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  • Despot

    Ein Despot (bzw. eine Despotin) ist ein Gewaltherrscher, der absolut herrscht und unumschrÀnkt seine Interessen verfolgt.

    Im Alltag wird der Begriff auch abwertend fĂŒr einen herrischen und tyrannischen Menschen verwendet. Synonyme zu Despot sind „Tyrann“, „Diktator“ oder „UnterdrĂŒcker“.

    Aus dem Griechischen (despótēs) stammend, bedeutet Despot „Herrscher“ oder auch „(Haus-)Herr“.

    WĂ€hrend der Despot ĂŒber das Land herrschte, wurden viele Unschuldige zu Opfern seiner GewaltausbrĂŒche und letztlich hingerichtet.

    Seiner cholerischen Art und dem diktatorischen Ton, mit dem er die Aufgaben an seine Angestellten weitergibt, verdankt er seinen heimlichen Spitznamen „der Despot“.

    Nach diversen TerroranschlÀgen in Europa, hinter denen die USA den Libyer vermuten, haben amerikanische Kampfflugzeuge seinen Palast in Tripolis bombardiert, durchaus in der Absicht, den Despoten zu töten. Doch aus Gaddafis Vergeltungsschlag wird nichts.
    Ulrich Ladnurner, Lampedusa: Der verheißene Felsen, Die Zeit, 16.02.2014.

  • Bourgeoisie

    Die Bourgeoisie war im deutschen Sprachgebrauch zunĂ€chst eine allgemeine und eher wertfreie Bezeichnung fĂŒr das gehobene BĂŒrgertum.

    Mitte des 19. Jahrhunderts etablierten Marx und Engels das Wort als Terminus fĂŒr die herrschende bĂŒrgerliche Klasse, also jene, die nach Marx ĂŒber die Produktionsmittel verfĂŒgt.

    Bis heute hat der Begriff der Bourgeoisie einen leicht abwertenden Beiklang.

    Aussprache: [bʊrʒoÌŻaˈziː], also etwa [Burschwasie].

    Herkunft des Wortes ist das französische bourgeoisie (BĂŒrgertum).

    Die Kehrseite des Haussmann’schen Stadtumbaus sind die Enteignungen und Abrisse zahlloser HĂ€user, die beinahe gewaltsame Vertreibung ihrer Mieter, der „kleinen Leute“, und die Inbesitznahme der inneren Stadt durch die neureiche Bourgeoisie. Die heutige „Gentrification“ ist dagegen ausgesprochen harmlos.
    Bernhard Schulz (2010), Wie Paris zur Weltstadt wurde, ZEIT Geschichte, 29.11.2010.

  • kongruent

    Das Adjektiv kongruent bedeutet „deckungsgleich“ oder „ĂŒbereinstimmend“, beschreibt also Dinge, Sachverhalte, Aussagen etc. als einer anderen Sache in ihrem Wesen oder ihrer Art gleichend.

    Der Begriff entstammt dem lateinischen congruere (ĂŒbereinstimmen, entsprechen).

    Seine Gedankenwelt und das, was er als Autor letztlich zu Papier brachte, waren nicht kongruent.

    Viel schwieriger wird es sein, die Ziele der beiden Seiten, die keineswegs kongruent sind, sondern sich in gewisser Weise widersprechen, miteinander zu versöhnen.
    Marion GrÀfin Dönhoff (1990), Bewegung am Kap, DIE ZEIT, 20.4.1990 Nr. 17.

  • pharisĂ€isch

    Das Adjektiv pharisĂ€isch bedeutet abwertend „scheinheilig“ oder „heuchlerisch“. Dergestalt lassen sich Personen sowie deren Taten und Aussagen als vorgetĂ€uscht oder oberflĂ€chlich bzw. um des Scheins willen beschreiben.

