• pejorativ

    Das Adjektiv pejorativ bedeutet „abwertend“. Es wird insbesondere in der Sprachwissenschaft verwendet, um auszudrücken, dass Begriffe, Ausdrücke oder Redewendungen mit negativer Bedeutung behaftet sind.

    Synonyme zu pejorativ sind unter anderem „abfällig“, „abschätzig“, „abwertend“ oder „geringschätzig“.

    Das Adjektiv ist auf das lateinische peioratum, zu peiorare (verschlechtern) zurückzuführen.

    Verwöhnt von urbanen Nachtclubs mit erstklassigen DJs, erlesenem Publikum und exquisiter Getränkeauswahl, war sie von der kleinstädtischen Disko mehr als gelangweilt. „Provinz-Schuppen“ war noch der freundlichste, pejorative Ausdruck, der im Laufe des Abends über ihre Lippen ging.

    Der Begriff „Stadttheater“ wurde seit den 68ern immer gerne pejorativ verwendet – als kulturbürgerliche Institution des bloß schönen Scheins, der Routine und des Kunsthandwerks. Das war schon immer kokett.
    Ijoma Mangold, Die singende Einkaufstüte, Zeit Online, 16.05.2013

    Theodore Roosevelt soll sie als Erster „muckraker“ genannt haben – etwa „Mist-Harker“ und pejorativ für Enthüllungsjournalisten gebräuchlich. Muckraker galten einerseits als Heroen der Aufklärung, wurden aber auch beargwöhnt, hinter jeder Kulisse Verkommenheiten zu vermuten und vor allem die üblen Seiten der Gegenwart zu beleuchten.
    Carolin Fetscher, Der Aufmacher-Macher, Zeit Online, 01.10.2012

  • Indiskutabel

    Das Adjektiv indiskutabel wird bildungssprachlich abwertend verwendet, um auszudrücken, dass etwas von vornherein unannehmbar und nicht erwägenswert ist.

    Synonyme zu indiskutabel sind beispielsweise „ausgeschlossen“, „nicht infrage kommend“, „unmöglich“ oder auch „undiskutabel“.

    „Annehmbar“, „erörterungswert“ und „diskutabel“ sind Gegenwörter zu indiskutabel.

    Das Adjektiv wird seit dem 20. Jahrhundert gebraucht. Es ist zusammengesetzt aus der verneinenden Vorsilbe in– und diskutabel, welches auf das gleichbedeutende, französische discutable zurückzuführen ist.

    Die Überschreitung der Abgabefrist ist indiskutabel – verspätete Einreichungen werden somit nicht berücksichtigt.

    Die neuen internen Lohnfestsetzungen werden von den Angestellten als indiskutabel angesehen. Inspiriert vom Rest der Republik haben die Arbeitnehmervertreter daher beschlossen, auf die Barrikaden zu gehen und zu streiken.

    Wenn erst mal die Druckmaschinen direkt in den Läden stehen, wie es die französische Kette Fnac bereits erprobt, kann theoretisch jedes Geschäft jedes Buch sofort anbieten. Nur: Die Ausstattung der Bände ist noch sehr schlicht, für Freunde von schönen Bücher sind die Ausgaben völlig indiskutabel.
    Peter Lau, Mehr Wert, Brandeins, 08/2001

  • Hommage

    Das bildungssprachliche Substantiv Hommage bezeichnet eine Veranstaltung, Darbietung oder ein Werk als Huldigung für einen Menschen.

    Eine Hommage gilt als Ehrung für eine Person, die als besonders inspirierend gilt und eine Art Vorbildfunktion inne hält. Diese Huldigungen werden insbesondere für Künstler abgehalten.

    Hommage ist vom gleichbedeutenden französischen hommage entlehnt.

    Als Hommage an den verstorbenen Schriftsteller wird jedes Jahr eine Themenwoche geplant. Programmpunkte sind unter anderem Lesungen, Ausstellungen und Bühneninszenierungen.

    Jahre später nimmt er sich die Zeit für einen ausgelassenen Spaziergang durch die Stadt, in der er aufgewachsen ist – eine Hommage an alte Zeiten.

    Erst um das Jahr 1970 wurden Computer gebaut, wie Lovelace sie in ihren Fußnoten beschrieben hatte. Doch vergessen wurde ihr Beitrag nicht. Die Computer des Pentagon werden in einer Sprache programmiert, deren Name eine Hommage an die frühe Softwareentwicklerin ist: Ada.
    Ingo Malcher, Die Zauberin der Zahlen, Brandeins, 02/2015

  • Brüskieren

    Das Verb brüskieren bedeutet, jemanden in unhöflicher, kränkender und schroffer Weise zu behandeln.

    Synonyme zu brüskieren sind „beleidigen“, „bloßstellen“, „im Innersten treffen“, „kränken“ oder der umgangssprachliche Ausdruck „vor den Kopf stoßen“.

    Brüskieren ist über das französische brusquer (sich gegenüber jemandem abweisend, schroff verhalten) herzuleiten.

