• Mischpoke

    Das Substantiv Mischpoke (die) bedeutet „Familie“, „Verwandtschaft“ oder beschreibt eine „familienähnliche Gemeinschaft“ sowie „üble Gesellschaft“. Weitere, korrekte Schreibweisen des Wortes lauten Mischpoche und Muschpoke.

    Meist wird der Begriff in der Umgangssprache abwertend genutzt, was aber nicht für den wertfreien, hebräischen Ursprung mišpāḥā(h) (Familie, Verwandtschaft) gilt. Aus dem Westjiddischen gelang das Wort über das Rotwelsche in die deutsche Sprache.

    Hoffentlich kommt er alleine. Wenn er seine ganze Mischpoke mitbringt, verdirbt das den ganzen Abend.

    Netanjahu beschwor die israelisch-amerikanische Freundschaft und sagte, seine Rede sei keinesfalls gegen Präsident Barack Obama gerichtet. „Israel und Amerika sind mehr als Freunde, sie sind eine Familie, beinahe Mischpoke.“ – Rede vor US-Kongress nicht gegen Obama gerichtet, welt.de, 02.03.2015

     

  • kumulieren

    Der Begriff kumulieren bedeutet im Allgemeinen „anhäufen“, „ansammeln“ oder „summieren“.

    Im politischen Sprachgebrauch bezeichnet kumulieren aber auch die Verteilung mehrerer Stimmen auf einen Kandidaten in einem Mehrstimmenwahlsystem (Gegenstück des Kumulierens ist das Panaschieren).

    Der Ursprung des Wortes liegt im lateinischen cumulare  (anhäufen, auftürmen, überhäufen).

    Durch seinen ausschweifenden Lebensstil kumulierte er in den letzten Jahren eine ungeheure Menge an Schulden, die er ohne Unterstützung nicht bewältigen kann.

    Im Gegensatz zum Wahlsystem mit starren Listen besitzt der einzelne Wähler so viele Stimmen, wie Kandidaten zu wählen sind. Er darf nicht nur einzelne Kandidaten aus den Vorschlagslisten herausstreichen, sondern andere mit bis zu drei Stimmen besonders hervorheben, er kumuliert. Der Wähler panaschiert, wenn er seine Stimmen auf Kandidaten in verschiedenen Listen verteilt.
    – Rudolf Arend, Bürger und kommunale Selbstverwaltung in Nordrhein-Westfalen seit 1945, Seite 183, Internationaler Verlag der Wissenschaften 2010

  • Hedonismus

    Hedonismus ist allgemein das Streben nach Genuss oder Sinneslust. Alltagssprachlich ist der Gebrauch oft eher abwertend und meint eine egoistische, nach kurzfristigem Genuss strebende Lebensführung.

    Der Hedonismus als philosophische Strömung geht darüber hinaus. Zusammengefasst geht es dabei um das Streben nach einem angenehmen Glückszustand. Die antiken Philosophen beschreiben diesen Glückszustand als Ataraxie, die vollkommene Seelenruhe.

    Bei Aristippos, einem Zeitgenossen von Sokrates, stehen dabei momentaner Lustgewinn und Schmerzvermeidung im Zentrum, jeweils als Übergangszustand zur Seelenruhe. Er unterscheidet nicht zwischen verschiedenen Lüsten.

    Epikur geht es später eher um langfristige Lebensplanung und Aufrechterhalten der Seelenruhe als höchstem Glückszustand. Er unterscheidet dazu auch zwischen vernünftigen und unvernünftigen Genüssen. Letztere bringen einen kurzfristigen Lustgewinn, wirken sich aber langfristig negativ auf die Seelenruhe aus. Dazu gehören etwa der ungezügelte Konsum von Drogen, Lustgewinn auf Kosten anderer oder übermäßiges Essen.

    Hedonismus stammt von dem griechischen Wort hēdonē ab, welches für Vergnügen, Lust und Freude steht.

    Für den Sonnenkönig Ludwig von Bayern war Hedonismus ein Lebensprinzip.

    Begründer des Hedonismus ist der griechische Philosoph Aristippos von Kyrene.

  • Sakrileg

    Der Begriff Sakrileg (das) bezeichnet ursprünglich die Entweihung von Heiligtümern und geweihten Personen durch Angriffe, Schändung, Raub oder Missbrauch.

    Mittlerweile kann der Begriff auch losgelöst vom religiösen Kontext verwendet werden. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist ein Sakrileg heute ein Vergehen oder ein Frevel gegen Personen. Auch das Missbrauchen, Verunstalten oder Beleidigen von Systemen, Gegenständen oder Stätten kann als Sakrileg bezeichnet werden.

