• orgiastisch

    Das bildungssprachliche Adjektiv orgiastisch bedeutet „zügellos“ oder „hemmungslos“.  Als Synonyme zu orgiastisch sind die Adjektive „disziplinlos“, „enthemmt“ oder „unmäßig“ verwendbar.

    Das Adjektiv ist eine Ableitung des Stammes Orgie mit dem Ableitungsmorphemen –ast und –isch.

    Die Atmosphäre bei der Feier war nahezu orgiastisch, es wurde hemmungslos gespeist, getrunken und getanzt.

    Seine orgiastische Lebensweise kostet ihn seine sämtlichen Geldreserven.

    Auch Scorsese klotzt erneut mit der eigenen Virtuosität und setzt The Wolf of Wall Street so manisch und orgiastisch in Szene, wie sein Held Aktien vertickt.
    Christiane Peitz, „The Wolf of Wall Street“ : Aufgebot der Alphamännchen, tagesspiegel.de, 14.01.2014

  • evozieren

    Das Verb evozieren bedeutet „hervorrufen“ oder „ins Gedächtnis rufen“, etwa von Gefühlen, Stimmungen, Vorstellungen oder Erinnerungen an Erlebnisse.

    Seinen Ursprung findet der Begriff im lateinischen evocare (herbeirufen).

    Das Gemälde evozierte bei ihr düstere Erinnerungen an ihre Kindheit.

    Manche Rede der AfD evoziert Erinnerungen an die Hochzeit des Nationalsozialismus.

    In diesem Kontext könnte die Formulierung Switzerland for sale das Bild eines Landes evozieren, das ungemütlich im internationalen Schaufenster steht und seinen eigenen Ausverkauf betreibt.
    Jakob Tanner (2010), Switzerland for sale, DIE ZEIT, 10.06.2010 Nr. 24.

  • Primus inter Pares

    Der bildungssprachliche Ausdruck Primus inter Pares bezeichnet den Führer einer Gruppe gleichberechtigter Mitglieder.

    Primus inter Pares ist lateinisch und bedeutet übersetzt „Erster unter Gleichen“. Die weibliche Wortform lautet Prima inter Pares.

    Als Prima inter Pares vertritt sie die Anliegen der gesamten Abteilung in den Jahressitzungen.

    Dass der Boss nicht abhebt, Primus inter Pares bleibt, spiegelt die Symbiose aus Familie und Unternehmen wider. Verwurzelung, Tradition, Kontinuität ­die konservativ anmutenden Werte schaffen erst die Grundlage für Anpassungsfähigkeit: Wer sich verändern will, braucht einen stabilen Kern, auf den er vertrauen und aufbauen kann.
    Kerstin Friemel, Wir können auch anders, Brandeins, 01/2007

  • fraternisieren

    Das Verb fraternisieren bedeutet „sich anfreunden“ , „sich verbrüdern“. Es hat meist einen negativen Beiklang.

    Der Begriff findet oft dann Anwendung, wenn das Anfreunden aufgrund der ursprünglichen Positionen der sich miteinander fraternisierenden Parteien eigentlich eher abwegig ist oder einen negativen Beigeschmack hat. Beispielsweise dann, wenn eigentlich verfeindete Parteien sich miteinander verbünden, um niedere  Ziele zu erreichen.

    Der deutsche Ausdruck leitet sich aus dem französischen  fraternité (Brüderlichkeit) ab, welches auf das lateinische fraternus (brüderlich, freundschaftlich) zurückgeht. Vgl. auch lateinisch frater (Bruder).

    Es wird ihm zum Vorwurf gemacht, sich mit der Vorstandsebene der direkten Konkurrenz fraternisiert zu haben.

    Der Touristenbus aus Südkoreas Hauptstadt Seoul wird zum Slalom zwischen Drahtverhauen und Brachland eingewinkt. Kontrolle am „Checkpoint Charly“, dem Grenzposten zwischen Süd- und Nordkorea. Jeder muss unterschreiben, dass er auf dem Weg nach Panmunjom nicht mit nordkoreanischen Soldaten „fraternisiert oder Gesten macht, die der anderen Seite als Propagandamaterial dienen könnten“.
    Christian Schmidt-Häuer (2003),Zündeln mit der Bombe, DIE ZEIT 30.04.2003 Nr.19.

