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  • reĂŒssieren

    Das Verb reĂŒssieren bedeutet „Anerkennung finden“, d.h. mit etwas die Achtung eines Publikums zu erringen und somit Erfolg zu haben.

    Der Begriff wurde aus dem französischen réussir (Erfolg haben, gelingen) entlehnt.

    Nach Jahren des Scheiterns reĂŒssierte er endlich.

    Mit dem skandalösen Buch reĂŒssierte sie nur bei den deutschen Lesern. Der erhoffte weltweite Erfolg blieb aus.

    Ihr neues Album reĂŒssierte in den Charts.

  • retrospektiv

    Das Adjektiv retrospektiv bedeutet „rĂŒckblickend“ und beschreibt damit ein Bezugnahme auf vergangene Zeiten.

    Der Begriff leitet sich ab aus einer Verbindung der lateinischen AusdrĂŒcke retro (rĂŒckwĂ€rts, zurĂŒck) und spectare (schauen, betrachten).

    Bei der retrospektiven Beurteilung des Vorgehens wurden einige UnregelmĂ€ĂŸigkeiten festgestellt.

    Ich habe retrospektiv erkannt, was ich an ihr hatte.

  • Enfant terrible

    Ein Enfant terrible ist das sprichwörtliche „Schwarze Schaf“ auf einem Gebiet, in einer Gruppe oder in einer Familie, teils jedoch ohne die besondere negative Note. Eine Person also, die sich provokant ĂŒber geltende Konventionen hinwegsetzt und damit oft aneckt oder sogar schockiert, möglicherweise aber auch als DraufgĂ€nger bewundert wird, Neues versucht und so zum Fortschritt zwingt.

    Der Ausdruck stammt aus dem Französischen und bedeutet wörtlich ĂŒbersetzt „schreckliches Kind“.

    Seinem Ruf als Enfant terrible der Theaterszene nachkommend, war auch seine neueste Inszenierung so provokant und jenseits des guten Geschmacks, dass ein Teil der Zuschauer schon vor Ende der Vorstellung den Saal verließ.

    Auch vor dem Halbfinale gegen Deutschland blicken alle auf Mario Balotelli, die „Skandalnudel“, den „Bad Boy“, das „Enfant terrible„. Er ist wohl der einzige Spieler des Turniers, der nicht an seinen sportlichen Leistungen, sondern seinen Eskapaden gemessen wird.
    Eike KĂŒhl (2012), Der Anarchist mit dem Hahnenkamm, ZEIT online.

  • verbos

    Das Adjektiv verbos bedeutet „wortreich“, „weitschweifig“. Der Begriff ist mittlerweile veraltet und wird kaum noch verwendet.

    Weitere Synonyme wĂ€ren „ausfĂŒhrlich“ und „erschöpfend“.

    Der Ursprung des Begriffes liegt im lateinischen verbosus (wortreich), von verbum (Wort, Wortlaut).

    Aufgrund verboser Reden von Politikern ist es fĂŒr den Otto-Normal-BĂŒrger oft schwierig, die Intention der Politik nachzuvollziehen.

    Hör mir doch mal zwei Minuten zu, anstatt mich nur verbos vollzuschwafeln! Bei dir kommt man ja gar nicht zu Wort.

  • Nepotismus

    Nepotismus (der) bedeutet „Vetternwirtschaft“. Vetternwirtschaft bzw. Nepotismus ist die bevorzugte Behandlung von Freunden und Verwandten bei wirtschaftlichen Entscheidungen, etwa bei der Auswahl neuer Mitarbeiter, der Besetzung politischer Posten, der Vergabe von AuftrĂ€gen und finanziellen Mitteln etc. Dabei tritt die Frage, ob der BegĂŒnstigte ĂŒberhaupt geeignet ist, in den Hintergrund.

    Der Begriff hat seinen Weg ins Deutsche ĂŒber das gleichbedeutende italienische nepotismo gefunden. Vgl. auch lateinisch nepos (Neffe).

    Nepotismus ist gerade in dieser Branche weit verbreitet. So haben es Neu- und Quereinsteiger oft schwer, Fuß zu fassen.

    In den Vereinigten Staaten gibt es ein Anti-Nepotismus-Gesetz. Personen im öffentlichen Dienst ist es verboten,  Posten mit Familienmitgliedern zu besetzen. Es gilt ausdrĂŒcklich auch fĂŒr den PrĂ€sidenten.

  • indifferent

    Das Adjektiv indifferent bedeutet „gleichgĂŒltig“, „unbestimmt“, „teilnahmslos“ oder „unentschieden gegenĂŒber mehreren Möglichkeiten“.

    DarĂŒber hinaus wird der Begriff in der Chemie bzw. Medizin verwendet. Hier beschreibt indifferent Stoffe ohne spezifische Wirkung. HĂ€ufig wird auch das Synonym „neutral“ genutzt.

    Über das gleichbedeutende, französische indiffĂ©rent, welches auf das lateinische indifferens (sich nicht unterscheidend, gleichgĂŒltig) zurĂŒckgeht, gelang das Adjektiv im 17. Jahrhundert in den deutschen Sprachgebrauch.

    In politischen Diskussionen wirke ich des Öfteren indifferent, da mir die nötigen Informationen fehlen, um mir eine konkrete Meinung zu bilden.

    In einer Versuchsreihe fĂŒr neue Medikamente werden neben dem wirklichen Medikament auch Placebos ausgegeben. Diese werden aufgrund der enthaltenen, indifferenten Stoffe oft auch als LeerprĂ€parate bezeichnet.

