• errare humanum est

    Die Redewendung errare humanum est bedeutet „Irren ist menschlich“.

    Sie stammt aus dem Lateinischen und setzt sich zusammen aus errare „sich täuschen“, humanus „menschlich“ und esse“ sein.

    Der Ursprung der Redewendung liegt in den Schriften des Theologen und Kirchenvaters Sophronius Eusebius Hieronymus (Hieronymus; Seneca, Epistulae morales VI,57,12; Cicero, Orationes Philippicae 12,2), in denen es wie folgt heißt:

    „Errare humanum est, sed in errare perseverare diabolicum.“
    (Irren ist menschlich, aber im Irrtum zu verharren ist teuflisch.)

    Heutzutage wird nur noch das verkürzte Sprichwort genutzt, um zu verdeutlichen, dass Fehler im Menschsein verankert und somit natürlich sind.

    Lehrerin: „Was hast du da wieder für einen Blödsinn geschrieben?“
    Schüler: „Ja sorry, errare humanum est.“

    Wenn der Böse nur Böses vorhätte, wäre er noch ein Mensch, würde er dabei – errare humanum est – auch einen Fehler machen. Also wäre die Achillesferse des Bösen, dass im doch etwas Gutes unterläuft.
    – Ralph Geisenhanslüke, DIE ZEIT, 25.03.2004 Nr. 14

  • apokryph

    Das Adjektiv apokryph bedeutet „nicht anerkannt“, „zweifelhaft“.

    Als apokryph wurden zunächst die Apokryphen bezeichnet, also Texte mit christlichen Inhalten, die aber nicht in den Bibelkanon aufgenommen wurden. Inzwischen kann der Begriff auch verwendet werden, um andere Arten von Texten und Aussagen zweifelhaften Ursprungs oder zweifelhaften Inhalts zu beschreiben.

    Ursprung ist das altgriechische apokryphos (verborgen).

    Bisherige Berichte über IS-Terroristen, die sich unter die syrischen Flüchtlinge mischen, sind apokryph.

    Auf seinem Totenbett wurde Niccolö Machiavelli bedrängt, den Teufel und all dessen Werke zu verfluchen „Dies ist nicht der Zeitpunkt, sich Feinde zu machen“, erwiderte er, lehnte sich in sein Kissen zurück und verschied. Der Hergang ist so nicht verbürgt, die Anekdote apokryph.
    Die Zeit (1984), Der Fürst, 1.6.1984 Nr. 23.

  • affektiert

    Das Adjektiv affektiert bedeutet „gekünstelt“, „geziert“ und beschreibt das Verhalten einer Person als unnatürlich auf eine leicht theatralische Weise.

    Ziel der Affektiertheit ist meist, einen positiven Eindruck auf andere zu machen, was ob der Unnatürlichkeit des daraus resultierenden Verhaltens allerdings nicht gelingt.

    Der Ursprung des Begriffs liegt im lateinischen affectare (nach etwas streben, nach etwas trachten). Im Deutschen tauchte er zunächst als Verb „(sich) affektieren“ auf, aus dem sich das heute gebräuchlichere, hier beschriebene Adjektiv ergab.

    Er gab sich beim ersten Treffen mit den Eltern seiner Verlobten affektiert und machte damit sofort einen unsympathischen Eindruck auf seinen Schwiegervater in spe.

    Einen schlechten Redner erkennt man unter anderem an einem Übermaß an affektierten Gesten.

  • Hybris

    Das Substantiv Hybris bedeutet „Übermut“, „Hochmut“,“Selbstüberhebung“ oder „Vermessenheit“, insbesondere gegenüber Göttern oder göttlichen Wesen. In der Mythologie erfolgte auf die Hybris meist eine göttliche Bestrafung. Inzwischen wird das Wort jedoch generell als Synonym für die genannten Bedeutungen benutzt, wobei der Begriff Hybris das moralisch Verwerfliche besonders betont.

    Das Wort ist dem Griechischen entnommen, in dem hybris neben den genannten Bedeutungen auch für „Frevel“ steht.

