Das Adjektiv postfaktisch bedeutet „nicht auf Fakten beruhend“, „Tatsachen ignorierend“ oder „Gefühle und Überzeugungen über objektive Fakten stellend“.
Als postfaktisch bezeichnet man Situationen, Debatten oder Argumentationen, in denen überprüfbare Tatsachen weniger Einfluss auf die öffentliche Meinung haben als Emotionen, persönliche Überzeugungen oder gezielte Desinformation. Der Begriff wird vor allem im politischen und gesellschaftlichen Kontext verwendet.
Der Begriff wurde von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) zum Wort des Jahres 2016 gekürt, um eine politische Stimmung zu beschreiben, in der Emotionen und gefühlte Wahrheiten Fakten verdrängen.
Postfaktisch wird durch die Ableitung des Adjektivs faktisch mit dem Präfix post- (lat. für nach, hinter) gebildet. Das Wort selbst ist eine Übersetzung des englischen Begriffs post-truth.
Aussprache
Hörbeispiel:
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Lautschrift (IPA): [ˈpɔstˌfaktɪʃ]
Verwendungsbeispiele
Es heißt ja neuerdings, wir lebten in postfaktischen Zeiten. Das soll wohl heißen, die Menschen interessieren sich nicht mehr für Fakten, sondern folgen allein den Gefühlen.
– Angela Merkel, Bundeskanzlerin, in einer Rede im September 2016
Den Redestil einiger Politiker kann man wohl als postfaktisch bezeichnen.
Die Verbreitung von Falschmeldungen in sozialen Netzwerken fördert eine postfaktische Wahrnehmung politischer Ereignisse.
In einer postfaktischen Gesellschaft wird wissenschaftliche Evidenz oft infrage gestellt.
