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sukzessiv

Das Adjektiv sukzessiv bedeutet „allmählich“, „nach und nach“ oder „schrittweise“.

Prozesse oder Entwicklungen können als sukzessiv bezeichnet werden, um ihren graduellen Verlauf herauszustellen. Zur Beschreibung von Tätigkeiten muss das zugehörige Adverb sukzessive verwendet werden.

Der Begriff hat seinen Ursprung im spätlateinischen successivus (nachfolgend).

Lernt man jeden Tag ein neues Fremdwort, so erweitert man sukzessive seinen Wortschatz.

Man sprach zunächst von einem sukzessiven Abbau der bestehenden Hindernisse, entschied sich letztlich aber doch für das alternativ vorgeschlagene Hauruckverfahren.

Es ist ein sukzessives Erstarken dieser politischen Strömung zu beobachten.

Albert der Große verfocht die Theorie der simultanen Beseelung – gleichzeitig mit dem Embryo entstehe die Seele. Thomas von Aquin dagegen vertrat die Theorie der so genannten sukzessiven Beseelung.
– Antonio Autiero (2008), Verletzender Fundamentalismus, DIE ZEIT, 03.01.2008 Nr. 02.

de facto

Die Wortverbindung de facto bedeutet „tatsächlich“, „in der Praxis“ bzw. „den Tatsachen oder dem Verhalten entsprechend“.

Der Begriff wird gebraucht, um den Ist-Zustand einer Sache oder eines Sachverhalts zu beschreiben. Das Gegenwort ist de jure und meint den rechtlichen Soll-Zustand.

Der Ursprung liegt im Lateinischen, wo de facto „in Wirklichkeit“ bedeutet (vgl. factum: Tatsache, Ereignis).

Beispiele:

Das große Problem Taiwans ist, dass es zwar de facto ein eigenständiger Staat mit funktionierender Demokratie ist, de jure von der Weltgemeinschaft aber nicht als ein solcher anerkannt wird, sondern nach wie vor als Chinas „abtrünnige Provinz“ gilt.

Die letzten Monate hat de facto nicht der Geschäftsführer selbst, sondern seine Frau das Unternehmen gelenkt.

Doch das größere Problem aus Sicht der Rechteinhaber und -verwerter ist: Die technische Entwicklung läuft gegen sie. Im Netz der frei zirkulierenden Inhalte sind Urheberrechte de facto kaum noch durchsetzbar, schlicht, weil der Verstoß kaum noch jemandem zuzuordnen ist.
Thomas Ramge (2005), Geklaut bleibt geklaut, brand eins 05/2011.

Die Wahlmanipulationen und die jetzige Niederschlagung des Aufstandes lassen sich als schleichenden Staatsstreich beschreiben. Wenn Ahmadineschad durchkommt, wird die Islamische Republik de facto zu einem Einparteienstaat.
Ulrich Ladurner (2009), Irans alte Garde ringt um die Zukunft, DIE ZEIT, 25.06.2009 Nr. 27.

Surrogat

Ein Surrogat ist ein – meist unzureichender – Ersatz für etwas. So ist beispielsweise das Fernsehen ein Surrogat für die Wirklichkeit oder Analogkäse ein Surrogat für echten Käse.

Die Herkunft des Wortes findet sich im lateinischen surrogare. Dieser Begriff aus der Politik beschreibt das Ernennen oder Wählen eines Amtsnachfolgers als Ersatz für den bisherigen Inhaber des Amtes.

Auf der tiefgekühlten Pizza ist mittlerweile kein echter Käse mehr und auch keine echte Salami. Insofern steht die Fertigpizza stellvertretend als Symbol für unser von Surrogaten verseuchtes, geradezu künstliches Leben.

Die geführte Wanderung durch den Amazonas ließ tatsächlich Abenteuerstimmung aufkommen. Dass sie lediglich ein Surrogat für eine echte, von wirklichen Gefahren begleitete Expedition war, störte die wenigsten Mitglieder der kleinen Reisgruppe.

Meritokratie

Das bildungssprachliche Substantiv Meritokratie bezeichnet ein Prinzip, bei dem Amtsträger, Herrscher, Leiter oder Führungspersonen gemäß ihren erbrachten Leistungen ausgewählt werden. Die Meritokratie spielt somit als Regierungsform eines Staates oder in anderen politischen oder wirtschaftlichen Organisationen eine Rolle.

„Leistungsgesellschaft“ und „Verdienstadel“ sind sinnverwandte Wörter zu Meritokratie.

