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  • kafkaesk

    Das Adjektiv kafkaesk beschreibt ein unergrĂŒndliches GefĂŒhl der Bedrohung, der Unsicherheit oder des Ausgeliefertseins, etwa angesichts einer im Dunkeln liegenden Macht.

    Der Begriff ist kein Fremdwort im eigentlichen Sinne. Er hat seinen Ursprung nicht in einer fremden Sprache, sondern im Namen des Schriftstellers Franz Kafka.

    So sehen sich beispielsweise in Kafkas unvollendeten Werken „Das Schloss“ und „Der Prozess“ die Protagonisten einer undurchschaubaren und unerreichbaren BĂŒrokratie ausgeliefert.

    ZunÀchst wurde der Begriff nur im literarischen Umfeld verwendet, wo Werke, die eine Àhnliche Grundstimmung und einen Àhnlichen Stil wie die Werke Kafkas aufwiesen, als kafkaesk bezeichnet wurden. Im heutigen Sprachgebrauch können auch reale Situationen, Sachverhalte und Strukturen als kafkaesk beschrieben werden.

    Sie wusste nicht, wer der richtige Ansprechpartner fĂŒr ihr Anliegen war oder ob es ĂŒberhaupt einen gab. Sie wurde nur von Amt zu Amt, von Sachbearbeiter zu Sachbearbeiter geschickt, ohne einen Hoffnungsschimmer ihrer misslichen Lage doch noch Herr werden zu können. In dieser geradezu kafkaesken Situation verlor sie beinahe den Verstand.

    Er machte die kafkaeske Erfahrung, ohne Grundlage und ohne sich an jemanden wenden zu können, an den Pranger gestellt zu werden.

    Wirklich beunruhigend jedoch wurde es, als ich innerhalb der Behörde ein drittes Mal ĂŒberprĂŒft wurde. Mich beschlich trotz meines guten Gewissens und der eindeutigen Aktenlage dabei das kafkaeske GefĂŒhl, Gegenstand einer anonymen Untersuchung zu sein, deren Anlass ich ebenso wenig erfuhr wie ihr Ergebnis.
    – Joachim Walther (2006), Stasi:Immer im Dienst, Die Zeit, 07.12.2006 Nr. 50.

  • mens sana in corpore sano

    Das lateinische Zitat „mens sana in corpore sano“ stammt aus einer Satire des römischen Dichters Juvenal und bedeutet „ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“. In dieser verkĂŒrzten Form wurde es vielfach verwendet, um körperliche ErtĂŒchtigung zu propagieren und als alte Weisheit zu prĂ€sentieren, dass ein starker Körper einen wachen Verstand mit sich bringt. So findet sich der Ausspruch etwa in Hitlers „Mein Kampf“, in den BroschĂŒren zahlreicher Sportvereine und Fitnessstudios sowie in diversen SelbsthilfebĂŒchern.

    VollstÀndig lautet das in Juvenals Satura X (Die zehnte Satire) vorkommende Zitat:

    ut tamen et poscas aliquid uoueasque sacellis
    exta et candiduli diuina tomacula porci,
    orandum est ut sit mens sana in corpore sano.

    Juvenal ermuntert also keinesfalls zu Sport und gesunder ErnĂ€hrung. Die Satire zielt vielmehr auf die zahlreichen törichten Bitten ab, die die Menschen an die Götter richten, ohne dabei die Konsequenzen ĂŒberschauen zu können. Juvenal meint, wem welches Schicksal im Leben zukomme, solle man den Göttern selbst ĂŒberlassen und wenn ĂŒberhaupt um etwas, dann fĂŒr einen gesunden Geist und einen gesunden Körper beten.

  • persistent

    Das Adjektiv persistent bedeutet „andauernd“, „beharrlich“ oder auch „unverwĂŒstlich“, „widerstandsfĂ€hig“.

    Man kann mit dem Begriff menschliche Charaktereigenschaften oder auch den Zustand von Sachen beschreiben. So wird er hĂ€ufig in der Informatik verwendet, um eine Art der Datenspeicherung zu beschreiben, die zum Beispiel den Abbruch eines Programms oder einen Stromausfall ĂŒberdauern.

    Der Begriff entstammt dem lateinischen persistens „verharrend“, Partizip zu persistere, was wörtlich „durch, ĂŒber (eine Zeit) hinweg bleiben“ bedeutet.

    Ihrem persistenten Optimismus kann kein noch so großer Fehlschlag etwas anhaben.