  • Faschismus

    Als Faschismus bezeichnet man heute im Allgemeinen eine nach dem Führerprinzip organisierte, nationalistische, rechtsradikale und antidemokratische Ideologie.

    Genauer kann auch eine totalitäre Herrschaftsform nach dem Vorbild des italienischen Faschismus des frühen 20. Jahrhunderts gemeint sein. Der italienische Faschismus steht für das von Ministerpräsident Mussolini errichtete Herrschaftssystem, mit dem Mussolini von 1922-1945 in Italien regierte.

    Der Ursprung des Substantivs ist auf das italienische fascio, beziehungsweise das lateinische facis („Bündel“), zurückzuführen. Diese namensgebenden „Bündel“, bestehend aus Ruten und einem Beil, wurden im Römischen Reich als Symbole und Erkennungszeichen großer Macht getragen.

    Faschismus wird von ihr stark verurteilt, diese Einstellung lässt sich vor allem durch ihre Familienhistorie erklären.

    Der Entwickler erklärt in seiner Anwendung, diese habe keinen politischen Hintergrund. Es handle sich um ein historisches Dokument für das Gerät. Die Benutzer fordert er auf, Kommentare zu unterlassen, die den Faschismus verherrlichen – mit dem Hinweis, dass dies strafbar ist.
    Andrea Bachstein, Mussolini-App: Angewandter Faschismus, Sueddeutsche.de, 17.05.2010.

  • Philister

    Philister bedeutet heute abwertend „Spießbürger“ im Sinne eines kleinbürgerlich-engstirnigen Menschen.

    Im Sprachgebrauch von Studentenverbindungen auch „alter Herr“, also jemand, der das Studium abgeschlossen hat und nun berufstätig ist.

    Der Begriff leitet sich vom Volk der Philister ab, das im 12. Jahrhundert v. Chr. die Küste des damaligen Palästinas bewohnte. Legendär ist die biblische Geschichte vom Krieg der Israeliten gegen die Philister, währenddessen David, der zukünftige König Israels, gegen den riesigen Philisterkrieger Goliath antrat und ihn schließlich mit einer Steinschleuder besiegte.

    Wie der Begriff nun zu seiner heutigen Bedeutung im deutschen Sprachgebrauch gekommen ist, ist ungewiss. Man vermutet einen ersten Gebrauch in diesem Sinne im 16. Jahrhundert, zunächst im studentischen Umfeld. Später machten die Autoren der Romantik den Philister, also den engstirnigen, kleingeistigen Spießbürger ohne besondere geistige Bedürfnisse, zu ihrem erklärten kulturellen Feindbild.

    Der Philister hat keine sozialen Eigenschaften, keine Idee von den wichtigsten menschlichen Dingen. Er weiß nicht, wie es draußen in der großen Welt zugeht; aber er hat Kaprizen für allerlei Kleinigkeiten, viel Sonderbares; und er ist ein Freund des Barocken. Ist er gelehrt, so weiß er am besten Bescheid in jenen Gegenden der Wissenschaft, wo die Motten anfangen.
    – Arthur Schurig (1928), Der vollkommene Spießbürger.

    Das sind die Philister unserer Zeit, deren liebstes Reiseziel der eigene, von Gartenzwergen bewachte Schrebergarten mit den schnurgeraden Karottenreihen ist.

  • kollektiv

    Das Adjektiv kollektiv bedeutet „gemeinschaftlich“ bzw. „mit vielen Personen zusammen“.

    Häufig wird es in Zusammenhang mit Begriffen wie „Gedächtnis“ (historische Geschehnisse), „Interessen“ (Politik) oder „Bewusstsein“ (analytische Psychologie) verwendet:

    • kollektives Gedächtnis
    • kollektive Interessen
    • kollektives Bewusstsein

    Der Begriff geht auf das lateinische collectivus (angesammelt) zurück.

    Die Geschehnisse des 2. Weltkriegs sind verankert im kollektiven Gedächtnis der gesamten Nation.

