• larmoyant

    Das bildungssprachliche Adjektiv larmoyant bedeutet so viel wie „weinerlich“ oder „mit allzu viel Gefühl und Selbstmitleid“. Es wird häufig im abwertenden Sinne gebraucht.

    Larmoyant ein Lehnwort aus dem Französischen. Es ist auf das Verb larmoyer (weinen, jammern), eine Ableitung des französischen Substantivs larme (Träne), beziehungsweise des lateinischen lacrima (Träne), zurückzuführen.

    Er ist nicht der Typ für larmoyante, kitschige Abschiedsszenen und macht sich daher alleine auf den Weg zum Flughafen.

    Ihr larmoyantes Gerede wirkte genauso gekünstelt wie ihre hellblonden Extensions und die aufgeklebten Fingernägel. Dennoch überzeugte sie die Jury mit ihrer tragisch dargestellten Lebensgeschichte und steht nun im Finale des Wettbewerbs.

    Der Sozialstaat, so heißt es, liegt am Boden, er fliegt uns um die Ohren, er ist am Ende! Die Menschen müssen in Zukunft arbeiten, bis sie 80 sind! Sie müssen aufhören zu fordern! Sie sollen endlich der Wirklichkeit ins Gesicht sehen! All das kommt mal als larmoyante Gerechtigkeits-Rhetorik daher, dann wieder als Straf- und Drohgebärde, in deren Zentrum eine dubiose „globale Wettbewerbsfähigkeit“ steht.
    Matthias Horx, Politik des Vertrauens, Brandeins, 06/2003

  • klandestin

    Das bildungssprachliche klandestin bedeutet so viel wie „unbeobachtet“, „im Verborgenen befindlich“ oder „geheim gehalten“. Der Begriff kann sowohl als Adjektiv als auch als Adverb gebraucht werden.

    „Heimlich“, „diskret“ oder „geheim“ können als Synonyme für klandestin verwendet werden.

    Klandestin ist auf das französische clandestin, beziehungsweise das lateinische clandestinus (heimlich) zurückzuführen.

    Klandestin, ohne sich vom Gastgeber zu verabschieden, verließ er die Party.

    Allerdings beschränkten sich ihre Aktivitäten, bis auf eine Demonstration gegen „linke Gewalt“ in Lichtenberg Ende September mit 60 Teilnehmern, lediglich auf klandestin organisierte Minikundgebungen und der Teilnahme an anderen rechten Aufmärschen.
    Theo Schneider, Berlin: Neonazis wollen vor Brandenburger Tor auflaufen, Zeit Online, 12.02.2014

  • Ambivalenz

    Im Allgemeinen bezeichnet das Substantiv Ambivalenz eine Zwiespältigkeit oder Doppeldeutigkeit.

    In der Psychologie und der Psychiatrie versteht man unter Ambivalenz das Vorherrschen von inneren Spannungen, die durch das Nebeneinanderbestehen von gegensätzlichen Wünschen, Gefühlen und Vorstellungen hervorgerufen werden.

    Das Gegenwort zu Ambivalenz ist Eindeutigkeit.

    Ambivalenz stammt aus dem Lateinischen und ist zusammengesetzt aus den Wörtern ambo (beidseitig) und Valenz (Wertigkeit).

    Die vorherrschende Ambivalenz in seinen Aussagen ist zum Verrücktwerden.

    Das Krankheitsbild ist geprägt durch emotionale Ambivalenz.

    Ein Arzt ist eine fesselnde, imponierende und manchmal auch verstörende Gestalt. Kinder erleben es vermutlich besonders stark, diese Ambivalenz aus Aura und Autorität, aus Heil und Schmerzen bringend.
    Christian Weymayr, Sag mal aaaaaaah!, brandeins, 01/2013

  • respektive

    Die Konjunktion respektive  wird heute vornehmlich als Synonym zu „beziehungsweise“ verwendet, sowohl mit der Bedeutung „besser gesagt“ als auch mit der Bedeutung „im anderen Fall“. Weiterhin kann sie auch anstelle der Konjunktion „oder (auch)“ gebraucht werden.

