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elaboriert

Das Adjektiv elaboriert bedeutet „sorgfältig ausgeführt“, „sorgfältig herausgebildet“ oder „hoch differenziert“, „hoch entwickelt“.

Im Kontext der Sprachwissenschaften spricht man auch von elaborierter Sprache bzw. einem elaborierten Kode, wenn das Sprachniveau besonders ausgebildet und differenziert ist.

Die Herkunft des Begriffs findet sich im englischen elaborated (herausgearbeitet) bzw. im lateinischen elaborare (etwas sorgfältig ausführen).

Ein elaboriertes System von Checks und Balances soll die Gewaltenteilung in den USA aufrechterhalten.

Auch die Körpersprache gehört zu einem elaborierten Kulturverständnis.

Wie elaboriert man sich ausdrücken muss und soll, hängt auch vom Gesprächspartner ab.

Der ausgeformte oder elaborierte Kode, so lesen wir in den verschiedenen Schriften des englischen Soziolinguisten Basil Bernstein und seiner Schüler, ist die Sprache der bürgerlichen Mittelschicht […], während sich die sozioökonomische Unterschicht der lohnabhängigen, handarbeitenden Bevölkerung mit den wesentlich einfacheren und dürftigeren Redestrategien des restringierten Kode begnügen muss.
–  Harald Weinrich (1973), „Sprechen Sie elaboriert?“, Zeit-Online 26.10.1973.

Durch eine fotorealistische Oberfläche und die intuitiv verständliche Softwarestruktur wird eine elaborierte Bedienbarkeit des Gerätes erreicht.

dezidiert

Das Adjektiv dezidiert bedeutet „entschieden“, „bestimmt“, „energisch“.

Beispielsweise kann man eine dezidierte Meinung haben oder dezidierte Forderungen stellen.

Weitere Synonyme für dezidiert sind unter anderem apodiktisch, eindringlich, kategorisch oder unmissverständlich.

Der Begriff entstammt dem lateinischen Verb decidere (eigentlich, abschneiden).

Er rief Sie auf, dezidiert Ihren Standpunkt einzunehmen, damit diese schwammige Diskussion – gespickt von Missverständnissen und Unklarheiten – ein für allemal beendet werden konnte.

Er besaß für eine solche Stellung nicht weniger als alles: ein verbindliches und doch zugleich dezidiertes Auftreten, Stattlichkeit der Erscheinung, natürliche Klugheit, Wohlwollen, Erzähler- und Rednergabe, Sprachkenntnis und vor allem die Gabe, Festlichkeiten mit Kunst und Geschmack zu inszenieren.
– Theodor Fontane (1898), Von Zwanzig bis Dreißig.

Stefan Schaltegger, der Professor für Nachhaltigkeits-Management, hat in einer Studie herausgefunden: „In den Unternehmens-Prozessen verändert sich nur dann etwas sehr deutlich oder messbar im Sinne der Nachhaltigkeit, wenn ein Mitglied des Vorstands oder der Geschäftsleitung dezidiert für das Thema verantwortlich ist.“
– Thomas Ramge (2010), Die Wohlfühl-Utopie, brand eins 05/2010

Konvolut

Das gehobene Substantiv Konvolut (das) beschreibt einen „Sammelband“ oder ein „Bündel von Schriftstücken“.

Darüber hinaus bezeichnet man in der Medizin Körperstrukturen als Konvolut, die miteinander verwachsen oder ineinander verschlungen sind.

Der Begriff wurde vom lateinischen Wort convolutum (Zusammengerolltes), dem Partizip Perfekt des Verbes convolvere (sich einrollen, winden, zusammenrollen) entlehnt.

Der Autor hinterließ seinen Kindern eine gigantische Zettelsammlung voller Ideen. Das Konvolut wurde nach seinem Tod zu mehreren Büchern verarbeitet.

Während des Studiums hat sich bei mir ein Konvolut an Unterrichtsmaterialien angehäuft.

Clinton hatte in ihrer Amtszeit als Außenministerin mehr als 30.000 E-Mails von ihrem privaten Mailkonto verschickt. Die Enthüllungsplattform Wikileaks hatte das Konvolut in der vergangenen Woche veröffentlicht und durchsuchbar gemacht.
Google wollte beim Sturz Assads helfen, 22.03.2016, golem.de

 

 

Abstinenz

Das Substantiv Abstinenz (die) bedeutet „Enthaltsamkeit“, „Enthaltung“.

Häufig beschreibt Abstinenz den Verzicht auf

  • sexuelle Aktivitäten (Keuschheit, Zölibat),
  • Alkohol bzw. Drogen oder
  • bestimmte Lebensmittel, vor allem Fleisch (Vegetarismus) oder sogar jegliche Tierprodukte (Veganismus).

