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stratifizieren

Das schwache Verb stratifizieren hat mehrere Bedeutungen.

  • In der Geologie bedeutet es „in die Schichtenfolge von Gesteinen ordnen“.
  • In der Landwirtschaft bezeichnet stratifizieren das Schichten von Saatgut in feuchtem Sand oder Wasser, damit die Saat schneller keimt.

Das Verb gehört zur Bildungssprache und wird im Alltag eher selten verwendet.

Es geht zurück auf die lateinischen Wörter Stratum (Decke) und facere (machen oder bewirken).

Das Saatgut wird stratifiziert.

fakultativ

Das Adjektiv fakultativ bedeutet „dem eigenen Ermessen überlassen“ oder „freiwillig“. Etwas kann als fakultativ bezeichnet werden, wenn es nicht verbindlich oder nicht unbedingt erforderlich ist.

Das entsprechende Gegenwort ist obligatorisch.

Der Begriff wurde aus dem Französischen entlehnt und hat seinen Ursprung im lateinischen facultas (Möglichkeit).

Dein Erscheinen heute Abend ist zwar fakultativ, aber in jedem Falle wünschenswert.

Das Ganze ist eine eher fakultative Veranstaltung, die man nur besuchen sollte, wenn man tatsächlichen Nutzen aus den angebotenen Vorträgen ziehen kann.

Ferner: Darf der klassische Religionsunterricht durch eine Art multikulturellen Modells ersetzt werden – nämlich Lebensgestaltung, Ethik, Religionskunde (LER)? Und wenn ja: fakultativ oder obligatorisch?
Marion Graefin Doenhoff (1996), Erziehung zur Kultur, DIE ZEIT, 13/1996.

nuanciert

Das Adjektiv nuanciert bedeutet „bis ins Äußerste differenziert„, „subtil“ beziehungsweise „pointiert„. Es dient damit der Beschreibung von Formen der (in erster Linie sprachlichen) Kommunikation, etwa Reden, Argumenten, Vorwürfen etc.

Weiterhin kann das Vorgehen bei der Ausführung von Tätigkeiten und die (bspw. farbliche) Gestaltung oder Beschaffenheit von Gegenständen als nuanciert bezeichnet werden.

Ursprung des Begriffs ist das gleichbedeutende französische nuancé.

Sie trug ihre Argumente sehr nuanciert vor.

Er wurde sehr für seine nuancierte Darstellung des zentralen Antagonisten gelobt.

Und das mit Grund, denn dieses wunderbar leichthändig getuschte Blatt in seinen nuancierten Brauntönen und lichten Partien führt vor, wie experimentierfreudig der Künstler schon um 1790 – der Zeit der Veduten und idealen Landschaften – war.
Annette Lettau (2011),Deutsche Romantik in Paris, DIE ZEIT, 31.3.2011 Nr. 14.

Charta

Eine Charta ist eine Urkunde, die als Grundlage des Staats- und/oder Völkerrechts dient. So ist etwa die Charta der Vereinten Nationen der völkerrechtliche Gründungsvertrag der UN.

Darüber hinaus wird der Ausdruck heute gelegentlich auch für Vereinssatzungen, Verbindungsordnungen, Selbstverpflichtungen nichtstaatlicher Organisationen und ähnliche Schriftstücke verwendet.

Aussprache: Das „Ch“ wird als „K“ gesprochen – Karta. Oder in echter Lautschrift:  [ˈkarta]

Das Substantiv ist entlehnt vom lateinischen charta (Karte).

Er argumentiert, Russland verstoße mit seinem Handeln in Bezug auf die Krimkrise gegen die Charta der Vereinten Nationen.

Die aktuelle Charta des Vereins umfasst 134 Seiten.

Urbanisierung ist ein entscheidender Faktor für Wirtschaftswachstum. Und eine Charter City ist eine Stadt vom Reißbrett, eine Großstadt, die mit einem Gründungsvertrag, einer Charta, beginnt. In der sind die rechtlichen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen festgelegt, bevor diese Stadt auf einem unbewohnten Stück Land errichtet wird.
– Paul Romer, Der Stadt-Plan, Brandeins, Brandeins, 10/2009

konzedieren

Das Verb konzedieren bedeutet „zugeben“, „einräumen“, „zugestehen“.

