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  • Ressentiment

    Ressentiment (das) bedeutet „heimlicher Groll“. Die Aussprache folgt dem französischen Vorbild.

    Hat jemand Ressentiments gegenĂŒber einer Sache oder einer Person beziehungsweise Personengruppe, so verspĂŒrt er eine unterschwellige, manchmal auch unbewusste Abneigung. Diese Abneigung hat ihren Ursprung meist in Vorurteilen, Neid, UnterlegenheitsgefĂŒhlen oder Ähnlichem. Das Wort wird hĂ€ufig im Plural verwendet.

    Der Begriff entstammt dem gleichbedeutenden französischen ressentiment.

    Ich habe sehr unter der Wirtschaftskrise gelitten. Man konnte ja kaum aus seinem Porsche aussteigen, ohne den Ressentiments der Passanten ausgesetzt zu sein.

    Asylbewerber treffen in Deutschland vielerorts auf Ressentiments, Misstrauen und offen zur Schau getragenen Hass.

    Die Rechnung, mit von fremdenfeindlichen Ressentiments geprĂ€gtem Wahlkampf in der Gunst der WĂ€hler zu steigen, ging nicht auf und fĂŒhrte stattdessen zu einem Erdrutschsieg seines Kontrahenten.

  • diametral

    Das Adjektiv diametral bedeutet bildungssprachlich „entgegengesetzt“ und beschreibt damit Sachverhalte, Argumente, Aussagen, Positionen etc., die in ganz und gar gegensĂ€tzlichem VerhĂ€ltnis zueinander stehen, d.h. völlig verschieden sind.

    HĂ€ufig gebraucht wird die Phrase „diametral entgegengesetzt“, die nicht unbedingt pleonastischen, sondern eher betonenden Charakter hat. Stilistisch ist sie ob ihres inflationĂ€ren Gebrauchs dennoch von zweifelhafter GĂŒte.

    Speziell in der Mathematik beschreibt der Ausdruck Punkte auf dem Ă€ußeren Rand einer geometrischen Figur, deren Verbindungslinie zum einen durch den Mittelpunkt der Figur geht und zum anderen den maximal möglichen Abstand zweier Punkte innerhalb der Grenzen der Figur darstellt. Das einfachste Beispiel dafĂŒr sind zwei Punkte, die sich auf dem Durchmesser eines Kreises gegenĂŒberliegen.

    Die Herkunft des deutschen Begriffs liegt im spĂ€tlateinischen diametralis (zum Durchmesser gehörend) und geht auf das gleichbedeutende griechische diametros zurĂŒck.

    Die Arbeit der Regierungskoalition verlief bisher sehr harmonisch. BezĂŒglich der aktuellen Frage fĂŒhren die diametralen Positionen der beiden Parteien jedoch zu langwierigen Verhandlungen, deren Ende bisher nicht in Sicht ist.

    Was Bier betrifft, haben meine sĂŒddeutschen Freunde und ich diametrale PrĂ€ferenzen.

  • desavouieren

    Das Verb desavouieren bezeichnet das Bloßstellen in der Öffentlichkeit oder auch das Abstreiten oder die Nichtanerkennung von Personen oder Gegebenheiten. Synonyme des bildungssprachlichen desavouieren sind „blamieren“, „vorfĂŒhren“, „kompromittieren“, „zum Gespött machen“, oder auch „in Abrede stellen“.

    Aus dem Französischen entlehnt, besteht desavouier aus dem altfranzösischen PrĂ€fix dĂ©s-, welches die Aussage des Verbs aufhebt und dem Verb avouer, zu Deutsch „anerkennen“ oder „einen Fehler eingestehen“.

    Durch das Abstimmungsergebnis fĂŒhlte sich der Politiker desavouiert. 35% der eigenen Parteimitglieder hatten gegen sein Vorhaben gestimmt.

    Sie desavouierte sich vor ihrer neuen Arbeitgeberin, als sie den Stift aufhob und ihre Hosennaht platzte.

    Der PrÀsident ist in seiner AutoritÀt beschÀdigt, die Regierung als ein Verein von Amateuren desavouiert.
    Martin Gehlen, Neue Verfassung: Mit der Scharia ist in Ägypten kein Staat mehr zu machen, Die Zeit 16.12.2012.

     

  • ratifizieren

    Das Verb ratifizieren bedeutet „als gesetzgebende Körperschaft einen völkerrechtlichen Vertrag in Kraft setzen“. Der Begriff wird in der Politik und in der politischen Berichterstattung verwendet.

    Das lateinische Verb ratificare mit der Bedeutung „genehmigen, bestĂ€tigen“ setzt sich seinerseits aus ratus (bestimmt, gĂŒltig) und facere (tun, machen) zusammen.

    Die Abgeordnetenkammer ratifizierte das Steuerabkommen mit Deutschland.

    Nachdem beide LĂ€nder den Friedensvertrag ratifiziert hatten, kam es in der kleinen Grenzstadt zum ersten Gipfeltreffen seit fĂŒnfundsiebzig Jahren.

