Auf neueswort.de lernen Sie täglich ein Fremdwort. Direkt auf der Website oder im kostenlosen Newsletter.

Metanoia

Das Substantiv Metanoia beschreibt allgemein eine „Änderung der eigenen Auffassung zu bestimmten Dingen“.

Der Begriff wird häufig in einem religiösen Kontext verwendet. So bedeutet Metanoia in diesem Zusammenhang auch „Buße“. Die Buße spielt unter anderem in den verschiedenen Strömungen des Christentums, im Judentum, im Islam und auch im Buddhismus eine Rolle. In den orthodoxen Kirchen steht der Begriff Metanoia für die Kniebeugung und Verneigung bis zum Boden.

In philosophischen Zusammenhängen wird der Begriff für die grundlegende Änderung der eigenen Lebenseinstellung verwendet. Im alltäglichen Sprachgebrauch wird das Wort im deutschen Sprachraum nicht verwendet.

Das Wort Metanoia stammt aus dem Griechischen. Metanoia (μετάνοια) kann mit Reue oder Sinnesänderung übersetzt werden.

Er war auf den ersten Blick überhaupt nicht wieder zu erkennen und wirkte wie ausgewechselt. Spielte er das nur vor, oder hatte er tatsächlich seine persönliche Metanoia erlebt?

Parasitismus

Das Substantiv Parasitismus beschreibt die schädigende, aber nicht tödliche, Nutzung anderer, meist größerer Lebensformen.

Der Begriff wird vor allem in der Biologie verwendet und bezeichnet die Überlebensstrategie von Schmarotzern bzw. Parasiten, die als Nutznießer an, innerhalb oder in der Nähe anderer Lebewesen gedeihen.

Im übertragenen Sinne kann als Parasitismus auch das Verhalten von Menschen oder Organisationen beschrieben werden, die ein System, ein Land etc. ausnutzen und dadurch schädigen.

Das Wort Parasitismus kommt aus dem Altgriechischen. Dabei bedeutet παράσιτεῖσθαι (parasiteisthai) „neben“ (para) und „essen“ (siteisthai).

Das Vorhandensein von Darm- und Magenbakterien bei Zellulose verdauenden Wiederkäuern ist kein Parasitismus, sondern eine Symbiose, da beide Parteien von der Partnerschaft profitieren.

Wenn sich Unternehmen die Globalisierung zunutze zu machen und Standorte in steuerlich günstige Länder verlagern, ist das reiner Steuer-Parasitismus.

Gesellschaftlicher Parasitismus beginnt oft schon dann, wenn jemand die Hilfsbereitschaft von Mitmenschen systematisch ausnutzt.

Katatonie

Das Substantiv Katatonie bedeutet (direkt aus dem Griechischen übersetzt) „Anspannung von Kopf bis Fuß“.

Katatonie ist in erster Linie ein medizinischer Begriff, der etwa verkrampfte Haltungen, krampfhafte Bewegungen und Lähmungen als psychomotorisches Syndrom beschreibt. Weiterhin umfasst die Katatonie auch Bewegungsunfähigkeit, Steifheit und das Verweigern von Bewegung. Ursächlich sind etwa psychische und neurologische Erkrankungen oder der Missbrauch von Substanzen.

Katatonie leitet sich direkt aus dem altgriechischen κατάτόνος (katátonos) ab, wobei katá „von oben bis unten“ und tonos Anspannung heißt.

Der Klassenabstieg versetzte den gesamten Fanblock in minutenlange Katatonie.

Nach kurzen Momenten der Klarheit verfiel sie oft wieder in Katatonie, schwieg beharrlich und wippte starren Blickes stundenlang leicht vor und zurück.

idyllisch

Das Adjektiv idyllisch bedeutet „wie ein Idyll“ oder „den Eindruck eines Idylls erweckend“. Es beschreibt damit vor allem beschauliche, friedliche Landschaften sowie abgelegene, schöne, ruhige Natur und die Darstellung derselben. Das Idyllische setzt ein gewisses Maß an Unberührtheit voraus.

Euphemistisch wird der Begriff (etwa von Häusermaklern) gelegentlich zur Beschreibung von abgeschiedenen, langweiligen Ortschaften verwendet werden.