    Seine Herkunft findet der Begriff im Namen der PharisĂ€er, einer Strömung im antiken Judentum, auftretend nach dem 2. Jhd. v.Chr. Die PharisĂ€er (lat. pharisaeli, die Abgesonderten) lösten den jĂŒdischen Glauben vom Fokus auf den Tempel und konzentrierten sich stattdessen auf die Einhaltung zahlreicher, den Alltag betreffender Regeln. Die heutige Bedeutung ergibt sich aus der Darstellung der PharisĂ€er im Neuen Testament als oberflĂ€chlich fromm und sĂ€mtliche Regeln beachtend, in Wahrheit jedoch kaltherzig und fernab von dem, was man unter christlichen Werten versteht.

    Seine pharisĂ€ische EntrĂŒstung brachte ihm mehr Kritik als Beifall.

    Die LegitimitĂ€t der militĂ€rischen Notwehr gegen den Irak wird von der pharisĂ€ischen DoppelzĂŒngigkeit der beteiligten GroßmĂ€chte gewiß nicht in Zweifel gezogen.
    Reinhard Merkel (1991), Auf dem Schlachtfeld der Ehre, DIE ZEIT, 25.1.1991 Nr. 05.

  • Kakophonie

    Eine Kakophonie (die) ist eine eine schlecht klingende Folge von Lauten, also ein Missklang.

    Das Substantiv wird in der Sprachwissenschaft und in der Musik gebraucht. Antonym des Substantivs ist die Eufonie: der „Wohlklang“.

    Der Ausdruck findet seinen Ursprung im griechischen kakophonia, bestehend aus dem PrĂ€fix kakĂłs (Miss-) und phƍnᾗ (Klang, Ton).

    Die Kakophonie des MusikstĂŒcks hielt sie nicht davon ab, es rauf und runter auf dem Klavier zu spielen und alle anderen damit zu nerven.

    Moderne Popmusik ist die reinste Kakophonie, wenn du mich fragst.

    Sie tat sich schwer, die fremde Sprache zu lernen. Alles klang so schrecklich kakophon.

    Ein Zweipersonenorchester mit ausreichend Empathie fĂŒrs gefĂŒhlige Genre, dessen Folkpop sich angenehm durch die Kakophonie des Alltags schlĂ€ngelt.
    Jan Freitag, Zwei mit einer Stimme, Die Zeit, 03.09.2013.

     

  • Sezession

    Eine Sezession ist die Abspaltung eines Landesteils (und der in diesem lebenden Bevölkerung) von einem Staat, um einen neuen, unabhĂ€ngigen Staat grĂŒnden zu können.

    Ein berĂŒhmtes historisches Beispiele ist etwa die Sezession der SĂŒdstaaten der USA, die sich im 19. Jahrhundert aus dem Staatenbund lösten, um weiter Sklavenhandel und -haltung betreiben zu können. Zwischen 1860 und 1861 traten neben Alabama, Mississippi und Texas neun weitere Staaten aus der Union aus, woraufhin ein erbitterter Sezessionskrieg ausbrach, der 1865 schließlich mit der Wiederherstellung der Einheit endete.

    Auch aktuell existieren in vielen Teilen der Welt Sezessionsbewegungen. So plant etwa Grönland die UnabhĂ€ngigkeit von DĂ€nemark und viele Katalanen wĂŒrden eine UnabhĂ€ngigkeit Kataloniens von Spanien begrĂŒĂŸen.

    Ursprung des Wortes ist das lateinische secessio (Trennung).

    Schottland plant ein neues UnabhÀngigkeitsreferendum. Eine Sezession vom Vereinigten Königreich könnte es den Schotten ermöglichen, auch nach dem Brexit weiter EU-Mitglied zu bleiben.

  • phlegmatisch

    Das Adjektiv phlegmatisch bedeutet „trĂ€ge“ oder „behĂ€big“. So lassen sich Personen von ruhigem, gleichgĂŒltigem, nicht affektivem Naturell beschreiben. Jemanden als phlegmatisch bzw. als Phlegmatiker zu bezeichnen hat jedoch oft einen abwertenden Beiklang.

    Seinen Ursprung hat der Begriff im griechischen phlĂ©gma. Hippokrates (um 400 v. Chr.), maßgeblicher Vordenker der wissenschaftlichen Medizin, bezeichnete damit einen entzĂŒndlichen, zĂ€hen Schleim im Körper. Nach seiner ViersĂ€ftelehre, die Krankheiten mit einem Ungleichgewicht der KörpersĂ€fte erklĂ€rt, war eben dieser Schleim verantwortlich fĂŒr TrĂ€gheit und SchwerfĂ€lligkeit.

