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  • Schibboleth

    Ein Schibboleth ist ein (möglicherweise) abgesprochenes, charakteristisches Zeichen, das zur deutlichen Erkennung von etwas oder jemandem beitragen soll.

    In der Linguistik wird unter Schibboleth auch ein spezifisches, sprachliches Merkmal verstanden, mit dem ein Sprecher klar zugeordnet werden kann, beispielsweise im regionalen oder sozialen Kontext durch Dialekt, Wortwahl oder Sprechweise.

    Synonyme des Substantivs sind unter anderem „Erkennungszeichen“, „Losungswort“ oder „Kennwort“.

    Der Begriff wurde aus dem HebrĂ€ischen ĆĄibƍlĂŠáčŻ (Ähre, Strom) entlehnt. Im Alten Testament wurde Schibboleth als Losungswort der Gileaditer benutzt. Die falsche Aussprache deutete darauf hin, dass die jeweilige Person kein Gileaditer, sondern ein FlĂŒchtling war und somit wurde die Person getötet.

    Am Eingang des exklusiven Nachtclubs ist eine Sprechanlage- nur durch das Aufsagen des richtigen Schibboleths öffnet sich die große EisentĂŒr.

    Was ich, jeder Deutsche und jeder Jude dagegen tadellos aussprechen können, ist ebendas wundervolle Wort fĂŒr die Feuerprobe, anhand derer Freunde von Feinden unterschieden werden: das hebrĂ€ische Wort Schibboleth. Genau das wĂ€re nun ein Schibboleth fĂŒr HollĂ€nder. Sie hĂ€tten große Schwierigkeiten mit dem weichen Anlaut, weil sie es nicht gewöhnt sind, in der kleinen Grube zwischen unterer Zahnreihe und hochgewölbter Zunge Laute zu bilden.
    -Connie Palmen, Die Versteckte Sprache, Sueddeutsche.de, 14.12.2008

  • intermittierend

    Das Adjektiv intermittierend bedeutet „mit Unterbrechungen“ und beschreibt VorgĂ€nge, Handlungen und ZustĂ€nde, die zeitweilig ausgesetzt werden bzw. zeitweilig nachlassen und in geringerer IntensitĂ€t weiter bestehen.

    Besonders hÀufig wird der Ausdruck im medizinischen Kontext verwendet, um derartige KrankheitsverlÀufe zu beschreiben.

    Der Ursprung des Begriffs findet sich im lateinischen intermittere (dazwischen offen lassen, unterbrechen), welches sich aus der Vorsilbe inter– (dazwischen, mitten) und dem Verb mittere (schicken, weglassen, loslassen) zusammensetzt.

    Seine Treue als Ehemann ließ auf GeschĂ€ftsreisen immer schlagartig nach. Er betrachtete sich sozusagen nur intermittierend als in festen HĂ€nden.

    Sie leidet unter intermittierenden Schmerzen, die ebenso plötzlich auftreten wie sie wieder nachlassen.

  • designieren

    Das Verb designieren bedeutet „bestimmen“ und wird als Adjektiv hĂ€ufig im Kontext von „fĂŒr ein noch nicht besetztes Amt bestimmt“ genutzt.

    Entsprechend taucht der Begriff meist im politischen oder Verwaltungskontext auf.

    Es entstammt dem lateinischen Verb designare fĂŒr „bezeichnen“.

    Sie designieren den bisherigen Landwirtschaftsminister als zukĂŒnftigen Kanzlerkandidaten.

    Der Chef designierte Frau Wagner fĂŒr den unbesetzten Posten der Abteilungsleiterin.

    Der designierte Vorsitzende gab sich MĂŒhe, vor den anderen Mitarbeitern einen kompetenten Eindruck zu erwecken.

  • errare humanum est

    Die Redewendung errare humanum est bedeutet „Irren ist menschlich“.

    Sie stammt aus dem Lateinischen und setzt sich zusammen aus errare „sich tĂ€uschen“, humanus „menschlich“ und esse“ sein.

    Der Ursprung der Redewendung liegt in den Schriften des Theologen und Kirchenvaters Sophronius Eusebius Hieronymus (Hieronymus; Seneca, Epistulae morales VI,57,12; Cicero, Orationes Philippicae 12,2), in denen es wie folgt heißt:

    „Errare humanum est, sed in errare perseverare diabolicum.“
    (Irren ist menschlich, aber im Irrtum zu verharren ist teuflisch.)

