Auf neueswort.de lernen Sie täglich ein Fremdwort. Direkt auf der Website oder im kostenlosen Newsletter.

filibustern

Das Verb filibustern bedeutet „Zeit schinden“ oder „hinauszögern“.

Es wird vor allem in der Politik verwendet, um ein ausschweifendes, marathonartiges Reden zu beschreiben, mit dem unangenehme Dinge, wie Entscheidungen oder Abstimmungen, hinausgezögert oder zu verhindern versucht werden.

Seinen Ursprung findet filibustern im englischen Verb to filibuster, welches anhand des Substantivs filibuster (Flibustier) herzuleiten ist. Das Substantiv wurde durch westindische Seeräuber der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts geprägt und bezeichnet somit Freibeuter.

Vor allem Minderheitsparteien der USA bedienen sich dem üblichen Mittel des Filibusterns, um Entscheidungen im Senat zu verhindern.

Ihre Taktik ist es, so lange zu filibustern, bis das Publikum den eigentlichen Anlass der Rede verdrängt hat und somit hoffentlich niemand ihre komplette Ahnungslosigkeit bemerkt.

An der französischen Schule hat sich keiner für das Zeugnis interessiert. Die hatten andere Sorgen. Die waren einfach nur glücklich über den neuen Aushilfslehrer, da oben im Norden. Am Ende des Jahres konnte ich parlieren, charmieren, mich echauffieren, sautieren und filibustern, dass es eine helle Freude war.
Harald Martenstein, „Ich habe niemals gelogen. Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort“, ZEITmagazin, 10/2011

oktroyieren

Das Verb oktroyieren bedeutet „auferzwingen“. Einer Person, einer Gruppe, einem Volk oder auch einem Stadtteil, einem Unternehmen etc. wird etwas von außen auferlegt. Dabei kann es sich um Zielvorgaben, Veränderungen, Regeln und Ähnliches handeln.

Vielen ist der Begriff aus dem Geschichtsunterricht bekannt, denn dort ist mehrfach von oktroyierten Verfassungen die Rede. Unter anderem gehört die die preußische Verfassung von 1848 dazu, die vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. für den ganzen preußischen Staat erlassen wurde.

Übernommen oktroyieren aus dem französischen octroyer (verleihen, bewilligen) und wurde im Deutschen bis ins 19. Jahrhundert mit der gleichen Bedeutung verwendet.

Unter den Bewohnern des Stadtteils regt sich Widerstand gegen den oktroyierten Entwicklungsplan des neuen Bürgermeisters. Gentrifizierung und steigende Mieten werden befürchtet.

Vielleicht sehen viele Menschen in Deutschland nicht – oder sie wollen es nicht sehen –, dass der oktroyierte Sparkurs die Krise nur verstärkt und die Ungerechtigkeit weiter anwachsen lässt, denn nun sollen genau die Menschen die Zeche zahlen, die die geringste Schuld an dem Desaster haben
Antonio Muñoz Molina (2012), Wie wir euch sehen, DIE ZEIT, 16.8.2012 Nr. 34.

Dysphorie

Dysphorie (die) beschreibt eine negative emotionale Verfassung einer Person. Diese drückt sich in Traurigkeit, Gereiztheit oder Wut aus. In den meisten Fällen liegt einer Dysphorie keine Erkrankung zugrunde, sondern ist Teil der normalen Stimmungsschwankungen.

Hält eine Dysphorie allerdings über längere Zeit an, kann dies auf eine Erkrankung hindeuten. Der Begriff wird daher auch in der Medizin und Psychologie genutzt.

Wesentlich häufiger in der Alltagssprache wird das Gegenteil von Dysphorie verwendet: Euphorie.

Die Herkunft des Begriffs liegt im griechischen dysphoria (Ärger).

Zurück im Alltag nach einem fantastischen Urlaub? Da sind ein paar Tage Dysphorie ganz normal.

Postkoitale Dysphorie ist keine Seltenheit.

Jeder Tag im Büro ist eine schwindelerregende Acherbahnfahrt aus Dysphorie, Euphorie und Stress, Stress, Stress.

Offerte

Eine Offerte ist umgangssprachlich ein Angebot bzw. in der Kaufmannssprache ein Kaufangebot. Damit ist es ein Beispiel dafür, dass Fremdwörter nicht unbedingt der Bildungssprache vorbehalten sind.

