• Credo

    Ein Credo ist ein Glaubensbekenntnis oder ein Leitsatz.

    Übernommen wurde es – substantiviert – vom lateinischen credo (ich glaube, zu credere = glauben), dem ersten Wort im Apostolischen Glaubensbekenntnis:

    Credo in Deum,
    Patrem omnipotentem,
    Creatorem caeli et terrae.

    In der ursprünglichen Bedeutung ist religiöses Glauben gemeint, während ein Credo heute auch in anderem Kontext für einen Leitsatz oder eine Parole stehen kann, wie die folgenden Beispiele zeigen.

    Sein Credo lautet offenbar: „Viel hilft viel“.

    Mit dem Credo, in jeder Situation das entscheidende Bisschen besser zu sein als die Konkurrenz, schafften sie es, Marktführer zu werden.

    Das Credo des Präsidenten, sich von Almosen unabhängig zu machen, steht in krassem Gegensatz zur immensen Entwicklungshilfe, die in sein Land fließt.
    Grill, Jeska (2009), Der Antreiber, DIE ZEIT, 22.01.2009 Nr. 05.

  • Tribalisierung

    Tribalisierung bedeutet „Stammesbildung“. Gemeint ist heute vor allem das Zusammenschließen von Gruppen innerhalb eines größeren Systems (Gesellschaft, Staat etc.) bei gleichzeitiger Abgrenzung von diesem. Grundlage einer solchen Gruppe sind dabei etwa gemeinsame Interessen oder ein gemeinsamer ethnischer, religiöser oder kultureller Hintergrund.

    Ein Beispiel für Tribalisierung ist die Bildung verschiedener, voneinander abgegrenzter „Subgesellschaften“ unterschiedlichen ethnischen Hintergrunds innerhalb eines Vielvölkerstaats. Auch die Bildung von stark ausgeprägten Subkulturen wird als Tribalisierung bezeichnet. Häufig zu beobachten ist das Phänomen der Gruppenbildung mit spezifischem Musikgeschmack, Kleidungsstil und Umgangsformen in der Jugendkultur.

    Herkunft des Begriffs ist das lateinische tribus, welches zu verschiedenen Zeiten leicht unterschiedliche Bedeutungen hatte, sich aber immer auf Untergruppen des römischen Volks bezog.

    Der Schulhof ist oft das beste Beispiel, um den Begriff der Tribalisierung anschaulich zu erklären. Vorne links stehen die Metaller, ein bisschen weiter ein paar verloren wirkende Punks, an der nächsten Ecke eine ganze Gruppe Hip-Hopper in zu großen Klamotten und den unvermeidlichen Schirmmützen und ganz hinten schließlich, versteckt hinter der Turnhalle, die Raucher.

    Liebe bei der „Love-Parade“ in Berlin, Hiebe bei den „Chaos-Tagen“ in Hannover. Das Bild der deutschen Jugend und ihrer Subkulturen wirkt so widersprüchlich wie nie. Die Generation der 13- bis 25jährigen zerfällt in immer mehr Grüppchen, Cliquen und Einzelgänger. Soziologen sprechen von „Tribalisierung„.
    Verfasser unbekannt (1995), Vergeßt alle Systeme, DER SPIEGEL 33/1995.

  • fraternisieren

    Das Verb fraternisieren bedeutet „sich anfreunden“ , „sich verbrüdern“. Es hat meist einen negativen Beiklang.

    Der Begriff findet oft dann Anwendung, wenn das Anfreunden aufgrund der ursprünglichen Positionen der sich miteinander fraternisierenden Parteien eigentlich eher abwegig ist oder einen negativen Beigeschmack hat. Beispielsweise dann, wenn eigentlich verfeindete Parteien sich miteinander verbünden, um niedere  Ziele zu erreichen.

    Der deutsche Ausdruck leitet sich aus dem französischen  fraternité (Brüderlichkeit) ab, welches auf das lateinische fraternus (brüderlich, freundschaftlich) zurückgeht. Vgl. auch lateinisch frater (Bruder).

    Es wird ihm zum Vorwurf gemacht, sich mit der Vorstandsebene der direkten Konkurrenz fraternisiert zu haben.

    Der Touristenbus aus Südkoreas Hauptstadt Seoul wird zum Slalom zwischen Drahtverhauen und Brachland eingewinkt. Kontrolle am „Checkpoint Charly“, dem Grenzposten zwischen Süd- und Nordkorea. Jeder muss unterschreiben, dass er auf dem Weg nach Panmunjom nicht mit nordkoreanischen Soldaten „fraternisiert oder Gesten macht, die der anderen Seite als Propagandamaterial dienen könnten“.
    Christian Schmidt-Häuer (2003),Zündeln mit der Bombe, DIE ZEIT 30.04.2003 Nr.19.

