Bildungssprache

par ex­cel­lence

Die nachgestellte Phrase par excellence bedeutet „in höchster Vollendung“.

Personen, Sachverhalte, Entwicklungen oder Gegenstände können par excellence sein, wenn sie in mustergültiger Ausführung vorliegen.

Die Herkunft des Ausdrucks liegt im französischen excellence (Erhabenheit, Herrlichkeit) und geht zurück auf das gleichbedeutende lateinische excellentia.

Er begeisterte seine Gäste mit einem Gin Tonic par excellence.

„Das war eine Eröffnungsrede par excellence. Ich war von deinem Vortrag zu Tränen gerührt.“

Als Abteilungsleiterin par excellence wird sie nicht nur von ihrem Team durch und durch respektiert, sondern auch von ihrer Vorgesetzten hoch geschätzt.

Dass in Deutschland mehr als vier Millionen Menschen mit Depressionen leben, die ärztliche oder therapeutische Hilfe brauchen, ist ein Zeichen. Ehrenberg hält Depression für „die Krankheit par excellence des demokratischen Menschen“.
– Stefan Reinecke (2012), Darf es etwas weniger sein?, brand eins o4/2012.

retrospektiv

Das Adjektiv retrospektiv bedeutet „rückblickend“ und beschreibt damit ein Bezugnahme auf vergangene Zeiten.

Der Begriff leitet sich ab aus einer Verbindung der lateinischen Ausdrücke retro (rückwärts, zurück) und spectare (schauen, betrachten).

Verwendungsbeispiele

Bei der retrospektiven Beurteilung des Vorgehens wurden einige Unregelmäßigkeiten festgestellt.

Ich habe retrospektiv erkannt, was ich an ihr hatte. Nun bereue ich die Trennung.

prokrastinieren

Das Verb prokrastinieren bedeutet „aufschieben“, „vertagen“ und meint das unnötige und hinderliche Verschieben von wichtigen Aufgaben oder Vorhaben auf einen späteren Zeitpunkt.

Es ist ausdrücklich nicht das legitime Aufschieben aufgrund äußerer Umstände gemeint. Stattdessen geht es um Bequemlichkeit oder fehlenden Überblick und daraus resultierende erdrückende Komplexität der Aufgabe. Darum hat der Begriff einen entsprechend negativen Beiklang.

Der Begriff leitet sich aus dem lateinischen procrastino (vertagen) ab, zusammengesetzt aus pro– (für) und cras (morgen), bzw. crastinum (der morgige Tag).

Er hat den Versand des Newsletters prokrastiniert. Die armen Abonnenten mussten 2 Tage warten.

Vor wichtigen Aufgaben ewig zu prokrastinieren, ist nicht nur unter Schülern und Studenten ein beliebter Volkssport, sondern auch unter der arbeitenden Bevölkerung weit verbreitet.

Ich verpasse Flieger, springe in letzter Sekunde auf abfahrende Züge, prokrastiniere, wo es möglich ist.
zeit.de

Autosuggestion

Autosuggestion (die) ist die Beeinflussung der eigenen Psyche und sogar des eigenen Körpers mittels Selbsthypnose oder der wiederholten Beschäftigung mit gleichen Gedanken. Dieser Prozess kann unbewusst ablaufen, ist aber auch bewusst beeinflussbar.

Das zugehörige Adjektiv ist autosuggestiv.

Entwickelt hat die Methode der französische Apotheker Émile Coué de la Châtaigneraie (1857-1926), weiterhin Entdecker des Placebo Effekts. Laut seiner Beobachtung lässt sich so etwa die Wirksamkeit von Medikamenten verstärken.

Ursprung des Begriffs ist eine Zusammensetzung der lateinischen Begriffe auto- (selbst) und suggestio (Beeinflussung).

Die Fähigkeit zur Autosuggestion ist ein hilfreiches Mittel etwa zur Stärkung des Immunsystems oder zum Erlangen emotionaler Ausgeglichenheit.

Seine sich immer wiederholenden, vor Selbstsicherheit triefenden Phrasen scheinen zumeist in erster Linie Autosuggestion zu sein.

inhibieren

Das Verb inhibieren bedeutet „hemmen“, gelegentlich auch „verhindern“.

Neben dem kontextunabhängigen Gebrauch wird es besonders häufig auch im medizinischen Sprachgebrauch verwendet, wo man etwa davon spricht, dass die Wirkung eines Enzyms inhibiert wird.

Seine Ursprung findet der Begriff im lateinischen inhibere (anhalten, hemmen).

Die Maßnahme soll das Vertrauen der Investoren in die Währungsstabilität wiederherstellen und ein Fortschreiten der Krise inhibieren.

Mit dem Ziel, den Einfluss rechter Ideologien in Deutschland zu inhibieren, wird immer wieder ein mögliches Verbot der NPD diskutiert.

nivellieren

Das Verb nivellieren bedeutet „ausgleichen (von Unterschieden)“ oder „ebnen“. Dabei kann sowohl das aktive und absichtliche Ausgleichen von Unterschieden gemeint sein als auch ein zufälliger Anpassungsprozess.

Ursprung des Wortes ist das gleichbedeutende französische niveler.

Es scheint nahezu unmöglich, die Unterschiede zwischen Arm und Reich zu nivellieren.

Die globale Vernetzung macht kulturelle und mediale Inhalte weltweit verfügbar. So nivelliert sie zum Teil Unterschiede in der kulturellen Identität verschiedener Völker.

obskur

Das Adjektiv obskur bedeutet „unklar“, „zweifelhaft“, „unverständlich“ und beschreibt Dinge, Organisationen, Personen etc. als von zweifelhafter, nicht näher bekannter Herkunft, als undurchschaubar und verdächtig.

