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  • Subsidiarit√§tsprinzip

    Das Subsidiaritätsprinzip als grundlegender Bestandteil vieler moderner Gesellschaftsordnungen sieht vor, dass Aufgaben und Problemstellungen stets von der kleinsten möglichen Einheit bewältigt werden. Übergeordnete Instanzen greifen nur dann subsidiär ein, wenn es unbedingt erforderlich ist.

    Konkret bedeutet dies, dass die Sicherung der eigenen Existenz und die Ausgestaltung des eigenen Lebens in erster Linie in der Hand des einzelnen B√ľrgers liegt. So soll eine eigenverantwortliche Lebensgestaltung und die freie Entfaltung des Individuums erm√∂glicht werden.

    Ursprung des Begriffs der Subsidiarit√§t ist das lateinische subsidium (Beistand, St√ľtze).

    Eigentlich spricht nichts dagegen, so viele politische Entscheidungen wie m√∂glich so nahe wie m√∂glich an die B√ľrger heranzur√ľcken, im Gegenteil, dieses Prinzip der Subsidiarit√§t ist im deutschen Verfassungsrecht leitendes Prinzip der Demokratie.
    Jochen Bittner u.a. (2012), Am prächtigsten allein, DIE ZEIT, 22.11.2012 Nr. 48.

  • Laissez faire

    Laissez faire bedeutet sinngem√§√ü √ľbersetzt „machen lassen“ oder „laufen lassen“, womit eine Haltung der Nichteinmischung mit dem Vertrauen darauf gemeint ist, dass sich die Dinge wohl am Besten von selbst regeln. Damit kann etwa das Verhalten des Staates in Bezug auf die Wirtschaft oder der Erziehungsstil von Eltern beschrieben werden.

    Die Aussprache folgt dem Franz√∂sischen, ist nicht „eingedeutscht“ und w√ľrde, direkt in die deutsche Aussprache √ľbertragen, etwa [l√§ssee f√§hr] geschrieben. Die Betonung liegt auf der letzten Silbe.

    Der Begriff wurde im 18. Jahrhundert vom französischen Politiker René Louis d’Argenson und dem Wirtschaftswissenschaftler Vincent de Gournay geprägt.

    Ihr Laissez-fair-Unterricht funktioniert nicht immer. Oft st√∂ren doch einzelne Sch√ľler die Konzentration der ganzen Klasse. Ein Problem, das sich leider nicht von selbst regelt.

    Laissez fair ist in dieser Konstellation voraussichtlich keine dauerhafte Lösung.

  • Dispensierung

    Das Substantiv Dispensierung bedeutet „jemanden von einer bestimmten Aufgabe entbinden“. Synonyme sind etwa „Entbindung“ oder „Freistellung“. Das passende Verb dazu lautet¬†dispensieren.

    In der Pharmazie wird unter Dispensierung auch die Zubereitung oder die Ausgabe von Arzneimitteln verstanden.

    Das Wort Dispensierung stammt dabei vom lateinischen¬†dispensatio ab. Dieser Begriff kann unterschiedlich √ľbersetzt werden, unter anderem als Befreiung oder Erlaubnis.

    Die¬†Dispensierung¬†von ihren Amtspflichten entpuppte sich als Gl√ľck im Ungl√ľck. Endlich hatte sie mehr Zeit f√ľr sich und ihre Familie.

    Sein Verhalten zog eine Dispensierung vom Unterricht nach sich.

    Die direkte¬†Dispensierung von Medikamenten durch √Ąrzte ist in Deutschland generell nicht vorgesehen.

  • traktieren

    Das Verb¬†traktieren¬†bedeutet meist „jemanden mit etwas Unangenehmen oder Schmerzhaftem behelligen oder bedr√§ngen“.

    Synonyme f√ľr¬†traktieren¬†sind zum Beispiel „drangsalieren“, „bedr√§ngen“, „qu√§len“ oder „n√∂tigen“.

    Sehr viel seltener wird der Begriff auch als Synonym f√ľr „bewirten“ oder „verhandeln“ genutzt.

    Der Begriff geht auf das lateinische Wort¬†tractare (behandeln, bearbeiten)¬†zur√ľck.

