• Primus inter Pares

    Der bildungssprachliche Ausdruck Primus inter Pares bezeichnet den Führer einer Gruppe gleichberechtigter Mitglieder.

    Primus inter Pares ist lateinisch und bedeutet übersetzt „Erster unter Gleichen“. Die weibliche Wortform lautet Prima inter Pares.

    Als Prima inter Pares vertritt sie die Anliegen der gesamten Abteilung in den Jahressitzungen.

    Dass der Boss nicht abhebt, Primus inter Pares bleibt, spiegelt die Symbiose aus Familie und Unternehmen wider. Verwurzelung, Tradition, Kontinuität ­die konservativ anmutenden Werte schaffen erst die Grundlage für Anpassungsfähigkeit: Wer sich verändern will, braucht einen stabilen Kern, auf den er vertrauen und aufbauen kann.
    Kerstin Friemel, Wir können auch anders, Brandeins, 01/2007

  • covfefe

    Covfefe ist eine Wortschöpfung des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Bedeutung und Wortart sind bislang noch unbekannt. Ein echtes „neues Wort“ also.

    Die – zumindest momentane – Relevanz des Begriffs beruht auf der Resonanz der Netzgemeinde. Das Internet macht großen Wirbel um den vermeintlich mysteriös bis kryptischen Neologismus. Eine Zusammenfassung davon finden Sie hier.

    Wir nehmen „covfefe“  einfach mal auf, damit Sie als Abonnent von neueswort.de „im Loop“ sind und wissen, was es mit cofveve auf sich hat.

    covfefe

    Die Verwendungsbeispiele fallen diesmal leider etwas knapper aus:

    Trotz der konstant negativen Berichterstattung covfefe.

  • Status quo

    Der Ausdruck Status quo (der) meint heute den „gegenwärtigen Zustand“.

    Vom Status quo spricht man also im Allgemeinen dann, wenn man den aktuellen Stand der Dinge meint. Insbesondere sind damit auch die aktuellen rechtlichen oder wirtschaftlichen Gegebenheiten gemeint.

    Oft impliziert der Begriff, dass der aktuelle Zustand problembehaftet ist, es aber auch keine einfache Lösung gibt.

    Status Quo leitet sich aus der lateinischen Rechtssprache ab. In statu quo ante bedeutete hier „im vorherigen Zustand“.

    Es hilft nichts, in blinden Aktionismus auszubrechen. Zunächst müssen wir präzise den Status quo erfassen. Eine Route kann – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne – nur dann geplant werden, wenn man sowohl das Ziel als auch den Ausgangspunkt genau definieren kann.

    Im Spannungsverhältnis zwischen Taiwan und der Volksrepublik China ist in naher Zukunft keine Abweichung vom – relativ stabilen – Status Quo zu erwarten

    Dietmar Schäfer, Vorsitzender der Arge Automotive Zulieferindustrie, fasst den Status quo in einem Satz zusammen: »Wir fahren gerade voll gegen die Wand.«
    – Stefan Schlögl (2009), Voll gegen die Wand, Die Zeit, 30.04.2009.

  • allokieren

    Das Verb allokieren (oder allozieren) wird im Deutschen in verschiedenen Belangen verwendet:

    • In der Wirtschaft meint allokieren die Zuweisung von finanziellen Mitteln (z.B. in einem Etat) oder die Bereitstellung von etwas für einen bestimmten Zweck (meist im Bereich der EDV). Diese Verwendung ist gleichbedeutend mit „eine Allokation vornehmen“.
    • Seltener wird es verwendet als „jemanden ansprechen“ oder „sich an jemanden richten“. Abgeleitet wird das Verb hier von der päpstlichen Ansprache, die auch als „Allokution“ bezeichnet wird.

    Der Ursprung von allozieren liegt im Lateinischen und setzt sich aus dem Präfix ad (an-, heran-, hinzu-, dabei-) und dem Verb locare (legen, stellen) zusammen. „Jemanden anreden“ (allokieren) heißt im Lateinischen hingegen alloqui.

