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in­t­rin­sisch

Das Adjektiv intrinsisch bedeutet „von innen heraus“ oder „einer Sache inne wohnend“.

Der Begriff beschreibt damit Zustände, Sachverhalte oder Vorgänge, die von innen her, also aus eigenem Antrieb erfolgen oder hervorgerufen werden. Das geläufigste Beispiel ist die intrinsische Motivation, die unabhängig von äußeren Einflüssen, z.B. aus dem Drang zur Selbstverwirklichung oder dem Streben nach persönlichen Idealen entsteht.

Intrinsisch“ entstammt dem lateinischen intrinsecus (innerlich).

Die äußeren und familiären Zustände ließen keine Anhaltspunkte zu dieser Tat zu. So musste von rein intrinsischen Motiven ausgegangen werden, was das Strafmaß wiederum erhöhte.

Da sah man den Arbeiter als Produktivkraft, bloßes Instrument, das einfach nur effizient eingesetzt werden musste – Anweisungen geben, Umsetzung kontrollieren, fertig. Zuckerbrot und Peitsche galt da schon als subtile Methode. Heute ist die Rede von intrinsischer Motivation, von wertschätzender Kommunikation, von emotionaler oder gar spiritueller Intelligenz.
– Thomas Vasek, Inflation der Anerkennung, brand eins 05/2011.

fraternisieren

Das Verb fraternisieren bedeutet „sich anfreunden“ , „sich verbrüdern“. Es hat meist einen negativen Beiklang.

Der Begriff findet oft dann Anwendung, wenn das Anfreunden aufgrund der ursprünglichen Positionen der sich miteinander fraternisierenden Parteien eigentlich eher abwegig ist oder einen negativen Beigeschmack hat. Beispielsweise dann, wenn eigentlich verfeindete Parteien sich miteinander verbünden, um niedere  Ziele zu erreichen.

Der deutsche Ausdruck leitet sich aus dem französischen  fraternité (Brüderlichkeit) ab, welches auf das lateinische fraternus (brüderlich, freundschaftlich) zurückgeht. Vgl. auch lateinisch frater (Bruder).

Es wird ihm zum Vorwurf gemacht, sich mit der Vorstandsebene der direkten Konkurrenz fraternisiert zu haben.

Der Touristenbus aus Südkoreas Hauptstadt Seoul wird zum Slalom zwischen Drahtverhauen und Brachland eingewinkt. Kontrolle am „Checkpoint Charly“, dem Grenzposten zwischen Süd- und Nordkorea. Jeder muss unterschreiben, dass er auf dem Weg nach Panmunjom nicht mit nordkoreanischen Soldaten „fraternisiert oder Gesten macht, die der anderen Seite als Propagandamaterial dienen könnten“.
Christian Schmidt-Häuer (2003),Zündeln mit der Bombe, DIE ZEIT 30.04.2003 Nr.19.

kollaborativ

Das Adjektiv kollaborativ bedeutet „zusammenarbeitend“, „gemeinsam“. Es wird verwendet, um Tätigkeiten zu beschreiben, bei denen mehrere Parteien gemeinsam wirken bzw. an etwas arbeiten.

Der Begriff entstammt dem lateinischen collaborare (zusammenarbeiten).

Als ungeduldiger Einzelgänger ist kollaboratives Arbeiten ein großer Stressfaktor für mich.

Wir haben das Theaterstück kollaborativ inszeniert.

Exodus

Ein Exodus ist die Abwanderung bzw. der Auszug einer großen Gruppe aus einem Gebiet. So etwa der biblische, von Moses angeführte Auszug der zwölf Stämme Israels aus dem alten Ägypten, geschildert im 2. Buch Mose, welches ebenfalls den Namen Exodus trägt.

Der direkt ins Deutsche übernommene lateinische Begriff geht zurück auf das griechische éxodos (Ausgang).

Das Land leidet unter einem Exodus unterbezahlter Akademiker, die in Scharen von der Aussicht auf bessere Löhne ins Ausland gelockt werden. Dieses Phänomen, auch Braindrain genannt, macht alle Investitionen der Regierung in die Ausbildung der Bevölkerung null und nichtig.

Ein aktuelles Beispiel für einen Exodus ist die massenhafte Flucht der Syrer aus ihrem eigenen Land während des anhaltenden Bürgerkriegs.

Der Exodus europäischer Musiker in die USA nach 1933 war vielleicht der größte Talenttransfer der Weltgeschichte.
– Volker Hagedorn (2012), Vertreibung ins Paradies, DIE ZEIT, 16.2.2012 Nr. 08.