    Der Begriff findet seine Herkunft im lateinischen respectivus (beachtenswert)

    Es gibt also drei Möglichkeiten, respektive zu verwenden, die sich am besten an Beispielen illustrieren lassen.

    In der Bedeutung „besser gesagt“ verbindet es eine Aussage und ihre Konkretisierung:

    Sie fand die Aufgabe schwierig respektive geradezu unmöglich.

    In der Bedeutung „im anderen Fall“ können unterschiedliche Aussagen über mehrere Dinge miteinander verknüpft werden:

    Es dauerte zwei respektive vier Stunden, die beiden Hotelzimmer wieder bewohnbar zumachen.

    In der Bedeutung „oder (auch)“ können zwei Möglichkeiten miteinander verknüpft werden:

    Als Student kann man sich zum Lernen in die stille Bibliothek zurückziehen respektive in einem belebten Café sein Buch aufschlagen. Es ist alles eine Frage der Präferenzen.

     

  • mondän

    Das Adjektiv mondän bedeutet „elegant“,“extravagant“ oder auch „von Welt“.

    Als mondän bezeichnet man Personen, wenn man ihre Weltgewandtheit betonen möchte. Diese kann sich in der Lebensführung, elegantem Kleidungsstil, exquisiten Umgangsformen oder extravaganten Aktivitäten zeigen.

    Vice versa lassen sich auch direkt der Lebenswandel, der Kleidungsstil, die Umgangsformen oder Taten einer solchen Person als mondän bezeichnen. Zudem können auch Gegenstände und insbesondere Orte mondän sein.

    Der Begriff wurde vom französischen mondaine in den deutschen Wortschatz übernommen und stammt ursprünglich vom lateinischen mundanus (zur Welt gehörig, weltlich) ab.

    Wir hatten rustikale Hütten erwartet, doch das Dorf inmitten der Alpen präsentierte sich uns überraschend mondän.

    Zhong Ming ist ein reicher Kunstsammler in Chengdu, der Hauptstadt der westchinesischen Provinz Sichuan. Er ist ein mondäner, etwas selbstverliebter Typ mit hohem Ansehen in der Künstlerszene, das bis nach Peking reicht.
    Georg Blume, Gib nicht auf China!, Die Zeit, 21.05.2008.

  • indigniert

    Das Adjektiv indigniert bedeutet „peinlich berührt“. Ist eine Person indigniert, so fühlt sie sich in ihrer Würde verletzt, sieht sich also mit etwas konfrontiert, was ihr unangenehm ist und sie betreten macht.

    Die Herkunft des Wortes findet sich im lateinischen indignus (unangemessen, unwürdig), welches sich aus der verneinenden Vorsilbe in- und dem lateinischen Wort für „würdig“, dignus, zusammensetzt.

    Indigniert schüttelte er den Kopf und sah anschließend zu Boden.

    Ich war von seinem Verhalten aufs Höchste indigniert. Ein Fauxpas jagte den nächsten, schrecklich!

    Sie wünschte sich, ihr würde eine schlagfertige Entgegnung einfallen. Stattdessen schwieg sie nur indigniert.

  • Schibboleth

    Ein Schibboleth ist ein (möglicherweise) abgesprochenes, charakteristisches Zeichen, das zur deutlichen Erkennung von etwas oder jemandem beitragen soll.

    In der Linguistik wird unter Schibboleth auch ein spezifisches, sprachliches Merkmal verstanden, mit dem ein Sprecher klar zugeordnet werden kann, beispielsweise im regionalen oder sozialen Kontext durch Dialekt, Wortwahl oder Sprechweise.

    Synonyme des Substantivs sind unter anderem „Erkennungszeichen“, „Losungswort“ oder „Kennwort“.

    Der Begriff wurde aus dem Hebräischen šibōlæṯ (Ähre, Strom) entlehnt. Im Alten Testament wurde Schibboleth als Losungswort der Gileaditer benutzt. Die falsche Aussprache deutete darauf hin, dass die jeweilige Person kein Gileaditer, sondern ein Flüchtling war und somit wurde die Person getötet.

