Bildungssprache

autark

Das Adjektiv autark bedeutet „auf niemandes Weisung oder Unterstützung angewiesen“.

Es kann etwa Personen, Organisationen, Abteilungen in Unternehmen etc. beschreiben, die eigenverantwortlich und selbstbestimmt handeln können. Speziell bei Regionen und Ländern tritt der Aspekt wirtschaftlicher Unabhängigkeit in den Vordergrund.

Ursprung des Begriffs ist das griechische autárkēs (sich selbst genügend).

Er war in seinem Denken und Handeln völlig autark.

Bezüglich der Verhandlungen mit neuen Geschäftspartnern in Asien konnte sie ganz autark agieren und musste nicht jeden Schritt einzeln mit ihrem Vorgesetzten abstimmen.

Der Staat ist wirtschaftlich weitestgehend autark und hat – mit Ausnahme von Erdöl – den Import jeglicher Produkte unterbunden.

Delinquent

Ein Delinquent ist ein Straftäter oder  auch ein Übeltäter im weiteren Sinne. Es muss also nicht zwingend eine strafrechtlich verfolgbare Tat vorliegen. So werden etwa neben strafunmündigen Kindern und Jugendlichen auch Personen als Delinquenten bezeichnet, die lediglich Ordnungswidrigkeiten begangen haben.

Ursprung des Begriffs ist das lateinische delinquere (eine Verfehlung begehen).

Der Delinquent hüllt sich zu den Vorwürfen bisher in Schweigen.

Die Obrigkeit zu betrügen ist keine Sünde, sondern eher eine Tugend, die von „vivenza criolla“, von Bauernschläue und Pfiffigkeit zeugt. „Sie haben mich wegen Diebstahls geschnappt -aber nicht wegen Blödheit“, brüstet sich der Delinquent.
– Carl D. Goerdeler (2002), Argentinien – oder die Kultur der Vergeudung, brand eins 01/2002.

technokratisch

Das Adjektiv technokratisch beschreibt eine Form der Regierung oder der Verwaltung, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, statistischer Kontrolle und Rationalität beruht. Dabei stehen Effizienz und die Ausrichtung auf Sachzwänge im Vordergrund, individuelle Freiheit und demokratische Willensbildung dagegen tendenziell im Hintergrund.

Der deutsche Begriff wurde aus dem gleichbedeutenden englischen technocratic entlehnt und ergibt sich aus der Zusammensetzung der altgriechischen Ausdrücke techne (Fertigkeit) und kratos (Macht, Herrschaft; auch der Gott der Macht in der griechischen Mythologie).

Bei der TV-Debatte argumentierte er technokratisch, ratterte Statistiken herunter und ging auf die Fragen des jungen Arbeitssuchenden im Publikum nur oberflächlich ein.

In der Gründerzeit [der EU] haben die Friedenssehnsucht der Kriegsgeneration und das Streben nach Wohlstand das Zusammenwachsen gefördert. Es herrschte ein Vertrauen in die politischen Führungskräfte. Das ließ die technokratische Konzeption der Gemeinschaft zu, deren einzige Identität der Pragmatismus war und deren Antriebskräfte durch die bipolare Welt des Kalten Krieges gefördert wurden.
Franz Fischler (2012), Wählt einen Präsidenten für Europa!, DIE ZEIT, 24.5.2012 Nr. 22.

konstituieren

Das Verb konstituieren bedeutet „ins Leben rufen“, „sich grundlegend organisieren“ oder „für etwas konstitutiv (grundlegend) sein“. Somit beschreibt es den Prozess der ersten Schritte der Realisierung etwa eines Parlaments, einer Organisation, eines Bündnisses, eines Staates etc.

Ursprung des Begriffs ist das lateinische constituere (festsetzen, aufstellen).

Kurz nach Ende des Krieges konstituierte sich die neue Regierung.

Die konstituierende Versammlung war mehrere Tage mit dem Entwerfen der offiziellen Vereinssatzung beschäftigt.

Zu viel ist noch ungeklärt: Wie steht es um die Demokratie in einem Megastaat? Was ist von einem europäischen Länderfinanzausgleich zu halten, wo doch schon der deutsche kein Erfolgsmodell ist? Wie ist es um das Selbstverständnis eines Staates bestellt, der sich unter dem Druck der Finanzmärkte konstituiert?
Mark Schieritz (2012), Entweder – oder?, DIE ZEIT, 23.8.2012 Nr. 35.

approximativ

Das Adjektiv approximativ bedeutet „ungefähr“. Es beschreibt also Aussagen zu Werten, Preisen, Beträgen etc. als angenähert und somit nicht ganz exakt.

Die Herkunft des Begriffs findet sich im lateinischen approximare (sich nähern).

Wirtschaftliche Vorhersagen haben stets approximativen Charakter. Es spielen einfach zu viele Faktoren eine Rolle, die in den Modellen nicht berücksichtigt werden können.

Er hatte die Aufgabe nur approximativ gelöst und bekam dafür Punktabzüge.

Aficionado

Ein Aficionado ist ein begeisterter Liebhaber bzw. ein Enthusiast.

Der Begriff wird oft in Bezug auf Dinge lateinamerikanischen oder spanischen Ursprungs verwendet, wie Tequila, Stierkampf oder insbesondere Zigarren. Er kann jedoch auch mit anderem Bezug gebraucht werden.

Das Wort wurde aus dem Spanischen übernommen, wo es die gleiche Bedeutung trägt. Im Duden taucht es erst seit 2009 auf.

