Partikularismus

Das Substantiv Partikularismus (der) bezeichnet das „Streben einzelner Teile eines Ganzen, ihre eigenen Interessen über die Interessen der Gemeinschaft zu stellen“.

Gemeint sein können Gruppen in einer Gesellschaft, Staaten in einem Bündnis, Verbände oder Abteilungen eines Unternehmens. Immer geht es darum, dass die Teile vor allem auf den eigenen Vorteil achten und das Gemeinwohl aus dem Blick verlieren.

Das Wort ist meist abwertend. Wer von Partikularismus spricht, wirft den Beteiligten Eigennutz und fehlenden Sinn für das Ganze vor.

Häufig steht es dem Universalismus gegenüber. Dieser geht davon aus, dass bestimmte Werte und Rechte für alle Menschen gleich gelten. Partikularismus meint dann eine Haltung, die die eigene Gruppe, Kultur oder Nation in den Mittelpunkt stellt. Dieses Begriffspaar prägt Debatten über Menschenrechte, Zugehörigkeit und Identität. Auch in der Philosophie ist es ein fester Fachbegriff.

Hintergrund

Das Wort geht auf das spätlateinische particularis (einen Teil betreffend) zurück. Es gehört zu particula (Teilchen), einer Verkleinerung von pars (Teil). Daraus entstand im 16. Jahrhundert das deutsche partikular. Verwandt sind auch Partikel und partiell.

Belegt ist Partikularismus seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Zunächst bezog es sich auf den Staat: auf Länder und Regionen, die möglichst viel Eigenständigkeit verlangten und sich der Zentralgewalt widersetzten. Ein ähnliches, ebenfalls abwertendes deutsches Wort dafür ist Kleinstaaterei.

Damals bestand Deutschland noch aus vielen selbstständigen Einzelstaaten. Wer die nationale Einheit anstrebte, sah in ihrem Festhalten an der Eigenständigkeit ein Hindernis.

Wie eng das Wort mit der deutschen Geschichte verbunden war, zeigt ein Blick ins Englische. Ein amerikanisches Wörterbuch von 1913 erklärt particularism unter anderem ausdrücklich mit Bezug auf die deutsche Politik: als Treue zum eigenen Königreich oder zur eigenen Provinz statt zum Reich.

Aussprache

Lautschrift (IPA): [paʁtikulaˈʁɪsmʊs]

Verwendungsbeispiele

Die Soziologin warnt vor einem neuen Partikularismus, bei dem jede Gruppe nur noch für sich selbst spricht.

Wenn jedes Mitgliedsland nur an seinen eigenen Vorteil denkt, droht die Union am Partikularismus zu scheitern.

In der Debatte über die Menschenrechte prallen Universalismus und Partikularismus aufeinander.

Die neue Geschäftsführung will den Partikularismus der einzelnen Abteilungen überwinden und gemeinsame Ziele festlegen.

Der Historiker schildert, wie der Partikularismus der Fürstenhäuser die deutsche Einigung lange erschwerte.

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