Der Begriff wird seit dem 17. Jahrhundert in Deutschland verwendet und leitet sich aus dem gleichbedeutenden französischen offerte ab, welches inzwischen nicht mehr gebraucht wird.

Die Offerten der bisher interessierten Investoren waren uns zu schwach, weshalb wir bis heute alle Anteile am Unternehmen selbst halten.

Ob sie ihn nach Hause begleiten wolle? Auf diese anzügliche Offerte antwortete sie nur mit einem koketten Lachen.

Empathie

Das Substantiv Empathie bedeutet „Einfühlungsvermögen“. Empathie beschreibt die Bereitschaft und die Fähigkeit einer Person, sich in Lage, Einstellung und emotionale Befindlichkeit einer anderen Person einzufühlen.

Ein nicht selten gebrauchter, allerdings besser zu vermeidender Ausdruck ist die „Fähigkeit zur Empathie“; ein gutes Beispiel für einen Pleonasmus.

Seinen Weg ins Deutsche hat der Begriff über das gleichbedeutende englische empathy gefunden, welches auf das spätgriechische empátheia (Leidenschaft, mittlerweile aber auch Boshaftigkeit) zurückgeht und erstmals bei der Übersetzung der Werke deutscher Philosophen wie Siegmund Freud oder Theodor Lipps ins Englische verwendet wurde.

Empathie ist einer der Grundpfeiler menschlichen Zusammenlebens.

Ein Mensch ohne Empathie ist auf ein – oft komplexes – Gerüst aus Regeln angewiesen, um ein funktionierendes Mitglied der Gesellschaft sein zu können.

Die konstruktive Lösung von Konflikten wird durch Empathie manchmal erst ermöglicht, wenigstens aber deutlich vereinfacht.

Divergenz

Das Substantiv Divergenz meint das „Auseinandergehen, Abweichen, Auseinanderstreben“ von bestehenden Differenzen bzw. Unterschieden. Die Unterschiede wachsen also über die Zeit.

Unglaublich oft wird der Begriff synonym zu Differenz verwendet. Korrekt ist das eigentlich nicht. Eine Differenz ist ein Unterschied. Eine Divergenz ist ein zunehmender Unterschied.

Dementsprechend sollte auch nicht von zu- oder abnehmenden Divergenzen gesprochen werden. Ausnahme: Es soll ausgedrückt werden, dass Differenzen schneller (zunehmende Divergenz) oder langsamer (abnehmende Divergenz) wachsen.

Das Gegenwort ist die Konvergenz: Die Abnahme von Unterschieden über die Zeit.

Das Wort wurde im 18. Jahrhundert aus dem lateinischen divergere (in verschiedene Richtungen auseinandergehen, sich auseinanderneigen) entlehnt.

Die Divergenz zwischen Armen und Reichen ist beträchtlich. Die Armen werden immer ärmer, die Reichen immer reicher.

Zwischen seinen Versprechen und deren Einlösung besteht eine Divergenz. Er verspricht immer mehr, setzt aber immer weniger um.

Mit jedem Zuwachs an Divergenz und Vielfalt der sozialen und wirtschaftlichen Interessen, der Nationalsprachen und -kulturen, der geschichtlich geprägten Identitäten wächst auch das Risiko verschärfter Konflikte. Deshalb ist die fortschreitende Erweiterung der EU in der Vergangenheit von Schritten zu einer vertieften Integration immer wieder begleitet worden.
Jürgen Habermas (2007), Erste Hilfe für Europa, DIE ZEIT, 29.11.2007 Nr. 49.

Devianz

Das Substantiv Devianz (die) bezeichnet in der Soziologie ein (von einer Norm) abweichendes Verhalten, das gesellschaftlichen Regeln oder Erwartungen widerspricht.

Unterschieden wird bei der Devianz in eine primäre und eine sekundäre Form.

Bei der primären Devianz handelt es sich um ein einmaliges Überschreiten der vorhandenen gesellschaftlichen Normen und Werte, ohne längerfristige Folgen für das Individuum und sein gesellschaftliches Ansehen.

Die sekundäre Devianz beschreibt, dass sich das deviante Verhalten zum beherrschenden Lebensstil entwickelt und so den Einzelnen oder die Gruppe vom Rest der Gesellschaft abgrenzt. Auch bei Eigenschaften und Merkmale, wie zum Beispiel Krankheit, Behinderung und Hautfarbe, kann in diesem Fall von Devianzen gesprochen werden.

