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insolent

Das bildungssprachliche Adjektiv insolent bedeutet „unverschämt“ und „anmaßend“. Der Gebrauch ist abwertend.

Personen und deren Verhalten lassen sich als insolent beschreiben. Wer insolent ist, hält sich für etwas Besseres, sitzt auf einem hohen Ross, ist hochmütig.

Die Herkunft des Begriffs findet sich im lateinischen insolens (ungewöhnlich, übertrieben, gegen Gewohnheit und Sitte verstoßend, übermütig, frech, dreist).

Verwendungsbeispiele

Sein insolentes Verhalten während der Verhandlung steht in scharfem Kontrast zur sichtbaren Anspannung kurz vor der Urteilsverkündung.

Ihr insolentes Grinsen wirkt unsympathisch.

Das einzige Ding, das den arbeitenden Mann fleißig machen kann, ist ein mäßiger Arbeitslohn. Ein zu geringer macht ihn je nach seinem Temperament kleinmütig oder verzweifelt, ein zu großer insolent und faul…
Bernard de Mandeville, The Fable of the Bees (zitiert in Karl Marx, Das Kapital).

preziös

Das bildungssprachliche Adjektiv preziös bedeutet „geziert“, „gekünstelt“ oder „unnatürlich“.

Alternative Schreibweise des Adjektivs ist pretiös.

Synonyme zu preziös sind unter anderem „etepetete“, „gezwungen“, „hochgestochen“ und „manieriert“.

Preziös ist auf das französische précieux (kostbar, wertvoll) zurückzuführen, dessen Ursprung im lateinischen pretiosus (wertvoll, kostbar, prächtig) liegt.

Verwendungsbeispiele

Ihr preziöses Dauerlächeln wirkte auf mich zunehmend abstoßend.

Der Stil des Künstlers ist mir zu preziös, ich bevorzuge einen klaren, schlichteren Stil.

Denn in der besseren Gastronomie erwartet der Gast Komfort und Perfektion, aber keinen preziösen Schnickschnack.
Wolfram Siebeck, Der Adler meldet sich zurück, ZEITmagazin Nº 09/2010

Selbst die sonst so kritischen Intellektuellen sind stumm wie die preziösen Koi-Karpfen in ihrem Becken.
Joachim Riedl, „Was alles fehlt“, Zeit Online, 25.09.2008

desavouieren

Das Verb desavouieren bezeichnet das Bloßstellen in der Öffentlichkeit oder auch das Abstreiten oder die Nichtanerkennung von Personen oder Gegebenheiten. Synonyme des bildungssprachlichen desavouieren sind „blamieren“, „vorführen“, „kompromittieren“, „zum Gespött machen“, oder auch „in Abrede stellen“.

Aus dem Französischen entlehnt, besteht desavouier aus dem altfranzösischen Präfix dés-, welches die Aussage des Verbs aufhebt und dem Verb avouer, zu Deutsch „anerkennen“ oder „einen Fehler eingestehen“.

Aussprache

Hörbeispiel: Aussprache anhören
Lautschrift (IPA): [dezavuˈiːʁən]

Verwendungsbeispiele

Durch das Abstimmungsergebnis fühlte sich der Politiker desavouiert. 35% der eigenen Parteimitglieder hatten gegen sein Vorhaben gestimmt.

Sie desavouierte sich vor ihrer neuen Arbeitgeberin, als sie den Stift aufhob und ihre Hosennaht platzte.

Der Präsident ist in seiner Autorität beschädigt, die Regierung als ein Verein von Amateuren desavouiert.
Martin Gehlen, Neue Verfassung: Mit der Scharia ist in Ägypten kein Staat mehr zu machen, Die Zeit 16.12.2012.

 

klandestin

Das bildungssprachliche klandestin bedeutet so viel wie „unbeobachtet“, „im Verborgenen befindlich“ oder „geheim gehalten“. Der Begriff kann sowohl als Adjektiv als auch als Adverb gebraucht werden.

„Heimlich“, „diskret“ oder „geheim“ können als Synonyme für klandestin verwendet werden.

