• revanchieren

    Das reflexive Verb sich revanchieren bedeutet „sich für etwas rächen“ oder auch „erkenntlich zeigen“.

    Darüber hinaus beschreibt das Verb im sportlichen Kontext den Versuch, eine gegen den gleichen Kontrahenten zuvor erfahrene Niederlage auszugleichen.

    Der Begriff wurde aus dem Französischen se revancher (sich rächen) entlehnt, das von dem lateinischen Verb vindicare (befreien, bestrafen, rächen) abstammt.

    Wenn du nicht bald aufhörst, deinen kleinen Bruder zu ärgern, wird er sich sehr wahrscheinlich revanchieren.

    Die Chefin wird sich hoffentlich bald mit einer großzügigen Gehaltserhöhung für meine herausragende Arbeit revanchieren.

    Deutschland hat im Testspiel gegen Angstgegner Italien erneut die Chance sich ein wenig für die Halbfinalniederlage bei der EM 2012 zu revanchieren.

  • renommiert

    Das Adjektiv renommiert bedeutet „angesehen“, „einen guten Ruf habend“.

    Häufige Verwendung findet der Begriff in Verbindung mit Menschen oder Unternehmen, die durch außergewöhnliche Fähigkeiten in ihrem Metier auf sich aufmerksam gemacht haben.

    Entlehnt wurde der Begriff im 17. Jahrhundert aus dem Französischem. Das französische Partizip Adjektiv renommé (angesehen, berühmt) geht auf das lateinische nominare (benennen, ernennen) zurück.

    Mit Filmen wie Psycho, Vertigo und Die Vögel stieg Alfred Hitchcock in die Riege der renommiertesten Regisseure auf und gilt seither als Vater des Psychothrillers.

    Renommierte Wissenschaftler weisen immer deutlicher auf die Irrwege der Impfgegner hin.

    Mindestens sechs Bieter stritten sich in der Londoner Auktion um das Bild, das zunächst auf höchstens 750 000 Euro geschätzt worden war. Der Chef des renommierten Münchner Kunstauktionshauses Ketterer, Robert Ketterer, ist überzeugt: „Es war die Geschichte des Bildes, die das Bild so teuer gemacht hat.“ – Erstes Bild aus Gurlitt-Sammlung versteigert, sz.de, 25.06.2015

  • Mischpoke

    Das Substantiv Mischpoke (die) bedeutet „Familie“, „Verwandtschaft“ oder beschreibt eine „familienähnliche Gemeinschaft“ sowie „üble Gesellschaft“. Weitere, korrekte Schreibweisen des Wortes lauten Mischpoche und Muschpoke.

    Meist wird der Begriff in der Umgangssprache abwertend genutzt, was aber nicht für den wertfreien, hebräischen Ursprung mišpāḥā(h) (Familie, Verwandtschaft) gilt. Aus dem Westjiddischen gelang das Wort über das Rotwelsche in die deutsche Sprache.

    Hoffentlich kommt er alleine. Wenn er seine ganze Mischpoke mitbringt, verdirbt das den ganzen Abend.

    Netanjahu beschwor die israelisch-amerikanische Freundschaft und sagte, seine Rede sei keinesfalls gegen Präsident Barack Obama gerichtet. „Israel und Amerika sind mehr als Freunde, sie sind eine Familie, beinahe Mischpoke.“ – Rede vor US-Kongress nicht gegen Obama gerichtet, welt.de, 02.03.2015

     

  • kumulieren

    Der Begriff kumulieren bedeutet im Allgemeinen „anhäufen“, „ansammeln“ oder „summieren“.

    Im politischen Sprachgebrauch bezeichnet kumulieren aber auch die Verteilung mehrerer Stimmen auf einen Kandidaten in einem Mehrstimmenwahlsystem (Gegenstück des Kumulierens ist das Panaschieren).

    Der Ursprung des Wortes liegt im lateinischen cumulare  (anhäufen, auftürmen, überhäufen).

    Durch seinen ausschweifenden Lebensstil kumulierte er in den letzten Jahren eine ungeheure Menge an Schulden, die er ohne Unterstützung nicht bewältigen kann.

