• Sezession

    Eine Sezession ist die Abspaltung eines Landesteils (und der in diesem lebenden Bevölkerung) von einem Staat, um in der Folge einen neuen, unabhängigen Staat gründen zu können.

    Ein berühmtes historisches Beispiele ist etwa die Sezession der Südstaaten der USA, die sich im 19. Jahrhundert aus dem Staatenbund lösten, um weiter Sklavenhandel und -haltung betreiben zu können. Zwischen 1860 und 1861 traten neben Alabama, Mississippi und Texas neun weitere Staaten aus der Union aus, woraufhin ein erbitterter Sezessionskrieg ausbrach, der 1865 schließlich mit der Wiederherstellung der Einheit endete.

    Auch aktuell existieren in vielen Teilen der Welt Sezessionsbewegungen. So plant etwa Grönland die Unabhängigkeit von Dänemark, Aktivisten setzen sich – auch mit Gewalt – für die Lösung der kurdischen Siedlungsgebiete von der Türkei ein und viele Katalanen würden eine Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien begrüßen.

    Ursprung des Wortes ist das lateinische secessio (Trennung).

  • errare humanum est

    Die Redewendung errare humanum est bedeutet „Irren ist menschlich“.

    Sie stammt aus dem Lateinischen und setzt sich zusammen aus errare „sich täuschen“, humanus „menschlich“ und esse“ sein.

    Der Ursprung der Redewendung liegt in den Schriften des Theologen und Kirchenvaters Sophronius Eusebius Hieronymus (Hieronymus; Seneca, Epistulae morales VI,57,12; Cicero, Orationes Philippicae 12,2), in denen es wie folgt heißt:

    „Errare humanum est, sed in errare perseverare diabolicum.“
    (Irren ist menschlich, aber im Irrtum zu verharren ist teuflisch.)

    Heutzutage wird nur noch das verkürzte Sprichwort genutzt, um zu verdeutlichen, dass Fehler im Menschsein verankert und somit natürlich sind.

    Lehrerin: „Was hast du da wieder für einen Blödsinn geschrieben?“
    Schüler: „Ja sorry, errare humanum est.“

    Wenn der Böse nur Böses vorhätte, wäre er noch ein Mensch, würde er dabei – errare humanum est – auch einen Fehler machen. Also wäre die Achillesferse des Bösen, dass im doch etwas Gutes unterläuft.
    – Ralph Geisenhanslüke, DIE ZEIT, 25.03.2004 Nr. 14

  • apokryph

    Das Adjektiv apokryph bedeutet „nicht anerkannt“, „zweifelhaft“.

    Als apokryph wurden zunächst die Apokryphen bezeichnet, also Texte mit christlichen Inhalten, die aber nicht in den Bibelkanon aufgenommen wurden. Inzwischen kann der Begriff auch verwendet werden, um andere Arten von Texten und Aussagen zweifelhaften Ursprungs oder zweifelhaften Inhalts zu beschreiben.

    Ursprung ist das altgriechische apokryphos (verborgen).

    Bisherige Berichte über IS-Terroristen, die sich unter die syrischen Flüchtlinge mischen, sind apokryph.

    Auf seinem Totenbett wurde Niccolö Machiavelli bedrängt, den Teufel und all dessen Werke zu verfluchen „Dies ist nicht der Zeitpunkt, sich Feinde zu machen“, erwiderte er, lehnte sich in sein Kissen zurück und verschied. Der Hergang ist so nicht verbürgt, die Anekdote apokryph.
    Die Zeit (1984), Der Fürst, 1.6.1984 Nr. 23.

  • affektiert

    Das Adjektiv affektiert bedeutet „gekünstelt“, „geziert“ und beschreibt das Verhalten einer Person als unnatürlich auf eine leicht theatralische Weise.

    Ziel der Affektiertheit ist meist, einen positiven Eindruck auf andere zu machen, was ob der Unnatürlichkeit des daraus resultierenden Verhaltens allerdings nicht gelingt.

    Der Ursprung des Begriffs liegt im lateinischen affectare (nach etwas streben, nach etwas trachten). Im Deutschen tauchte er zunächst als Verb „(sich) affektieren“ auf, aus dem sich das heute gebräuchlichere, hier beschriebene Adjektiv ergab.

    Er gab sich beim ersten Treffen mit den Eltern seiner Verlobten affektiert und machte damit sofort einen unsympathischen Eindruck auf seinen Schwiegervater in spe.