    Seine ständigen, ihr Gewicht betreffenden, Macho-Sprüche brüskieren sie zutiefst.

    Der Logik der Serie zufolge müssten heute eigentlich die Chinesen die neuen globalen Kontrahenten darstellen, doch dieser Kinomarkt ist wohl zu wichtig, als dass man es sich leisten könnte, ein potenzielles Millionenpublikum zu brüskieren.
    Andreas Busche, „Stirb langsam“ ist tot, Zeit Online, 15.02.2013

    Amerika ist ein solches Gemenge aus unterschiedlichen Kulturen und Nationalitäten, dass man nie weiß, ob man auf derselben Wellenlänge ist. Deswegen beginnt man mit Persönlichem und sucht nach positiven Anknüpfungspunkten. Matsumura nennt dieses Vortasten „unstrukturierte Indirektheit“, im Gegensatz zur strukturierten Indirektheit, die er aus Japan kennt. Dort folgt das Reden um den heißen Brei traditionell festen Regeln. Einheimische kennen und befolgen sie, um ihr Gegenüber nicht zu brüskieren.
    Steffan Heuer, Immer schön freundlich, Brandeins, 09/2013

  • Nihilismus

    Das bildungssprachliche Substantiv Nihilismus bezeichnet eine Weltanschauung, die von der Nichtigkeit und Sinnlosigkeit alles Bestehenden und Seienden ausgeht. Alle positiven Zielsetzungen, Ideale und Werte werden in diesem Sinne abgelehnt, gepaart mit einer völligen Verneinung aller Normen und Werte.

    Bedeutende Vertreter des Nihilismus als philosophische Strömung sind Friedrich Nietzsche und Martin Heidegger.

    Das Wort Nihilismus ist seit dem 18. Jahrhundert belegt und auf das lateinische substantivische Pronomen nihil (nichts) zurückzuführen.

    Er rechtfertigt sein pubertierendes, notorisches Nein-Sagen mit der Begründung, Anhänger des Nihilismus zu sein.

    Es ist das wohl größte Paradoxon des Punks: Dass diese auf Nihilismus und Verneinung aufbauende Bewegung zu solch einer Eruption von Aktivität und Kreativität führt.
    Gerhard Pretting, Kultur: Manchester 1976, Brandeins, 08/2005

    Deshalb stellt sich die Schuldfrage doch anders als in der Tragödie. Denn die tragische Situation wird im Irak nicht von Göttern schicksalhaft verhängt, sondern von Terroristen gemacht. Sie wollen töten. Also sind sie schuld an den Toten. Sie stellen sich außerhalb der Moral, deshalb darf man sich von ihnen nicht zu einer moralischen Entscheidung zwingen lassen. Sonst siegt die Logik der Gewalt: Der Nihilist tötet, doch beschuldigt andere. Wer diesem Nihilismus nachgibt, wird immer der Unterlegene sein.
    Evelyn Fingern, Zweite Warnung, DIE ZEIT Nº 37/2014

  • exorbitant

    Das bildungssprachliche Adjektiv exorbitant bedeutet so viel wie „außerordentlich“, „gewaltig“, „enorm“ oder „außerhalb der Maßstäbe“.

    Gegenwörter zu exorbitant sind „üblich“ oder „normal“.

    Das Adjektiv wurde im 18. Jahrhundert aus dem Französischen entlehnt. Es ist auf das lateinische exorbitans, Partizip Präsens des Verbs exorbitare (von der Bahn, vom rechten Weg abweichen), zu lateinisch orbita (Orbit) zurückzuführen.

    Die Zinssätze der Bank sind exorbitant hoch.

    Bei der exorbitanten Hitze fällt es den Sportlern sichtlich schwer, die angestrebten, exorbitanten Leistungen zu vollbringen.

    Unternehmen verlangen die Preise, von denen sie glauben, dass ihre Kunden sie für gerechtfertigt halten. Auf die Spitze getrieben wird dieser Mechanismus auf den Wein- und Kunstmärkten, wo sich nicht nur exorbitante Werte, sondern auch absurde Regeln eingebürgert haben.
    Harald Willenbrock, Weshalb ist ein Haarschnitt für Damen teurer als einer für Herren?, Brandeins, 02/2011

  • kommod

    Das gehobene Adjektiv kommod bedeutet „bequem“. Es ist vor allem in Österreich noch gebräuchlich.

    • Synonyme: „gemütlich“, „unkompliziert“ oder „mühelos“.
    • Gegenwörter: „inkommod“ und „unkommod“.

    Das Adjektiv ist über das französische commode, zu lateinisch commodus (angemessen, zweckmäßig, bequem), herzuleiten.

    Nach einem langen Arbeitstag fehlt ihr oftmals Lust und Elan, sich etwas zu kochen. Daher nutzt sie häufig den kommoden Weg und bestellt Gerichte bei Lieferdiensten.

