Das Verb evaluieren bedeutet „sach- und fachgerecht beurteilen“ oder „bewerten“.
Wer etwas evaluiert, gibt nicht einfach eine Meinung ab. Gemeint ist ein geordnetes Verfahren: Man legt Kriterien fest, sammelt über einen längeren Zeitraum Daten und zieht daraus ein begründetes Urteil.
Zu Hause ist das Wort vor allem in Schule, Hochschule, Forschung und Verwaltung. Lehrpläne, Förderprogramme, Studiengänge und Gesetze werden evaluiert, meist von einer unabhängigen Stelle und oft nach einer festgelegten Frist.
Daneben steht eine lockerere Verwendung. Hier heißt evaluieren so viel wie „gründlich abwägen“, etwa wenn ein Unternehmen mehrere Angebote prüft oder jemand die eigene Lebenssituation überdenkt.
Hintergrund
Das Wort kam im 18. Jahrhundert über das französische évaluer (abschätzen, bewerten) ins Deutsche. Es gehört zu value (Wert) und valoir (wert sein), die auf lateinisch valere (stark sein, wert sein) zurückgehen.
Anfangs ging es dabei ausschließlich um Geld. Wer damals etwas evaluierte, bestimmte einen Geldwert oder rechnete eine Währung in eine andere um. So findet man es bei Lessing im Jahr 1768 und bei Goethe im Jahr 1810, der notiert, dass gegenwärtig alles nur in Gulden evaluiert werde.
Die heutige Bedeutung ist deutlich jünger. Sie setzte sich erst im 20. Jahrhundert durch, und zwar unter dem Einfluss des englischen evaluate. Aus dem Umrechnen von Geldbeträgen wurde das Prüfen von Programmen, Projekten und Einrichtungen. Der Wert, um den es geht, ist seither kein Geldwert mehr.
Aussprache
Lautschrift (IPA): [evaluˈiːʁən]
Verwendungsbeispiele
Das Ministerium lässt die neuen Lehrpläne nach drei Jahren extern evaluieren.
Bevor die Firma sich für eine Software entscheidet, will die Projektleiterin drei Anbieter gründlich evaluieren.
In der Studie wurde evaluiert, ob das Training die Beschwerden dauerhaft lindert.
Das Gesetz sieht vor, dass die Maßnahmen nach fünf Jahren evaluiert werden.
Am Ende des Semesters evaluierte er in Ruhe, was ihm der Auslandsaufenthalt tatsächlich gebracht hatte.
