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  • stringent

    Das Adjektiv stringent bedeutet „streng nach den Regeln oder dem Plan“ beziehungsweise „lĂŒckenlos, folgerichtig, zwingend schlĂŒssig, logisch“. Substantiviert kann man auch von der Stringenz sprechen.

    Der Begriff findet seinen Ursprung im lateinischen stringere (schnĂŒren, zusammenziehen).

    Mit stringenter BeweisfĂŒhrung und Argumentation trug der Staatsanwalt die Verfehlungen des Unternehmens vor.

    FĂŒr die Zukunft sollte ein stringentes Regelwerk formuliert werden.

    Einen Plan stringent zu verfolgen ist nur so lange sinnvoll, bis SituationsÀnderungen ein flexibles Umdenken erfordern.

    Damit die Zuhörer einem Vortrag gut folgen können, sollte er möglichst stringent und gut formuliert sein.

  • derangiert

    Das Adjektiv derangiert bedeutet „durcheinander“ oder „unordentlich“. Damit kann ein geistiges Durcheinander gemeint sein, also ein Zustand der Verwirrtheit. Auch ein durcheinanderer oder unordentlicher Zustand (zerzauste Haare, chaotische Kleidung, wirrer Blick, Dinge liegen verstreut herum) einer Person, eines Ortes, einer Organisation etc. kann so beschrieben werden.

    Der Begriff stammt aus dem Französischen (vgl. frz. déranger = durcheinanderbringen, verwirren) und wird dementsprechend ausgesprochen.

    Das derangierte BĂŒhnenbild diente als Allegorie fĂŒr den Geisteszustand des Antagonisten.

    Als er schließlich – mit 10-minĂŒtiger VerspĂ€tung – auf der BĂŒhne erschien, wirkte er derangiert und abgehetzt.

    Das Hotelzimmer ließ sie derangiert zurĂŒck.

    Als er schließlich – mit 10-minĂŒtiger VerspĂ€tung – auf der BĂŒhne erschien, wirkte er derangiert und abgehetzt.

    Sie machte doch einen recht derangierten Eindruck, mit ihrer schief geknöpften Bluse und der wirren Frisur.

    Bei meinem zweiten Gang dann besorgte Miro Klose die FĂŒhrung, die ich immerhin noch in der Wiederholung erleben durfte. Den darauf folgenden Ausgleich musste ich ungeschĂŒtzt und schon leicht derangiert ĂŒber mich ergehen lassen. Das Siegtor aber fiel tatsĂ€chlich bei meiner letzten Kloflucht.
    Thorsten Pannen (2008), Das Klofluchtverfahren, ZEIT online.

  • elaboriert

    Das Adjektiv elaboriert bedeutet „sorgfĂ€ltig ausgefĂŒhrt“, „sorgfĂ€ltig herausgebildet“ oder „hoch differenziert“, „hoch entwickelt“.

    Im Kontext der Sprachwissenschaften spricht man auch von elaborierter Sprache bzw. einem elaborierten Kode, wenn das Sprachniveau besonders ausgebildet und differenziert ist.

    Die Herkunft des Begriffs findet sich im englischen elaborated (herausgearbeitet) bzw. im lateinischen elaborare (etwas sorgfĂ€ltig ausfĂŒhren).

    Ein elaboriertes System von Checks und Balances soll die Gewaltenteilung in den USA aufrechterhalten.

    Auch die Körpersprache gehört zu einem elaborierten KulturverstÀndnis.

    Wie elaboriert man sich ausdrĂŒcken muss und soll, hĂ€ngt auch vom GesprĂ€chspartner ab.

    Der ausgeformte oder elaborierte Kode, so lesen wir in den verschiedenen Schriften des englischen Soziolinguisten Basil Bernstein und seiner SchĂŒler, ist die Sprache der bĂŒrgerlichen Mittelschicht […], wĂ€hrend sich die sozioökonomische Unterschicht der lohnabhĂ€ngigen, handarbeitenden Bevölkerung mit den wesentlich einfacheren und dĂŒrftigeren Redestrategien des restringierten Kode begnĂŒgen muss.
    –  Harald Weinrich (1973), „Sprechen Sie elaboriert?“, Zeit-Online 26.10.1973.

    Durch eine fotorealistische OberflÀche und die intuitiv verstÀndliche Softwarestruktur wird eine elaborierte Bedienbarkeit des GerÀtes erreicht.