    Einige Studien stellten einen positiven Zusammenhang fest zwischen dem Anteil der Frauen in FĂŒhrungspositionen in einem Unternehmen und seinen wirtschaftlichen Kennzahlen. Andere Studien widerlegten dies – und wieder andere seien völlig indifferent.
    – Tina Groll, Debatte ĂŒber Frauenquote verĂ€ndert in Chefetagen wenig, Zeit Online, 21. Januar 2015

  • suspekt

    Das Adjektiv suspekt bedeutet „verdĂ€chtig“, „fragwĂŒrdig“ oder „zweifelhaft“.

    Objekte, Ereignisse oder Personen werden als suspekt bezeichnet, wenn ein Betrachter Zweifel an deren QualitĂ€t, Echtheit, NĂŒtzlichkeit oder – bei Personen – BeweggrĂŒnden hat.

    Weitere Synonyme wĂ€ren „bedenklich“, „zwielichtig“ oder „dubios“.

    Der Begriff wurde in der Mitte des 16. Jahrhunderts aus dem Lateinischen entlehnt. Ihm zugrunde liegt das adjektivische 2. Partizip von suspicere (aufblicken, beargwöhnen, verdÀchtigen) : suspectus (verdÀchtig).

    Als vor kurzem ein Vertreter vor meiner TĂŒr stand, fand ich ihn nicht nur unsympathisch, sondern gar suspekt. Ich hatte das GefĂŒhl, er war nur auf mein Geld aus.

    Nicht nur aufgrund suspekter GeschÀfte mit Hypothekenwertpapieren haben viele Menschen das Vertrauen in Banken verloren.

    So erfahren auch Moscheen durch ihre Hilfsbereitschaft einen fundamentalen Statuswandel in Deutschland. „Sie sind vorher jahrelang als suspekt betrachtet worden, jetzt sind sie als Helfer mitten in der Gesellschaft angekommen“, sagt Foroutan.
    – Alltagstest fĂŒr die „Willkommenskultur“ in Deutschland, Zeit Online, 19. September 2015

  • in­t­rin­sisch

    Das Adjektiv intrinsisch bedeutet „von innen heraus“ oder „einer Sache inne wohnend“.

    Der Begriff beschreibt damit ZustĂ€nde, Sachverhalte oder VorgĂ€nge, die von innen her, also aus eigenem Antrieb erfolgen oder hervorgerufen werden. Das gelĂ€ufigste Beispiel ist die intrinsische Motivation, die unabhĂ€ngig von Ă€ußeren EinflĂŒssen, z.B. aus dem Drang zur Selbstverwirklichung oder dem Streben nach persönlichen Idealen entsteht.

    Intrinsisch“ entstammt dem lateinischen intrinsecus (innerlich).

    Die Ă€ußeren und familiĂ€ren ZustĂ€nde ließen keine Anhaltspunkte zu dieser Tat zu. So musste von rein intrinsischen Motiven ausgegangen werden, was das Strafmaß wiederum erhöhte.

    Da sah man den Arbeiter als Produktivkraft, bloßes Instrument, das einfach nur effizient eingesetzt werden musste – Anweisungen geben, Umsetzung kontrollieren, fertig. Zuckerbrot und Peitsche galt da schon als subtile Methode. Heute ist die Rede von intrinsischer Motivation, von wertschĂ€tzender Kommunikation, von emotionaler oder gar spiritueller Intelligenz.
    – Thomas Vasek, Inflation der Anerkennung, brand eins 05/2011.

  • stoisch

    Das Adjektiv stoisch bedeutet heute allgemein „gleichmĂŒtig“, „unerschĂŒtterlich“. Es beschreibt Menschen, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen, stets beherrscht und weitestgehend frei von emotionalen Schwankungen sind.

    Ins Deutsche gelangte der Begriff ĂŒber das lateinischen stoicus, d.h. „betreffend die Stoa“. Die Stoa wiederum war eine der vier großen philosophischen Schulen im alten Griechenland. Deren BegrĂŒnder Zenon von Kition traf sich mit seinen SchĂŒlern zunĂ€chst in der stoa poikile, der bemalten SĂ€ulenhalle gegenĂŒber der Akropolis in Athen.

    Neben weiteren Aspekten befasst sich die stoische Lehre auch mit ethischen Fragen und gibt normativ das Streben nach Ataraxie, Apatheia und Autarkie vor, also nach emotionalem Gleichmut, UnerschĂŒtterlichkeit gegenĂŒber negativen Ereignissen und SelbstgenĂŒgsamkeit. Aus dem ethischen Leitbild der Stoa ergibt sich schließlich die heutige Bedeutung im deutschen Sprachgebrauch.

    Seine stoische Ruhe war bemerkenswert, nichts schien ihn aus dem Gleichgewicht bringen zu können.

    Mit stoischer Miene nahm sie die Anschuldigungen hin.

  • latent

    Das Adjektiv latent beschreibt etwas als vorhanden, aber (noch) nicht in Erscheinung tretend.

    Oft werden eher negative, unangenehme Dinge als latent bezeichnet, also solche, deren tatsĂ€chliches Zutagetreten nicht erwĂŒnscht ist.

    Ursprung des Begriffs ist das lateinische latere (verborgen sein).

    Er litt unter latenten Depressionen, die ihn in Augenblicken starker Belastung jederzeit ĂŒberrollen konnten.

    TatsÀchlich scheint sich ein latenter Rassismus durch weite Teile der Bevölkerung zu ziehen.

    Fast schon ein Markenzeichen der feiernden Massen auf der Hamburger Reeperbahn ist eine latente Aggression.

    Irak ist jetzt allein. Am Sonntag sind die letzten US-Truppen abgezogen – und sofort bricht in der Zentralregierung die bislang latent schwelende politische Krise aus.
    Steffen Richter (2011), Malikis gefÀhrliches Spiel, ZEIT ONLINE 22.12.2011.