    Anmerkung: Deutsche Verben, die von lateinischen Verben mit der Endung –care oder -cere abstammen, werden grundsätzlich mit der Endung -zieren übernommen (wie kommunizieren oder spezifizieren). Daher ist die richtige Schreibweise für den ersten Fall allozieren und für den zweiten allokieren. Die Verwendung von allokieren in Wirtschaft und der EDV ist wahrscheinlich auf das englische to allocate (etw. zuteilen, zuweisen) zurückzuführen.

    Die erforderlichen Budgets für die unterschiedlichen Bereiche im Unternehmen sollten vor dem neuen Geschäftsjahr alloziert werden, um nicht von Mehrausgaben überrascht zu werden.

    Stimmt etwas mit dem Körper nicht, sollte man unter Umständen einen Arzt allokieren.

     

  • Anachronismus

    Ein Anachronismus (der) ist etwas nicht Zeitgemäßes, also (vom Fortschritt) Überholtes oder falsch zeitlich Eingeordnetes.

    Überholt kann etwa eine veraltete Meinung oder Einrichtung, ein veraltetes Gerät oder Verfahren etc. sein.

    Falsch zeitlich eingeordnet können in erster Linie Requisiten in Filmen, Theaterstücken etc. sein, die im entsprechenden Zeitkontext eigentlich nicht vorkommen dürften, beispielsweise MP3-Player in einem Film über den zweiten Weltkrieg.

    Ursprung des Begriffs ist das gleichbedeutende griechische anachronismos. Vgl. auch Chronos, das griechische Wort für den Fluss der Zeit, in Abgrenzung zum Kairos, dem herausstechenden, besonders wichtigen Zeitpunkt.

    Der Film über den Aufstieg der Mafia in den Vereinigten Staaten bietet einiges an schauspielerischer Qualität. Viel zu moderne Autos, Musik, die es eigentlich erst in den 90er Jahren hätte geben dürfen, und eine Vielzahl weiterer Anachronismen lassen das Geschehen aber wenig glaubhaft wirken.

    Das Amt ist ein Anachronismus, ein Überbleibsel aus der Zeit, als diese Aufgaben noch nicht vom Computer erledigt werden konnten.

  • Grandeur

    Das bildungssprachliche Substantiv Grandeur bedeutet „Großartigkeit“ oder „Größe“.

    Weitere Synonyme sind beispielsweise „Erhabenheit“ oder „Glorie“.

    Bei Grandeur handelt es sich um ein Lehnwort aus dem Französischen. Zurückzuführen ist der Ausdruck auf das lateinische grandis (groß).

    Mit königsgleicher Grandeur gleitet sie anmutig über den roten Teppich, um die Auszeichnung entgegenzunehmen.

    Das alte Gutshaus des ansonsten verwahrlosten und verlassenen Dorfes ist zum Symbol einstiger Grandeur geworden.

    Die beiden Ausstellungen in Bonn und Köln zeigen dagegen, dass der Bund, wenn er in der pluralen Gesellschaft Kultur fördert, nicht mit inhaltlichen Setzungen auftrumpfen muss. Stattdessen sorgt er am besten für eine Polyzentrik der Blicke. Das ist aufwändig, langsam, redundant wie die Demokratie. Es kränkt die Bildungsbürger, die nach nationaler Grandeur lechzen oder nach verbindlichen Werten, alle, die nur eine Art von Kunst gelten lassen wollen.
    Thomas E. Schmidt, „Einwandern, Schätze suchen“, DIE ZEIT Nº 41/2005

  • flamboyant

    Das Adjektiv flamboyant bedeutet wörtlich „flammend“, „farbenprächtig“ oder im übertragenen Sinne „energisch“.

    Mit dem Ausdruck kann im direkten Sinne das Aussehen von Dingen,  Malereien, Gebäuden etc. respektive im übertragenen Sinne das Wesen von Personen, Musikstücken, Filmen etc. beschrieben werden.

    Ein Beispiel für flamboyante Architektur
    Die Westfassade der Kirche im französischen Vendôme, gestaltet im Flamboyant-Stil.

    Der Ursprung des Begriffs liegt im französischen flamboyer (aufflammen, aufleuchten).

    Curtis wurde zu einem der letzten großen Stars des alten Hollywood. Ein gut aussehender Junge, der scheinbar leichtfüßig und flamboyant den Glanz verkörperte, der nun einmal zum Zauber des Kinos dazu gehört.
    Ruben Donsbach (2010), Lebemann des alten Hollywood, Zeit online.