    Im Gegensatz zum Wahlsystem mit starren Listen besitzt der einzelne Wähler so viele Stimmen, wie Kandidaten zu wählen sind. Er darf nicht nur einzelne Kandidaten aus den Vorschlagslisten herausstreichen, sondern andere mit bis zu drei Stimmen besonders hervorheben, er kumuliert. Der Wähler panaschiert, wenn er seine Stimmen auf Kandidaten in verschiedenen Listen verteilt.
    – Rudolf Arend, Bürger und kommunale Selbstverwaltung in Nordrhein-Westfalen seit 1945, Seite 183, Internationaler Verlag der Wissenschaften 2010

  • Status quo

    Der Ausdruck Status quo (der) meint heute den „gegenwärtigen Zustand“.

    Vom Status quo spricht man also im Allgemeinen dann, wenn man den aktuellen Stand der Dinge meint. Insbesondere sind damit auch die aktuellen rechtlichen oder wirtschaftlichen Gegebenheiten gemeint.

    Oft impliziert der Begriff, dass der aktuelle Zustand problembehaftet ist, es aber auch keine einfache Lösung gibt.

    Status Quo leitet sich aus der lateinischen Rechtssprache ab. In statu quo ante bedeutete hier „im vorherigen Zustand“.

    Es hilft nichts, in blinden Aktionismus auszubrechen. Zunächst müssen wir präzise den Status quo erfassen. Eine Route kann – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne – nur dann geplant werden, wenn man sowohl das Ziel als auch den Ausgangspunkt genau definieren kann.

    Im Spannungsverhältnis zwischen Taiwan und der Volksrepublik China ist in naher Zukunft keine Abweichung vom – relativ stabilen – Status Quo zu erwarten

    Dietmar Schäfer, Vorsitzender der Arge Automotive Zulieferindustrie, fasst den Status quo in einem Satz zusammen: »Wir fahren gerade voll gegen die Wand.«
    – Stefan Schlögl (2009), Voll gegen die Wand, Die Zeit, 30.04.2009.

  • Hedonismus

    Hedonismus ist allgemein das Streben nach Genuss oder Sinneslust. Alltagssprachlich ist der Gebrauch oft eher abwertend und meint eine egoistische, nach kurzfristigem Genuss strebende Lebensführung.

    Der Hedonismus als philosophische Strömung geht darüber hinaus. Zusammengefasst geht es dabei um das Streben nach einem angenehmen Glückszustand. Die antiken Philosophen beschreiben diesen Glückszustand als Ataraxie, die vollkommene Seelenruhe.

    Bei Aristippos, einem Zeitgenossen von Sokrates, stehen dabei momentaner Lustgewinn und Schmerzvermeidung im Zentrum, jeweils als Übergangszustand zur Seelenruhe. Er unterscheidet nicht zwischen verschiedenen Lüsten.

    Epikur geht es später eher um langfristige Lebensplanung und Aufrechterhalten der Seelenruhe als höchstem Glückszustand. Er unterscheidet dazu auch zwischen vernünftigen und unvernünftigen Genüssen. Letztere bringen einen kurzfristigen Lustgewinn, wirken sich aber langfristig negativ auf die Seelenruhe aus. Dazu gehören etwa der ungezügelte Konsum von Drogen, Lustgewinn auf Kosten anderer oder übermäßiges Essen.

    Hedonismus stammt von dem griechischen Wort hēdonē ab, welches für Vergnügen, Lust und Freude steht.

    Für den Sonnenkönig Ludwig von Bayern war Hedonismus ein Lebensprinzip.

    Begründer des Hedonismus ist der griechische Philosoph Aristippos von Kyrene.

  • Sakrileg

    Der Begriff Sakrileg (das) bezeichnet ursprünglich die Entweihung von Heiligtümern und geweihten Personen durch Angriffe, Schändung, Raub oder Missbrauch.

    Mittlerweile kann der Begriff auch losgelöst vom religiösen Kontext verwendet werden. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist ein Sakrileg heute ein Vergehen oder ein Frevel gegen Personen. Auch das Missbrauchen, Verunstalten oder Beleidigen von Systemen, Gegenständen oder Stätten kann als Sakrileg bezeichnet werden.

    Sakrileg ist weiterhin der Titel eines Romans von Dan Brown. Protagonist ist wie schon im Vorgänger „Illuminati“ der Professor Robert Langdon.

    Seinen Ursprung findet der Begriff im lateinischen sacrilegium (Tempelraub), das sich zusammensetzt aus sacra (Heiliges) und legere (auflesen, stehlen).

