Das Substantiv Enshittification (die) bezeichnet den „systematischen Qualitätsverfall digitaler Plattformen“, der nicht aus Unfähigkeit entsteht, sondern aus der bewussten Entscheidung, Gewinne über den Nutzen der Anwendenden zu stellen.
Der Begriff beschreibt ein wiederkehrendes Muster:
- Zunächst bieten Plattformen wie soziale Netzwerke, Suchmaschinen oder Online-Marktplätze einen hervorragenden Dienst an, um möglichst viele Nutzende zu gewinnen.
- Sobald diese an die Plattform gebunden sind, verschiebt sich der Fokus: Die Plattform beginnt, Werbekunden und Geschäftspartner zu bevorzugen, oft auf Kosten der Nutzererfahrung.
- Im letzten Schritt werden auch die Geschäftspartner schlechter gestellt, um den Gewinn für die Aktionäre zu maximieren. Am Ende verlieren alle außer der Plattform selbst.
Die Folgen dieser Entwicklung sind im Alltag spürbar: mehr Werbung, weniger nützliche Suchergebnisse, versteckte Funktionen hinter Bezahlschranken, aufdringliche Benachrichtigungen und Algorithmen, die nicht mehr zeigen, was man sehen möchte, sondern was den meisten Umsatz bringt.
Im Deutschen gibt es bislang keine etablierte Übersetzung. Vorgeschlagen wurden unter anderem „Plattformverfall“ und „Verscheißerung“. Keine der Varianten hat sich bisher klar durchgesetzt.
Hintergrund
Das Wort wurde 2022 vom kanadischen Autor und Netzaktivisten Cory Doctorow geprägt. Es setzt sich zusammen aus dem englischen Präfix en- (hinein, werden lassen) und shittification, einer Ableitung von shit (Mist, Scheiße). Doctorow wählte den bewusst derben Ausdruck, um die Dreistigkeit des beschriebenen Vorgangs sprachlich zu unterstreichen. Die American Dialect Society kürte Enshittification 2023 zum Wort des Jahres.
Im Oktober 2025 erschien Doctorows gleichnamiges Buch, das den Begriff weiter in die öffentliche Debatte trug.
Aussprache
Lautschrift (IPA): [ɛnˈʃɪtɪfɪˌkeɪʃən]
Verwendungsbeispiele
Wer sich fragt, warum die Google-Suche nicht mehr so gute Ergebnisse liefert wie früher, stößt schnell auf den Begriff Enshittification.
Die Enshittification von Instagram lässt sich an einem einfachen Detail ablesen: Der Feed zeigt längst nicht mehr die Beiträge der Accounts, denen man folgt, sondern das, was maximales Engagement erzeugt oder wofür Werbetreibende bezahlen.
Viele sehen in der zunehmenden Enshittification großer Plattformen ein Argument für dezentrale Alternativen wie das Fediverse.
Das Konzept der Enshittification lässt sich längst nicht mehr nur auf Tech-Konzerne anwenden. Auch Streamingdienste, Buchungsportale und Lieferdienste folgen dem gleichen Muster.
„Enshittification“ klingt bewusst unhöflich, und genau das ist der Punkt: Der Begriff soll deutlich machen, dass es sich nicht um einen Zufall handelt, sondern um eine Entscheidung.
