systemimmanent

Das Adjektiv systemimmanent bezieht sich auf Eigenschaften, Bedingungen oder Elemente, die für ein bestimmtes System natürlich oder unvermeidlich sind.

In der Politikwissenschaft, Soziologie oder Philosophie wird der Begriff häufig verwendet, um auf strukturelle Eigenschaften oder „eingebaute“ Merkmale eines Systems hinzuweisen. Diese sind so grundlegend, dass sie nicht ohne eine radikale Veränderung des gesamten Systems beseitigt oder verändert werden können.

Beispielsweise könnte man sagen, dass Ungleichheit im Kapitalismus systemimmanent ist, weil sie aus den grundlegenden Mechanismen des Systems resultiert.

Ein anderes Beispiel sind Bürokratien. In vielen Organisationen kann man sagen, dass ein gewisses Maß an Bürokratie systemimmanent ist. Das heißt, Strukturen wie Hierarchien, Abteilungen und standardisierte Verfahren sind nicht nur zufällige Elemente, sondern wesentliche Bestandteile des Systems, die seine Funktionsweise bestimmen. Diese bürokratischen Elemente können positiv oder negativ sein. Sie können für Ordnung und Effizienz sorgen, aber auch Innovation bremsen und Entscheidungsprozesse verlangsamen. Da sie tief in der Struktur der Organisation verwurzelt sind, können sie nicht einfach beseitigt werden, ohne das gesamte System zu überdenken. Das letztgenannte Beispiel zeigt, dass systemimmanente Eigenschaften nicht unbedingt gut oder schlecht sind; sie sind vielmehr ein integraler Bestandteil des Systems und beeinflussen seine Leistung und seine Auswirkungen auf die Menschen, die mit ihm interagieren.

Der Begriff kann auch in technischen oder wissenschaftlichen Zusammenhängen verwendet werden. In der Informatik beispielsweise kann ein Fehler als systemimmanent bezeichnet werden, wenn er aus der Grundstruktur eines Programms oder Betriebssystems resultiert.

Das Wort systemimmanent ist ein deutsches Wort, das sich aus den Teilen System und immanent zusammensetzt. Das Wort immanent kommt vom lateinischen immanere, was „anhaften“ oder „innehaben“ bedeutet.

Aussprache

Lautschrift (IPA): [zʏsˈteːm ˈɪ.manənt]

Verwendungsbeispiele

„Die Covid-19-Pandemie ist eine Tragödie. Diese Krise lädt uns jedoch dazu ein, darüber nachzudenken, was wirklich wichtig ist. Und das, was wir sehen, ist klar. Anpassungen werden nicht reichen. Das Problem ist systemimmanent.“
– Manuel Bogner (2020): „Nach Corona kann es mit der Welt nicht so weitergehen“. ze.tt. 11.05.2020.

Die Experten argumentieren, dass die Schwächen des Gesundheitssystems nicht bloß Einzelfälle sind, sondern systemimmanent.

Die Stadtwerke seien systemimmanent, betonte der Erste Vizepräsident des Hessischen Städtetags, Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD). Sie seien als Grundversorger gesetzlich verpflichtet einzuspringen, wenn andere Versorger ausfielen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
– DIE ZEIT ONLINE (2022): „Steigende Kosten setzen ÖPNV zu – Investitionen gefordert“. 22.09.2022.

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