    Heutzutage wird nur noch das verkĂŒrzte Sprichwort genutzt, um zu verdeutlichen, dass Fehler im Menschsein verankert und somit natĂŒrlich sind.

    Lehrerin: „Was hast du da wieder fĂŒr einen Blödsinn geschrieben?“
    SchĂŒler: „Ja sorry, errare humanum est.“

    Wenn der Böse nur Böses vorhĂ€tte, wĂ€re er noch ein Mensch, wĂŒrde er dabei – errare humanum est – auch einen Fehler machen. Also wĂ€re die Achillesferse des Bösen, dass im doch etwas Gutes unterlĂ€uft.
    – Ralph GeisenhanslĂŒke, DIE ZEIT, 25.03.2004 Nr. 14

  • apokryph

    Das Adjektiv apokryph bedeutet „nicht anerkannt“, „zweifelhaft“.

    Als apokryph wurden zunÀchst die Apokryphen bezeichnet, also Texte mit christlichen Inhalten, die aber nicht in den Bibelkanon aufgenommen wurden. Inzwischen kann der Begriff auch verwendet werden, um andere Arten von Texten und Aussagen zweifelhaften Ursprungs oder zweifelhaften Inhalts zu beschreiben.

    Ursprung ist das altgriechische apokryphos (verborgen).

    Bisherige Berichte ĂŒber IS-Terroristen, die sich unter die syrischen FlĂŒchtlinge mischen, sind apokryph.

    Auf seinem Totenbett wurde Niccolö Machiavelli bedrĂ€ngt, den Teufel und all dessen Werke zu verfluchen „Dies ist nicht der Zeitpunkt, sich Feinde zu machen“, erwiderte er, lehnte sich in sein Kissen zurĂŒck und verschied. Der Hergang ist so nicht verbĂŒrgt, die Anekdote apokryph.
    Die Zeit (1984), Der FĂŒrst, 1.6.1984 Nr. 23.

  • affektiert

    Das Adjektiv affektiert bedeutet „gekĂŒnstelt“, „geziert“ und beschreibt das Verhalten einer Person als unnatĂŒrlich auf eine leicht theatralische Weise.

    Ziel der Affektiertheit ist meist, einen positiven Eindruck auf andere zu machen, was ob der UnnatĂŒrlichkeit des daraus resultierenden Verhaltens allerdings nicht gelingt.

    Der Ursprung des Begriffs liegt im lateinischen affectare (nach etwas streben, nach etwas trachten). Im Deutschen tauchte er zunĂ€chst als Verb „(sich) affektieren“ auf, aus dem sich das heute gebrĂ€uchlichere, hier beschriebene Adjektiv ergab.

    Er gab sich beim ersten Treffen mit den Eltern seiner Verlobten affektiert und machte damit sofort einen unsympathischen Eindruck auf seinen Schwiegervater in spe.

    Einen schlechten Redner erkennt man unter anderem an einem Übermaß an affektierten Gesten.

  • Hybris

    Das Substantiv Hybris bedeutet „Übermut“, „Hochmut“,“SelbstĂŒberhebung“ oder „Vermessenheit“, insbesondere gegenĂŒber Göttern oder göttlichen Wesen. In der Mythologie erfolgte auf die Hybris meist eine göttliche Bestrafung. Inzwischen wird das Wort jedoch generell als Synonym fĂŒr die genannten Bedeutungen benutzt, wobei der Begriff Hybris das moralisch Verwerfliche besonders betont.

    Das Wort ist dem Griechischen entnommen, in dem hybris neben den genannten Bedeutungen auch fĂŒr „Frevel“ steht.

    FĂŒr ihre Hybris, sich ĂŒber die Titanin Leto zu stellen, musste die Königin Niobe aus der griechischen Mythologie mit dem Leben ihrer Kinder und ewiger Verdammung bezahlen.

    Die Annahme der Unsinkbarkeit der Titanic ist bis heute ein Inbegriff menschlicher Hybris gegenĂŒber der Natur.