    Das Handelsabkommen mit China wurde vom Parlament ratifiziert.

  • volatil

    Das Adjektiv volatil bedeutet „beweglich“, „unstetig“ oder „flĂŒchtig“ und wird in verschiedenen ZusammenhĂ€ngen verwendet.

    Im Finanzwesens etwa werden sprunghafte und unbestÀndige Aktienkurse als volatil bezeichnet.

    Auch in der Betriebs- oder Volkswirtschaft ist es nicht unĂŒblich, unbestĂ€ndige ZustĂ€nde wie Preisentwicklungen oder andere Variablen in einer Marktwirtschaft als volatil zu bezeichnen.

    In der Chemie wird der Ausdruck fĂŒr besonders flĂŒchtige Stoffe verwendet, d.h. solche, die schon bei geringen Temperaturen verdampfen.

    Ableiten lĂ€sst sich der Begriff aus dem lateinischen volatilis (fliegen, flĂŒchtig).

    Wind- und Solarenergie sind volatile EnergietrÀger, mit denen sich nur nÀherungsweise kalkulieren lÀsst.

    Und natĂŒrlich machen es sich Unternehmer, GeschĂ€ftsfĂŒhrer und VorstĂ€nde bei VerlustgeschĂ€ften einfach. Im Zweifelsfall trĂ€gt der volatile Markt die Schuld.

    Und im GeschĂ€ftsbereich Consumer – dazu gehören neben Nivea kleinere Hautpflege-Marken wie Eucerin oder Labello – kam man nur auf 1,6 Prozent. Zum Vergleich: Henkel wuchs in diesem Segment um 4,8 Prozent, L’OrĂ©al sogar um 5,6 Prozent. Die Beiersdorf-Tochter Tesa steht zwar besser da, das GeschĂ€ft mit Klebstoff ist aber relativ klein und volatil.
    Patricia Döhle (2011), Blick in die Bilanz: Pflegefall, brand eins 06/2011. 

  • AuthentizitĂ€t

    Das bildungssprachliche Substantiv AuthentizitĂ€t bedeutet „Echtheit“.

    Es bezeichnet die Eigenschaft einer Sache, Person oder Organisation, authentisch zu sein, also auf Echtheit geprĂŒft und „als Original befunden“.

    Synonyme zu AuthentizitĂ€t sind „GlaubwĂŒrdigkeit“, ZuverlĂ€ssigkeit“, „UnverfĂ€lschtheit“ oder „Wahrheit“.

    AuthentizitĂ€t ist als Substantiv seit Mitte des 18.Jahrhundert in der deutschen Sprache belegt. Bei dem Wort handelt es sich um eine Ableitung des Adjektivs authentisch, welches auf das spĂ€tlateinische authenticus (original, echt, verbĂŒrgt) zurĂŒckzufĂŒhren ist.

    Die AuthentizitÀt des Vertrags wurde notariell beglaubigt.

    Das Museum zeigt die WohnumstÀnde in der Stadt wÀhrend des 18. Jahrhunderts. AusgewÀhltes, originalgetreues Mobiliar und viele Details verleihen den WohnrÀumen des alten Bauernhauses AuthentizitÀt.

    Luxusmarken mĂŒssen darauf reagieren, dass ihre Kunden zunehmend aus dem asiatischen Raum kommen, andere Vorlieben haben und ein anderes Einkaufsverhalten. Sie mĂŒssen gleichzeitig der Digitalisierung von Kommunikation und Handel Rechnung tragen – eine Entwicklung, die grĂ¶ĂŸere Transparenz und AuthentizitĂ€t von einer Branche fordert, die am liebsten inszenierte Geschichten und perfekte Illusionen verkaufte.
    Markus Albers, Das Luxus-Problem, Brandeins 12/2014

  • falsifizieren

    Das bildungssprachliche Verb falsifizieren bedeutet „fĂ€lschen“,  „verfĂ€lschen“ oder „widerlegen“,„entkrĂ€ften“.

    Es  wird zum Beispiel verwendet, um auszudrĂŒcken, dass wissenschaftliche Hypothesen durch empirische Studien oder logische Beweise widerlegt und somit entkrĂ€ftet werden.

    Antonym (Gegenwort) zu falsifizieren ist das Verb „verifizieren“.

    Falsifizieren ist abgeleitet vom mittellateinischen falsificare, zu lateinisch falsus (falsch) und facere (machen, tun).

    Mithilfe der Langzeitstudie soll die vorherrschende Hypothese falsifiziert werden und ein neuer Durchbruch in der Forschung erreicht werden.