    Er traktierte das arme Tier mit Schlägen.

    Im Lateinunterricht werden wir mit wöchentlichen Vokabeltests traktiert.

    L√§sst man den Mythos um die Band kurz beiseite, hat man vier herausragende Musiker, die auch nach 37 Jahren auf der B√ľhne keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass sie ihrem gro√üen Namen alle Ehre machen und immer noch das Feuer haben, das es braucht, um die Massen zu elektrisieren. Unbarmherzig mit ihren Instrumenten, die sie voller Groll traktieren.

    Konzertkritik – Metallica pr√§sentieren M√ľnchen eine irrwitzige √úberraschung, Kathrin Brack, merkur.de, 14.05.2018

  • flagrant

    Das Adjektiv¬†flagrant bedeutet „offensichtlich“ oder „eindeutig“.

    Es wurde direkt aus dem Franz√∂sischen in die deutsche Sprache √ľbernommen, wobei die Bedeutung gleichgeblieben ist. Das franz√∂sische Wort flagrant geht auf das lateinische¬†flagrans¬†zur√ľck, was brennend bedeutet.

    Auch der Ausdruck in flagranti, was so viel wie „auf frischer Tat ertappt“ bedeutet, geht auf dieses Wort zur√ľck.

    Synonyme f√ľr flagrant sind unter anderem „eklatant„, „evident“ oder „offenkundig“.

    Die Aktion ist ein flagranter Verstoß gegen das Völkerrecht.

    Beim Erklimmen der Karriereleiter achte ich stets darauf, nicht allzu flagrant zu agieren.

    Seine flagrante Xenophobie hat mich erschreckt.

  • elysisch

    Elysisch bedeutet „himmlisch“, „paradiesisch“, „zum Paradies geh√∂rend“.

    Das Wort elysisch kommt aus dem Lateinischen und wird abgeleitet von Elysium, was f√ľr das Paradies steht.

    Wir erlebten elysische Freuden.

    Die Wonne, die uns durchströmte, war wahrhaft elysisch.

    Die S√§ngerin war so in das St√ľck vertieft, dass man ihren Gesang durchaus als elysisch bezeichnen k√∂nnte.

  • ero¬≠die¬≠ren

    Das Verb erodieren bedeutet „abtragen (von Boden)“, etwa durch flie√üendes Wasser oder Wind. Im √ľbertragenen Sinne kann erodieren¬†auch bedeuten, dass etwas generell geschm√§lert wird oder ein Trend im Begriff ist, abzuklingen.

    Seinen Ursprung findet erodieren im lateinischen Wort erodere (weg- oder ausnagen).

    Das Vertrauen zwischen uns ist erodiert.

    Der Massenmarkt erodiert in vielen Branchen, denn die großen Firmen tun sich schwer, einen flexiblen, individuellen Markt zu bedienen. So können insbesondere im Modebereich kleine Marken bei den Individualisten punkten.

    Diese Verf√ľgbarkeit hat das Gesch√§ft mit Musik nachhaltig erodieren lassen. Die digitale Revolution hat die Branche kalt erwischt, und sie hat viel zu sp√§t geantwortet. Mit Apples iTunes musste erst ein Branchenfremder kommen, um den in Schockstarre verharrenden Musik-Majors zu zeigen, wie eine digitale Verkaufsplattform aussehen kann.
     Christoph Twickel (2009), Ex und Pop, brand eins 06/2009.

  • pro forma

    Die lateinische Wendung pro forma bedeutet w√∂rtlich √ľbersetzt „f√ľr die Form“ und meint „der Form halber, um der Form oder einer Vorschrift zu gen√ľgen“ oder „zum Schein“. Sie wird benutzt, wenn es sich um Formalia handelt, die erf√ľllt werden oder denen entsprochen wird, meist, um m√∂glichen negativen Konsequenzen oder Unannehmlichkeiten zu entgehen.

    K√∂nntest Du mir ‚Äď nur pro forma ‚Äď den Empfang des Geldes quittieren? Dann sind wir beide auf der sicheren Seite.

    Ich habe mich pro forma also Student eingeschrieben, weil es mir viele Vorteile bringt.