Das Adjektiv stammt aus dem Griechischen. Es ist von εἰδύλλιον (eidýllion) entlehnt und bedeutet so viel wie „Bildchen“ und ist auch die Bezeichnung für kleinere Gedichte, die vor allem Szenen des Landlebens zum Inhalt haben.

Das Gemälde wirkte wirklich sehr idyllisch, was durch die weichen Linien und das Fehlen von kantigen Objekten noch verstärkt wurde.

Eine Pause vom stressigen Stadtleben an einem idyllischen Ort ist Balsam für die Seele.

Mir fällt zum Heimatdorf meiner Großeltern nicht viel ein – außer, dass es sehr idyllisch ist.

determinieren

Das bildungssprachliche Verb determinieren bedeutet „(vorab) bestimmen, festlegen oder begrenzen“.

[1] Meist meint determinieren, dass Effekte oder Zustände auf vorab bestehende Faktoren, Entscheidungen oder Handlungen zurückzuführen sind.

[2] Seltener wird das aktive Bestimmen oder Festlegen von künftigen Effekten, Zuständen, Handlungen usw. durch eine Person oder eine Organisation als determinieren bezeichnet.

Determinieren stammt vom lateinischen determinare ab, wobei de– als verstärkende Silbe mit „gänzlich“ übersetzt werden kann und terminare „begrenzen“ bedeutet.

Das Verhalten von Menschen ist teils genetisch [1] determiniert, teils erlernt.

Die komplexen Kundenwünsche [1] determinieren den späten Zeitpunkt der Fertigstellung.

Dass die Stellung der Sterne zum Zeitpunkt meiner Geburt meinen Charakter und mein gesamtes Leben [1] determinieren sollen, kann ich mir nicht vorstellen. Astrologie halte ich daher für Quatsch.

Sie geht Ende des Jahres in den Ruhestand. Ihre Nachfolgerin haben wir bereits [2] determiniert.

hermeneutisch

Das Adjektiv hermeneutisch bedeutet „auslegend“ oder „erklärend“. Es beschreibt damit die Art der Aufarbeitung eines Textes, einer Rede, eines Musikstücks, eines Ereignisses o.ä. Dementsprechend ist die Hermeneutik die Kunst der Interpretation.

Ursprung des Begriffs ist das griechische hermēneúein (deuten, auslegen).

Bei seiner Kritik an dem Roman lehnte er sich hermeneutisch derart weit aus dem Fenster, dass er nicht mehr ernst genommen wurde.

Die hermeneutische Aufarbeitung von Texten bereits toter Autoren ist stets problematisch: „Was will uns der Autor damit sagen?“ Diese Frage brachte schon so manchen Schüler an den Rand der Verzweiflung.

Dysphorie

Dysphorie (die) beschreibt eine negative emotionale Verfassung einer Person. Diese drückt sich in Traurigkeit, Gereiztheit oder Wut aus. In den meisten Fällen liegt einer Dysphorie keine Erkrankung zugrunde, sondern ist Teil der normalen Stimmungsschwankungen.

Hält eine Dysphorie allerdings über längere Zeit an, kann dies auf eine Erkrankung hindeuten. Der Begriff wird daher auch in der Medizin und Psychologie genutzt.

Wesentlich häufiger in der Alltagssprache wird das Gegenteil von Dysphorie verwendet: Euphorie.

Die Herkunft des Begriffs liegt im griechischen dysphoria (Ärger).

Zurück im Alltag nach einem fantastischen Urlaub? Da sind ein paar Tage Dysphorie ganz normal.

Postkoitale Dysphorie ist keine Seltenheit.

Jeder Tag im Büro ist eine schwindelerregende Acherbahnfahrt aus Dysphorie, Euphorie und Stress, Stress, Stress.

lavieren

Das Verb lavieren bedeutet im übertragenen Sinne „geschickt durch etwas hindurch oder um etwas herum steuern“.

Beim Lavieren windet man sich also mit Geschick und Flinkheit durch Schwierigkeiten . Der Ausdruck wird umgangssprachlich und oft abwertend verwendet.

Ursprünglich stammt lavieren aus dem nautischen Sprachgebrauch und bezeichnete dort die Technik zum Segeln gegen den Wind mittels eines Zickzackmanövers.