    Sie ist viel zu phlegmatisch. Ihr Studium wird sie vielleicht noch schaffen, aber wie soll sie sich danach jeden Morgen aufraffen und etwas aus ihrem Leben machen?

    Die Ostertage verbrachte er – geradezu phlegmatisch – mit einem Buch in der Hand in der HĂ€ngematte. Tagelang dachte er nicht daran, das Fremdwort des Tages zu veröffentlichen.

    Phlegmatischen Menschen kann man ihre TrÀgheit vorwerfen, wie es schon Aristoteles tat. Jedoch kann ihre behÀbige, unaufgeregte Art in manchen Situationen auch einen willkommenen Ruhepol darstellen.

  • Pathos

    Das Substantiv Pathos beschreibt im Allgemeinen ein leidenschaftliches GefĂŒhl der Feierlichkeit oder des Ergriffenseins. Speziell in der Rhetorik meint es einen emotionalen, meist wortgewaltigen Appell an das Publikum.

    Der Begriff wird oft abwertend gebraucht, um auf die ĂŒbersteigerte RĂŒhrseligkeit oder Schmalzigkeit etwa einer Feier, einer Rede oder eines Films hinzuweisen.

    Der Ursprung des Wortes findet sich im griechischen påthos (Leid, Leidenschaft).

    Nicht selten werden Verfilmungen geschichtlicher Ereignisse mit einer gehörigen Portion Pathos ausgestattet.

    Der ĂŒbersteigerte Pathos in seiner Amtsantrittsrede ließ einen Teil des Publikums in frenetischen Beifall ausbrechen, wĂ€hrend der Rest von Fremdscham erfĂŒllt zu Boden blickte.

    Der gesamte Saal war vom Pathos ergriffen. Einige Anwesende brachen sogar in TrĂ€nen des GlĂŒcks aus, in diesem – so schien es ihnen – großartigen Land wohnen zu dĂŒrfen.

  • kolportieren

    Das schwache Verb kolportieren bedeutet „GerĂŒchte verbreiten“, meint also das Weiterverbreiten unwahrer oder ungesicherter Behauptungen und Halbwahrheiten.

    Herkunft des Fremdwortes ist das französische Kolportage, also der Hausierhandel. Vertrieben wurde dabei mit besonderem Vorzug minderwertige Literatur.

    Die Regenbogenpresse kolportierte ungeniert Details aus seinem Privatleben.

    Es wird derzeit dezent kolportiert, dass die Wahlergebnisse nicht auf rechtmĂ€ĂŸigem Wege zustande gekommen seien.

    Die Ehre ihres Besuches hatte sein Ansehen noch gemehrt, allenthalben wurde dieses Ereignis kolportiert und endlos erörtert. Und wie immer in solchen FĂ€llen fantasievoll ausgeschmĂŒckt.
    Wolfgang MĂŒller (2012), Lebensgeschichte, ZEITmagazin, 16.5.2012 Nr. 21.

  • autark

    Das Adjektiv autark bedeutet „auf niemandes Weisung oder UnterstĂŒtzung angewiesen“.

    Es kann etwa Personen, Organisationen, Abteilungen in Unternehmen etc. beschreiben, die eigenverantwortlich und selbstbestimmt handeln können. Speziell bei Regionen und LÀndern tritt der Aspekt wirtschaftlicher UnabhÀngigkeit in den Vordergrund.

    Ursprung des Begriffs ist das griechische autĂĄrkēs (sich selbst genĂŒgend).

    Er war in seinem Denken und Handeln völlig autark.

    BezĂŒglich der Verhandlungen mit neuen GeschĂ€ftspartnern in Asien konnte sie ganz autark agieren und musste nicht jeden Schritt einzeln mit ihrem Vorgesetzten abstimmen.

    Der Staat ist wirtschaftlich weitestgehend autark und hat – mit Ausnahme von Erdöl – den Import jeglicher Produkte unterbunden.