  • sukzessiv

    Das Adjektiv sukzessiv bedeutet „allmählich“, „nach und nach“ oder „schrittweise“.

    Prozesse oder Entwicklungen können als sukzessiv bezeichnet werden, um ihren graduellen Verlauf herauszustellen. Zur Beschreibung von Tätigkeiten muss das zugehörige Adverb sukzessive verwendet werden.

    Der Begriff hat seinen Ursprung im spätlateinischen successivus (nachfolgend).

    Lernt man jeden Tag ein neues Fremdwort, so erweitert man sukzessive seinen Wortschatz.

    Man sprach zunächst von einem sukzessiven Abbau der bestehenden Hindernisse, entschied sich letztlich aber doch für das alternativ vorgeschlagene Hauruckverfahren.

    Es ist ein sukzessives Erstarken dieser politischen Strömung zu beobachten.

    Albert der Große verfocht die Theorie der simultanen Beseelung – gleichzeitig mit dem Embryo entstehe die Seele. Thomas von Aquin dagegen vertrat die Theorie der so genannten sukzessiven Beseelung.
    – Antonio Autiero (2008), Verletzender Fundamentalismus, DIE ZEIT, 03.01.2008 Nr. 02.

  • konsolidieren

    Das Verb konsolidieren bedeutet „sichern“, „festigen“, „stabilisieren“ oder „stärken“.

    Konsolidiert werden kann alles, was als Einrichtung Bestand hat, beispielsweise also eine Ehe, die Wirtschaft, die politische Ausrichtung oder Position, ein zwischenmenschliches Verhältnis, der Staatshaushalt etc.

    Ins Deutsche übernommen wurde der Begriff im 18. Jhd. vom gleichbedeutenden französischen consolider. Der Ursprung liegt im lateinischen consolidare. Das lateinische solidus bedeutet ‚fest, stark oder hart‘ und bildet auch den Urspung des Adjektivs ’solide‘.

    Durch den weitreichenden Abbau wirtschaftlicher Schranken soll der Zusammenhalt der europäischen Staatengemeinschaft konsolidiert werden.

    Mittels geschickter Fiskalpolitik gelang das Kunststück, bei anhaltendem Wirtschaftswachstum den Staatshaushalt zu konsolidieren.

    Der außenpolitische Ansehensverlust ist enorm und dürfte lange vorhalten. Medwedjew, auf dessen liberalere Überzeugungen der Westen hoffte, ist entzaubert. Zwar mag die Hoffnung naiv untersetzt gewesen sein, da ein neuer russischer Herrscher am besten mit geballter Faust Popularität im eigenen Land erreichen kann. Aber der Krieg mit Georgien hat das Putin’sche Machtsystem konsolidiert und damit Medwedjews kleine Spielräume, falls er sie je nutzen will, weiter eingeengt.
    Johannes Voswinkel (2009), Russlands falsches Kalkül, ZEIT ONLINE 08.05.2009.

  • prekär

    Das Adjektiv prekär bedeutet „schwierig“, „unsicher“, „problematisch“. So lässt sich die Lage einer Person, einer Gemeinschaft, eines Landes etc. als negativ beschreiben.

    Insbesondere ist eine prekäre Lage oder Situation eine solche, die sich – wenn überhaupt – nur schwer verbessern lässt. Der zeitliche Horizont des Wortes schließt also sowohl die Gegenwart als auch die Zukunft mit ein, wobei ein gewisser Pessimismus mitschwingt und die Aussicht auf Verbesserung oder auch nur Erhaltung des Status Quo angezweifelt wird.

    Den Weg ins Deutsche hat der Begriff über das französische précaire (unsicher, widerruflich) gefunden, während der Ursprung im lateinischen precarius (erbeten) liegt.

    Die prekäre wirtschaftliche Lage seines Unternehmens bereitete ihm schlaflose Nächte.

    Die beiden Länder befinden sich in einer prekären Verhandlungssituation. Ein Ende der Gespräche ist vorerst nicht in Sicht.

    Kalehe ist nicht weit von Bukavu, der Provinzhauptstadt. Wenn die Aufständischen dort den Flughafen unter ihre Kontrolle bringen, sitzen Richter und Anwälte in Shabunda fest, wo die Sicherheitslage ebenfalls prekär ist.
    Böhm (2012), Die Rebellen und das Recht, DIE ZEIT, 29.11.2012 Nr. 49.