    Am Eingang des exklusiven Nachtclubs ist eine Sprechanlage- nur durch das Aufsagen des richtigen Schibboleths öffnet sich die große Eisentür.

    Was ich, jeder Deutsche und jeder Jude dagegen tadellos aussprechen können, ist ebendas wundervolle Wort für die Feuerprobe, anhand derer Freunde von Feinden unterschieden werden: das hebräische Wort Schibboleth. Genau das wäre nun ein Schibboleth für Holländer. Sie hätten große Schwierigkeiten mit dem weichen Anlaut, weil sie es nicht gewöhnt sind, in der kleinen Grube zwischen unterer Zahnreihe und hochgewölbter Zunge Laute zu bilden.
    -Connie Palmen, Die Versteckte Sprache, Sueddeutsche.de, 14.12.2008

  • intermittierend

    Das Adjektiv intermittierend bedeutet „mit Unterbrechungen“ und beschreibt Vorgänge, Handlungen und Zustände, die zeitweilig ausgesetzt werden bzw. zeitweilig nachlassen und in geringerer Intensität weiter bestehen.

    Besonders häufig wird der Ausdruck im medizinischen Kontext verwendet, um derartige Krankheitsverläufe zu beschreiben.

    Der Ursprung des Begriffs findet sich im lateinischen intermittere (dazwischen offen lassen, unterbrechen), welches sich aus der Vorsilbe inter– (dazwischen, mitten) und dem Verb mittere (schicken, weglassen, loslassen) zusammensetzt.

    Seine Treue als Ehemann ließ auf Geschäftsreisen immer schlagartig nach. Er betrachtete sich sozusagen nur intermittierend als in festen Händen.

    Sie leidet unter intermittierenden Schmerzen, die ebenso plötzlich auftreten wie sie wieder nachlassen.

  • Defätismus

    Defätismus (der) beschreibt einen Zustand der gefühlten Aussichtslosigkeit der Situation und einen dadurch bedingten Drang zum Aufgeben. Der Begriff fand zunächst besonders im militärischen Sprachgebrauch Anwendung.

    Ein offen zur Schau gestellter Defätismus steht – vor allem in Kriegszeiten – in manchen Ländern unter Strafe, da eine Zermürbung der Truppenmoral befürchtet wird.

    Heute wird der Ausdruck auch außerhalb der Militärsprache gebraucht und meint in erster Linie eine pessimistische Einstellung und Resignation bezüglich der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder politischen Lage.

    Der Begriff  wurde als défaitisme zur Zeit des ersten Weltkriegs in Frankreich geprägt und kurz darauf ins Deutsche entlehnt.

    Nach der vernichtenden Niederlage breitete sich ein Defätismus unter den Truppen aus, der sich durch noch so harte Strafen nicht mehr eindämmen ließ. Selbst die höheren Ränge waren schließlich davon überzeugt, dass der Krieg nicht mehr gewonnen werden konnte.

    Alle anderen leuchtenden Ziele in dem kriegsgeplagten Land – Demokratie, Menschenrechte, Bildung – werden längst immer weiter abgedimmt. Und wenn Barack Obama nun gar von Abzugsplänen zu reden beginnt, liegt ein Hauch von Defätismus in der Luft.
    Jörg Lau (2009), Und plötzlich sind sie gut, DIE ZEIT, 26.03.2009 Nr. 14.

  • designieren

    Das Verb designieren bedeutet „bestimmen“ und wird als Adjektiv häufig im Kontext von „für ein noch nicht besetztes Amt bestimmt“ genutzt.

    Entsprechend taucht der Begriff meist im politischen oder Verwaltungskontext auf.

    Es entstammt dem lateinischen Verb designare für „bezeichnen“.

    Sie designieren den bisherigen Landwirtschaftsminister als zukünftigen Kanzlerkandidaten.

    Der Chef designierte Frau Wagner für den unbesetzten Posten der Abteilungsleiterin.

    Der designierte Vorsitzende gab sich Mühe, vor den anderen Mitarbeitern einen kompetenten Eindruck zu erwecken.

Seite 22 von 66«10192021222324253040»