Intransigenz

Das Substantiv Intransigenz (die) bezeichnet „Unnachgiebigkeit“ und „Unversöhnlichkeit“.

Man verwendet das Wort, wenn jemand in einem Konflikt starr an seiner Position festhält. Diese Person oder Gruppe lehnt jede Konzession ab. Eine Einigung wird dadurch schwer oder unmöglich.

Am häufigsten kommt das Wort in Politik und Diplomatie vor. Man spricht etwa von der Intransigenz einer Regierung, einer Partei oder einer Verhandlungsdelegation. Es kann aber auch die Haltung einzelner Menschen beschreiben, zum Beispiel in einem Streit am Arbeitsplatz.

Meist schwingt bei dem Wort Kritik mit. Wer einer Seite Intransigenz vorwirft, gibt ihr die Schuld am Stillstand. Wer dieselbe Haltung teilt, spricht dagegen eher von Standhaftigkeit oder Prinzipientreue.

Abgrenzung

Sturheit ist ein Alltagswort. Es beschreibt oft eine persönliche Eigenart, die nicht unbedingt begründet ist. Intransigenz meint dagegen meist eine bewusste, grundsätzliche Haltung in einer Verhandlung oder einem Konflikt.

Dogmatismus bezeichnet das unkritische Festhalten an einer Lehre oder an Glaubenssätzen. Intransigenz richtet sich dagegen an ein Gegenüber: Man weigert sich, der anderen Seite entgegenzukommen. Beides kann zusammenhängen, muss es aber nicht.

Wer renitent ist, widersetzt sich einer Anordnung oder einer Autorität. Bei der Intransigenz geht es dagegen meist um zwei Seiten, die eigentlich zu einer Einigung kommen sollen.

Hintergrund

Das Wort geht auf das lateinische Verb transigere (hindurchtreiben, zu Ende bringen, sich einigen) zurück. Es setzt sich aus trans (hindurch, hinüber) und agere (treiben, handeln) zusammen. Aus derselben Wurzel stammt das Wort „Transaktion“.

Zum politischen Schlagwort wurde die verneinte Form intransigente (unnachgiebig) erst im Spanien des 19. Jahrhunderts.

Im Februar 1873 dankte König Amadeo I. ab, und Spanien wurde zur Republik. Die Anhänger einer föderalen Republik waren sich jedoch uneinig. Eine radikale Gruppe wollte den Bundesstaat sofort durchsetzen, von unten und ohne auf eine neue Verfassung zu warten. Diese Gruppe hieß los intransigentes (die Unnachgiebigen). Nach Angaben des Oxford English Dictionary führte sie den Namen auch selbst. Für ihre Mitglieder war er offenbar kein Vorwurf.

Im Sommer 1873 riefen ihre Anhänger in mehreren spanischen Städten unabhängige Kantone aus. Die Regierung schlug den Aufstand nieder. Am längsten hielt Cartagena durch, das sich erst im Januar 1874 ergab.

Über das Französische (intransigeant, intransigeance) verbreitete sich das Wort dann in Europa. Dabei löste es sich von der spanischen Partei und bekam seine heutige allgemeine Bedeutung.

Aussprache

Lautschrift (IPA): [ɪntʁanziˈɡɛnt͡s]

Verwendungsbeispiele

Die Friedensgespräche scheiterten an der Intransigenz beider Regierungen.

Der Betriebsrat warf der Geschäftsführung Intransigenz vor, weil sie jedes Gegenangebot ablehnte.

„Dieser erste Akt des vietnamesischen Dramas war eine Folge der Intransigenz Frankreichs.“ (Süddeutsche Zeitung, 1996)

Die erfahrene Diplomatin wusste, dass sie mit reiner Intransigenz keinen Vertrag erreichen würde.

Was seine Anhänger als Prinzipientreue feierten, nannten seine Gegner schlicht Intransigenz.

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