    Fritz Walter √ľbrigens war am Feldzug Barbarossa nicht beteiligt. Der Mann, der sp√§ter einem fu√üballbegeisterten Lagerkommandanten der Roten Armee sein Leben verdanken sollte, war nur pro Forma¬†[sic] als Infanterist in Frankreich stationiert. In erster Linie war er dem kriegswichtigen Unterhaltungsbetrieb Fu√üball verpflichtet. Noch eine Woche vor dem √úberfall auf die Sowjetunion schoss Fritz Walter beim 5:1 √ľber Kroatien zwei Tore.
    Sven Goldmann (2011), Das Todesspiel der deutschen Militärauswahl, Tagesspiegel, 11.11.2011.

  • Quisquilie

    Das bildungssprachliche Substantiv Quisquilie (Plural: Quisquilien) bezeichnet eine Angelegenheit oder Sache, der man keinen Wert oder keine Bedeutung beimisst.

    Bei ‚ÄěBagatelle‚Äú, ‚ÄěBelanglosigkeit‚Äú, ‚ÄěKleinigkeit‚Äú oder ‚ÄěLappalie‚Äú handelt es sich um Synonyme zu Quisquilie.

    Das Substantiv ist hergeleitet vom lateinischen quisquilia (Belanglosigkeit, Unbedeutendes).

    Bei dem Workshop steht hauptsächlich die Arbeitsphase und Teambildung im Vordergrund. Die Präsentation der Endergebnisse gilt eher als Quisquilie.

    Viele der nun zu treffenden Entscheidungen sind keineswegs Quisquilien, sondern zukunftsweisend f√ľr das gesamte Unternehmen.

    Dass in Russland „lupenreine Demokraten“ das Regierungsschiff steuerten, glaubt hierzulande au√üer einem Altkanzler wohl l√§ngst niemand mehr. Dass aber das russische Parlament eine Geste von unverkennbar imperialem Gehabe gegen seinen Nachbarstaat beschlie√üt, muss zu denken geben. Mit 370 Ja- bei nur 56 Neinstimmen hat die Duma jetzt eine Erkl√§rung angenommen, mit der die Interpretation der f√ľrchterlichen Hungersnot in der Ukraine 1932/33 als Genozid zur√ľck gewiesen wird. Was auf den ersten Blick wie eine geschichtspolitische Quisquilie wirken mag, ist in Wirklichkeit elementar.
    Sven Felix Kellerhoff, Gedem√ľtigte Ukraine, Die Welt, 04.04.2008

  • Pleonasmus

    Ein Pleonasmus (der) ist eine rhetorische Erscheinungen, die durch mehrfach gleiche Aussagen innerhalb eines Satzes, einer Wortgruppe oder auch eines einzelnen Begriffs gekennzeichnet ist. Immer dann, wenn Sprachmittel verwendet werden, die keinerlei zusätzliche Information zu dem bisher Gesagten liefern, spricht man von einem Pleonasmus.

    Das Wort eignet sich vor allem, um jemanden auf den Pleonasmus in einer Aussage aufmerksam zu machen. Nicht selten sind im Deutschen Redewendungen und Wortkombinationen mit pleonastischem Charakter, wie etwa „Fu√üpedal“ oder „hei√üe Flamme“, deren Verwendung oft als schlechter Sprachstil gilt.

    Der Begriff Pleonasmus entstammt dem griechischen pleonasmós, was soviel wie Überfluss bedeutet.

    Beispiele f√ľr Pleonasmen:
    Runde Kugel, kaltes Eis, La-Ola-Welle¬†(span.¬†„la ola“ = die Welle), stillschweigend, schlussendlich, Einzelindividuum¬†(Individuum = „Einzelwesen“), bunte Farben, ¬†Pulsschlag¬†(lat.¬†„pulsus“ = Schlag), pers√∂nliche Anwesenheit.

    Herr Kaehlbrandt, Sie bezeichnen sich selbst als Sprachm√ľllsammler. Was ist Ihr j√ľngstes Fundst√ľck?

    Die wichtigsten Essentials Рein sehr schöner Pleonasmus. Bisher kannte ich nur wesentliche Essentials.
    –¬†Jens Bergmann (2000), Was Unternehmern n√ľtzt, brand eins 07/2000