  • probat

    Das Adjektiv probat bedeutet „bewĂ€hrt“, „erprobt“ oder „geeignet“ und beschreibt in erster Linie Maßnahmen, Methoden, Mittel und Wege als (erfahrungsgemĂ€ĂŸ) tauglich und angemessen.

    Der Begriff findet seinen Ursprung im lateinischen probare (prĂŒfen, fĂŒr gut befinden).

    Eisbeutel im Nacken sind ein probates Mittel, um selbst an den heißesten Sommertagen dem Hitzschlag zu entgehen.

    Als probate Maßnahmen bei Verbrennungen durch Quallen haben sich heißes Wasser und Essig erwiesen.

    Sir Maynard Keynes […] sah im so genannten Deficit Spending in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein durchaus probates Mittel der Politik: Um der schwĂ€chelnden privaten Nachfrage auf die SprĂŒnge zu helfen und die Wirtschaff anzukurbeln, soll der Staat laut seiner Theorie sogar in die Bresche springen, auch wenn er sich dafĂŒr verschulden muss.
    Ralf Grötker (2006), Bankrott ist machbar, brand eins 07/2006.

  • KausalitĂ€t

    Das Substantiv KausalitĂ€t bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch und speziell in der Philosophie den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung. Synonym zu KausalitĂ€t ist „UrsĂ€chlichkeit“.

    Einfaches Beispiel: Weil es geregnet hat, sind die Straßen nass.

    Im Strafrecht bezeichnet KausalitÀt zudem den Zusammenhang zwischen der Handlung des TÀters und dem Erfolgseintritt. Das Resultat wÀre ohne die Handlung des TÀters nicht eingetreten. (Siehe auch: Conditio-sine-qua-non)

    KausalitÀt wurde im 18. Jahrhundert aus dem gleichbedeutenden mittellateinischen causalitas entlehnt.

    Manche Menschen sehen in ihrem Handeln und den logischen Konsequenzen keine KausalitÀt. Sie begehen immer wieder die gleichen Fehler und sind sich keiner Schuld bewusst.

    „Unternehmen leben von der Differenz, davon, dass sie eben nicht so sind wie der Wettbewerb. Und dann holen sie sich Berater, die nach Mustern suchen und auch so arbeiten, die in unterschiedlichen Unternehmen die immer gleichen KausalitĂ€ten herstellen und am Ende einen Standard empfehlen.“ Die unausbleibliche Folge: Statt Differenz als wichtigstem Betriebsmittel kehre die Norm ein.
    Wolf Lotter, Der Maßstab, Brandeins 10/2013

    Nun wird nach zehn Jahren beobachtet, dass die Probanden mit dem höchsten Bananenverzehr am lĂ€ngsten leben. Und wenn dann Korrelationen zu KausalitĂ€ten umgedeutet werden, lautet die nĂ€chste Schlagzeile: „Bananen verlĂ€ngern das Leben.“
    Uwe Knop, Gut und Böse, Brandeins 07/2014

     

  • Ressentiment

    Ressentiment (das) bedeutet „heimlicher Groll“. Die Aussprache folgt dem französischen Vorbild.

    Hat jemand Ressentiments gegenĂŒber einer Sache oder einer Person beziehungsweise Personengruppe, so verspĂŒrt er eine unterschwellige, manchmal auch unbewusste Abneigung. Diese Abneigung hat ihren Ursprung meist in Vorurteilen, Neid, UnterlegenheitsgefĂŒhlen oder Ähnlichem. Das Wort wird hĂ€ufig im Plural verwendet.

    Der Begriff entstammt dem gleichbedeutenden französischen ressentiment.

    Ich habe sehr unter der Wirtschaftskrise gelitten. Man konnte ja kaum aus seinem Porsche aussteigen, ohne den Ressentiments der Passanten ausgesetzt zu sein.

    Asylbewerber treffen in Deutschland vielerorts auf Ressentiments, Misstrauen und offen zur Schau getragenen Hass.

    Die Rechnung, mit von fremdenfeindlichen Ressentiments geprĂ€gtem Wahlkampf in der Gunst der WĂ€hler zu steigen, ging nicht auf und fĂŒhrte stattdessen zu einem Erdrutschsieg seines Kontrahenten.