• imperativ

    Als Adjektiv bedeutet der bildungssprachliche Begriff imperativ so viel wie „befehlend“, „zwingend“, „bindend“ oder (gehobener) „gebietend“.

    So wird das Adjektiv beispielsweise in Bezug auf die imperative Programmierung in der Informatik, imperativen Harndrang in der Medizin oder imperative Mandate in der Politik verwendet.

    Das Adjektiv ist nicht zu verwechseln mit der substantivierten Form „Imperativ“, welche in der Grammatik die Befehls- und Aufforderungsform darstellt, oder in der Philosophie und Soziologie ein „Gebot“ oder „Prinzip“ bezeichnet.

    Der Begriff stammt aus dem Spätlateinischen und ist über imperativus, zu lateinisch imperare (befehlen) herzuleiten.

    Mit dem Erhalt des imperativen Mandats wurde dem Politiker viel Vertrauen entgegengebracht. Sofern er sich an die inhaltlichen Vorgaben der von ihm Vertretenen hält, sollte einer erfolgreichen Amtszeit nichts im Wege stehen.

    Der mit dem Alter zunehmende, imperative Harndrang führt oftmals zu einer Veränderung der Trinkgewohnheiten.

    Philosophie des Radfahrens ist kein Schmöker. Es ist ein Buch, das man immer wieder gerne zur Hand nimmt, um ein Kapitel zu lesen. Radfahrer werden es mögen. Schon allein wegen des imperativen Charakters, der einem immer wieder Lust macht, selbst aufs Rad zu steigen.
    Andrea Reidl, Velophil: Ein Buch verführt zum Radfahren, Zeit Online, 22.04.2013

  • eklatant

    Das Adjektiv eklatant bedeutet zum einen so viel wie „auffällig“, „aufsehenerregend“ oder „ins Auge fallend“. Üblicherweise wird das Adjektiv mit einer negativen Konnotation versehen.

    Zum anderen steht eklatant für „deutlich“, „erheblich“ oder „beträchtlich“. Auch in diesem Zusammenhang ist der Begriff meist negativ konnotiert.

    Eklatant ist vom französischen éclatant entlehnt und von éclat (Splitter, Krach, Knall) abgeleitet.

    Vor allem in der einst gut besuchten Einkaufsstraße ist der Einbruch der Wirtschaft eklatant zu beobachten, so beträgt der Leerstand hier mehr als 60%.

    Mit ihrer Abendrobe sorgte sie für einen eklatanten Auftritt und viel Furore auf dem roten Teppich.

    Lass uns noch ein wenig über die Ausbildung reden: Habt ihr auch was über Ökonomie gelernt? „Nein, und das halte ich für einen eklatanten Fehler. Bildhauerei ist teuer und sehr schwer verkäuflich. Aber man wurde überhaupt nicht darüber aufgeklärt, wie man in die Berufswelt kommt. Dabei ist nach einer aktuellen Studie Künstler der Beruf mit den schlechtesten wirtschaftlichen Aussichten.
    Peter Lau, DER WILLE und DER WEG, Brandeins, 07/2003

  • lynchen

    Das Verb lynchen bedeutet, jemanden für eine als Unrecht angesehene Tat, ohne rechtskräftiges Gerichtsurteil schwer zu misshandeln oder zu töten. Typische Anwendungsbeispiele und Wortzusammenhänge im Sprachalltag sind „Lynchjustiz üben“ oder „Lynchmord begehen“.

    Das Verb wird auch in der Umgangssprache genutzt und steht in diesem Zusammenhang ironisch für „sehr mit jemandem schimpfen“.

    Lynchen wurde im 19.Jahrhundert vom amerikanisch-englischen Verb „to lynch“ entlehnt. Zurückzuführen ist es auf den amerikanischen Familiennamen Lynch, genauer gesagt auf einen Farmer (womöglich William oder Charles Lynch), der als Vorsitzender eines selbst ernannten Bürgergerichts in Virginia während des 18. Jahrhunderts agierte.

    Nachdem der Verdächtige aufgrund mangelnder Beweise freigelassen wurde, beschlossen die Angehörigen des Opfers, ihn in einen Hinterhalt zu locken und zu lynchen.

    Sie drohte ihrer Mitbewohnerin, sie zu lynchen, sollte sie die Küche nochmals in solch einem desolaten Zustand vorfinden.

