Muse

Das Substantiv Muse (die) bezeichnet im übertragenen Sinn „eine Person, die einen kreativen Menschen inspiriert“ und ursprünglich „jede der neun griechischen Göttinnen der Künste und Wissenschaften“.

Als Muse gilt, wer eine schaffende Person zu Werken anregt, sei es durch Ausstrahlung, durch Zuwendung oder durch eine Liebesbeziehung. Der Begriff wird meist auf Frauen im Umfeld männlicher Künstler bezogen, gelegentlich aber auch auf Männer.

Sehr geläufig ist die Wendung „von der Muse geküsst werden“. Sie meint einen plötzlichen schöpferischen Einfall und klingt heute oft scherzhaft.

Hintergrund

In der griechischen Mythologie sind die Musen neun Schwestern, Töchter des Zeus und der Titanin Mnemosyne, der Göttin der Erinnerung. Diese Abstammung ist kein Zufall.

Wer in einer Kultur ohne Buchdruck dichtet, braucht vor allem ein Gedächtnis, und die Musen sind es, die dem Vortragenden die Verse zurückgeben.

Die großen Epen beginnen mit einer Anrufung der Muse. Der Dichter bittet sie, ihm den Stoff einzugeben. Dahinter steht die Vorstellung, dass ein Einfall nicht aus dem Menschen selbst stammt, sondern ihm von außen zuteilwird. Genau diese Vorstellung lebt im modernen Musenkuss weiter.

Jede der Musen erhielt später einen eigenen Zuständigkeitsbereich:

  • Kalliope die epische Dichtung,
  • Klio die Geschichtsschreibung,
  • Melpomene die Tragödie,
  • Thalia die Komödie,
  • Terpsichore den Tanz,
  • Erato die Liebesdichtung,
  • Euterpe den Gesang,
  • Polyhymnia den Kultgesang,
  • Urania die Sternkunde.

Das Wort geht über lateinisch Musa auf griechisch Mūsa (Μοῦσα) zurück und ist seit dem 17. Jahrhundert in deutschen Texten belegt. Seine Herkunft im Griechischen selbst gilt als ungeklärt. Erwogen werden unter anderem eine ursprüngliche Bedeutung „seelische Erregung“ sowie eine Verbindung zu griechisch mōsthai  „streben, trachten“.

Zur selben Wortfamilie gehören zwei Wörter, die heute kaum noch nach Mythologie klingen. Museum geht auf griechisch mūseion „Musensitz, Ort für Kunst und Gelehrsamkeit“ zurück. Und Musik stammt von mūsikḗ téchnē, wörtlich „Musenkunst“.

Aussprache

Lautschrift (IPA): [ˈmuːzə]

Verwendungsbeispiele

Die Malerin bezeichnete ihren Nachbarn scherzhaft als ihre Muse, weil ihr in seinem Garten die besten Ideen kamen.

Nach Monaten ohne Fortschritt hat ihn endlich wieder die Muse geküsst.

Die Ausstellung fragt, wie viele Frauen als Muse in die Kunstgeschichte eingingen, obwohl sie selbst gemalt haben.

Er wartet nicht darauf, dass die Muse vorbeikommt, sondern setzt sich jeden Morgen um sechs an den Schreibtisch.

Alma Mahler-Werfel wurde von gleich mehreren Künstlern als Muse verehrt.

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