    Einen schlechten Redner erkennt man unter anderem an einem Übermaß an affektierten Gesten.

  • Hybris

    Das Substantiv Hybris bedeutet „Übermut“, „Hochmut“,“Selbstüberhebung“ oder „Vermessenheit“, insbesondere gegenüber Göttern oder göttlichen Wesen. In der Mythologie erfolgte auf die Hybris meist eine göttliche Bestrafung. Inzwischen wird das Wort jedoch generell als Synonym für die genannten Bedeutungen benutzt, wobei der Begriff Hybris das moralisch Verwerfliche besonders betont.

    Das Wort ist dem Griechischen entnommen, in dem hybris neben den genannten Bedeutungen auch für „Frevel“ steht.

    Für ihre Hybris, sich über die Titanin Leto zu stellen, musste die Königin Niobe aus der griechischen Mythologie mit dem Leben ihrer Kinder und ewiger Verdammung bezahlen.

    Die Annahme der Unsinkbarkeit der Titanic ist bis heute ein Inbegriff menschlicher Hybris gegenüber der Natur.

  • eruieren

    Das Verb eruieren bedeutet „feststellen“, „ermitteln“ oder „herausfinden“, speziell durch gründliches Untersuchen oder Nachforschen.

    Herkunft des Wortes ist das gleichbedeutende, lateinische eruere (ausgraben, zu Tage fördern).

    Bevor wir uns für ein Modell entscheiden, müssen wir zumindest das mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis eruieren.

    Oft ist nicht klar zu eruieren, mit welchem Studiengang man die besten Aussichten auf späteren Erfolg hat. Da hilft nur, sich nach Interesse und Bauchgefühl zu entscheiden.

    Und, so sagen unsere Führer, Gastfreundschaft, das wisse ja die ganze Welt, Gastfreundschaft sei den Paschtunen heilig. Das mag zutreffen, doch kann man Muslim Khan wirklich trauen? Immerhin hat er schon eigenhändig Leute enthauptet, ob sie auch seine Gäste waren, lässt sich nicht mehr eruieren.
    – Ulrich Ladurner (2009), Teufel im Paradies, DIE ZEIT, 30.04.2009 Nr. 19.

  • de facto

    Die Wortverbindung de facto bedeutet „tatsächlich“, „in der Praxis“ bzw. „den Tatsachen oder dem Verhalten entsprechend“.

    Der Begriff wird gebraucht, um den Ist-Zustand einer Sache oder eines Sachverhalts zu beschreiben. Das Gegenwort ist de jure und meint den rechtlichen Soll-Zustand.

    Der Ursprung liegt im Lateinischen, wo de facto „in Wirklichkeit“ bedeutet (vgl. factum: Tatsache, Ereignis).

    Das große Problem Taiwans ist, dass es zwar de facto ein eigenständiger Staat mit funktionierender Demokratie ist, de jure von der Weltgemeinschaft aber nicht als ein solcher anerkannt wird, sondern nach wie vor als Chinas „abtrünnige Provinz“ gilt.

    Die letzten Monate hat de facto nicht der Geschäftsführer selbst, sondern seine Frau das Unternehmen gelenkt.

    Doch das größere Problem aus Sicht der Rechteinhaber und -verwerter ist: Die technische Entwicklung läuft gegen sie. Im Netz der frei zirkulierenden Inhalte sind Urheberrechte de facto kaum noch durchsetzbar, schlicht, weil der Verstoß kaum noch jemandem zuzuordnen ist.
    Thomas Ramge (2005), Geklaut bleibt geklaut, brand eins 05/2011.

    Die Wahlmanipulationen und die jetzige Niederschlagung des Aufstandes lassen sich als schleichenden Staatsstreich beschreiben. Wenn Ahmadineschad durchkommt, wird die Islamische Republik de facto zu einem Einparteienstaat.
    Ulrich Ladurner (2009), Irans alte Garde ringt um die Zukunft, DIE ZEIT, 25.06.2009 Nr. 27.

  • probat

    Das Adjektiv probat bedeutet „bewährt“, „erprobt“ oder „geeignet“ und beschreibt in erster Linie Maßnahmen, Methoden, Mittel und Wege als (erfahrungsgemäß) tauglich und angemessen.

    Der Begriff findet seinen Ursprung im lateinischen probare (prüfen, für gut befinden).

    Eisbeutel im Nacken sind ein probates Mittel, um selbst an den heißesten Sommertagen dem Hitzschlag zu entgehen.