Konzediert werden kann etwa ein eigentlich nicht erwünschtes Verhalten, wenn besondere Umstände vorliegen, die eine Ausnahme gestatten.

Auch beim eher widerwilligen Einräumen positiver Aussagen, etwa bezüglich Eigenschaften oder Errungenschaften anderer Personen, kann man vom Konzedieren sprechen.

Letztlich können negative Entwicklungen oder Situationen konzediert werden, was meist ein öffentliches Zugeben selbiger meint.

Das Wort konzedieren leitet sich aus dem lateinischen concedere ab, das ursprünglich „beiseitetreten“ heißt.

Durch die besonderen Umstände konnte man ihre Abwesenheit konzedieren.

Er war der Liebling der Lehrer, weshalb einige seiner Unarten stillschweigend konzediert wurden.

Trotz des jüngsten Skandals muss man ihm seinen überragenden Intellekt konzedieren.

Die englischen Kommentatoren sprechen einhellig von einer unglücklichen Niederlage und konzedieren, dass die Deutschen selbst in Unterzahl zumindest passabel spielten und gute Chancen herausholten.
Krönig (2010), Um England steht es nicht gut, Zeit Online.

Auch die EZB wird bald konzedieren müssen, dass wir es nicht mit einem normalen Konjunkturzyklus zu tun haben, sondern mit einem Prozess, der nach klassischem Muster in die Deflation führen kann.
Wermuth (2008), Deflation wird wahrscheinlicher, Zeit Blog „Herdentrieb“.

unorthodox

Das Adjektiv unorthodox bedeutet „ungewöhnlich“ oder „unkonventionell“. Es beschreibt etwas, was nicht den üblichen Normen und Gepflogenheiten entspricht, d.h. mit Altem bricht.

Das Gegenwort orthodox bedeutet „strenggläubig“, „an Altem festhaltend“.

Mit dem Begriff unorthodox werden wiederum neue, frische Meinungen und Ideen bezeichnet.

Die Herkunft des Begriffs liegt in den altgriechischen Wörtern orthos, was übersetzt richtig bedeutet, und doxa, was soviel wie Meinung oder Glaube bedeutet.

Beispiele:

Seine unorthodoxen Lehrmethoden sorgten bei Schülern, Lehrern und Eltern für Aufsehen.

Aus Sicht der Schulmedizin lässt sich eine solche Behandlung bestenfalls als unorthodox beschreiben.

Anhedonie

Das Substantiv Anhedonie bedeutet Lustlosigkeit im weitesten Sinne.

Es wird im sexualtherapeutischen Bereich zum Beschreiben der sexuellen Lustlosigkeit genutzt, kann aber – gerade im psychiatrischen Kontext – auch die völlige Unfähigkeit, Lust oder Freude an irgendetwas zu empfinden, meinen.
Im Zusammenhang mit Depressionen spielt dieser Begriff als Diagnosekriterium eine entscheidende Rolle.

Das Substantiv stammt aus dem Griechischen ἀν (an (nicht)) und ἡδονή (hēdonḗ (Lust)).

Auch noch Monate nach dem schrecklichen Unfall, litt der Patient an generalisierter Anhedonie und war kaum für Reize empfänglich.

Es ist zu klären, ob seine fehlenden Qualitäten als Liebhaber oder ihre generelle Anhedonie der Grund für das erkaltete Liebesleben ist.

Die Genusstherapie zielt auf die Überwindung der „Anhedonie„: der Unfähigkeit, Freude und Lust zu empfinden. Denn wer depressiv ist, hat oft verlernt, schöne Gerüche oder Wohlklang wahrzunehmen.
Spiegel online, Annette Bruhns, Ansgar Mertin und Thomas Reintjes, „Was der Seele guttut“, 22.02.2011

kapazitiv

Das Adjektiv kapazitiv bedeutet allgemein „die Kapazität betreffend“. Besonders häufig wird kapazitiv in der Physik verwendet, um die Kapazität eines Kondensators zu beschreiben. Ein Kondensator ist dabei ein Bauelement in einem Stromkreis, welcher elektrische Ladung speichern kann.

Durch das starke Aufkommen von Touchscreens in den letzten Jahren wird auch das Adjektiv kapazitiv häufiger verwendet. Kapazitive Touchscreens sind Bildschirme, die auf Berührung reagieren (im Gegensatz zu anderen Touchscreens, die nur auf Druck reagieren).