    Und so warnt der französische Währungskommissar Moscovici: „Ein „Grexit“ wäre ein schrecklicher kollektiver Fehler.“ – Zeit Online, Analyse „Grexit“ ist in Brüssel kein Thema mehr, 07.07.2015

    Kollektives Handeln ist in unserem Unternehmen unabdingbar, um die gesteckten Ziele zu erreichen.

  • nonchalant

    Das Adjektiv nonchalant bedeutet „lässig“, „unbekümmert“.

    Es beschreibt eine Person bzw. die Art und Weise, mit der sie eine Handlung vollführt, als ungezwungen und in (meist) positivem Sinne sorglos.

    Der Begriff ist französischen Ursprungs und setzt sich zusammen aus non– (nicht-) und chaloir (bildlich: heiß machen). Entsprechend folgt auch die Aussprache dem Französischen, ins Deutsche übertragen etwa [nonschalah] respektive bei attributivem Gebrauch [nonschaland].

    Sie hielt eine souveräne Ansprache und ging nonchalant über die gelegentlichen Zwischenrufe hinweg.

    Mit seiner nonchalanten Art kam er nicht bei allen Kollegen gut an.

    Über die Brücke Sicherheit waren dann auch gleich die Datenausspähung und das Reizthema Guantanamo angeschnitten. Und Besserung gelobt. Das Wir, welches sich Obama nonchalant von Immanuel Kant und Martin Luther King zugleich auslieh, lieferte dazu genug Zitate. Ein Präsident, bemüht, uns einen Weg aus der Unmündigkeit zu zeigen.
    Andreas Öhler (2013), Wenn ein Präsident träumt, ZEIT ONLINE, 19.06.2013.

  • Euthanasie

    In der Medizin meint das Substantiv Euthanasie die Erleichterung des Sterbens und somit Herbeiführung des Todes. Euthanasie, auch Sterbehilfe genannt, erfolgt meist durch Medikamente, Narkotika oder ausbleibende Behandlung.

    Abgesehen von dieser medizinischen Bedeutung steht Euthanasie für die systematische Tötung psychisch kranker und behinderter Menschen, sowie KZ-Häftlingen im dritten Reich durch die Nationalsozialisten.

    Euthanasie stammt aus dem Griechischen (euthanasia) und bedeutet übersetzt „leichter Tod“.

    Um den alten Schäferhund endlich von seinen Qualen zu erlösen, entschlossen sich die Besitzer zur Euthanasie. Sie ließen das jahrelange Familienmitglied einschläfern.

    Das Thema Euthanasie ermöglicht immer wieder neuen Gesprächsstoff in ethischen Grundsatzdiskussionen.

    „Recht auf Euthanasie“ wird das Gesetz in Belgien genannt. Dieser Begriff ist in Deutschland wegen des Massenmordes an Behinderten unter den Nazis, der unter diesem Deckmantel verübt wurde, aus gutem Grund verpönt.
    Ludwig Greven, Sterbehilfe: Todkranke Kinder darf man nicht töten, Die Zeit, 07.12.2013.

  • Pars pro Toto

    Ein Pars pro Toto (das) ist eine Redefigur, bei der ein einzelnes Wort als Teil eines Ganzen stellvertretend für dieses Ganze steht. Eines der gebräuchlichsten Pars pro Totos ist „unter einem Dach“. Gemeint ist hierbei nicht das Dach, sondern das Haus als Ganzes.

    Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt: „ein Teil für das Ganze“.

    Gegenteil des Pars pro Toto ist Totum pro parte. Hier beschreibt das Ganze nur einen Teil, wie zum Beispiel „Deutschland ist Papst“.

    Pars pro Toto: Holland steht für die Niederlande, allerdings ist Holland nur eine Region der Niederlande.

    Das ist aber ein edler Tropfen, könnte ich noch mehr von diesem herrlichen Wein bekommen? Der edle Tropfen steht Pars pro Toto für den ganzen Wein.

    Wenn wir zusammenlegen, macht das 30 Euro pro Nase! (pro Nase = pro Person)

    Pflichtschuldige Appelle konnten nicht verhehlen, dass die internationale Politik Gaza abgeschrieben hatte – und damit Pars pro Toto den Palästinakonflikt und die Zweistaatenlösung.
    Jörg Lau und Michael Thumann, Naher Osten: Herr Mursi, helfen Sie!, Die Zeit, 22.11.2012.

     

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