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  • renommiert

    Das Adjektiv renommiert bedeutet „angesehen“, „einen guten Ruf habend“.

    HĂ€ufige Verwendung findet der Begriff in Verbindung mit Menschen oder Unternehmen, die durch außergewöhnliche FĂ€higkeiten in ihrem Metier auf sich aufmerksam gemacht haben.

    Entlehnt wurde der Begriff im 17. Jahrhundert aus dem Französischem. Das französische Partizip Adjektiv renommĂ© (angesehen, berĂŒhmt) geht auf das lateinische nominare (benennen, ernennen) zurĂŒck.

    Mit Filmen wie Psycho, Vertigo und Die Vögel stieg Alfred Hitchcock in die Riege der renommiertesten Regisseure auf und gilt seither als Vater des Psychothrillers.

    Renommierte Wissenschaftler weisen immer deutlicher auf die Irrwege der Impfgegner hin.

    Mindestens sechs Bieter stritten sich in der Londoner Auktion um das Bild, das zunĂ€chst auf höchstens 750 000 Euro geschĂ€tzt worden war. Der Chef des renommierten MĂŒnchner Kunstauktionshauses Ketterer, Robert Ketterer, ist ĂŒberzeugt: „Es war die Geschichte des Bildes, die das Bild so teuer gemacht hat.“ – Erstes Bild aus Gurlitt-Sammlung versteigert, sz.de, 25.06.2015

  • Mischpoke

    Das Substantiv Mischpoke (die) bedeutet „Familie“, „Verwandtschaft“ oder beschreibt eine „familienĂ€hnliche Gemeinschaft“ sowie „ĂŒble Gesellschaft“. Weitere, korrekte Schreibweisen des Wortes lauten Mischpoche und Muschpoke.

    Meist wird der Begriff in der Umgangssprache abwertend genutzt, was aber nicht fĂŒr den wertfreien, hebrĂ€ischen Ursprung miĆĄpāងā(h) (Familie, Verwandtschaft) gilt. Aus dem Westjiddischen gelang das Wort ĂŒber das Rotwelsche in die deutsche Sprache.

    Hoffentlich kommt er alleine. Wenn er seine ganze Mischpoke mitbringt, verdirbt das den ganzen Abend.

    Netanjahu beschwor die israelisch-amerikanische Freundschaft und sagte, seine Rede sei keinesfalls gegen PrĂ€sident Barack Obama gerichtet. „Israel und Amerika sind mehr als Freunde, sie sind eine Familie, beinahe Mischpoke.“ – Rede vor US-Kongress nicht gegen Obama gerichtet, welt.de, 02.03.2015

     

  • kumulieren

    Der Begriff kumulieren bedeutet im Allgemeinen „anhĂ€ufen“, „ansammeln“ oder „summieren“.

    Im politischen Sprachgebrauch bezeichnet kumulieren aber auch die Verteilung mehrerer Stimmen auf einen Kandidaten in einem Mehrstimmenwahlsystem (GegenstĂŒck des Kumulierens ist das Panaschieren).

    Der Ursprung des Wortes liegt im lateinischen cumulare  (anhĂ€ufen, auftĂŒrmen, ĂŒberhĂ€ufen).

    Durch seinen ausschweifenden Lebensstil kumulierte er in den letzten Jahren eine ungeheure Menge an Schulden, die er ohne UnterstĂŒtzung nicht bewĂ€ltigen kann.

    Im Gegensatz zum Wahlsystem mit starren Listen besitzt der einzelne WÀhler so viele Stimmen, wie Kandidaten zu wÀhlen sind. Er darf nicht nur einzelne Kandidaten aus den Vorschlagslisten herausstreichen, sondern andere mit bis zu drei Stimmen besonders hervorheben, er kumuliert. Der WÀhler panaschiert, wenn er seine Stimmen auf Kandidaten in verschiedenen Listen verteilt.
    – Rudolf Arend, BĂŒrger und kommunale Selbstverwaltung in Nordrhein-Westfalen seit 1945, Seite 183, Internationaler Verlag der Wissenschaften 2010

  • Hedonismus

    Hedonismus ist allgemein das Streben nach Genuss oder Sinneslust. Alltagssprachlich ist der Gebrauch oft eher abwertend und meint eine egoistische, nach kurzfristigem Genuss strebende LebensfĂŒhrung.

    Der Hedonismus als philosophische Strömung geht darĂŒber hinaus. Zusammengefasst geht es dabei um das Streben nach einem angenehmen GlĂŒckszustand. Die antiken Philosophen beschreiben diesen GlĂŒckszustand als Ataraxie, die vollkommene Seelenruhe.

    Bei Aristippos, einem Zeitgenossen von Sokrates, stehen dabei momentaner Lustgewinn und Schmerzvermeidung im Zentrum, jeweils als Übergangszustand zur Seelenruhe. Er unterscheidet nicht zwischen verschiedenen LĂŒsten.

