Das Verb grassieren bedeutet „um sich greifen“, „sich ausbreiten“ oder „wüten“.
Grassieren beschreibt die rasche, unkontrollierte Ausbreitung von etwas Unerwünschtem.
Ursprünglich wurde das Wort fast ausschließlich für Seuchen und Krankheiten verwendet: Die Pest grassiert, eine Grippewelle grassiert. In diesem Zusammenhang begegnet es den meisten Menschen auch heute noch am häufigsten.
Inzwischen wird grassieren aber auch im übertragenen Sinne verwendet, etwa für Gerüchte, Korruption, Angst oder Unsicherheit. Wenn etwas grassiert, dann breitet es sich wie eine Krankheit aus: schnell, flächendeckend und schwer einzudämmen. Diese Nähe zur Seuchen-Metapher gibt dem Wort seinen bedrohlichen Unterton.
Hintergrund
Das Wort wurde im 16. Jahrhundert aus dem lateinischen grassari (losschreiten, wüten, hart zu Werke gehen) entlehnt. Grassari ist die verstärkte Form (das sogenannte Intensivum) von gradi (schreiten). In dem Wort steckt also das Bild eines aggressiven Umherschreitens, eines Übels, das zunehmend durch die Straßen marschiert.
Die ersten deutschen Belege verwenden grassieren fast ausschließlich in Verbindung mit der Pest.
Verwandt ist auch das Wort Grad, das auf das lateinische gradus (Schritt, Stufe) zurückgeht, welches ebenfalls von gradi abstammt.
Aussprache
Lautschrift (IPA): [ɡʁaˈsiːʁən]
Verwendungsbeispiele
Im Mittelalter grassierten Pest und Cholera in den europäischen Städten und rafften ganze Bevölkerungen dahin.
In den sozialen Medien grassieren seit Kriegsbeginn Desinformation und manipulierte Videos in hohem Ausmaß.
Die Angst vor steigenden Energiepreisen grassiert in der gesamten Branche.
Korruption grassierte auf allen Ebenen der Verwaltung, ohne dass jemand ernsthaft dagegen vorging.
Jedes Jahr aufs Neue grassieren im Winter Erkältungswellen, die Schulen und Büros gleichermaßen lahmlegen.
