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insinuieren

Das Verb insinuieren bedeutet „unterstellen“ oder „durchblicken lassen“, „andeuten“.

Wer etwas insinuiert, äußert meist einen Verdacht – entweder in klaren Worten oder nur angedeutet bzw. umschrieben.

Der Begriff ist entlehnt aus dem lateinischen insinuare (eindringen, sich hineindrängen, einflüstern, sich einschmeicheln).

Verwendungsbeispiele

In ihrer Ansprache insinuierte sie, dass die zunehmende Salonfähigkeit von offen zur Schau getragener Fremdenfeindlichkeit für den Wahlerfolg der AfD verantwortlich sei.

Seine Noten haben sich verschlechtert. Das liegt sicher an diesen fürchterlichen Computerspielen, insinuieren seine Eltern.

Auch wenn die Presse es unablässig bissig insinuiert, wir stehen trotz sinkender Zahlen noch lange nicht vor der Insolvenz.

Sie hat den Vorwurf nicht offen geäußert, sondern nur implizit insinuiert.

Kalamität

Das Substantiv Kalamität (die) bedeutet [1] „missliche bzw. peinliche Lage“, „Schwierigkeit“ oder „Missstand“. Der Gebrauch ist eher umgangssprachlich als bildungssprachlich.

[2] Speziell in der Biologie ist eine Kalamität die Schädigung einer großen Anzahl von Kulturpflanzen, beispielsweise durch Unwetter oder Schädlingsbefall. Man spricht etwa von der Borkenkäferkalamität.

Der Begriff wurde im 17. Jahrhundert aus dem französischen calamité bzw. dem lateinischen calamitas (Schaden, Verlust, Unheil) übernommen und ursprünglich zur Beschreibung jeglichen Unglücks gebraucht.

Verwendungsbeispiele

[1] Ich stecke in außerordentlichen Kalamitäten und brauche Hilfe.

[1] Wir müssen diese Kalamität überwinden, um unser Ziel zu erreichen.

[2] Nach der Blattlauskalamität habe ich die Rosenzucht aufgegeben.

[2] Der Holzmarkt bzw. -preis wird maßgeblich von Kalamitäten beeinflusst.

gerieren

Das Verb gerieren bedeutet „sich aufführen“ oder „auftreten“, wobei die Art des Auftretens stets ebenfalls genannt werden muss. Man spricht in der Regel davon, dass sich eine Person als etwas geriert, wenn sie sich als etwas ausgibt, das nicht der Wahrheit entspricht.

Gerieren leitet sich aus dem lateinischen gerere (tun, führen, tragen) ab.

Er geriert sich als Messias des deutschen Films, kaut jedoch nur gängige Hollywoodklischees wieder.

Im dritten Teil der Batman-Trilogie geriert sich der von der Gesellschaft der Schatten ausgestoßene Bane als Befreier Gothams aus den Händen der dekadenten Oberschicht.

Wielowski meckerte, Wielowski lobte, er korrigierte und ließ umschreiben. Mitunter gerierte er sich sogar als Doktorvater, obwohl er vermutlich nie einen Universitätshörsaal von innen gesehen hat.
Egmont R. Koch (2012), Beim Titelhändler, DIE ZEIT, 10.5.2012 Nr. 20.

retrospektiv

Das Adjektiv retrospektiv bedeutet „rückblickend“ und beschreibt damit ein Bezugnahme auf vergangene Zeiten.

Der Begriff leitet sich ab aus einer Verbindung der lateinischen Ausdrücke retro (rückwärts, zurück) und spectare (schauen, betrachten).

Verwendungsbeispiele

Bei der retrospektiven Beurteilung des Vorgehens wurden einige Unregelmäßigkeiten festgestellt.

Ich habe retrospektiv erkannt, was ich an ihr hatte. Nun bereue ich die Trennung.

arbiträr

Das Adjektiv arbiträr bedeutet „nach eigenem Ermessen oder eigenen Überlegungen“ oder „willkürlich“. Ein weiteres Synonym für arbiträr ist „beliebig.“

Arbiträr ist damit praktisch alles, was nicht höheren Grundsätzen folgt.