Makulatur

Das Substantiv Makulatur (die) bedeutet in erster Linie „beim Druck schadhaft gewordenes Papier bzw. Druckbogen“ oder  „Altpapier“.

Im übertragenen Sinne und umgangssprachlich wird Makulatur gelegentlich als Synonym für „Unsinn“ verwendet. Entsprechend kann der Begriff zum Verspotten von etwas Gesagtem oder Gedrucktem verwendet werden.

Makulatur geht zurück auf das mittellateinische maculatura (beflecktes, schadhaftes Stück).

Verwendungsbeispiele:

A: „Und, wie ist deine Seminararbeit geworden?“
B: „Der Professor hat sie als Makulatur bezeichnet und in den Müll geworfen.“

In diese Kartons findet sich nur noch Makulatur zum Entsorgen.

Nach der Neueröffnung unserer Druckerei produzierten wir viel Makulatur, bevor wir die Eigenheiten der Druckmaschinen aus zweiter Hand in- und auswendig kannten.

Im Regal dort hinten finden sich zwanzig Bücher des gleichen Groschenautors, die können weg. Sein Œuvre ist in meinen Augen Makulatur.

All diese Taktiken sind beim Scrabble-Sommer jedoch Makulatur, da es hier einzig und allein um das Erreichen der Höchstpunktzahl geht.
Zeit online, Sebastian Herzog, „Zeit-Scrabble-Sommer (4)“, 25.07.2018.

Herr Stadler, im Juli haben Sie eine Langzeitstrategie mit ehrgeizigen Wachstums- und Renditezielen vorgelegt. Wenig später brachen die Börsen ein, die einstigen Wachstumserwartungen gelten seither als Makulatur.
brand eins, „Wir müssen auf allen Hochzeiten tanzen“, Okt. 2011.

Vademecum

Ein Vademecum (das) ist ursprünglich ein kleineres Buch oder Heft, welches hilfreich in einer bestimmten Situation sein soll, zum Beispiel als Begleiter beim Reisen oder als Nachschlagewerk für einen bestimmten Berufsstand. Ein solches Vademecum ist dabei in der Regel handlich gestaltet, damit es stets mitgeführt werden kann.

Mit der Zeit entwickelte sich der Ausdruck Vademecum zu einer Bezeichnung für verschiedene Nachschlagewerke, Ratgeber und Leitfäden, zunächst in den Bereichen Theologie und Medizin, später dann allgemein für verschiedenste Themen.

Im Deutschen ist auch die Schreibweise Vademekum geläufig. Die Mehrzahl lautet dementsprechend Vademecums, beziehungsweise Vademekums. Auch in anderen Sprachen ist der Begriff geläufig, zum Beispiel im Französischen und im Italienischen.

Der Ausdruck ist eine Zusammenrückung des lateinischen vade mecum (geh mit mir!).

Beispiele:

Welche Beeren sind essbar, welche nicht? Solche und viele anderen Fragen beantwortet mir mein treues Vademecum, das ich auf Wanderungen stets bei mir trage.

Ein Vademecum brauche ich im Berufsalltag nicht mehr. Auf dem Handy kann ich ja alles jederzeit nachschlagen.

Somnolenz

Das Substantiv Somnolenz (die) bedeutet „beständige Schläfrigkeit“, „starke Benommenheit“.

Der Ausdruck wird vorrangig in der Medizin verwendet. Dabei ist die Somnolenz einer der Grade der quantitativen Bewusstseinsstörung: Noch vorhandene Ansprechbarkeit bei auffälliger Müdigkeit, mitunter ergänzt durch Gedächtnisprobleme. Das Reaktionsvermögen ist bei Somnolenz verringert.

Die Grade der quantitativen Bewusstseinsstörung sind (aufsteigend):

  • Benommenheit (Denken und Handlen verlangsam, Aufwecken leicht möglich).
  • Somnolenz (beständige Schläfrigkeit, Aufwecken noch einfach).
  • Sopor (schlafgleicher Zustand, Aufwecken durch starke Reize noch möglich).
  • Koma (völlige Bewusstlosigkeit, Aufwecken nicht mehr möglich).

Der Begriff Somnolenz ist aus dem Spätlateinischen abgeleitet. Somnolentus bedeutet etwa „schlaftrunken“, somnus bedeutet „Schlaf“.

Salopp gesagt: Die Bahnfahrt am Ende eines langen Arbeitstages verbringe ich in Somnolenz und den Fernsehabend im Sopor. Schließlich falle ich regelrecht ins Koma.

