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echauffieren

Das Verb echauffieren bedeutet „sich über etwas aufregen“ oder „sich (vor Aufregung) erhitzen“. Aussprache: [eʃɔˈfiːrən]

Das Wort hat oft einen negativen Unterton und beinhaltet die Wertung, dass die Aufregung ungerechtfertigt ist.

Der Begriff stammt vom französischen échauffer (erhitzen) ab. Der Ursprung des französischen Begriffs soll auf das lateinische Wort excalefacere zurückgehen.

Das ist doch wohl wirklich kein Grund, sich so zu echauffieren.

Sie zeigte sich echauffiert über die Art und Weise, wie sie behandelt wurde.

Er echauffierte sich über die Vorwürfe, mit denen er konfrontiert wurde.

Echauffiere dich bitte nicht so! Du wirst ja ganz rot im Gesicht.

exaltiert

Das Adjektiv exaltiert hat im Deutschen zwei Bedeutungen. Zum einen kann es „(künstlich) aufgeregt“, „hysterisch“, „theatralisch“ bedeuten, zum anderen „übersteigert“ im Sinne von „extravagant, exzentrisch, verdreht“.

Sowohl die erste als auch die zweite Bedeutungsebene eignet sich, um Personen oder das Verhalten derselben zu charakterisieren. Von welcher Bedeutung man ausgehen kann, hängt vom Kontext und dem Zeithorizont ab. Ist jemand in einer bestimmten Situation exaltiert, meint man in der Regel situativ hysterisches beziehungsweise übersteigert aufgeregtes Verhalten. Beschreibt man eine Person generell – also situativ unabhängig – als exaltiert, zielt man tendenziell eher auf die zweite Bedeutungsebene ab und möchte auf ihre exzentrische, eventuell wunderliche Art hinweisen.

Im Sinne von „(künstlich) aufgeregt“, „hysterisch“, „theatralisch“:

In solchen Momenten reagiert sie immer wieder anstrengend exaltiert. Von einem natürlichen und maßvollen Verhalten kann dann keine Rede mehr sein.

Seine Rede sollte begeistern, doch seine exaltierte Gestik machte den Effekt der sorgsam gewählten Worte zunichte.

Im Sinne von „übersteigert“, „extravagant“, „exzentrisch“:

Unter dem Szenevolk Hamburgs findet man so einige exaltierte Figuren.

Bescheidenheit ist ein Zeichen der Volksnähe, der Bodenhaftung und Besonnenheit. Die exaltierte Selbstfeier bleibt dem Ausland, bleibt Madonna oder Prince vorbehalten.
– Adam Soboczynski (2006), Kein Oscar für Bescheidenheit, Die Zeit Nr.11 vom 08.03.2007, S.62.

Der Begriff hat seinen Ursprung im französischen exalter (begeistern).

lapidar

Das Adjektiv lapidar bedeutet „kurz und knapp“, „mit wenigen Worten auskommend“. Es beschreibt eine knappe, aber (überraschend) treffende Wortwahl.

Der Begriff entstammt dem lateinischen lapis, was soviel wie Stein bedeutet. In Stein gemeißelte Texte mussten damals notwendigerweise kurz und knapp formuliert werden.

Beispiele:

Ein lapidarer Redestil hilft bei der Vermittlung von Informationen in Gesprächen. Man serviert den Zuhörern die wesentlichen Inhalte auf dem Silbertablett, statt sie mit rhetorischem Brimborium von den Kernaussagen abzulenken.

Er formulierte seinen Vortrag sehr lapidar. Die Zuhörer begrüßten den knappen Redestil, denn so konnten sie bereits 30 Minuten eher eine wohlverdiente Mittagspause einlegen.

„Die wissenschaftlichen Belege und die meisten Ratschläge sind dünn bis wertlos“, teilt das Europäische Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften in München nach einer kritischen Prüfung des vermeintlichen Wissens über gesundes Essen lapidar mit.
– Jens Bergmann (2008), Die Wissenschaft hat festgestellt, brand eins 03/2008.

d’ac­cord

Das Adjektiv d’accord bedeutet „einverstanden“, „einer Meinung“.