  • ad hoc

    Die lateinische Phrase ad hoc, deren wortwörtliche Bedeutung „zu diesem, dafĂŒr“ lautet, drĂŒckt im deutschen Sprachgebrauch „dafĂŒr“ bzw. „hierfĂŒr“ oder „zu diesem Zweck“ aus. Im ĂŒbertragenen Sinne kann damit auch ausgedrĂŒckt werden, wenn etwas aus dem Augenblick heraus, spontan, impulsiv oder unĂŒberlegt erfolgt. Die Redewendung „aus dem Stegreif heraus“ ist ebenfalls ein Synonym fĂŒr ad hoc.

    Dementsprechend wird ad hoc meist in Verbindung mit Verben verwendet, die einen Vorgang oder eine Handlung beschreiben sollen die besonders spontan oder impulsiv ist. Die Verwendung unter der ursprĂŒnglichen Bedeutung ist auch möglich aber weitaus weniger bekannt. Somit kann damit zum Ausdruck gebracht werden, wenn etwas einem bestimmt Zweck dient.

    Die aufkommenden Unstimmigkeiten bei der Vereinheitlichung der AbschlĂŒsse sollten durch eine ad hoc eingesetzte PrĂŒfungskommission kompensiert werden.

    Hier eine Ad-hoc-Meldung in zehn Zeilen: Auch ein kleines Unternehmen muss professionell IR machen. Es muss vor allem seriöses Marketing fĂŒr seine Aktie machen können, um ĂŒberhaupt wahrgenommen zu werden, sonst geht es ad hoc unter.
    Peter Mentner (2001), Ad hoc, brand eins 06/2001

    Die ruhige Art verkörperte er beispiellos in dem Interview; er antwortete nicht ad hoc und beeilte sich auch nicht sehr die Fragen zu beantworten, als die Sendezeit schon knapp wurde.

    Sie antwortete ad hoc mit ihrem gewohntem Charme: „Du siehst einfach hinreißend aus!“.

  • I bims

    Der Ausdruck I bims bedeutet „ich bin’s“. Die absichtliche Falschschreibung wurde vom Langenscheidt-Verlag zum Jugendwort 2017 „gekĂŒrt“.

    Der Begriff wird der Facebook-Seite Nachdenkliche SprĂŒche mit Bilder zugeschrieben, die vom satirischen Umgang mit oft auf Facebook geteilten Inhalten geprĂ€gt ist. Die bewusst falsche Rechtschreibung, in der die „nachdenklichen SprĂŒche“ verfasst sind, hat sich schnell zu einer eigenen Subkultur entwickelt. Bekannte AuswĂŒchse sind die Holyge Bimbel (Affiliate-Link) als Verballhornung der Bibel und der Youtube-Kanal von Phil Laude.

    Hallo i bims 1 Fremdwort-Website LOL.

  • Interdependenz

    Das Substantiv Interdependenz bedeutet „gegenseitige AbhĂ€ngigkeit“. Entsprechend ist die Dependenz ein Synonym fĂŒr „AbhĂ€ngigkeit“.

    Der Begriff setzt sich zusammen aus den lateinischen Begriffen inter fĂŒr „zwischen“ und dependere fĂŒr „abhĂ€ngig sein“.

    Die Interdependenz ist eine Grundannahme menschlichen Zusammenlebens, da Menschen in sozialen GefĂŒgen stets auf andere angewiesen sind.

    Beide Staaten stehen in Interdependenz zueinander, da sie auf die Exporte des jeweils anderen angewiesen sind.

  • prokrastinieren

    Das Verb prokrastinieren bedeutet „aufschieben“, „vertagen“ und meint das unnötige und hinderliche Verschieben von wichtigen Aufgaben oder Vorhaben auf einen spĂ€teren Zeitpunkt.

    Es ist ausdrĂŒcklich nicht das legitime Aufschieben aufgrund Ă€ußerer UmstĂ€nde gemeint. Stattdessen geht es um Bequemlichkeit oder fehlenden Überblick und daraus resultierende erdrĂŒckende KomplexitĂ€t der Aufgabe. Darum hat der Begriff einen entsprechend negativen Beiklang.

    Der Begriff leitet sich aus dem lateinischen procrastino (vertagen) ab, zusammengesetzt aus pro– (fĂŒr) und cras (morgen), bzw. crastinum (der morgige Tag).

    Wichtige Aufgaben zu prokrastinieren ist nicht nur unter SchĂŒlern und Studenten ein beliebter Volkssport, sondern auch unter der arbeitenden Bevölkerung weit verbreitet. Selbst die Redaktion von neueswort.de macht da keine Ausnahme, weshalb das tĂ€gliche Fremdwort auch manchmal ausfĂ€llt.