Klandestin ist auf das französische clandestin, beziehungsweise das lateinische clandestinus (heimlich) zurückzuführen.

Verwendungsbeispiele

Das klandestine Treffen fand am späten Abend statt. Ich erfuhr erst Tage später davon.

Klandestin, ohne sich vom Gastgeber zu verabschieden, verließ er die Party.

Allerdings beschränkten sich ihre Aktivitäten, bis auf eine Demonstration gegen „linke Gewalt“ in Lichtenberg Ende September mit 60 Teilnehmern, lediglich auf klandestin organisierte Minikundgebungen und der Teilnahme an anderen rechten Aufmärschen.
Theo Schneider, Berlin: Neonazis wollen vor Brandenburger Tor auflaufen, Zeit Online, 12.02.2014

indigniert

Das Adjektiv indigniert bedeutet „peinlich berührt“. Ist eine Person indigniert, so fühlt sie sich in ihrer Würde verletzt, sieht sich also mit etwas konfrontiert, was ihr unangenehm ist und sie betreten macht.

Die Herkunft des Wortes findet sich im lateinischen indignus (unangemessen, unwürdig), welches sich aus der verneinenden Vorsilbe in- und dem lateinischen Wort für „würdig“, dignus, zusammensetzt.

Verwendungsbeispiele

Indigniert schüttelte er den Kopf und sah anschließend zu Boden.

Ich war von seinem Verhalten aufs Höchste indigniert. Ein Fauxpas jagte den nächsten, schrecklich!

Sie wünschte sich, ihr würde eine schlagfertige Entgegnung einfallen. Stattdessen schwieg sie nur indigniert.

Nimbus

Das Substantiv Nimbus (der) bedeutet „Heiligenschein“ bzw. „besonderes Ansehen/Prestige“.

Vom Nimbus im Sinne eines Heiligenscheins hinter dem Haupt einer Person spricht man vor allem im Kontext der bildenden Kunst, wo er als Symbol des Göttlichen oder auch weltlicher Macht dient.

Ebenfalls kann ein (eventuell sogar übersteigerter) Ruhm gemeint sein, wenn man vom Nimbus einer Sache, einer Person oder einer Gruppe von Personen spricht. Der strahlende Glanz also, der sich von rational begründbarer Bewunderung abhebt.

Der Begriff findet seine Herkunft im lateinischen nimbus, welches wörtlich „Regenwolke“ bedeutet und im übertragenen Sinne die Nebelhülle meint, in der Götter den Menschen erscheinen.

Verwendungsbeispiele

Die WM in Russland hat Joachim Löws Nimbus des Unangreifbaren zerstört.
Süddeutsche Zeitung, 3.7.2018.

Er wollte um jeden Preis den Nimbus um seine Person bewahren; diesem Ziel ordnete er alles andere unter.

Das neue Album bestätigt ihren Nimbus als eine der vielseitigsten Jazz-Sängerinnen unserer Zeit.

Am Sonntag stehen in Venezuela Gouverneurswahlen an. Der Staatspräsident hat seinen Nimbus der Unbesiegbarkeit verloren – nun kandidieren Dissidenten gegen seinen Willen.
Zeit Online, 23.11.2008.

Um das haupt griechischer gottheiten erscheint auf abbildungen ein strahlenkranz und nimbus, auf indogriechischen münzen pflegt der Mithras einen kreisförmigen nimbus mit spitzen strahlen zu zeigen, andere darstellungen entbehren der strahlen.[sic!]
– Jacob Grimm (1835), Deutsche Mythologie.

konstitutiv

Das Adjektiv konstitutiv bedeutet „grundlegend“, „tragend“ und beschreibt ein Merkmal, eine Bedingung oder eine Eigenschaft, die für den Erfolg, die Gesamterscheinung oder die Definition einer Sache oder einer Person maßgeblich ist, also nicht weggelassen werden kann.

Der Begriff hat seinen Ursprung im lateinischen constituere (feststellen, beschließen).