    Epikur geht es spĂ€ter eher um langfristige Lebensplanung und Aufrechterhalten der Seelenruhe als höchstem GlĂŒckszustand. Er unterscheidet dazu auch zwischen vernĂŒnftigen und unvernĂŒnftigen GenĂŒssen. Letztere bringen einen kurzfristigen Lustgewinn, wirken sich aber langfristig negativ auf die Seelenruhe aus. Dazu gehören etwa der ungezĂŒgelte Konsum von Drogen, Lustgewinn auf Kosten anderer oder ĂŒbermĂ€ĂŸiges Essen.

    Hedonismus stammt von dem griechischen Wort hēdonē ab, welches fĂŒr VergnĂŒgen, Lust und Freude steht.

    FĂŒr den Sonnenkönig Ludwig von Bayern war Hedonismus ein Lebensprinzip.

    BegrĂŒnder des Hedonismus ist der griechische Philosoph Aristippos von Kyrene.

  • Sakrileg

    Der Begriff Sakrileg (das) bezeichnet ursprĂŒnglich die Entweihung von HeiligtĂŒmern und geweihten Personen durch Angriffe, SchĂ€ndung, Raub oder Missbrauch.

    Mittlerweile kann der Begriff auch losgelöst vom religiösen Kontext verwendet werden. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist ein Sakrileg heute ein Vergehen oder ein Frevel gegen Personen. Auch das Missbrauchen, Verunstalten oder Beleidigen von Systemen, GegenstÀnden oder StÀtten kann als Sakrileg bezeichnet werden.

    Sakrileg ist weiterhin der Titel eines Romans von Dan Brown. Protagonist ist wie schon im VorgĂ€nger „Illuminati“ der Professor Robert Langdon.

    Seinen Ursprung findet der Begriff im lateinischen sacrilegium (Tempelraub), das sich zusammensetzt aus sacra (Heiliges) und legere (auflesen, stehlen).

    Beispiele

    Einen hochkarÀtigen Manager aus der Finanzbranche, also einen Nicht-Mediziner, als oberstes Entscheidungs- und Leitungsorgan des Krankenhauses einzusetzen, empfanden viele Mitarbeiter als Sakrileg.

    So mancher Tourist in Italien schlĂŒrft zum Abendessen gerne seinen Cappuccino. FĂŒr die Italiener das reinste Sakrileg.

    FĂŒr die meisten Konzernchefs in Deutschland kommt es schon einem Sakrileg gleich, wenn ihre Mitarbeiter hin und wieder zu Hause arbeiten. Und sie spendieren ihren Angestellten auch mal einen Kreativ-Workshop am Wochenende – am Montag ist der Spaß dann wieder vorbei. Dann riskieren die, die ernst nehmen, was fĂŒr die HierarchietrĂ€ger nur Spaß ist, Kopf und Kragen. Wer kreativ, sozial verantwortlich und Risiken nicht scheuend handelt, begeht karrieretechnisch Selbstmord. Lahme fordern auf zum 100-Meter-Sprint, Blinde empfehlen sich als Fahrlehrer.
    Wolf Lotter (2007), Die Gestörten, brand eins 05/2007. 

  • in puncto

    Der Begriff in puncto bedeutet „hinsichtlich“, „in Bezug auf“. Er hat seinen Ursprung im lateinischen punctum (Punkt).

    Ein altes Sprichwort lautet in puncto puncti sexti, also „hinsichtlich des sechsten Gebots“  bzw.  „die Keuschheit betreffend“.

    Beispiele

    Er war ziemlich nachlĂ€ssig in puncto Ordnung und Sauberkeit, was fĂŒr eklatanten Dissens in der Wohngemeinschaft sorgte.

    In puncto Sprachgewandtheit machte ihr niemand etwas vor.

    Deutsche Automobilhersteller haben in puncto QualitÀt auf dem Weltmarkt einen exzellenten Ruf, was sich auch bei den Exportzahlen bemerkbar macht.

    In puncto Glamour und Drama können Indexfonds natĂŒrlich nicht mithalten mit den Hedgefonds.
    – Heike Buchter, Arme Zocker!, Zeit Online, 18.06.2015

  • diskriminieren

    Das Verb diskriminieren bedeutet „benachteiligen“, „herabwĂŒrdigen“ oder „unterscheiden“ (Fachsprache).

    Es wird meistens in Zusammenhang mit Bevölkerungsgruppen oder Einzelpersonen, die sich in der Minderheit befinden und in der Gesellschaft aufgrund ihrer Zugehörigkeit oder ihres Geschlechts BeeintrĂ€chtigungen erfahren mĂŒssen, verwendet.

    UrsprĂŒnglich stammt diskriminieren vom lateinischen discriminare (unterscheiden) ab.

    AuslÀnder haben bei weitem nicht die gleichen Bildungschancen wie Einheimische. Sie werden eindeutig diskriminiert.