Der Begriff ist aus dem lateinischen Substantiv meritum (Verdienst) und dem altgriechischen kratein (herrschen) zusammengesetzt. Erstmals wurde er 1958 vom Briten Sunlop Young im Rahmen seiner Satire ‚Rise of the Meritocracy‘ gebraucht.

Beispiele:

Als Unternehmen verfolgen wir das Prinzip der Meritokratie. Man muss mit guten Leistungen beweisen, dass man eine Führungsposition verdient hat – am längsten dabei zu sein reicht nicht aus.

Hinter unserer Vorstellung von Demokratie, also der Herrschaft des Volkes, steckt vor allen Dingen die Meritokratie, die Idee von der Herrschaft der Leistungsträger, der Tüchtigen also, die sich im Hier und Jetzt Verdienste erwerben. Wer etwas leistet, soll etwas werden. Das ist die Grundlage unseres Weltbilds. Die Leistungsgesellschaft, das sind wir selbst.
Wolf Lotter, Selbstzünder, Brandeins, 06/2013

Das grundsätzlich positive Prinzip der Meritokratie – nach der im Idealfall jede Person in einer Gesellschaft die verdiente Position einnimmt und entsprechend entlohnt wird – hat sich zu einem knallharten Sozialdarwinismus gewandelt, in dem die messbare Produktivität zum zentralen, wenn nicht einzigen Kriterium des „idealen Menschen“ geworden ist.
Anja Kümmel, Sachbuch „Und ich?“: Unsere vorgegaukelte Freiheit, Zeit Online, 15.01.2014

minutiös

Das Adjektiv minutiös bedeutet „peinlich genau“ oder „kleinlich“. Eine alternative (weniger gebräuchliche) Schreibweise ist minuziös.

Der Begriff geht auf das lateinische Wort „minutia“ (Minute) zurück.

Das minutiöse Aufteilen der Rechnungen am Ende eines Rendezvous kann die Stimmung trüben und die Beziehung belasten.

Dank ihrer minutiösen Planung war die Eröffnungsfeier ein voller Erfolg.

Forscht man bei Pimco nach, wie es den Mitarbeitern im Alltag unter Zeitdruck und vielfältigen Einflüssen gelingt, das Wesentliche nicht dem unvermittelt Auftretenden unterzuordnen, stößt man bei allen Beteiligten immer wieder auf einen Begriff: Disziplin. Die Tage sind bei vielen Pimco-Führungskräften minutiös durchgetaktet.
Patricia Döhle (2012), Die Matrix, brand eins 03/2012. 

technokratisch

Das Adjektiv technokratisch beschreibt eine Form der Regierung oder der Verwaltung, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, statistischer Kontrolle und Rationalität beruht. Dabei stehen Effizienz und die Ausrichtung auf Sachzwänge im Vordergrund, individuelle Freiheit und demokratische Willensbildung dagegen tendenziell im Hintergrund.

Der deutsche Begriff wurde aus dem gleichbedeutenden englischen technocratic entlehnt und ergibt sich aus der Zusammensetzung der altgriechischen Ausdrücke techne (Fertigkeit) und kratos (Macht, Herrschaft; auch der Gott der Macht in der griechischen Mythologie).

Bei der TV-Debatte argumentierte er technokratisch, ratterte Statistiken herunter und ging auf die Fragen des jungen Arbeitssuchenden im Publikum nur oberflächlich ein.

In der Gründerzeit [der EU] haben die Friedenssehnsucht der Kriegsgeneration und das Streben nach Wohlstand das Zusammenwachsen gefördert. Es herrschte ein Vertrauen in die politischen Führungskräfte. Das ließ die technokratische Konzeption der Gemeinschaft zu, deren einzige Identität der Pragmatismus war und deren Antriebskräfte durch die bipolare Welt des Kalten Krieges gefördert wurden.
Franz Fischler (2012), Wählt einen Präsidenten für Europa!, DIE ZEIT, 24.5.2012 Nr. 22.

phlegmatisch

Das Adjektiv phlegmatisch bedeutet „träge“ oder „behäbig“. So lassen sich Personen von ruhigem, gleichgültigem, nicht affektivem Naturell beschreiben. Jemanden als phlegmatisch bzw. als Phlegmatiker zu bezeichnen hat jedoch oft einen abwertenden Beiklang.

Seinen Ursprung hat der Begriff im griechischen phlégma. Hippokrates (um 400 v. Chr.), maßgeblicher Vordenker der wissenschaftlichen Medizin, bezeichnete damit einen entzündlichen, zähen Schleim im Körper. Nach seiner Viersäftelehre, die Krankheiten mit einem Ungleichgewicht der Körpersäfte erklärt, war eben dieser Schleim verantwortlich für Trägheit und Schwerfälligkeit.