    Für ihre Hybris, sich über die Titanin Leto zu stellen, musste die Königin Niobe aus der griechischen Mythologie mit dem Leben ihrer Kinder und ewiger Verdammung bezahlen.

    Die Annahme der Unsinkbarkeit der Titanic ist bis heute ein Inbegriff menschlicher Hybris gegenüber der Natur.

  • probat

    Das Adjektiv probat bedeutet „bewährt“, „erprobt“ oder „geeignet“ und beschreibt in erster Linie Maßnahmen, Methoden, Mittel und Wege als (erfahrungsgemäß) tauglich und angemessen.

    Der Begriff findet seinen Ursprung im lateinischen probare (prüfen, für gut befinden).

    Eisbeutel im Nacken sind ein probates Mittel, um selbst an den heißesten Sommertagen dem Hitzschlag zu entgehen.

    Als probate Maßnahmen bei Verbrennungen durch Quallen haben sich heißes Wasser und Essig erwiesen.

    Sir Maynard Keynes […] sah im so genannten Deficit Spending in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein durchaus probates Mittel der Politik: Um der schwächelnden privaten Nachfrage auf die Sprünge zu helfen und die Wirtschaff anzukurbeln, soll der Staat laut seiner Theorie sogar in die Bresche springen, auch wenn er sich dafür verschulden muss.
    Ralf Grötker (2006), Bankrott ist machbar, brand eins 07/2006.

  • Kausalität

    Das Substantiv Kausalität bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch und speziell in der Philosophie den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung. Synonym zu Kausalität ist „Ursächlichkeit“.

    Einfaches Beispiel: Weil es geregnet hat, sind die Straßen nass.

    Im Strafrecht bezeichnet Kausalität zudem den Zusammenhang zwischen der Handlung des Täters und dem Erfolgseintritt. Das Resultat wäre ohne die Handlung des Täters nicht eingetreten. (Siehe auch: Conditio-sine-qua-non)

    Kausalität wurde im 18. Jahrhundert aus dem gleichbedeutenden mittellateinischen causalitas entlehnt.

    Manche Menschen sehen in ihrem Handeln und den logischen Konsequenzen keine Kausalität. Sie begehen immer wieder die gleichen Fehler und sind sich keiner Schuld bewusst.

    „Unternehmen leben von der Differenz, davon, dass sie eben nicht so sind wie der Wettbewerb. Und dann holen sie sich Berater, die nach Mustern suchen und auch so arbeiten, die in unterschiedlichen Unternehmen die immer gleichen Kausalitäten herstellen und am Ende einen Standard empfehlen.“ Die unausbleibliche Folge: Statt Differenz als wichtigstem Betriebsmittel kehre die Norm ein.
    Wolf Lotter, Der Maßstab, Brandeins 10/2013

    Nun wird nach zehn Jahren beobachtet, dass die Probanden mit dem höchsten Bananenverzehr am längsten leben. Und wenn dann Korrelationen zu Kausalitäten umgedeutet werden, lautet die nächste Schlagzeile: „Bananen verlängern das Leben.“
    Uwe Knop, Gut und Böse, Brandeins 07/2014

     

  • kontemplativ

    Das Adjektiv kontemplativ bedeutet „beschaulich“, „untätig“ oder „besinnlich“.

    Eine kontemplative Stimmung ist dabei von ruhigem, fast meditativem Charakter geprägt und eine Zeit der Besinnung und Beschäftigung mit geistigen Inhalten.

    Der Ursprung des Wortes liegt im lateinischen contemplativus (beschaulich, betrachtend, theoretisch).

    Er ist eher kontemplativer Natur, kein extrovertierter Draufgänger, sondern in sich gekehrt und oft in Gedanken versunken.

    Für die einen ist der eigene Geburtstag stets von ausgelassenem Feiern begleitet, für die anderen ein Anlass zu kontemplativem Rückzug.

    Ein kurzer Besuch im Karstadt-Kaufhaus in Hamburgs Innenstadt macht sicher. In den oberen Etagen herrscht, wenige Tage nach Ende des Winterschlussverkaufs, eine kontemplative Stimmung. Einige wenige Kunden stehen lustlos zwischen den Angeboten herum.
    Wolf Lotter (2003), Wert-Arbeit, brand eins 02/2003.