    Bildnachweis:  Manfred Heyde  [Lizenz: CC-BY-SA-3.0 bzw. GFDL], via Wikimedia Commons.

  • maliziös

    Das Adjektiv maliziös bedeutet „boshaft“ oder „hämisch“ beschreibt Taten, Auftreten und Formen des Ausdrucks von Personen, seltener auch eine Person direkt.

    Der Begriff leitet sich aus dem französischen malicieux ab und geht zurück auf das lateinische malignus, jeweils mit der gleichen Bedeutung.

    Als er auf ihre mit rotgeweinten Augen vorgebrachte Frage antwortete, spielte ein maliziöses Lächeln um seine Lippen.

    Ihr maliziöser Plan scheiterte glücklicherweise an einer kleinen Unbedachtheit.

    Er wurde für seine hervorragende Darstellung des durch und durch maliziösen Antagonisten von den Kritikern gefeiert.

  • Tenor

    Tenor (der) gehört zu den seltenen Wörtern im deutschen Sprachschatz, die ihre Bedeutung abhängig von der Betonung ändern.

    Liegt die Betonung auf der ersten Silbe, ist eine grundsätzliche Einstellung einer Person oder einer Gruppe, bzw. der Kern einer Aussage, Haltung oder Argumentation gemeint. Ferner ist ein Tenor speziell im rechtswissenschaftlichen Sprachgebrauch die Benennung der Rechtsfolge eines gerichtlichen Urteils, also die konkrete Konsequenz, die sich aus der Entscheidung des Gerichts ergibt.

    Liegt die Betonung dagegen auf der zweiten Silbe, ist die hohe männliche Gesangsstimme bzw. der entsprechende Sänger gemeint.

    Nach mehrtägiger Diskussion war der Tenor nach wie vor, das Atomkraftwerk auf mittlere Sicht stillzulegen.

    Elfriede Jelinek ist die Literaturnobelpreisträger in diesem Jahr. Die Überraschung, die die Wahl des Nobelpreiskomitees ausgelöst hat, ist wohl mindestens so hoch wie die Freude darüber. Der Tenor der Medienberichterstattung ist einstimmig, und spricht von Elfriede Jelinek als einer würdige Preisträgerin.
    Michi (2004), Das Problem Jelinek, Neon.de, 08.10.2004, 17:25 Uhr.

    Der Tenor des Gerichts lautete wie folgt: Der Beklagte wird verurteilt, eine Zahlung von 2000€ an den Kläger zu leisten. Die Kosten des Rechtsstreits werden dem Beklagten auferlegt. Die Klage ist nicht vorläufig vollstreckbar.

    Er wurde als Tenor vom Publikum gefeiert, doch privat stolperte er von einer Tragödie in die nächste.

  • Onomatopoesie

    Onomatopoesie (die) bezeichnet die Wortbildung durch sprachliche Nachahmung von Geräuschen und Lauten.

    Eines der bekanntesten Beispiele dieser Lautmalerei ist „Kuckuck“ – der Ausruf wird direkt mit dem gleichnamigen Vogel verbunden.

    Aus dem Altgriechischen stammend ist das Substantiv aus onoma („Name“) und poiēsis („das Machen“) zusammengesetzt und bedeutet daher „das Namengeben“ oder „das Wortbilden“.

    ‚Summende Bienen‘ und ‚zirpende Grillen‘ sind typische Beispiele der Onomatopoesie.

    Ein Buch, das mehr literarischen als journalistischen Ehrgeiz hat, ein Buch als Versuch, Dennis sprachlich noch zu überhoppern, ein Buch, in dem Polizisten natürlich „Bullen“ und verblödete Filmproduzenten „Schlipsträger“ sind, in dem fett gedruckte Onomatopoesie – Zack! Bing! snifffffffffFFFFFFFF – die Textbausteine trennt, ein Buch, das lieber aus Musik, Film und Comic als aus gewöhnlichen Informationen bestanden hätte, ein Buch aus Sätzen wie: „Stark. So war Hopper, und so roch er auch, verdammt stark“ – so ein Buch ist zu was verurteilt? Genau, zum Scheitern.
    Georg Seeßlen, Biografie: Total vermasselt, Die Zeit, 11.07.2013.

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