Speziell in der Sprachwissenschaft sagt man etwa, dass Begriffe und Zeichen arbiträr sind. Der Begriff, mit dem wir ein bestimmtes Objekt beschreiben, ist (fast immer) prinzipiell willkürlich.

Beispiel: Es gibt keinen naturgegebenen Grund, warum wir einen Apfel „Apfel“ nennen und nicht mit einem anderen Begriff bezeichnen. Gleiches gilt für die Aussprache von Worten, die ebenfalls nicht in Stein gemeißelt ist, sondern sich durchaus von Region zu Region unterscheiden kann.

In der Mathematik ist der Begriff arbiträre Größe geläufig. Er bezeichnet eine konstante, beliebige Größe, die durch einen Buchstaben symbolisiert wird.

Das deutsche Wort arbiträr leitet sich vom französischen arbitraire (willkürlich, eigenmächtig) ab, welches auf das lateinische arbitrarius (willkürlich) zurückgeht.

Verwendungsbeispiele

Beim Kochen ging er arbiträr und ohne Rezept vor.

Was ist besser, Links- oder Rechtsverkehr? Weder noch, die Entscheidung ist also arbiträr.

Gesellschaftliche Normen sind zumindest teils arbiträr, wie sich an ihrem Wandel über die Zeit und ihrer Unterschiedlichkeit in verschiedenen Kulturen erkennen lässt.

Gesetze sind nötig, damit Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft nicht vollkommen arbiträr agieren können.

Bei der Neugestaltung meiner Wohnung bin ich keinem bestimmten Prinzip gefolgt, sondern habe arbiträr Farben und Materialien gewählt, die mir gefallen haben. „Wird schon schick werden“, dachte ich mir.

Kairos

Das Substantiv Kairos (der) bedeutet „günstiger Zeitpunkt (für eine Entscheidung)“ oder „entscheidender Augenblick“.

In der griechischen Mythologie wird Kairos als Gottheit beschrieben. Er bewegt sich schnell und unablässig, von seiner Stirn hängt eine lange Locke, sein Hinterkopf ist jedoch kahl und glatt. Er ist also die personifizierte Gelegenheit, die es am Schopf zu packen gilt, bevor sie vorbeigezogen ist.

Vom Kairos spricht man im Allgemeinen dann, wenn man den günstigen, den flüchtigen, den alles entscheidenden Augenblick beschreiben will. Ein solcher Augenblick sticht heraus im Fluss der Zeit (Chronos, das zweite griechische Wort für Zeit). Der Kairos ist etwas Besonderes und etwas Seltenes, geprägt von eminenter Tragweite. Nicht gemeint sind also solch triviale Situationen wie der morgendliche Moment der Entscheidung aufzustehen oder lieber noch fünf Minuten liegen zu bleiben.

Der Begriff wurde direkt aus dem Altgriechischen übernommen.

Der Kairos hat sich uns geboten, jedoch haben wir ihn – zu meinem großen Bedauern – letztlich doch verpasst.

Die Situation schien verfahren. Lange war es stetig bergab gegangen und auch die Zukunft schien düster. Doch dann, unerwartet und durch einen schier unmöglichen Zufall, tat sich noch eine Chance auf. Sie zögerte nicht und ergriff den Kairos, setzte alles auf eine Karte und schaffte es so, ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken.

Wie oft wurde der Kairos der Fertigstellung durch freiberufliche wie später parlamentarische „Ablenkung“ versäumt, bevor die Erkenntnis dieses traurigen Faktums einer bemerkenswerten Mischung aus eherner professoraler Geduld (wie Liebenswürdigkeit), sanftem, aber unerbittlichem familiären Druck und wohl auch ein wenig der beklagenswerten Eitelkeit weichen durfte.
– Karl-Theodor Frhr. zu Guttenberg (2008), Verfassung und Verfassungsvertrag.

heroisieren

Das Verb heroisieren bedeutet „(als Helden) verherrlichen“ und beschreibt die Erhebung einer Person in den Heldenstatus. Besonders häufig wird der Begriff dann gebraucht, wenn der Heldenstatus eigentlich nicht verdient ist.

Das Verb leitet sich aus dem Adjektiv heroisch ab, welches auf das lateinische heroicus (heldenhaft) zurückgeht.