    »Meine italienische Großmutter pflegte zu sagen: Manche Menschen verlassen den Strand erst, wenn ihnen das Wasser bereits an den Hintern klatscht. Und was tun wir? Wir helfen ihnen und verrĂŒcken das Handtuch fĂŒr sie. Das bedeutet, dass wir es vielen erst ermöglichen zu prokrastinieren. Wir lassen sie davonkommen.«
    Joe Ferrari (2007), Psychologe an der DePaul University in Chicago.

  • filibustern

    Das Verb filibustern bedeutet „Zeit schinden“ oder „hinauszögern“.

    Es wird vor allem in der Politik verwendet, um ein ausschweifendes, marathonartiges Reden zu beschreiben, mit dem unangenehme Dinge, wie Entscheidungen oder Abstimmungen, hinausgezögert oder zu verhindern versucht werden.

    Seinen Ursprung findet filibustern im englischen Verb to filibuster, welches anhand des Substantivs filibuster (Flibustier) herzuleiten ist. Das Substantiv wurde durch westindische SeerÀuber der zweiten HÀlfte des 17. Jahrhunderts geprÀgt und bezeichnet somit Freibeuter.

    Vor allem Minderheitsparteien der USA bedienen sich dem ĂŒblichen Mittel des Filibusterns, um Entscheidungen im Senat zu verhindern.

    Ihre Taktik ist es, so lange zu filibustern, bis das Publikum den eigentlichen Anlass der Rede verdrÀngt hat und somit hoffentlich niemand ihre komplette Ahnungslosigkeit bemerkt.

    An der französischen Schule hat sich keiner fĂŒr das Zeugnis interessiert. Die hatten andere Sorgen. Die waren einfach nur glĂŒcklich ĂŒber den neuen Aushilfslehrer, da oben im Norden. Am Ende des Jahres konnte ich parlieren, charmieren, mich echauffieren, sautieren und filibustern, dass es eine helle Freude war.
    Harald Martenstein, „Ich habe niemals gelogen. Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort“, ZEITmagazin, 10/2011

  • oktroyieren

    Das Verb oktroyieren bedeutet „auferzwingen“. Einer Person, einer Gruppe, einem Volk oder auch einem Stadtteil, einem Unternehmen etc. wird etwas von außen auferlegt. Dabei kann es sich um Zielvorgaben, VerĂ€nderungen, Regeln und Ähnliches handeln.

    Vielen ist der Begriff aus dem Geschichtsunterricht bekannt, denn dort ist mehrfach von oktroyierten Verfassungen die Rede. Unter anderem gehört die die preußische Verfassung von 1848 dazu, die vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. fĂŒr den ganzen preußischen Staat erlassen wurde.

    Übernommen oktroyieren aus dem französischen octroyer (verleihen, bewilligen) und wurde im Deutschen bis ins 19. Jahrhundert mit der gleichen Bedeutung verwendet.

    Unter den Bewohnern des Stadtteils regt sich Widerstand gegen den oktroyierten Entwicklungsplan des neuen BĂŒrgermeisters. Gentrifizierung und steigende Mieten werden befĂŒrchtet.

    Vielleicht sehen viele Menschen in Deutschland nicht – oder sie wollen es nicht sehen –, dass der oktroyierte Sparkurs die Krise nur verstĂ€rkt und die Ungerechtigkeit weiter anwachsen lĂ€sst, denn nun sollen genau die Menschen die Zeche zahlen, die die geringste Schuld an dem Desaster haben
    Antonio Muñoz Molina (2012), Wie wir euch sehen, DIE ZEIT, 16.8.2012 Nr. 34.

  • Dysphorie

    Dysphorie (die) beschreibt eine negative emotionale Verfassung einer Person. Diese drĂŒckt sich in Traurigkeit, Gereiztheit oder Wut aus. In den meisten FĂ€llen liegt einer Dysphorie keine Erkrankung zugrunde, sondern ist Teil der normalen Stimmungsschwankungen.

    HĂ€lt eine Dysphorie allerdings ĂŒber lĂ€ngere Zeit an, kann dies auf eine Erkrankung hindeuten. Der Begriff wird daher auch in der Medizin und Psychologie genutzt.

    Wesentlich hÀufiger in der Alltagssprache wird das Gegenteil von Dysphorie verwendet: Euphorie.

    Die Herkunft des Begriffs liegt im griechischen dysphoria (Ärger).

    ZurĂŒck im Alltag nach einem fantastischen Urlaub? Da sind ein paar Tage Dysphorie ganz normal.

    Postkoitale Dysphorie ist keine Seltenheit.

    Jeder Tag im BĂŒro ist eine schwindelerregende Acherbahnfahrt aus Dysphorie, Euphorie und Stress, Stress, Stress.