    Als probate Maßnahmen bei Verbrennungen durch Quallen haben sich heißes Wasser und Essig erwiesen.

    Sir Maynard Keynes […] sah im so genannten Deficit Spending in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein durchaus probates Mittel der Politik: Um der schwächelnden privaten Nachfrage auf die Sprünge zu helfen und die Wirtschaff anzukurbeln, soll der Staat laut seiner Theorie sogar in die Bresche springen, auch wenn er sich dafür verschulden muss.
    Ralf Grötker (2006), Bankrott ist machbar, brand eins 07/2006.

  • kafkaesk

    Das Adjektiv kafkaesk beschreibt ein unergründliches Gefühl der Bedrohung, der Unsicherheit oder des Ausgeliefertseins, etwa angesichts einer im Dunkeln liegenden Macht.

    Der Begriff ist kein Fremdwort im eigentlichen Sinne. Er hat seinen Ursprung nicht in einer fremden Sprache, sondern im Namen des Schriftstellers Franz Kafka.

    So sehen sich beispielsweise in Kafkas unvollendeten Werken „Das Schloss“ und „Der Prozess“ die Protagonisten einer undurchschaubaren und unerreichbaren Bürokratie ausgeliefert.

    Zunächst wurde der Begriff nur im literarischen Umfeld verwendet, wo Werke, die eine ähnliche Grundstimmung und einen ähnlichen Stil wie die Werke Kafkas aufwiesen, als kafkaesk bezeichnet wurden. Im heutigen Sprachgebrauch können auch reale Situationen, Sachverhalte und Strukturen als kafkaesk beschrieben werden.

    Sie wusste nicht, wer der richtige Ansprechpartner für ihr Anliegen war oder ob es überhaupt einen gab. Sie wurde nur von Amt zu Amt, von Sachbearbeiter zu Sachbearbeiter geschickt, ohne einen Hoffnungsschimmer ihrer misslichen Lage doch noch Herr werden zu können. In dieser geradezu kafkaesken Situation verlor sie beinahe den Verstand.

    Er machte die kafkaeske Erfahrung, ohne Grundlage und ohne sich an jemanden wenden zu können, an den Pranger gestellt zu werden.

    Wirklich beunruhigend jedoch wurde es, als ich innerhalb der Behörde ein drittes Mal überprüft wurde. Mich beschlich trotz meines guten Gewissens und der eindeutigen Aktenlage dabei das kafkaeske Gefühl, Gegenstand einer anonymen Untersuchung zu sein, deren Anlass ich ebenso wenig erfuhr wie ihr Ergebnis.
    – Joachim Walther (2006), Stasi:Immer im Dienst, Die Zeit, 07.12.2006 Nr. 50.

  • Kausalität

    Das Substantiv Kausalität bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch und speziell in der Philosophie den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung. Synonym zu Kausalität ist „Ursächlichkeit“.

    Einfaches Beispiel: Weil es geregnet hat, sind die Straßen nass.

    Im Strafrecht bezeichnet Kausalität zudem den Zusammenhang zwischen der Handlung des Täters und dem Erfolgseintritt. Das Resultat wäre ohne die Handlung des Täters nicht eingetreten. (Siehe auch: Conditio-sine-qua-non)

    Kausalität wurde im 18. Jahrhundert aus dem gleichbedeutenden mittellateinischen causalitas entlehnt.

    Manche Menschen sehen in ihrem Handeln und den logischen Konsequenzen keine Kausalität. Sie begehen immer wieder die gleichen Fehler und sind sich keiner Schuld bewusst.

    „Unternehmen leben von der Differenz, davon, dass sie eben nicht so sind wie der Wettbewerb. Und dann holen sie sich Berater, die nach Mustern suchen und auch so arbeiten, die in unterschiedlichen Unternehmen die immer gleichen Kausalitäten herstellen und am Ende einen Standard empfehlen.“ Die unausbleibliche Folge: Statt Differenz als wichtigstem Betriebsmittel kehre die Norm ein.
    Wolf Lotter, Der Maßstab, Brandeins 10/2013

    Nun wird nach zehn Jahren beobachtet, dass die Probanden mit dem höchsten Bananenverzehr am längsten leben. Und wenn dann Korrelationen zu Kausalitäten umgedeutet werden, lautet die nächste Schlagzeile: „Bananen verlängern das Leben.“
    Uwe Knop, Gut und Böse, Brandeins 07/2014

     

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