Der Ausdruck Modus Vivendi (der) bezeichnet eine „pragmatische Übereinkunft“ oder eine „erträgliche Form des Zusammenlebens“, auf die sich zwei oder mehrere Parteien verständigen, auch wenn sie grundsätzlich verschiedener Meinung sind.
Ein Modus Vivendi ist kein endgültiger Frieden und kein vollwertiger Vertrag, sondern eine praktikable Lösung, mit der alle Beteiligten leben können. Der Begriff drückt aus, dass man sich arrangiert hat, ohne den zugrunde liegenden Konflikt wirklich gelöst zu haben. Es geht um das Machbare, nicht um das Ideale.
Besonders in der Diplomatie und der Politik wird der Ausdruck häufig verwendet. Wenn zwei Staaten oder Parteien nach langem Streit einen Modus Vivendi finden, bedeutet das: Sie haben einen Weg gefunden, miteinander auszukommen, auch wenn tiefgreifende Differenzen bestehen bleiben.
Aber auch im Alltag ist der Begriff gebräuchlich. Mitbewohner, die unterschiedliche Vorstellungen von Ordnung haben, können ebenso einen Modus Vivendi finden wie Geschäftspartner mit verschiedenen Arbeitsstilen.
Verwandt, aber nicht zu verwechseln, ist der Modus Operandi (die Vorgehensweise).
Der Ausdruck stammt unverändert aus dem Lateinischen. Modus bedeutet „Art, Weise“ und vivendi ist der Genitiv des Gerundiums (der substantivierten Verbform) von vivere (leben). Wörtlich übersetzt heißt Modus Vivendi also „Art zu leben“. Der Plural lautet Modi Vivendi.
Aussprache
Lautschrift (IPA): [ˌmoːdʊs viˈvɛndi]
Verwendungsbeispiele
Nach monatelangen Verhandlungen fanden die beiden Länder schließlich einen Modus Vivendi, der weiteren Eskalationen vorbeugen sollte.
Die Koalitionspartner einigten sich auf einen Modus Vivendi: Beide Seiten verzichteten auf ihre Maximalforderungen, um das Bündnis nicht zu gefährden.
Einen echten Frieden gab es zwischen den Nachbarn nie, wohl aber einen Modus Vivendi, der seit Jahren funktioniert.
Nach der Scheidung brauchten die Eltern Monate, um einen Modus Vivendi zu finden.
Die Wissenschaft und die Kirche haben im Laufe der Jahrhunderte einen Modus Vivendi entwickelt, auch wenn ihre Weltbilder in vielen Punkten unvereinbar bleiben.