    Noch deutlicher wird Dannemann: „Dass alle Autoren von LehrbĂŒchern abschreiben ist eine unhaltbare Generalisierung, die sich angesichts der großen Anzahl von LehrbĂŒchern nicht verifizieren, aber schon mit einem einzigen Gegenbeispiel falsifizieren lĂ€sst.“
    Jonas Krumbein, Hat der PlagiatsjÀger selbst plagiiert?, Der Tagesspiegel, 08.11.2013

    Die Schule falsifiziert eine Reihe schulorganisatorischer Mythen. So etwa die Notwendigkeit der Auslese der AHS-SchĂŒlerschaft im Alter von zehn Jahren und die Sinnhaftigkeit der achtjĂ€hrigen gymnasialen Langform.
    Karl Heinz Gruber, Diese Schule dĂŒrfte es nicht geben, DIE ZEIT NÂș 48/2014

  • Atavismus

    Das Substantiv Atavismus wird fachsprachlich genutzt, um das Wiederauftreten von anatomischen Merkmalen oder Verhaltensweisen zu beschreiben, die den unmittelbar vorhergehenden Generationen fehlen. Atavismus kann bei Pflanzen, Tieren oder Menschen auftreten.

    Im ĂŒbertragenden Sinn wird Atavismus zudem verwendet, um eine Auffassung oder ein Verhalten zu beschreiben, das einem veralteten Weltbild entspricht.

    Das Substantiv ist auf das lateinische atavus (Großvater des Urgroßvaters, Urahne) zurĂŒckzufĂŒhren.

    Trotz fortgeschrittener Emanzipation kehren viele junge Familien zum Atavismus des geldverdienenden Vaters und der fĂŒrsorglichen Hausfrau zurĂŒck.

    Ich glaube nicht an die GenialitĂ€t, auch nicht bei KĂŒnstlern. Ich arbeite gern im Kollektiv. GenialitĂ€t, das ist eine Art Atavismus. Es geht darum, gemeinsam etwas zu erreichen.
    Chris Dercon, „VerĂ€nderung tut immer weh“, Der Tagesspiegel, 26.04.2015

    Offenbar mutieren liebende Eltern, kaum haben sie ihren eigenen Nachwuchs abgeliefert, zu Rasern, die auf den Nachwuchs anderer keine RĂŒcksicht nehmen. Ein Atavismus zur Erhaltung der eigenen Gene?
    Mark Spörrle, Wieso gibt es vor den Hamburger Schulen keine „Kiss & Ride“-ParkplĂ€tze fĂŒr Eltern?, DIE ZEIT NÂș 38/2014

  • Fakturieren

    Das Verb fakturieren ist der Kaufmannssprache zuzuordnen und bezeichnet das Ausschreiben oder in Rechnung stellen von gelieferten Waren und geleisteten Diensten.

    Zudem erfolgt in gleichem Zug die entsprechende Buchung des GeschÀftsvorfalls auf das betroffene Konto im externen Rechnungswesen.

    Synonyme zu fakturieren sind „abschĂ€tzen“, „ausschreiben“ oder „berechnen“.

    Das Verb ist auf das lateinisch-spanische factura (Rechnung) zurĂŒckzufĂŒhren.

    Nachdem sich die Reparaturen ĂŒber Wochen hinausgezogen haben, wurde die Rechnung zu allem Erstaunen direkt im Anschluss an die Fertigstellung fakturiert.

    In diesem Monat wurden im Vergleich zum Vorjahr mehr als doppelt so viele Lieferungen fakturiert.

    Das Unternehmen liefert 85 Prozent seiner Maschinen in jeden Winkel des Auslands. Ein Viertel des Absatzes geht in die USA. Die DollarschwĂ€che des Sommers habe dem Maschinenbauer bislang nicht geschadet, sagt der Chef. „In Nordamerika können wir fast ausschließlich in Euro fakturieren.“ Außerdem schließe man KurssicherungsgeschĂ€fte ab.
    Peter Gaide und Marc-Stefan Andres, Limonade fĂŒr die neuen Reichen, Zeit Online, 04.09.2008

     

  • denunzieren

    Das Verb denunzieren bedeutet, jemanden oder etwas (meist aus niederen BeweggrĂŒnden) anzuzeigen, zu verraten, oder öffentlich bloßzustellen.

    Synonyme zu denunzieren sind beispielsweise „brandmarken“, „verleumden“, „anschwĂ€rzen“ oder „kompromittieren“.

    Denunzieren ist ĂŒber das lateinische denuntiare (ankĂŒndigen, kundtun) herzuleiten.

    Aus Rache denunzierte sie ihren Ex-Mann bei der Polizei und zeigte ihn wegen Steuerhinterziehung an.

    Die Aussage wurde von sÀmtlichen Journalisten als rechtsradikal denunziert und scharf kritisiert.

    Als der Boss den Jungspund zum Souschef ernannte, war es vorbei mit der Kameraderie. Wojta: „Ich wurde von Stund an gemobbt. Die Kollegen sprachen nicht mehr mit mir.“ Sie warteten auf den geringsten Fehler des GĂŒnstlings, um ihn zu denunzieren: „Ich habe oft mehrmals am Tag Rotz und Wasser geheult.“
    Bernd Dörler, Statt Hummer Schinkenfleckerl, Brandeins 12/2014