    Das Spiel, Theater probeweise als Dienstleistungsjob zu verstehen, demontiert nebenbei ein paar Lebenslügen, mit denen sich Menschen in Kreativ-Berufen das Leben gern schönreden – zum Beispiel indem sie miserable Bezahlung und prekäre Lebensverhältnisse mit hübschen Vokabeln wie „Selbstverwirklichung“ rosa einfärben.
    Burghart (2007), In welchem Stück bin ich hier eigentlich?, brand eins 02/2007.

  • defätistisch

    Das bildungssprachliche Adjektiv defätistisch (schweizerdeutsch: defaitistisch) wird abwertend gebraucht und beschreibt Personen, die mutlos agieren bzw. eine pessimistische Einstellung haben. Weiterhin können resignierende Aussagen als defätistisch bezeichnet werden.

    Ein umgangssprachliches Synonym für defätistisch ist „schwarzseherisch“.

    Abgeleitet wurde der Begriff von dem Substantiv Defätist, welches auf Defätismus zurückgeht, das seinen Ursprung im französischen défaitisme hat.

    Vor allem den Sozialdemokraten geht es schlecht. Demotiviert und defätistisch erlebe sie die Wahlkämpfer in den sozialdemokratischen Kreisverbänden, erzählt eine führende Grüne hinter vorgehaltener Hand.
    Lisa Caspari, Rot-Grün und die freie Liebe, 27.04.13, Zeit online

    Die Regierung in Kabul wird einer ermatteten Schutzmacht zuliebe nicht die Korruption bekämpfen, und die Taliban werden vor einem defätistischen Westen keine Angst haben.
    Jan Ross, Internationaler Terrorismus – Ein kleiner Sieg, 06.10.11, Zeit online

  • Orkus

    Orkus (bzw. Orcus) war laut römischer Mythologie der Herrscher der Unterwelt. Im Deutschen dient der Orkus als Synonym für die Unterwelt respektive das Reich der Toten.

    Etwas weniger dramatisch kann der metaphorische Abgrund gemeint sein, auf den jemand oder etwas zusteuert. In diesem Sinne spricht man gerne davon, etwas im Orkus zu versenken.

    Umgangssprachlich und seltener wird der Begriff auch als Synonym für „Toilette“ gebraucht.

    Der Begriff wurde aus dem Lateinischen übernommen.

    Steuert Donald Trump die amerikanische Gesundheitsversorgung in den Orkus?

    Ende der Woche – so die mutmaßliche Prophezeiung der Mayas – wird die ganze Welt im Orkus versinken.

    Die Investoren kehrten zurück. Die Staatsschuld halbierte sich auf den Traumwert von heute 46 Prozent der Wirtschaftsleistung (die Griechen sind bei 108 Prozent).

    Der Staatsbankrott muss also nicht in den Orkus führen. Aber bis dahin werden noch einige Euros in der Ägäis versinken.
    Joffe (2010), Euros in die Ägäis, DIE ZEIT, 29.04.2010 Nr. 18.

  • evozieren

    Das Verb evozieren bedeutet „hervorrufen“ oder „ins Gedächtnis rufen“, etwa von Gefühlen, Stimmungen, Vorstellungen oder Erinnerungen an Erlebnisse.

    Seinen Ursprung findet der Begriff im lateinischen evocare (herbeirufen).

    Das Gemälde evozierte bei ihr düstere Erinnerungen an ihre Kindheit.

    Manche Rede der AfD evoziert Erinnerungen an die Hochzeit des Nationalsozialismus.

    In diesem Kontext könnte die Formulierung Switzerland for sale das Bild eines Landes evozieren, das ungemütlich im internationalen Schaufenster steht und seinen eigenen Ausverkauf betreibt.
    Jakob Tanner (2010), Switzerland for sale, DIE ZEIT, 10.06.2010 Nr. 24.

  • Femme fatale

    Eine Femme fatale (die) ist im Französischen eine „verhängnisvolle Frau“. Der Begriff wird häufig für einen besonders attraktiven und verführerischen Frauentypus verwendet, der mit magisch-dämonischen Zügen ausgestattet ist.

    Die Femme fatale verspricht dem verführten Mann höchste Liebeserfüllung und bindet ihn gleichzeitig an sich, manipuliert ihn und stürzt ihn meist auch ins Unglück.

    Seine Freunde hatten ihn davor gewarnt, aber es war schon zu spät. Er war dem Charme der Femme fatale erlegen.

    Die Femme fatale war schon immer eine Frauenfigur, die im Film eine große Rolle gespielt hat.

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