    Das Schlafsofa ist hinsichtlich des Aufbaus sehr kommod und hochwertig. Sie werden die Investition garantiert nicht bereuen.

    Das Biedermeier, in dem Metternich die Bürger ermunterte, sich untereinander zu bespitzeln wie später bei Mielke – eine gemütliche Zeit. Und herrlich auch die industrielle Gründer-Ära, in der Gewalt, Schmutz, Krankheit und Armut zwar irgendwie ganz normal waren, aber sonst alles recht kommod zuging.
    Wolf Lotter, Gedächtnisspiele, Brandeins, 11/2010

  • Rekonvaleszenz

    Der medizinische Ausdruck Rekonvaleszenz bezeichnet die Periode der Genesung nach Krankheiten. Sie umfasst dementsprechend eine besondere Schonung, gute Ernährung und Vorbeugung von Rückfällen.

    Synonyme zu Rekonvaleszenz sind unter anderem „Besserung“, „Heilung“, „Heilungsprozess“, „Wiederherstellung“ oder „Regeneration“.

    Das Verb ist vom lateinischen Verb reconvalescere (gesund werden) abgeleitet.

    Infolge von etlichen Komplikationen und Begleiterkrankungen zog sich die Rekonvaleszenz über mehrere Monate hin.

    Oder ihr schreibt fünf Wochen lang, kriegt in der Zeit zwei Nervenzusammenbrüche und eine Rooibuschtee-Allergie, am Ende steht da tatsächlich ein schöner Text mit persönlichem Touch. Glückwunsch. Ihr habt eure Beeinträchtigung überwunden. Jetzt braucht ihr erst mal eine Kur. Aber riskiert in eurer Rekonvaleszenz bloß keine Lippe gegen Leute, die ihren Job im Griff haben.
    Harald Martenstein, Über einen holländischen Vielschreiber, vierzehnmal produktiver als er selbst, ZEITmagazin Nº 02/2013

    Die westdeutsch-französische Versöhnung, Charles de Gaulle und Konrad Adenauer in der Reimser Kathedrale, der Händedruck von Helmut Kohl und François Mitterrand über den Gräbern von Verdun – all das ist Nachkrieg: Rekonvaleszenz.
    Christoph Dieckmann, Keiner kommt durch, ZEIT Geschichte Nr. 01/2014

  • Improvisation

    Das Substantiv Improvisation bezeichnet die Kunst, unvorbereitet, unmittelbar und spontan etwas darzubieten oder herzustellen. Improvisationen finden meist im Theater, in der Musik, oder beim Tanz statt.

    Synonyme zu Improvisation sind „Stegreifaufführung“, „-stück“ oder „–Darbietung“.

    Improvisation ist auf das italienische Wort improvviso (unmittelbar, unvorhergesehen, unerwartet), sowie das lateinische improvisus, bestehend aus der Vorsilbe in– (hinein) und providere (vorhersehen) zurückzuführen.

    Improvisation ist alles“ dachte sie sich und verzichtete beim Backen des Kuchens auf die nach Rezept erforderlichen Eier.

    Der Open-Stage-Abend von Improvisation. Jeder darf zu einem beliebigen Zeitpunkt auf die Bühne gehen und seinen persönlichen Beitrag zu diesem einzigartigen Konzert leisten.

    Angefangen hat alles mit Fischen. Mit wenig Geld, viel Improvisation und ohne Genehmigung baute Gerold Seyfarth zu DDR-Zeiten Aquarien und verkaufte selbst gezüchtete heimische Süßwasserfische.
    Carina Pesch, Energie aus der Unterwelt, Brandeins 10/2009

  • Abstraktion

    Das bildungssprachliche Substantiv Abstraktion bezeichnet das Abstrahieren, also das Verallgemeinern, Generalisieren und Betrachten aus höheren Blickwinkeln.

    Des Weiteren kann Abstraktion auch für einen verallgemeinerten, unanschaulichen Begriff stehen.

    Synonyme zu Abstraktion sind „Reduktion“ oder „Reduzierung“.

    Das Wort ist vom gleichbedeutenden, spätlateinischen abstractio entlehnt.

    Um die Komplexität des Themas nahezubringen, erfolgt zunächst eine Abstraktion. Danach werden die Details der Thematik genauer erläutert.

    Die Ausstellung präsentiert eine ganz neue Facette des Künstlers. In seinen Gemälden vereint er nun Abstraktion und Gegenständlichkeit und weicht somit von seinem klassischen Portrait-Stil ab.

    Am Gold lässt sich auch prima der Kult ums Materielle erkennen. Was man anfassen kann, muss echt sein – und ehrlich. Echt? Während man Wissen erst mal begreifen und durch Abstraktions– und Kommunikationsarbeit in die Welt holen muss, verlangt die Zustimmung zum Materiellen nicht viel – außer der Sehnsucht nach einer Zeit, in der die Technik noch nicht alles so kompliziert gemacht hat.
    Wolf Lotter, Der Stand der Dinge, Brandeins, 12/2011

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