Das Adjektiv intersubjektiv bedeutet „mehreren Personen gemeinsam“, „für verschiedene Betrachter gleichermaßen zugänglich“.
Gemeint ist etwas, das nicht allein auf dem Standpunkt einer einzelnen Person beruht. Mehrere Menschen können es in gleicher Weise wahrnehmen, nachvollziehen oder beurteilen. Das Wort markiert damit eine Zwischenstufe zwischen dem rein Persönlichen und dem, was unabhängig vom Menschen gilt.
Zu Hause ist es vor allem in Philosophie, Wissenschaft und Sozialforschung. Dort steht es oft in festen Verbindungen, etwa intersubjektiv nachprüfbar, intersubjektiv nachvollziehbar oder intersubjektiv gültig. Der Ton ist gehoben und fachsprachlich.
Ein feiner Unterschied ist wichtig: intersubjektiv heißt nicht wahr. Dass mehrere Personen zu demselben Urteil kommen, macht dieses Urteil nachvollziehbar und teilbar, aber nicht automatisch richtig.
Abgrenzung
Am deutlichsten wird die Bedeutung im Vergleich mit zwei verwandten Wörtern.
- Subjektiv ist, was nur für eine einzelne Person gilt und von ihrem Empfinden abhängt.
- Objektiv ist, was unabhängig von jedem Betrachter besteht.
- Intersubjektiv liegt dazwischen: Es ist mehreren Personen gemeinsam, ohne schon den Anspruch auf betrachterunabhängige Geltung zu erheben.
Hintergrund
Sprachlich ist intersubjektiv eine junge Bildung. Es verbindet die lateinische Vorsilbe inter (zwischen) mit dem Adjektiv subjektiv, das auf lateinisch subiectivus (zum Subjekt gehörig) zurückgeht.
Seine schärfste Kontur gewann das Wort in der Wissenschaftstheorie. Ein völlig standpunktfreier Zugang zur Welt gilt dort als unerreichbar. An seine Stelle tritt die Forderung, dass Ergebnisse intersubjektiv nachprüfbar sein müssen: Verschiedene Personen sollen unter gleichen Bedingungen zu denselben Beobachtungen kommen können. Karl Popper machte diesen Gedanken in seiner „Logik der Forschung“ zum Kern wissenschaftlicher Objektivität.
Aussprache
Hörbeispiel:
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Lautschrift (IPA): [ˌɪntɐzʊpjɛkˈtiːf]
Verwendungsbeispiele
Ein Befund zählt in der Forschung erst dann, wenn er intersubjektiv nachprüfbar ist und sich von anderen wiederholen lässt.
Die Philosophin fragte, ob sich moralische Urteile überhaupt intersubjektiv begründen lassen.
Dass der Saal viel zu kalt war, empfanden im Team alle gleich, dieses Urteil war also intersubjektiv und nicht bloß persönliche Empfindlichkeit.
Die Gutachterin muss zeigen, dass ihre Bewertung auf intersubjektiv überprüfbaren Kriterien beruht.
Sprache funktioniert nur, weil die Bedeutung der Wörter intersubjektiv geteilt wird.