Seit er aus der Narkose erwacht ist, befindet er sich in einem Zustand schwacher Somnolenz, der aber in wenigen Stunden vorüber gehen sollte.

Eine missglückte Hypnose kann einen Klienten vorübergehend in den Zustand der Somnolenz versetzen.

sapiosexuell

Das Adjektiv sapiosexuell bedeutet „Intelligenz attraktiv findend“.

Menschen, die sich als sapiosexuell bezeichnen, sehen Intelligenz als eine der entscheidenden Eigenschaften oder sogar als die entscheidende Eigenschaft bei der Beurteilung der sexuellen Attraktivität einer anderen Person.

Der Ursprung des Begriffs liegt im lateinischen sapere (schmecken; nach etwas riechen; weise, klug, einsichtig sein).

Ich bin sapiosexuell. Gut für meinen intelligenten, aber körperlich entstellten Partner.

Für Sapiosexuelle ist, nach eigener Aussage, nicht das Aussehen eines potenziellen Partners entscheidend für romantische Anziehung – sondern dessen Intelligenz.

Warum wollen auf einmal alle „sapiosexuell“ sein? Das ist doch Quatsch! Alix Berber – bento.de, 12.02.2018

Imponderabilien

Eine Imponderabilie ist eine „Unwägbarkeit“, d.h. ein bei einer Entscheidung nicht vorhersehbares, zu einem späteren Zeitpunkt eintreffendes Ereignis. Der Begriff wird nahezu ausschließlich im Plural gebraucht.

Imponderabilien spielen etwa in betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen, vorrangig bei Investitionsentscheidungen, eine wichtige Rolle. Anders als bekannte und kalkulierbare Risiken können sie zum Zeitpunkt der Entscheidung nicht berücksichtigt und somit nicht quantifiziert werden. Ebenso wenig kann  eine Strategie für den Fall ihres Eintretens zurechtgelegt werden, eine Reaktion ist also nur im Nachhinein möglich und oft mit großen Kosten verbunden.

Auch in der Rechtssprache existiert der Begriff der Imponderabilien und beschreibt dort Stoffe, die unbeherrschbar und unwägbar sind, d.h. sich nicht wiegen lassen. An ihnen kann kein rechtliches Eigentum bestehen. Hierzu zählen etwa Geräusche und Strahlungen oder auch freie Gase und Dämpfe.

Wie genau der Begriff den Weg ins Deutsche gefunden hat ist ungewiss, jedoch kann davon ausgegangen werden, dass der Ursprung im lateinischen ponderabilis (wägbar) liegt.

Vieles lässt sich planen, Imponderabilien können aber nie ganz ausgeschlossen werden.

Auch rechnet jedermann damit, daß es diesmal schnell gehen wird. Das Parlament will sich noch vor Weihnachten konstituieren, in Berlin. Und wenn nicht die berühmten Imponderabilien dazwischenkommen, soll auch gleich die Kanzlerwahl über die Bühne gehen – was voraussetzt, daß die künftige Ministermannschaft jedenfalls in ihren Umrissen bekannt ist.
Carl-Christian Kaiser (1990), Lauter blaue Wunder, DIE ZEIT, 30.11.1990 Nr. 49.

emittieren

Das Verb emittieren bedeutet „ausgeben“, „ablassen“ oder „aussenden“.

Der Begriff kann unter anderem den Vorgang der Umweltverschmutzung durch umweltgefährdende Stoffe bezeichnen. Solche Stoffe, die beispielsweise in Gewässer oder in die Luft emittiert werden, nennt man dementsprechend auch Emissionen.

Im Bankwesen bzw. der Finanzsprache beschreibt emittieren das Ausgeben bzw. in Umlauf bringen von Wertpapieren, zum Beispiel mit dem Ziel, den Markt anzukurbeln oder eine Phase des Aufschwungs weiter zu befeuern.

In der Physik schließlich beschreibt emittieren die Abgabe von Photonen oder Teilchen.

Die Herkunft des Begriffs liegt im französischen émettre, was wiederum auf das lateinische emittere (herausgehen lassen, ausschicken) zurückgeht.

Beispiele:

Kohlekraftwerke emittieren enorme Mengen Kohlenstoffdioxid.

Das von Leuchtstoffröhren emittierte Licht wirkt auf viele Leute ungemütlich.

Das Unternehmen emittierte im großen Stil Aktien, um sich das nötige Kapital für die Expansionspläne zu beschaffen.