    Unsere persistenten Materialien sind widerstandsfĂ€hig gegen chemische und biologische EinflĂŒsse.

    Die persistenten Daten auf seiner Festplatte sind die einzigen, die nach dem Stromausfall noch zur VerfĂŒgung stehen.

  • authentisch

    Das Adjektiv authentisch bedeutet „echt” oder auch „glaubhaft”. Es wird hĂ€ufig verwendet, um etwas zu beschreiben, was hinsichtlich der Echtheit gesichert und daher zuverlĂ€ssig ist. Authentisch können sowohl GegenstĂ€nde als auch Menschen sein.

    Der Begriff ist das Adjektiv zu AuthentizitĂ€t und entstammt dem spĂ€tlateinischen authenticus „verbĂŒrgt”, „zuverlĂ€ssig” oder dem griechischen authentikĂłs „echt”.

    Wertvolle und wichtige Dokumente und KunstgegenstĂ€nde werden hĂ€ufig ĂŒberprĂŒft, ob sie authentisch sind.

    Ich bin ein Fan dieses Musikers, weil er in seinen Interviews immer authentisch wirkt.

    Dieser historische Film ist authentisch, er gibt die damaligen Ereignisse sehr gut wieder.

  • bigott

    Das Adjektiv bigott bedeutet ursprĂŒnglich „scheinheilig“ bzw. „ĂŒbertrieben und heuchlerisch glaubenseifrig“, „frömmelnd“. Es beschreibt Personen (und deren Verhalten), die sich in besonderem Maße bemĂŒhen, ihre religiöse Regeltreue und Gottesfurcht zu prĂ€sentieren. Dabei geht es mehr um das Ă€ngstliche, korrekte Verfolgen eines Ideals (etwa „der perfekte Christ“…) und den Eindruck nach außen, als um das Streben nach tatsĂ€chlicher ErfĂŒllung im Glauben.

    Inzwischen kann der Begriff auch fĂŒr heuchlerisches Verhalten in anderem Kontext verwendet werden.

    Das Wort wurde aus dem gleichbedeutenden französischen bigot entlehnt.

    Mit ihrem bigotten Getue geht sie sogar dem Pastor auf die Nerven.

    Jahrelang hielt er seine sexuelle Orientierung geheim, fĂŒhrte sogar eine nach außen hin harmonische Ehe. Nach der dramatischen Scheidung und seinem öffentlichen Bekenntnis reagierten die Fans ĂŒberraschend verstĂ€ndnisvoll auf seinen bigotten Lebenswandel.

  • Outplacement

    Das Substantiv Outplacement (das) bedeutet „Außenvermittlung“.

    Outplacement-Berater begleiten entlassene Arbeitnehmer(innen) wĂ€hrend des Trennungsprozesses vom Unternehmen und auf dem Weg in eine neue TĂ€tigkeit. Das Outplacement wird grundsĂ€tzlich von einem externen Beratungsunternehmen ĂŒbernommen.

    Der Begriff wurde direkt aus dem Englischen ĂŒbernommen.

    Nach dem Rausschmiss war ich richtig sauer auf die Firma. Aber wenigstens haben sie meine Outplacement-Beraterin bezahlt, ist ja wohl das mindeste!

    Neben diversen Coaching-Angeboten zĂ€hlen auch das Entwerfen der Bewerbungsstrategie sowie der Bewerbungsunterlagen, die Stellensuche und zu guter Letzt auch die UnterstĂŒtzung beim neuen Arbeitsvertrag zum Outplacement dazu.
    – Was ist Outplacement Beratung?, Outplaced.de

    Je frĂŒher Outplacement zum Einsatz kommt, desto eher lĂ€sst sich eine Arbeitslosigkeit fĂŒr den einzelnen verhindern.
    – Sabine Hockling, Wie Sie sich fair von Mitarbeitern trennen, Zeit Online, 08.07.2011

  • Askese

    Askese (die) ist eine streng enthaltsame Lebensweise, bei der – ursprĂŒnglich meist mit religiösem Hintergrund – auf weltliche GenĂŒsse und die ErfĂŒllung von weltlichen WĂŒnschen und Begehren verzichtet wird.

    Formen der Askese sind etwa der Verzicht auf persönlichen Besitz, Verzicht auf Annehmlichkeiten wie ein weiches Bett oder eine Heizung, weitestgehender Verzicht auf Nahrungsmittel etc. Über die Kontrolle des tatsĂ€chlichen Verhaltens hinaus soll im Idealfall auch die Kontrolle ĂŒber die eigenen Gedanken und Begierden erlangt werden.