Verwendet wird der Begriff um auszudrücken, dass man mit jemandem einer Meinung ist und beispielsweise seinen Vorschlägen zustimmt. So kann man mit einer Person d’accord sein oder – seltener und umgangssprachlicher – mit ihr d’accord gehen. Für sich stehend kann der Begriff auch als Ausruf zum Ausdruck des Einverständnisses gebraucht werden: „D’accord!“

D’accord wurde direkt aus dem Französischen übernommen. Die Aussprache folgt korrekterweise ebenfalls dem französischen Vorbild, vermischt sich in Deutschland aber naturgemäß häufig mit einem gewissen Akzent.

Da bin ich vollkommen d’accord mit Ihnen.

In wenigstens dieser Angelegenheit musste er einfach zugeben, mit mir d’accord zu sein.

Diesbezüglich gehen wir wohl d’accord.

integer

Das Adjektiv integer bedeutet „unbescholten“, „unbestechlich“ oder „moralisch sauber“ und beschreibt in erster Linie Personen und deren moralische Positionierung im öffentlichen Leben, der Wirtschaft oder der Politik.

Ursprung des Begriffs ist das lateinische integer (untadelig, unversehrt), vgl. auch das lateinische integritas (Reinheit).

Trotz seiner bewegten Vergangenheit verhielt er sich während seiner Amtszeit als Präsident durch und durch integer. Selbst die Opposition verlor kein schlechtes Wort über ihn.

Sie galt bis in die untersten Ebenen des Konzerns als vorbildlich integre Chefin.

omnipräsent

Omnipräsent bedeutet „allgegenwärtig“. Das Adjektiv wird im bildungssprachlichen Gebrauch verwendet und kann sowohl für Menschen als auch für Zustände, Gefühle und andere Zusammenhänge gebraucht werden.

Das Wort omnipräsent leitet sich aus dem mittellateinischen omnipraesens ab. Dieses setzt sich aus den Worten omnis, lateinisch für „all“ und praesens, lateinisch für „gegenwärtig, anwesend“ zusammen.

Werbung ist im Internet omnipräsent. Selbst der Newsletter von neueswort.de ist werbefinanziert.

Ihre Abwesenheit war durch die Stille im Haus omnipräsent.

Der Erfolg ist in dieser Firma omnipräsent.

Durch die Tatsache, dass Spielzeugwerbung im Fernsehen omnipräsent ist, werden die Wünsche der Kinder von Jahr zu Jahr größer.

Wenn man den Minimalkonsens unserer digitalen Gegenwartszukunft sucht, deren Chiffre Web 2.0 ja auch schon wieder nostalgisch klingt, ist es vielleicht dieser: lückenlose Visualisierung aller Sinne. Schließlich bedarf jede noch so fundamentale, noch so stinkbanale Regung, jedes Gespräch, jeder Gedanke, jede Interaktion zwingend einer optischen Komponente auf dem omnipräsenten Flatscreen.
Freitag (2012), Bitte mehr Musik statt Popzirkus!. ZEIT Musikblog, 17.08.2012.

Kairos

Das Substantiv Kairos (der) bedeutet „günstiger Zeitpunkt (für eine Entscheidung)“ oder „entscheidender Augenblick“.

In der griechischen Mythologie wird Kairos als Gottheit beschrieben. Er bewegt sich schnell und unablässig, von seiner Stirn hängt eine lange Locke, sein Hinterkopf ist jedoch kahl und glatt. Er ist also die personifizierte Gelegenheit, die es am Schopf zu packen gilt, bevor sie vorbeigezogen ist.

Vom Kairos spricht man im Allgemeinen dann, wenn man den günstigen, den flüchtigen, den alles entscheidenden Augenblick beschreiben will. Ein solcher Augenblick sticht heraus im Fluss der Zeit (Chronos, das zweite griechische Wort für Zeit). Der Kairos ist etwas Besonderes und etwas Seltenes, geprägt von eminenter Tragweite. Nicht gemeint sind also solch triviale Situationen wie der morgendliche Moment der Entscheidung aufzustehen oder lieber noch fünf Minuten liegen zu bleiben.

Der Begriff wurde direkt aus dem Altgriechischen übernommen.