Sie ist viel zu phlegmatisch. Ihr Studium wird sie vielleicht noch schaffen, aber wie soll sie sich danach jeden Morgen aufraffen und etwas aus ihrem Leben machen?

Die Ostertage verbrachte er – geradezu phlegmatisch – mit einem Buch in der Hand in der Hängematte.

Phlegmatischen Menschen kann man ihre Trägheit vorwerfen, wie es schon Aristoteles tat. Jedoch kann ihre behäbige, unaufgeregte Art in manchen Situationen auch einen willkommenen Ruhepol darstellen.

konsolidieren

Das Verb konsolidieren bedeutet „sichern“, „festigen“, „stabilisieren“ oder „stärken“.

Das zugehörige Substantiv ist Konsolidierung.

Konsolidiert werden kann alles, was als Einrichtung Bestand hat, beispielsweise also eine Ehe, die Wirtschaft, die politische Ausrichtung oder Position, ein zwischenmenschliches Verhältnis, der Staatshaushalt etc.

Ins Deutsche übernommen wurde der Begriff im 18. Jhd. vom gleichbedeutenden französischen consolider. Der Ursprung liegt im lateinischen consolidare. Das lateinische solidus bedeutet ‚fest, stark oder hart‘ und bildet auch den Urspung des Adjektivs ’solide‘.

Durch den weitreichenden Abbau wirtschaftlicher Schranken soll der Zusammenhalt der europäischen Staatengemeinschaft konsolidiert werden.

Mittels geschickter Fiskalpolitik gelang das Kunststück, bei anhaltendem Wirtschaftswachstum den Staatshaushalt zu konsolidieren.

Der außenpolitische Ansehensverlust ist enorm und dürfte lange vorhalten. Medwedjew, auf dessen liberalere Überzeugungen der Westen hoffte, ist entzaubert. Zwar mag die Hoffnung naiv untersetzt gewesen sein, da ein neuer russischer Herrscher am besten mit geballter Faust Popularität im eigenen Land erreichen kann. Aber der Krieg mit Georgien hat das Putin’sche Machtsystem konsolidiert und damit Medwedjews kleine Spielräume, falls er sie je nutzen will, weiter eingeengt.
Johannes Voswinkel (2009), Russlands falsches Kalkül, ZEIT ONLINE 08.05.2009.

konstituieren

Das Verb konstituieren bedeutet „ins Leben rufen“, „sich grundlegend organisieren“ oder „für etwas konstitutiv (grundlegend) sein“. Somit beschreibt es den Prozess der ersten Schritte der Realisierung etwa eines Parlaments, einer Organisation, eines Bündnisses, eines Staates etc.

Ursprung des Begriffs ist das lateinische constituere (festsetzen, aufstellen).

Kurz nach Ende des Krieges konstituierte sich die neue Regierung.

Die konstituierende Versammlung war mehrere Tage mit dem Entwerfen der offiziellen Vereinssatzung beschäftigt.

Zu viel ist noch ungeklärt: Wie steht es um die Demokratie in einem Megastaat? Was ist von einem europäischen Länderfinanzausgleich zu halten, wo doch schon der deutsche kein Erfolgsmodell ist? Wie ist es um das Selbstverständnis eines Staates bestellt, der sich unter dem Druck der Finanzmärkte konstituiert?
Mark Schieritz (2012), Entweder – oder?, DIE ZEIT, 23.8.2012 Nr. 35.

Askese

Askese (die) ist eine streng enthaltsame Lebensweise, bei der – ursprünglich meist mit religiösem Hintergrund – auf weltliche Genüsse und die Erfüllung von weltlichen Wünschen und Begehren verzichtet wird.

Formen der Askese sind etwa der Verzicht auf persönlichen Besitz, Verzicht auf Annehmlichkeiten wie ein weiches Bett oder eine Heizung, weitestgehender Verzicht auf Nahrungsmittel etc. Über die Kontrolle des tatsächlichen Verhaltens hinaus soll im Idealfall auch die Kontrolle über die eigenen Gedanken und Begierden erlangt werden.

Der Begriff entstammt dem griechischen asketes (der trainierende Athlet).

Während ich es am Wochenende krachen lasse, mit Freunden ausgehe, das Leben genieße und gerne mal ein Bier zu viel trinke, übe ich mich unterhalb der Woche in Askese. Trinke morgens einen schwarzen Kaffee und nehme ansonsten über den Tag verteilt nur Rohkost und Wasser zu mir.

Seinem Körper sieht man das harte Training und die langjährige Askese an.