Die in der deutschen Sprache verwendeten Wörter kapazitiv und Kapazität gehen auf einen lateinischen Ursprung zurück. So lässt sich das lateinische Wort capacitas mit „Umfang“, „Größe“ oder „Fassungsvermögen“ übersetzen. Auch im Französischen und im Englischen findet man sehr ähnliche Wörter. So gibt es in der englischen Sprache das Substantiv capacity und das Adjektiv capacitive.

Mechanische Tasten werden zunehmend häufiger durch kapazitive Tasten ersetzt. Im Vergleich zu mechanischen Tasten sind sie flach, nahezu verschleißfrei, leicht zu reinigen, optisch ansprechend und unkompliziert in Systeme einzufügen. Ein Nachteil kapazitiver Tasten ist jedoch deren unbeabsichtigtes Auslösen.

Kapazitive Schalter – Sicherheit erhöht, André Zeidler, elektroniknet.de, 01.10.2018

pharisäisch

Das Adjektiv pharisäisch bedeutet abwertend „scheinheilig“ oder „heuchlerisch“. Dergestalt lassen sich Personen sowie deren Taten und Aussagen als vorgetäuscht oder oberflächlich bzw. um des Scheins willen beschreiben.

Seine Herkunft findet der Begriff im Namen der Pharisäer, einer Strömung im antiken Judentum, auftretend nach dem 2. Jhd. v.Chr. Die Pharisäer (lat. pharisaeli, die Abgesonderten) lösten den jüdischen Glauben vom Fokus auf den Tempel und konzentrierten sich stattdessen auf die Einhaltung zahlreicher, den Alltag betreffender Regeln. Die heutige Bedeutung ergibt sich aus der Darstellung der Pharisäer im Neuen Testament als oberflächlich fromm und sämtliche Regeln beachtend, in Wahrheit jedoch kaltherzig und fernab von dem, was man unter christlichen Werten versteht.

Ergebnisse sind wichtiger als pharisäischer Arbeitseifer.

Seine pharisäische Entrüstung brachte ihm mehr Kritik als Beifall.

Die Legitimität der militärischen Notwehr gegen den Irak wird von der pharisäischen Doppelzüngigkeit der beteiligten Großmächte gewiß nicht in Zweifel gezogen.
Reinhard Merkel (1991), Auf dem Schlachtfeld der Ehre, DIE ZEIT, 25.1.1991 Nr. 05.

vice versa

Die Wortverbindung vice versa bedeutet „(und) umgekehrt“ und beschreibt wechselseitige Beziehungen. Sie deutet also einen Gegenzug bzw. einen umgekehrten Wechsel an.

Aussprache in Lautschrift: [ˈviːt͡sə vɛʁza]

Wenn direkte Wechselbeziehungen vorhanden sind, lässt sich vice versa als Überleitung verwenden, wenn im Folgenden die Gegenwirkung beschrieben werden soll. Auch kann es am Ende eines Satzes verwendet werden um auf die Wechselseitigkeit einer vorher beschriebenen Beziehung aufmerksam zu machen. Im geschriebenen Text kann für vice versa auch die Abkürzung v. v. verwendet werden.

Der Ausdruck wurde unverändert aus dem Lateinischen übernommen.

Beispiele:

In einer harmonischen und konstruktiven Lehr- und Lernatmosphäre haben die Studenten das Recht, den Dozenten zu kritisieren und vice versa.

In der klinischen Betreuung wird von den Schwestern erwartet, dass sie hart arbeiten. Vice versa muss auch die Kooperation und Mithilfe seitens der Patienten vorhanden sein.

Unser Broker erkennt zeitnah, dass auf dem Kontostand der Ewigkeit Zeit und Geld dasselbe sind – die stürzende Börse war ein temporärer Augenblick in der Ewigkeit der Geldzeit. Oder im DM-Deutsch: Alles wird gut. Solange Zeit ist, wird Geld sein. Und vice versa. Das ist der pekuniäre Gottesbeweis, den die zeitlosen Apokalyptiker einer Deutschen Bank noch immer suchen.
Thomas Assheuer (2000), Geldzeit-Der Mark schlägt die Stunde, Zeit Online.