    Der Begriff entstammt dem griechischen asketes (der trainierende Athlet).

    WĂ€hrend ich es am Wochenende krachen lasse, mit Freunden ausgehe, das Leben genieße und gerne mal ein Bier zu viel trinke, ĂŒbe ich mich unterhalb der Woche in Askese. Trinke morgens einen schwarzen Kaffee und nehme ansonsten ĂŒber den Tag verteilt nur Rohkost und Wasser zu mir.

    Seinem Körper sieht man das harte Training und die langjÀhrige Askese an.

  • engagiert

    Das Adjektiv engagiert bedeutet „sich stark fĂŒr etwas oder jemanden einsetzend“ oder „großes Interesse an etwas habend“. Synonyme zu engagiert wĂ€ren beispielsweise „eifrig“, „fleißig“ oder „emsig“, aber auch „tĂ€tig“.

    Im tĂ€glichen Sprachgebrauch wird der Begriff ebenfalls verwendet, um ĂŒber ein AnstellungsverhĂ€ltnis aufzuklĂ€ren: „Sie sind engagiert!“, „Ich bin bei der Deutschen Bahn engagiert.“

    Die Herkunft des Begriffs liegt im französischen Verb engager (in Gage nehmen, anstellen, verpflichten) begrĂŒndet.

    Unser neuer Mitarbeiter macht bis jetzt einen guten Eindruck. Er ist sehr engagiert.

    Die Mannschaft von Trainer Pal Dardai kam beim engagierten, aber spielerisch limitierten FC Augsburg nur zu einem torlosen Remis.
    Hertha enttÀuscht bei Nullnummer in Augsburg, 18.11.2016, Zeit Online

     

  • Eskapismus

    Das Substantiv Eskapismus bezeichnet die „RealitĂ€tsflucht in eine Scheinwelt oder -wirklichkeit“, sowie allgemeiner die „Sucht nach VergnĂŒgen und Zerstreuung“.

    In den letzten Jahren hat der Begriff vor allem im medienwissenschaftlichen und medienpsychologischen Kontext an Bedeutung gewonnen.

    Die Herkunft des Wortes liegt in der englischen Entsprechung escapism, die wiederum dem lateinischen Verb excapere (entkommen) entstammt.

    Der Politiker kritisierte den zunehmenden Hang der Jugend zum Eskapismus. Ein großer Teil des Lebens junger Menschen spiele sich in Online-Spielen, dem Internet und Fernsehserien ab.

    Eskapismus war gestern, heute holt uns die RealitÀt auch im Superhelden-Kino ein: Iron Man macht ein Sabbatical und Batman hat eine unipolare Störung.
    – Christina Rietz (2013), Held, gönn dir mal ’ne Pause. Zeit Online.

  • apo­dik­tisch

    Das Adjektiv apodiktisch hat zwei Bedeutungen.

    Bildungssprachlich bedeutete es (eher abwertend) „keinen Widerspruch zulassend“ und beschreibt die Art, in der etwas vorgetragen wird.

    In der Philosophie beschreibt es Aussagen oder Argumente als „unwiderlegbar“ oder „unumstĂ¶ĂŸlich“.

    Die Herkunft des Begriffs liegt im spĂ€tlateinischen apodicticus und geht zurĂŒck auf das gleichbedeutende griechische apodeiktikos.

    Mit apodiktischem Nachdruck warnte er vor der EinfĂŒhrung der gemeinsamen europĂ€ischen WĂ€hrung.

    Wir schaffen das schon, erklÀrte sie apodiktisch.

    Eine apodiktische Aussage ist zwingend wahr und kann nicht falsifiziert werden. Ihre Richtigkeit ist evident und unumstĂ¶ĂŸlich.

    Aber so allgemein hat selbst Hume den Empirismus nicht gemacht, um auch die Mathematik darin einzuschließen. Er hielt ihre SĂ€tze fĂŒr analytisch, und, wenn das seine Richtigkeit hĂ€tte, wĂŒrden sie in der Tat auch apodiktisch sein, gleichwohl aber daraus kein Schluß auf ein Vermögen der Vernunft, auch in der Philosophie apodiktische Urteile, nĂ€mlich solche, die synthetisch wĂ€ren, (wie der Satz der KausalitĂ€t,) zu fĂ€llen, gezogen werden können.
    – Immanuel Kant (1788), Kritik der praktischen Vernunft.