    Nach dem Mord an einem Kind in Emden verabredeten sich Mitglieder einer Facebook-Gruppe zum Lynchen.
    Jakob Vicari, Die Herrschaft der Trolle, Brandeins, 06/2012

  • Legislative

    Die Legislative ist die gesetzgebende Gewalt in einem Staat. In Deutschland besteht die Legislative aus Bundestag und Bundesrat (auf Bundesebene) und den Länderparlamenten (auf Landesebene).

    Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und ist zusammengesetzt aus lex, legis (Gesetz) und ferre (tragen)

    In der Bundesrepublik stellen Bundestag und Bundesrat die Legislative dar.

    Südtirol verfügt seither als Provinz Bozen in der Region Trentino-Alto Adige über eine eigenständige Legislative, Verwaltung, ein eigenes Justizsystem und Klagerecht vor dem Europäischen Gerichtshof.
    Gerhard Waldherr, Der kleine König, Brandeins, 09/2005

    Auch die Militärpolizei ist an den Unruhen beteiligt. Ihr Chef Mochtar Fernana hatte zuvor die Auflösung von Regierung und Parlament angekündigt. Eine neu gewählte Kommission werde eine Verfassung schreiben und vorübergehend die Aufgaben der Legislative übernehmen, sagte er.
    Dpa, Libyen: USA bereiten Räumung ihrer Botschaft vor, 20.05.2014

  • Laissez faire

    Laissez faire bedeutet sinngemäß übersetzt „machen lassen“ oder „laufen lassen“, womit eine Haltung der Nichteinmischung mit dem Vertrauen darauf gemeint ist, dass sich die Dinge wohl am Besten von selbst regeln. Damit kann etwa das Verhalten des Staates in Bezug auf die Wirtschaft oder der Erziehungsstil von Eltern beschrieben werden.

    Die Aussprache folgt dem Französischen, ist nicht „eingedeutscht“ und würde, direkt in die deutsche Aussprache übertragen, etwa [lässee fähr] geschrieben. Die Betonung liegt auf der letzten Silbe.

    Der Begriff wurde im 18. Jahrhundert vom französischen Politiker René Louis d’Argenson und dem Wirtschaftswissenschaftler Vincent de Gournay geprägt.

    Ihr Laissez-fair-Unterricht funktioniert nicht immer. Oft stören doch einzelne Schüler die Konzentration der ganzen Klasse. Ein Problem, das sich leider nicht von selbst regelt.

    Laissez fair ist in dieser Konstellation voraussichtlich keine dauerhafte Lösung.

  • Exponentiell

    Das Adjektiv exponentiell stammt aus dem Bereich der Mathematik und beschreibt eine prozentuale (nicht feste) Zunahme oder Abnahme eines Wertes pro Zeiteinheit. Die tatsächliche Veränderung pro Zeiteinheit ist also abhängig vom Ausgangswert zu Beginn der jeweiligen Zeiteinheit, so dass der Prozess sich – je nach gewähltem Faktor – über die Zeit beschleunigt oder verlangsamt.

    Aus diesem Grund wird exponentiell häufig in Verbindung mit Verben wie „wachsen“, „steigen“, „abnehmen“ oder „schrumpfen“ benutzt, um eine Wertveränderung zu beschreiben.

    Diese Wertveränderung lässt sich durch eine Exponentialfunktion darstellen, wodurch sich auch die Herkunft des Adjektivs erklären lässt:

    Exponentialfunktion x mit dem Faktor 3.

    Das Gegenwort zu exponentiell ist linear, was so viel wie „gleichbleibend“ bedeutet.

    Die Vermehrung von Bakterien in der Lebensmittelprobe erfolgt exponentiell.

    Weil die Geschwindigkeit des technischen Fortschritts im digitalen Zeitalter nicht linear, sondern exponentiell wächst, ist die Technik von morgen doppelt so gut wie heute, übermorgen 4-mal so gut, dann 8-mal, 16-mal … Das Wachstum beschleunigt also immer schneller, bis jener Punkt erreicht ist, ab dem – so Kurzweil und seine Apologeten – Ungeheuerliches passieren wird: Maschinen verbessern sich selbst.
    Markus Albers, Herr der Flieger, Brandeins, 03/2014

  • re­mon­tant

    Das Adjektiv remontant beschreibt etwas als wiederkehrend oder wiederblühend. Etwa werden besondere Rosenzüchtungen, die zwei Mal jährlich erblühen, als remontant bezeichnet. Im übertragenen Sinne kann der Begriff jedoch auch für andere mehrfach auftretende Ereignisse verwendet werden.