In der Statistik bezeichnet Devianz darüber hinaus ein Maß für die Fitqualität eines Modells für einen gegebenen Datensatz.

Der Begriff ist auf das französische dévier (abweichen) zurückzuführen.

Pädophilie ist sexuelle Devianz.

Im Kleinen werden Männer bis heute zum Kalkül genötigt, wie schlecht ein Mann sein muss, um ein guter Mann zu sein. Wie viel Devianz muss er aufbringen, damit er als echter Kerl gilt?
Christoph Kucklick, Das verteufelte Geschlecht, Die Zeit Nº 16/2012

Es ist aber ein verbreiteter Fehlschluss, in Diagnose und Therapie einen lebensverlängernden Fortschritt zu sehen. Mit unsichtbaren, unerkannten Devianzen kann man ein langes, unbeschwertes Leben führen, erst die erkannte und sichtbar gemachte Krankheit wird zum Problem.
Finis, Das Letzte, Zeit Online, 30.08.2006

Sektion

Der Begriff Sektion steht in seiner am häufigsten genutzten Verwendung für eine kleinere administrative Organisationseinheit in einem größeren Bereich. So wird Sektion zum Beispiel in Behörden und Unternehmen als Bezeichnung für eine Unterabteilung verwendet. In der SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands) steht Sektion für die unterste lokale Organisationseinheit.

Synonyme für Sektion sind zum Beispiel Gruppe oder Abteilung.

In der Biologie beschreibt Sektion die Untereinheit einer Gattung. In der Medizin wird der Begriff für die innere Leichenschau, die Obduktion, genutzt.

Der Begriff Sektion geht auf das lateinische Wort sectio zurück und bedeutet „Zerteilen“ oder „Abschnitt“.

Obwohl alle Mitarbeiter für die gute Leistung gewürdigt werden können, soll eine Sektion besonders herausgehoben werden.

 

Wie engagiert sich die Sektion in der Bergwelt? Wofür werden die Mitgliedsbeiträge verwendet? Ausführliche Antworten auf Fragen wie diese gaben die Vorsitzenden und Fachübungsleiter der Sektion an einem gut besuchten Neumitgliederabend im Ingolstädter Alpenvereinszentrum am Baggerweg.

Hoch hinaus – DAV-Sektion Ingolstadt wächst weiter: Stefan Ludwig als 3000. Mitglied begrüßt, donaukurier.de, 11.03.2018

intensiv

Das Adjektiv intensiv bedeutet „sehr stark“, „sehr ausführlich“, „gründlich“ oder „eindringlich“.

Ursprünglich stammt das Wort intensiv aus der französischen Sprache. Dort wird es mit der gleichen Bedeutung wie im Deutschen verwendet, allerdings intensif geschrieben. Der Wortstamm zu intensif stammt wiederum aus dem Lateinischen.

Wie andere Begriff auch hat sich intensiv mittlerweile so stark in der deutschen Sprache etabliert, dass es nicht mehr als Fremdwort wahrgenommen wird.

Es folgte eine intensive Diskussion, an deren Ende ein tragfähiger Kompromiss stand.

 

Albert Walter wird nicht müde. Der 78-Jährige Leichtathlet trainiert derzeit nach einer kurzen Pause wieder intensiv.

Über den Klosterberg zur Topform – Roland Kaufmann, donaukurier.de, 11.03.2018

Oeuvre

Als Oeuvre oder Œuvre wird das Gesamtwerk eines Künstlers bezeichnet.

In ursprünglicher Schreibweise wird das Wort auch im Deutschen Œuvre geschrieben. Die Bedeutung des Wortes ist bei der Verwendung im Deutschen explizit auf das Gesamtwerk eines Künstlers festgelegt, während es im Französischen allgemeiner verwendet werden kann.

Der Begriff geht auf das französische Wort œuvre zurück, welches allgemein als „Werk“ übersetzt wird und in verschiedenen Bereichen Anwendung findet, zum Beispiel œuvre principale für Hauptwerk oder œuvre dramatique für Bühnenwerk.

Immer wieder zeigen sich in ihrem Œuvre Spuren ihrer Kindertage während des Zweiten Weltkriegs.

Shining wird auch künftig, nicht zuletzt wegen Kubricks Film, seine Sonderstellung in Kings Œuvre behalten.
zeit.de