Seinem Ruf als Zigarrenaficionado alle Ehre machend, hat er vor Kurzem eine beträchtliche Summe in einen neuen Humidor investiert.

Fußball ist seit jeher seine große Leidenschaft. Als brennender Aficionado verpasst er kein Bundesligaspiel.

Klugscheißer gibt es fast so viele wie schlechte Flaschen am Markt. Die Komplexität des Weintrinkens bringt es mit sich, dass mancher Aficionado glaubt, sich als Kenner der Lagen, Geschmacksträger und Ausbauverfahren präsentieren zu können, ohne entlarvt zu werden.
Willmann (2004), Erforscht & Getrunken, DIE ZEIT 15.04.2004 Nr.17.

veritabel

Das Adjektiv veritabel bedeutet „wahr“ oder „wahrhaft“.

Der Begriff leitet sich vom französischen Wort véritable ab, das die gleiche Bedeutung hat. Dieses Wort stammt wiederum vom lateinischen Begriff veritas ab, das „wahr“ bedeutet.

Das ist eine veritable Aussage.

Was Sie geschafft haben, war eine veritable Leistung, auf die Sie stolz sein können.

Innerhalb der Partei entbrannte ein veritabler Streit darüber, wer den Vorsitz übernehmen sollte.

Defätismus

Defätismus (der) beschreibt einen Zustand der gefühlten Aussichtslosigkeit der Situation und einen dadurch bedingten Drang zum Aufgeben. Der Begriff fand zunächst besonders im militärischen Sprachgebrauch Anwendung.

Ein offen zur Schau gestellter Defätismus steht – vor allem in Kriegszeiten – in manchen Ländern unter Strafe, da eine Zermürbung der Truppenmoral befürchtet wird.

Heute wird der Ausdruck auch außerhalb der Militärsprache gebraucht und meint in erster Linie eine pessimistische Einstellung und Resignation bezüglich der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder politischen Lage.

Der Begriff  wurde als défaitisme zur Zeit des ersten Weltkriegs in Frankreich geprägt und kurz darauf ins Deutsche entlehnt.

Nach der vernichtenden Niederlage breitete sich ein Defätismus unter den Truppen aus, der sich auch durch noch so harte Strafen nicht mehr eindämmen ließ.

Alle anderen leuchtenden Ziele in dem kriegsgeplagten Land – Demokratie, Menschenrechte, Bildung – werden längst immer weiter abgedimmt. Und wenn Barack Obama nun gar von Abzugsplänen zu reden beginnt, liegt ein Hauch von Defätismus in der Luft.
Jörg Lau (2009), Und plötzlich sind sie gut, DIE ZEIT, 26.03.2009 Nr. 14.

Corpus Delicti

Das Corpus Delicti ist ein Gegenstand, mit dem ein Verbrechen verübt wurde und der im Anschluss als Beweisstück verwendet werden kann. Im Falle eines Einbruchs also etwa ein Brecheisen, im Falle eines Gewaltverbrechens die Tatwaffe etc. Mittlerweile kann der Ausdruck auch im Kontext anderer Vergehen verwendet werden, selbst wenn es sich nicht um Verbrechen im rechtlichen Sinne handelt.

Der Ausdruck wurde direkt aus dem Lateinischen übernommen und trägt dort die gleiche Bedeutung.

Das Corpus Delicti, die mehr als 500 Seiten starke „Doktorarbeit“, wurde im Anschluss penibel auf plagiierte Textstellen untersucht.

Der Palästinenserpremier Salam Fajad aber ist ein Revolutionär, der hinter sich aufräumt. Beim Lunch im Seehof von Davos greift er zwar zur verbotenen Zigarette. Dann aber gießt er sorgfältig Mineralwasser auf eine Serviette, drückt die Zigarette darin aus, rollt das feuchte Papiertuch zusammen und wirft das Corpus Delicti in den Ascheimer vor der Tür.
Josef Joffe (2010), Israel ist da und bleibt, DIE ZEIT, 11.02.2010 Nr. 07.

Demagoge

Ein Demagoge ist ein Volksaufhetzer, eine Person also, die mittels öffentlicher Rede eine Menschenmasse politisch oder ideologisch aufwiegelt. Zu den rhetorischen Mitteln des Demagogen gehören dabei Übertreibungen, Verzerrungen und Vereinfachungen der Wahrheit, Verallgemeinerungen und teils auch schlichte Lügen.

Der Begriff entstammt dem griechischen demagogos (Führer des Volkes). Im alten Griechenland war er weitestgehend positiv besetzt, ein Demagoge war damals ein angesehener Redner. In dieser positiven Bedeutung wurde der Ausdruck in der deutschen Sprache bis in die Neuzeit verwandt. Parallel dazu entwickelte sich die hier beschriebene, mittlerweile ausschließlich gültige negative Besetzung des Begriffs.

Der geschickte Demagoge hat mittlerweile eine treue Schar Anhänger hinter sich versammelt, die jede seiner hetzerischen Reden mit begeistertem Beifall feiert.

In Marikana aber schlägt die Stunde der übelsten Demagogen. Julius Malema, ein aus der Regierungspartei verbannter Volkstribun, nutzt Wut und Trauer der Streikenden für seinen Rachefeldzug gegen den Präsidenten.
Bartholomäus Grill (2012), Die Stunde der Demagogen, DIE ZEIT, 23.8.2012 Nr. 35.