    Das Produkt wird als zukunftsweisende Novität angepriesen.

    Sie kupfern Ideen auch nicht einfach ab, sondern transponieren Ansätze aus fremden Branchen und Produktgattungen in ihre eigene, setzen Altbewährtes neu zusammen, lassen sich zu Novitäten etwas Günstigeres oder Besseres und häufig sogar beides zugleich einfallen. Mit billigen Fälschungen hat die hohe Kunst des Kopierens denn auch so wenig gemein wie eine kreative Warhol-Collage mit einem Computer-Farbausdruck desselben Kunstwerks.
    Harald Willenbrook, Warum ist es besser, Zweiter zu sein?, Brandeins, 01/2011

  • Blasphemie

    Das Substantiv Blasphemie bedeutet „Gotteslästerung“, also die Beleidung einer Gottheit oder etwas Heiligem.

    Übertragen wird der Begriff gelegentlich auch auf andere Beleidigungen angewendet, womit deren Ziel – oft scherzhaft übersteigert – als göttlich oder heilig erklärt wird.

    Das lateinische blasphemia bedeutet „Schmähung“.

    Kritik am Bundestrainer? Reinste Blasphemie!

    Seine kritischen Äußerungen zum Islam werden von vielen als Blasphemie interpretiert.

    In einigen Betrieben gilt Kritik am Vorgesetzten immer noch als Blasphemie.

    Provokationen, selbst Blasphemie, dürfen sein, wenn sie aufklärerisch wirken. Sie sind aber kein Wert für sich. Wenn sie nur andere verletzen sollen, findet die Meinungsfreiheit ihre Grenze.
    Ludwig Greven, Mehr Respekt bitte!, Zeit online.

  • Dogma

    Ein Dogma ist in der Theologie ein als unumstößlich wahr geltender Teil der jeweiligen religiösen Lehre.

    Abseits der religiösen Bedeutungsebene meint ein Dogma eine allgemeingültige, als unanfechtbar wahr geltende Aussage, Meinung oder Lehre.

    Der Begriff kommt sowohl im Lateinischen als auch im Griechischen mit derselben Bedeutung vor.

    Auf den ersten Blick scheint der Rücktritt des Papstes schwer mit dem Dogma seiner Unfehlbarkeit vereinbar zu sein.

    Das historisch gesehen recht junge Dogma der monogamen Paarbeziehung wird nur von wenigen in Frage gestellt.

  • Epiphanie

    Eine Epiphanie ist im allgemeinen Sprachgebrauch die unerwartete Erscheinung einer Gottheit, eine Offenbarung also, bzw. im weiteren Sinne ein (Erweckungs-) Moment von besonderer Tragweite.

    Weiterhin wird im Christentum der 6. Januar unter anderem als Epiphanie bezeichnet, also der Tag, an dem laut der Bibel die Weisen aus dem Morgenland anreisten, Jesus beschenkten und danach begannen, die frohe Botschaft seiner Geburt in die Welt hinauszutragen.

    Der Begriff geht zurück auf das griechische epiphainesthai (sich offenbaren).

    In diesem Moment, sturzbetrunken und halb erfroren im Schnee liegend, erlebte er eine Epiphanie. Am nächsten Morgen begann er, sein Leben radikal zu ändern.

    Und Williams entwickelte einen Stil, der es ihm ermöglichte, zu schreiben und ein anstrengendes Leben als Arzt zu leben. Seine magischen und klaren Augenblicke, seine Epiphanien kamen nicht vom langen Sitzen auf irgendwelchen poetischen Eiern, sie kamen wie bei allen Leuten, die nicht mit der professionellen Herstellung solcher Augenblicke befasst sind, mitten aus einem tätigen, anstrengenden Leben.
    Guenter Ohnemus (2000), Dr. Williams, DIE ZEIT, 47/2000.

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