Der Begriff ist eine Ableitung vom gleichbedeutenden lateinischen Substantiv abstinentia. Dieses wird wiederum vom Verb abstinere (sich enthalten, sich fernhalten) abgeleitet.

Vegetarier leben in freiwilliger Abstinenz, das heißt sie meiden den Verzehr von Fleisch und Fisch. Stattdessen ernähren sie sich sich vor allem von pflanzlichen Produkten.

Auf der Tour floß der Alkohol in Strömen. Bei der fieberhaften Arbeit an einer neuen Platte übte sich die Band aber in der Regel in Abstinenz.

Dass Abstinenz, wie ihr Gegenteil, der Überkonsum, eine Tendenz zum Zwanghaften besitzt, wird begreifen, wer amerikanische Therapieprogramme mit dem Lernziel „sexuelle Abstinenz“ studiert. Safer Sex gilt hier als die zweitbeste, Nichtsex als die beste Lösung im Kampf gegen Aids.
Zeit.de

allokieren / allozieren

Streng genommen sind die Verben allokieren und allozieren im Deutschen unterschiedliche Wörter mit einer jeweils eigenen Bedeutung. Da sie so häufig synonym genutzt werden, dass selbst der Duden für beide die gleiche Bedeutung führt, erklären wir sie in einem Artikel:

Allozieren

[1] In der Wirtschaft meint allozieren die Zuweisung oder Verteilung von finanziellen Mitteln (z.B. in einem Etat) bzw. von Ressourcen. Oder die Bereitstellung von etwas für einen bestimmten Zweck (meist im Bereich der EDV). Diese Verwendung ist gleichbedeutend mit „eine Allokation vornehmen“.

Der Ursprung von allozieren liegt im Lateinischen und setzt sich aus dem Präfix ad (an-, heran-, hinzu-, dabei-) und dem Verb locare (legen, stellen) zusammen.

Allokieren

[2] Seltener wird allokieren im Sinne von „jemanden ansprechen“ oder „sich an jemanden richten“ verwendet. Entsprechend ist eine Allokution eine förmliche Ansprache.

Der Ursprung von allokieren liegt im lateinischen alloqui (anreden, ansprechen).

Warum der Unterschied?

Deutsche Verben, die von lateinischen Verben mit der Endung –care oder -cere abstammen, werden in der Regel mit der Endung -zieren übernommen (communicare wird zu kommunizieren, identificare wird zu identifizieren usw.). Daher ist die richtige Schreibweise für Bedeutung [1] allozieren und für Bedeutung [2] allokieren. Die häufige Verwendung von allokieren statt allozieren in Wirtschaft und der EDV  ist wahrscheinlich auf das englische to allocate (etw. zuteilen, zuweisen) zurückzuführen.

Verwendungsbeispiele

[1] In einer Planwirtschaft werden Ressourcen zentral alloziert.

[1] Die erforderlichen Budgets für die unterschiedlichen Bereiche im Unternehmen sollten vor dem neuen Geschäftsjahr alloziert werden.

[2] Sie allokierte die Staatsoberhäupter in einer ungeplanten Rede.

 

Konsequenz

Das Substantiv Konsequenz (die) bedeutet [1] „Auswirkung, Ergebnis bzw. Folge einer Handlung oder Haltung“ oder – sehr ähnlich – [2] „Folgerichtigkeit“ bzw. „Schlüssigkeit“.

Weiterhin kann Konsequenz [3] „Beharrlichkeit“, „Geradlinigkeit“ bzw. „Ausdauer“ bedeuten. In diesem Sinne beschreibt der Begriff oft ein an Grundsätzen orientiertes Verhalten. Das entsprechende Gegenwort ist die Inkonsequenz.

Der Begriff ist von lateinisch consequentia (die Folge) abgeleitet und wird seit Ende des 18. Jahrhunderts mit zunehmender Häufigkeit in der deutschen Sprache verwendet. Bis Ende des 19. Jahrhunderts noch vorrangig in der Schreibweise Consequenz.

Verwendungsbeispiele

[1] Wer gegen das Gesetz verstoßt, muss sich der Konsequenzen bewusst sein.

[1] Die Konsequenzen von Fehlentscheidungen in der Wirtschaft haben meist in erster Linie die kleinen Arbeitnehmer zu tragen.

[1] Der Fund sorgte für einigen Medienrummel, hatte ansonsten aber keine praktischen Konsequenzen.

[2] Ich habe immer recht. In logischer Konsequenz liegt jeder falsch, der mich hinterfragt.

[3] Er legte bei der Umsetzung seines wirren Plans absolute Konsequenz an den Tag.

[3] Sie blieb im Wahlkampf ihrer ideologischen Linie mit äußerster Konsequenz treu.

Konklusion

Das Substantiv Konklusion (die) bedeutet „Schlussfolgerung“.