    Sakrileg ist weiterhin der Titel eines Romans von Dan Brown. Protagonist ist wie schon im Vorgänger „Illuminati“ der Professor Robert Langdon.

    Seinen Ursprung findet der Begriff im lateinischen sacrilegium (Tempelraub), das sich zusammensetzt aus sacra (Heiliges) und legere (auflesen, stehlen).

    Beispiele

    Einen hochkarätigen Manager aus der Finanzbranche, also einen Nicht-Mediziner, als oberstes Entscheidungs- und Leitungsorgan des Krankenhauses einzusetzen, empfanden viele Mitarbeiter als Sakrileg.

    So mancher Tourist in Italien schlürft zum Abendessen gerne seinen Cappuccino. Für die Italiener das reinste Sakrileg.

    Für die meisten Konzernchefs in Deutschland kommt es schon einem Sakrileg gleich, wenn ihre Mitarbeiter hin und wieder zu Hause arbeiten. Und sie spendieren ihren Angestellten auch mal einen Kreativ-Workshop am Wochenende – am Montag ist der Spaß dann wieder vorbei. Dann riskieren die, die ernst nehmen, was für die Hierarchieträger nur Spaß ist, Kopf und Kragen. Wer kreativ, sozial verantwortlich und Risiken nicht scheuend handelt, begeht karrieretechnisch Selbstmord. Lahme fordern auf zum 100-Meter-Sprint, Blinde empfehlen sich als Fahrlehrer.
    Wolf Lotter (2007), Die Gestörten, brand eins 05/2007. 

  • in puncto

    Der Begriff in puncto bedeutet „hinsichtlich“, „in Bezug auf“. Er hat seinen Ursprung im lateinischen punctum (Punkt).

    Ein altes Sprichwort lautet in puncto puncti sexti, also „hinsichtlich des sechsten Gebots“  bzw.  „die Keuschheit betreffend“.

    Beispiele

    Er war ziemlich nachlässig in puncto Ordnung und Sauberkeit, was für eklatanten Dissens in der Wohngemeinschaft sorgte.

    In puncto Sprachgewandtheit machte ihr niemand etwas vor.

    Deutsche Automobilhersteller haben in puncto Qualität auf dem Weltmarkt einen exzellenten Ruf, was sich auch bei den Exportzahlen bemerkbar macht.

    In puncto Glamour und Drama können Indexfonds natürlich nicht mithalten mit den Hedgefonds.
    – Heike Buchter, Arme Zocker!, Zeit Online, 18.06.2015

  • diskriminieren

    Das Verb diskriminieren bedeutet „benachteiligen“, „herabwürdigen“ oder „unterscheiden“ (Fachsprache).

    Es wird meistens in Zusammenhang mit Bevölkerungsgruppen oder Einzelpersonen, die sich in der Minderheit befinden und in der Gesellschaft aufgrund ihrer Zugehörigkeit oder ihres Geschlechts Beeinträchtigungen erfahren müssen, verwendet.

    Ursprünglich stammt diskriminieren vom lateinischen discriminare (unterscheiden) ab.

    Ausländer haben bei weitem nicht die gleichen Bildungschancen wie Einheimische. Sie werden eindeutig diskriminiert.

    Eine Straßennutzungsgebühr ist nur dann EU-rechtskonform, wenn sie nicht aufgrund der Staatsangehörigkeit diskriminiert. – EU-Verkehrskommissarin Violetta Bulc

    Auf diese Weise können alle Photonen, die bereits einer Wechselwirkung mit Energieverlust unterlagen, von primären Photonen diskriminiert werden. – Krieger/Petzold, Strahlenphysik, Dosimetrie und Strahlenschutz, B.G. Teubner Stuttgart 1992

  • orgiastisch

    Das bildungssprachliche Adjektiv orgiastisch bedeutet „zügellos“ oder „hemmungslos“.  Als Synonyme zu orgiastisch sind die Adjektive „disziplinlos“, „enthemmt“ oder „unmäßig“ verwendbar.

    Das Adjektiv ist eine Ableitung des Stammes Orgie mit dem Ableitungsmorphemen –ast und –isch.

    Die Atmosphäre bei der Feier war nahezu orgiastisch, es wurde hemmungslos gespeist, getrunken und getanzt.

    Seine orgiastische Lebensweise kostet ihn seine sämtlichen Geldreserven.