  • salomonisch

    Das Adjektiv salomonisch bedeutet „weise“ und beschreibt etwa besonders kluge, umsichtige und durchdachte Lösungen, Urteile etc.

    Der Begriff leitet sich aus dem Namen des biblischen Königs Salomo ab, dem damaligen Herrscher über Israel. Beispielhaft für seine göttliche Weisheit gilt folgende Geschichte:

    Zwei Frauen in Begleitung eines Kindes traten vor den König Salomo und behaupteten jeweils, es sei das eigene. Salomo befahl daraufhin, das Kind zu zerschneiden und jeder Frau eine Hälfte zu geben, was die Zustimmung der einen Frau fand, die der anderen das Kind nicht gönnen wollte. Die andere bat jedoch, das Kind am Leben zu lassen und es der ersten Frau zu geben. Der König befand, die wahre Mutter müsse diejenige sein, der am Leben des Kindes mehr lag als am eigenen Gewinn.

    Er hat den salomonischen Weg gewählt und einen Vorteil für alle Vertragspartner herausgeholt.

    Ihre salomonische Antwort lautete: Beide haben Recht, auf ihre jeweils eigene Weise.

  • Ressentiment

    Ressentiment (das) bedeutet „heimlicher Groll“. Die Aussprache folgt dem französischen Vorbild.

    Hat jemand Ressentiments gegenüber einer Sache oder einer Person beziehungsweise Personengruppe, so verspürt er eine unterschwellige, manchmal auch unbewusste Abneigung. Diese Abneigung hat ihren Ursprung meist in Vorurteilen, Neid, Unterlegenheitsgefühlen oder Ähnlichem. Das Wort wird häufig im Plural verwendet.

    Der Begriff entstammt dem gleichbedeutenden französischen ressentiment.

    Ich habe sehr unter der Wirtschaftskrise gelitten. Man konnte ja kaum aus seinem Porsche aussteigen, ohne den Ressentiments der Passanten ausgesetzt zu sein.

    Asylbewerber treffen in Deutschland vielerorts auf Ressentiments, Misstrauen und offen zur Schau getragenen Hass.

    Die Rechnung, mit von fremdenfeindlichen Ressentiments geprägtem Wahlkampf in der Gunst der Wähler zu steigen, ging nicht auf und führte stattdessen zu einem Erdrutschsieg seines Kontrahenten.

  • diametral

    Das Adjektiv diametral bedeutet bildungssprachlich „entgegengesetzt“ und beschreibt damit Sachverhalte, Argumente, Aussagen, Positionen etc., die in ganz und gar gegensätzlichem Verhältnis zueinander stehen, d.h. völlig verschieden sind.

    Häufig gebraucht wird die Phrase „diametral entgegengesetzt“, die nicht unbedingt pleonastischen, sondern eher betonenden Charakter hat. Stilistisch ist sie ob ihres inflationären Gebrauchs dennoch von zweifelhafter Güte.

    Speziell in der Mathematik beschreibt der Ausdruck Punkte auf dem äußeren Rand einer geometrischen Figur, deren Verbindungslinie zum einen durch den Mittelpunkt der Figur geht und zum anderen den maximal möglichen Abstand zweier Punkte innerhalb der Grenzen der Figur darstellt. Das einfachste Beispiel dafür sind zwei Punkte, die sich auf dem Durchmesser eines Kreises gegenüberliegen.

    Die Herkunft des deutschen Begriffs liegt im spätlateinischen diametralis (zum Durchmesser gehörend) und geht auf das gleichbedeutende griechische diametros zurück.

    Die Arbeit der Regierungskoalition verlief bisher sehr harmonisch. Bezüglich der aktuellen Frage führen die diametralen Positionen der beiden Parteien jedoch zu langwierigen Verhandlungen, deren Ende bisher nicht in Sicht ist.

    Was Bier betrifft, haben meine süddeutschen Freunde und ich diametrale Präferenzen.

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