Speziell in der Syllogistik (dem Kern der aristotelischen Logik in der Philosophie) ist die Konklusion der Satz, der die aus zwei Prämissen folgende Schlussfolgerung enthält. Syllogismen sind dabei stets nach dem gleichen Schema aufgebaut. Hier ein Beispiel:

  • Prämisse 1: Alle unsere Angestellten sind krankenversichert.
  • Prämisse 2: Herr Müller ist bei uns angestellt.
  • Konklusion: Herr Müller ist krankenversichert.

Mehr dazu bei Wikipedia.

Konklusion stammt vom lateinischen conclusio (Schlussfolgerung) ab.

Verwendungsbeispiele

Um zur Konklusion zu kommen: Der Antrag ist abzulehnen.

Wenn ich deinen aufgepeitschten emotionalen Zustand berücksichtige, kann ich deine Schlussfolgerung nachvollziehen. Nüchtern betrachtet komme ich aber zu einer anderen  Konklusion.

Eine valide Konklusion am Ende einer Argumentation bedingt, dass sie sich logisch aus den vorangestellten Prämissen und den allgemein anerkannten Fakten ergibt.

statisch

Das Adjektiv statisch bedeutet bildungssprachlich [1] „keine Entwicklung oder Bewegung aufweisend“.

Speziell in der Physik meint statisch [2] „das von Kräften erzeugte Gleichgewicht betreffend“ und schließlich in der Architektur [3] „die Statik betreffend“.

Statisch stammt von Statik, abgeleitet vom griechischen στατικὴ (τέχνη) (tatikḗ (téchnē)) ab, was „Lehre vom Gleichgewicht“ heißt.

[1] Die Wirtschaft des Landes ist statisch. Die Politik möchte das Wirtschaftswachstum ankurbeln.

[1] Seine tendenziell statische Beinarbeit im Boxring hat ihn schon viele Siege gekostet.

[2] Eine Federwaage ist ein Instrument zur statischen Kraftmessung. Nach oben gerichtete Federkraft und nach unten gerichtete Gewichtskraft des gemessenen Objekts finden ein Gleichgewicht. Anschließend kann anhand der Streckung der Feder die Masse des Objekts bestimmt werden.

[3] Bei der statischen Berechnung von Gebäuden muss man sorgfältig vorgehen.

tendenziell

Das Adjektiv tendenziell bedeutet [1] „einer allgemeinen Entwicklung entsprechend“ oder „sich auf eine allgemeine Entwicklung beziehend“. Wenn nicht die Entwicklung an sich, sondern ein durch die Entwicklung bedingter Zustand beschrieben wird, deckt sich die Bedeutung weitestgehend mit dem Ausdruck „in der Regel“.

Weiterhin kann tendenziell [2] „einer Tendenz (im Sinne von Neigung, Haltung) entsprechend“ bedeuten.

Die Herkunft des Ausdrucks liegt im französischen tendance (Richtung, Neigung).

[1] Tendenziell wächst die Anzahl der Menschen auf der Erde jedes Jahr.

[1] Natürlich gibt es Tage, Wochen, Monate und sogar Jahre, die Ausnahmen vom Trend darstellen, tendenziell ist aber eine andauernde globale Erwärmung zu beobachten.

[1] Dank des medizinischen Fortschritts leben Menschen heute tendenziell länger.

[2] Er war ein tendenziell experimenteller Gitarrist. Bei seinen stets improvisierten Gitarrensolos entlockt er seinem Instrument oft ungewöhnlichste Töne.

[2] Mit ihrem tendenziell forschen Auftreten wirkt sie sehr selbstbewusst.

Primus inter Pares

Der bildungssprachliche Ausdruck Primus inter Pares wurde direkt aus dem Lateinischen übernommen und bedeutet wörtlich „Erster unter Gleichen“.

Die weibliche Wortform lautet Prima inter Pares.

Als Primus inter Pares  wird eine Person in herausgehobener Stellung innerhalb einer Gruppe gleichberechtigter Mitglieder bezeichnet. Dieses Mitglied der Gruppe hat formal die selben Rechte und steht auf der gleichen Stufe wie die anderen Gruppenmitglieder, genießt aber trotzdem eine gewisse Ehrenstellung oder besonderes Ansehen. Mit dieser Ehrenstellung sind in der Regel keine besonderen Privilegien verbunden – zumindest nicht unmittelbar.

Sein markantes Gesicht machte ihn zum Primus inter Pares der Akrobatentruppe.

Als Prima inter Pares ist sie am besten geeignet, unsere Abteilung bei der Jahressitzung zu vertreten.

Dass der Boss nicht abhebt, Primus inter Pares bleibt, spiegelt die Symbiose aus Familie und Unternehmen wider.
– Kerstin Friemel (2007), Wir können auch anders, Brandeins.