    Das Wort entstammt dem französischen remontant (später in der Saison noch einmal blühend).

    Die remontanten Rosen trugen zu ihrem Wohlbefinden und Glück erheblich bei, da die nun noch öfter wiederkehrende Pracht des blühenden Gartens ihr Herz mir Freude erfüllte.

    Die Regierung konnte trotz der Krise eine remontante Begeisterung im Volk hervorrufen.

  • deduktiv

    Das Adjektiv deduktiv bedeutet „abgeleitet“ und beschreibt Schlussfolgerungen auf Basis vergangener Erfahrungen oder allgemeiner Erkenntnisse.

    Man spricht also von deduktiven Aussagen oder Schlussfolgerungen, wenn vom Allgemeinen aufs Besondere geschlossen wird, vergangene Erkenntnisse zur Lösung eines aktuellen Problems herangezogen werden oder wenn Erkenntnisse aus einem Gebiet auf ein anderes übertragen werden.

    Ursprung des Begriffs ist das gleichbedeutende lateinische deductivus.

    Für die vermehrten Immobilienkäufe die steigenden Preise verantwortlich zu machen, war ein deduktiver Fehlschuss. Vielmehr stiegen die Preise aufgrund der hohen Nachfrage.

    In der Volkswirtschaftslehre bieten auf aggregierten Daten basierende Erkenntnisse in vielerlei Hinsicht die Möglichkeit für deduktive Schlussfolgerungen auf spezielle Anwendungsfälle. Leider nicht immer.

  • fingieren

    Das Verb fingieren bedeutet „vortäuschen“, „fälschen“, „vorspiegeln“. Insbesondere spricht man von fingieren, wenn mit der Täuschung ein übergeordnetes Ziel erreicht werden soll.

    Beispiele:

    • Beweise fingieren, um die Verurteilung eines Angeklagten zu erreichen.
    • Den eigenen Tod fingieren, um Geldschulden zu entgehen.
    • Untersuchungsergebnisse fingieren, um die Zulassung eines Arzneimittels zu erreichen.

    Der Begriff leitet sich von dem lateinischen Wort fingere ab, welches soviel wie sich vorstellen, erdichten, formen oder bilden bedeutet. Es wurde ursprünglich für das Formen von Lehm oder Ton verwendet.

    Der Anwalt fingierte ein Fallbeispiel in der Verhandlung, welches ihm die Glaubwürdigkeit der Geschworenen erbrachte.

    Wer ernsthaft krank wird, bekommt von seiner Versicherung einen Brief, dass die Behandlungskosten leider nicht übernommen werden können, dazu fingieren Gutachter medizinische Begründungen. Wer es dennoch in eine Klinik schafft, wird trotz Versicherung zur Kasse gebeten (Wirtschafts liberale nennen dies gern »Eigenverantwortung«). Und wer nicht zahlen kann, wird von der Klinik auch schon mal blutend in ein Taxi gesteckt und vor einer Obdachlosenunterkunft rausgeworfen.
    – Markus Grill, Meine Meinung: Krankes System, NEON.de, 09/2007

  • Deskriptiv

    Das Adjektiv deskriptiv bedeutet „sachlich darstellend“. Gegenwörter zu deskriptiv sind normativ, argumentativ und wertend.

    In der Linguistik bezeichnet deskriptiv, dass etwas unter Verwendung der Begriffe der Linguistik darstellend und beschreibend ist.

    Der Begriff wurde wahrscheinlich Anfang des 19. Jahrhunderts aus dem französischen, gleichbedeutenden descriptif entlehnt, welches auf das ebenfalls gleichbedeutende lateinische dēscrīptīvus zurückgeht.

    Bei der deskriptiven Statistik handelt es sich um einen Teilbereich, der die Beschreibung von einer Gesamtheit, beispielsweise durch Tabellen, Grafiken oder Kennwerte wie Mittelwerte und Streuungsmaße, zum Gegenstand hat.

    Mediziner sollte er werden. Das wiederum wollte Stephen nicht. Erstens erschien ihm die Biologie „zu deskriptiv und nicht fundamental genug“ – vielleicht kein ungerechtes Urteil über die Biologie der frühen fünfziger Jahre. Und zweitens ging es ums Prestige: „Die intelligentesten Jungen wählten Mathematik und Physik, die weniger intelligenten Biologie.“
    Gero von Randow, Stephen Hawking „Meine kurze Geschichte“: Kopfnote: Unordentlich, Die Zeit, 42/2013