Verwendungsbeispiele

Die persönliche Ansprache des Publikums ist konstitutiver Bestandteil seiner Bühnenshow.

Konstitutiv waren in dieser Phase vor allem der Weitblick und der Entscheidungswillen des neu gewählten Präsidenten.

Die eigene Sprache ist zweifellos konstitutives Element jeder lokalen Kultur.

sardonisch

Das Adjektiv sardonisch bedeutet „boshaft“, „hämisch“. Es beschreibt meist ein grimmiges, verzerrtes Lächeln bzw. Lachen.

Wer sardonisch lächelt, beißt vielleicht die Zähne fratzenhaft zusammen. Grinst dem Unglück anderer Personen, der eigenen Misere oder beidem gleichzeitig mit schmerzhaftem, grimmigem Spott entgegen.

Eine sardonische Art oder ein sardonisches Werk (Text, Film, Theaterstück etc.) ist von ebendiesem schmerzvollen, grimmigen Hohn und Spott geprägt.

Speziell in der Medizin beschreibt das sardonische Lachen bzw. der Risus sardonicus das starre Grinsen, das etwa von Wundstarrkrampf oder einer Strychninvergiftung hervorgerufen wird.

Die Herkunft des Begriffs liegt im lateinischen sardonius und geht zurück auf das griechische sardónios gélōs (bitteres Hohngelächter bei eigenem Schaden).

Verwendungsbeispiele

„Wie war dein Vorstellungsbespräch“, fragte sie mich sardonisch. Dabei wusste sie längst, dass ich vor Aufregung kein Wort herausgebracht hatte.

Gestern hat er mir noch eine Abreibung verpasst. Heute verfolge ich mit sardonischem Lächeln den Skandal, in den er plötzlich verstrickt ist.

„Alles bestens! Die Ärzte geben mir noch ganze zwei Wochen“, verkündet er sardonisch.

par ex­cel­lence

Die nachgestellte Phrase par excellence bedeutet „in höchster Vollendung“.

Personen, Sachverhalte, Entwicklungen oder Gegenstände können par excellence sein, wenn sie in mustergültiger Ausführung vorliegen.

Die Herkunft des Ausdrucks liegt im französischen excellence (Erhabenheit, Herrlichkeit) und geht zurück auf das gleichbedeutende lateinische excellentia.

Er begeisterte seine Gäste mit einem Gin Tonic par excellence.

„Das war eine Eröffnungsrede par excellence. Ich war von deinem Vortrag zu Tränen gerührt.“

Als Abteilungsleiterin par excellence wird sie nicht nur von ihrem Team durch und durch respektiert, sondern auch von ihrer Vorgesetzten hoch geschätzt.

Dass in Deutschland mehr als vier Millionen Menschen mit Depressionen leben, die ärztliche oder therapeutische Hilfe brauchen, ist ein Zeichen. Ehrenberg hält Depression für „die Krankheit par excellence des demokratischen Menschen“.
– Stefan Reinecke (2012), Darf es etwas weniger sein?, brand eins o4/2012.

insinuieren

Das Verb insinuieren bedeutet „unterstellen“ oder „durchblicken lassen“, „andeuten“.

Wer etwas insinuiert, äußert meist einen Verdacht – entweder in klaren Worten oder nur angedeutet bzw. umschrieben.

Der Begriff ist entlehnt aus dem lateinischen insinuare (eindringen, sich hineindrängen, einflüstern, sich einschmeicheln).

Verwendungsbeispiele

In ihrer Ansprache insinuierte sie, dass die zunehmende Salonfähigkeit von offen zur Schau getragener Fremdenfeindlichkeit für den Wahlerfolg der AfD verantwortlich sei.

Seine Noten haben sich verschlechtert. Das liegt sicher an diesen fürchterlichen Computerspielen, insinuieren seine Eltern.

Auch wenn die Presse es unablässig bissig insinuiert, wir stehen trotz sinkender Zahlen noch lange nicht vor der Insolvenz.

Sie hat den Vorwurf nicht offen geäußert, sondern nur implizit insinuiert.