Der Kairos hat sich uns geboten, jedoch haben wir ihn – zu meinem großen Bedauern – letztlich doch verpasst.

Die Situation schien verfahren. Lange war es stetig bergab gegangen und auch die Zukunft schien düster. Doch dann, unerwartet und durch einen schier unmöglichen Zufall, tat sich noch eine Chance auf. Sie zögerte nicht und ergriff den Kairos, setzte alles auf eine Karte und schaffte es so, ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken.

Wie oft wurde der Kairos der Fertigstellung durch freiberufliche wie später parlamentarische „Ablenkung“ versäumt, bevor die Erkenntnis dieses traurigen Faktums einer bemerkenswerten Mischung aus eherner professoraler Geduld (wie Liebenswürdigkeit), sanftem, aber unerbittlichem familiären Druck und wohl auch ein wenig der beklagenswerten Eitelkeit weichen durfte.
– Karl-Theodor Frhr. zu Guttenberg (2008), Verfassung und Verfassungsvertrag.

defätistisch

Das bildungssprachliche Adjektiv defätistisch (schweizerdeutsch: defaitistisch) wird abwertend gebraucht und beschreibt Personen, die mutlos agieren bzw. eine pessimistische Einstellung haben. Weiterhin können resignierende Aussagen als defätistisch bezeichnet werden.

Ein umgangssprachliches Synonym für defätistisch ist „schwarzseherisch“.

Abgeleitet wurde der Begriff von dem Substantiv Defätist, welches auf Defätismus zurückgeht, das seinen Ursprung im französischen défaitisme hat.

Vor allem den Sozialdemokraten geht es schlecht. Demotiviert und defätistisch erlebe sie die Wahlkämpfer in den sozialdemokratischen Kreisverbänden, erzählt eine führende Grüne hinter vorgehaltener Hand.
Lisa Caspari, Rot-Grün und die freie Liebe, 27.04.13, Zeit online

Die Regierung in Kabul wird einer ermatteten Schutzmacht zuliebe nicht die Korruption bekämpfen, und die Taliban werden vor einem defätistischen Westen keine Angst haben.
Jan Ross, Internationaler Terrorismus – Ein kleiner Sieg, 06.10.11, Zeit online

kumulativ

Das Adjektiv kumulativ bedeutet “(sich) anhäufend“, „steigernd“ oder „aufsummierend“ beschreibt also das sukzessive Wachsen einer Menge. Gegebenenfalls auch einer negativen Menge, so kann man etwa von einem kumulativen Defizit oder kumulativen Schulden sprechen. Auch das gemeinsame Wirken verschiedener Faktoren kann als kumulativ bezeichnet werden.

Der Ursprung des deutschen Begriffs liegt im lateinischen cumulare (anhäufen).

Kluge Lebensentscheidungen haben einen kumulativen Effekt.

Eine Sprache beherrschen zu wollen ist ein kumulatives Lernvorhaben.

Bei Aufarbeitung der Geschichte des dritten Reichs spricht man häufig von einer kumulativen Radikalisierung der Amtsträger sowie der Bevölkerung.

erratisch

Das Adjektiv erratisch bedeutet „vereinzelt“ oder „verirrt“. Es wird in der geologischen Fachsprache und – im übertragenen Sinne – in der Alltagssprache verwendet.

In der Geologie bezeichnet es einen einzelnen Gesteinsbrocken, der in einer Umgebung liegt, in die er geologisch nicht gehört.

Im übertragenen Sinne wird das Adjektiv, besonders im technischen Bereich und im Börsenjargon, als Synonym für „wirr, irrend, sich hin- und her bewegend“ oder „willkürlich“ verwendet.

Das Adjektiv erratisch lässt sich auf das lateinische Adjektiv erraticus („umherirrend“) zurückführen.

Dieser Felsen ist ein erratischer Block, der während der letzten Eiszeit mit einem Gletscher hierher gekommen ist.

Sein erratischer Blick verriet Unsicherheit und Anspannung zugleich.

Unsere Zusammenarbeit war lange Zeit geprägt von erratischen und auch widersprüchlichen Entscheidungen.