    Beispiele

    Einen hochkarätigen Manager aus der Finanzbranche, also einen Nicht-Mediziner, als oberstes Entscheidungs- und Leitungsorgan des Krankenhauses einzusetzen, empfanden viele Mitarbeiter als Sakrileg.

    So mancher Tourist in Italien schlürft zum Abendessen gerne seinen Cappuccino. Für die Italiener das reinste Sakrileg.

    Für die meisten Konzernchefs in Deutschland kommt es schon einem Sakrileg gleich, wenn ihre Mitarbeiter hin und wieder zu Hause arbeiten. Und sie spendieren ihren Angestellten auch mal einen Kreativ-Workshop am Wochenende – am Montag ist der Spaß dann wieder vorbei. Dann riskieren die, die ernst nehmen, was für die Hierarchieträger nur Spaß ist, Kopf und Kragen. Wer kreativ, sozial verantwortlich und Risiken nicht scheuend handelt, begeht karrieretechnisch Selbstmord. Lahme fordern auf zum 100-Meter-Sprint, Blinde empfehlen sich als Fahrlehrer.
    Wolf Lotter (2007), Die Gestörten, brand eins 05/2007. 

  • essenziell

    Das Adjektiv essenziell bedeutet „wesentlich“ bzw. „lebensnotwendig“. Die Schreibweise essentiell ist ebenfalls korrekt.

    Die Bildung der Steigerungsformen essenzieller bzw. am essenziellsten ist zwar grammatikalisch zulässig, aber selten angebracht.

    Seinen Ursprung hat der Begriff im Lateinischen essentia (das Wesen einer Sache, konzentrierter Auszug).

    Mein Projektplan ist kurz und knapp, enthält aber alle essenziellen Schritte für einen reibungslosen Produktionsablauf.

    Um zu überleben, muss der menschliche Körper mit essenziellen Aminosäuren aus der Nahrung versorgt werden.

    Das Ende der russischen Lügen ist essenziell für das Ende dieses Krieges.
    – Simone Brunner, Kiews Informationskrieger, Zeit Online, 23.06.2015

  • in puncto

    Der Begriff in puncto bedeutet „hinsichtlich“, „in Bezug auf“. Er hat seinen Ursprung im lateinischen punctum (Punkt).

    Ein altes Sprichwort lautet in puncto puncti sexti, also „hinsichtlich des sechsten Gebots“  bzw.  „die Keuschheit betreffend“.

    Beispiele

    Er war ziemlich nachlässig in puncto Ordnung und Sauberkeit, was für eklatanten Dissens in der Wohngemeinschaft sorgte.

    In puncto Sprachgewandtheit machte ihr niemand etwas vor.

    Deutsche Automobilhersteller haben in puncto Qualität auf dem Weltmarkt einen exzellenten Ruf, was sich auch bei den Exportzahlen bemerkbar macht.

    In puncto Glamour und Drama können Indexfonds natürlich nicht mithalten mit den Hedgefonds.
    – Heike Buchter, Arme Zocker!, Zeit Online, 18.06.2015

  • diskriminieren

    Das Verb diskriminieren bedeutet „benachteiligen“, „herabwürdigen“ oder „unterscheiden“ (Fachsprache).

    Es wird meistens in Zusammenhang mit Bevölkerungsgruppen oder Einzelpersonen, die sich in der Minderheit befinden und in der Gesellschaft aufgrund ihrer Zugehörigkeit oder ihres Geschlechts Beeinträchtigungen erfahren müssen, verwendet.

    Ursprünglich stammt diskriminieren vom lateinischen discriminare (unterscheiden) ab.

    Ausländer haben bei weitem nicht die gleichen Bildungschancen wie Einheimische. Sie werden eindeutig diskriminiert.

    Eine Straßennutzungsgebühr ist nur dann EU-rechtskonform, wenn sie nicht aufgrund der Staatsangehörigkeit diskriminiert. – EU-Verkehrskommissarin Violetta Bulc

    Auf diese Weise können alle Photonen, die bereits einer Wechselwirkung mit Energieverlust unterlagen, von primären Photonen diskriminiert werden. – Krieger/Petzold, Strahlenphysik, Dosimetrie und Strahlenschutz, B.G. Teubner Stuttgart 1992

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