Seinen Ursprung hat das Wort im niederländischen laveren (schwankend gehen) beziehungsweise im französischen lovier (kreuzen).

 Er lavierte geschickt um das Thema herum.

Am Ende meines Lebens hatte ich das Gefühl, mich trotz allem doch immer gut hindurchlaviert zu haben.

Denn das Sinfonieorchester von Detroit, das nahezu ohne staatliche Subventionen auskommen muss, laviert am Rande der Insolvenz, seit 2008 die weltweite Finanzkrise und die Malaise der amerikanischen Autoindustrie die Stadt gleichzeitig heimsuchten.
Jürgen Kalwa (2012), Der Mäzen rockt, DIE ZEIT, 3.5.2012 Nr. 19.

agnostisch

Das Adjektiv agnostisch beschreibt eine Person als den Agnostizismus vertretend, d.h. sie hält die Existenz einer Gottheit oder einer anderen höheren Macht für nicht beweisbar. Deren Existenz wird somit nicht verleugnet, aber eben auch nicht für gesichert gehalten.

Im Gegensatz zum Atheismus im eigentlichen Sinne, der die Existenz einer höheren Instanz verneint, sind eine agnostische Weltanschauung und Glaube miteinander vereinbar. Man kann schließlich durchaus an einen Gott glauben und gleichzeitig die Unbelegbarkeit seiner Existenz anerkennen.

Das gleichbedeutende englische agnostic wurde im späten 19. Jahrhundert vom britischen Biologen Thomas Henry Huxley geprägt und geht vermutlich auf das griechische gnostikos (erkenntnisfähig) zurück, dem ein negierendes a- vorangestellt wird.

Ich bin streng christlich erzogen worden, würde mich inzwischen jedoch als agnostisch bezeichnen.

idiosynkratisch

[1] Im Allgemeinen bedeutet das Adjektiv idiosynkratisch „spezifisch“ oder „eigentümlich“. In diesem Sinne sind etwa Gruppen oder Personen idiosynkratisch, die von der (sozialen) Norm abweichen oder besondere Eigenheiten aufweisen.

Da jeder Mensch ein Individuum ist und als solches eine einzigartige Kombination verschiedener angeborener und durch Umwelteinflüsse entstandene Eigenschaften darstellt, sind wir alle zu einem gewissen Grad idiosynkratisch.

Auch die an den Tag gelegten Eigenschaften oder Eigenheiten, die Personen oder Gruppen von der Norm unterscheiden, können als idiosynkratisch bezeichnet werden.

[2] Weiterhin wird der Begriff mit ähnlicher Bedeutung in der Linguistik verwendet und bezieht sich dort auf besondere Eigenheiten von Wörtern oder Ausdrücken, die sich nicht aus bestehenden Regeln ergeben.

[3] Speziell in der Medizin steht idiosynkratisch für das überempfindliche und heftige Reagieren auf bestimmte Stoffe und Reize.

[4] In der Psychologie bezeichnet idiosynkratisch eine starke Abneigung gegenüber bestimmten Personen oder Gegenständen.

Herkunft: Abgeleitet vom Substantiv „Idiosynkrasie“ stammt idiosynkratisch aus dem Altgriechischen und wird sinngemäß mit „spezifische Beschaffenheit eines einzelnen Körpers“ übersetzt.

Beispiele:

Ihre idiosynkratische Körpersprache verunsicherte mich.

Er verbrachte seine Kindheit teils in Schottland, teils in Thailand, bevor es ihn nach Deutschland verschlug. Sein daraus entstandener idiosynkratischer Akzent war für mich anfangs kaum zu verstehen.

Nach der zweiten Eiseninfusion reagierte ihr Körper idiosynkratisch. Es kam zu einem allergischen Schock.

Schon beim bloßen Klang ihrer Stimme sprang er idiosynkratisch auf und schlug die Zimmertür zu.

„Ich dachte: Ich muss jetzt einen Moment lang anhalten und leben. Wenn das Leben nicht mehr in die Filme dringt, sind sie tot. Ich hatte das Gefühl: Ich lebe nur noch in der Arbeit und war besorgt, dass das ultra-idiosynkratisch wird.“
Tom Tykwer, „Wenn das Leben nicht mehr in die Filme dringt, sind sie tot.“, Süddeutsche Zeitung, 17.05.2010.