    Eine StraßennutzungsgebĂŒhr ist nur dann EU-rechtskonform, wenn sie nicht aufgrund der Staatsangehörigkeit diskriminiert. – EU-Verkehrskommissarin Violetta Bulc

    Auf diese Weise können alle Photonen, die bereits einer Wechselwirkung mit Energieverlust unterlagen, von primĂ€ren Photonen diskriminiert werden. – Krieger/Petzold, Strahlenphysik, Dosimetrie und Strahlenschutz, B.G. Teubner Stuttgart 1992

  • orgiastisch

    Das bildungssprachliche Adjektiv orgiastisch bedeutet „zĂŒgellos“ oder „hemmungslos“.  Als Synonyme zu orgiastisch sind die Adjektive „disziplinlos“, „enthemmt“ oder „unmĂ€ĂŸig“ verwendbar.

    Das Adjektiv ist eine Ableitung des Stammes Orgie mit dem Ableitungsmorphemen –ast und –isch.

    Die AtmosphÀre bei der Feier war nahezu orgiastisch, es wurde hemmungslos gespeist, getrunken und getanzt.

    Seine orgiastische Lebensweise kostet ihn seine sÀmtlichen Geldreserven.

    Auch Scorsese klotzt erneut mit der eigenen VirtuositÀt und setzt The Wolf of Wall Street so manisch und orgiastisch in Szene, wie sein Held Aktien vertickt.
    Christiane Peitz, „The Wolf of Wall Street“ : Aufgebot der AlphamĂ€nnchen, tagesspiegel.de, 14.01.2014

  • Faschismus

    Als Faschismus bezeichnet man heute im Allgemeinen eine nach dem FĂŒhrerprinzip organisierte, nationalistische, rechtsradikale und antidemokratische Ideologie.

    Genauer kann auch eine totalitĂ€re Herrschaftsform nach dem Vorbild des italienischen Faschismus des frĂŒhen 20. Jahrhunderts gemeint sein. Der italienische Faschismus steht fĂŒr das von MinisterprĂ€sident Mussolini errichtete Herrschaftssystem, mit dem Mussolini von 1922-1945 in Italien regierte.

    Der Ursprung des Substantivs ist auf das italienische fascio, beziehungsweise das lateinische facis („BĂŒndel“), zurĂŒckzufĂŒhren. Diese namensgebenden „BĂŒndel“, bestehend aus Ruten und einem Beil, wurden im Römischen Reich als Symbole und Erkennungszeichen großer Macht getragen.

    Faschismus wird von ihr stark verurteilt, diese Einstellung lÀsst sich vor allem durch ihre Familienhistorie erklÀren.

    Der Entwickler erklĂ€rt in seiner Anwendung, diese habe keinen politischen Hintergrund. Es handle sich um ein historisches Dokument fĂŒr das GerĂ€t. Die Benutzer fordert er auf, Kommentare zu unterlassen, die den Faschismus verherrlichen – mit dem Hinweis, dass dies strafbar ist.
    Andrea Bachstein, Mussolini-App: Angewandter Faschismus, Sueddeutsche.de, 17.05.2010.

  • Philister

    Philister bedeutet heute abwertend „SpießbĂŒrger“ im Sinne eines kleinbĂŒrgerlich-engstirnigen Menschen.

    Im Sprachgebrauch von Studentenverbindungen auch „alter Herr“, also jemand, der das Studium abgeschlossen hat und nun berufstĂ€tig ist.

    Der Begriff leitet sich vom Volk der Philister ab, das im 12. Jahrhundert v. Chr. die KĂŒste des damaligen PalĂ€stinas bewohnte. LegendĂ€r ist die biblische Geschichte vom Krieg der Israeliten gegen die Philister, wĂ€hrenddessen David, der zukĂŒnftige König Israels, gegen den riesigen Philisterkrieger Goliath antrat und ihn schließlich mit einer Steinschleuder besiegte.

    Wie der Begriff nun zu seiner heutigen Bedeutung im deutschen Sprachgebrauch gekommen ist, ist ungewiss. Man vermutet einen ersten Gebrauch in diesem Sinne im 16. Jahrhundert, zunĂ€chst im studentischen Umfeld. SpĂ€ter machten die Autoren der Romantik den Philister, also den engstirnigen, kleingeistigen SpießbĂŒrger ohne besondere geistige BedĂŒrfnisse, zu ihrem erklĂ€rten kulturellen Feindbild.

    Der Philister hat keine sozialen Eigenschaften, keine Idee von den wichtigsten menschlichen Dingen. Er weiß nicht, wie es draußen in der großen Welt zugeht; aber er hat Kaprizen fĂŒr allerlei Kleinigkeiten, viel Sonderbares; und er ist ein Freund des Barocken. Ist er gelehrt, so weiß er am besten Bescheid in jenen Gegenden der Wissenschaft, wo die Motten anfangen.
    – Arthur Schurig (1928), Der vollkommene SpießbĂŒrger.

    Das sind die Philister unserer Zeit, deren liebstes Reiseziel der eigene, von Gartenzwergen bewachte Schrebergarten mit den schnurgeraden Karottenreihen ist.