Das Substantiv Austerität (die) bezeichnet eine „strenge staatliche Sparpolitik“ oder (seltener) eine „strenge, entsagungsvolle Lebensführung“.
Im heutigen Sprachgebrauch geht es fast immer um Staatsfinanzen. Gemeint ist ein Kurs, bei dem der Staat seine Ausgaben kürzt, um Schulden abzubauen oder den Haushalt auszugleichen. Häufig gehören höhere Steuern und Abgaben dazu.
Das Wort bezeichnet dabei ein ganzes Programm, nicht eine einzelne Kürzung. Es steht auch für den Zustand selbst, also für die Zeit der Knappheit, die ein solcher Kurs mit sich bringt.
Daneben gibt es eine ältere Bedeutung: strenge Ernsthaftigkeit und Genügsamkeit in der Lebensführung. Diese Verwendung ist heute selten.
Übertragen steht das Wort außerdem für schmucklose Schlichtheit der Form, etwa in der Architektur.
Abgrenzung
Sparsamkeit ist eine persönliche Eigenschaft und in der Regel freiwillig. Austerität beschreibt dagegen ein Programm, das für viele Menschen zugleich gilt und über das die Betroffenen nicht selbst entscheiden.
Askese zielt auf die eigene Person. Wer asketisch lebt, verzichtet freiwillig, oft aus religiösen oder geistigen Gründen. Nur die ältere Bedeutung von Austerität liegt nahe daran.
Hintergrund
Am Anfang steht ein Geschmack. Das griechische austērós (herb, zusammenziehend) beschrieb den trockenen, pelzigen Eindruck, den unreifes Obst oder gerbstoffreicher Wein auf der Zunge hinterlässt. Verwandt ist auos (trocken).
Im Lateinischen wurde daraus austerus (herb, sauer, streng) und weiter austeritas (Herbheit, Strenge). Schon in der Antike wanderte die Bedeutung vom Gaumen auf den Charakter. Streng war nun nicht mehr nur der Wein, sondern auch der Mensch.
In dieser moralischen Bedeutung findet man das Wort im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert in gehobenen Texten. Vermittelt hat es vermutlich das französische austérité (Strenge, Sparsamkeit).
Die heutige Hauptbedeutung ist jünger und stammt aus dem Englischen. In Großbritannien wurde austerity im Zweiten Weltkrieg und in den Jahren danach zum Schlagwort für Rationierung, Verzicht und staatliches Sparen. Nach 1945 übernahm das Deutsche diese Lesart.
Aussprache
Lautschrift (IPA): [aʊ̯steʁiˈtɛːt]
Verwendungsbeispiele
Die Opposition warf der Regierung vor, mit ihrer Austerität die wirtschaftliche Erholung abzuwürgen.
Nach dem Krieg erlebte Großbritannien Jahre der Austerität, in denen selbst Zucker und Fleisch rationiert waren.
Die Kämmerin verteidigte den Sparkurs: Ohne eine Phase der Austerität sei der Haushalt nicht zu retten.
Der Ordensgründer verlangte von seinen Brüdern dieselbe Austerität, die er sich selbst auferlegte.
Die Austerität des Baus wirkt kühl: glatter Beton, kein Schmuck, kein überflüssiges Detail.