Einen Alleinherrscher zu heroisieren ist zentraler Bestandteil des Propagandaprogramms einer Diktatur.

Im Nachhinein werden selbst Kriegsverbrecher gern mit Ruhm und Ehre ausgestattet und so als große Feldherren heroisiert.

Nonkonformismus

Nonkonformismus (der) bezeichnet eine individualistische, unangepasste, unabhängige Haltung gegenüber sozialen, religiösen oder weltanschaulichen Normen. Man schwimmt dabei nicht immer direkt gegen den Strom, aber auch nicht mit ihm.

Das Substantiv ist deckungsgleich mit Nonkonformität oder Antikonformismus.

Die Herkunft des Begriffs findet sich in der Verbindung des lateinischen non- für „nicht“ und dem spätlateinischen conformis, was „gleichförmig“ bedeutet.

Gesellschaften, in denen Nonkonformismus als erstrebenswert gilt, sind bunter, vielfältiger und lebhafter.

Nonkonformismus angesichts überwältigender wissenschaftlicher Belege ist fehlgeleitet. Wer Impfungen und moderne Medizin zu Gunsten von Homöopathie und Wunderheilung ablehnt, mag sich als freidenkender Nonkonformist fühlen – ist tatsächlich aber einfach nur irrational.

Mit ihrer Kleidung drücken die Musiker den von ihnen propagierten Nonkonformismus aus.

Nachdem die Hippiekultur früher als Ausdruck des Nonkonformismus zu verstehen war, sind zumindest Teile von ihr inzwischen längst in die gängige Popkultur eingegangen und können kaum noch überraschen oder gar schockieren.

Parvenü

Der Parvenü ist ein „Aufsteiger“, „Emporkömmling“ oder „Neureicher“.

Als einen Parvenü bezeichnet man jemanden, der aus einfachen Verhältnissen heraus zu Reichtum gelangt ist. Als der Begriff im 18. und 19. Jahrhundert aufkam, fehlten einem solchen Emporkömmling in der Regel die Kultiviertheit und der Bildungsstand einer Person, die in eine wohlhabenden Familie geboren wurde. „Parvenü“ hatte also eine leicht abwertende Konnotation, die sich bis heute gehalten hat.

Der deutsche Begriff stammt vom gleichbedeutenden französischen Begriff parvenu ab, substantiviert aus parvenir (emporkommen).

Verwendungsbeispiele

Es ist einer dieser Clubs, wo die Parvenüs der Neuzeit sich selbst feiern. Nicht selten sieht man gerade diejenigen, die sich in den frühen Abendstunden noch Champagnerflaschen an den Tisch bestellten, später mit freiem Oberkörper auf Podesten tanzen.

Anka Muhlstein verweist hier zu Recht auf das strukturelle Problem von Napoleons Herrschaft. Als Parvenü unter Europas Monarchen war er zum Erfolg verdammt. Ein Stehenbleiben, gar ein Rückzug wäre einer Niederlage gleichgekommen und hätte dem Nimbus seiner Unfehlbarkeit einen schweren Schlag versetzt.
– Volker Ullrich (2008), Moskau war sein Schicksal, Die Zeit, 24.01.2008 Nr. 05.

Nexus

Das Substantiv Nexus (der) bedeutet „Verbindung“, „Zusammenhang“ oder „Verflechtung“.

Man spricht etwa vom logischen Nexus oder dem Nexus verschiedener zusammenhängender Sachverhalte.

Die Herkunft des Begriffs findet sich im lateinischen nexus (Verknüpfung, Verschlingung, Windung). Vergleiche auch lat. nectere (anknüpfen, verbinden).

Möglicherweise besteht kein Nexus zwischen den beiden Ereignissen.

Eine statistisch signifikante Korrelation allein beweist noch keinen kausalen Nexus.

Der Nexus zwischen CO2-Anstieg und Erderwärmung ist seit langem bekannt.

Seine erste Lektion über den Nexus von Unternehmenswelt und Politik lernt Lay vor 30 Jahren, als er bei der Ölfirma Exxon beschäftigt ist und ein Angebot bekommt, zur staatlichen Energieaufsicht zu wechseln.
zeit.de