Ursprung des Wortes ist das lateinische obscurus (dunkel, unbekannt, unklar, unverständlich).

Die obskure Sekte machte in letzter Zeit mit Selbstmordwellen unter ihren Mitgliedern Schlagzeilen.

Ob seines obskuren Verhaltens bin ich mir nicht sicher, ob ich es mit einem Genie oder einem Wahnsinnigen zu tun habe.

Der Verdächtige verschwand schließlich in einer obskuren Kneipe, die er erst in den frühen Morgenstunden wieder verließ.

allokieren / allozieren

Streng genommen sind die Verben allokieren und allozieren im Deutschen unterschiedliche Wörter mit einer jeweils eigenen Bedeutung. Da sie so häufig synonym genutzt werden, dass selbst der Duden für beide die gleiche Bedeutung führt, erklären wir sie in einem Artikel:

Allozieren

[1] In der Wirtschaft meint allozieren die Zuweisung oder Verteilung von finanziellen Mitteln (z.B. in einem Etat) bzw. von Ressourcen. Oder die Bereitstellung von etwas für einen bestimmten Zweck (meist im Bereich der EDV). Diese Verwendung ist gleichbedeutend mit „eine Allokation vornehmen“.

Der Ursprung von allozieren liegt im Lateinischen und setzt sich aus dem Präfix ad (an-, heran-, hinzu-, dabei-) und dem Verb locare (legen, stellen) zusammen.

Allokieren

[2] Seltener wird allokieren im Sinne von „jemanden ansprechen“ oder „sich an jemanden richten“ verwendet. Entsprechend ist eine Allokution eine förmliche Ansprache.

Der Ursprung von allokieren liegt im lateinischen alloqui (anreden, ansprechen).

Warum der Unterschied?

Deutsche Verben, die von lateinischen Verben mit der Endung –care oder -cere abstammen, werden in der Regel mit der Endung -zieren übernommen (communicare wird zu kommunizieren, identificare wird zu identifizieren usw.). Daher ist die richtige Schreibweise für Bedeutung [1] allozieren und für Bedeutung [2] allokieren. Die häufige Verwendung von allokieren statt allozieren in Wirtschaft und der EDV  ist wahrscheinlich auf das englische to allocate (etw. zuteilen, zuweisen) zurückzuführen.

Verwendungsbeispiele

[1] In einer Planwirtschaft werden Ressourcen zentral alloziert.

[1] Die erforderlichen Budgets für die unterschiedlichen Bereiche im Unternehmen sollten vor dem neuen Geschäftsjahr alloziert werden.

[2] Sie allokierte die Staatsoberhäupter in einer ungeplanten Rede.

 

Konsequenz

Das Substantiv Konsequenz (die) bedeutet [1] „Auswirkung, Ergebnis bzw. Folge einer Handlung oder Haltung“ oder – sehr ähnlich – [2] „Folgerichtigkeit“ bzw. „Schlüssigkeit“.

Weiterhin kann Konsequenz [3] „Beharrlichkeit“, „Geradlinigkeit“ bzw. „Ausdauer“ bedeuten. In diesem Sinne beschreibt der Begriff oft ein an Grundsätzen orientiertes Verhalten. Das entsprechende Gegenwort ist die Inkonsequenz.

Der Begriff ist von lateinisch consequentia (die Folge) abgeleitet und wird seit Ende des 18. Jahrhunderts mit zunehmender Häufigkeit in der deutschen Sprache verwendet. Bis Ende des 19. Jahrhunderts noch vorrangig in der Schreibweise Consequenz.

Verwendungsbeispiele

[1] Wer gegen das Gesetz verstoßt, muss sich der Konsequenzen bewusst sein.

[1] Die Konsequenzen von Fehlentscheidungen in der Wirtschaft haben meist in erster Linie die kleinen Arbeitnehmer zu tragen.

[1] Der Fund sorgte für einigen Medienrummel, hatte ansonsten aber keine praktischen Konsequenzen.

[2] Ich habe immer recht. In logischer Konsequenz liegt jeder falsch, der mich hinterfragt.

[3] Er legte bei der Umsetzung seines wirren Plans absolute Konsequenz an den Tag.

[3] Sie blieb im Wahlkampf ihrer ideologischen Linie mit äußerster Konsequenz treu.

Konklusion

Das Substantiv Konklusion (die) bedeutet „Schlussfolgerung“.

Speziell in der Syllogistik (dem Kern der aristotelischen Logik in der Philosophie) ist die Konklusion der Satz, der die aus zwei Prämissen folgende Schlussfolgerung enthält. Syllogismen sind dabei stets nach dem gleichen Schema aufgebaut. Hier ein Beispiel:

  • Prämisse 1: Alle unsere Angestellten sind krankenversichert.
  • Prämisse 2: Herr Müller ist bei uns angestellt.
  • Konklusion: Herr Müller ist krankenversichert.

Mehr dazu bei Wikipedia.

Konklusion stammt vom lateinischen conclusio (Schlussfolgerung) ab.

Verwendungsbeispiele

Um zur Konklusion zu kommen: Der Antrag ist abzulehnen.

Wenn ich deinen aufgepeitschten emotionalen Zustand berücksichtige, kann ich deine Schlussfolgerung nachvollziehen. Nüchtern betrachtet komme ich aber zu einer anderen  Konklusion.

Eine valide Konklusion am Ende einer Argumentation bedingt, dass sie sich logisch aus den vorangestellten Prämissen und den allgemein anerkannten Fakten ergibt.