    Auch Scorsese klotzt erneut mit der eigenen Virtuosität und setzt The Wolf of Wall Street so manisch und orgiastisch in Szene, wie sein Held Aktien vertickt.
    Christiane Peitz, „The Wolf of Wall Street“ : Aufgebot der Alphamännchen, tagesspiegel.de, 14.01.2014

  • Faschismus

    Als Faschismus bezeichnet man heute im Allgemeinen eine nach dem Führerprinzip organisierte, nationalistische, rechtsradikale und antidemokratische Ideologie.

    Genauer kann auch eine totalitäre Herrschaftsform nach dem Vorbild des italienischen Faschismus des frühen 20. Jahrhunderts gemeint sein. Der italienische Faschismus steht für das von Ministerpräsident Mussolini errichtete Herrschaftssystem, mit dem Mussolini von 1922-1945 in Italien regierte.

    Der Ursprung des Substantivs ist auf das italienische fascio, beziehungsweise das lateinische facis („Bündel“), zurückzuführen. Diese namensgebenden „Bündel“, bestehend aus Ruten und einem Beil, wurden im Römischen Reich als Symbole und Erkennungszeichen großer Macht getragen.

    Faschismus wird von ihr stark verurteilt, diese Einstellung lässt sich vor allem durch ihre Familienhistorie erklären.

    Der Entwickler erklärt in seiner Anwendung, diese habe keinen politischen Hintergrund. Es handle sich um ein historisches Dokument für das Gerät. Die Benutzer fordert er auf, Kommentare zu unterlassen, die den Faschismus verherrlichen – mit dem Hinweis, dass dies strafbar ist.
    Andrea Bachstein, Mussolini-App: Angewandter Faschismus, Sueddeutsche.de, 17.05.2010.

  • Philister

    Philister bedeutet heute abwertend „Spießbürger“ im Sinne eines kleinbürgerlich-engstirnigen Menschen.

    Im Sprachgebrauch von Studentenverbindungen auch „alter Herr“, also jemand, der das Studium abgeschlossen hat und nun berufstätig ist.

    Der Begriff leitet sich vom Volk der Philister ab, das im 12. Jahrhundert v. Chr. die Küste des damaligen Palästinas bewohnte. Legendär ist die biblische Geschichte vom Krieg der Israeliten gegen die Philister, währenddessen David, der zukünftige König Israels, gegen den riesigen Philisterkrieger Goliath antrat und ihn schließlich mit einer Steinschleuder besiegte.

    Wie der Begriff nun zu seiner heutigen Bedeutung im deutschen Sprachgebrauch gekommen ist, ist ungewiss. Man vermutet einen ersten Gebrauch in diesem Sinne im 16. Jahrhundert, zunächst im studentischen Umfeld. Später machten die Autoren der Romantik den Philister, also den engstirnigen, kleingeistigen Spießbürger ohne besondere geistige Bedürfnisse, zu ihrem erklärten kulturellen Feindbild.

    Der Philister hat keine sozialen Eigenschaften, keine Idee von den wichtigsten menschlichen Dingen. Er weiß nicht, wie es draußen in der großen Welt zugeht; aber er hat Kaprizen für allerlei Kleinigkeiten, viel Sonderbares; und er ist ein Freund des Barocken. Ist er gelehrt, so weiß er am besten Bescheid in jenen Gegenden der Wissenschaft, wo die Motten anfangen.
    – Arthur Schurig (1928), Der vollkommene Spießbürger.

    Das sind die Philister unserer Zeit, deren liebstes Reiseziel der eigene, von Gartenzwergen bewachte Schrebergarten mit den schnurgeraden Karottenreihen ist.

  • kollektiv

    Das Adjektiv kollektiv bedeutet „gemeinschaftlich“ bzw. „mit vielen Personen zusammen“.

    Häufig wird es in Zusammenhang mit Begriffen wie „Gedächtnis“ (historische Geschehnisse), „Interessen“ (Politik) oder „Bewusstsein“ (analytische Psychologie) verwendet:

    • kollektives Gedächtnis
    • kollektive Interessen
    • kollektives Bewusstsein

    Der Begriff geht auf das lateinische collectivus (angesammelt) zurück.

    Die Geschehnisse des 2. Weltkriegs sind verankert im kollektiven Gedächtnis der gesamten Nation.

    Und so warnt der französische Währungskommissar Moscovici: „Ein „Grexit“ wäre ein schrecklicher kollektiver Fehler.“ – Zeit Online, Analyse „Grexit“ ist in Brüssel kein Thema mehr, 07.07.2015

    Kollektives Handeln ist in unserem Unternehmen unabdingbar, um die gesteckten Ziele zu erreichen.

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